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- Fortgeschritten
Für junge Leser
1974 gruben einige Bauern in China nahe der Stadt Xi’an einen Brunnen. Dabei stießen ihre Spaten auf Stücke aus Ton. Sie hatten Teile eines Tonsoldaten gefunden. Bald kamen Archäologen und entdeckten: Unter den Feldern standen nicht nur ein Soldat, sondern Tausende.
Die Soldaten wurden für Qin Shi Huang gemacht, den ersten Kaiser von China. Er wollte auch nach seinem Tod eine Armee haben, die ihn beschützte. Deshalb formten Arbeiter Soldaten, Pferde und Wagen aus Ton und vergruben sie in großen Gruben nahe seinem Grab.
Jeder Soldat ist so groß wie ein echter Mensch. Die Figuren tragen Rüstungen und Hüte oder haben ihre Haare zusammengebunden. Ihre Gesichter sehen verschieden aus: Manche wirken jung, andere älter, manche ernst und andere ruhig. Früher waren sie bunt bemalt und hielten echte Waffen aus Bronze.
So viele Figuren herzustellen war wie die Arbeit in einer riesigen Werkstatt. Die Arbeiter benutzten Formen für Beine, Körper und Köpfe. Einzelheiten wie Schnurrbärte und Ohren gestalteten sie mit der Hand. Auf vielen Soldaten stehen sogar die Namen der Vorarbeiter. So konnte man herausfinden, wer für schlechte Arbeit verantwortlich war.
Das Grab des Kaisers liegt unter einem großen Hügel in der Nähe. Es wurde noch nie geöffnet. In einem alten Geschichtsbuch steht, dass sich darin ein Modell der Welt mit Flüssen aus Quecksilber befindet. Forschende haben Quecksilber im Boden gemessen. Die Archäologen warten aber, bis sie alles im Grab gut schützen können.
Auf einen Blick
- Entstehungszeit
- ca. 246–209 v. Chr., als Teil der Grabanlage von Qin Shi Huang (gestorben 210 v. Chr.)
- Ort
- Etwa 1,5 km östlich des Grabhügels am Berg Li, Stadtbezirk Lintong, Xi’an, Provinz Shaanxi, China
- Entdeckung
- März 1974 durch Bauern beim Graben eines Brunnens; die Ausgrabungen begannen noch im selben Jahr
- Umfang
- Schätzungsweise mehr als 8.000 Soldaten, etwa 130 Streitwagen, 520 Streitwagenpferde und 150 Reitpferde in drei Gruben
- Figuren
- Lebensgroße Figuren aus gebranntem Ton, etwa 1,75–2 m hoch, ursprünglich bemalt; aus geformten Teilen zusammengesetzt und von Hand ausgearbeitet
- Waffen
- Zehntausende Waffen und Beschläge aus Bronze geborgen, überwiegend Pfeilspitzen
- Status
- Teil des Mausoleums des ersten Kaisers von Qin, UNESCO-Welterbestätte (1987)
- Grabkammer
- Die Grabkammer des Kaisers unter dem Hügel ist noch nicht ausgegraben
Einfach
Was ist die Terrakotta-Armee?
Die Terrakotta-Armee ist eine Sammlung lebensgroßer Tonskulpturen von Soldaten, Pferden und Streitwagen. Sie wurden in Gruben nahe dem Grab von Qin Shi Huang (259–210 v. Chr.) begraben. Dieser Herrscher vereinigte China 221 v. Chr. und nahm den neuen Titel „Erster Kaiser“ an. Die Anlage liegt am Nordfuß des Berges Li (Lishan), etwa 30–40 km ostnordöstlich des Zentrums des heutigen Xi’an und nicht weit von der alten Qin-Hauptstadt Xianyang entfernt.
Der chinesische Name bingmayong bedeutet „Figuren von Soldaten und Pferden“. Terrakotta bedeutet „gebrannte Erde“: Die Figuren wurden aus örtlichem Ton hergestellt und in Öfen gebrannt. Sie standen in unterirdischen Kammern mit Holzdecken in Schlachtordnung und blickten nach Osten – in die Richtung, aus der die vom Kaiser besiegten Gegner gekommen waren.
Die Armee ist nur ein Teil einer weitläufigen Grabanlage, die sich über viele Quadratkilometer erstreckt. Dazu gehören Mauern, Hallen, Stallungen, Gruben mit bronzenen Streitwagen und Figuren von Beamten und Unterhaltungskünstlern sowie ein Hügel über dem Grab des Kaisers. Sie zählt zu den bedeutendsten archäologischen Entdeckungen des 20. Jahrhunderts und zu den bekanntesten Kunstwerken der Antike.
Wer war der Kaiser, dem sie dienen sollte? Ying Zheng wurde 246 v. Chr. als Kind König des westlichen Staates Qin. In den zehn Jahren von 230 bis 221 v. Chr. eroberten seine Armeen die sechs anderen großen Staaten der Zeit der Streitenden Reiche. Danach erklärte er sich zum Shi Huangdi, zum „Ersten Kaiser“. Gemeinsam mit seinem Kanzler Li Si führte er ein einheitliches System von Kommandanturen und Kreisen sowie einheitliche Gewichte, Maße, Münzen und Schriftzeichen ein und ließ gewaltige Bauprojekte ausführen. In der späteren Überlieferung wurde er auch für strenge Gesetze, Zwangsarbeit und die Verbrennung von Büchern berüchtigt. Die Terrakotta-Armee gehört zu derselben Geschichte: Nur ein Staat, der über so viele Menschen und so viel Material verfügen konnte, war imstande, sie herstellen zu lassen.
Einfach
Die Entdeckung 1974
Ende März 1974 gruben Dorfbewohner von Xiyang im Bezirk Lintong während einer Dürre einen Brunnen. Dabei stießen sie auf Bruchstücke von Tonfiguren und Pfeilspitzen aus Bronze. Unter den Männern war Yang Zhifa, der später als „der Bauer, der die Terrakotta-Armee fand“ bekannt wurde. Mehrere Dorfbewohner waren an der Entdeckung beteiligt; wem die Anerkennung dafür gebührt, war mitunter umstritten.
Ein örtlicher Beamter und der Archäologe Zhao Kangmin vom Kreismuseum Lintong erkannten die Bedeutung der Fundstücke und begannen, Figuren zusammenzusetzen. Nachdem die Nachricht Peking erreicht hatte, begann ein Archäologenteam aus Shaanxi im Sommer 1974 mit systematischen Ausgrabungen. Es fand die größte bekannte Gruppe von Keramikfiguren der Welt.
Durch Probebohrungen wurden 1976 die Gruben 2 und 3 entdeckt. Ein über Grube 1 errichtetes Museum wurde 1979 für die Öffentlichkeit geöffnet. Die Stätte wurde rasch zu einem Symbol der alten chinesischen Zivilisation und wird von Millionen Menschen aus aller Welt besucht. Die Ausgrabungen dauern bis heute an und gehen langsam voran, denn jede Figur muss sorgfältig dokumentiert, erhalten und wieder zusammengesetzt werden.
Einfach
Was die Gruben zeigen
Grube 1 ist mit etwa 230 m Länge und 62 m Breite die größte. Sie enthält die Hauptarmee mit schätzungsweise mehreren Tausend Figuren – häufig wird eine Zahl von etwa 6.000 genannt –, von denen erst ein Teil ausgegraben wurde. Vorn stehen drei Reihen ungepanzerter Bogenschützen und Armbrustschützen als Vorhut. Dahinter verlaufen elf lange, durch Erdwände getrennte Gänge mit Kolonnen gepanzerter Fußsoldaten und Streitwagen. An den Seiten stehen Soldaten, die nach außen blicken und die Flanken schützen.
Die L-förmige Grube 2 zeigt eine andere Anordnung gemischter Einheiten: kniende und stehende Bogenschützen, Streitwagen, Reiter neben ihren gesattelten Pferden und Fußsoldaten. Sie zeigt, wie die Streitkräfte der Qin verschiedene Truppengattungen kombinierten. Grube 3 ist die kleinste. Sie enthält einen einzelnen Streitwagen und etwa 68 Figuren, die sich in U-Form gegenüberstehen. Meist wird sie als Befehlsstand gedeutet. Grube 4 wurde angelegt, blieb aber leer, möglicherweise weil die Arbeiten mit dem Zusammenbruch des Reiches endeten.
Den Rang der Figuren kann man an Kleidung und Haltung erkennen. Gewöhnliche Soldaten tragen kurze Gewänder oder Rüstungen aus kleinen Platten; höhere Offiziere tragen feinere Rüstungen mit Bändern oder Knoten und aufwendige Kopfbedeckungen. Die sogenannten Generäle sind die größten Figuren. Frisuren, Gürtel, Schuhe und sogar das Profil der Sohlen sind sorgfältig dargestellt. Die Figuren sind deshalb eine außergewöhnliche Quelle für die Organisation und Ausrüstung einer Armee des 3. Jahrhunderts v. Chr.
Mittel
Wie die Figuren hergestellt wurden
Die Figuren entstanden in einem Verfahren, das standardisierte Teile mit individueller Ausarbeitung verband. Die Beine waren massiv; die Oberkörper waren hohl und wurden aus Tonwülsten oder Tonplatten aufgebaut. Arme und Hände wurden getrennt hergestellt. Die Köpfe wurden in Formen gepresst und anschließend von Hand gestaltet, wobei Ohren, Haare, Schnurrbärte und Gesichtsausdrücke hinzukamen. Vor dem Brennen wurden die Teile zusammengesetzt. Der Kunsthistoriker Lothar Ledderose hat die Armee als wichtiges Beispiel für „Modulsysteme“ in der chinesischen Kunst beschrieben, bei denen eine begrenzte Zahl von Bauteilen große Vielfalt ermöglicht.
Viele Figuren tragen gestempelte oder eingeritzte Inschriften mit den Namen von Vorarbeitern oder Töpfermeistern. Manche Namen lassen sich staatlichen Werkstätten zuordnen, andere örtlichen Werkstätten in nahe gelegenen Städten. Ähnliche Zeichen finden sich auf Ziegeln und Dachziegeln aus Qin-Palästen. Sie spiegeln die Rechtspraxis der Qin wider, den Namen des Herstellers festzuhalten, damit mangelhafte Arbeit zurückverfolgt und bestraft werden konnte.
Nach dem Brennen wurden die Figuren mit Lack überzogen und in vielen Farben bemalt, darunter Rot, Grün, Blau, Violett, Rosa, Weiß und Schwarz. Das violette Pigment ist ein synthetisches Barium-Kupfer-Silikat, das oft „Han-Violett“ genannt wird. Ein Großteil der Farbe blättert innerhalb weniger Minuten ab, wenn die Figuren nach der Ausgrabung austrocknen. Das ist ein Grund dafür, dass die Restauratoren langsam vorgehen.
Die Soldaten trugen echte Waffen aus Bronze: Schwerter, Speere, Hellebarden und Armbrüste sowie sehr viele Pfeilspitzen. Inschriften auf einigen Waffen datieren sie in die 240er- bis 220er-Jahre v. Chr. Sie zeigen, dass die Waffen vor ihrer Beisetzung in staatlichen Waffenwerkstätten hergestellt wurden. Untersuchungen von Pfeilspitzenbündeln deuten darauf hin, dass die Produktion in kleinen, eigenständig arbeitenden Werkstatteinheiten nach gemeinsamen Standards organisiert war.
Mittel
Das Mausoleum: eine Welt für das Jenseits
Die Arbeiten am Grab begannen 246 v. Chr., als der spätere Kaiser im Alter von dreizehn Jahren König von Qin wurde. Nach der Reichseinigung 221 v. Chr. wurden sie stark ausgeweitet. Der Historiker Sima Qian schrieb etwa ein Jahrhundert später in den Aufzeichnungen des Großen Historikers (Shiji), dass 700.000 Menschen aus dem ganzen Reich zu den Arbeiten herangezogen wurden. Der Kaiser starb 210 v. Chr. und wurde noch im selben Jahr dort bestattet. Unter seinem Sohn gingen die Arbeiten weiter, bis Aufstände sie beendeten.
Sima Qian beschreibt einen unterirdischen Palast voller Schätze, Armbrüste, die auf Eindringlinge schießen sollten, eine Decke mit einer Darstellung des Himmels und einen Boden mit einer Darstellung der Erde sowie Flüssen und Meeren aus fließendem Quecksilber. Die Terrakotta-Armee erwähnt er überhaupt nicht. Untersuchungen des Grabhügels haben ungewöhnlich hohe Quecksilberkonzentrationen im Boden nachgewiesen. Viele Forschende sehen darin eine teilweise Bestätigung seines Berichts, doch die Deutung ist umstritten.
Die Grabanlage war als Modell der Welt des Kaisers angelegt. Eine innere und eine äußere Mauer umgeben den Grabhügel. Bei Ausgrabungen wurden halb so große bronzene Streitwagen mit Pferden und Fahrern entdeckt (1980), außerdem Gruben mit Figuren von Zivilbeamten, Akrobaten oder Unterhaltungskünstlern und Musikern, steinerne Rüstungen, Stallungen mit bestatteten echten Pferden sowie ein unterirdischer Garten mit bronzenen Kranichen, Schwänen und Enten. Die Armee war nur die östliche Wache dieses vorgestellten Reiches.
Dahinter stand die Vorstellung, dass der verstorbene Herrscher im Jenseits seinen Hof, seine Diener, Unterhaltung und Schutz benötigte. Frühere chinesische Herrscher waren mitunter zusammen mit geopferten Menschen bestattet worden; die Qin-Grabanlage verwendete Ersatzfiguren aus Ton und Bronze in bis dahin unbekanntem Umfang. Sima Qian berichtet dennoch, dass kinderlose Konkubinen dem Kaiser in den Tod folgen mussten und dass Handwerker, die die Geheimnisse des Grabes kannten, darin eingeschlossen wurden.
Mittel
Wer baute die Anlage? Arbeit, Recht und der Qin-Staat
Die Armee ist ein Werk des Qin-Staates, dessen Gesetze und Verwaltung Menschen und Ressourcen äußerst gründlich organisierten. Dasselbe System, das Soldaten für die Eroberungskriege einzog, zog auch Arbeiter, Strafgefangene und Handwerker für gewaltige Projekte heran, darunter Straßen, Paläste, Grenzmauern und das Mausoleum.
Die Archäologie hat die menschlichen Kosten sichtbar gemacht. In der Nähe des Mausoleums wurden Arbeiterfriedhöfe gefunden. Manche Gräber enthielten kleine Scherben von Dachziegeln, auf denen Name, Heimatort und Rechtsstatus einer Person standen. Häufig zeigen sie, dass es sich um Strafgefangene handelte, die Schulden oder Strafen abarbeiteten. Untersuchungen von Skeletten aus einer Grabgrube für Arbeiter zeigen, dass dort überwiegend junge Männer bestattet wurden. Diese Funde erinnern daran, dass hinter den bewunderten Skulpturen Menschen standen, die unter Zwang arbeiteten und von denen viele fern ihrer Heimat starben.
Gleichzeitig zeigt die Qualität der Skulpturen das Können von Handwerkern, die in Töpferei, Bronzeguss und Baukunst ausgebildet waren. Die Armee ist damit sowohl ein Denkmal kaiserlicher Macht als auch ein Zeugnis des Wissens und der Arbeit gewöhnlicher Menschen. Ihre Namen sind, wenn überhaupt, nur als Stempel im Ton erhalten.
Mittel
Plünderung, Feuer und Verschüttung
Die Qin-Dynastie brach nur vier Jahre nach dem Tod des Ersten Kaisers zusammen. 206 v. Chr. drangen Rebellenheere in die Hauptstadtregion ein. Spätere historische Berichte besagen, dass der Rebellenführer Xiang Yu das Mausoleum plünderte und Gebäude niederbrannte.
Archäologische Befunde aus den Gruben passen teilweise zu dieser Darstellung. Die Holzdecken der Gruben 1 und 2 brannten und stürzten ein, wodurch die Figuren darunter zertrümmert wurden. Viele Waffen fehlen; möglicherweise wurden sie von Rebellen mitgenommen. Manche Forschende halten jedoch auch andere Ursachen für das Feuer für möglich und betonen, dass die Funde eine Verantwortung Xiang Yus nicht beweisen. Ob die Grabkammer des Kaisers jemals ausgeraubt wurde, ist unbekannt. Die Quecksilbermessungen und das Fehlen eindeutiger Grabräubertunnel haben einige Forschende zu der Vermutung geführt, dass sie unversehrt sein könnte.
In den folgenden zweitausend Jahren bedeckten Erde und vom Berg Li angeschwemmtes Material die Gruben. Einheimische fanden gelegentlich Bruchstücke von Tonfiguren, und einige spätere Gräber wurden in dem Gebiet angelegt. Die Armee blieb jedoch bis 1974 weitgehend unbekannt.
Mittel
Ausgrabung, Erhaltung und Ausstellung
Fast jede Figur wurde in Bruchstücken gefunden. Restauratoren sortieren die Teile, kleben sie zusammen und ergänzen Lücken. Bei einem einzigen Krieger kann das Monate dauern. Seit 1974 wurden die Ausgrabungen in mehreren Phasen fortgesetzt, mit neuen Grabungskampagnen in Grube 1 in den 1980er-Jahren und ab 2009 sowie laufenden Arbeiten in Grube 2.
Die Erhaltung der Bemalung ist das schwierigste Problem. Die Lackschicht unter der Farbe schrumpft und rollt sich auf, sobald sie Feuchtigkeit verliert. Chinesische Restauratoren haben gemeinsam mit internationalen Partnern Verfahren entwickelt, um neu ausgegrabene Oberflächen feucht zu halten und zu festigen. Dennoch haben nur wenige Figuren einen größeren Teil ihrer Farbe behalten.
1987 wurde das Mausoleum des ersten Kaisers von Qin einschließlich der Terrakotta-Armee in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen. Seit den 1970er- und 1980er-Jahren wurden ausgewählte Figuren in Ausstellungen weltweit gezeigt und zogen Besucherrekorde an, etwa bei der Ausstellung The First Emperor des British Museum 2007–2008. China hat entschieden, die Grabkammer des Kaisers vorerst nicht zu öffnen, weil die derzeitige Technik die Erhaltung ihres Inhalts nicht garantieren kann.
Mittel
Kunstgeschichtliche Bedeutung und Nachwirkung
Vor der Qin-Zeit waren Figuren in chinesischen Gräbern meist klein. Die Qin-Armee ist durch ihre lebensgroßen Figuren und ihre naturgetreue Gestaltung einzigartig: Die Gesichter sind unterschiedlich, die Körper wirken wirklichkeitsnah und die Kleidung ist detailreich. Auch in Gräbern der späteren Han-Dynastie standen Armeen aus Tonfiguren, etwa in Yangjiawan und am Grab von Kaiser Jing (Yangling). Sie sind jedoch viel kleiner, oft nur etwa ein Drittel so groß wie ein Mensch. Monumentale Menschenskulpturen im Maßstab der Qin-Armee entstanden in China erst Jahrhunderte später wieder mit der buddhistischen Bildhauerei.
Heute ist die Armee weltweit ein Symbol für China und den Ersten Kaiser. Sie erscheint in Filmen, Spielen, Zeichentrick und Werbung sowie in Debatten darüber, wie ein Herrscher zu beurteilen ist, der ein riesiges Gebiet durch Krieg und Zwangsarbeit vereinigte. Für China ist sie eine Quelle des Nationalstolzes; Forschenden überall auf der Welt bietet sie einen einzigartigen Einblick in die Organisation des ersten Kaiserreiches.
Fortgeschritten
Wissenschaftliche Debatten
Porträts oder Typen? Weil die Gesichter unterschiedlich aussehen, heißt es oft, jeder Soldat sei das Porträt eines wirklichen Menschen. Die meisten Fachleute gehen davon aus, dass die Köpfe aus einer begrenzten Zahl von Formtypen hergestellt und anschließend von Hand individualisiert wurden. Deshalb gelten sie eher als vielfältige Typen denn als Porträts im heutigen Sinn. Neuere Untersuchungen vergleichen Ohren und Gesichter mithilfe der Fotogrammetrie, um zu prüfen, wie individuell die Figuren sind. Die Frage ist weiterhin offen.
Einfluss von außen? Das plötzliche Auftreten lebensgroßer, naturgetreuer Skulpturen hat einige Autoren zu der Vermutung geführt, dass über Zentralasien Einflüsse der hellenistisch-griechischen Kunst nach China gelangten. Befürworter verweisen auf die neue Wirklichkeitsnähe und auf Kontakte über Eurasien hinweg. Kritiker betonen, dass direkte Belege fehlen, die Figuren mit chinesischen Techniken hergestellt wurden und die Annahme, naturgetreue Kunst müsse aus Griechenland stammen, eurozentrisch ist. Die meisten chinesischen Archäologen heben eine örtliche Entwicklung hervor; die Debatte ist nicht abgeschlossen.
Wozu diente die Armee? Meist wird sie als Wache für den Kaiser im Jenseits verstanden, die den von ihm eroberten östlichen Staaten zugewandt ist. Andere sehen in ihr eine Darstellung der kaiserlichen Garde oder der Garnison der Hauptstadt. Wieder andere betrachten sie als Teil eines umfassenderen Plans, die gesamte kaiserliche Ordnung einschließlich Beamten und Unterhaltungskünstlern im Grab nachzubilden. Diese Deutungen schließen einander nicht aus.
Wie zuverlässig ist Sima Qian? Sein Bericht entstand etwa ein Jahrhundert nach den Ereignissen. Er war ein Historiker der Han-Zeit, als die Qin oft als grausames und kurzlebiges Regime dargestellt wurden. Archäologische Funde bestätigen einige Einzelheiten, etwa die Größe der Anlage und das Quecksilber. Sie ergänzen aber vieles, was er nicht erwähnt, darunter die Armee selbst. Das Verhältnis zwischen dem Text und der Fundstätte ist deshalb eine zentrale Frage der Forschungsmethode.
Fortgeschritten
Quellen und Methoden
Ausgrabung und Erkundung. Das meiste Wissen stammt aus archäologischen Ausgrabungen der Gruben und zugehörigen Gräber sowie aus zerstörungsarmen Untersuchungen des Grabhügels durch Bohrungen, geophysikalische Messungen und Bodenanalysen. Die offiziellen Grabungsberichte zu Grube 1 und den später untersuchten Gruben enthalten detaillierte Pläne und Bestandsverzeichnisse. Der Grabhügel wird untersucht, ohne ihn auszugraben.
Naturwissenschaftliche Untersuchungen. Pigmentanalysen bestimmen die Farben und das synthetische Violett. Metallurgische Untersuchungen der Bronzewaffen und Streitwagen zeigen, wie sie gegossen und bearbeitet wurden. Analysen des Tons und des Brennvorgangs geben Auskunft über örtliche Rohstoffquellen und Brenntemperaturen. Untersuchungen menschlicher Überreste beleuchten die Zusammensetzung der Arbeiterschaft. Durch diese Methoden ist die Armee neben einer beeindruckenden Sehenswürdigkeit zu einer aufschlussreichen Quelle über ihre Herstellung geworden.
Inschriften und Texte. Töpferstempel, Waffeninschriften und beschriftete Ziegelscherben aus Arbeitergräbern liefern zeitgenössische schriftliche Belege. Sie lassen sich mit Qin-Rechtstexten vergleichen, etwa mit den Bambustexten von Shuihudi, die Regeln für Werkstätten und Arbeit beschreiben. Das Shiji liefert die historische Erzählung, muss aber kritisch gelesen werden.
Ethik und Erhaltung. Jede Ausgrabung legt empfindliche Materialien frei. Deshalb wägen Archäologen den möglichen Erkenntnisgewinn gegen das Risiko ab, etwas zu verlieren. Die Entscheidung, das Grab des Kaisers geschlossen zu lassen, ist selbst eine Aussage über die Forschungsmethode: Manche Zeugnisse bleiben am besten erhalten, wenn man wartet.
Kernideen
- Armee für das Jenseits
- Die Vorstellung, dass ein verstorbener Herrscher in der nächsten Welt Schutz, einen Hofstaat und Diener braucht, die hier durch Skulpturen ersetzt wurden.
- Modulare Herstellung
- Die Figuren wurden aus standardisierten, in Formen gefertigten Teilen zusammengesetzt und von Hand ausgearbeitet. So entstand große Vielfalt in riesigem Maßstab.
- Qualitätskontrolle durch Namen
- Die auf den Figuren eingestempelten Namen der Hersteller ermöglichten es dem Qin-Staat, mangelhafte Arbeit zurückzuverfolgen und zu bestrafen.
- Abbild des Reiches im Kleinen
- Die Grabanlage bildete die Welt des Kaisers nach: mit Soldaten, Beamten, Stallungen und Gärten.
- Staatsmacht und Zwangsarbeit
- Für das Projekt wurden sehr viele eingezogene Arbeiter und Strafgefangene eingesetzt. Es zeigt sowohl die Leistungsfähigkeit als auch die Grausamkeit des Qin-Staates.
- Naturgetreue Darstellung
- Die lebensgroßen, vielfältigen und detailreichen Figuren waren in der älteren chinesischen Grabkunst ohne Vorbild.
- Erhaltung vor Ausgrabung
- Die empfindliche Bemalung und das ungeöffnete Grab zeigen, warum Archäologen manchmal beschließen zu warten.
Einträge
- 246 v. Chr. — Ying Zheng wird mit 13 Jahren König von Qin; die Arbeiten an seinem Grab beginnen (246 v. Chr.).
- 221 v. Chr. — Qin vollendet die Eroberung der anderen Staaten; Ying Zheng wird Erster Kaiser (221 v. Chr.).
- 210 v. Chr. — Der Erste Kaiser stirbt auf einer Reise und wird am Berg Li bestattet (210 v. Chr.).
- um 208 v. Chr. — Aufstände bringen die Arbeiten am Mausoleum zum Stillstand (um 208 v. Chr.).
- 206 v. Chr. — Die Qin-Dynastie endet; späteren Berichten zufolge plündert Xiang Yu die Grabanlage (206 v. Chr.).
- 1974 — Bauern entdecken beim Graben eines Brunnens Bruchstücke; die Ausgrabung von Grube 1 beginnt.
- 1976 — Die Gruben 2 und 3 werden durch Probebohrungen entdeckt.
- 1979 — Das Museum über Grube 1 wird für die Öffentlichkeit geöffnet.
- 1980 — Westlich des Grabhügels werden zwei bronzene Streitwagen in halber Größe entdeckt.
- 1987 — Das Mausoleum des ersten Kaisers von Qin wird in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen.
- 1999 — Eine Grube mit Figuren von Akrobaten oder Unterhaltungskünstlern wird ausgegraben.
- 2009 — In Grube 1 beginnt eine neue Ausgrabungsphase.
Glossar
- Terrakotta
- Gebrannter Ton, der für Keramik, Ziegel und Skulpturen verwendet wird.
- Mausoleum
- Ein großes, prachtvolles Grab oder eine Grabanlage.
- Nekropole
- Eine „Stadt der Toten“: ein großes Gräberfeld mit vielen Gräbern und Bauwerken.
- Qin
- Der Staat und später die Dynastie (221–206 v. Chr.), die China erstmals vereinigte.
- Gussform
- Eine Hohlform, in die Ton gedrückt wird, um wiederholt dieselbe Form herzustellen.
- Lack
- Ein Überzug aus Baumsaft, der unter der Farbe auf die Figuren aufgetragen wurde.
- Armbrust
- Ein mechanischer Bogen mit einem Abzug; eine wichtige Waffe der Armeen der Zeit der Streitenden Reiche und der Qin.
- Shiji
- Die Aufzeichnungen des Großen Historikers von Sima Qian, abgeschlossen um 90 v. Chr.; die wichtigste schriftliche Quelle zum Ersten Kaiser.
- Eingezogener
- Eine Person, die der Staat zum Dienst als Soldat oder Arbeiter verpflichtet.
- Han-Violett
- Ein synthetisches violettes Pigment (Barium-Kupfer-Silikat), das im alten China verwendet wurde.
Fragen und Antworten
Wie viele Soldaten gibt es?
Archäologen schätzen, dass in den drei Hauptgruben mehr als 8.000 Soldaten stehen, dazu Streitwagen und Pferde. Bisher wurde nur ein Teil davon ausgegraben.
Sehen alle Gesichter unterschiedlich aus?
Sie wirken unterschiedlich, wurden aber aus einer begrenzten Zahl von Formtypen hergestellt und anschließend von Hand gestaltet. Sie sind also vielfältig, aber keine wirklichen Porträts einzelner Menschen.
Waren die Soldaten schon immer grau?
Nein. Über einer Lackschicht waren sie bunt bemalt. Der größte Teil der Farbe ist jedoch abgeblättert, vieles davon innerhalb weniger Minuten nach der Ausgrabung.
Warum wurde das Grab des Kaisers noch nicht geöffnet?
Archäologen können noch nicht garantieren, dass sein Inhalt, besonders empfindliche Materialien, nach dem Öffnen erhalten bliebe. Die chinesischen Behörden haben beschlossen zu warten.
Gibt es im Grab wirklich Quecksilber?
Im Boden über dem Grabhügel wurden ungewöhnlich hohe Quecksilberwerte gemessen. Das passt zu Sima Qians Beschreibung von Flüssen aus Quecksilber. Ins Grab hineingesehen hat jedoch noch niemand.
Wer stellte die Armee her?
Sie wurde in staatlichen und örtlichen Werkstätten von Handwerkern und sehr vielen eingezogenen Arbeitern und Strafgefangenen hergestellt. Die Namen zahlreicher Vorarbeiter sind als Stempel auf den Figuren erhalten.
Wurde sie von griechischen Skulpturen beeinflusst?
Einige Forschende haben das vermutet. Es gibt jedoch keine direkten Belege dafür, und viele Archäologen sehen in den Figuren das Ergebnis chinesischer Techniken und Entwicklungen.
Quellen und weiterführende Literatur
- Terracotta Army. Wikipedia
- Mausoleum of the First Qin Emperor. Wikipedia
- 병마용. 위키백과 (Korean Wikipedia)
- 진시황릉. 위키백과 (Korean Wikipedia)
- Mausoleum of the First Qin Emperor. UNESCO World Heritage Centre
- Shuihudi Qin bamboo texts. Wikipedia
- Jane Portal (ed.), The First Emperor: China’s Terracotta Army. British Museum Press, 2007
- Lothar Ledderose, Ten Thousand Things: Module and Mass Production in Chinese Art. Princeton University Press, 2000
Verwandte Inhalte
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Mit KI-Unterstützung auf Grundlage der oben aufgeführten veröffentlichten Quellen verfasst und bei neuen Forschungsergebnissen überarbeitet.
