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Für junge Leser
Stell dir einen riesigen Ozean vor, übersät mit Inseln, die so weit auseinanderliegen, dass man die nächste vom Strand aus nicht sehen kann. Vor etwa 3.000 Jahren, bevor jemand auf vielen dieser Inseln lebte, brach eine Gruppe von Menschen in Kanus auf, um sie zu finden. Archäologen nennen sie das Lapita-Volk.
Sie segelten in Auslegerkanus – Booten mit einem zusätzlichen Schwimmer an der Seite, der sie stabil hielt – und trugen alles bei sich, was sie für ein neues Zuhause brauchten: Schweine, Hunde, Hühner und Pflanzen wie Taro, Yamswurzeln, Bananen und Brotfrucht.
Das Lapita-Volk ist berühmt für seine Keramik. Bevor sie ihre Tontöpfe brannten, drückten sie kleine gezähnte Stempel in den Ton, wie einen Kamm, um schöne Muster aus Linien, Kreisen und sogar Gesichtern zu formen. Wissenschaftler können den Lapita über den Ozean folgen, indem sie Stücke dieser Töpfe finden.
Sie lebten in Dörfern an Stränden und auf kleinen Inseln, manchmal in Pfahlhäusern über Lagunen. Sie fischten, sammelten Muscheln, legten Gärten an und handelten über weite Strecken mit glänzendem schwarzem Vulkanglas, Obsidian genannt.
In nur wenigen Jahrhunderten breiteten sie sich über mehr als 4.000 Kilometer Ozean aus, von Inseln nahe Neuguinea bis hin nach Fidschi, Tonga und Samoa. Zuvor hatte nie jemand auf diesen fernen Inseln gelebt.
Der Name „Lapita“ stammt von einem Strand in Neukaledonien, wo Archäologen 1952 gruben. Die Kinder ihrer Kinder wurden zu den Polynesiern, die später Hawaiʻi, Rapa Nui (Osterinsel) und Aotearoa (Neuseeland) fanden. Viele Menschen im Pazifik sehen die Lapita heute als ihre Vorfahren.
Auf einen Blick
- Zeitraum
- Etwa 1350–500 v. Chr.; die frühesten Datierungen im Bismarck-Archipel sind umstritten (ältere Schätzungen um 1600–1500 v. Chr., neuere Neudatierung um 1350–1300 v. Chr.)
- Region
- Vom Bismarck-Archipel (Papua-Neuguinea) über die Salomonen, Vanuatu und Neukaledonien bis nach Fidschi, Tonga und Samoa
- Typuslokalität
- Fundstelle 13 auf der Foué-Halbinsel bei Koné, Grande Terre, Neukaledonien, ausgegraben 1952 von Edward W. Gifford und Richard Shutler Jr.
- Bekannte Fundstellen
- Mehr als 200, verteilt über mehr als 4.000 km
- Kennzeichen
- Niedrig gebrannte Tonware, verziert mit gezähnten (dentaten) Stempeln in komplexen geometrischen und gesichtsähnlichen Mustern
- Wirtschaft
- Schweine, Hunde, Hühner; Taro, Yamswurzel, Banane, Kokosnuss, Brotfrucht; Fischfang und Muscheln; Fernhandel mit Obsidian und Steinäxten
- Sprache
- Wahrscheinlich Proto-Ozeanisch, ein Zweig der austronesischen Sprachfamilie
- Wichtige Fundstellen
- Talepakemalai (Mussau), Watom (New Britain), Nenumbo (Reef-Inseln), Teouma (Efate, Vanuatu), Lapita (Neukaledonien), Bourewa und Moturiki (Fidschi), Tongatapu (Tonga), Mulifanua (Samoa)
Einfach
Was ist die Lapita-Kultur?
„Lapita“ ist ein archäologischer Name. Wir wissen nicht, wie diese Menschen sich selbst nannten, da sie keine Schrift hinterließen. Archäologen verwenden das Wort für eine Gruppe von Gegenständen und Lebensweisen – vor allem eine unverwechselbare verzierte Keramik –, die plötzlich vor etwa 3.300 Jahren auf den Inseln östlich von Neuguinea auftauchen und sich dann rasch über den südwestlichen Pazifik ausbreiten.
Das Lapita-Volk ist bedeutsam, weil es das erste war, das die Inseln erreichte und besiedelte, die Wissenschaftler als Fernozeanien bezeichnen: Vanuatu, Neukaledonien, Fidschi, Tonga und Samoa. Menschen hatten seit Zehntausenden von Jahren in Neuguinea, dem Bismarck-Archipel und den Hauptinseln der Salomonen gelebt, doch die weiter entfernten, durch breitere Meeresstrecken getrennten Inseln waren nie bewohnt gewesen. Sie zu überqueren erfordert neue Boote, neue Segelkünste und eine neue, mit dem Kanu getragene Lebensweise.
Heute gelten die Lapita als Vorfahren vieler Völker des Inselmelanesiens und aller Polynesier. Ihre Nachkommen besiedelten später das riesige polynesische Dreieck von Hawaiʻi bis Rapa Nui und Aotearoa Neuseeland. Für viele Pazifikinsulaner ist die Geschichte der Lapita keine ferne Vorgeschichte, sondern der Beginn ihrer eigenen Familiengeschichte.
Einfach
Die berühmte Keramik
Lapita-Keramik ist meist niedrig gebrannte Tonware, gemagert mit Muschelschalen oder Sand. Die auffälligsten Töpfe wurden vor dem Brennen verziert, indem ein kleines gezähntes Werkzeug – ein „Dentatstempel“, ähnlich einem Kamm – immer wieder in den weichen Ton gedrückt wurde, um Bänder aus feinen Mustern aufzubauen. Töpfer verwendeten auch eingeritzte Linien, Kreisstempel und kleine Einstichmarken und füllten die Muster manchmal mit weißem Kalk, damit sie sich von einem roten Überzug abhoben.
Die Muster sind geometrisch: Zickzacklinien, ineinandergreifende Kurven, Reihen von Kreisen und ein Kreuz-im-Kreis-Motiv. Auf manchen Töpfen bilden die Muster stilisierte Gesichter mit Augen und Nasen, vielleicht Darstellungen von Ahnen oder Geistern. Forscher haben vorgeschlagen, dass ähnliche Muster auch für Tätowierungen und auf Rindenstoff (tapa) oder Matten verwendet worden sein könnten, die nicht erhalten sind.
Neben verzierten Töpfen stellten die Lapita auch schlichte Gefäße zum Kochen und Aufbewahren her, wie Schalen, Krüge und flachbodige Schüsseln. Mit der Zeit, besonders in Fidschi, Tonga und Samoa, wurde die Verzierung einfacher und verschwand schließlich, sodass nur noch schlichte Ware übrig blieb. In Westpolynesien hörte die Keramikherstellung ganz auf – in Samoa etwa um den Beginn der christlichen Zeitrechnung –, und die späteren Polynesier, die den östlichen Pazifik besiedelten, stellten überhaupt keine Keramik mehr her.
Einfach
Alltagsleben: Dörfer, Gärten und das Meer
Die meisten Lapita-Dörfer auf den neu besiedelten Inseln wurden an Stränden, Küstenterrassen oder kleinen vorgelagerten Eilanden errichtet, nicht tief im Landesinneren. Manche Häuser standen auf Stelzen über flachen Lagunen, wie in Talepakemalai auf der Insel Mussau. Das Leben am Meer bot leichten Zugang zu Fisch, Schildkröten und Muscheln sowie zu Kanus für Reisen. Manche Forscher vermuten auch, dass das Küstenleben den Siedlern half, malariaübertragende Mücken oder bereits von anderen Völkern besetzte Gebiete zu meiden.
Die Lapita waren sowohl Bauern als auch Fischer. Sie brachten Schweine, Hunde und Hühner mit und bauten Wurzel- und Baumfrüchte wie Taro, Yamswurzeln, Bananen, Kokosnüsse und Brotfrucht an. Als sie auf menschenleeren Inseln ankamen, jagten sie auch Vögel, Flughunde und Schildkröten, die noch nie Menschen begegnet waren, und viele Inselarten gingen bald nach ihrer Ankunft zurück oder starben aus.
Zu ihrer Werkzeugausstattung gehörten Äxte aus geschliffenem Stein und Muschelschale zum Holzschneiden und zum Bau von Kanus, Angelhaken, Muschelschmuck wie Ringe und Perlen sowie scharfe Abschläge aus Obsidian (Vulkanglas) und Feuerstein. Obsidian aus bestimmten Quellen, etwa Talasea auf New Britain, wurde weit entfernt von seinem Abbauort gefunden, was zeigt, dass Lapita-Gemeinschaften über Hunderte oder sogar Tausende Kilometer hinweg in Verbindung blieben.
Mittel
Fahrten ins Unbekannte
Die Geschwindigkeit der Lapita-Ausbreitung ist bemerkenswert. Nachdem sie im Bismarck-Archipel aufgetaucht waren, erreichten Lapita-Siedler die Salomonen, Vanuatu und Neukaledonien um etwa 1200–1000 v. Chr. und Fidschi, Tonga und Samoa um etwa 900–800 v. Chr. Manche Überfahrten, wie die offene Seestrecke von mehreren hundert Kilometern zwischen Vanuatu und Fidschi, waren weit länger als jede frühere menschliche Seereise in diesem Teil der Welt.
Die Kanus selbst sind nicht erhalten, doch sprachliche Rekonstruktion und spätere pazifische Überlieferungen deuten auf Segelkanus mit Auslegern oder Doppelrümpfen hin, mit Segeln aus geflochtenem Pandanus und der Fähigkeit, Menschen, Tiere, Pflanzen und Wasser zu transportieren. Die Navigation stützte sich wahrscheinlich auf jene Art von Wissen, für die spätere polynesische Wegfinder berühmt waren: das Lesen von Sternen, Sonne, Winden, Meeresdünung, Wolken und dem Flug der Vögel.
Warum zogen sie immer weiter? Forscher haben mehrere Gründe vorgeschlagen: die Anziehungskraft leerer Inseln mit reichlich wilder Nahrung; ein soziales System, in dem jüngere Geschwister neue Siedlungen gründeten, um Status zu gewinnen; die Suche nach Handelsgütern; und eine Kultur, die Erkundung schätzte. Die meisten Fachleute halten die Fahrten für bewusst und geplant und gehen davon aus, dass Siedler eine Zeit lang Kontakt zu ihren Heimatinseln hielten, statt zufällig abzutreiben.
Mittel
Woher kamen die Lapita?
Die Lapita waren Teil der großen austronesischen Expansion, einer Reihe von Wanderungen von Sprechern austronesischer Sprachen, die vor mehreren Jahrtausenden von Taiwan ausging und schließlich im Westen Madagaskar und im Osten Rapa Nui erreichte. Austronesischsprachige erreichten die nördlichen Philippinen um etwa 2200 v. Chr., und manche zogen später auf die Marianen und in Richtung der Inseln nördlich von Neuguinea weiter.
Mehrere Arten von Belegen deuten auf diesen Ursprung hin. Lapita-Keramik mit ihren Dentatstempeln, Kreisen und dem Kreuz-im-Kreis-Motiv ähnelt Keramik von den nördlichen Philippinen – besonders der Fundstelle Nagsabaran auf Luzon – und von den Marianen, wo ähnliche Keramik um etwa 1500–1300 v. Chr. auftaucht. Auch die Haustiere, Nutzpflanzen, Pfahlhäuser, Tätowiermeißel und die Auslegertechnik der Lapita haben Wurzeln im insularen Südostasien. Die stärkste Bestätigung kommt aus der Sprache: Proto-Ozeanisch, die rekonstruierte Vorläufersprache der ozeanischen Sprachen, teilt einen Großteil des Wortschatzes mit dem weiter westlich gesprochenen Proto-Malayo-Polynesischen.
Zugleich kamen die Lapita in eine Region, in der Papua-sprachige Völker seit mindestens 30.000–40.000 Jahren gelebt hatten. Die Neuankömmlinge tauschten mit ihnen Nutzpflanzen, Werkzeuge und Ideen aus und heirateten untereinander, in unterschiedlichem Ausmaß je nach Ort. Die meisten Fachleute akzeptieren Roger Greens „Triple-I“-Modell – Intrusion austronesischer Siedler, Innovation nach der Ankunft und Integration mit bestehenden Bevölkerungen – als Beschreibung dafür, wie sich die Lapita-Kultur im Bismarck-Archipel formte.
Mittel
Entdeckung und wichtige Fundstellen
Die erste dokumentierte Lapita-Keramik wurde 1909 von Otto Meyer gefunden, einem katholischen Missionar auf der Insel Watom vor New Britain, nachdem ein Sturm Scherben am Strand freigelegt hatte. 1920 grub der amerikanische Anthropologe William McKern mehr als 1.500 gestempelte Scherben auf Tongatapu aus, ohne von Meyers Funden zu wissen. Die Verbindung zwischen diesen Entdeckungen wurde erst allmählich erkannt.
1952 gruben Edward W. Gifford und Richard Shutler Jr. die Fundstelle 13 auf der Foué-Halbinsel in Neukaledonien aus. Der Name „Lapita“ stammt von einem lokalen Wort, das von den Archäologen offenbar falsch verstanden wurde, aus der Haveke-Sprache – xapeta’a, was „ein Loch graben“ oder „der Ort, an dem man gräbt“ bedeutet. Gifford wandte die damals neue Methode der Radiokarbondatierung an und zeigte, dass die Keramik fast 3.000 Jahre alt war, und er verband sie mit den Scherben von Watom und Tonga. In den 1960er Jahren und danach etablierten Ausgrabungen von Jack Golson, Roger Green, Patrick Kirch und vielen anderen die Lapita als die frühesten Siedler in weiten Teilen des südwestlichen Pazifiks.
Zu den wichtigen Fundstellen zählen Talepakemalai auf Mussau (eine der frühesten, mit Pfahlhäusern), Nenumbo auf den Reef-Inseln der Salomonen, Teouma auf Efate in Vanuatu, Fundstellen auf Fidschi und Tongatapu sowie Mulifanua in Samoa, wo Lapita-Keramik aus einer heute untergetauchten Fundstelle gebaggert wurde. Mehr als 200 Lapita-Fundstellen sind heute bekannt.
Mittel
Teouma: der älteste Friedhof der Pazifikinseln
2003 legten Erdarbeiten nahe der Bucht von Teouma auf der Insel Efate in Vanuatu verzierte Keramik frei, was zur Entdeckung des ältesten bekannten Friedhofs der Pazifikinseln führte, der auf etwa 3.000 Jahre datiert wird. Ausgrabungen fanden Bestattungen Dutzender Personen, manche mit vollständigen Lapita-Gefäßen.
Die Bestattungspraktiken waren komplex. Viele Skelette hatten keine Schädel: Nachdem die Körper verwest waren, entfernten Trauernde die Köpfe, ersetzten sie manchmal durch Ringe aus Kegelschnecken-Schalen und behandelten sie gesondert. In einem Grab lag ein älterer Mann mit drei Schädeln auf der Brust. Ein Bestattungsgefäß ist mit vier Vogelfiguren verziert, die in das Gefäß hinabblicken. Solche Praktiken deuten auf starke Vorstellungen über Ahnen und die Bedeutung des Kopfes hin, Themen, die sich auch in späteren pazifischen Kulturen finden.
Teouma war auch für die Wissenschaft entscheidend. Isotopenanalysen von Zähnen und Knochen legten nahe, dass manche dort bestattete Menschen anderswo aufgewachsen waren, während andere vor Ort geboren wurden. 2016 gelang es Forschern, alte DNA aus dem Innenohrknochen von Individuen aus Teouma zu extrahieren – eine der ersten erfolgreichen Extraktionen alter DNA aus den Tropen –, was die Debatten über die Herkunft der Lapita grundlegend veränderte.
Mittel
Von Lapita zu Polynesien
In Fidschi, Tonga und Samoa – dem östlichen Rand der Lapita-Welt – blieben Siedler nach etwa 800 v. Chr. lange Zeit. In den folgenden Jahrhunderten entwickelten ihre Nachkommen in dieser Region eine eigenständige Kultur, oft die polynesische Heimat oder in späteren Überlieferungen „Hawaiki“ genannt, sowie die polynesische Ursprachfamilie. Die Keramikverzierung verblasste zu schlichter Ware und verschwand dann ganz.
Nach einer langen Pause von weit über tausend Jahren zogen polynesische Seefahrer wieder nach Osten und besiedelten die Cook-, Gesellschafts- und Marquesas-Inseln und schließlich, um etwa 1000–1250 n. Chr., Hawaiʻi, Rapa Nui und Aotearoa Neuseeland. Ihre Kanus, Nutzpflanzen, Tiere und viele Wörter und Bräuche lassen sich über Westpolynesien bis zu Lapita-Vorfahren zurückverfolgen.
Forscher wie Matthew Spriggs haben argumentiert, dass Lapita nicht nur die Quelle der ozeanischen Sprachen war, sondern auch vieler kultureller und religiöser Konzepte, die im gesamten Pazifik vorkommen, während sie zugleich betonen, dass es beträchtliche kulturelle Kontinuität zwischen Lapita-Gemeinschaften und späteren melanesischen Gesellschaften gab. Lapita wird daher als gründende Schicht angesehen, nicht als verschwundene Kultur.
Fortgeschritten
Debatten über Datierung und Ausbreitungsgeschwindigkeit
Die Chronologie der Lapita wurde wiederholt überarbeitet. Ältere Zusammenfassungen setzten den Beginn der „klassischen“ Lapita im Bismarck-Archipel um 1600–1500 v. Chr. an. Spätere Arbeiten, die sorgfältigere Auswahl kurzlebiger Proben und bayessche statistische Modellierung von Radiokarbondaten nutzten, sprechen für einen jüngeren Beginn, um 1350–1300 v. Chr. Das ist bedeutsam, weil es die Ausbreitung zeitlich verdichtet: Wenn Lapita später begann, aber dennoch bis etwa 850–800 v. Chr. Tonga und Samoa erreichte, dauerte die Ausbreitung über Fernozeanien nur wenige Jahrhunderte – eine der schnellsten Verbreitungen in der menschlichen Vorgeschichte.
Die Datierung wird durch die Materialien erschwert. Muscheldaten müssen für den marinen Reservoireffekt korrigiert werden, der von Ort zu Ort variiert; Holzkohle kann von langlebigen Bäumen stammen, die älter sind als die Besiedlung; und viele Küstenfundstellen wurden durch Meeresspiegeländerungen, tektonische Hebung oder spätere Besiedlung gestört. Die frühesten Datierungen in Tonga, von Fundstellen bei Nukuleka auf Tongatapu, und in Fidschi, von Bourewa, waren Gegenstand ausführlicher Debatten darüber, welche Insel zuerst besiedelt wurde.
Das Ende der Lapita ist ebenso schwer festzulegen. Es wird durch das Verschwinden der dentatgestempelten Verzierung definiert, das an verschiedenen Orten zu unterschiedlichen Zeiten geschah. In Vanuatu und Neukaledonien entwickelten sich lokale Keramiktraditionen aus der Lapita heraus; in Westpolynesien hielt sich schlichte Ware mehrere Jahrhunderte, bevor die Keramik verschwand. Daten wie „500 v. Chr.“ für das Ende der Lapita sind daher Konventionen und kein einzelnes Ereignis.
Fortgeschritten
Alte DNA und die Frage, wer die Lapita waren
Jahrzehntelang debattierten Forscher über zwei Modelle. Das „Expresszug“-Modell, verbunden mit Jared Diamond und mit Peter Bellwoods Arbeit zur austronesischen Ausbreitung, sah die Lapita als Ergebnis einer schnellen Migration aus dem insularen Südostasien mit wenig lokaler Vermischung. Andere, darunter Jim Allen und J. Peter White in den 1980er und 1990er Jahren, argumentierten, dass sich die Lapita-Kultur größtenteils innerhalb des Bismarck-Archipels aus lokalen Wurzeln entwickelte. Roger Greens „Triple-I“-Modell bot einen Mittelweg.
Alte DNA hat diese Debatte neu geformt. 2016 veröffentlichten Pontus Skoglund und Kollegen genomweite Daten von drei Individuen aus Teouma (etwa 3.100–2.700 Jahre vor heute) und einem aus Talasiu in Tonga (etwa 2.700–2.300 Jahre vor heute). Diese frühen Individuen hatten wenig bis keine Papua-Abstammung; sie ähnelten am meisten heutigen indigenen Völkern Taiwans, wie den Ami und Atayal, sowie den Kankanaey der nördlichen Philippinen. Das deutete darauf hin, dass die ersten Siedler Fernozeaniens mit geringer vorheriger Vermischung mit Bevölkerungen aus Neuguinea kamen. Eine Studie von 2020 verband sie eng mit frühen Siedlern der Marianen.
Doch heutige Pazifikinsulaner tragen alle beträchtliche Papua-Abstammung – bei Polynesiern mindestens etwa ein Viertel, in Vanuatu deutlich mehr. Eine 2018 von Cosimo Posth geleitete Studie zeigte, dass Menschen mit Papua-verwandter Abstammung vor etwa 2.500 Jahren begannen, in Vanuatu anzukommen, und dass ihre Abstammung im Laufe der Zeit die ursprüngliche Lapita-Abstammung dort fast vollständig ersetzte. Bemerkenswerterweise wurden die austronesischen Sprachen dabei nicht ersetzt. Dieser Fall von Bevölkerungsersatz bei sprachlicher Kontinuität, den die Autoren als äußerst selten bezeichneten, zeigt, warum Keramik, Gene und Sprachen getrennt untersucht werden müssen und nicht als gemeinsam wandernd angenommen werden dürfen.
Fortgeschritten
Sprache, Identität und Erbe heute
Historische Sprachwissenschaftler rekonstruieren Proto-Ozeanisch, den gemeinsamen Vorläufer von etwa 450 ozeanischen Sprachen, als im späten zweiten Jahrtausend v. Chr. im Bismarck-Archipel gesprochen. Da seine Heimat und Zeit sich mit der frühen Lapita überschneiden, stimmen die meisten Archäologen und Sprachwissenschaftler darin überein, dass Lapita-Gemeinschaften Proto-Ozeanisch oder eng verwandte Dialekte sprachen – wobei Forscher warnen, dass Töpfe nicht sprechen und manche Lapita-Gruppen auch andere Sprachen verwendet haben könnten. Rekonstruierte proto-ozeanische Wörter für Auslegerkanus, Segel, Fischereitechniken, Nutzpflanzen und Verwandtschaft geben einen seltenen Einblick in das Leben der Lapita jenseits der archäologischen Überlieferung.
Die Deutung der Lapita trägt auch heute Bedeutung. Europäische Schriftsteller des frühen 20. Jahrhunderts ordneten pazifische Völker oft nach Rasse ein und stellten sich Wellen von „Melanesiern“ und „Polynesiern“ als getrennte Gruppen vor. Die moderne Forschung betont stattdessen lange Geschichten der Interaktion und Vermischung. Forscher und Gemeinschaften der Pazifikinsulaner haben sich auf die Lapita-Forschung gestützt, um ein gemeinsames Ahnenerbe der Seefahrt zu feiern, ebenso wie Wiederbelebungsbewegungen der traditionellen Navigation.
Lapita-Fundstellen sind zunehmend durch Küstenerosion, Bauprojekte und steigende Meeresspiegel bedroht, und viele wichtige Sammlungen wurden in der Kolonialzeit ins Ausland gebracht. Archäologen arbeiten heute enger mit lokalen Gemeinschaften und nationalen Kulturzentren in Vanuatu, Neukaledonien, Fidschi, Tonga und Samoa zusammen, und Lapita-Muster sind zu Symbolen nationaler und regionaler Identität geworden, die in zeitgenössischer Kunst, Tätowierungen und Design erscheinen.
Kernideen
- Erste Siedler Fernozeaniens
- Die Lapita waren die ersten Menschen, die auf Vanuatu, Neukaledonien, Fidschi, Tonga und Samoa lebten.
- Dentatgestempelte Keramik
- Ihre mit kammartigen Stempeln verzierte Keramik ist der wichtigste Weg, auf dem Archäologen sie erkennen und verfolgen.
- Austronesische Expansion
- Lapita war ein Zweig einer langen Wanderung austronesischsprachiger Seefahrer, die in Taiwan begann.
- Transportierte Landschaften
- Siedler brachten Pflanzen und Tiere mit – Taro, Yamswurzeln, Schweine, Hunde, Hühner –, um neue Heimstätten auf unbewohnten Inseln zu schaffen.
- Interaktion und Vermischung
- Die Lapita-Kultur entstand durch Kontakt zwischen Neuankömmlingen und lange ansässigen Papua-sprachigen Völkern, und spätere Wanderungen prägten die pazifische Abstammung neu.
- Gene, Sprachen und Töpfe
- Alte DNA zeigt, dass sich die Abstammung ändern kann, während Sprachen fortbestehen, sodass archäologische Kulturen nicht mit Völkern gleichgesetzt werden dürfen.
- Vorfahren der Polynesier
- Polynesische Kulturen entwickelten sich in Fidschi, Tonga und Samoa aus Lapita-Grundlagen, bevor sie sich über den östlichen Pazifik ausbreiteten.
Einträge
- um 2200 v. Chr. — Austronesischsprachige erreichen die Batanes und die nördlichen Philippinen.
- um 1500 v. Chr. — Gestempelte Keramik erscheint auf den Marianen (etwa 1500–1300 v. Chr.).
- um 1350 v. Chr. — Die Lapita-Kultur erscheint im Bismarck-Archipel (ältere Schätzungen setzen dies um 1600–1500 v. Chr. an).
- um 1200 v. Chr. — Lapita-Siedler erreichen die Salomonen, Vanuatu und Neukaledonien.
- um 1000 v. Chr. — Der Friedhof von Teouma auf Efate, Vanuatu, ist in Gebrauch.
- um 850 v. Chr. — Lapita-Siedler erreichen Fidschi, Tonga und Samoa, die östliche Grenze der Lapita-Welt.
- um 500 v. Chr. — Die dentatgestempelte Verzierung ist größtenteils verschwunden; schlichte Ware hält sich in Westpolynesien.
- um 1 n. Chr. — Die Keramikherstellung endet in Samoa.
- 1909 — Missionar Otto Meyer findet Lapita-Scherben auf der Insel Watom.
- 1952 — Gifford und Shutler graben Fundstelle 13 in Neukaledonien aus und geben Lapita seinen Namen.
- 2003 — Der Friedhof von Teouma wird in Vanuatu entdeckt.
- 2016 — Die ersten alten Genome von Lapita-Individuen (Vanuatu und Tonga) werden veröffentlicht.
Glossar
- Archäologische Kultur
- Eine Gruppe von Gegenständen, Fundstellen und Praktiken, die gemeinsam in einer Region und Zeitspanne auftreten und von Archäologen zur Beschreibung vergangener Völker verwendet werden.
- Dentatstempel
- Ein kleines gezähntes Werkzeug, das in feuchten Ton gedrückt wird, um gepunktete Zierlinien zu erzeugen.
- Scherbe
- Ein zerbrochenes Stück Keramik.
- Nah- und Fernozeanien
- Nahozeanien (Neuguinea, Bismarck-Archipel, Hauptinseln der Salomonen) wurde vor Zehntausenden von Jahren besiedelt; Fernozeanien wurde erstmals von den Lapita und ihren Nachkommen erreicht.
- Austronesisch
- Eine große Sprachfamilie, gesprochen von Madagaskar bis Rapa Nui, mit Ursprüngen in Taiwan.
- Proto-Ozeanisch
- Die rekonstruierte Vorläufersprache des ozeanischen Zweigs des Austronesischen, wahrscheinlich von Lapita-Gemeinschaften gesprochen.
- Auslegerkanu
- Ein Kanu mit einem seitlich angebrachten Schwimmer, der es auf See stabil macht.
- Obsidian
- Natürliches Vulkanglas, das in sehr scharfe Kanten bricht; seine Herkunft lässt sich chemisch nachweisen.
- Radiokarbondatierung
- Eine Methode zur Altersschätzung einst lebenden Materials durch Messung des verbliebenen Kohlenstoff-14.
- Alte DNA
- Genetisches Material, das aus alten Knochen oder Zähnen gewonnen wird, um die Abstammung früherer Bevölkerungen zu untersuchen.
Fragen und Antworten
Warum heißen sie Lapita?
Der Name stammt von einer 1952 ausgegrabenen Fundstelle an einem Strand in Neukaledonien. Offenbar verstanden die Archäologen ein lokales Wort falsch, das „ein Loch graben“ oder „der Ort, an dem man gräbt“ bedeutet.
Wie fanden sie Inseln, die sie nicht sehen konnten?
Wahrscheinlich durch geschickte Navigation anhand von Sternen, Winden, Meeresdünung, Wolken und Vögeln, dieselbe Art von Wissen, die spätere polynesische Wegfinder nutzten. Die Kanus selbst sind nicht erhalten.
Hatte das Lapita-Volk eine Schrift?
Nein. Alles, was wir wissen, stammt aus Archäologie, Sprachrekonstruktion und in jüngerer Zeit aus alter DNA.
Stammen die Polynesier von den Lapita ab?
Ja. Polynesische Kulturen entwickelten sich aus Lapita-Gemeinschaften in Fidschi, Tonga und Samoa. Polynesier haben auch Papua-verwandte Abstammung aus späteren Kontakten.
Warum hörten sie auf, verzierte Keramik herzustellen?
Niemand weiß es genau. Die Verzierung wurde über Jahrhunderte einfacher, möglicherweise weil sich die soziale Bedeutung der Töpfe änderte; in Westpolynesien hörte die Keramikherstellung schließlich ganz auf.
Was enthüllte die alte DNA?
Die frühesten Lapita-Individuen aus Vanuatu und Tonga hatten fast keine Papua-Abstammung und ähnelten am meisten Völkern Taiwans und der nördlichen Philippinen. Spätere Wanderungen fügten Papua-Abstammung hinzu, besonders in Vanuatu, ohne die Sprachen zu ersetzen.
Wann begann die Lapita-Kultur?
Nach jüngerer Neudatierung um etwa 1350–1300 v. Chr., obwohl ältere Studien sie einige Jahrhunderte früher ansetzten. Die Debatte betrifft, wie schnell die Ausbreitung erfolgt sein muss.
Quellen und weiterführende Literatur
- Lapita culture. Wikipedia
- Teouma. Wikipedia
- Austronesian peoples. Wikipedia
- Proto-Oceanic language. Wikipedia
- Oceanic languages. Wikipedia
- Pontus Skoglund et al., Genomic insights into the peopling of the Southwest Pacific. Nature 538, 2016
- Cosimo Posth et al., Language continuity despite population replacement in Remote Oceania. Nature Ecology & Evolution 2, 2018
- Patrick V. Kirch, On the Road of the Winds: An Archaeological History of the Pacific Islands before European Contact. University of California Press, 2000
- Matthew Spriggs, The Island Melanesians. Blackwell, 1997
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Mit KI-Unterstützung auf Grundlage der oben aufgeführten veröffentlichten Quellen verfasst und bei neuen Forschungsergebnissen überarbeitet.
