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Für junge Leser
Vor langer Zeit gab es auf der Koreanischen Halbinsel und nördlich davon drei Königreiche: Goguryeo im Norden, Baekje im Südwesten und Silla im Südosten. Etwa 700 Jahre lang waren sie Nachbarn und Gegner. Dann wurde Silla das mächtigste Königreich.
Viele Jahrhunderte später bat der König von Goryeo einen Minister namens Kim Busik, die Geschichte dieser drei Königreiche aufzuschreiben. Kim Busik war ungefähr siebzig Jahre alt. Zehn weitere Menschen halfen ihm. Im Jahr 1145 war ihr Werk fertig: das Samguk sagi mit 50 Bänden oder Schriftrollen. Der Name bedeutet „Geschichtsaufzeichnungen der Drei Königreiche“.
Das Buch ist ein bisschen wie ein riesiges Familienalbum der drei Königreiche. Ein Teil erzählt Jahr für Jahr, was die Könige taten. Ein anderer Teil zeigt die Ereignisse in einer Zeittafel. Weitere Teile erklären, welche Kleidung die Menschen trugen, welche Musik sie spielten und wie sie ihr Land regierten. Am Ende stehen Geschichten über berühmte Menschen: über den Feldherrn Kim Yusin, über Eulji Mundeok, der ein großes chinesisches Heer besiegte, über den Feldherrn Gyebaek aus Baekje und über das Mädchen Jieun, das hart arbeitete, um für seine Mutter zu sorgen.
Viele ältere Bücher, die Kim Busik gelesen hatte, sind heute verschwunden. Deshalb ist das Samguk sagi das älteste koreanische Geschichtsbuch, das wir noch haben. Ohne dieses Buch wüssten wir viel weniger über das alte Korea.
Über das Buch wird noch heute gestritten. Manche sagen, Kim Busik habe China zu sehr gelobt und vor allem über Silla geschrieben. Andere meinen, er sei stolz auf die koreanische Geschichte gewesen und habe gewollt, dass die Menschen sie besser kennenlernen. Wer das Buch aufmerksam liest, kann wie ein Detektiv nach Hinweisen suchen.
Auf einen Blick
- Fertiggestellt
- 1145 (im 23. Regierungsjahr von König Injong von Goryeo)
- Verfasser
- Kim Busik (1075–1151) als Leiter der Zusammenstellung, mit acht Mitarbeitern und zwei für Aufsicht und Redaktion zuständigen Beamten
- Ort
- Gaegyeong (das heutige Kaesong), die Hauptstadt von Goryeo
- Sprache
- Klassisches Chinesisch (Hanmun)
- Form
- Geschichtswerk aus Annalen und Biografien (Gijeonche) nach dem Vorbild chinesischer Dynastiegeschichten
- Umfang
- 50 Gwon (Schriftrollen): 28 mit Annalen, 3 mit Tabellen, 9 mit Sachkapiteln und 10 mit Biografien
- Behandelter Zeitraum
- Goguryeo, Baekje und Silla, von der überlieferten Gründung Sillas 57 v. Chr. bis zu dessen Ende 935
- Bedeutung
- Das älteste erhaltene Geschichtswerk Koreas und eine grundlegende Quelle für die Drei Königreiche und das Vereinigte Silla
Einfach
Was ist das Samguk sagi?
Das Samguk sagi (三國史記, „Geschichtsaufzeichnungen der Drei Königreiche“) ist ein Geschichtswerk über die drei alten koreanischen Königreiche Goguryeo, Baekje und Silla. Es behandelt auch die Zeit, nachdem Silla den größten Teil der Halbinsel vereinigt hatte. Ein Team unter Leitung von Kim Busik stellte es im Auftrag von König Injong aus der Goryeo-Dynastie zusammen und überreichte es dem König 1145.
Es ist das älteste vollständig erhaltene koreanische Geschichtswerk. Es gab zweifellos ältere Werke, die von den Verfassern genutzt wurden, doch sie sind heute verloren. Das Samguk sagi wurde auf Klassischem Chinesisch verfasst, der damaligen gemeinsamen Schriftsprache Ostasiens. Deshalb ist es für fast jede Untersuchung der frühen koreanischen Geschichte ein Ausgangspunkt.
Das Buch war ein offizielles Vorhaben des Staates Goryeo. Es spiegelt daher die Ansichten und Interessen des Königshofes und konfuzianischer Gelehrter und Beamter wider. Heutige Leser müssen das berücksichtigen. Zugleich bewahrt es eine Fülle von Informationen, die sonst nirgends überliefert sind.
Einfach
Die drei Königreiche, von denen es erzählt
Nach den Angaben im Samguk sagi wurde Silla 57 v. Chr. von Bak Hyeokgeose gegründet, Goguryeo 37 v. Chr. von Jumong (König Dongmyeong) und Baekje 18 v. Chr. von Onjo. Viele Historiker halten diese überlieferten Gründungsdaten, besonders das frühe Datum für Silla, nicht für wörtlich zutreffend. Sie zeigen aber, wie sich die Königreiche an ihre Anfänge erinnerten.
Goguryeo lag im Norden und im Gebiet des heutigen Nordostchina. Es entwickelte sich zu einem mächtigen Staat, der gegen chinesische Dynastien wie Sui und Tang kämpfte. Baekje im Südwesten war für seine hochentwickelte Kultur und seine Verbindungen zu Japan und Südchina bekannt. Silla im Südosten war zunächst das kleinste und abgelegenste der drei Königreiche, wurde mit der Zeit aber stärker.
In den 660er-Jahren eroberte Silla im Bündnis mit der chinesischen Tang-Dynastie Baekje (660) und Goguryeo (668). Bis 676 drängte es die Truppen der Tang aus dem größten Teil der Halbinsel zurück. Das Samguk sagi erzählt die Geschichte dieses vergrößerten Silla-Reiches weiter, bis sich dessen letzter König 935 Goryeo unterwarf.
Einfach
Wie das Buch aufgebaut ist
Das Samguk sagi folgt der Form der „Annalen und Biografien“ (Gijeonche), die der chinesische Historiker Sima Qian in seinen Aufzeichnungen des Großen Historikers prägte. Es besteht aus vier Teilen. Die Annalen (Bongi, 28 Gwon) verzeichnen Jahr für Jahr die Regierungszeiten der Könige: 12 Gwon für Silla, 10 für Goguryeo und 6 für Baekje.
Die Tabellen (Yeonpyo, 3 Gwon) stellen die Regierungszeiten der drei Königreiche und der chinesischen Dynastien nebeneinander. Die Sachkapitel (Ji, 9 Gwon) beschreiben staatliche und gesellschaftliche Einrichtungen: Rituale und Musik; Kleidung, Wagen, Geräte und Häuser; Geografie einschließlich Ortsnamen; sowie Ämter.
Die Biografien (Yeoljeon, 10 Gwon) erzählen vom Leben von etwa 69 Menschen. Allein der Feldherr Kim Yusin, der Sillas Einigungskriege anführte, füllt drei Gwon. Weitere Biografien gelten Feldherren wie Eulji Mundeok aus Goguryeo und Gyebaek aus Baekje, Gelehrten wie Seol Chong und Choe Chiwon, treuen Untertanen und Menschen, die beispielhaft für die Ehrfurcht vor den Eltern standen. Die letzten beiden Gwon behandeln Personen, die die Verfasser als Rebellen oder Verräter beurteilten, darunter den mächtigen Goguryeo-Politiker Yeon Gaesomun und die Kriegsherren Gungye und Gyeon Hwon aus der Spätzeit Sillas.
Über die Annalen und Biografien verteilt stehen 31 Kommentare des Historikers (Saron). Darin unterbricht Kim Busik die Erzählung und beurteilt Ereignisse und Menschen aus konfuzianischer Sicht.
Einfach
Geschichten aus den Biografien
Die Biografien sind der Teil des Samguk sagi, an den sich die meisten Menschen erinnern. Im Jahr 612 fiel ein gewaltiges Heer der chinesischen Sui-Dynastie in Goguryeo ein. Der Feldherr Eulji Mundeok lockte die Angreifer tief ins Land, schickte ihrem Befehlshaber ein spöttisches Gedicht und griff sie dann beim Rückzug über den Fluss Salsu an. Dem Samguk sagi zufolge kehrte nur ein kleiner Teil der Sui-Soldaten nach Hause zurück.
Als sich 660 die Heere von Silla und Tang Baekje näherten, führte der Feldherr Gyebaek 5.000 Soldaten nach Hwangsanbeol, um ein letztes Mal Widerstand zu leisten. Der Erzählung zufolge tötete er zuvor seine eigene Familie, damit sie nicht versklavt würde. Danach schlug er das weit größere Heer Sillas viermal zurück, bevor er fiel. Auf Sillas Seite griff der junge Hwarang Gwanchang allein die Reihen Baekjes an und wurde getötet. Sein Mut spornte die Truppen Sillas an. Das Buch würdigt tapfere Menschen auf beiden Seiten.
Andere Geschichten sind sanfter. Ondal aus Goguryeo, den die Leute für töricht halten, heiratet Prinzessin Pyeonggang. Sie verlässt für ihn den Palast und hilft ihm, ein großer Feldherr zu werden. Der Silla-Gelehrte Seol Chong erzählt dem König eine Parabel über einen Blumenkönig, der zwischen einer schönen Rose und einer ehrlichen alten Blume mit weißem Blütenhaar wählen muss. Die Geschichte lehrt, auf guten Rat statt auf Schmeichelei zu hören. Das Mädchen Jieun verkauft sich als Dienerin, um ihre Mutter ernähren zu können, und der König belohnt ihre Hingabe.
Diese Geschichten wurden ausgewählt, um Treue, Mut, Ehrfurcht vor den Eltern und kluges Regieren zu lehren. Sie sind keine neutralen Berichte, zeigen aber, welche Eigenschaften die Gelehrten Goryeos an einem guten Menschen schätzten.
Mittel
Kim Busik und der Hof von Goryeo
Kim Busik (1075–1151) gehörte zum Kim-Clan von Gyeongju, der seine Abstammung auf das Königshaus von Silla zurückführte. Er bestand 1096 die Beamtenprüfung, arbeitete an der Hallim-Akademie und in weiteren literarischen Ämtern, reiste als Gesandter ins China der Song-Dynastie und stieg bis in die höchsten Ministerämter auf. Er und seine Brüder sollen nach dem berühmten Song-Schriftsteller Su Shi und dessen Bruder Su Zhe benannt worden sein. Xu Jing, ein Gesandter der Song in Goryeo, lobte seine Gelehrsamkeit und seine schriftstellerischen Fähigkeiten.
1135 erhoben sich der Mönch Myocheong und seine Anhänger. Sie wollten die Hauptstadt nach Pjöngjang, die „Westliche Hauptstadt“, verlegen und gegenüber der Jurchen-Jin-Dynastie entschiedener auftreten. Kim Busik führte die Regierungstruppen, die den Aufstand 1136 niederschlugen, und wurde zur beherrschenden Persönlichkeit am Hof. 1142 zog er sich aus dem Amt zurück. Im Ruhestand leitete er die Zusammenstellung des Samguk sagi.
Er verfasste das Werk nicht allein. Die Enzyklopädie der Academy of Korean Studies nennt elf Beamte: Kim Busik als Leiter, acht Mitarbeiter (Chamgo) und zwei für Aufsicht und Redaktion zuständige Beamte (Gwangu). Besonders bei den Kommentaren des Historikers und der Gesamtkonzeption war Kim Busiks Rolle dennoch entscheidend.
Mittel
Warum wurde es geschrieben? Die Denkschrift an den König
Kim Busik erklärte seine Absicht in einer Denkschrift, die er zusammen mit dem Buch überreichte (Jin Samguk sagi pyo). Darin nennt er vor allem drei Gründe: Koreanische Gelehrte kannten die chinesischen Klassiker und Geschichtswerke gut, wussten aber wenig über die Vergangenheit ihres eigenen Landes; chinesische Geschichtswerke berichteten zu wenig über die drei Königreiche; und die vorhandenen alten Aufzeichnungen waren grob und lückenhaft. Deshalb konnten die guten und schlechten Taten von Herrschern und Untertanen späteren Generationen kaum als Lehre dienen.
Das Buch sollte also sowohl die Erinnerung an die eigene Geschichte bewahren als auch konfuzianische Vorstellungen politischer Moral vermitteln. Eine offizielle Geschichte früherer Dynastien zu schreiben, war nach chinesischem Vorbild außerdem eine Möglichkeit für ein Herrscherhaus, sich als rechtmäßiger und kultivierter Staat darzustellen.
Auch die politische Lage spielte eine Rolle. Im frühen 12. Jahrhundert erlebte Goryeo den Aufstieg der Jurchen-Jin-Dynastie, die in den 1120er-Jahren Nordchina eroberte. Zudem hatte Goryeo gerade den Aufstand Myocheongs und frühere Machtkämpfe am Hof überstanden. Viele Historiker sehen im Samguk sagi einen Teil des Versuchs, nach diesen Krisen auf konfuzianischer Grundlage Ordnung und königliche Autorität zu stärken.
Mittel
Welche Quellen nutzten die Verfasser?
Die Verfasser griffen auf heute verlorene koreanische Aufzeichnungen zurück. Sie nennen Quellen wie Gogi („Alte Aufzeichnungen“), Samhan gogi, Silla gosa und Haedong gogi sowie Werke der Silla-Schriftsteller Kim Daemun und Choe Chiwon. Von einem älteren Geschichtswerk über die drei Königreiche, meist Gu Samguk-sa („Alte Geschichte der Drei Königreiche“) genannt, wissen wir durch den Dichter Yi Gyu-bo. Er zitierte es 1193 in seinem Gedicht über König Dongmyeong. In welchem Verhältnis es zum Samguk sagi steht, ist umstritten.
Daneben nutzten die Verfasser zahlreiche chinesische Geschichtswerke, darunter die Chronik der Drei Reiche, das Buch der Späteren Han, das Buch der Jin, das Buch der Wei, das Buch der Song, die Geschichtswerke über die Südlichen und Nördlichen Dynastien, das Alte und das Neue Buch der Tang sowie den Umfassenden Spiegel zur Hilfe beim Regieren (Zizhi tongjian).
Wenn koreanische und chinesische Aufzeichnungen voneinander abwichen, bevorzugten die Verfasser häufig die koreanischen Quellen und vermerkten oft unterschiedliche Darstellungen. Manche Passagen übernehmen chinesische Quellen jedoch fast Wort für Wort, besonders bei den Kriegen zwischen den koreanischen Königreichen und den Reichen der Sui und Tang. Koreanische Aufzeichnungen und chinesisches Material im Text auseinanderzuhalten, ist eine Hauptaufgabe der heutigen Forschung.
Mittel
Wie der Text überliefert wurde
Aus dem Jahr 1145 ist kein Exemplar erhalten. Das Buch wurde mit Holzblöcken gedruckt. Der älteste erhaltene Textzeuge ist ein Band mit sieben Gwon aus einem Druck der Goryeo-Zeit. Er wird im Seongam-Museum für alte Bücher in Seoul aufbewahrt und ist als Kulturschatz Koreas ausgewiesen.
In der frühen Joseon-Dynastie wurde das Buch 1394 in Gyeongju erneut gedruckt. Ein weiterer Druck entstand dort 1512 unter dem Magistrat Yi Gye-bok. Diese Ausgabe von 1512 heißt Jeongdeok-Ausgabe und bildet die Grundlage der meisten späteren Textfassungen. Frühe Druckexemplare aus der Joseon-Zeit, die in der Oksan-Seowon-Akademie in Gyeongju und im Seongam-Museum für alte Bücher aufbewahrt werden, wurden 2018 zu Nationalschätzen Koreas erklärt.
Im 20. Jahrhundert wurde das Samguk sagi vielfach herausgegeben, kommentiert und ins moderne Koreanisch übersetzt. Teilübersetzungen erschienen auch auf Englisch und in anderen Sprachen. Digitale Ausgaben machen den Text heute weithin zugänglich.
Fortgeschritten
Debatte: „sinnozentrische“ Geschichtsschreibung oder Patriotismus in Goryeo?
Die bekannteste Kritik stammt vom Unabhängigkeitskämpfer und Historiker Sin Chae-ho (1880–1936). Er warf Kim Busik Sadaejuui, also Unterwürfigkeit gegenüber China, vor. In einem Aufsatz von 1925 bezeichnete er den von Kim Busik niedergeschlagenen Aufstand Myocheongs als das größte Ereignis der koreanischen Geschichte seit tausend Jahren. Dessen Scheitern habe den Sieg einer konfuzianischen, auf China ausgerichteten Sichtweise über einen unabhängigen Geist bedeutet. Kritiker verweisen auf Kommentare des Historikers, die die Königreiche nach chinesischen Maßstäben beurteilen, auf die Bevorzugung Sillas und auf Auslassungen wie Gojoseon, Gaya, das keine eigenen Annalen erhielt, und Balhae, das Goguryeo im Norden nachfolgte.
Seit den 1970er-Jahren vertreten viele Historiker eine differenziertere Sicht, darunter Shin Hyung-sik, der den Enzyklopädieartikel der Academy of Korean Studies über das Buch verfasste. Sie weisen darauf hin, dass das Buch die Aufzeichnungen über koreanische Könige Bongi, „Grundannalen“, nennt – ein Ausdruck, der in chinesischen Geschichtswerken Kaisern vorbehalten war. Es behandelt die drei Königreiche formal als gleichrangige, unabhängige Staaten. Kim Busik wollte ausdrücklich, dass die Koreaner ihre eigene Geschichte kennen, und die Verfasser behielten einheimische Königstitel und koreanische Traditionen bei. Aus dieser Sicht bringt das Samguk sagi einen konfuzianisch geprägten Patriotismus im Goryeo des 12. Jahrhunderts zum Ausdruck, nicht bloße Unterwürfigkeit.
Auch die Kritik an der Bevorzugung Sillas ist umstritten. Silla bestand am längsten und hinterließ die meisten Aufzeichnungen. Goryeo sah sich zudem zum Teil als Nachfolger Sillas. Das Ungleichgewicht kann daher ebenso auf die Quellenlage wie auf Voreingenommenheit zurückgehen. Andererseits widmet das Buch Goguryeo zehn Gwon Annalen und beschreibt dessen Widerstand gegen Sui und Tang mit deutlicher Bewunderung.
Fortgeschritten
Wie zuverlässig sind die frühen Annalen?
Wie verlässlich die Annalen für die ersten Jahrhunderte der einzelnen Königreiche sind, ist seit Langem umstritten. Im frühen 20. Jahrhundert vertraten einige japanische Gelehrte, besonders Tsuda Sōkichi, die Ansicht, die frühen Aufzeichnungen über Silla und Baekje seien größtenteils erfunden. Diese Auffassung wird auf Koreanisch als „Theorie der Unzuverlässigkeit der frühen Aufzeichnungen“ (Chogi girok bulsillon) bezeichnet und hatte großen Einfluss auf die Forschung der Kolonialzeit.
Spätere koreanische und internationale Forschung geht eher von einer kritischen Nutzung der Texte aus. Archäologische Belege für die Entstehung früher Staaten auf der Halbinsel und Vergleiche mit chinesischen Quellen, etwa dem Bericht über die „Östlichen Barbaren“ in der Chronik der Drei Reiche, deuten darauf hin, dass die frühen Annalen echte Überlieferungen bewahren. Ihre Zeitangaben wurden jedoch häufig verdichtet oder verändert. Vorschläge zur Berichtigung der Chronologie, etwa einige frühe Regierungszeiten als zeitlich überlappend zu verstehen, bleiben umstritten.
Historiker untersuchen das Samguk sagi deshalb Schicht für Schicht: Sie unterscheiden einheimische koreanische Aufzeichnungen, chinesisches Material sowie die redaktionellen Entscheidungen und Kommentare der Verfasser. Außerdem vergleichen sie es mit Inschriften wie der Gwanggaeto-Stele von Goguryeo (414) und Steinmonumenten aus Silla, mit in den vergangenen Jahrzehnten ausgegrabenen Holztäfelchen (Mokgan) sowie mit japanischen und chinesischen Texten. Jede neue Ausgrabung kann das Bild des Buches bestätigen, berichtigen oder komplizierter machen.
Fortgeschritten
Die Sachkapitel als Forschungsquelle
Die neun Gwon mit Sachkapiteln sind im Vergleich zu denen chinesischer Geschichtswerke knapp. Die Verfasser räumten ein, dass viele Informationen über die Einrichtungen Goguryeos und Baekjes verloren waren. Trotzdem sind diese Kapitel von unschätzbarem Wert. Das Kapitel über Ämter bewahrt Sillas System von Titeln nach dem Knochenrang; das Kapitel über Kleidung und Wagen verzeichnet Aufwandvorschriften, die sich nach diesem Rang unterschieden; und das Kapitel über Musik nennt Instrumente wie Gayageum und Geomungo und erklärt ihre Herkunft.
Das Kapitel über Geografie ist besonders für Sprachwissenschaftler wichtig. 757 ersetzte König Gyeongdeok von Silla viele einheimische Ortsnamen durch Namen aus zwei chinesischen Schriftzeichen. Das Kapitel nennt häufig sowohl die neuen als auch die älteren Namen. Da viele alte Namen mit chinesischen Schriftzeichen nach ihrem Klang oder ihrer Bedeutung geschrieben wurden, nutzen Forscher diese Namenspaare, um Wörter aus den Sprachen der drei Königreiche zu erschließen, darunter Bruchstücke der Sprache Goguryeos. Wie diese Angaben zu deuten sind und was sie über die Beziehungen zwischen den Sprachen der Halbinsel verraten, bleibt umstritten.
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Nachwirkung, das Samguk yusa und die ostasiatische Geschichtsschreibung
Das Samguk sagi wird häufig zusammen mit dem Samguk yusa („Überlieferungen der Drei Königreiche“) gelesen, das der buddhistische Mönch Iryeon um 1281 und damit mehr als ein Jahrhundert später zusammenstellte. Die beiden Werke unterscheiden sich stark. Das Samguk sagi ist ein offizielles, konfuzianisch geprägtes Geschichtswerk. Das Samguk yusa ist eine private Sammlung von Legenden, buddhistischen Wundergeschichten, volkstümlichen Überlieferungen und Liedern.
Das Samguk yusa enthält Stoffe, die im Samguk sagi fehlen: etwa den Gründungsmythos von Dangun und Gojoseon, die Geschichte des Gaya-Bundes und vierzehn Hyangga, Lieder in der Volkssprache Sillas. Iryeon schrieb es zum Teil, um das zu ergänzen, was die offizielle Geschichte ausgelassen hatte.
Das Samguk sagi begründete in Korea die Tradition staatlich geförderter Geschichtsschreibung. Die Joseon-Dynastie ließ später die Geschichte Goryeos (Goryeosa) in derselben Form aus Annalen und Biografien zusammenstellen und verfasste umfangreiche Chroniken ihrer eigenen Regierungszeiten. Spätere unabhängige Historiker wie An Jeong-bok im 18. Jahrhundert überarbeiteten und kritisierten das Samguk sagi. Yu Deuk-gongs Forderung im Balhaego (1784), Balhae in die koreanische Geschichte aufzunehmen, lässt sich teilweise als Antwort auf seine Auslassungen verstehen.
Im weiteren ostasiatischen Zusammenhang lässt sich das Werk mit Japans Nihon shoki (720) vergleichen, einem früheren offiziellen Geschichtswerk in Klassischem Chinesisch, das ebenfalls einheimische Überlieferungen mit chinesischen Vorbildern verband. Auch ein Vergleich mit den chinesischen Dynastiegeschichten, die dem Samguk sagi als Vorbild dienten, ist aufschlussreich. Solche Vergleiche zeigen, wie verschiedene Staaten eine gemeinsame Form der Geschichtsschreibung an ihre politischen Bedürfnisse anpassten.
Heute ist das Samguk sagi weiterhin unverzichtbar. Leser verstehen es jedoch als Deutung einer viel älteren Vergangenheit aus dem 12. Jahrhundert. Seine Geschichten, etwa über Ondal und Prinzessin Pyeonggang, Seol Chong und die Hwarang-Krieger, sind zudem ein lebendiger Teil der koreanischen Kultur und werden in Schulbüchern, Romanen und Fernsehserien nacherzählt.
Kernideen
- Offizielles Geschichtswerk
- Ein von königlicher Seite in Auftrag gegebenes und von Staatsbeamten zusammengestelltes Geschichtswerk, das die Werte des Hofes und des Konfuzianismus widerspiegelt.
- Annalen und Biografien (Gijeonche)
- Eine von Sima Qian geprägte Form, die Herrscherannalen, Tabellen, Sachkapitel und Biografien einzelner Menschen verbindet.
- Geschichte als moralische Lehre
- Kim Busik wollte, dass die Taten von Herrschern und Untertanen späteren Generationen als Vorbilder und Warnungen dienen.
- Kommentare des Historikers (Saron)
- 31 Textstellen, in denen der Verfasser Ereignisse und Menschen aus konfuzianischer Sicht beurteilt.
- Verlorene Quellen
- Das Buch bewahrt Inhalte aus älteren koreanischen Aufzeichnungen, die heute nicht mehr erhalten sind.
- Sadae-Debatte
- Die heutige Auseinandersetzung darüber, ob das Buch auf China ausgerichtet ist oder den Patriotismus Goryeos ausdrückt.
- Quellenkritik
- Heutige Leser unterscheiden einheimische Aufzeichnungen, chinesisches Material und die Deutungen der Verfasser.
Einträge
- 57 v. Chr. — Überliefertes Gründungsdatum Sillas (57 v. Chr.) nach dem Samguk sagi.
- 37 v. Chr. — Überliefertes Gründungsdatum Goguryeos (37 v. Chr.).
- 18 v. Chr. — Überliefertes Gründungsdatum Baekjes (18 v. Chr.).
- 668 n. Chr. — Silla und Tang erobern Goguryeo, nachdem Baekje 660 gefallen ist.
- 935 n. Chr. — Der letzte König Sillas unterwirft sich Goryeo; hier endet die Erzählung des Samguk sagi.
- 1075 — Kim Busik wird geboren.
- 1135 — Der Aufstand Myocheongs beginnt; Kim Busik schlägt ihn bis 1136 nieder.
- 1145 — Kim Busik und sein Team überreichen König Injong das Samguk sagi.
- 1151 — Kim Busik stirbt.
- um 1281 — Der Mönch Iryeon stellt das Samguk yusa als Ergänzung zum offiziellen Geschichtswerk zusammen.
- 1512 — In Gyeongju wird die Jeongdeok-Ausgabe gedruckt, die Grundlage der meisten späteren Textfassungen.
- 2018 — Frühe Druckexemplare aus der Joseon-Zeit werden zu Nationalschätzen Koreas erklärt.
Glossar
- Drei Königreiche
- Goguryeo, Baekje und Silla, die miteinander konkurrierenden Königreiche des alten Korea.
- Goryeo
- Die koreanische Dynastie (918–1392), die das Samguk sagi in Auftrag gab; von ihrem Namen leitet sich „Korea“ ab.
- Gwon
- Eine „Schriftrolle“ oder Bucheinheit eines traditionellen ostasiatischen Textes.
- Bongi (Annalen)
- Jahr für Jahr geführte Aufzeichnungen über die Regierungszeiten von Herrschern.
- Yeoljeon (Biografien)
- Lebensgeschichten bedeutender Personen.
- Ji (Sachkapitel)
- Kapitel über einzelne Themen wie Rituale, Geografie und Ämter.
- Klassisches Chinesisch
- Die gemeinsame Schriftsprache gebildeter Menschen im vormodernen Ostasien.
- Sadaejuui
- „Den Großen dienen“: ein moderner kritischer Ausdruck für Unterwürfigkeit gegenüber China.
- Aufstand Myocheongs
- Ein von dem Mönch Myocheong angeführter Aufstand von 1135 bis 1136 mit Zentrum in Pjöngjang, den Kim Busik niederschlug.
- Samguk yusa
- Eine private Sammlung von Geschichte und Legenden, die der Mönch Iryeon um 1281 zusammenstellte.
Fragen und Antworten
Ist das Samguk sagi das erste jemals geschriebene koreanische Geschichtswerk?
Nein, aber es ist das älteste erhaltene. Die Verfasser nutzten ältere Geschichtswerke, die heute verloren sind.
Warum wurde es mit chinesischen Schriftzeichen geschrieben?
Korea hatte bis zur Schaffung des Hangeul in den 1440er-Jahren kein eigenes Alphabet. Gebildete Koreaner schrieben deshalb auf Klassischem Chinesisch, der gemeinsamen Schriftsprache Ostasiens.
Wer ist die berühmteste Person in den Biografien?
Wahrscheinlich der Feldherr Kim Yusin. Seine Biografie füllt drei der zehn Gwon mit Biografien.
Sah Kim Busik wirklich auf Korea herab?
Sin Chae-ho und andere warfen ihm Unterwürfigkeit gegenüber China vor. Viele heutige Historiker betonen dagegen, dass er den Koreanern ihre eigene Geschichte näherbringen wollte und die drei Königreiche als unabhängige Staaten behandelte. Beide Deutungen stützen sich auf tatsächliche Merkmale des Textes.
Sind die frühen Gründungsdaten verlässlich?
Historiker behandeln sie mit Vorsicht. Die Daten 57, 37 und 18 v. Chr. gehen auf spätere Überlieferungen zurück. Besonders für Silla nimmt man weithin an, dass die frühe Chronologie verändert wurde.
Was ist der Unterschied zwischen dem Samguk sagi und dem Samguk yusa?
Das Samguk sagi ist ein offizielles, konfuzianisch geprägtes Geschichtswerk, das 1145 im Auftrag des Königs entstand. Das Samguk yusa ist eine private Sammlung von Legenden und buddhistischen Geschichten, die der Mönch Iryeon um 1281 zusammenstellte.
Warum fehlt Balhae?
Die Verfasser beschränkten sich auf die drei Königreiche und Silla. Spätere Historiker wie Yu Deuk-gong kritisierten dies 1784 und argumentierten, dass Balhae zur koreanischen Geschichte gehört.
Quellen und weiterführende Literatur
- 신형식 (Shin Hyung-sik), 삼국사기 (三國史記). Encyclopedia of Korean Culture, Academy of Korean Studies
- 정구복 (Chung Ku-bok), 김부식 (金富軾). Encyclopedia of Korean Culture, Academy of Korean Studies
- 옥영정 (Ok Young-jeong), 삼국유사 (三國遺事). Encyclopedia of Korean Culture, Academy of Korean Studies
- Samguk sagi. Wikipedia
- Kim Busik. Wikipedia
- 삼국사기. 위키백과 (Korean Wikipedia)
- Samguk yusa. Wikipedia
Verwandte Inhalte
- Sima QianEin Historiker der Han-Dynastie, der mit den „Aufzeichnungen des Großen Historikers“ eine umfassende Geschichte der alten chinesischen Welt zusammenstellte.
- SeokguramEine buddhistische Grotte aus dem 8. Jahrhundert nahe Gyeongju, bekannt für ihren Buddha aus Granit und die umgebenden Skulpturen.
- Tripitaka KoreanaBuddhistischer Kanon aus Goryeo, der im 13. Jahrhundert in Holzblöcke geschnitten wurde.
- KojikiEine 712 n. Chr. abgeschlossene japanische Sammlung von Erzählungen über Gottheiten, Ursprünge und frühe Herrscher.
- KonfuziusEin Lehrer aus dem Staat Lu, dessen im „Lunyu“ gesammelte Aussprüche Ethik und Staatsführung in ganz Ostasien prägten.
Mit KI-Unterstützung auf Grundlage der oben aufgeführten veröffentlichten Quellen verfasst und bei neuen Forschungsergebnissen überarbeitet.
