Geschichte

Sima Qian

司馬遷

um 145–86 v. Chr. · Chang’an (Han-Hauptstadt)

In einem Satz

Sima Qian war ein chinesischer Hofbeamter, der vor über 2.000 Jahren lebte. Er schrieb das Shiji, die „Aufzeichnungen des Großhistorikers“: ein umfangreiches Geschichtswerk, das anhand der Lebensgeschichten von Herrschern, Feldherren, Denkern und einfachen Menschen von Chinas sagenhafter Frühzeit bis zu seiner eigenen Gegenwart erzählt.

Sima Qian
Bild: Unknown · Public domain · Wikimedia Commons

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Für junge Leser

Vor mehr als 2.000 Jahren lebte in China ein Mann namens Sima Qian. Er arbeitete im Palast des Kaisers. Dort beobachtete er die Sterne, kümmerte sich um den Kalender und bewahrte alte Aufzeichnungen auf. Sein Vater hatte dieselbe Arbeit gemacht. Bevor er starb, bat er Sima Qian, ein großes Geschichtsbuch fertigzuschreiben.

Sima Qian versprach es ihm. Als junger Mann war er durch China gereist. Er besuchte alte Schlachtfelder, den Heimatort von Konfuzius und Orte, von denen berühmte Geschichten handelten. Er hörte auch zu, was die Menschen dort erzählten.

Dann geschah etwas Schlimmes. Sima Qian verteidigte vor dem Kaiser einen Feldherrn, der eine Schlacht verloren und sich ergeben hatte. Der Kaiser wurde sehr wütend. Sima Qian wurde zum Tod verurteilt. Er konnte nur am Leben bleiben, wenn er eine grausame Strafe annahm, die damals als große Schande galt. Er entschied sich dafür, weil er sein Versprechen halten und das Buch beenden wollte.

Das fertige Buch heißt Shiji. Es hat 130 Kapitel. Einige erzählen Jahr für Jahr von den Taten der Herrscher. Andere enthalten Übersichten, ähnlich wie Zeitleisten. Manche erklären Musik, den Kalender, Flüsse und Geld. Mehr als die Hälfte der Kapitel erzählt vom Leben verschiedener Menschen: von Kaisern und Herrscherinnen, aber auch von Händlern, Wahrsagern, Hofnarren und Menschen, die Anschläge verübten.

Sima Qian erzählte so lebendig, dass Menschen seine Geschichten noch heute gern lesen. Etwa 2.000 Jahre lang nahmen Geschichtsschreiber in China, Korea, Japan und Vietnam den Aufbau seines Buches zum Vorbild. Deshalb wird er oft „Vater der chinesischen Geschichtsschreibung“ genannt.

Auf einen Blick

Lebensdaten
Geboren um 145 v. Chr. (nach Ansicht mancher Forscher um 135 v. Chr.); gestorben vermutlich um 86 v. Chr. (genaues Datum unbekannt)
Geburtsort
Xiayang bei Longmen (nahe dem heutigen Hancheng in Shaanxi, China)
Dynastie
Westliche Han-Dynastie, unter Kaiser Wu (Regierungszeit 141–87 v. Chr.)
Ämter
Oberster Astrologe beziehungsweise Oberster Schreiber (taishi ling, ab etwa 108 v. Chr.); später Palastsekretär (zhongshu ling)
Hauptwerk
Shiji (史記, „Aufzeichnungen des Großhistorikers“), ursprünglich Taishigong shu („Buch des Obersten Schreibers“) genannt
Umfang
130 Kapitel, nach eigener Zählung des Autors etwa 526.500 Schriftzeichen
Zeitraum
Vom sagenhaften Gelben Kaiser bis zur Regierungszeit Kaiser Wus, etwa 2.500 Jahre
Nachwirkung
Begründete die Form der Annalen und Biografien (jizhuan), die für Chinas offizielle Dynastiegeschichten verwendet und in ganz Ostasien übernommen wurde

Einfach

Wer war Sima Qian?

Sima Qian war ein Beamter der Han-Dynastie (206 v. Chr.–220 n. Chr.). Er lebte während der langen Regierungszeit Kaiser Wus, eines der mächtigsten Herrscher der chinesischen Geschichte. Berühmt wurde Sima Qian durch ein Werk: das Shiji, das er um 91 v. Chr. vollendete. Es war der erste Versuch, die gesamte bekannte Vergangenheit der chinesischen Welt in einem einzigen Geschichtswerk darzustellen.

Sein Amtstitel taishi ling wird oft mit „Großhistoriker“ übersetzt. Auch „Oberster Astrologe“ oder „Oberster Schreiber“ sind mögliche Übersetzungen. Das Amt war für Astronomie, Kalender, Vorzeichen und die Aufbewahrung von Dokumenten zuständig. Eine umfassende Geschichte zu schreiben, gehörte nicht unmittelbar zu seinen Aufgaben. Es war ein persönliches Vorhaben, das sein Vater Sima Tan begonnen hatte, der dasselbe Amt bekleidete.

Sima Qian ist nicht nur für sein Werk bekannt, sondern auch für den Preis, den er dafür zahlte. Nachdem er 99 v. Chr. einen in Ungnade gefallenen Feldherrn verteidigt hatte, wurde er verurteilt. Er entschied sich für eine Kastration, statt zu sterben, damit er sein Werk vollenden konnte. Seine Gedanken über diese Entscheidung, besonders im Brief an Ren An, machten ihn in der ostasiatischen Kultur zu einem Sinnbild für Aufrichtigkeit und Ausdauer.

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Einfach

Leben: ein Versprechen an den Vater

Sima Qian wurde in Xiayang geboren, nahe der Longmen-Schlucht („Drachentor“) am Gelben Fluss. Sein Geburtsjahr ist ungewiss: Aufgrund unterschiedlicher früher Kommentare nennen Forscher etwa 145 v. Chr. oder etwa 135 v. Chr. Seine Familie führte ihre Abstammung auf alte Hofgeschichtsschreiber zurück. Sein Vater Sima Tan wurde in Chang’an zum Obersten Astrologen ernannt. Er schrieb einen kurzen Aufsatz, in dem er die „Sechs Denkschulen“ verglich und den Daoismus lobte.

Sima Qian erhielt eine klassische Bildung und konnte laut seinem eigenen Nachwort schon mit zehn Jahren alte Schriftformen lesen. Mit etwa zwanzig Jahren brach er zu ausgedehnten Reisen auf: nach Süden an den Jangtse und den Huai, zum Berg Kuaiji, wo der Überlieferung nach der Flutbändiger Yu begraben lag, und nach Qufu, dem Heimatort von Konfuzius. Dort beobachtete er Schüler bei der Ausübung alter Riten. Später wurde er Palastdiener (langzhong) und um 111 v. Chr. auf eine amtliche Mission in den kurz zuvor eroberten Südwesten geschickt.

Im Jahr 110 v. Chr. vollzog Kaiser Wu am Berg Tai die großen feng- und shan-Opfer, die feierlichsten Herrscherriten. Sima Tan war erkrankt und konnte nicht teilnehmen. Das empfand er als Unglück. Auf dem Sterbebett nahm er die Hand seines Sohnes, weinte und bat ihn, das begonnene Geschichtswerk zu vollenden. Die Taten würdiger Herrscher, treuer Minister und rechtschaffener Männer sollten nicht vergessen werden. Sima Qian versprach es ihm.

Etwa zwei Jahre später folgte Sima Qian seinem Vater als Oberster Astrologe nach. Damit erhielt er Zugang zur kaiserlichen Bibliothek und zu den Archiven. Im Jahr 104 v. Chr. wirkte er an der Kalenderreform mit, aus der der Taichu-Kalender („Großer Anfang“) hervorging. Etwa zu dieser Zeit begann er ernsthaft zu schreiben.

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Einfach

Die Li-Ling-Affäre und der Brief an Ren An

Im Jahr 99 v. Chr. führte der Feldherr Li Ling eine kleine Infanterietruppe tief in die Steppe, um gegen die Xiongnu zu kämpfen. Dieser Bund nomadischer Völker war der größte Rivale des Han-Reiches. Nach heftigen Kämpfen gegen ein weit größeres Heer wurde Li Ling eingekesselt und ergab sich. Beamte am Hof, die ihn zuvor gelobt hatten, verurteilten ihn nun. Sima Qian, der Li Ling kaum kannte, verteidigte ihn. Er verwies auf dessen frühere Treue und vermutete, dass Li Ling sich ergeben haben könnte, um dem Kaiser später erneut zu dienen.

Kaiser Wu verstand dies als Angriff auf Li Guangli, den Befehlshaber des Hauptfeldzugs und Bruder seiner bevorzugten Gemahlin. Sima Qian wurde angeklagt und zum Tod verurteilt. Nach dem Recht der Han-Zeit konnte die Strafe durch eine hohe Zahlung oder durch Kastration abgewendet werden. Er konnte nicht bezahlen, und wie er später schrieb, setzte sich kein Freund für ihn ein. Er entschied sich für die Kastration. Diese Strafe galt als so erniedrigend, dass von einem Ehrenmann erwartet wurde, stattdessen sein Leben zu beenden.

Sima Qian erklärte seine Entscheidung in einem Brief an seinen Freund Ren An. Dieser stand nach den politischen Unruhen von 91 v. Chr. vor seiner Hinrichtung. Sima Qian schrieb, jeder Mensch müsse sterben, doch ein Tod könne „schwerer wiegen als der Berg Tai oder leichter als eine Gänsefeder“. Er habe die Schande ertragen, weil sein Werk noch unvollendet gewesen sei. Er wolle „die Grenze zwischen Himmel und Mensch erforschen, den Wandel von Vergangenheit und Gegenwart verstehen und die Worte einer Denkschule vollenden“. Der Brief ist in Ban Gus Buch der Han überliefert und wurde zu einem der berühmtesten Prosatexte der chinesischen Literatur.

Nach seiner Bestrafung diente Sima Qian als zhongshu ling, als Palastsekretär. Dieses Amt bekleideten gewöhnlich Eunuchen; es hielt ihn in der Nähe des Kaisers. Der Brief an Ren An ist das letzte eindeutige Zeugnis aus seinem Leben. Niemand weiß, wann oder wie er starb. Möglicherweise starb er etwa zur selben Zeit wie Kaiser Wu, 87 oder 86 v. Chr.

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Mittel

Der Aufbau des Shiji

Das Shiji umfasst 130 Kapitel (juan) in fünf Teilen. Die Grundannalen (benji, 12 Kapitel) zeichnen die Geschichte der wichtigsten Herrscherhäuser und Herrscher in zeitlicher Reihenfolge nach: vom Gelben Kaiser über die Dynastien Xia, Shang und Zhou sowie die Qin bis zu den Han unter Kaiser Wu. Die Tabellen (biao, 10 Kapitel) stellen die Chronologien verschiedener Staaten und Adelsfamilien nebeneinander. So können Leser Ereignisse auf einen Blick vergleichen.

Die Abhandlungen (shu, 8 Kapitel) behandeln Einrichtungen und Wissensgebiete: Riten, Musik, Stimmpfeifen, Kalender, Astronomie, die feng- und shan-Opfer, Flüsse und Kanäle sowie Wirtschaft. Die Erbhäuser (shijia, 30 Kapitel) erzählen die Geschichte der Lehnsstaaten der Zhou-Zeit und bedeutender Familien der frühen Han-Zeit.

Die Biografien (liezhuan, 70 Kapitel) machen mehr als die Hälfte des Buches aus. Sie enthalten Lebensbeschreibungen einzelner Personen und Gruppen, darunter Staatsmänner, Feldherren, Philosophen und Dichter. Weitere Kapitel handeln etwa von Attentätern, umherziehenden Rittern, strengen Beamten, Kaufleuten, Wahrsagern und Hofnarren. Hinzu kommen Berichte über andere Völker, etwa die Xiongnu, die Völker des Südwestens und Chaoxian (Joseon) auf der Koreanischen Halbinsel. Das letzte Kapitel ist Sima Qians eigenes Nachwort. Darin beschreibt er seine Familiengeschichte und den Zweck des Buches.

Viele Kapitel enden mit einer kurzen Bemerkung, die mit „Der Oberste Schreiber sagt“ (Taishigong yue) beginnt. Darin äußert der Autor eigene Urteile, ergänzt Beobachtungen von seinen Reisen oder zeigt Mitgefühl. Die Verbindung von geordneten Aufzeichnungen und persönlicher Stimme ist eines der besonderen Merkmale des Shiji.

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Mittel

Geschichte als Erzählung

Das Shiji wird als literarisches Werk ebenso geschätzt wie als Geschichtswerk. Sima Qian schrieb dramatische Szenen mit vielen Dialogen: das Gastmahl von Hongmen, bei dem Liu Bang, der spätere Gründer der Han-Dynastie, knapp einem Anschlag seines Rivalen Xiang Yu entkommt; den Versuch des Attentäters Jing Ke, den König von Qin und späteren Ersten Kaiser zu töten; und Xiang Yus letzten Kampf, bei dem er, umzingelt von Feinden, für seine Gefährtin ein Abschiedslied singt.

Seine Entscheidungen waren kühn. Xiang Yu, der nie über ein geeintes Reich herrschte, und Kaiserinwitwe Lü, eine Frau, die den frühen Han-Hof beherrschte, nahm er in die Grundannalen auf. Denn beide übten tatsächlich höchste Macht aus. Konfuzius, der nie einen Staat regierte, ordnete er den Erbhäusern zu. Dasselbe tat er mit Chen She, einem Bauern, der den ersten Aufstand gegen Qin anführte. Daran zeigt sich, dass er Menschen nach ihrer geschichtlichen Bedeutung einordnete und nicht allein nach ihrem formalen Rang.

Er interessierte sich auch für Menschen außerhalb der Oberschicht. In Kapiteln über Kaufleute und Vermögende nimmt er den Handel ernst. Im Kapitel über umherziehende Ritter lobt er Männer, die ihr Wort hielten, selbst wenn sie das Gesetz brachen. Seine Biografie des Ersten Kaisers von Qin beschreibt die Einigung Chinas, die Bücherverbrennung und den Bau des Kaisergrabes mit Flüssen aus Quecksilber. Solche Angaben sind für die archäologische Forschung an der Stätte der Terrakottaarmee weiterhin bedeutsam.

Zugleich übt das Shiji Kritik an der Macht, auch an den Mächtigen seiner eigenen Zeit. Seine Berichte über Kaiser Wus kostspielige Kriege, strenge Beamte und Suche nach Unsterblichkeit werden häufig als zurückhaltende Kritik an dem Kaiser gelesen, der ihn bestrafte. Ob und wie stark persönliche Verbitterung seine Geschichtsschreibung prägte, ist weiterhin umstritten.

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Mittel

Quellen und Arbeitsweise

Sima Qian nutzte sehr unterschiedliche Materialien: konfuzianische Klassiker wie das Buch der Urkunden und die Frühlings- und Herbstannalen samt ihren Kommentaren; die Reden der Staaten und die Strategien der Streitenden Reiche; Stammbäume; Hofdokumente der Qin- und Han-Zeit aus den kaiserlichen Archiven; Schriften von Philosophen; und mündliche Überlieferungen, die er auf seinen Reisen sammelte. Wenn Quellen einander widersprachen, hielt er manchmal mehrere Fassungen fest oder erklärte, dass er sich nicht entscheiden könne.

Das Problem sagenhafter Überlieferungen war ihm bewusst. In den Grundannalen der Fünf Kaiser merkt er an, dass Erzählungen über den Gelben Kaiser oft „nicht ausgefeilt oder angemessen“ seien. Er habe ausgewählt, was ihm nach dem Vergleich schriftlicher Texte mit den Erzählungen älterer Menschen in verschiedenen Gegenden am zuverlässigsten erschien. Das ist ein frühes Beispiel für Quellenkritik, auch wenn er nach heutigen Maßstäben vieles übernahm, was sagenhaft ist.

In manchen Bereichen wurde die Zuverlässigkeit seiner Angaben eindrucksvoll bestätigt. Im Jahr 1917 zeigte der Gelehrte Wang Guowei, dass die Liste der Shang-Könige im Shiji weitgehend mit den Namen auf Orakelknochen aus Anyang übereinstimmt, der Hauptstadt der Shang. Diese Knochen waren erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts wiederentdeckt worden. Der Vergleich zeigte, dass Sima Qian für die Shang-Dynastie Zugang zu echten, sehr alten Aufzeichnungen hatte. Später ausgegrabene Bambus- und Seidenhandschriften aus der Zeit der Streitenden Reiche und der Han-Zeit haben andere Teile seines Berichts teils bestätigt, teils infrage gestellt.

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Mittel

Wie das Shiji überliefert wurde

Laut seinem Nachwort ließ Sima Qian zwei Abschriften seines Buches anfertigen: Eine sollte „in einem berühmten Berg“ verwahrt, also sicher aufbewahrt werden, die andere in der Hauptstadt. Zu seinen Lebzeiten scheint das Werk nicht weit verbreitet gewesen zu sein. Bekannter wurde es unter Kaiser Xuan (74–48 v. Chr.) durch seinen Enkel Yang Yun, den Sohn seiner Tochter.

In der Zeit der Östlichen Han-Dynastie galten Berichten zufolge zehn Kapitel als verschollen. Spätere Autoren ergänzten einige davon. Der Gelehrte Chu Shaosun, der im späten 1. Jahrhundert v. Chr. tätig war, fügte Passagen hinzu, die mit seinem Namen gekennzeichnet sind. Welche Kapitel spätere Rekonstruktionen sind und wie viel des überlieferten Textes auf Sima Qians eigene Worte zurückgeht, wird weiterhin diskutiert.

Im Mittelalter wurden drei Kommentare maßgeblich, die zusammen mit dem Text gedruckt werden: die Kommentare von Pei Yin (5. Jahrhundert), Sima Zhen und Zhang Shoujie (beide 8. Jahrhundert). Die moderne Standardausgabe erschien 1959 beim Verlag Zhonghua Book Company in Peking. Das Shiji wurde vollständig oder in Teilen in viele Sprachen übersetzt. Dazu gehören Édouard Chavannes’ französische Übersetzung (ab 1895), Burton Watsons englische Auswahl und die mehrbändige englische Übersetzung unter der Leitung von William H. Nienhauser Jr. Auch vollständige Übersetzungen ins Koreanische und Japanische liegen vor.

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Mittel

Nachwirkung in China und Ostasien

Das Shiji wurde zum Vorbild für die offizielle Geschichtsschreibung Chinas. Ban Gus Buch der Han (Hanshu), das im späten 1. Jahrhundert n. Chr. vollendet wurde, passte Sima Qians Form für die Geschichte einer einzelnen Dynastie an. Danach folgte die offizielle Geschichte jeder Dynastie der Form von Annalen und Biografien (jizhuan). So entstand die Reihe, die später als Vierundzwanzig Dynastiegeschichten bekannt wurde und an deren Anfang das Shiji steht.

Ban Gu kritisierte Sima Qian auch: weil er den Daoismus vor die konfuzianischen Klassiker gestellt, umherziehende Ritter und Kaufleute gelobt und sich von der strengen Lehrmeinung entfernt habe. Diese Kritik prägte über Jahrhunderte die Lektüre des Shiji, während seine literarische Qualität allgemein bewundert wurde. Seit der Tang-Dynastie nahmen Autoren der Bewegung für „alte Prosa“ (guwen), darunter Han Yu, Sima Qians Stil als Vorbild für kraftvolles, klares Schreiben.

Die Form verbreitete sich in ganz Ostasien. In Korea verwendet Kim Busiks Samguk sagi (1145), das älteste erhaltene koreanische Geschichtswerk, ebenso Annalen, Tabellen, Abhandlungen und Biografien wie das spätere Goryeosa. Auch japanische und vietnamesische Hofgeschichtsschreiber kannten das Shiji und nahmen es zum Vorbild. Das Shiji-Kapitel über Chaoxian ist selbst eine wichtige Quelle für die frühe Geschichte Koreas. Es berichtet über das Reich Wiman-Joseon und dessen Eroberung durch die Han im Jahr 108 v. Chr.

Auch Sima Qians Lebensgeschichte wirkt bis heute nach. Seine Wendung vom Tod, der „schwerer wiegt als der Berg Tai oder leichter als eine Gänsefeder“, wird noch immer zitiert, etwa in Mao Zedongs Rede „Dem Volke dienen“ von 1944. In Korea, Japan und China gilt er als Vorbild eines Gelehrten, der eine Demütigung erträgt, um seine Aufgabe zu erfüllen. Nahe seiner Heimatstadt Hancheng erinnern ein Schrein und ein Grab an ihn.

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Fortgeschritten

Debatten über Autorschaft, Parteilichkeit und den Brief an Ren An

Wer schrieb das Shiji? Sima Tan begann das Vorhaben, und Forscher versuchen seit Langem zu bestimmen, welche Kapitel oder Passagen von ihm stammen. Manche Bemerkungen, die mit „Der Oberste Schreiber sagt“ beginnen, könnten sich auf Tan statt auf Qian beziehen, da beide diesen Titel trugen. Spätere Ergänzungen durch Chu Shaosun und andere sowie der Verlust von zehn Kapiteln machen die Überlieferung noch vielschichtiger. Die meisten Forscher sehen Sima Qian als Hauptautor und Gestalter des Gesamtwerks. Zugleich ist der Text als Ergebnis eines Familienvorhabens und einer langen Überlieferung zu verstehen.

Wie subjektiv ist das Shiji? Stephen Durrant vertrat in The Cloudy Mirror (1995) die Auffassung, dass Spannungen in Sima Qians eigenem Leben die Erzählung prägen, besonders seine Verstümmelung und sein Verhältnis zu Konfuzius und zu seinem Vater. Das Buch zeige sowohl das Streben nach Ordnung als auch ein Empfinden für Ungerechtigkeit. Grant Hardy argumentierte in Worlds of Bronze and Bamboo (1999) dagegen, die vielteilige Struktur des Shiji, in der dieselben Ereignisse in verschiedenen Kapiteln unterschiedlich erzählt werden, bilde absichtlich eine komplexe Welt ab: eine Art „Mikrokosmos“ statt einer einzigen geradlinigen Erzählung. Andere betonen die Zwänge des Hofdienstes und das Risiko offener Kritik.

Sogar der Brief an Ren An wird kritisch untersucht. Eine Studie von Stephen Durrant, Wai-yee Li, Michael Nylan und Hans van Ess aus dem Jahr 2016 befasste sich mit seiner Echtheit und mit seiner Bedeutung für das Bild Sima Qians als leidenden Autors. Einige Forscher vermuten spätere Bearbeitungen oder sogar eine Abfassung durch andere; viele halten den Brief weiterhin für echt. Die Debatte ist bedeutsam, weil ein großer Teil dessen, was wir über Sima Qians Beweggründe zu wissen glauben, aus diesem einen Brief und aus dem Nachwort stammt.

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Fortgeschritten

Sima Qian als Geschichtsschreiber: Vergleiche und Methoden

Sima Qian wird oft mit Herodot verglichen, dem griechischen „Vater der Geschichtsschreibung“, der etwa drei Jahrhunderte früher lebte. Beide reisten viel, sammelten mündliche Überlieferungen und verbanden Geografie, Völkerkunde und Erzählung. Das Shiji ist jedoch von anderen Vorstellungen geprägt: Es befasst sich mit dem Aufstieg und Fall von Dynastien, den moralischen Lehren der Geschichte in der konfuzianischen Tradition und den kosmischen Zyklen, mit denen sich ein Astrologe beschäftigte. Sein Aufbau ist zudem stärker gegliedert, indem es Annalen, Tabellen und Abhandlungen mit Biografien verbindet.

Historiker nutzen das Shiji heute mit Vorsicht. Für frühe Zeiten wie die Xia-Dynastie bewahrt es Überlieferungen, die sich archäologisch nicht bestätigen lassen. Für die Shang-Zeit sind Teile durch Orakelknochen belegt. Für die Zeit der Streitenden Reiche widersprechen ausgegrabene Texte, etwa Bambusannalen, bisweilen seiner Chronologie. Für die Qin- und die frühe Han-Zeit ist es oft die einzige ausführliche erzählende Quelle. Forschende vergleichen seine Angaben mit ausgegrabenen Rechts- und Verwaltungsdokumenten, um sie zu prüfen.

Die Forschung diskutiert auch, wie Sima Qian seine eigene Aufgabe verstand. Im Nachwort nennt er die Frühlings- und Herbstannalen des Konfuzius als Vorbild einer Geschichtsschreibung, die moralische Urteile fällt. Bescheiden bestreitet er aber, ihr ebenbürtig zu sein. Sein Ziel, „den Wandel von Vergangenheit und Gegenwart zu verstehen“, deutet auf ein Interesse an Mustern des Wandels und an Ursachen hin, darunter die Rolle des Schicksals und des Himmels. Diese hinterfragt er in der Biografie von Bo Yi und Shu Qi offen: Wenn der Himmel die Guten begünstigt, warum leiden dann gute Menschen? Die Frage eines Mannes, der selbst gelitten hatte, verleiht dem Shiji seine bleibende philosophische Tiefe.

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Kernideen

Form der Annalen und Biografien (jizhuan ti)
Sima Qians Aufbau verbindet Hofannalen mit Biografien, Tabellen und Abhandlungen. Er wurde zum Vorbild für offizielle Geschichtswerke in ganz Ostasien.
Bemerkungen des Obersten Schreibers
Kurze persönliche Urteile am Ende von Kapiteln, die der Geschichtsschreibung eine eigene Stimme geben.
Pflicht gegenüber dem Vater
Sima Qian stellt sein Werk als Erfüllung eines Versprechens an seinen sterbenden Vater dar.
Schande für ein Ziel ertragen
Er nahm eine Demütigung in Kauf, um sein Buch vollenden zu können. Spätere Generationen bewunderten diese Entscheidung.
Himmel und Mensch
Er wollte verstehen, wie kosmische Ordnung und menschliches Handeln zusammenwirken, und fragte, ob der Himmel die Guten belohnt.
Quellenkritik
Er verglich Texte, mündliche Berichte und Orte und räumte manchmal Zweifel ein, hielt aber auch Sagen fest.
Geschichte unterschiedlichster Menschen
Neben Herrschern beschreibt das Shiji Kaufleute, Attentäter, Ritter, Herrscherinnen und andere Völker.

Einträge

  1. um 145 v. Chr. — Sima Qian wird in Xiayang nahe Longmen geboren (als alternatives Datum gilt etwa 135 v. Chr.).
  2. 141 v. Chr. — Kaiser Wu besteigt den Thron (seine Regierungszeit wird ab 141 v. Chr. gerechnet) und herrscht mehr als fünfzig Jahre.
  3. um 126 v. Chr. — Mit etwa zwanzig Jahren beginnt Sima Qian seine ausgedehnten Reisen durch das Han-Reich.
  4. 110 v. Chr. — Sima Tan stirbt, nachdem er an den feng- und shan-Opfern am Berg Tai nicht teilnehmen konnte. Er beauftragt seinen Sohn, das Geschichtswerk zu vollenden.
  5. um 108 v. Chr. — Sima Qian wird Oberster Astrologe (taishi ling).
  6. 104 v. Chr. — Der Taichu-Kalender wird eingeführt. Sima Qian wirkt an der Reform mit und beginnt zu schreiben.
  7. 99 v. Chr. — Sima Qian verteidigt den Feldherrn Li Ling und wird verurteilt. Er entscheidet sich für die Kastration statt für den Tod (99 oder 98 v. Chr.).
  8. um 91 v. Chr. — Brief an Ren An; das Shiji ist im Wesentlichen fertiggestellt.
  9. um 86 v. Chr. — Sima Qian stirbt vermutlich etwa zur Zeit des Todes Kaiser Wus (87 v. Chr.); das genaue Datum ist unbekannt.
  10. um 61 v. Chr. — Sein Enkel Yang Yun macht das Werk unter Kaiser Xuan einem größeren Kreis bekannt.
  11. 1145 — Kim Busik verfasst in Korea das Samguk sagi nach dem Vorbild der Annalen und Biografien des Shiji.
  12. 1917 — Wang Guowei zeigt, dass die Liste der Shang-Könige im Shiji mit den Inschriften auf Orakelknochen übereinstimmt.

Glossar

Han-Dynastie
Chinesische Dynastie, die von 206 v. Chr. bis 220 n. Chr. herrschte, mit einer Unterbrechung von 9 bis 23 n. Chr.; Sima Qian lebte zur Zeit der Westlichen Han.
Taishi ling
Das Amt, das Sima Qian und sein Vater innehatten. Es war für Astronomie, Kalender und Aufzeichnungen zuständig.
Grundannalen (benji)
Kapitel, die Jahr für Jahr über Herrscher und Dynastien berichten.
Erbhäuser (shijia)
Kapitel über Lehnsstaaten und bedeutende Familien.
Biografien (liezhuan)
Kapitel über das Leben einzelner Personen oder Gruppen; im Shiji gibt es siebzig davon.
Xiongnu
Ein mächtiger Bund von Steppenvölkern nördlich des Han-Reiches.
Orakelknochen
Knochen und Schildkrötenpanzer aus der Shang-Zeit, in die Fragen an die Vorfahren eingeritzt wurden; sie bilden den ältesten größeren Bestand chinesischer Schriftzeugnisse.
Vierundzwanzig Dynastiegeschichten
Die traditionelle Reihe offizieller chinesischer Dynastiegeschichten, die mit dem Shiji beginnt.
Eunuch
Ein kastrierter Mann; im kaiserlichen China dienten Eunuchen im Inneren des Palastes.
Guwen (alte Prosa)
Eine literarische Bewegung seit der Tang-Dynastie, die frühe Autoren wie Sima Qian als stilistische Vorbilder ansah.

Fragen und Antworten

Warum wird Sima Qian als Vater der chinesischen Geschichtsschreibung bezeichnet?

Weil sein Shiji als erstes Geschichtswerk die gesamte damals bekannte Vergangenheit Chinas in einem Buch behandelte. Sein Aufbau diente offiziellen Geschichtsschreibern etwa zweitausend Jahre lang als Vorbild.

Warum nahm Sima Qian eine so schreckliche Strafe auf sich?

Er hatte seinem sterbenden Vater versprochen, ihr Geschichtswerk zu vollenden. Er schrieb, er habe die Schande ertragen, damit sein Werk nicht verloren gehe.

Welche Menschen kommen im Shiji vor?

Kaiser, Herrscherinnen, Feldherren und Philosophen, aber auch Attentäter, Kaufleute, umherziehende Ritter, Wahrsager, Hofnarren und Angehörige anderer Völker wie der Xiongnu.

Erwähnt das Shiji Korea?

Ja. Kapitel 115 über Chaoxian (Joseon) beschreibt das Reich Wiman-Joseon und seine Eroberung durch die Han im Jahr 108 v. Chr. Damit ist es eine wichtige Quelle für die frühe Geschichte Koreas.

Wie zuverlässig ist das Shiji?

Es enthält sowohl Sagen als auch historische Berichte. Seine Liste der Shang-Könige wurde durch Orakelknochen bestätigt. Für sehr frühe Zeiten und manche Datierungen aus der Zeit der Streitenden Reiche zeigen ausgegrabene Texte jedoch Fehler. Historiker lesen das Werk deshalb kritisch und vergleichen es mit archäologischen Funden.

Hat Sima Qian den Brief an Ren An wirklich geschrieben?

Die meisten Forscher haben den Brief für echt gehalten. Einige neuere Untersuchungen fragen jedoch, ob er später bearbeitet oder teilweise von anderen verfasst wurde. Die Debatte ist offen.

Wie unterscheidet sich das Shiji von Herodots Historien?

Beide Geschichtsschreiber reisten und nutzten mündliche Quellen. Das Shiji ist jedoch in Annalen, Tabellen, Abhandlungen und Biografien gegliedert und spiegelt chinesische Vorstellungen vom Wandel der Dynastien und von moralischen Urteilen wider.

Quellen und weiterführende Literatur

  1. Sima Qian. Wikipedia
  2. Records of the Grand Historian. Wikipedia
  3. Sima Tan. Wikipedia
  4. Li Ling (Han dynasty). Wikipedia
  5. 사마천. Wikipedia (Korean)
  6. 사기 (역사서). Wikipedia (Korean)
  7. Burton Watson, Records of the Grand Historian of China (trans.). Columbia University Press, 1961 (rev. ed. 1993)
  8. Stephen W. Durrant, The Cloudy Mirror: Tension and Conflict in the Writings of Sima Qian. State University of New York Press, 1995
  9. Grant Hardy, Worlds of Bronze and Bamboo: Sima Qian's Conquest of History. Columbia University Press, 1999
  10. Stephen Durrant, Wai-yee Li, Michael Nylan, Hans van Ess, The Letter to Ren An and Sima Qian's Legacy. University of Washington Press, 2016

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Mit KI-Unterstützung auf Grundlage der oben aufgeführten veröffentlichten Quellen verfasst und bei neuen Forschungsergebnissen überarbeitet.

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