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Für junge Leser
Lange bevor es Bücher gab und bevor die Menschen in Indien Dinge aufschrieben, dichteten sie Loblieder für ihre Götter. Viele dieser Lieder wurden im Rigveda gesammelt. Der Name bedeutet ungefähr „Wissen über Lobverse“. Der Rigveda gehört zu den ältesten Gedichtsammlungen der Welt, die Menschen noch heute aufsagen.
Das Erstaunliche ist: Mehr als zweitausend Jahre lang brauchte niemand den Rigveda aufzuschreiben. Lehrer lernten ihn mit ihren Schülern auswendig. Später gaben diese Schüler ihn an ihre eigenen Schüler weiter. Sie übten die Wörter in verschiedenen Reihenfolgen, damit kein Laut verloren ging.
Die Lieder handeln von vielen Göttern. Agni ist der Gott des Feuers. Sein Rauch trägt die Opfergaben zu den Göttern. Indra ist ein starker Kämpfer. Er besiegt eine riesige Schlange, die das Wasser zurückhält, und lässt die Flüsse wieder fließen. Uṣas ist die Göttin der Morgenröte. Soma ist ein heiliges Getränk und zugleich ein Gott.
Manche Lieder stellen große Fragen, über die Erwachsene noch heute nachdenken. Ein berühmtes Lied fragt, wie die Welt entstanden ist. Am Ende heißt es, dass vielleicht selbst der höchste Gott die Antwort nicht kennt.
Der Rigveda wird noch heute verwendet. Priester in Indien sagen seine Verse bei Hochzeiten, Beerdigungen und täglichen Gebeten auf. Viele Hindus sprechen jeden Morgen einen seiner Verse, das Gāyatrī-Mantra.
Auf einen Blick
- Entstehungszeit
- Etwa 1500–1000 v. Chr. verfasst (die meisten Hymnen wahrscheinlich in der zweiten Hälfte des 2. Jahrtausends v. Chr.); später in die heutige Form gebracht
- Region
- Nordwestliches Südasien, besonders das Gebiet des Indus und seiner Nebenflüsse (Punjab), mit Verbindungen zum heutigen Afghanistan
- Sprache
- Vedisches Sanskrit, die älteste belegte Form des Sanskrit, mit Tonhöhenakzent
- Aufbau
- 10 Bücher (Maṇḍalas), 1.028 Hymnen (Sūktas), etwa 10.550 Verse (Ṛc)
- Wichtigste Gottheiten
- Indra (etwa ein Viertel der Hymnen), Agni, Soma, die Aśvins, Varuṇa, Mitra, Uṣas und andere
- Überlieferung
- Mündlicher Vortrag in Schulen (Śākhās); die Śākala-Fassung ist vollständig erhalten. Die ältesten bekannten Handschriften stammen etwa aus dem 11. Jahrhundert n. Chr.
- Anerkennung
- Vedische Rezitationskunst: immaterielles Kulturerbe der UNESCO (2003 zum Meisterwerk erklärt, 2008 eingetragen); Rigveda-Handschriften in Pune: UNESCO-Weltdokumentenerbe (2007)
- Bedeutung
- Grundlegender Text der vedischen und hinduistischen Tradition und eine wichtige Quelle für indoeuropäische Sprachen und Religionen
Einfach
Was ist der Rigveda?
Der Rigveda ist der älteste der vier Veden, der heiligsten Texte der hinduistischen Tradition. Die anderen sind der Sāmaveda (Melodien zum Singen), der Yajurveda (Formeln für rituelle Handlungen) und der Atharvaveda (Zaubersprüche, Beschwörungen und Hymnen). Der Name verbindet ṛc, „Lobvers“, mit veda, „Wissen“. Der Rigveda ist eine Sammlung von Gedichten, keine durchgehende Erzählung und kein Regelbuch.
Die Gedichte heißen Sūktas, also „gut gesprochene“ Hymnen. Sie wurden von Dichtersehern verfasst, die Ṛṣis genannt werden. Man glaubte, sie hätten die Hymnen durch eine Eingebung „geschaut“ oder empfangen. In der Tradition gilt der Veda als Śruti, als „das Gehörte“. Er wird damit nicht im gewöhnlichen Sinn als Werk menschlicher Verfasser angesehen und besitzt höchste Autorität.
Die Hymnen preisen Götter, bitten sie um Hilfe und begleiten Rituale, bei denen Opfergaben in ein heiliges Feuer gegossen wurden. Sie bitten um Vieh, Söhne, ein langes Leben, Sieg und Regen; sie feiern die Morgenröte und die Flüsse; sie erzählen von göttlichen Taten. Einige denken über den Ursprung des Universums, das Wesen der Sprache und das Schicksal der Toten nach.
Für die Wissenschaft ist der Rigveda besonders wertvoll, weil er zu den ältesten erhaltenen Texten in einer indoeuropäischen Sprache gehört. In Alter und Sprache steht er den ältesten Teilen des iranischen Avesta nahe. Für Hindus ist er die Wurzel einer lebendigen religiösen Tradition.
Einfach
Wie die Sammlung aufgebaut ist
Der Rigveda ist in zehn Bücher unterteilt, die Maṇḍalas („Kreise“) heißen. Die Bücher 2 bis 7 sind als „Familienbücher“ bekannt: Jedes wurde von einer Dichterfamilie überliefert, etwa von den Viśvāmitras (Buch 3), den Vāmadevas (Buch 4), den Atris (Buch 5), den Bharadvājas (Buch 6) und den Vasiṣṭhas (Buch 7). Sie gelten gewöhnlich als ältester Kern der Sammlung.
Innerhalb der Familienbücher folgen die Hymnen einer klaren Ordnung: Zuerst kommen Hymnen an Agni, dann an Indra und schließlich an andere Götter. Innerhalb jeder Gruppe stehen längere Hymnen vor kürzeren. Diese Ordnung zeigt, dass die Sammlung sorgfältig zusammengestellt wurde.
Buch 9 ist ganz Soma gewidmet. Es versammelt Hymnen, die beim Pressen und Reinigen des Somasafts gesungen wurden. Die Bücher 1 und 10 gelten im Allgemeinen als spätere Ergänzungen. Besonders Buch 10 enthält viele der bekanntesten und philosophischen Hymnen, außerdem Hochzeits- und Bestattungshymnen sowie die Klage eines Spielers.
Die Hymnen verwenden mehrere Versmaße, die auf der Zahl der Silben pro Zeile beruhen. Am häufigsten sind Triṣṭubh (vier Zeilen mit je elf Silben), Gāyatrī (drei Zeilen mit je acht Silben) und Jagatī (vier Zeilen mit je zwölf Silben). In der Śākala-Fassung enthält die gesamte Sammlung 1.028 Hymnen. Dazu gehören elf „ergänzende“ Vālakhilya-Hymnen in Buch 8.
Einfach
Götter des Feuers, des Sturms, der Morgenröte und der Ordnung
Schon der erste Vers des Rigveda preist Agni, das Feuer: „Ich rufe Agni an, den Vorangestellten, den Gott des Opfers.“ Agni ist zugleich das wirkliche Feuer auf dem Altar und ein Gott. Als Bote zwischen Menschen und Göttern trägt er die Opfergaben in seinem Rauch nach oben. Auch in der Feuerstelle jedes Haushalts ist er gegenwärtig.
Indra, der König der Götter, erhält mehr Hymnen als jede andere Gottheit: etwa ein Viertel der Sammlung. Er ist ein Kämpfer, der Soma trinkt, um Kraft zu gewinnen. Mit seinem Donnerkeil (Vajra) erschlägt er die Schlange Vṛtra, die das Wasser zurückgehalten hat. So befreit Indra die Flüsse und ermöglicht das Leben. Er hilft seinen Verehrern auch in Kämpfen und bei Viehraubzügen.
Soma ist zugleich eine Pflanze, das daraus gepresste Getränk und ein Gott. Um welche Pflanze es sich handelte, ist unbekannt; die Vorschläge reichen von Meerträubel bis zu Pilzen. Weitere wichtige Gottheiten sind Varuṇa und Mitra, die Hüter des Ṛta, der kosmischen und sittlichen Ordnung; Uṣas, die Morgenröte, der einige der schönsten Hymnen gelten; Sūrya, die Sonne; Rudra, ein gefährlicher Gott der Heilung und der Wildnis; die Aśvins genannten göttlichen Zwillinge; und Viṣṇu, der mit drei großen Schritten das Universum durchmisst. Einige dieser Götter, etwa Viṣṇu und Rudra (später Śiva), wurden im späteren Hinduismus wesentlich wichtiger.
Die Religion des Rigveda kannte keine Tempel und Götterbilder. Die Verehrung fand an Feuern statt, die für jedes Ritual errichtet wurden. Dort trugen Priester Hymnen vor und gossen Opfergaben aus geklärter Butter, Getreide und Soma ins Feuer. Die Götter wurden eingeladen, auf heiligem Gras Platz zu nehmen, das für sie ausgebreitet worden war.
Mittel
Die Welt des Rigveda
Der Rigveda beschreibt seine eigene Zeit und seinen Entstehungsort nicht unmittelbar, enthält aber viele Hinweise. Im Mittelpunkt seiner geografischen Welt stehen die Flüsse des Nordwestens: der Sindhu (Indus) und seine Nebenflüsse im Punjab sowie die Sarasvatī, die als größter Fluss gepriesen wird. Eine Hymne in Buch 10 (10.75) zählt Flüsse von der Gaṅgā im Osten bis zu den westlichen Nebenflüssen des Indus auf. Einige Flüsse in älteren Hymnen könnten im heutigen Afghanistan gelegen haben.
Die Menschen der Hymnen nannten sich selbst Ārya. Sie lebten in Stämmen wie den Bharatas und Pūrus, die von Häuptlingen geführt wurden. Ihren Lebensunterhalt bestritten sie vor allem durch Viehhaltung, daneben durch etwas Ackerbau. Rinder waren die wichtigste Form von Reichtum. Pferde und leichte Streitwagen mit Speichenrädern waren für Rennen und Kriege begehrt. Städte gab es nicht; die Siedlungen waren vermutlich nur teilweise dauerhaft bewohnt.
In den Hymnen ist oft von Konflikten die Rede: zwischen Ārya-Stämmen untereinander und mit Gruppen, die Dāsa oder Dasyu genannt und als Feinde beschrieben werden, welche die vorgeschriebenen Riten nicht ausführen. Wer diese Gruppen waren, ist umstritten. Buch 7 schildert die „Schlacht der Zehn Könige“. Darin besiegte König Sudās von den Bharatas mit Indras Hilfe ein Bündnis von Stämmen am Fluss Paruṣṇī (dem Ravi). Der Name der Bharatas klingt in Bhārata nach, einem der Sanskritnamen für Indien. Die spätere Überlieferung führt diesen Namen allerdings auf einen sagenhaften König Bharata zurück.
Es gab gesellschaftliche Unterschiede, besonders zwischen Priestern, Kriegern und Anführern sowie gewöhnlichen Menschen. Das vollständig ausgeprägte System der vier Stände (Varṇas) erscheint jedoch erst in einer späten Hymne, die weiter unten behandelt wird. Frauen treten als Dichterinnen einiger Hymnen und als Teilnehmerinnen an Ritualen auf. Die Hochzeitshymne (10.85) vermittelt ein Bild der damaligen Hochzeitsbräuche.
Mittel
Große Fragen: die philosophischen Hymnen
Einige der einflussreichsten Hymnen, meist in Buch 10, denken über Ursprung und Wesen des Universums nach. Das Nāsadīya-Sūkta (10.129), oft Schöpfungshymne genannt, beginnt: „Damals gab es weder Nichtsein noch Sein.“ Es stellt sich eine Zeit vor Licht und Dunkelheit vor, in der „das Eine“ ohne Atem atmete und das Verlangen als erster Keim des Denkens entstand. Es endet mit einem Zweifel: Derjenige, der im höchsten Himmel über die Schöpfung wacht, weiß vielleicht, wie sie entstanden ist – „oder vielleicht weiß er es nicht“.
Das Puruṣa-Sūkta (10.90) erzählt, wie die Götter den kosmischen Menschen Puruṣa opferten und aus seinem Körper die Welt erschufen. Aus seinem Mund entstand der Brāhmaṇa (Priester), aus seinen Armen der Rājanya (Krieger), aus seinen Schenkeln der Vaiśya (Angehöriger des Volkes) und aus seinen Füßen der Śūdra (Diener). Dies ist die früheste Nennung der vier Varṇas. Da die Hymne offenbar zu den jüngsten gehört, sehen viele Forschende in ihr ein Zeugnis einer späteren Gesellschaftsordnung. Ihre Rolle bei der Rechtfertigung der Kastenhierarchie wird im heutigen Indien viel diskutiert.
Andere Hymnen behandeln die Sprache (Vāc) als göttliche Macht (10.125), den unbekannten Gott, der alles erschaffen hat (10.121, mit der wiederholten Frage „Welchem Gott sollen wir opfern?“), und den Weg der Toten in die von Yama beherrschte Welt der Ahnen (10.14). Das berühmte Gāyatrī-Mantra (3.62.10), ein Gebet an den Sonnengott Savitṛ, unsere Gedanken anzuregen, gehört zu Buch 3.
Diese Hymnen zeigen, dass Fragen und Nachdenken von Anfang an zur vedischen Religion gehörten. Spätere Denker, besonders in den Upaniṣaden, entwickelten ihre Vorstellungen vom Einen, vom Selbst und vom Ursprung der Welt auch in Auseinandersetzung mit ihnen.
Mittel
Gedächtnis als Hilfsmittel: Wie der Text überlebte
Der Rigveda wurde mündlich verfasst und weitergegeben. Auch nachdem sich die Schrift in Indien seit dem 3. Jahrhundert v. Chr. verbreitet hatte, sollte der Veda der Tradition zufolge aus dem Mund eines Lehrers gelernt werden und nicht aus einem Buch. Die ältesten erhaltenen Handschriften stammen etwa aus dem 11. Jahrhundert n. Chr. – rund zweitausend Jahre nach der Entstehung der Hymnen.
Um den Text zu bewahren, entwickelten die Rezitierenden ein bemerkenswertes System von Techniken. Neben dem fortlaufenden Text (Saṃhitāpāṭha), in dem Laute nach den Regeln der Sanskrit-Lautlehre miteinander verschmelzen, lernten die Schüler den Wort-für-Wort-Text (Padapāṭha). Diese dem Grammatiker Śākalya zugeschriebene Fassung trennt jedes Wort vom nächsten. In komplizierteren Mustern (Vikṛtis) werden Wörter in festen Folgen wiederholt: etwa ab, ba, ab, bc, cb, bc beim Jaṭāpāṭha oder in noch komplexeren Verbindungen beim Ghanapāṭha. Fehler in einer Fassung konnten durch die anderen entdeckt werden.
Der Vortrag bewahrt auch die Tonhöhenakzente des vedischen Sanskrit, die durch Handbewegungen angezeigt werden. Aus der Alltagssprache verschwanden diese Akzente schon vor langer Zeit. Sprachwissenschaftler betrachten das Ergebnis als eine der genauesten Überlieferungen eines antiken Textes – beinahe wie eine Tonaufnahme aus dem 2. Jahrtausend v. Chr.
Aus diesem Bemühen entstanden besondere Hilfswissenschaften: Lautlehre (Śikṣā), Verslehre, Grammatik und Wortherkunftslehre. Die altindische Grammatik, die mit Pāṇini einen Höhepunkt erreichte, entwickelte sich teilweise aus dem Bedürfnis, die vedischen Texte zu untersuchen und zu bewahren. Die UNESCO erklärte die Tradition der vedischen Rezitation 2003 zu einem Meisterwerk des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit. Sie wies zugleich darauf hin, dass von den vielen historischen Überlieferungszweigen nur wenige erhalten sind.
Mittel
Der Rigveda in der späteren Tradition
Die Hymnen wurden Teil einer umfangreichen späteren vedischen Literatur. Die zum Rigveda gehörenden Brāhmaṇas (Aitareya und Kauṣītaki) erklären, wie die Hymnen in Ritualen verwendet werden und was sie bedeuten. Die mit ihnen verbundenen Āraṇyakas und Upaniṣaden, etwa die Aitareya-Upaniṣad, wenden sich stärker philosophischen Fragen zu. So steht der Rigveda am Anfang einer fortdauernden Tradition, die zur klassischen hinduistischen Philosophie führt.
Im späteren Hinduismus wandelte sich die Stellung der Götter des Rigveda teilweise. Indra wurde zu einem weniger bedeutenden König des Himmels, während Viṣṇu und Śiva (mit Rudra gleichgesetzt) zu höchsten Gottheiten wurden. Die Autorität des Veda blieb jedoch zentral: Die orthodoxen Schulen der indischen Philosophie erkennen sie an, während Buddhismus und Jainismus sie ablehnen.
Kommentatoren versuchten, die zunehmend altertümliche Sprache zu erklären. Yāskas Nirukta, ein frühes Werk zur Wortherkunft, behandelt schwierige vedische Wörter. Der berühmteste Kommentar stammt von Sāyaṇa, einem Gelehrten am Hof des Vijayanagara-Reiches im 14. Jahrhundert. Seine Erklärungen beeinflussten Leser in Indien und Europa.
Noch heute werden Verse des Rigveda bei hinduistischen Hochzeiten, Initiationsriten, Bestattungen und der täglichen Verehrung vorgetragen. Millionen von Menschen sprechen das Gāyatrī-Mantra. Der Rigveda ist auch zu einem Symbol des indischen Kulturerbes geworden und wird in der Gegenwart intensiv im Zusammenhang mit Geschichte und Identität diskutiert.
Mittel
Handschriften, Ausgaben und Übersetzungen
Die ältesten bekannten Handschriften des Rigveda stammen aus Nepal und werden etwa auf das 11. Jahrhundert n. Chr. datiert. Weitere Handschriften sind in vielen Schriften erhalten, darunter Devanāgarī, Śāradā, Grantha und Malayalam. Das spiegelt die Verbreitung der vedischen Gelehrsamkeit in Südasien wider. Eine Sammlung von Rigveda-Handschriften am Bhandarkar Oriental Research Institute in Pune wurde 2007 in das UNESCO-Weltdokumentenerbe aufgenommen.
Europäische Gelehrte begannen sich im späten 18. und im 19. Jahrhundert für die Veden zu interessieren, als die Verwandtschaft des Sanskrit mit Griechisch, Latein und anderen europäischen Sprachen erkannt wurde. Friedrich Max Müller veröffentlichte zwischen 1849 und 1875 die erste gedruckte Ausgabe des Rigveda mit Sāyaṇas Kommentar. Theodor Aufrecht gab in den 1860er- und 1870er-Jahren eine Textausgabe heraus.
Es folgten viele Übersetzungen. Karl Friedrich Geldners vollständige deutsche Übersetzung (1951 vollständig veröffentlicht) und Louis Renous französische Studien waren bedeutende Leistungen. Im Englischen gilt die vollständige Übersetzung von Stephanie W. Jamison und Joel P. Brereton (2014) heute als wissenschaftliches Standardwerk. Ältere Übersetzungen wie die von Ralph Griffith (1889–1892) sind weit verbreitet, aber überholt.
Die Übersetzung des Rigveda bleibt schwierig. Seine Sprache ist altertümlich und sehr poetisch. Sie ist voller Rätsel, Wortspiele und Anspielungen, deren Bedeutung schon den antiken Kommentatoren nicht immer klar war. Über viele Wörter und Stellen sind sich Forschende uneinig. Jede Übersetzung muss zudem zwischen wörtlicher Genauigkeit und poetischem Sinn abwägen.
Fortgeschritten
Debatten über Datierung, Geografie und Herkunft der Indoarier
Keine Hymne ist datiert. Forschende sind daher auf indirekte Hinweise angewiesen. Das vedische Sanskrit steht sprachlich dem Altavestischen, der Sprache der ältesten zoroastrischen Texte, sehr nahe. Ein Vertrag aus dem 14. Jahrhundert v. Chr. zwischen einem hethitischen König und dem Reich Mitanni in Nordsyrien ruft die Götter Mitra, Varuṇa, Indra und die Nāsatyas an. Texte aus Mitanni über die Ausbildung von Pferden verwenden zudem indoarische Zahlwörter. Das zeigt, dass indoarische Sprecher und ihre Götter zu dieser Zeit bereits im Nahen Osten bekannt waren. Der Rigveda erwähnt Bronze oder Kupfer (ayas), aber nicht eindeutig Eisen, das in späteren vedischen Texten vorkommt. Aufgrund solcher Hinweise datieren die meisten Forschenden den Großteil der Hymnen in die zweite Hälfte des 2. Jahrtausends v. Chr.
Nach der vorherrschenden wissenschaftlichen Auffassung, die auf vergleichender Sprachwissenschaft und zunehmend auch auf Untersuchungen alter DNA beruht, gelangten indoarische Sprachen im 2. Jahrtausend v. Chr. mit Gruppen aus Zentralasien nach Südasien. Dies geschah nach dem Niedergang der harappischen Städte der Indus-Kultur. Die Zugewanderten vermischten sich mit den dort lebenden Menschen. Vermutlich handelte es sich um einen allmählichen Prozess von Wanderung und kulturellem Austausch, nicht um einen einzelnen Eroberungszug. Die ältere Vorstellung einer gewaltsamen „arischen Invasion“, die die Indus-Städte zerstört habe, wurde aufgegeben.
Eine Minderheitsposition, oft als These der „einheimischen Arier“ oder „Out-of-India“-These bezeichnet, besagt, dass die vedische Kultur in Südasien entstand und mit der Indus-Kultur identisch oder sogar älter sein könnte. Unter Fachleuten für Sprachwissenschaft, Archäologie und Genetik findet sie wenig Unterstützung, spielt aber in öffentlichen Debatten in Indien eine wichtige Rolle. Auch die Identifizierung des Flusses Sarasvatī gehört zu dieser Debatte: Manche setzen ihn mit dem heute größtenteils ausgetrockneten Ghaggar-Hakra-System im Nordwesten Indiens gleich, andere mit dem Helmand (Haraxvaitī) in Afghanistan. Möglicherweise bezeichnete der Name zu verschiedenen Zeiten verschiedene Flüsse.
Auch das Verhältnis zwischen Rigveda und Indus-Kultur ist weiterhin ungeklärt. Die Hymnen erwähnen weder Städte noch Schrift oder Siegel, was auf eine andere Gesellschaft hindeutet. Die Indus-Schrift ist jedoch nicht entziffert, und einige Bestandteile der späteren indischen Kultur könnten aus harappischen Traditionen stammen.
Fortgeschritten
Die Hymnen deuten: Methoden und Fragen
Über die Deutung des Rigveda besteht seit Langem Uneinigkeit. Die traditionelle indische Herangehensweise, für die Sāyaṇa steht, liest die Hymnen im Licht der Ritualpraxis und der späteren Theologie. Europäische Gelehrte des 19. Jahrhunderts deuteten sie häufig als Naturdichtung und sahen in den Göttern verkörperte Naturkräfte. Andere nutzten sie, um eine indoeuropäische Mythologie zu rekonstruieren. Die heutige Forschung betont die enge Verbindung der Hymnen mit rituellen Handlungen, ihre kunstvolle Dichtung und die in ihnen erkennbaren sozialen Beziehungen, etwa zwischen Dichter, Auftraggeber und Gott.
Besonders wichtig ist die vergleichende Methode. Viele Begriffe und Vorstellungen des Rigveda haben Entsprechungen im Avesta und in anderen indoeuropäischen Traditionen: Mitra entspricht dem avestischen Mithra, Soma dem avestischen Haoma und Ṛta dem avestischen Aša. Auch die dichterische Formel „unvergänglicher Ruhm“ (śravas akṣitam) hat eine nahe Parallele im homerischen Griechisch. Solche Übereinstimmungen helfen Sprachwissenschaftlern, Merkmale der protoindoiranischen und sogar der protoindoeuropäischen Dichtersprache zu erschließen.
Ein weiteres aktives Forschungsgebiet ist die innere Chronologie. Anhand sprachlicher Merkmale, der Versmaße, der Anordnung der Bücher und der Erwähnung von Menschen und Orten unterscheiden Forschende ältere von jüngeren Schichten. Die Familienbücher sind im Allgemeinen älter, Buch 10 und Teile von Buch 1 jünger. Einzelne Hymnen können jedoch Ausnahmen sein.
Schließlich beschäftigen sich Forschende mit dem mündlichen Charakter des Textes. Der Rigveda war ein mündlicher „Kanon“, dessen Wortlaut mit außergewöhnlicher Genauigkeit bewahrt wurde. Seine ursprünglichen Vortragenden waren zugleich schöpferische Dichter, die miteinander im sprachlichen Können wetteiferten. Wie die Hymnen verfasst, gesammelt und in ihrer Form festgelegt wurden, wird noch diskutiert. Einige Forschende vermuten, dass die Festlegung unter der Förderung des frühen Kuru-Reiches um 1200–1000 v. Chr. erfolgte.
Kernideen
- Śruti
- „Das Gehörte“: der Veda als offenbartes Wissen, das inspirierten Sehern zuteilwurde und in der hinduistischen Tradition höchste Autorität besitzt.
- Yajña (Opfer)
- Ein Feuerritual, bei dem Opfergaben ins Feuer gegossen und Hymnen vorgetragen werden, um die Götter einzuladen und ihnen zu gefallen.
- Ṛta
- Die kosmische, rituelle und sittliche Ordnung, die das Universum erhält und besonders von Varuṇa und Mitra gehütet wird.
- Mündliche Überlieferung
- Die Hymnen wurden mehr als zweitausend Jahre lang durch Auswendiglernen und besondere Vortragstechniken bewahrt, bevor sie aufgeschrieben wurden.
- Philosophische Hymnen
- Späte Hymnen wie das Nāsadīya-Sūkta und das Puruṣa-Sūkta fragen nach dem Ursprung der Welt und bereiten spätere philosophische Gedanken vor.
- Dichterische Kunst
- Vedische Dichter schätzten Rätsel, Wortspiele und neue Formulierungen als Gaben an die Götter und wetteiferten miteinander in ihrer Ausdruckskraft.
- Indoeuropäisches Erbe
- Die Sprache, die Götter und die dichterischen Formeln des Rigveda sind mit denen des alten Iran, Griechenlands und anderer indoeuropäischer Kulturen verwandt.
Einträge
- um 1900 v. Chr. — Der Niedergang der großen Städte der Indus- oder Harappa-Kultur beginnt.
- um 1500 v. Chr. — Ungefährer Beginn der Entstehung der rigvedischen Hymnen im Nordwesten Südasiens.
- um 1380 v. Chr. — Ein Vertrag zwischen Hethitern und Mitanni ruft Mitra, Varuṇa, Indra und die Nāsatyas an.
- um 1200 v. Chr. — Die Hymnen werden allmählich gesammelt und geordnet, möglicherweise im frühen Kuru-Reich (bis etwa 1000 v. Chr.).
- um 500 v. Chr. — Vedische Hilfswissenschaften blühen auf; Yāskas Nirukta behandelt schwierige vedische Wörter (ungefähre Datierung).
- um 1040 — Ungefähre Entstehungszeit der ältesten bekannten Rigveda-Handschriften aus Nepal.
- um 1360 — Sāyaṇa verfasst am Hof von Vijayanagara seinen Kommentar zum Rigveda.
- 1849 — Max Müller beginnt mit der Veröffentlichung der ersten gedruckten Ausgabe des Rigveda mit Sāyaṇas Kommentar (1875 abgeschlossen).
- 2003 — Die UNESCO erklärt die Tradition der vedischen Rezitation zu einem Meisterwerk des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit.
- 2007 — Rigveda-Handschriften in Pune werden in das UNESCO-Weltdokumentenerbe aufgenommen.
- 2014 — Jamison und Brereton veröffentlichen eine vollständige englische Übersetzung des Rigveda.
Glossar
- Veda
- „Wissen“; Bezeichnung für die vier ältesten Sammlungen heiliger Texte der hinduistischen Tradition.
- Maṇḍala
- Eines der zehn Bücher des Rigveda.
- Sūkta
- Eine Hymne des Rigveda.
- Ṛṣi
- Ein Dichterseher, dem Hymnen zugeschrieben werden.
- Saṃhitā
- Der „gesammelte“, fortlaufende Text eines Veda.
- Padapāṭha
- Eine Textfassung, in der jedes Wort getrennt steht, damit der Text bewahrt und untersucht werden kann.
- Śākhā
- Eine Schule oder ein Zweig der vedischen Rezitation, der eine bestimmte Textfassung bewahrt.
- Soma
- Ein rituelles Getränk aus einer nicht sicher bestimmten Pflanze und der damit gleichgesetzte Gott.
- Agni
- Der Gott des Feuers und Bote zwischen Menschen und Göttern.
- Indra
- Kriegerischer König der Götter, der die Schlange Vṛtra erschlägt.
- Varṇa
- Einer von vier gesellschaftlichen Ständen (Priester, Krieger, Angehörige des Volkes, Diener), die erstmals im Puruṣa-Sūkta genannt werden.
Fragen und Antworten
Wie alt ist der Rigveda?
Die meisten Forschenden nehmen an, dass die Hymnen ungefähr zwischen 1500 und 1000 v. Chr. entstanden. Sie sind damit mehr als 3.000 Jahre alt.
Wie konnten sich die Menschen ohne Schrift an ihn erinnern?
Schüler lernten den Text von ihren Lehrern auswendig. Sie übten besondere Arten des Vortrags und sprachen die Wörter in verschiedenen Reihenfolgen, damit Fehler erkannt werden konnten.
Wer hat den Rigveda verfasst?
Die Tradition schreibt die Hymnen Sehern (Ṛṣis) aus mehreren Dichterfamilien zu. Nach hinduistischer Auffassung haben sie den Veda „gehört“ oder geschaut, statt ihn selbst zu erfinden.
Wird der Rigveda heute noch verwendet?
Ja. Seine Verse werden bei hinduistischen Ritualen wie Hochzeiten und Bestattungen vorgetragen. Für viele Menschen gehört das Gāyatrī-Mantra zum täglichen Gebet.
Beschreibt der Rigveda das Kastensystem?
Nur eine späte Hymne, das Puruṣa-Sūkta, nennt die vier Varṇas. Die meisten Forschenden gehen davon aus, dass sich das vollständige Kastensystem erst später entwickelte.
Sind „Arier“ in Indien eingefallen und haben die Indus-Städte zerstört?
Die alte Invasionstheorie wurde aufgegeben. Nach der vorherrschenden Auffassung wanderten indoarische Sprecher allmählich nach Südasien ein, nachdem die Indus-Städte bereits an Bedeutung verloren hatten, und vermischten sich mit der dortigen Bevölkerung. Eine Minderheitsmeinung geht davon aus, dass die vedische Kultur in Südasien entstand.
Was war Soma?
Das weiß niemand genau. Die Hymnen beschreiben, wie eine Pflanze gepresst und gefiltert wurde, um ein belebendes Getränk herzustellen. Als mögliche Pflanzen wurden Meerträubel und bestimmte Pilze vorgeschlagen, aber die Frage ist ungeklärt.
Quellen und weiterführende Literatur
- Rigveda. Wikipedia
- 리그베다. 위키백과
- Tradition of Vedic chanting. UNESCO Intangible Cultural Heritage
- Nasadiya Sukta. Wikipedia
- Purusha Sukta. Wikipedia
- Vedic period. Wikipedia
- Shakha. Wikipedia
- Sayana. Wikipedia
- Stephanie W. Jamison and Joel P. Brereton, The Rigveda: The Earliest Religious Poetry of India (3 vols.). Oxford University Press, 2014
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Mit KI-Unterstützung auf Grundlage der oben aufgeführten veröffentlichten Quellen verfasst und bei neuen Forschungsergebnissen überarbeitet.
