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Für junge Leser
Vor etwa 3.300 Jahren regierte ein König namens Tutanchamun über Ägypten. Er starb, als er erst ungefähr 18 oder 19 Jahre alt war. Die Ägypter glaubten, dass ein Mensch nach dem Tod weiterleben konnte. Dafür musste sein Körper erhalten bleiben. Deshalb machten sie Tutanchamun zu einer Mumie und legten eine schwere Maske aus Gold über seinen Kopf und seine Schultern.
Die Maske ist ungefähr so hoch wie anderthalb Schullineale. Sie wiegt etwa 10 Kilogramm, so viel wie ein großer Sack Reis. Sie besteht aus zwei Goldblechen, die in Form gehämmert und verbunden wurden. Die Augen des Königs bestehen aus weißem Stein. Die Pupillen sind aus schwarzem, glasartigem Stein. Seine Augenbrauen und die Linien um seine Augen bestehen aus einem dunkelblauen Stein namens Lapislazuli.
Auf dem Kopf trägt er ein gestreiftes Königstuch. An seiner Stirn sind zwei kleine Tiere zu sehen: eine Kobra und ein Geier. Sie standen für die beiden Teile Ägyptens, den Norden und den Süden. So zeigten sie, dass er König des ganzen Landes war. An seinem Kinn hängt ein langer, schmaler, geflochtener Bart. Er erinnert an den Bart des Gottes Osiris, des Herrschers über die Toten.
Auf der Rückseite der Maske steht ein Zauberspruch in einer Bilderschrift, die Hieroglyphen heißt. Der Spruch sagt, dass jeder Teil des Gesichts zu einem Gott gehört. So sollte das Gesicht des Königs für immer stark und geschützt sein.
Mehr als 3.000 Jahre lang lag die Maske verborgen in einem kleinen Grab in einem Wüstental. 1922 fanden der englische Archäologe Howard Carter und seine ägyptischen Mitarbeiter das Grab. 1925 öffneten sie den innersten von drei ineinanderliegenden Särgen und sahen das goldene Gesicht. Heute gehört die Maske zu den berühmtesten Schätzen der Welt. Man kann sie in einem Museum nahe den Pyramiden in Ägypten sehen.
Auf einen Blick
- Datierung
- Späte 18. Dynastie, Neues Reich; um 1323 v. Chr. mit Tutanchamun bestattet
- Fundort
- Grab KV62, Tal der Könige, Theben (heute Luxor), Ägypten; Grab 1922 entdeckt, Maske am 28. Oktober 1925 freigelegt
- Größe und Gewicht
- Etwa 54 cm hoch, 39,3 cm breit und 49 cm tief; etwa 10,2 kg
- Materialien
- Zwei Goldlagen (überwiegend etwa 23 Karat), mit Einlagen aus Lapislazuli, Quarz, Obsidian, Karneol, Amazonit, Türkis, Fayence und farbigem Glas
- Inschrift
- Schutzspruch, später als Kapitel 151 des Totenbuchs bekannt, in zehn senkrechten und zwei waagerechten Zeilen auf Rückseite und Schultern
- Ausgräber
- Howard Carter, finanziert von George Herbert, dem 5. Earl of Carnarvon, mit einer großen ägyptischen Belegschaft
- Heutiger Standort
- Großes Ägyptisches Museum, Gizeh (zuvor Ägyptisches Museum, Kairo)
Einfach
Was ist die Totenmaske des Tutanchamun?
Die Maske des Tutanchamun ist eine Totenmaske: ein Gegenstand, der Kopf und Schultern einer Mumie bedeckt. Sie wurde für Tutanchamun angefertigt oder zumindest bei seiner Bestattung verwendet. Er war ein König (Pharao) Ägyptens und regierte von etwa 1332 bis 1323 v. Chr., gegen Ende der 18. Dynastie. Als der König jung starb, wurde sein Körper einbalsamiert und in Leinen gewickelt. Die Goldmaske wurde im innersten von drei Särgen direkt über den umwickelten Kopf gelegt.
Solche Masken hatten eine praktische und eine religiöse Aufgabe. Sie gaben der Mumie ein idealisiertes, dauerhaftes Gesicht. Zugleich sollten sie den verstorbenen König mit den Göttern verbinden und seinem Geist ein erkennbares, unvergängliches Bild geben, zu dem er zurückkehren konnte. Gold wurde gewählt, weil die Ägypter es als unverderbliches „Fleisch der Götter“ betrachteten: Es rostet nicht und läuft nicht an.
Einst gehörten Masken dieser Art zu vielen königlichen Bestattungen. Fast alle wurden jedoch schon in der Antike gestohlen und eingeschmolzen. Tutanchamuns Grab wurde zwar kurz nach seiner Bestattung zweimal geplündert, doch seine Grabkammer blieb weitgehend unversehrt. Deshalb blieb die Maske erhalten. Nach den Worten des Ägyptologen Nicholas Reeves ist sie vielleicht das bekannteste Objekt aus dem alten Ägypten.
Einfach
Wie man die Maske „liest“
Beginnen wir mit dem Kopftuch. Der König trägt das Nemes-Kopftuch, ein gestreiftes Tuch, das nur Königen vorbehalten war. Auf der Maske wechseln sich goldene Streifen mit Bändern aus blauem Glas ab, das Lapislazuli nachahmt. Hinten läuft das Tuch in einer Art Zopf aus.
Auf der Stirn erheben sich zwei Tiere: eine Kobra mit aufgerichtetem Nackenschild, die Göttin Wadjet von Unterägypten im Norden, und ein Geierkopf, die Göttin Nechbet von Oberägypten im Süden. Zusammen verkünden sie, dass der Träger über die „beiden Länder“ herrschte.
Dann das Gesicht: Die Augen bestehen aus weißem Quarz, die Pupillen aus Obsidian, einem schwarzen vulkanischen Glas. Die Augenbrauen und die langen Linien an den Augen sind mit Lapislazuli eingelegt. Dieser tiefblaue Stein musste aus großer Entfernung eingeführt werden, wahrscheinlich aus dem Gebiet des heutigen Afghanistan. Das Gesicht wirkt glatt, ruhig und jugendlich. Es ist kein wirklichkeitsgetreues Porträt, sondern ein Idealbild des Königs. Dieselben Gesichtszüge erscheinen auf seinen Särgen und Statuen.
Unter dem Kinn hängt ein schmaler, gebogener Bart aus Gold, der in einem Flechtmuster mit blauem Glas eingelegt ist. Ein solcher gebogener Bart wurde mit Göttern verbunden, besonders mit Osiris, dem Herrscher über die Toten. Mit ihm erscheint der verstorbene König selbst als Osiris. Um die Schultern liegt ein breiter Kragen aus Reihen farbiger Einlagen. Die Ohren sind für Ohrringe durchbohrt.
Einfach
Wer war Tutanchamun?
Tutanchamun wurde um 1342 v. Chr. unter dem Namen Tutanchaton geboren, „lebendes Abbild des Aton“. Sein Vater war laut 2010 veröffentlichten DNA-Untersuchungen der Mann aus Grab KV55, höchstwahrscheinlich Pharao Echnaton. Seine Mutter war eine namentlich unbekannte Frau, deren Mumie als „Younger Lady“ bekannt ist. Echnaton hatte versucht, die ägyptische Religion zu verändern. Er stellte den Sonnenscheibengott Aton über alle anderen Götter und ließ in Amarna eine neue Hauptstadt errichten.
Tutanchaton wurde mit etwa acht oder neun Jahren König. Innerhalb weniger Jahre machte seine Regierung Echnatons Veränderungen rückgängig. Der König änderte seinen Namen in Tutanchamun, „lebendes Abbild des Amun“, und ehrte damit den traditionellen Gott Amun von Theben. Eine heute als Restaurationsstele bezeichnete Inschrift berichtet von der Instandsetzung der Tempel und der Wiedereinsetzung der Priester. Der Hof verließ Amarna. Weil der König noch so jung war, bestimmten wahrscheinlich mächtige Beamte wie Eje und der General Haremhab die Politik mit.
Tutanchamun heiratete Anchesenamun, eine Tochter Echnatons. In seinem Grab wurden zwei winzige mumifizierte Töchter gefunden, die tot geboren wurden oder kurz nach der Geburt starben. Tutanchamun starb im Alter von etwa 18 oder 19 Jahren. Untersuchungen seiner Mumie fanden Hinweise auf Malaria und auf einen kurz vor dem Tod entstandenen Bruch des linken Beins. Seine genaue Todesursache ist jedoch weiter umstritten. Sein Nachfolger Eje, ein älterer Beamter, ist an der Wand der Grabkammer zu sehen, wie er für Tutanchamun das Ritual der „Mundöffnung“ vollzieht. Damit beanspruchte er zugleich das Recht zu herrschen.
Spätere Könige strichen Tutanchamun wegen seiner Verbindung zur Amarna-Zeit aus den offiziellen Königslisten. Dass er beinahe vergessen wurde, könnte sein Grab ausgerechnet geschützt haben: Als später Grabräuber in der Gegend unterwegs waren, lag sein kleines Grab bereits unter dem Schutt, der beim Bau eines benachbarten Grabes angefallen war.
Mittel
Wie die Maske hergestellt wurde
Die Maske ist etwa 54 cm hoch, 39,3 cm breit und 49 cm tief. Sie wiegt etwa 10,23 kg. Sie wurde aus zwei 1,5 bis 3 mm dicken Goldblechen gefertigt, die in Form gehämmert und verbunden wurden. Eine Untersuchung von 2007 ergab, dass der Körper der Maske überwiegend aus einer Goldlegierung von etwa 23 Karat mit einem geringen Kupferanteil besteht. Dadurch ließ sich das Metall leichter kalt hämmern. Die Oberfläche trägt eine äußerst dünne Schicht von etwa 30 Nanometern aus zwei leicht unterschiedlichen Goldlegierungen: einer helleren mit etwa 18,4 Karat auf Gesicht und Hals sowie einer goldreicheren mit etwa 22,5 Karat an anderen Stellen. Der Farbunterschied könnte beabsichtigt gewesen sein, um dem Gesicht einen helleren, leuchtenden Hautton zu geben.
Goldschmiede schufen auf der Oberfläche kleine, eingefasste Felder und füllten sie mit zugeschnittenen Steinen und Glas. Die Materialien stammten aus verschiedenen Teilen der den Ägyptern bekannten Welt: Lapislazuli aus Zentralasien, Türkis vom Sinai sowie Karneol, Amazonit, Quarz und Obsidian. Hinzu kamen Fayence und Glas aus ägyptischen Werkstätten. Farbiges Glas war damals ein Luxusmaterial und wurde neben echten Edelsteinen verwendet, nicht bloß als billiger Ersatz.
Der etwa 2,5 kg schwere Bart wurde getrennt angefertigt und mit einem Röhrchen befestigt. Als Carter die Maske fand, hatte sich der Bart gelöst. 1944 wurde er mit einem Holzdübel wieder befestigt. Um den Hals wurde eine dreisträngige Kette aus Gold- und Fayenceperlen mit lotusblütenförmigen Enden gelegt. Sie wird gewöhnlich getrennt ausgestellt.
Wer die Maske herstellte, ist unbekannt. Ägyptische Kunst für das Königshaus entstand in Palast- und Tempelwerkstätten durch Teams von Fachleuten. Die Namen einzelner Künstler wurden nur selten festgehalten. Handwerker der königlichen Werkstätten der späten 18. Dynastie schufen auch die ähnlich gestalteten Goldsärge und Schmuckstücke aus demselben Grab.
Mittel
Religiöse Bedeutung: ein Gesicht für die Ewigkeit
Die Ägypter glaubten, dass ein Mensch aus mehreren Teilen bestand. Dazu gehörten der Körper, das Ka (die Lebenskraft) und das Ba (die Persönlichkeit, oft als Vogel mit Menschenkopf dargestellt). Nach dem Tod mussten diese Teile wieder zusammenfinden, damit der Mensch als verklärter Geist (Ach) weiterleben konnte. Der erhaltene Körper und sein Bild waren dafür wichtige Anker. Die Maske sorgte dafür, dass der Verstorbene immer ein vollkommenes Gesicht hatte.
Die Maske verwandelte den König auch symbolisch. Mit seinem göttlichen Bart und seiner goldenen Haut erschien Tutanchamun als Osiris. Er wurde mit jenem Gott gleichgesetzt, der getötet, wieder zum Leben erweckt und zum Herrscher der Unterwelt geworden war. Goldene Haut und Haar aus Lapislazuli waren Merkmale göttlicher Bilder. Ägyptische Texte beschreiben die Götter mit Fleisch aus Gold und Haar aus Lapislazuli.
Der Schutzspruch auf der Rückseite und den Schultern macht dies deutlich. Er erschien erstmals etwa 500 Jahre zuvor auf Masken des Mittleren Reiches und wurde später als Kapitel 151 in das Totenbuch aufgenommen, eine Sammlung von Sprüchen für das Jenseits. Der Text spricht die Maske selbst an und ordnet jeden Teil des Gesichts einem göttlichen Wesen zu: Das rechte Auge ist die Nachtbarke des Sonnengottes, das linke die Tagesbarke, die Augenbrauen sind die Neunheit (die neun großen Götter), die Stirn ist Anubis und der Nacken Horus. Die Maske soll den Verstorbenen auf guten Wegen führen und die Anhänger des Seth, des Gottes des Chaos, niederschlagen. Der Text nennt den König bei seinem Thronnamen Nebcheperure.
Die Maske war die innerste Schicht eines umfassenden Schutzsystems: drei ineinanderliegende Särge (der innerste aus massivem Gold mit einem Gewicht von etwa 110 kg), ein steinerner Sarkophag und vier vergoldete Holzschreine, die die Grabkammer ausfüllten. Jede Schicht wiederholte das Bild des Königs und den Schutz der Götter, ähnlich wie die ineinanderliegenden Figuren einer Matroschka.
Mittel
Die Entdeckung, 1922–1925
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts glaubten viele Archäologen, im Tal der Könige sei nichts mehr zu finden. Der britische Archäologe Howard Carter suchte weiter, finanziert von George Herbert, dem 5. Earl of Carnarvon. Am 4. November 1922 legten seine Arbeiter unter den Resten von Arbeiterhütten eine in den Fels gehauene Stufe frei. Am 26. November schlug Carter ein kleines Loch in die versiegelte Tür. Im Licht einer Kerze sah er die Vorkammer, dicht gefüllt mit vergoldeten Möbeln, Streitwagen und Statuen.
Die Räumung des Grabes dauerte zehn Grabungssaisons. Die Grabkammer wurde am 16. Februar 1923 offiziell geöffnet. Lord Carnarvon starb im April 1923 in Kairo an einer Infektion. Sein Tod befeuerte die populäre Geschichte vom „Fluch der Pharaonen“, für die es keine Belege gibt. 1924 wurde die Arbeit durch einen erbitterten Streit zwischen Carter und der ägyptischen Altertümerverwaltung über Zugang und Kontrolle unterbrochen.
Erst im Herbst 1925 gelangte das Team zur Mumie. Am 28. Oktober 1925 hoben die Forscher den Deckel des innersten Goldsarges an und sahen die Maske auf dem umwickelten Körper liegen. Carter schrieb in seinem Tagebuch von ihrem „traurigen, aber ruhigen Ausdruck“. Die Mumie und die Maske waren durch Harze und Salben, die beim Begräbnis darübergegossen worden waren, am Sarg festgeklebt. Das Team löste sie mit Wärme und Werkzeugen und beschädigte dabei die Mumie. Im Dezember 1925 wurde die Maske in das Ägyptische Museum in Kairo gebracht.
Zu Carters Team gehörten der Fotograf Harry Burton, der Chemiker Alfred Lucas und der Restaurator Arthur Mace. Hinzu kamen zahlreiche ägyptische Arbeiter und Vorarbeiter, deren Namen in veröffentlichten Berichten oft fehlten. Neuere Forschungen und Ausstellungen haben versucht, den Beitrag dieser ägyptischen Mitarbeiter zur Entdeckung wieder sichtbar zu machen.
Mittel
Wessen Schatz? Die Maske und das moderne Ägypten
Die Entdeckung fiel in eine Zeit des Umbruchs in Ägypten. Großbritannien hatte Ägypten im Februar 1922, nur wenige Monate vor dem Fund des Grabes, für nominell unabhängig erklärt, behielt aber erheblichen Einfluss. Bis dahin hatten ausländische Ausgräber in Ägypten häufig einen Teil ihrer Funde erhalten. Die ägyptische Regierung und ägyptische Nationalisten vertraten die Ansicht, dass ein unversehrtes Königsgrab vollständig Ägypten gehöre.
Nach dem Streit von 1924 kam es zu einer Einigung: Die Grabfunde sollten nicht zwischen der ägyptischen Regierung und den Geldgebern der Ausgrabung aufgeteilt werden. Fast die gesamte Grabausstattung gelangte in das Ägyptische Museum in Kairo. Dies war ein Meilenstein in der Geschichte der Archäologie in Ägypten und in der breiteren Debatte darüber, wem die Vergangenheit gehört.
Tutanchamun wurde rasch zu einem Symbol moderner ägyptischer Identität. Er erschien in den 1920er-Jahren in ägyptischer Kunst, Architektur und öffentlichen Darstellungen. Diese Bewegung wird manchmal Pharaonismus genannt. Gleichzeitig beeinflusste die „Tutmania“ in Europa und Amerika Mode, Gestaltung, Film und Werbung. Die Maske steht im Mittelpunkt beider Geschichten: als nationales Symbol für Ägypter und als weltweit bekanntes Sinnbild des „alten Ägypten“.
Mittel
Reisen, Schäden und ein neues Zuhause
Die Maske war während des größten Teils des 20. Jahrhunderts im Ägyptischen Museum am Tahrir-Platz in Kairo ausgestellt. In den 1970er-Jahren reiste sie mit der Ausstellung „Schätze des Tutanchamun“ ins Ausland. Diese zog in London und mehreren Städten der Vereinigten Staaten riesige Besuchermengen an. Seitdem erlaubt Ägypten nicht mehr, die Maske außer Landes zu bringen. Spätere internationale Tutanchamun-Ausstellungen reisten ohne sie.
Im August 2014 löste sich der Bart, als die Maske für Wartungsarbeiten bewegt wurde. Museumsmitarbeiter befestigten ihn hastig mit Epoxidkleber. Danach saß er leicht schief, und Klebereste waren sichtbar. Als dies im Januar 2015 bemerkt wurde, entfernte ein deutsch-ägyptisches Restaurierungsteam den Kleber und befestigte den Bart mit Bienenwachs, einem Material, das bereits die alten Ägypter verwendeten. 2016 wurden mehrere Museumsmitarbeiter disziplinarisch belangt. Der Vorfall löste eine breitere Diskussion über Standards und Ausbildung in der Restaurierung aus.
Das Große Ägyptische Museum wurde etwa 2 km von den Pyramiden von Gizeh entfernt errichtet und am 1. November 2025 offiziell eröffnet. Dort wird erstmals die gesamte Tutanchamun-Sammlung mit mehr als 5.000 Objekten gemeinsam gezeigt. Die Goldmaske ist ihr Mittelpunkt.
Fortgeschritten
Debatte: Wurde die Maske für jemand anderen angefertigt?
Seit etwa 2001 vertreten Nicholas Reeves und einige andere Ägyptologen die Ansicht, dass die Maske oder zumindest ein Teil von ihr ursprünglich für einen anderen Herrscher angefertigt wurde: Neferneferuaton, einen rätselhaften Pharao, der gegen Ende der Amarna-Zeit kurz regierte und oft mit Nofretete oder einer Tochter Echnatons gleichgesetzt wird. Von mehreren Gegenständen in Tutanchamuns Grab, darunter kleinen Särgen für seine inneren Organe, ist bekannt, dass sie ursprünglich für Neferneferuaton hergestellt und später mit neuen Inschriften versehen wurden. Die Wiederverwendung älterer königlicher Grabausstattung ist daher an sich nicht unwahrscheinlich.
Reeves führt für die Maske mehrere Argumente an: Das Gesicht scheint ein getrenntes Stück zu sein, das mit dem Kopfschmuck verbunden wurde; die Goldzusammensetzung von Gesicht und Kopfschmuck unterscheidet sich geringfügig; durchbohrte Ohren sind in der ägyptischen Kunst eher für Königinnen und Kinder typisch; und Spuren in den Kartuschen der Inschrift wurden als Hinweise darauf gedeutet, dass ein älterer Name in Tutanchamuns Namen geändert wurde.
Andere Fachleute widersprechen. Der Restaurator Christian Eckmann, der 2015 an der Reparatur des Bartes mitwirkte und die Maske genau untersuchte, erklärte, er habe weder Anzeichen für anderes Gold am Gesicht noch für veränderte Kartuschen gesehen. Zahi Hawass wandte ein, dass auch Könige der 18. Dynastie Ohrringe trugen; durchbohrte Ohren bewiesen daher nichts. Die Frage ist weiterhin offen und hängt mit größeren Debatten über die Thronfolge nach Echnaton sowie die Identität von Neferneferuaton und Semenchkare zusammen.
Eine verwandte Hypothese von Reeves erregte 2015 weltweit Aufmerksamkeit: Hinter den bemalten Wänden der Grabkammer sollten sich verborgene Kammern befinden, möglicherweise mit dem Grab Nofretetes. Radarmessungen lieferten widersprüchliche Ergebnisse. Eine spätere Untersuchung kam 2018 zu dem Schluss, dass es dort keine solchen Kammern gibt. Einige Forschende sprechen sich dennoch für weitere Untersuchungen aus.
Fortgeschritten
Belege und Methoden
Grabungsunterlagen. Carters Notizen, Objektkarten, Zeichnungen und Tagebücher sowie Harry Burtons Fotografien werden im Griffith Institute der Universität Oxford aufbewahrt. Ein großer Teil dieses Archivs wurde online veröffentlicht. Dank dieser Dokumente ist KV62 eine der am besten belegten Ausgrabungen ihrer Zeit. Forschende können damit rekonstruieren, wo jeder Gegenstand lag. Carters für ein breites Publikum verfasster Bericht The Tomb of Tut.ankh.Amen (Band 1 gemeinsam mit Arthur Mace, 1923) muss zusammen mit diesen Unterlagen gelesen werden, da er vieles auslässt.
Naturwissenschaftliche Untersuchungen. Röntgenaufnahmen, Materialanalysen – etwa die Untersuchung der Goldlegierungen von 2007 – und die genaue Begutachtung während der Restaurierung von 2015 lieferten Erkenntnisse über den Aufbau der Maske. Solche Untersuchungen haben Grenzen: Sie erfassen nur Oberflächen oder kleine Bereiche. Das Museum hat eingreifende Untersuchungen aus verständlichen Gründen eingeschränkt.
Fundzusammenhang und Vergleiche. Weil nur wenige königliche Bestattungen aus dem Neuen Reich erhalten blieben, muss die Maske im Vergleich mit nicht königlichen Masken, anderen Gegenständen aus demselben Grab – etwa den Goldsärgen und den kleinen Kanopensärgen – sowie Texten wie dem Totenbuch gedeutet werden. Spuren antiker Plünderungen im Grab, darunter das erneute Verpacken von Gegenständen durch Beamte nach den Einbrüchen, erinnern daran, dass selbst KV62 kein vollkommen „unberührter“ Fund ist.
Untersuchungen der Mumie. Eine CT-Untersuchung von 2005 und eine 2010 veröffentlichte DNA-Analyse veränderten das Wissen über Tutanchamuns Gesundheit und Familie. Ihre Schlussfolgerungen, besonders zu Verwandtschaftsverhältnissen und Todesursache, werden jedoch weiter diskutiert. Gründe dafür sind die Schwierigkeiten bei der Arbeit mit alter DNA und die Schäden, die 1925 an der Mumie entstanden. Die Geschichte der Maske ist deshalb auch eine Geschichte sich wandelnder wissenschaftlicher Methoden und ihrer Grenzen.
Kernideen
- Totenmaske
- Ein Bildnis über dem Gesicht einer Mumie, das dem Verstorbenen ein vollkommenes, dauerhaftes Gesicht geben und ihn mit den Göttern verbinden sollte.
- Gold als göttliches Fleisch
- Die Ägypter verbanden Gold, das nicht anläuft, mit den Körpern der Götter. Das goldene Gesicht machte den König göttlich und ewig.
- Der König als Osiris
- Der gebogene Bart und die Verwendung bei der Bestattung zeigen den verstorbenen König als Osiris, den Gott der Toten und der Wiedergeburt.
- Schutzspruch
- Die Inschrift, später Kapitel 151 des Totenbuchs, ordnet jeden Teil des Gesichts einem Gott zu, um den König zu schützen.
- Schichten des Schutzes
- Maske, drei Särge, Sarkophag und vier Schreine bildeten ineinanderliegende Schutzschichten um den Körper des Königs.
- Wiederverwendung königlicher Gegenstände
- Einige Stücke im Grab wurden für einen früheren Herrscher hergestellt. Ob die Maske dazugehört, ist umstritten.
- Kulturerbe und nationale Identität
- Die Entscheidung, den Inhalt des Grabes gemeinsam in Ägypten zu bewahren, machte die Maske zu einem Symbol für Ägyptens Anspruch auf sein eigenes Erbe.
Einträge
- um 1342 v. Chr. — Tutanchaton wird wahrscheinlich in Amarna während der Regierungszeit Echnatons geboren.
- um 1332 v. Chr. — Tutanchaton wird als Kind König. Bald darauf nennt er sich Tutanchamun und stellt den Amun-Kult wieder her.
- um 1323 v. Chr. — Tutanchamun stirbt mit etwa 18 oder 19 Jahren und wird mit der Goldmaske in KV62 bestattet. Eje folgt ihm auf den Thron.
- 1922 — 4. November: Howard Carters Team findet die erste Stufe von KV62. Am 26. November blickt Carter in die Vorkammer.
- 1923 — 16. Februar: Die Grabkammer wird offiziell geöffnet. Lord Carnarvon stirbt im April.
- 1925 — 28. Oktober: Der innerste Sarg wird geöffnet und die Maske freigelegt. Im Dezember kommt sie in das Ägyptische Museum in Kairo.
- 1944 — Der abgelöste Bart wird mit einem Holzdübel wieder an der Maske befestigt.
- 1972 — Die Ausstellung „Schätze des Tutanchamun“ wird in London eröffnet. Später in diesem Jahrzehnt folgt eine Tournee durch die USA.
- 2014 — August: Beim Bewegen der Maske löst sich der Bart und wird hastig mit Epoxidkleber wieder befestigt.
- 2015 — Ein deutsch-ägyptisches Team entfernt den Epoxidkleber und befestigt den Bart erneut mit Bienenwachs.
- 2025 — 1. November: Das Große Ägyptische Museum wird eröffnet. Die Maske steht im Mittelpunkt der vollständigen Tutanchamun-Sammlung.
Glossar
- Pharao
- Heutige Bezeichnung für die Könige des alten Ägypten; sie geht auf einen ägyptischen Ausdruck für „großes Haus“ (den Palast) zurück.
- Neues Reich
- Die Zeit von etwa 1550 bis 1070 v. Chr. mit der 18. bis 20. Dynastie, in der Ägypten eine bedeutende Großmacht war.
- Amarna-Zeit
- Die Regierungszeit Echnatons und die Jahre danach, als Aton über andere Götter gestellt und die Hauptstadt nach Amarna verlegt wurde.
- Nemes-Kopftuch
- Das gestreifte königliche Kopftuch der ägyptischen Könige.
- Uräus
- Die aufgerichtete Kobra an der Stirn eines Königs als Zeichen königlicher Macht und göttlichen Schutzes.
- Lapislazuli
- Ein tiefblauer Stein, der aus Zentralasien nach Ägypten eingeführt und für die Augenbrauen und Augenlinien der Maske verwendet wurde.
- Kartusche
- Ein ovaler Ring, der den in Hieroglyphen geschriebenen Namen eines Königs umschließt.
- Totenbuch
- Heutige Bezeichnung für eine Sammlung ägyptischer Sprüche, die Verstorbenen im Jenseits helfen sollten.
- KV62
- Die offizielle Nummer von Tutanchamuns Grab: das 62. erfasste Grab im Tal der Könige (englisch: King’s Valley).
- Sarkophag
- Ein großer steinerner Behälter für Särge. Tutanchamuns Sarkophag besteht aus Quarzit.
Fragen und Antworten
Besteht die Maske aus massivem Gold?
Sie besteht aus zwei gehämmerten Goldblechen, die jeweils einige Millimeter dick sind, also nicht aus einem massiven Block. Dennoch enthält sie etwa 10 kg Gold. Außerdem ist sie mit Steinen und Glas eingelegt.
Sieht die Maske Tutanchamun wirklich ähnlich?
Sie zeigt ein idealisiertes königliches Gesicht, das seinen anderen Darstellungen ähnelt. Ägyptische Königsporträts waren keine Fotografien; sie zeigten, wie der König für die Ewigkeit aussehen sollte.
Warum fiel der Bart ab?
Der Bart wurde getrennt hergestellt. Bei der Entdeckung 1925 war er bereits abgelöst und wurde 1944 wieder befestigt. 2014 löste er sich beim Bewegen der Maske erneut und wurde unsachgemäß angeklebt. Fachleute reparierten ihn 2015.
Liegt ein Fluch auf dem Grab?
Nein. Die Geschichte vom „Fluch“ verbreitete sich in Zeitungen, nachdem Lord Carnarvon 1923 an einer Infektion gestorben war. Die meisten Beteiligten an der Ausgrabung lebten lange, darunter Howard Carter.
Warum lag die Maske in drei Särgen?
Bei ägyptischen Königsbestattungen schützten mehrere ineinanderliegende Schichten den Körper und wiederholten das göttliche Bild des Königs: die Maske, drei Särge, ein steinerner Sarkophag und vier vergoldete Schreine.
Wurde die Maske ursprünglich für einen anderen Pharao hergestellt?
Einige Forschende, besonders Nicholas Reeves, vermuten, dass sie zuerst für den Herrscher Neferneferuaton aus der Amarna-Zeit angefertigt und später angepasst wurde. Andere, die die Maske genau untersucht haben, sehen keine Hinweise auf eine Veränderung. Die Frage ist ungeklärt.
Warum blieb die Maske in Ägypten?
Nach einem Streit im Jahr 1924 wurde vereinbart, den Inhalt des Grabes nicht mit den Geldgebern der Ausgräber zu teilen. Die Entscheidung spiegelte Ägyptens neue politische Unabhängigkeit und seinen Anspruch auf das eigene Kulturerbe wider.
Quellen und weiterführende Literatur
- Mask of Tutankhamun. Wikipedia
- Tutankhamun. Wikipedia
- KV62 (Tomb of Tutankhamun). Wikipedia
- Howard Carter. Wikipedia
- Neferneferuaten. Wikipedia
- Book of the Dead. Wikipedia
- Nemes. Wikipedia
- Grand Egyptian Museum. Wikipedia
- Howard Carter and A. C. Mace, The Tomb of Tut.ankh.Amen, Volume 1. Cassell, 1923
- Nicholas Reeves, The Complete Tutankhamun. Thames & Hudson, 1990
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