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Für junge Leser
Stell dir einen großen Krieger namens Arjuna vor, der auf seinem Streitwagen am Rand eines riesigen Schlachtfelds steht. Auf der anderen Seite des Feldes sieht er seine Cousins, seine alten Lehrer und seine Freunde, alle bereit, gegen ihn zu kämpfen. Plötzlich wird ihm übel und traurig zumute. Er lässt seinen Bogen fallen und sagt: „Das kann ich nicht tun.“
Sein Wagenlenker ist Krishna, der im hinduistischen Glauben Gott ist, auf die Erde herabgekommen. Krishna beginnt, mit Arjuna zu sprechen, und ihr Gespräch wird zu einem langen Gedicht namens Bhagavad Gita, was „das Lied des Herrn“ bedeutet. Es ist Teil einer viel größeren Geschichte, des Mahabharata.
Krishna erklärt Arjuna, dass jeder Mensch ein wahres Selbst hat, die Seele, die niemals zerstört werden kann. Er sagt, wir sollten unsere Pflicht so gut wie möglich erfüllen, ohne uns um Sieg oder Niederlage oder um Belohnungen zu sorgen. Er lehrt auch, dass Gott von ganzem Herzen zu lieben ein Weg ist, Frieden zu finden.
Seit mehr als 2.000 Jahren lesen, singen und lernen Menschen in Indien und auf der ganzen Welt die Gita auswendig. Manche lesen sie als heiliges Buch Gottes, andere als Buch der Weisheit darüber, wie man leben soll. Viele lesen sie als Geschichte über die „Kämpfe“ in jedem Menschen, etwa die Entscheidung, das Richtige zu tun, wenn es schwerfällt.
Berühmte Menschen wie Mahatma Gandhi, der Indiens gewaltfreien Kampf um Unabhängigkeit anführte, trugen die Gita bei sich und nannten sie einen Leitfaden für ihr Leben.
Auf einen Blick
- Was es ist
- Ein religiös-philosophisches Sanskrit-Gedicht in Dialogform, Teil des Bhishma Parva (sechstes Buch) des Mahabharata
- Umfang
- 18 Kapitel, 700 Verse im Standardtext (etwa 1.400 Zeilen), größtenteils im anuṣṭubh-Versmaß (śloka)
- Sprecher
- Krishna und Arjuna, überliefert von Sanjaya an den blinden König Dhritarashtra
- Schauplatz
- Das Schlachtfeld von Kurukshetra, am Vorabend des großen Krieges des Mahabharata
- Datierung
- Von Gelehrten meist in die letzten Jahrhunderte v. Chr. datiert (oft 2.–1. Jahrhundert v. Chr.); Schätzungen reichen vom etwa 5. Jahrhundert v. Chr. bis zum 1.–2. Jahrhundert n. Chr.
- Autor
- Traditionell dem Weisen Vyasa zugeschrieben; die meisten Gelehrten sehen darin das Werk eines oder mehrerer anonymer Verfasser
- Zentrale Themen
- Dharma (Pflicht), Karma Yoga (selbstloses Handeln), Jñāna (Wissen), Bhakti (Hingabe), das unvergängliche Selbst
- Erste englische Übersetzung
- Charles Wilkins, 1785
Einfach
Was ist die Bhagavad Gita?
Die Bhagavad Gita, oft einfach die Gita genannt, ist ein Gedicht in Sanskrit, der klassischen Sprache des alten Indien. Ihr Name bedeutet „das Lied des Herrn“ (bhagavat, „der Erhabene“ oder „der Herr“, und gītā, „Lied“). Sie bildet einen kleinen Teil des Mahabharata, eines der beiden großen Epen Indiens und eines der längsten Gedichte der Welt.
Die Gita ist ein Gespräch. Am Morgen eines schrecklichen Krieges verliert der Kriegerprinz Arjuna den Mut, und sein Wagenlenker Krishna beantwortet seine Fragen über Leben, Tod, Pflicht und Gott. In der hinduistischen Tradition ist Krishna ein Avatar, ein Herabstieg des Gottes Vishnu in die Welt, weshalb viele Hindus seine Worte als göttliche Lehre auffassen.
Obwohl sie nur 700 Verse lang ist, ist die Gita zu einem der wichtigsten Texte des Hinduismus geworden und zu einem der meistübersetzten Bücher der Welt. Hindus vieler Schulen verehren sie, und Philosophen, Dichter, politische Führer und Wissenschaftler weit über Indien hinaus haben sie eingehend gelesen. Sie wird sowohl von Gläubigen als Schrift als auch von Gelehrten als historischer und philosophischer Text gelesen, und diese Seite stellt beide Perspektiven vor.
Einfach
Der Schauplatz: die Krise eines Kriegers
Das Mahabharata erzählt von einem Streit zwischen zwei Zweigen einer königlichen Familie: den fünf Pandava-Brüdern, unter ihnen Arjuna, und ihren Cousins, den hundert Kauravas unter der Führung Duryodhanas. Nach Jahren des Unrechts, des Exils und gescheiterter Friedensgespräche, darunter eine Friedensmission Krishnas selbst, versammeln beide Seiten ihre Heere auf der Ebene von Kurukshetra im Norden Indiens.
Die Gita beginnt damit, dass der blinde König Dhritarashtra, Vater der Kauravas, seinen Berater Sanjaya fragt, was auf dem „Feld des Dharma“ geschieht. Sanjaya, dem die Fähigkeit verliehen wurde, das entfernte Schlachtfeld zu sehen, berichtet alles, sodass die gesamte Gita eine Geschichte innerhalb einer Geschichte ist.
Arjuna bittet Krishna, seinen Streitwagen zwischen die beiden Heere zu lenken. Als er auf beiden Seiten Verwandte, Älteste und Lehrer sieht, wird er von Trauer überwältigt. Er argumentiert, seine eigene Familie zu töten wäre eine Sünde und würde die soziale Ordnung zerstören, und weigert sich zu kämpfen. Der Rest des Gedichts ist Krishnas Antwort.
Einfach
Was Krishna lehrt, in einfachen Worten
Erstens sagt Krishna, dass das wahre Selbst (ātman) ewig ist. Körper werden geboren und sterben, so wie Menschen alte Kleider gegen neue tauschen, doch das Selbst wird niemals geboren und niemals zerstört. Arjunas Trauer entsteht also daraus, dass er das Selbst mit dem Körper verwechselt.
Zweitens lehrt Krishna, dass jeder handeln muss; selbst Nichtstun ist eine Entscheidung. Wichtig ist, seine Pflicht (Dharma) zu erfüllen, ohne an den Ergebnissen zu hängen. Einer der meistzitierten Verse lautet ungefähr: „Du hast ein Recht auf deine Handlungen, aber niemals auf ihre Früchte.“ Diese Art zu handeln nennt man Karma Yoga, die Disziplin des Handelns.
Drittens spricht Krishna von Wissen und von Liebe. Zu erkennen, dass dieselbe göttliche Wirklichkeit in allen Wesen lebt, bringt Weisheit und Ruhe. Und alle eigenen Handlungen Gott in liebender Hingabe (Bhakti) darzubringen, befreit einen Menschen von der Angst. Gegen Ende lädt Krishna Arjuna ein, sich ihm vollständig anzuvertrauen.
Am Ende sagt Arjuna, seine Verwirrung sei verschwunden, nimmt seinen Bogen auf und bereitet sich darauf vor, seine Pflicht zu erfüllen. Leser haben seither darüber gestritten, was dieses Ende bedeutet.
Krishna beschreibt auch, wie ein weiser Mensch ist. Ein solcher Mensch lässt sich nicht von Vergnügen fortreißen und wird nicht von Schmerz niedergedrückt, begegnet Freunden und Feinden, Lob und Tadel mit derselben Gelassenheit und handelt nicht aus Gier, Angst oder Zorn. Dieses innere Gleichgewicht, das die Gita Yoga nennt, wird als möglich dargestellt, nicht nur für Mönche im Wald, sondern auch für Menschen, die ein gewöhnliches Leben mit Familie und Verantwortung führen.
Mittel
Aufbau und Höhepunkte
Die Gita hat 18 Kapitel, von denen jedes traditionell als eine Art Yoga benannt ist, etwa „der Yoga des Wissens“ oder „der Yoga der Hingabe“. Im vollständigen Mahabharata erscheinen sie als Kapitel 25–42 (in manchen Ausgaben 23–40) des Bhishma Parva. Jedes Kapitel endet mit einem Kolophon, das den Text eine Upanishad nennt und ihn so mit den älteren philosophischen Texten der Veden verbindet.
Viele Kommentatoren teilen sie in drei Gruppen zu je sechs Kapiteln. Die ersten sechs konzentrieren sich auf Handeln und Selbstdisziplin, die mittleren sechs auf Hingabe und das Wesen Gottes, die letzten sechs auf Wissen, den Unterschied zwischen Körper und Selbst sowie die Eigenschaften der Natur. Dies ist ein späteres Deutungsschema, keine im Text selbst markierte Einteilung.
Kapitel 2 führt das ewige Selbst und das Ideal des sthitaprajña ein, des Menschen von beständiger Weisheit. Kapitel 4 enthält Krishnas Versprechen, in der Welt zu erscheinen, wann immer das Dharma schwindet. In Kapitel 11 erhält Arjuna göttliche Sicht und erblickt Krishnas universale Gestalt (viśvarūpa), lodernd mit unzähligen Gesichtern, die die Krieger beider Heere verschlingt; hier erklärt Krishna, er sei die Zeit, die Zerstörerin der Welten. Kapitel 18 führt die Lehren zusammen.
Die meisten Verse verwenden den śloka, ein Versmaß aus vier Vierteln zu je acht Silben, dasselbe Versmaß, das für den größten Teil des Epos verwendet wird. Seine Klarheit und sein Rhythmus machen die Gita zum Rezitieren geeignet, und viele Hindus singen sie täglich oder tragen sie bei Festen und Beerdigungen vor.
Mittel
Kernideen: Dharma, Handeln, Wissen und Hingabe
Dharma ist ein vielschichtiges Wort, das Pflicht, rechte Ordnung und Religion bedeutet. Arjunas svadharma, seine eigene Pflicht als kṣatriya (Krieger), besteht darin, einen gerechten Krieg zu führen. Die Gita erklärt, es sei besser, die eigene Pflicht unvollkommen zu erfüllen als die Pflicht eines anderen gut. Wie weit sich svadharma auf die soziale Klasse und wie weit auf das eigene Wesen eines Menschen bezieht, ist zu einer zentralen Deutungsfrage geworden.
Die Gita bringt mehrere Wege zusammen, die zu ihrer Zeit in Spannung zueinander standen. Die vedische Tradition betonte rituelles Handeln; die Entsager, darunter buddhistische und jainistische Mönche sowie Asketen der Upanishaden, suchten Befreiung, indem sie sich vom Handeln zurückzogen. Die Antwort der Gita besteht darin, das Handeln zu verwandeln statt es aufzugeben: Wer ohne selbstsüchtiges Verlangen handelt, den bindet das Handeln nicht mehr.
Sie nimmt auch Ideen der Sāṅkhya-Philosophie auf, die Geist (puruṣa) von Materie (prakṛti) unterscheidet und drei Eigenschaften oder guṇas beschreibt, sattva (Klarheit), rajas (Leidenschaft) und tamas (Trägheit), die alle Dinge formen. Und sie verwendet die Sprache der Upanishaden über brahman, die letzte Wirklichkeit.
Über all dem sehen viele Leser die Hingabe als Höhepunkt der Gita. Krishna ist nicht nur ein Lehrer, sondern der höchste Gott, Quelle des Universums, der seine Verehrer liebt. Das Verhältnis zwischen dem unpersönlichen brahman und dem persönlichen Gott, und zwischen Wissen, Handeln und Hingabe, ist genau das, was spätere Schulen unterschiedlich deuteten.
Mittel
Die Gita in der hinduistischen Tradition
Streng genommen gehört die Gita zur smṛti, der „erinnerten“ Tradition, statt zur śruti, der „gehörten“ Offenbarung der Veden. Dennoch wurde sie fast wie Offenbarung behandelt. In der Vedanta-Tradition bildet sie zusammen mit den Upanishaden und den Brahma-Sutras einen der drei Grundtexte (prasthānatrayī), zu denen jede bedeutende Schule einen Kommentar verfassen musste.
Für die vaishnavitischen Traditionen, die Vishnu und seine Avatare verehren, ist die Gita zentral, und spätere Texte wie die Puranas rühmen das Verdienst, sie zu lesen. Ihre Lehre der Hingabe beeinflusste die Bhakti-Bewegungen, die sich im Mittelalter über ganz Indien verbreiteten und sich sowohl in regionalen Sprachen als auch in Sanskrit ausdrückten.
Im religiösen Alltag wird die Gita in Häusern und Tempeln rezitiert, von Schülern auswendig gelernt und in Gruppen studiert. Viele Hindus feiern Gita Jayanti, den Tag, an dem Krishna sie gesprochen haben soll. Der traditionellen Chronologie zufolge fand der Krieg von Kurukshetra am Ende eines früheren kosmischen Zeitalters statt, und der Beginn des gegenwärtigen Kali-Zeitalters wird traditionell auf 3102 v. Chr. datiert; Historiker betrachten diese Daten als religiöse Chronologie, nicht als historischen Beleg.
Der Einfluss der Gita reicht weit über ihre eigenen Verse hinaus. Sie inspirierte viele spätere Werke, die sich selbst gītās nennen, wie die Anu Gita innerhalb des Mahabharata selbst sowie Texte wie die Ashtavakra Gita und die Uddhava Gita, die Lehren in ähnlicher Dialogform darstellen. Szenen aus der Gita, vor allem Krishna, der Arjunas Streitwagen lenkt, gehören zu den vertrautesten Bildern der indischen Malerei, Bildhauerei, Kalenderkunst, des Theaters und Films.
Mittel
Klassische Kommentare: viele Lesarten eines Textes
Der älteste erhaltene Kommentar stammt von Adi Shankara (traditionell etwa 8. Jahrhundert n. Chr.), dem großen Lehrer der Advaita Vedanta. Er las die Gita als Lehre, dass das Selbst mit brahman identisch ist und Befreiung letztlich durch Wissen kommt, wobei selbstloses Handeln den Geist reinigt und darauf vorbereitet.
Ramanuja (11.–12. Jahrhundert) aus der Sri-Vaishnava-Tradition widersprach. Für seinen Viśiṣṭādvaita (qualifizierten Nichtdualismus) sind individuelle Seelen und die Welt reale Teile Gottes, und liebende Hingabe und Ergebung an Narayana, den Krishna verkörpert, ist der höchste Weg. Madhva (13. Jahrhundert) ging weiter in Richtung Dualismus und beharrte darauf, dass Gott, Seelen und Materie ewig getrennt seien.
Weitere wichtige Kommentatoren sind Abhinavagupta aus der kaschmirischen Shaiva-Tradition, der eine leicht abweichende Textfassung kommentierte, und Dnyaneshwar, dessen Dnyaneshwari (um 1290) auf Marathi eines der frühesten Werke der Marathi-Literatur ist und half, die Gita Menschen nahezubringen, die kein Sanskrit kannten.
Diese Kommentare zeigen, dass die Gita keine einzige feste Lehre festlegte. Jede Schule fand ihre eigene Philosophie in dem Text, und über die Gita zu debattieren wurde zu einer Art, über das Wesen der Wirklichkeit, des Selbst und Gottes zu debattieren.
Mittel
Die Gita in der modernen Welt
1785 veröffentlichte Charles Wilkins, ein Angestellter der Ostindien-Kompanie, die erste englische Übersetzung, mit einem Vorwort des Generalgouverneurs Warren Hastings. Übersetzungen ins Französische, Deutsche und in andere Sprachen folgten bald, und 1808 nahm Friedrich Schlegel Passagen in die erste direkte Übersetzung aus dem Sanskrit ins Deutsche auf. Die amerikanischen Transzendentalisten Ralph Waldo Emerson und Henry David Thoreau gehörten zu ihren Bewunderern.
Im kolonialen Indien wurde die Gita zentral für die religiöse und nationale Wiederbelebung. Swami Vivekananda griff auf sie zurück, um den Hinduismus als universelle Spiritualität darzustellen. Bal Gangadhar Tilak schrieb seinen einflussreichen Kommentar Gita Rahasya 1910–1911 im Gefängnis und betonte Karma Yoga als Aufruf zum Handeln. Sri Aurobindo las sie als Schrift geistiger Evolution. Manche Revolutionäre beriefen sich auf sie, um bewaffneten Widerstand gegen die britische Herrschaft zu rechtfertigen.
Mahatma Gandhi nannte die Gita sein „geistiges Wörterbuch“ und schrieb 1929 im Gefängnis einen Kommentar auf Gujarati. Für ihn war ihr Schlachtfeld eine Allegorie des Kampfes in der Seele, und ihre Lehre selbstlosen Handelns stützte die Gewaltlosigkeit. Der Dalit-Führer B. R. Ambedkar dagegen kritisierte die Gita dafür, die Kastenordnung zu verteidigen und Töten durch die Lehre von der ewigen Seele zu rechtfertigen.
Die weltweite Wirkung der Gita setzte sich im 20. Jahrhundert fort. J. Robert Oppenheimer, der sie im Sanskrit-Original las, erinnerte sich später bei der Beschreibung des ersten Atomtests 1945 an Krishnas Worte aus Kapitel 11. Philip Glass' Oper Satyagraha (1979) vertont Texte aus der Gita auf Sanskrit, und A. C. Bhaktivedanta Swami Prabhupadas Übersetzung Bhagavad-gītā As It Is verbreitete sich weltweit durch die Internationale Gesellschaft für Krishna-Bewusstsein.
Fortgeschritten
Datierung, Autorschaft und Entstehung
Die Tradition schreibt die Gita, wie das gesamte Mahabharata, dem Weisen Vyasa zu. Historiker betrachten Vyasa im Allgemeinen als traditionellen oder symbolischen Autor, da derselben Figur auch die Zusammenstellung der Veden und der Puranas zugeschrieben wird, Texte, die durch viele Jahrhunderte getrennt sind.
Die wissenschaftlichen Datierungen schwanken stark, weil das Alter des Mahabharata selbst ungewiss ist; das Epos wuchs über viele Jahrhunderte, vielleicht etwa vom 4. Jahrhundert v. Chr. bis in die ersten Jahrhunderte n. Chr. Die Gita wird meist ins 2. oder 1. Jahrhundert v. Chr. gelegt. A. L. Basham argumentierte, ihre Beschäftigung mit der Ethik des Krieges und mit Entsagung passe zu einer Zeit nach dem Aufstieg von Buddhismus und Jainismus und der Herrschaft Ashokas. Sprachliche Merkmale, die zwischen vedischem und klassischem Sanskrit liegen, deuten ebenfalls auf das späte erste Jahrtausend v. Chr. Manche Gelehrte, etwa K. N. Upadhyaya, plädieren für eine frühere Datierung im 5. oder 4. Jahrhundert v. Chr.; andere setzen eine endgültige Redaktion in die ersten Jahrhunderte n. Chr.
Viele Gelehrte sehen den Text als zusammengesetzt an. Basham vermutete drei oder mehr Autoren oder Entstehungsstufen; andere haben einen älteren Kern identifiziert, der sich auf Arjunas Pflicht konzentriert, mit späteren Ergänzungen, die die Hingabetheologie und die Vision der universalen Gestalt entwickeln. Angelika Malinar dagegen hat betont, wie eng die Argumente der Gita mit den Debatten über Krieg und Königtum an anderer Stelle des Epos verbunden sind, und liest sie als integralen Bestandteil des Mahabharata statt als spätere Einfügung.
Der Text ist mit 700 Versen in der Vulgata bemerkenswert stabil, obwohl manche Handschriften und die kaschmirische Textfassung Abweichungen zeigen und eine Mahabharata-Passage von 745 Versen spricht. Der maßgebliche kritische Text ist der der kritischen Ausgabe des Mahabharata, die am Bhandarkar Oriental Research Institute in Pune erstellt wurde.
Fortgeschritten
Deutungsdebatten: Gewalt, Kaste, Allegorie und Ethik
Die hartnäckigste Debatte betrifft die Gewalt. Krishna drängt Arjuna, in einem Krieg zu kämpfen, der seine Verwandten töten wird, während viele indische Traditionen, darunter Teile des Mahabharata selbst, ahiṃsā, die Gewaltlosigkeit, preisen. Manche Leser nehmen den Krieg wörtlich und sehen in der Gita eine Rechtfertigung gerechten Krieges; Gandhi und viele andere lesen sie allegorisch als Lehre über den inneren Kampf; wieder andere, etwa Ambedkar, sehen darin eine Rationalisierung von Gewalt. Gelehrte weisen auch darauf hin, dass die Gita wenig über die tatsächliche Kriegsführung sagt und sich stattdessen auf die innere Haltung des Handelnden konzentriert.
Eine zweite Debatte betrifft die Kaste. Die Gita sagt, die vier varṇas seien nach Eigenschaften und Handlungen geschaffen worden, und fordert jeden Menschen auf, seiner eigenen Pflicht zu folgen. Traditionelle Lesarten verknüpften dies mit der Geburt; Reformer wie Vivekananda und Aurobindo deuteten svadharma neu als Pflicht gemäß dem eigenen Wesen oder der eigenen Lage; Kritiker argumentieren, der Text habe die soziale Hierarchie gestützt. Dieselben Verse stützen so sehr unterschiedliche gesellschaftliche Visionen.
Philosophen streiten über die ethische Theorie der Gita. Manche beschreiben Karma Yoga als eine Form der Deontologie, die eigene Pflicht unabhängig von den Folgen zu erfüllen; andere betonen, dass Krishna auch auf Folgen wie die soziale Ordnung verweist. Der Artikel der Internet Encyclopedia of Philosophy etwa liest die Gita so, dass sie konventionelle Moraltheorien kritisiert und eine eigene, um Karma Yoga und Bhakti Yoga zentrierte prozedurale Ethik vorschlägt.
Schließlich fragen Religionshistoriker, wie die Gita so prominent wurde. Manche Gelehrte argumentieren, ihr Status als die eine wesentliche Schrift des Hinduismus sei teilweise eine moderne Entwicklung, geprägt durch Übersetzungen der Kolonialzeit, orientalistische Gelehrsamkeit und nationalistische Bewegungen seit dem späten 19. Jahrhundert, obwohl sie schon zuvor viele Jahrhunderte lang in den Kommentar- und Hingabetraditionen wichtig war. Für Gläubige beruht ihre Autorität natürlich auf ihrem göttlichen Ursprung und nicht auf dieser Geschichte.
Kernideen
- Dharma
- Pflicht, rechte Ordnung und Religion; in der Gita vor allem die einer eigenen Stellung und Natur entsprechende Pflicht (svadharma).
- Karma Yoga
- Die Disziplin, ohne Anhaften an Ergebnissen zu handeln, Handlungen darzubringen statt Belohnungen zu suchen.
- Jñāna Yoga
- Der Weg des Wissens: die Erkenntnis des ewigen Selbst und der einen Wirklichkeit in allen Wesen.
- Bhakti
- Liebende Hingabe an Gott, dargestellt als ein allen Menschen offener Weg und für viele Leser die höchste Lehre der Gita.
- Ātman
- Das wahre Selbst, das die Gita als ungeboren, ewig und unzerstörbar beschreibt.
- Die drei guṇas
- Sattva, rajas und tamas, die Eigenschaften der Natur, die Geist, Handlungen und alle Dinge formen.
- Avatar
- Der Herabstieg Gottes in die Welt; Krishna sagt, er erscheine, wann immer das Dharma schwindet.
- Sthitaprajña
- Der Mensch von beständiger Weisheit, gelassen in Erfolg und Misserfolg, Freude und Schmerz.
Einträge
- um 400 v. Chr. — Das Mahabharata beginnt über mehrere Jahrhunderte hinweg Gestalt anzunehmen (Datierung umstritten).
- um 200 v. Chr. — Am häufigsten vorgeschlagener Zeitraum für die Entstehung der Bhagavad Gita (2.–1. Jahrhundert v. Chr.).
- um 800 n. Chr. — Adi Shankara schreibt den ältesten erhaltenen Kommentar und liest die Gita durch die Advaita Vedanta.
- um 1100 — Ramanujas Kommentar stellt eine hingabezentrierte, qualifiziert nichtdualistische Lesart vor.
- um 1250 — Madhva schreibt einen dualistischen Kommentar.
- um 1290 — Dnyaneshwar verfasst die Dnyaneshwari, einen Kommentar auf Marathi.
- 1785 — Charles Wilkins veröffentlicht die erste englische Übersetzung.
- 1808 — Friedrich Schlegel veröffentlicht deutsche Übersetzungen von Passagen der Gita.
- 1910 — Bal Gangadhar Tilak beginnt im Gefängnis, Gita Rahasya zu schreiben.
- 1929 — Mahatma Gandhi schreibt seinen Gujarati-Kommentar zur Gita im Yerwada-Gefängnis.
- 1945 — J. Robert Oppenheimer erinnert sich später an einen Vers der Gita im Zusammenhang mit dem ersten Atomtest.
- 1979 — Philip Glass' Oper Satyagraha vertont Sanskrit-Texte aus der Gita.
Glossar
- Sanskrit
- Die klassische Sprache des alten Indien, verwendet für religiöse, philosophische und literarische Texte.
- Mahabharata
- Ein gewaltiges Sanskrit-Epos über den Krieg zwischen den Pandavas und den Kauravas, dessen Teil die Gita ist.
- Kurukshetra
- Die Ebene in Nordindien, auf der die große Schlacht des Mahabharata angesiedelt ist, im ersten Vers der Gita „Feld des Dharma“ genannt.
- Avatar
- Ein Herabstieg einer Gottheit, besonders Vishnus, in die Welt in körperlicher Gestalt.
- Kṣatriya
- Die Krieger- und Herrscherklasse in der traditionellen vierteiligen sozialen Ordnung (varṇa).
- Varṇa
- Die traditionelle ideale Einteilung der Gesellschaft in vier Klassen: Priester, Krieger, Kaufleute und Arbeiter.
- Smṛti und śruti
- „Erinnerte“ Tradition und „gehörte“ Offenbarung, zwei Kategorien hinduistischer heiliger Texte.
- Vedanta
- Eine Familie hinduistischer philosophischer Schulen, die auf den Upanishaden, den Brahma-Sutras und der Gita beruhen.
- Moksha
- Befreiung aus dem Kreislauf von Geburt und Tod.
- Śloka
- Die gebräuchliche epische Versform aus zwei Zeilen zu je sechzehn Silben.
- Ahiṃsā
- Gewaltlosigkeit oder Nichtverletzen, ein wichtiger Wert in den indischen Religionen.
Fragen und Antworten
Ist die Bhagavad Gita ein eigenständiges Buch oder Teil des Mahabharata?
Sie ist Teil des Mahabharata, im sechsten Buch, wird aber seit langem als eigenständiges Buch abgeschrieben, gedruckt und studiert.
Fordert die Gita die Menschen zum Krieg auf?
In der Geschichte fordert Krishna Arjuna auf, in einem bestimmten Krieg zu kämpfen, den er als gerecht bezeichnet. Viele Leser, darunter Gandhi, verstehen dies als Lehre über das Bestehen innerer Kämpfe und das Erfüllen der eigenen Pflicht, nicht als Ermutigung zur Gewalt.
Wer schrieb die Gita?
Der Überlieferung nach verfasste sie der Weise Vyasa und hielt dabei Krishnas Worte fest. Historiker vermuten, sie sei von einem oder mehreren unbekannten Dichtern verfasst worden, wahrscheinlich in den letzten Jahrhunderten v. Chr.
Warum gibt es so viele verschiedene Deutungen?
Die Gita vereint mehrere Philosophien und Wege in einem kurzen, poetischen Text, sodass verschiedene Schulen, von der Advaita bis zu Hingabetraditionen bis zu modernen Aktivisten, unterschiedliche Verse betont haben.
Ist die Gita nur für Hindus?
Sie ist eine heilige Schrift für Hindus und wurde auch von Menschen vieler Glaubensrichtungen und ohne Glauben als Werk der Philosophie und Literatur gelesen.
Was spricht für die Datierung ins 2.–1. Jahrhundert v. Chr.?
Ihre Sprache liegt zwischen vedischem und klassischem Sanskrit, sie reagiert auf Ideen, die mit Buddhismus, Jainismus und den Entsagungsbewegungen verbunden sind, und sie ist mit dem ungewissen Wachstum des Mahabharata verknüpft. Keines dieser Argumente liefert ein genaues Datum.
Hat Oppenheimer die Gita wirklich zitiert?
Ja. In einem späteren Fernsehinterview erinnerte er sich bei der Beschreibung der ersten Atomexplosion an die Zeile aus Kapitel 11, oft übersetzt als „Nun bin ich der Tod geworden, der Zerstörer der Welten“.
Quellen und weiterführende Literatur
- Bhagavad Gita. Wikipedia
- Bhagavad Gītā. Internet Encyclopedia of Philosophy
- Mahabharata. Wikipedia
- Upanishads. Wikipedia
- Adi Shankara. Wikipedia
- 바가바드 기타. Wikipedia (Korean)
- Angelika Malinar, The Bhagavadgītā: Doctrines and Contexts. Cambridge University Press, 2007
Verwandte Inhalte
- MahabharataEin umfangreiches Sanskrit-Epos über den Konflikt zweier verwandter Königsfamilien, zu dessen Teilen die „Bhagavad Gita“ gehört.
- Frühe UpanishadenTexte, die nach dem Wesen des Selbst (ātman) und seinem Verhältnis zur letzten Wirklichkeit (brahman) fragen – eine Grundlage der späteren indischen Philosophie.
- RigvedaDie älteste Sammlung vedischer Hymnen in Sanskrit, die jahrhundertelang mündlich überliefert wurde, bevor man sie niederschrieb.
- RamayanaEin Sanskrit-Epos über Rama, Sita und ihre Verbannung, das in Süd- und Südostasien in vielen Fassungen überliefert ist.
- Adi ShankaraEin indischer Philosoph, der mit dem Advaita Vedanta verbunden ist, dessen Lehre die letztgültige Einheit des Selbst mit brahman vertritt.
- Siddhartha Gautama (der Buddha)Begründer des Buddhismus, der in der Gangesebene einen Weg zur Befreiung vom Leiden lehrte. Seine Lebensdaten sind umstritten.
Mit KI-Unterstützung auf Grundlage der oben aufgeführten veröffentlichten Quellen verfasst und bei neuen Forschungsergebnissen überarbeitet.
