Kulturerbe

Borobudur

Candi Borobudur

um 780–833 n. Chr. · Borobudur (Zentraljava)

In einem Satz

Borobudur ist ein riesiges buddhistisches Bauwerk auf der indonesischen Insel Java. Es wurde vor etwa 1.200 Jahren wie ein Berg aus Steinstufen errichtet, den Pilger auf ihrem Weg an Tausenden von gemeißelten Bildern vorbei hinaufsteigen.

Borobudur
Bild: Gunawan Kartapranata · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Beginnen Sie oben mit einer einfachen Einführung. Weiter unten finden Sie mehr Details und Forschungsergebnisse.

  • Einfach
  • Mittel
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Für junge Leser

Borobudur liegt auf der Insel Java in Indonesien. Es wurde vor etwa 1.200 Jahren aus ungefähr zwei Millionen Blöcken Vulkangestein gebaut. Im Inneren gibt es keine Räume. Es sieht aus wie ein riesiger Berg aus Stein, mit Stufen und Ebenen, die immer weiter nach oben führen.

Wer Borobudur besucht, geht auf jeder Ebene einmal herum und steigt dann zur nächsten hinauf. An den Wänden der unteren Ebenen sind mehr als 2.600 Bilder in den Stein gemeißelt. Manche zeigen das Leben des Buddha: von seiner Geburt als Prinz bis zu seiner ersten Lehre. Andere erzählen von früheren Leben des Buddha, in denen er als Tier oder Mensch geboren wurde und Gutes und Mutiges tat. Manche zeigen einen jungen Mann namens Sudhana, der auf der Suche nach Weisheit viele Lehrer besucht.

Weiter oben hören die Bilder auf. Der obere Teil ist rund und offen. Dort stehen 72 glockenförmige Steingebilde, die Stupas heißen. Sie haben Öffnungen wie ein Gitter, und in jeder sitzt eine Buddhafigur aus Stein. In der Mitte steht eine große Stupa. Der Aufstieg soll sich wie eine Reise aus unserem geschäftigen Alltag zu Ruhe und Weisheit anfühlen.

Hunderte Jahre lang war Borobudur von Vulkanasche und Pflanzen bedeckt. Die Menschen in der Nähe nutzten das Bauwerk nicht mehr. 1814 begann man, es freizulegen. So wurde es auch außerhalb der Gegend bekannt. Später nahmen Fachleute große Teile Stein für Stein auseinander, reinigten die Steine und setzten sie wieder zusammen – fast wie ein riesiges Puzzle.

Heute gehört Borobudur zum Welterbe und ist einer der meistbesuchten Orte Indonesiens. Jedes Jahr ziehen Buddhisten zum Vesakh-Fest von zwei kleineren Tempeln in der Nähe nach Borobudur. Sie feiern dabei die Geburt, die Erleuchtung und den Tod des Buddha.

Auf einen Blick

Bauzeit
Etwa von 780 bis in die 830er-Jahre n. Chr., in mehreren Bauphasen; der Bau wurde wahrscheinlich in den 830er-Jahren abgeschlossen
Ort
Kedu-Ebene bei Magelang, Zentraljava, Indonesien, etwa 40 km nordwestlich von Yogyakarta
Bauherren
Die Sailendra-Dynastie des Königreichs Mataram (Medang), Anhänger des Mahayana-Buddhismus
Bauform
Stufenförmiger Stupa-Berg: sechs quadratische Plattformen, darüber drei kreisförmige Plattformen und eine zentrale Stupa; keine Innenräume
Größe
Grundfläche etwa 123 × 123 m; heutige Höhe etwa 35 m; rund 55.000 m³ Andesitgestein
Schmuck
2.672 Reliefplatten (1.460 erzählende und 1.212 dekorative); ursprünglich 504 Buddhafiguren; 72 durchbrochene Stupas
Wiederentdeckung und Restaurierung
Freilegung ab 1814; Restaurierung durch Theodoor van Erp 1907–1911 sowie durch Indonesien und die UNESCO 1975–1982
Status
UNESCO-Welterbestätte „Tempelanlagen von Borobudur“ (mit Mendut und Pawon), eingetragen 1991

Einfach

Was ist Borobudur?

Borobudur ist das größte buddhistische Bauwerk der Welt. Es steht auf einem niedrigen Hügel in der fruchtbaren Kedu-Ebene in Zentraljava, umgeben von Vulkanen und zwischen den Flüssen Progo und Elo. Es wurde im späten 8. und frühen 9. Jahrhundert unter der Herrschaft der Sailendra-Dynastie erbaut.

Borobudur wird oft Tempel genannt, hat aber im Inneren weder eine Halle noch einen Raum, in dem sich Menschen versammeln können. Das massive Bauwerk aus Stein wurde über einem natürlichen Hügel errichtet. Seine gesamte Form ist eine Art Stupa – ein buddhistisches Bauwerk, das für den Buddha und seine Erleuchtung steht. Zugleich ist es als heiliger Berg gestaltet, den Besucher hinaufsteigen.

Berühmt ist Borobudur für seine Reliefs: in Stein gemeißelte Darstellungen an den Wänden und Brüstungen seiner Umgangsgalerien. Zusammen bilden sie eine der größten und vollständigsten Sammlungen buddhistischer Reliefkunst. Sie zeigen außerdem viele Einzelheiten aus dem Leben auf Java im 9. Jahrhundert: Häuser, Schiffe, Kleidung, Musikinstrumente, Pflanzen und Tiere.

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Einfach

Wie man Borobudur „liest“: ein Weg nach oben

Borobudur ist dafür angelegt, zu Fuß erkundet zu werden. Ein Pilger betritt die Anlage von Osten und umrundet jede Ebene im Uhrzeigersinn, sodass das Bauwerk zu seiner Rechten liegt. Diese Geste der Ehrerbietung heißt Pradakshina. Erst nach einer vollständigen Umrundung steigt er zur nächsten Ebene hinauf. An den Wänden und Brüstungen der vier quadratischen Umgangsgalerien befinden sich erzählende Reliefs. Sie sind in elf Reihen angeordnet und erstrecken sich insgesamt über etwa 3 km.

Der Aufstieg wird oft mithilfe von drei „Welten“ der buddhistischen Kosmologie erklärt. Unten liegt die Welt der Begierde (Kamadhatu), dargestellt durch den verborgenen Fuß mit Reliefs über Karma. Danach folgen die quadratischen Umgangsgalerien: die Welt der Form (Rupadhatu), voller Geschichten. Oben stehen die kreisförmigen Terrassen, offen zum Himmel und ohne erzählende Reliefs. Sie stehen für die formlose Welt (Arupadhatu). Diese Deutung ist verbreitet und hilfreich. Einige Forscher bezweifeln jedoch inzwischen, dass die Erbauer genau diese Vorstellungen zugrunde legten.

Auch die Buddhafiguren verändern sich beim Aufstieg. Auf den quadratischen Ebenen sitzen Buddhas in Nischen. Ihre Handhaltungen (Mudras) unterscheiden sich je nach Himmelsrichtung: Im Osten berühren sie die Erde, im Süden zeigen sie die Geste des Gebens, im Westen meditieren sie und im Norden zeigen sie eine beruhigende Geste der Furchtlosigkeit. Auf der höchsten quadratischen Ebene zeigen sie eine Lehrgeste. Auf den drei kreisförmigen Terrassen umschließen 72 Stupas – 32, 24 und 16 auf den drei Ringen – Buddhas, die mit ihrer Handhaltung das Rad der Lehre in Bewegung setzen. Die große zentrale Stupa krönt das Bauwerk.

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Einfach

Geschichten in Stein

Die Reliefs erzählen von mehreren buddhistischen Schriften. Auf der oberen Reihe der Hauptwand der ersten Umgangsgalerie folgen 120 Reliefplatten dem Lalitavistara, der Geschichte vom letzten Leben des Buddha: seinem Herabstieg vom Himmel, seiner Geburt als Prinz Siddhartha, seinem Leben im Palast, seinem Aufbruch, seiner Suche, seiner Erleuchtung und seiner ersten Lehrrede im Hirschpark von Sarnath.

Andere Reliefplatten der ersten und zweiten Umgangsgalerie zeigen Jataka- und Avadana-Erzählungen. Sie handeln von früheren Leben des Buddha und von anderen heiligen Gestalten. In einem bekannten Jataka wird der künftige Buddha als Hase geboren und bietet einem hungrigen Wanderer seinen eigenen Körper als Nahrung an. Solche Geschichten vermitteln Großzügigkeit, Geduld und Mitgefühl.

Die oberen Umgangsgalerien werden vom Gandavyuha bestimmt, dem letzten Teil des Avatamsaka-Sutra. Darin reist der junge Pilger Sudhana zu Dutzenden von Lehrern – von Mönchen und Königen bis zu einer Nachtgöttin –, um vollkommene Weisheit zu finden. Schließlich gelangt er zur Vision des Bodhisattva Samantabhadra. Wer die Umgangsgalerien durchschreitet, vollzieht Sudhanas Reise nach.

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Mittel

Wie Borobudur gebaut wurde

Borobudur wurde über einem natürlichen Hügel errichtet, den man formte und mit Erde auffüllte. Um und über diesen Kern legten die Baumeister etwa 55.000 Kubikmeter Andesit, ein graues Vulkangestein aus nahe gelegenen Flüssen. Die Steinblöcke wurden ohne Mörtel zusammengefügt. Vorsprünge, Vertiefungen und schwalbenschwanzförmige Verbindungen hielten sie zusammen. Anschließend wurden die Reliefs direkt in die verbauten Steine gemeißelt. Abflüsse und etwa hundert Wasserspeier in Form von Ungeheuerköpfen leiteten den starken tropischen Regen ab.

Archäologen, insbesondere Jacques Dumarçay, haben mehrere Bauphasen festgestellt. Die Arbeiten begannen offenbar um 780; der Plan wurde mehr als einmal geändert. So verbreiterte man beispielsweise den Sockel und verdeckte die unterste Reliefebene. Möglicherweise war auch der obere Abschluss ursprünglich anders geplant. Der Bau wurde wahrscheinlich in den 830er-Jahren abgeschlossen.

Der Entwurf scheint sorgfältig festgelegten Proportionen zu folgen. Forscher haben ein Verhältnis von 4 : 6 : 9 zwischen Fuß, Körper und Kopf des Bauwerks festgestellt, das auch bei den verwandten Tempeln Mendut und Pawon vorkommt. Der Überlieferung zufolge hieß der Architekt Gunadharma. Dieser Name stammt jedoch aus einer örtlichen Legende und ist durch keine Inschrift belegt; über die historische Person ist nichts bekannt.

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Mittel

Ein Blick auf Java im 9. Jahrhundert

Obwohl die Reliefs indische buddhistische Schriften darstellen, füllten die Bildhauer sie mit Dingen aus ihrer vertrauten Welt. Häuser stehen auf Pfosten und haben steile, sattelförmige Dächer. Im Hintergrund erscheinen Märkte, Küchen und Bauernhöfe. Die Menschen tragen javanische Kleidung und Schmuck. Zu sehen sind Musiker mit Trommeln, Lauten, Flöten und Glocken, außerdem Tänzer, Jäger, Soldaten, Händler beim Wiegen von Waren und Eltern, die sich um ihre Kinder kümmern.

Auch die Natur ist detailreich dargestellt: Elefanten, Affen, Pfauen, Fische, Schildkröten und viele Arten von Bäumen. Dazu gehört der von Vögeln und himmlischen Wesen umgebene Wunschbaum (Kalpataru). Die Schiffsreliefs zeigen große Wasserfahrzeuge mit Auslegern, mehreren Segeln und Steuerrudern. Sie bezeugen die Seefahrtstechnik, die Java mit der Welt des Indischen Ozeans verband.

Besonders wertvoll sind die verborgenen Karmavibhanga-Reliefs, denn sie zeigen gute und schlechte Handlungen des Alltags: Fischen und Schlachten, Klatsch und Streit, das Geben von Almosen und die Pflege Kranker sowie die darauf folgenden Belohnungen oder Strafen. Für Historiker Südostasiens ist Borobudur deshalb sowohl ein religiöses Bauwerk als auch eines der wichtigsten Bildzeugnisse der frühen javanischen Gesellschaft, Technik und materiellen Kultur.

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Mittel

Die Sailendra und Java im 9. Jahrhundert

Borobudur wurde von der Sailendra-Dynastie („Herr des Berges“) geschaffen, die ab der Mitte des 8. Jahrhunderts große Teile Zentraljavas beherrschte. Die Sailendra förderten den Mahayana-Buddhismus und ließen viele Bauwerke errichten, darunter Kalasan. Dessen Inschrift aus dem Jahr 778 ist der früheste eindeutige Beleg für die Dynastie. Ihre Herkunft ist umstritten: Ältere Theorien brachten sie mit Indien oder mit Funan in Kambodscha in Verbindung. Heute halten viele Forscher sie für javanisch.

Die Sailendra teilten die Macht in Zentraljava mit einer weiteren Herrscherlinie, die oft Sanjaya-Dynastie genannt wird und den Hinduismus förderte. Vermutlich regierte Samaratungga, als Borobudur fertiggestellt wurde. Seine Tochter Pramodhawardhani heiratete Rakai Pikatan aus der hinduistischen Herrscherlinie. Die große hinduistische Tempelanlage von Prambanan in der Nähe entstand kurz darauf. Beide Religionen bestanden nebeneinander, und Borobudur wurde möglicherweise unter diesem religiös gemischten Hof vollendet.

Es war eine Zeit weitreichender Verbindungen über das Meer. Java handelte mit Indien, China und dem übrigen Südostasien. Die Sailendra unterhielten enge Beziehungen zum Königreich Srivijaya auf Sumatra, einem bedeutenden Zentrum buddhistischer Gelehrsamkeit. Die Reliefs mit ihren großen Auslegerschiffen spiegeln diese Welt der Seefahrt wider. 2003–2004 segelte die Samudra Raksa, der Nachbau eines solchen Schiffes, von Indonesien nach Afrika.

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Mittel

Religiöse Bedeutung: Berg, Stupa und Mandala

Borobudur verbindet mehrere buddhistische Vorstellungen. Als Stupa steht es für den Körper und den erleuchteten Geist des Buddha. Als Stufenberg erinnert es an den Berg Meru, den Mittelpunkt der Welt in der indischen Kosmologie. Möglicherweise knüpft es auch an ältere javanische Traditionen heiliger Terrassenanlagen auf Hügeln an, die der Verehrung der Ahnen dienten.

Von oben betrachtet bilden die Quadrate und Kreise des Grundrisses ein Mandala: ein heiliges Diagramm, das im esoterischen Buddhismus (Vajrayana) bei Meditation und Ritualen verwendet wird. Die Anordnung der Buddhas, die von einem Zentrum aus in die vier Himmelsrichtungen blicken, passt zu einem solchen Schema. Wie genau das Bauwerk einer bestimmten esoterischen Schrift folgt, ist unter Forschern umstritten.

Borobudur war Teil einer Landschaft, in der religiöse Rituale stattfanden. Es liegt mit den kleineren Tempeln Pawon und Mendut auf einer geraden Linie, die sich etwa 3 km nach Osten erstreckt. In Mendut stehen noch heute drei große Steinfiguren: ein sitzender Buddha zwischen zwei Bodhisattvas. Beim Vesakh-Fest ziehen indonesische und ausländische Buddhisten heute in einer Prozession von Mendut über Pawon nach Borobudur und lassen diese Verbindung wieder aufleben.

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Mittel

Aufgabe und Wiederentdeckung

Im frühen 10. Jahrhundert verlagerte sich das Zentrum der javanischen Macht von Zentraljava nach Ostjava, um 928–929 unter König Mpu Sindok. Ein möglicher Grund waren Ausbrüche des Vulkans Merapi. Borobudur verlor allmählich seine königlichen Förderer. Ganz vergessen wurde es nicht: Das altjavanische Gedicht Nagarakretagama aus dem 14. Jahrhundert erwähnt ein buddhistisches Heiligtum in „Budur“, und spätere javanische Chroniken erzählten von Unglück, das mit dem Hügel verbunden war. Dennoch wurde das Bauwerk von Asche und Pflanzen überwuchert. Der Islam, der sich ab dem 15. Jahrhundert auf Java ausbreitete, wurde zur Mehrheitsreligion.

1814, während der kurzen britischen Herrschaft über Java, hörte der Vizegouverneur Thomas Stamford Raffles von einem großen Bauwerk in der Gegend und schickte den niederländischen Ingenieur H. C. Cornelius zur Untersuchung dorthin. Dessen Gruppe von etwa 200 Männern verbrachte zwei Monate damit, Bäume zu fällen, Pflanzen abzubrennen und Erde zu entfernen. Unter niederländischer Herrschaft gingen die Arbeiten weiter; bis 1835 war das Bauwerk größtenteils freigelegt.

Die Freilegung brachte neue Gefahren mit sich. Besucher nahmen Buddha-Köpfe und Reliefstücke mit. 1896 schenkte die niederländische Kolonialregierung dem zu Besuch weilenden König Chulalongkorn von Siam eine große Sammlung von Skulpturen, darunter Reliefplatten, Buddhafiguren, Löwen und eine Wächterfigur. Sie befinden sich heute im Nationalmuseum in Bangkok. Regenwasser drang durch das freigelegte Bauwerk, und es begann abzusacken.

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Mittel

Restaurierungen und Gefahren

1885 entdeckte der Ingenieur J. W. IJzerman, dass der Sockel des Bauwerks einen älteren Fuß mit 160 Reliefplatten verbarg. Sie zeigen das Karmavibhanga, einen Text über Karma: gute und schlechte Taten und ihre Folgen in diesem und im nächsten Leben. Die Reliefplatten wurden 1890–1891 fotografiert und anschließend wieder verdeckt. Heute sind nur wenige an der südöstlichen Ecke sichtbar.

Zwischen 1907 und 1911 leitete der niederländische Militäringenieur Theodoor van Erp die erste große Restaurierung. Er baute die kreisförmigen Terrassen und Stupas wieder auf und setzte auf die Hauptstupa eine rekonstruierte Chattra (einen Schirm). Weil er ihre ursprüngliche Form nicht belegen konnte, entfernte er sie wieder. Die Probleme mit dem Wasserabfluss blieben bestehen. In den 1960er-Jahren neigten sich die Umgangsgalerien, und die Steine verfielen.

Von 1975 bis 1982 führten die indonesische Regierung und die UNESCO mit Unterstützung vieler Länder eine umfassende Restaurierung unter Leitung des Archäologen R. Soekmono durch. Etwa eine Million Steine wurden abgenommen, gereinigt, erfasst und auf neuen Betonfundamenten mit moderner Entwässerung wieder eingesetzt. 1991 wurde Borobudur in die Welterbeliste aufgenommen. Seitdem war es weiteren Gefahren ausgesetzt: Bomben beschädigten 1985 neun Stupas; Asche der Ausbrüche des Merapi 2010 und des Kelud 2014 bedeckte das Bauwerk. Der starke Besucherverkehr hat zudem die Stufen abgenutzt. Deshalb wurden Treppen mit Holz abgedeckt und die Zahl der Menschen begrenzt, die nach oben steigen dürfen.

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Mittel

Borobudur heute: Pilgerstätte, Nationalsymbol und Reiseziel

Die Mehrheit der Menschen in Indonesien ist heute muslimisch. Dennoch wird Borobudur im ganzen Land als Zeichen der langen Geschichte und der künstlerischen Leistungen Indonesiens geschätzt. Zugleich ist es für die buddhistische Minderheit des Landes und für Buddhisten aus dem Ausland eine lebendige religiöse Stätte. Sie kommen, um zu meditieren, das Bauwerk zu umrunden und Vesakh zu feiern. Die Bedürfnisse von Gläubigen, Touristen und Denkmalpflege miteinander in Einklang zu bringen, bleibt eine Aufgabe.

Seit den 1970er-Jahren ist der Tourismus stark gewachsen. Millionen Besucher haben der Region Einnahmen gebracht, aber auch Steinabrieb, Abfall und Gedränge verursacht. Nachdem Untersuchungen eine starke Abnutzung der Treppen gezeigt hatten, ließen die Behörden einige Treppen mit Holz abdecken. In den vergangenen Jahren haben sie zudem die tägliche Zahl der Menschen begrenzt, die das Bauwerk besteigen dürfen, und Führungen sowie besonderes Schuhwerk vorgeschrieben.

Auch die Landschaft um Borobudur gehört zum Erbe. Dörfer, Reisfelder und der Blick auf die Vulkane Merapi, Merbabu, Sumbing und Sindoro prägen die Umgebung des Bauwerks. Planer versuchen, sie durch Schutzgebiete und Parks zu bewahren. Menschen aus den umliegenden Gemeinden, von denen viele vom Tourismus leben, fühlten sich bei Entscheidungen über die Stätte manchmal ausgeschlossen. Eine solche Debatte gibt es an vielen Welterbestätten.

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Fortgeschritten

Forschungsdebatten: Name, Datierung und Entwurf

Der Name: Das Wort Borobudur erscheint in frühen Inschriften nicht. Raffles vermutete, es bedeute „großer Buddha“. Andere brachten „budur“ mit einem javanischen Wort für „alt“ oder mit dem Sanskritwort bhudhara, „Berg“, in Verbindung. Der Inschriftenforscher J. G. de Casparis schlug anhand der Inschriften von Karangtengah aus dem Jahr 824 und Tri Tepusan aus dem Jahr 842 vor, der ursprüngliche Name sei Bhumisambhara-bhudhara gewesen: „der Berg der angesammelten Tugenden der zehn Stufen [des Bodhisattva]“. Diese Deutung war einflussreich, wird aber nicht allgemein anerkannt.

Der verborgene Fuß: Warum wurde der Karmavibhanga-Sockel verdeckt? Nach einer praktischen Erklärung befürchteten die Baumeister, das Bauwerk könne nach außen abrutschen, und verstärkten den Fuß deshalb mit Stein. Eine religiöse Erklärung besagt, dass die Darstellungen von Begierde und Hölle verborgen werden sollten oder dass die Abdeckung Teil der Weihe war. Die bautechnische Erklärung wird weithin bevorzugt, doch die Frage ist weiterhin offen.

Der ursprüngliche Plan: Forscher sind sich uneinig, ob der Bau zunächst als etwas anderes begonnen wurde – vielleicht als hinduistische oder einheimische Terrassenanlage, die später in eine buddhistische Stupa umgewandelt wurde. Auch das ursprüngliche Aussehen des Gipfels ist umstritten. Die Deutung anhand der drei Welten (Kamadhatu, Rupadhatu und Arupadhatu), die W. F. Stutterheim im frühen 20. Jahrhundert vorschlug, wurde ebenfalls kritisiert, weil sie sich nicht auf einen an der Stätte gefundenen Text stützt.

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Fortgeschritten

Belege, Hypothesen und Konservierungsforschung

1931 stellte der niederländische Künstler und Gelehrte W. O. J. Nieuwenkamp die These auf, die Kedu-Ebene sei einst ein See gewesen und Borobudur habe eine darauf schwimmende Lotusblüte dargestellt. Spätere Pollenanalysen fanden keine Spuren der Wasserpflanzen, die ein See hinterlassen hätte. Geländestudien in den 1980er-Jahren kamen zu dem Schluss, dass zur Bauzeit kein See das Bauwerk umgab. Deshalb wird die These im Allgemeinen verworfen.

Die wichtigsten Quellen zur Geschichte Borobudurs sind das Bauwerk selbst – seine Struktur, Steinmetzzeichen, Reliefstile und kurzen Inschriften am verborgenen Fuß, deren Schriftform bei der Datierung hilft –, einige Stein- und Kupferplatteninschriften aus Zentraljava, Vergleiche mit anderen Tempeln sowie die Aufzeichnungen über Freilegung und Restaurierung im 19. und 20. Jahrhundert. Fotografien von Isidore van Kinsbergen aus den 1870er-Jahren und von Kassian Cephas, der den verborgenen Fuß fotografierte, liefern wertvolle Belege für den früheren Zustand des Bauwerks.

Die Erhaltung des Bauwerks ist zu einem eigenen Forschungsgebiet geworden. Wissenschaftler beobachten Salzkristallbildung, Flechten und Moose auf dem Stein. Sie untersuchen, wie Vulkanasche und saurer Regen den Andesit beeinflussen, und messen die Auswirkungen der Besucherzahlen. Wie bei anderen großen Bauwerken gehören die Entscheidungen der Restaurierungen von 1907–1911 und 1975–1982 heute selbst zur Geschichte der Anlage. Forscher müssen ursprüngliche Teile von Rekonstruktionen unterscheiden.

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Kernideen

Stupa-Berg
Borobudur ist zugleich eine Stupa, ein Symbol des Buddha, und ein heiliger Berg, den Pilger hinaufsteigen.
Der Aufstieg als Lehre
Der Weg durch die Umgangsgalerien führt von Geschichten über Karma und frühere Leben zum ruhigen, offenen Gipfel – als Weg zur Erleuchtung.
Mandala
Von oben gesehen bildet der Grundriss ein heiliges Diagramm aus Quadraten und Kreisen um die Hauptstupa.
Erzählende Reliefs
Mehr als 1.400 Reliefplatten erzählen buddhistische Geschichten und bewahren Bilder des Alltags auf Java im 9. Jahrhundert.
Zusammenleben der Religionen
Das buddhistische Borobudur und das hinduistische Prambanan wurden innerhalb weniger Jahrzehnte von miteinander verbundenen Herrscherhöfen errichtet.
Landschaft der Rituale
Borobudur, Pawon und Mendut liegen auf einer Linie und wurden wahrscheinlich gemeinsam für Rituale genutzt.
Restaurierung als Geschichte
Die Freilegung in der Kolonialzeit, van Erps Restaurierung und das UNESCO-Projekt haben das Bauwerk geprägt, das wir heute sehen.

Einträge

  1. 778 n. Chr. — Die Inschrift von Kalasan liefert den frühesten eindeutigen Beleg für die Sailendra-Dynastie.
  2. um 780 n. Chr. — Der Bau von Borobudur beginnt.
  3. 824 n. Chr. — Die Inschrift von Karangtengah erwähnt ein buddhistisches Heiligtum, das unter Samaratunggas Herrscherlinie gegründet wurde.
  4. um 833 n. Chr. — Der Bau wird wahrscheinlich abgeschlossen.
  5. 842 n. Chr. — Die Inschrift von Tri Tepusan weist einem Heiligtum namens Bhumisambhara steuerfreies Land zu.
  6. um 929 n. Chr. — Unter Mpu Sindok zieht der javanische Königshof nach Ostjava.
  7. 1365 — Das Nagarakretagama erwähnt ein buddhistisches Heiligtum in Budur.
  8. 1814 — Raffles schickt H. C. Cornelius, um das Bauwerk freizulegen.
  9. 1885 — J. W. IJzerman entdeckt den verborgenen Fuß mit seinen Karmavibhanga-Reliefs.
  10. 1907 — Theodoor van Erp beginnt die erste große Restaurierung, die bis 1911 dauert.
  11. 1975 — Die Restaurierung durch Indonesien und die UNESCO beginnt; sie dauert bis 1982.
  12. 1991 — Die Tempelanlagen von Borobudur werden in die UNESCO-Welterbeliste eingetragen.

Glossar

Stupa
Ein meist kuppelförmiges buddhistisches Bauwerk, das ursprünglich Reliquien enthielt und für den Buddha und die Erleuchtung steht.
Candi
Das indonesische Wort für einen alten Tempel oder ein Heiligtum.
Relief
Eine in Stein oder ein anderes Material gearbeitete Darstellung, deren Figuren aus einem flachen Hintergrund hervortreten.
Mudra
Eine symbolische Handhaltung in der buddhistischen und hinduistischen Kunst.
Mandala
Ein heiliges Diagramm, das den Kosmos darstellt und bei Ritualen und Meditation verwendet wird.
Pradakshina
Das Umrunden eines heiligen Gegenstands im Uhrzeigersinn als Zeichen der Verehrung.
Jataka
Geschichten aus früheren Leben des Buddha, die sittliche Tugenden vermitteln.
Mahayana
Das „Große Fahrzeug“, eine bedeutende Richtung des Buddhismus, die Bodhisattvas und das Mitgefühl für alle Lebewesen betont.
Andesit
Ein graues Vulkangestein, aus dem Borobudur und viele andere javanische Tempel gebaut wurden.
Anastylose
Ein Restaurierungsverfahren, bei dem ein Bauwerk aus seinen ursprünglichen Teilen wieder zusammengesetzt und neues Material nur dort ergänzt wird, wo es nötig ist.
Sailendra
Die buddhistische Herrscherdynastie Zentraljavas, die Borobudur erbauen ließ.

Fragen und Antworten

Kann man Borobudur von innen besichtigen?

Nein. Es hat keine Innenräume. Das massive Steinbauwerk steht über einem Hügel. Besucher gehen durch die offenen Umgangsgalerien und über die Terrassen nach oben.

Wie viele Buddhafiguren gibt es?

Ursprünglich waren es 504. Seit der Wiederentdeckung des Bauwerks haben viele ihre Köpfe verloren oder wurden beschädigt oder fortgebracht.

Warum wurde Borobudur aufgegeben?

Der Königshof zog im frühen 10. Jahrhundert nach Ostjava, möglicherweise auch wegen Vulkanausbrüchen. Das Bauwerk verlor nach und nach seine Förderer. Später wurde die Mehrheit der Bevölkerung Javas muslimisch.

Wer entdeckte Borobudur?

Die Menschen vor Ort kannten den Hügel schon immer. 1814 schickte Raffles den Ingenieur H. C. Cornelius, um das Bauwerk freizulegen. Dadurch wurde es international bekannt.

Wird Borobudur noch für religiöse Zwecke genutzt?

Ja. Es ist ein bedeutender Wallfahrtsort, besonders zum Vesakh-Fest. Dann ziehen Buddhisten in einer Prozession von Mendut über Pawon nach Borobudur.

Warum ist der Sockel mit den Karma-Reliefs verborgen?

Wahrscheinlich sollte die Abdeckung das Bauwerk verstärken und ein Abrutschen verhindern. Einige Forscher vermuten jedoch religiöse Gründe. Fotografien der verborgenen Reliefs sind im Karmawibhangga-Museum zu sehen.

Wurde Borobudur mitten in einem See gebaut?

Diese Vermutung wurde 1931 geäußert. Spätere Forschungen fanden jedoch keine Belege dafür, dass zur Bauzeit ein See das Bauwerk umgab.

Warum fehlen so vielen Buddhafiguren die Köpfe?

Viele Köpfe wurden nach der Freilegung des Bauwerks im 19. Jahrhundert abgeschlagen oder gestohlen und an Sammler verkauft oder als Andenken mitgenommen. Einige befinden sich heute in Museen außerhalb Indonesiens; andere sind bis heute verschollen.

Quellen und weiterführende Literatur

  1. Borobudur Temple Compounds. UNESCO World Heritage Centre
  2. Borobudur. Wikipedia
  3. 보로부두르. 위키백과
  4. Borobudur Temple Compounds. Wikipedia
  5. Shailendra dynasty. Wikipedia
  6. Karmawibhangga Museum. Wikipedia
  7. Mendut. Wikipedia
  8. Gandavyuha Sutra. Wikipedia
  9. Jataka tales. Wikipedia
  10. John Miksic, Borobudur: Golden Tales of the Buddhas. Periplus Editions, 1990

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Mit KI-Unterstützung auf Grundlage der oben aufgeführten veröffentlichten Quellen verfasst und bei neuen Forschungsergebnissen überarbeitet.

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