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Für junge Leser
Stell dir einen Berg aus Stein vor, den Menschen selbst gebaut haben. Er hat fünf Türme, die wie Lotusknospen aussehen, lange Gänge voller Bilder im Stein und einen breiten Wassergraben ringsherum. Das ist Angkor Wat in Kambodscha, einem Land in Südostasien.
Vor etwa 900 Jahren befahl König Suryavarman II., den Tempel zu bauen. Tausende Arbeiter lösten riesige Sandsteinblöcke aus einem Berg, der etwa 40 Kilometer entfernt war. Sie brachten die Steine zur Baustelle und setzten sie so sorgfältig aufeinander, dass der größte Teil des Tempels heute noch steht.
Die Wände sind wie ein riesiges Bilderbuch aus Stein. In den Gängen kannst du Affen sehen, die einem Helden helfen, eine Prinzessin zu retten. Du siehst auch Götter und Dämonen, die an einer großen Schlange ziehen, und den König auf einem Elefanten. Außerdem gibt es mehr als tausend Figuren von Göttinnen. Jede hat eine eigene Frisur und eigenen Schmuck.
Der Tempel wurde zuerst für Vishnu gebaut, einen Gott des Hinduismus. Später wurden viele Menschen in Kambodscha Buddhisten. Buddhistische Mönche lebten und beteten nun dort. Sie blieben über viele Jahrhunderte, und Angkor Wat ist auch heute noch eine Gebetsstätte.
Angkor Wat ist den Menschen in Kambodscha so wichtig, dass es auf ihrer Nationalflagge zu sehen ist. Jeden Morgen warten Besucher im Dunkeln darauf, die Sonne hinter den Türmen aufgehen zu sehen.
Auf einen Blick
- Bauzeit
- Frühes 12. Jahrhundert, während der Herrschaft Suryavarmans II. (regierte 1113 bis etwa 1150); einige Steinbilder blieben unvollendet
- Ort
- Angkor bei Siem Reap im Nordwesten Kambodschas
- Bauherren
- Das Khmer-Reich (Angkor-Zeit, etwa 9. bis 15. Jahrhundert)
- Ursprüngliche Widmung
- Vishnu (Hinduismus); wurde etwa vom 14. bis zum 16. Jahrhundert allmählich zu einer Stätte des Theravada-Buddhismus
- Baumaterialien
- Sandstein aus den Kulen-Bergen (etwa 40 km entfernt) über einem Kern aus Laterit und Erde
- Größe
- Etwa 190 m breiter Wassergraben um ein ungefähr 1,5 × 1,3 km großes Gelände; Mittelturm etwa 65 m über dem Boden
- UNESCO
- Teil der 1992 eingetragenen Welterbestätte „Angkor“ (von 1992 bis 2004 auf der Liste des gefährdeten Welterbes)
- Bedeutung
- Das größte religiöse Bauwerk der Welt und ein Höhepunkt der klassischen Khmer-Architektur und Reliefkunst
Einfach
Was ist Angkor Wat?
Angkor Wat ist eine Tempelanlage im Nordwesten Kambodschas, wenige Kilometer nördlich der heutigen Stadt Siem Reap. Sie liegt im Gebiet von Angkor, das mehrere Jahrhunderte lang die Hauptstadtregion des Khmer-Reiches war, eines der größten Reiche in der Geschichte Südostasiens. Der heutige Name bedeutet schlicht „Tempel (wat) der Stadt (angkor)“. Beide Wörter gehen auf das Sanskrit oder Pali zurück (nagara, „Stadt“, und vāṭa, „Umfriedung“).
Die Anlage wurde in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts als Staatstempel für König Suryavarman II. errichtet und dem hinduistischen Gott Vishnu geweiht. Ihr ursprünglicher Name ist in keiner Gründungsinschrift überliefert. Möglicherweise hieß sie Vrah Viṣṇuloka, „die heilige Welt Vishnus“. Das erinnert an den Namen, den der König nach seinem Tod erhielt: Paramaviṣṇuloka, „der in die höchste Welt Vishnus Eingegangene“.
Anders als die meisten Tempel von Angkor wurde Angkor Wat nie vollständig verlassen. Etwa ab dem 14. Jahrhundert wurde es ein Kloster und Wallfahrtsort des Theravada-Buddhismus. Noch heute leben und beten dort Mönche. Diese ununterbrochene Nutzung ist ein Grund dafür, dass die Anlage besser erhalten blieb als viele benachbarte Tempel, die vom Wald überwuchert wurden.
Heute ist Angkor Wat ein Nationalsymbol Kambodschas. Es erscheint auf der Nationalflagge, auf Banknoten und in unzähligen Logos. Zugleich ist es das bekannteste Bauwerk der UNESCO-Welterbestätte Angkor.
Einfach
Den Grundriss „lesen“: ein Berg der Götter
Angkor Wat stellt den Aufbau des Universums in Stein dar. In der hinduistischen und buddhistischen Kosmologie liegt im Mittelpunkt der Welt der Berg Meru, die Heimat der Götter. Ihn umgeben Ringe aus Gebirgen und Ozeanen. Der Tempel bildet diese Vorstellung nach: Der Wassergraben steht für den kosmischen Ozean, die Umfassungsmauern für die umliegenden Gebirge und die fünf Türme in der Mitte für die fünf Gipfel des Meru. Khmer-Baumeister nannten diese Bauform einen Tempelberg: eine Stufenpyramide mit Heiligtümern auf der Spitze.
Besucher betreten die Anlage gewöhnlich von Westen. Sie überqueren den Wassergraben auf einem langen steinernen Damm, dessen Geländer die Form von Nāgas haben – vielköpfigen Schlangen, die Wasser und Eingänge bewachen. Ein prächtiges Torhaus (Gopura, ein monumentaler Eingangsbau) in der äußeren Mauer führt zu einem zweiten, etwa 350 m langen Damm. Zu beiden Seiten stehen zwei kleine Gebäude, die meist „Bibliotheken“ genannt werden, sowie zwei später angelegte Teiche.
Der eigentliche Tempel besteht aus drei ineinanderliegenden rechteckigen Galerien, von denen jede höher liegt als die vorherige. Die äußere Galerie (etwa 187 × 215 m) trägt die berühmten Reliefs. Ein kreuzförmiger Kreuzgang namens Preah Poan verbindet sie mit der zweiten Ebene, deren Wände dicht mit weiblichen Gottheiten bedeckt sind. Zur innersten Ebene, dem Bakan, führen sehr steile Treppen. Ihre Steilheit wird oft als Hinweis darauf verstanden, wie schwer der Aufstieg in die Welt der Götter ist. Oben umgeben vier Ecktürme den Mittelturm. Sie bilden ein Fünferkreuz, also das Muster der fünf Punkte auf einem Würfel.
Wer sich durch das Bauwerk bewegt, geht zugleich nach innen und nach oben: von der Alltagswelt jenseits des Wassergrabens durch immer stärker abgeschirmte Bereiche bis zum dunklen Heiligtum in der Mitte, in dem einst ein Bildnis Vishnus stand. Gewöhnliche Menschen durften vermutlich nur die äußeren Bereiche betreten; die oberen Ebenen waren Priestern und dem Königshof vorbehalten.
Einfach
Die Reliefgalerien und die tanzenden Göttinnen
Die Wände der äußeren Galerie tragen eine der längsten zusammenhängenden Folgen von Steinreliefs der Welt. Sie erstreckt sich über mehrere Hundert Meter. Ein Flachrelief ist ein Bildwerk, dessen Figuren nur wenig aus einem ebenen Hintergrund hervortreten. Die Bildtafeln werden gegen den Uhrzeigersinn gelesen, beginnend an der nordwestlichen Ecke. Das ist ungewöhnlich und Gegenstand einer weiter unten erläuterten Forschungsdebatte.
Die Westgalerie zeigt die Schlacht um Lanka aus dem Ramayana, in der Rama und sein Affenheer gegen den Dämonenkönig Ravana kämpfen. Sie zeigt auch die Schlacht von Kurukshetra aus dem Mahabharata, den großen Krieg zwischen Pandavas und Kauravas. In der Südgalerie befindet sich die einzige historische Szene: ein Zug des Hofes und des Heeres von Suryavarman II., mit dem König unter fünfzehn Schirmen. Darauf folgt eine Darstellung von Himmeln und Höllen, in denen die Toten gerichtet werden.
Die Ostgalerie enthält das berühmteste Bildfeld, das Quirlen des Milchozeans. Götter (Devas) und Dämonen (Asuras) ziehen am Körper der Schlange Vasuki. Sie ist um einen Berg gewunden, der auf einer Schildkröte ruht, einer Erscheinungsform Vishnus. Beim Quirlen gibt der Ozean Schätze frei, darunter Amṛta, den Trank der Unsterblichkeit, und die himmlischen Tänzerinnen, die Apsarās. Teile der Nord- und Ostgalerie wurden erst viel später, im 16. Jahrhundert, mit Reliefs versehen. So wurden Flächen ausgefüllt, die die ursprünglichen Bildhauer leer gelassen hatten.
Auf den oberen Ebenen sind überall Devatās zu sehen: weibliche Gottheiten, die einzeln oder in Gruppen fast lebensgroß in den Stein gehauen wurden. Mehr als 1.700 sind erfasst worden. Ihre Kronen, Frisuren, Schmuckstücke und Gewänder unterscheiden sich stark. Die französische Künstlerin Sappho Marchal, die sie in den 1920er-Jahren untersuchte, schloss daraus, dass sie wirkliche Moden des Hofes von Angkor wiedergeben. Für Kambodschanerinnen und Kambodschaner sind sie heute auch eine Anregung für den klassischen Tanz.
Mittel
Wie Angkor Wat gebaut wurde: Stein, Wasser und Arbeit
Bis zum 12. Jahrhundert waren die Khmer-Baumeister bei ihren wichtigsten Bauwerken von Ziegeln zu Sandstein übergegangen. Die sichtbaren Flächen von Angkor Wat bestehen aus feinkörnigem Sandstein aus den Kulen-Bergen (Phnom Kulen), etwa 40 km nordöstlich der Anlage. Für verborgene Bauteile, Fundamente und die äußere Umfassungsmauer wurde Laterit verwendet. Dieser rötliche, eisenreiche Boden lässt sich im feuchten Zustand zu Blöcken schneiden und härtet an der Luft aus. Der gesamte Bau steht auf einer riesigen Plattform aus verdichtetem Sand und Erde.
Schätzungen zufolge wurden mehrere Millionen Sandsteinblöcke verwendet, von denen viele mehr als eine Tonne wiegen. Wahrscheinlich transportierte man die Blöcke überwiegend auf dem Wasser. Bei Untersuchungen von Satellitenbildern wurden alte Kanäle entdeckt, die die Steinbrüche der Kulen-Berge mit Angkor verbanden. Auf ihnen konnten Flöße die Steine über einen großen Teil der Strecke befördern. Die kleinen Löcher, die an vielen Blöcken zu sehen sind, dienten vermutlich für Zapfen, mit denen man die Steine anhob und an ihren Platz setzte.
Die Khmer-Baumeister verwendeten keine echten Bögen. Die Dächer ihrer Galerien bilden Kraggewölbe: Jede Steinlage ragt etwas weiter nach innen als die darunterliegende, bis beide Seiten zusammentreffen. Die Blöcke wurden mit äußerst engen Fugen und weitgehend ohne Mörtel verlegt; manche verband man mit Eisenklammern. Die Reliefs wurden erst gehauen, nachdem die Blöcke eingesetzt waren. Deshalb laufen die Bilder ohne Unterbrechung über die Fugen hinweg.
Wie viele Menschen am Tempel arbeiteten, ist nicht überliefert. Berechnungen anhand der Steinmenge und der verfügbaren Bauzeit lassen aber auf viele Tausend Beschäftigte über mehrere Jahrzehnte schließen, darunter Steinbrucharbeiter, Bootsleute, Maurer und hoch qualifizierte Bildhauer. Inschriften anderer Tempel von Angkor nennen Dörfer und Menschen, die Tempel mit Arbeitskraft, Reis und Gütern versorgen mussten. Wahrscheinlich waren Bau und Unterhalt von Angkor Wat durch dasselbe System von Pflichten gegenüber Tempeln und Staat organisiert.
Wasser war ein Teil der Bauplanung und nicht bloß Schmuck. Der etwa 190 m breite Wassergraben mit einem Umfang von mehr als 5 km trug dazu bei, die sandigen Fundamente zu stabilisieren, indem er den Grundwasserspiegel konstant hielt. Außerdem verband er den Tempel mit dem größeren Netz aus Kanälen und Stauseen (Barays), über das die Monsunregenfälle im Raum Angkor bewirtschaftet wurden.
Mittel
Historischer Hintergrund: das Khmer-Reich und die Welt des 12. Jahrhunderts
Als traditionelles Gründungsjahr des Khmer-Reiches gilt 802 n. Chr. Einer viel späteren Inschrift zufolge ließ sich Jayavarman II. damals in den Kulen-Bergen zum Weltherrscher weihen. In den folgenden Jahrhunderten errichteten aufeinanderfolgende Könige Hauptstädte, Stauseen und Tempelberge in der Region Angkor. Auf dem Höhepunkt seiner Macht reichte der Einfluss des Reiches über weite Teile des heutigen Kambodschas, Thailands, von Laos und Südvietnams.
Suryavarman II. kam um 1113 nach einer Zeit rivalisierender Thronanwärter an die Macht. Inschriften schildern ihn als kriegerischen König, der Feldzüge gegen Đại Việt (Nordvietnam) und Champa (Zentralvietnam) führte und Gesandtschaften an den Song-Hof in China schickte. Er stützte sich auf den mächtigen Brahmanenpriester Divākarapaṇḍita, der seine Weihe vollzog. Angkor Wat, sein Staatstempel, war das ehrgeizigste Bauvorhaben seiner Herrschaft. Um seinen Tod, etwa 1150, kamen die Arbeiten zum Stillstand; einige Reliefs blieben unvollendet.
Anderswo auf der Welt verlor das Song-Reich zwischen den 1110er- und 1150er-Jahren seine nördliche Hauptstadt an die Jurchen der Jin-Dynastie (1127) und errichtete seine Herrschaft im Süden neu. Das Reich von Pagan baute Tempel in Birma; der Goryeo-Hof in Korea ließ das Samguk sagi zusammenstellen (1145); im östlichen Mittelmeerraum bestanden die Kreuzfahrerstaaten; und in Frankreich begann die frühe Gotik. Angkor Wat gehört in diese Zeit großer religiöser Bauvorhaben in Eurasien, schöpfte aber vor allem aus süd- und südostasiatischen Traditionen.
Diese Traditionen gelangten durch jahrhundertelangen Handel und Austausch mit dem indischen Subkontinent nach Kambodscha. In der älteren Forschung hieß dieser Vorgang „Indianisierung“, als wäre die indische Kultur einfach übertragen worden. Die meisten Historiker betonen heute die eigenständige Gestaltung durch die Khmer: Herrscher und Priester wählten Sanskrit-Texte, hinduistische und buddhistische Gottheiten sowie indische Bauideen aus und verbanden sie mit der Sprache der Khmer, Ahnenkulten und Vorstellungen vom Königtum. So entstand etwas Eigenständiges.
Mittel
Religiöse Bedeutung: von Vishnu zu Buddha
Die meisten früheren Staatstempel der Khmer waren Shiva geweiht, oft in Gestalt eines Linga, einer stilisierten Säule als Symbol des Gottes. Die Widmung von Angkor Wat an Vishnu spiegelt die Verehrung Vishnus durch Suryavarman II. wider. Eine große achtarmige Vishnu-Statue aus Stein, heute Ta Reach genannt und im westlichen Torhaus verehrt, könnte einst im zentralen Heiligtum gestanden haben. Sicher ist das jedoch nicht.
Das Königtum der Khmer war eng mit den Göttern verbunden. Ein König errichtete einen Tempelberg als Mittelpunkt seines Reiches und verband sich zu Lebzeiten und nach seinem Tod mit dessen Gottheit. Die Vorstellung von einem besonderen Kult um den „Gottkönig“ (devarāja) wurde früher so gedeutet, dass die Könige selbst als Götter verehrt wurden. Viele Forschende gehen heute davon aus, dass der Begriff eine Schutzgottheit des Reiches bezeichnete und das Verhältnis zwischen König und Gott komplexer war als eine einfache Vergöttlichung.
Nachdem Truppen aus Champa 1177 Angkor geplündert hatten, stellte Jayavarman VII. das Reich wieder her und machte den Mahayana-Buddhismus zum Mittelpunkt der königlichen Religion. Er baute die neue ummauerte Hauptstadt Angkor Thom und ihren Staatstempel, den Bayon. In den folgenden Jahrhunderten wurde der Theravada-Buddhismus, der auch in Sri Lanka und weiten Teilen des südostasiatischen Festlands verbreitet ist, zur Religion der meisten Khmer.
Angkor Wat wurde umgestaltet und weitergenutzt. Die offenen Durchgänge des zentralen Heiligtums wurden zugemauert und mit stehenden Buddhafiguren versehen. Pilger hinterließen im Kreuzgang Preah Poan Tausende Buddhastatuen. Örtliche Überlieferungen deuteten den Tempel im Rahmen buddhistischer Geschichten neu. Japanische Besucher des 17. Jahrhunderts hielten ihn sogar für Jetavana, Buddhas Kloster in Indien. Für die Menschen in Kambodscha ist Angkor Wat heute ein heiliger buddhistischer Ort, an dem sie religiöse Verdienste erwerben und zu dem sie pilgern. Zugleich sind seine hinduistischen Bildwerke weiterhin überall sichtbar.
Mittel
Spätere Geschichte: nie wirklich „verloren“
Der chinesische Gesandte Zhou Daguan hielt sich 1296–97 in Angkor auf und verfasste den einzigen erhaltenen Augenzeugenbericht über die Stadt in ihrer späteren Blütezeit. Er beschrieb königliche Umzüge, Märkte, Feste und religiöse Fachleute. Außerdem erwähnte er südlich der Stadt ein großes steinernes Bauwerk, das einem Grab ähnelte und gewöhnlich mit Angkor Wat gleichgesetzt wird.
Im 14. und 15. Jahrhundert führte Angkor Kriege mit dem thailändischen Königreich Ayutthaya. Thailändische Chroniken berichten von einer Eroberung Angkors im Jahr 1431; das genaue Datum ist unsicher. In der Folgezeit verlagerte sich das königliche Zentrum der Khmer nach Süden in die Gegend von Phnom Penh. Historiker diskutieren, welchen Anteil daran die Kriege hatten, inwieweit Veränderungen im Seehandel die Mekongregion begünstigten und ob Angkors Wassersystem unter schwankenden Monsunregenfällen litt.
Angkor Wat selbst blieb in Gebrauch. Im 16. Jahrhundert ließ ein Khmer-König die unvollendeten Reliefs fertigstellen. Portugiesische Reisende erfuhren von der Anlage: Der Kapuzinermönch António da Madalena besuchte sie um 1586 und beschrieb einen Tempel, der keinem anderen Bauwerk der Welt gleiche. Im 17. Jahrhundert kamen japanische Pilger und hinterließen mit Tinte geschriebene Inschriften auf den Säulen. Eine davon stammt von Morimoto Ukondayu Kazufusa und ist auf 1632 datiert.
Die verbreitete Geschichte, der französische Forschungsreisende Henri Mouhot habe 1860 einen verlorenen Tempel im Dschungel „entdeckt“, ist daher irreführend. Mouhots nach seinem Tod veröffentlichte Reiseaufzeichnungen (1864) machten Angkor in Europa berühmt. Die Menschen vor Ort und die Mönche hatten es aber immer gekannt, und andere Europäer waren schon vor ihm dort gewesen. Frankreich machte Kambodscha 1863 zu einem Protektorat. Die nordwestlichen Provinzen mit Angkor wurden 1907 von Siam an das französisch beherrschte Kambodscha übertragen.
Mittel
Restaurierung, Krieg und Denkmalpflege heute
1908 richtete die École française d’Extrême-Orient (EFEO) die Conservation d’Angkor ein, um Bewuchs zu entfernen sowie die Bauwerke zu erforschen und zu reparieren. Ab den 1930er-Jahren wandten französische Denkmalpfleger die Anastylosis an. Bei dieser in Niederländisch-Indien entwickelten Methode wird ein Bau Stein für Stein zerlegt, sein Fundament gefestigt und werden die ursprünglichen Blöcke wieder eingesetzt. Neues Material kommt nur dort hinzu, wo es nötig ist, und soll erkennbar bleiben. Umfangreiche Arbeiten an Angkor Wat dauerten bis in die 1960er-Jahre an.
Der Bürgerkrieg und die Herrschaft der Roten Khmer (1975–79) brachten die Denkmalpflege zum Stillstand. Das Bauwerk erlitt vergleichsweise wenig unmittelbare Kriegsschäden. In den 1980er- und frühen 1990er-Jahren schlugen Plünderer jedoch an vielen Tempeln von Angkor Köpfe und Statuen ab, um sie auf dem internationalen Kunstmarkt zu verkaufen. Zwischen 1986 und 1992 reinigte und reparierte der Archaeological Survey of India Angkor Wat. Einige der damals verwendeten chemischen Mittel wurden später dafür kritisiert, dass sie die Steinoberflächen schädigten; ähnliche Kritik galt früheren Arbeiten mit Zement.
1992 nahm die UNESCO Angkor in die Welterbeliste und gleichzeitig in die Liste des gefährdeten Welterbes auf. Von der Gefährdungsliste wurde es 2004 gestrichen. Seit 1993 koordiniert das Internationale Koordinierungskomitee (ICC-Angkor), dessen Vorsitz sich Frankreich und Japan teilen, die Arbeiten vieler Länder. Die 1995 gegründete kambodschanische APSARA-Nationalbehörde verwaltet die Stätte. Das German Apsara Conservation Project untersucht und behandelt beispielsweise die Verwitterung der Devatā-Reliefs, denen Salze, mikrobielle Beläge und Wasser zusetzen.
Zu den heutigen Herausforderungen zählen der Massentourismus – vor der COVID-19-Pandemie kamen mehr als zwei Millionen Besucher pro Jahr –, die Belastung des Grundwassers durch Hotels in Siem Reap und die Lage der Menschen, die im Welterbepark leben. 2022–23 siedelten die Behörden Tausende Familien aus dem Gebiet von Angkor in eine neue Siedlung um. Die Regierung stellte dies als notwendig für den Denkmalschutz dar; Menschenrechtsorganisationen, darunter Amnesty International, kritisierten es als Zwangsräumung. Wie sich ein Bauwerk schützen lässt, ohne die Menschen zu missachten, deren Leben und Religion damit verbunden sind, bleibt eine offene Frage.
Mittel
Einfluss und Nachwirkung
Angkor Wat prägt das, was Kunsthistoriker den „Angkor-Wat-Stil“ nennen: die klassische Phase der Khmer-Architektur mit Türmen in Form von Lotusknospen, Galerien entlang der Hauptachsen, kreuzförmigen Terrassen und dichtem, aber geordnetem Dekor. Die Anlage konzentrischer Galerien um einen Tempelberg beeinflusste spätere Khmer-Tempel und in lockererem Sinne auch religiöse Bauwerke in benachbarten thailändischen und laotischen Königreichen.
Während der Kolonialzeit wurde Angkor Wat sowohl zu einem Symbol Kambodschas als auch des französischen Kolonialreiches. Frankreich zeigte es zwischen 1889 und 1937 auf Kolonial- und Weltausstellungen in Paris und Marseille in Form von Gipsabgüssen und Pavillons in Originalgröße. Dabei stellte es die französische Herrschaft als Retterin einer untergegangenen Zivilisation dar. Kambodschanische Nationalisten wiederum machten den Tempel zum Sinnbild ihrer eigenen Geschichte und Unabhängigkeit.
Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts zeigt jede kambodschanische Nationalflagge ungeachtet der jeweiligen Staatsform einen Tempel, meist Angkor Wat. Für die Menschen in Kambodscha verbindet er ihre heutige Identität mit der Vergangenheit Angkors; für buddhistische Gemeinschaften ist er ein lebendiges Heiligtum. Er gehört zudem zu den meistbesuchten Welterbestätten Asiens. Das bringt Einnahmen und Stolz mit sich, aber auch die oben beschriebenen Belastungen.
Fortgeschritten
Forschungsdebatten und offene Fragen
Warum ist Angkor Wat nach Westen ausgerichtet? Fast alle Tempel von Angkor öffnen sich nach Osten, zur aufgehenden Sonne hin. Die westliche Ausrichtung von Angkor Wat und die Leserichtung seiner Reliefs gegen den Uhrzeigersinn (prasavya, die Umkehrung des üblichen Rundgangs im Uhrzeigersinn) veranlassten Forscher wie George Cœdès und Maurice Glaize zu der These, es sei als Totentempel Suryavarmans II. gebaut worden: Eine umgekehrte Reihenfolge ist mit Bestattungsriten verbunden. Andere weisen darauf hin, dass auch einige weitere Tempel nach Westen ausgerichtet sind und der Westen mit Vishnu verbunden wird. Die Ausrichtung könnte also die Widmung an Vishnu ausdrücken. Beide Deutungen schließen einander nicht aus: Die Anlage konnte zugleich ein Vishnu-Tempel und ein Ort der Verehrung des verstorbenen Königs sein.
Astronomie und Maße. Die Architekturhistorikerin Eleanor Mannikka vertrat in den 1990er-Jahren die Ansicht, dass die Maße des Tempels, ausgedrückt in der Khmer-Längeneinheit Hat, Kalenderzyklen und kosmologische Zeiträume verschlüsseln. Zudem sollen Sichtachsen Sonnenaufgänge zur Sonnenwende und zur Tagundnachtgleiche markieren. Weitgehend anerkannt ist, dass die Hauptachse so ausgerichtet ist, dass die Sonne zur Tagundnachtgleiche vom westlichen Eingang aus gesehen über dem Mittelturm aufgeht. Die ausführlicheren Zahlendeutungen stießen auf Interesse, aber auch auf Skepsis: Bei sehr vielen Maßen können manche Übereinstimmungen zufällig entstehen. Populäre Behauptungen über Verbindungen Angkors zu Sternbildern oder untergegangenen Zivilisationen werden von Fachleuten zurückgewiesen.
Ein Tempel oder eine Stadt? Ältere Studien stellten sich den Raum innerhalb des Wassergrabens als leeren heiligen Bezirk vor. Seit 2012 haben aus der Luft durchgeführte Lidar-Messungen – Laserscans, die die Bodenoberfläche unter der Vegetation erfassen – und Ausgrabungen von Teams um Roland Fletcher, Damian Evans und Miriam Stark innerhalb der Umfriedung ein Raster aus Erdhügeln, Teichen und Wegen sichtbar gemacht. Dies deutet darauf hin, dass dort eine Bevölkerung lebte, möglicherweise mehrere Tausend Tempelbedienstete mit ihren Familien. Ihre Häuser aus Holz und Stroh sind verschwunden. Die Lidar-Daten zeigten außerdem Spuren älterer Bauten auf dem Gelände, die während der Errichtung von Angkor Wat gebaut und wieder abgerissen wurden.
Die Wasserstadt und Angkors Niedergang. Mitte des 20. Jahrhunderts beschrieb Bernard-Philippe Groslier Angkor als „Wasserstadt“, deren riesige Stauseen Reisfelder bewässerten und die königliche Macht stützten. Kritiker wandten ein, die Barays seien zu klein oder zu schlecht miteinander verbunden gewesen, um große Flächen zu bewässern, und hätten vor allem religiösen Zwecken gedient. Neuere Forschungen betrachten das Wassernetz als tatsächlich vorhanden und weitreichend, sehen seine Hauptaufgaben aber im Hochwasserschutz und in der Wasserverteilung. Sie bringen seinen Zusammenbruch mit jahrzehntelangen Dürren und starken Monsunregenfällen im 14. und 15. Jahrhundert in Verbindung, die anhand von Baumringen nachgewiesen wurden. Die meisten Historiker erklären die Verlegung der Hauptstadt heute durch mehrere zusammenwirkende Ursachen statt durch eine einzelne Katastrophe.
Fortgeschritten
Quellen und Methoden: Woher wir unser Wissen haben
Inschriften. Die Geschichte Angkors wird vor allem anhand von mehr als tausend Steininschriften rekonstruiert. Sie sind in Sanskrit verfasst, meist als Verse zum Lob von Königen und Göttern, oder in Altkhmer, meist als Prosatexte über Schenkungen, Land und Personal. Ihre Entzifferung und Veröffentlichung, vor allem durch George Cœdès in dem mehrbändigen Werk Inscriptions du Cambodge, schuf die bis heute verwendete Abfolge der Könige. Angkor Wat selbst besitzt jedoch keine Gründungsstele. Seine Datierung beruht auf indirekten Belegen: kurzen Beischriften zu den Reliefs der Südgalerie, die Suryavarman II. mit seinem Namen nach dem Tod nennen und daher erst nach seinem Tod geschrieben wurden, Inschriften über seine Herrschaft an anderen Orten sowie dem Stil von Architektur und Steinbildern.
Berichte von außerhalb. Zhou Daguans Bericht über seinen Aufenthalt 1296–97, auf Chinesisch als Zhenla fengtu ji bekannt, ist die einzige ausführliche Beschreibung des Alltagslebens in Angkor. Er ist von unschätzbarem Wert, muss aber kritisch gelesen werden: Ein ausländischer Gesandter schrieb ihn für ein chinesisches Publikum. Portugiesische, spanische und japanische Quellen aus dem 16. und 17. Jahrhundert sowie spätere Khmer-Inschriften am Tempel belegen dessen fortgesetzte Nutzung.
Archäologie und Naturwissenschaft. Ausgrabungen, Radiokarbondatierungen von Holzkohle und Holz, Untersuchungen von Ablagerungen in Stauseen, Baumringdaten zum früheren Klima und Fernerkundung – Satellitenbilder, Bodenradar und Lidar – haben die Forschung seit den 1990er-Jahren verändert. Sie lenkten den Blick von Tempeln und Königen auf die gesamte Stadtlandschaft, die Landwirtschaft und die Wasserwirtschaft.
Grenzen der Methoden. Vieles, was Besucher heute sehen, ist das Ergebnis von Restaurierungen des 20. Jahrhunderts. Deshalb müssen Einzelheiten der Architektur anhand alter Fotografien und Grabungsberichte geprüft werden, bevor man sie für ursprünglich hält. Auch die Deutung der Reliefs hängt von den Texten ab, mit denen Forschende an sie herangehen: Die Khmer-Fassungen des Ramayana (der Reamker) unterscheiden sich von den indischen Fassungen. Die Bilder sollten daher im Zusammenhang mit Khmer- und Sanskrit-Traditionen gelesen werden. Schließlich prägt die koloniale Vorstellung von Angkor als einer von Europäern wiederentdeckten „verlorenen Zivilisation“ noch immer populäre Darstellungen. Die neuere Forschung setzt ihr bewusst eine Geschichte der Kontinuität entgegen.
Kernideen
- Tempelberg
- Die übliche Form eines Staatstempels der Khmer: eine Stufenpyramide mit Heiligtümern auf der Spitze. Sie stellt den Berg Meru dar, den Mittelpunkt des Universums.
- Berg Meru
- Der kosmische Berg im Mittelpunkt der Welt in der hinduistischen und buddhistischen Vorstellung. Er ist die Heimat der Götter und von Ozeanen und Gebirgen umgeben. Der Wassergraben, die Mauern und die fünf Türme von Angkor Wat bilden ihn nach.
- Königliche Förderung und sakrales Königtum
- Khmer-Könige bauten Tempel, um ihre Herrschaft in einer heiligen Ordnung zu verankern. Der König war zu Lebzeiten und nach seinem Tod mit der Gottheit des Tempels verbunden. Wie wörtlich dies zu verstehen ist, wird in der Forschung diskutiert.
- Ununterbrochene religiöse Nutzung
- Angkor Wat wandelte sich von einem hinduistischen Vishnu-Tempel zu einem Heiligtum des Theravada-Buddhismus, ohne verlassen zu werden. Auch deshalb blieb es besser erhalten als viele andere Tempel.
- Wasser und Stadtentwicklung
- Wassergräben, Kanäle und Stauseen waren für Angkors Städte wichtig. Sie dienten dem Hochwasserschutz, der Wasserspeicherung und als religiöse Symbole. Ihre Bewirtschaftung und ihr Verfall sind entscheidend für die Geschichte Angkors.
- Eigenständige Gestaltung durch die Khmer
- Die Khmer-Baumeister formten aus indischen religiösen und künstlerischen Ideen eine eigene Khmer-Kultur, statt sie einfach unverändert zu übernehmen.
- Welterbe und Menschen
- An der Erhaltung Angkors sind internationale Fachleute, der kambodschanische Staat, Mönche, Bewohner und Touristen beteiligt. Ihre Interessen stimmen nicht immer überein.
Einträge
- 802 n. Chr. — Jayavarman II. wird in den Kulen-Bergen zum Weltherrscher geweiht. Dies gilt traditionell als Gründungsdatum des Khmer-Reiches.
- um 1113 — Suryavarman II. kommt an die Macht. Der Bau von Angkor Wat beginnt zu Beginn seiner Herrschaft.
- um 1150 — Suryavarman II. stirbt. Die Arbeiten am Tempel kommen zum Stillstand, und einige Reliefs bleiben unvollendet.
- 1177 — Truppen aus Champa plündern Angkor.
- 1181 — Jayavarman VII. wird gekrönt, macht den Mahayana-Buddhismus zum Mittelpunkt der königlichen Religion und baut Angkor Thom und den Bayon.
- 1296 — Der chinesische Gesandte Zhou Daguan kommt nach Angkor, bleibt bis 1297 und verfasst später seine Beschreibung der Stadt.
- um 1431 — Thailändischen Chroniken zufolge erobert Ayutthaya Angkor. Später verlagert sich das königliche Zentrum der Khmer nach Süden.
- um 1586 — Der portugiesische Ordensbruder António da Madalena besucht Angkor Wat. Er gehört zu den ersten schriftlich bezeugten europäischen Besuchern.
- 1632 — Der japanische Besucher Morimoto Ukondayu Kazufusa hinterlässt eine mit Tinte geschriebene Inschrift im Tempel.
- 1860 — Henri Mouhot besucht Angkor. Seine 1864 veröffentlichten Aufzeichnungen machen die Anlage in Europa berühmt.
- 1908 — Die École française d’Extrême-Orient gründet die Conservation d’Angkor.
- 1992 — Angkor wird in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen und steht bis 2004 auch auf der Liste des gefährdeten Welterbes.
Glossar
- Khmer
- Die größte Bevölkerungsgruppe Kambodschas und ihre Sprache; der Begriff bezeichnet auch das Reich der Angkor-Zeit.
- Flachrelief
- Ein Steinbild, bei dem die Figuren nur wenig aus einem ebenen Hintergrund hervortreten.
- Gopura
- Ein monumentales Torhaus oder Eingangsgebäude in der Mauer eines Tempels.
- Devatā / Apsarā
- Weibliche Gottheiten (Devatās) und himmlische Tänzerinnen (Apsarās), die auf Tempelwänden dargestellt sind. Die Begriffe werden oft ungenau für dieselben Figuren verwendet.
- Nāga
- Ein oft vielköpfiger Schlangengeist, der mit Wasser und Schutz verbunden ist. Nāga-Figuren bilden die Geländer der Zugangswege.
- Fünferkreuz
- Eine Anordnung von fünf Punkten: vier an den Ecken eines Quadrats und einer in der Mitte, wie bei den Türmen von Angkor Wat.
- Laterit
- Ein rötlicher, eisenreicher Boden, der sich zu Blöcken schneiden lässt und an der Luft aushärtet. Er wurde für Fundamente und verborgene Bauteile verwendet.
- Kraggewölbe
- Ein Dach, bei dem jede Steinlage etwas weiter nach innen ragt, bis beide Seiten zusammentreffen – ohne einen echten Bogen.
- Baray
- Ein großer rechteckiger Stausee, wie ihn die Khmer-Herrscher in Angkor anlegen ließen.
- Anastylosis
- Eine Restaurierungsmethode, bei der ein Bauwerk zerlegt und mit seinen ursprünglichen Steinen wieder aufgebaut wird. Neues Material wird nur hinzugefügt, wo es nötig ist.
- Lidar
- Ein Laserscan aus der Luft, der die Bodenoberfläche unter Pflanzenbewuchs erfasst und verschwundene Wege, Teiche und Bauflächen sichtbar macht.
- Theravada
- Die in Sri Lanka, Kambodscha, Thailand, Laos und Myanmar vorherrschende Richtung des Buddhismus.
Fragen und Antworten
Wie alt ist Angkor Wat?
Etwa 900 Jahre. Es wurde in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts während der Herrschaft Suryavarmans II. (etwa 1113–1150) erbaut.
Wer baute Angkor Wat?
Arbeiter und Künstler des Khmer-Reiches bauten es im Auftrag von König Suryavarman II. Es wurde weder von Fremden noch von einem „verschollenen“ Volk errichtet: Die Khmer sind die Vorfahren der heutigen Kambodschaner.
Ist Angkor Wat hinduistisch oder buddhistisch?
Beides, zu verschiedenen Zeiten. Es wurde als hinduistischer Tempel für Vishnu gebaut und entwickelte sich etwa ab dem 14. Jahrhundert allmählich zu einer Stätte des Theravada-Buddhismus. Heute ist es eine buddhistische Gebetsstätte.
Wie lange dauerte der Bau?
Ungefähr drei bis vier Jahrzehnte innerhalb der Herrschaftszeit des Königs. Nach seinem Tod kamen die Arbeiten zum Stillstand. Einige Steinbilder blieben bis zum 16. Jahrhundert unvollendet.
War Angkor Wat jemals verschollen?
Nein. Es blieb ein buddhistisches Kloster und ein Wallfahrtsort. Europäer wie Henri Mouhot machten es im 19. Jahrhundert in Europa bekannt, doch die Menschen in Kambodscha kannten es immer.
Warum ist Angkor Wat nach Westen ausgerichtet?
Das ist nicht sicher geklärt. Viele Forschende halten es für den Totentempel des Königs, weil der Westen mit dem Tod verbunden ist und die Reliefs in umgekehrter Richtung gelesen werden. Andere meinen, die Ausrichtung nach Westen ehre Vishnu.
Warum ist Angkor Wat auf der kambodschanischen Flagge?
Es ist das bedeutendste Bauwerk aus Angkors Vergangenheit und seit dem 19. Jahrhundert ein nationales Wahrzeichen Kambodschas. Es steht für geschichtliche Kontinuität und nationale Identität.
Was sind die wichtigsten wissenschaftlichen Quellen zu seiner Geschichte?
Inschriften in Khmer und Sanskrit, die vor allem George Cœdès herausgab, Zhou Daguans Bericht aus dem 13. Jahrhundert, kunsthistorische Untersuchungen, Ausgrabungen und Fernerkundung wie Lidar.
Quellen und weiterführende Literatur
- Angkor. UNESCO World Heritage Centre
- Angkor Wat. Wikipedia
- Angkor. Wikipedia
- Khmer Empire. Wikipedia
- Suryavarman II. Wikipedia
- Angkor Wat. Encyclopaedia Britannica
- Henri Mouhot. Wikipedia
- Zhou Daguan. Wikipedia
- Michael D. Coe, Angkor and the Khmer Civilization. Thames & Hudson, 2003
- Charles Higham, The Civilization of Angkor. Weidenfeld & Nicolson, 2001
Verwandte Inhalte
- BorobudurEin großes buddhistisches Monument in Zentraljava, das ungefähr im 8. und 9. Jahrhundert errichtet wurde.
- RamayanaEin Sanskrit-Epos über Rama, Sita und ihre Verbannung, das in Süd- und Südostasien in vielen Fassungen überliefert ist.
- MahabharataEin umfangreiches Sanskrit-Epos über den Konflikt zweier verwandter Königsfamilien, zu dessen Teilen die „Bhagavad Gita“ gehört.
- Ajanta-HöhlenEine Gruppe buddhistischer Felsenhöhlen im Westen Indiens, bekannt für Klöster, Heiligtümer und Malereien.
- SeokguramEine buddhistische Grotte aus dem 8. Jahrhundert nahe Gyeongju, bekannt für ihren Buddha aus Granit und die umgebenden Skulpturen.
Mit KI-Unterstützung auf Grundlage der oben aufgeführten veröffentlichten Quellen verfasst und bei neuen Forschungsergebnissen überarbeitet.
