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Für junge Leser
Stell dir einen Fluss vor, der eine Kurve wie ein riesiges Hufeisen macht. An seinem Ufer steht eine hohe Felswand. Vor langer Zeit wählten buddhistische Mönche und Handwerker in Indien eine solche Felswand nahe dem heutigen Ort Ajanta. Dort begannen sie, Räume direkt in den Stein zu hauen.
Sie bauten nicht mit Ziegeln. Mit Hämmern und Meißeln schlugen sie Stein heraus. Sie fingen oben an und arbeiteten sich nach unten vor. So entstanden im Felsen Hallen, Säulen, Statuen und kleine Schlafzimmer für die Mönche. Es war, als würden sie ein ganzes Gebäude aus einem Berg formen.
Einige Höhlen waren Gebetshallen. Ihre hohen, gewölbten Decken sahen aus wie das Innere eines umgedrehten Bootes. Am Ende jeder Halle stand ein Stupa, ein Heiligtum mit einer Kuppel. Andere Höhlen waren Klöster. Dort lebten, lernten und meditierten die Mönche in kleinen Räumen rund um eine große Halle.
Dann bemalten Künstler die Wände und Decken. Sie malten Prinzen und Prinzessinnen, Elefanten und Affen, Tänzer und Musiker. Viele Bilder erzählen Geschichten aus früheren Leben des Buddha. In diesen Geschichten wurde er zum Beispiel als Tier oder als König geboren und versuchte immer, freundlich und großzügig zu sein.
Nach einigen Jahrhunderten nutzte niemand die Höhlen mehr. Der Wald verdeckte sie nach und nach. Im Jahr 1819 entdeckte ein britischer Offizier bei der Tigerjagd auf der anderen Seite des Flusses einen Höhleneingang. Bald kamen Menschen aus aller Welt, um die Höhlen zu sehen. Heute gehören die Ajanta-Höhlen zum UNESCO-Welterbe.
Auf einen Blick
- Lage
- Hufeisenförmige Schlucht des Flusses Waghur, Distrikt Chhatrapati Sambhajinagar (Aurangabad), Maharashtra, Indien
- Anzahl
- Etwa 30 Felsenhöhlen (nach ihrer Lage von Ost nach West mit 1–29 sowie 15A nummeriert, nicht nach ihrem Alter)
- Erste Bauphase
- Etwa vom 2.–1. Jahrhundert v. Chr. bis in die ersten Jahrhunderte n. Chr., während der Satavahana-Zeit (Höhlen 9, 10, 12, 13, 15A)
- Zweite Bauphase
- 5. Jahrhundert n. Chr. unter der Vakataka-Dynastie; Walter Spink datiert die meisten Arbeiten auf etwa 460–480, andere Forscher bis ins 6. Jahrhundert
- Bautypen
- Chaitya-Hallen für die Verehrung (Höhlen 9, 10, 19, 26; Höhle 29 blieb unvollendet) und Viharas (Klöster)
- Kunst
- Wandmalereien (besonders in den Höhlen 1, 2, 16 und 17), Reliefs und Buddha-Darstellungen; viele Szenen aus den Jātaka-Erzählungen
- Religion
- Buddhistisch; frühe Höhlen ohne Buddha-Darstellungen, spätere Höhlen mit Buddha-Darstellungen in Schreinen als Ausdruck einer vom Mahāyāna beeinflussten Praxis
- Schutzstatus
- UNESCO-Welterbe (1983); geschützt vom Archaeological Survey of India
Einfach
Was sind die Ajanta-Höhlen?
Die Ajanta-Höhlen sind eine Gruppe von etwa dreißig buddhistischen Denkmälern, die in eine Basaltwand in den Hügeln des nördlichen Maharashtra im Westen Indiens gehauen wurden. Sie liegen entlang der Außenseite einer tiefen, hufeisenförmigen Biegung des Flusses Waghur. Das stille Tal lag einst weit von Städten entfernt, aber nahe wichtigen Handelswegen über das Dekkan-Plateau.
Die Höhlen entstanden in zwei Hauptphasen. Die erste begann etwa im 2. oder 1. Jahrhundert v. Chr.; die zweite und wesentlich umfangreichere fand im 5. Jahrhundert n. Chr. unter der Vakataka-Dynastie statt. Jede Höhle ist entweder eine Gebetshalle (Chaitya) oder ein Kloster (Vihara). Zusammen bildeten sie eine Gemeinschaft, in der Mönche lebten und beteten sowie Pilger und Stifter empfingen.
Ajanta ist weltweit für seine Malereien bekannt. Die Wandbilder in den Höhlen 1, 2, 16 und 17 bilden die größte erhaltene Gruppe altindischer Wandmalereien. Wegen ihrer anmutigen Figuren, kräftigen Farben und lebendigen Erzählweise gelten sie häufig als einer der Höhepunkte indischer Kunst. Die Höhlen enthalten auch bedeutende Skulpturen, von monumentalen Buddha-Figuren bis zu verzierten Säulen und Türöffnungen.
Einfach
Wie man eine Höhle „liest“
Eine Chaitya-Halle ist ein langer, hoher Raum mit einem abgerundeten Ende, ähnlich der Apsis einer Kirche. Säulenreihen trennen einen breiten Mittelgang von schmalen Seitengängen. Die Decke bildet ein hohes Tonnengewölbe. In den frühen Höhlen wurden Rippen hineingehauen, die Holz nachahmen und an ältere Holzbauten erinnern. Am abgerundeten Ende steht ein Stupa, ein kuppelförmiges Denkmal für das endgültige Eingehen des Buddha ins Nirwana. Die Gläubigen gingen im Uhrzeigersinn um ihn herum. Über dem Eingang lässt ein großes hufeisenförmiges Fenster Licht auf den Stupa fallen.
Ein Vihara ist ein Kloster. Meist besitzt es eine quadratische Mittelhalle mit kleinen Zellen ringsum. Jede Zelle war ein Schlafzimmer für ein oder zwei Mönche und hatte eine Steinbank als Bett. Davor liegt eine Veranda mit Säulen. In den späteren Viharas wurde gegenüber dem Eingang ein Schrein in die Rückwand gehauen. Er enthielt eine große sitzende Buddha-Figur, sodass das Kloster auch zu einem Ort der Verehrung wurde.
Fast alle Flächen waren bemalt: Wände, Säulen und Decken. Die Wände zeigen meist lange Geschichten. Ihre einzelnen Szenen gehen ohne Rahmen ineinander über, sodass man den Figuren über die Wand folgen muss. Auf den Decken sind Blumen, Tiere, Vögel und geometrische Muster zu sehen, wie auf einem bemalten Baldachin.
Die Höhlen sind vom östlichen Ende mit 1 bis zum westlichen Ende mit 29 nummeriert; 15A wurde später ergänzt. Die Nummern richten sich nach der Lage in der Felswand und nicht nach dem Alter. Deshalb liegen die ältesten Höhlen, 9, 10, 12 und 13, mitten in der Reihe.
Einfach
Geschichten an den Wänden
Viele Malereien zeigen Jātakas, Geschichten aus früheren Leben des Buddha. Darin wird der spätere Buddha, Bodhisattva genannt, als Prinz, Kaufmann, Elefant, Hirsch oder Affe geboren. Jedes Mal zeigt er eine Tugend wie Großzügigkeit, Geduld oder Mitgefühl. Im Vishvantara-Jātaka in Höhle 17 verschenkt ein Prinz zum Beispiel alles, was er besitzt, sogar seine Familie: ein äußerster Ausdruck von Großzügigkeit. Andere Szenen zeigen das Leben des historischen Buddha: seine Geburt, den Abschied vom Palast, seine Erleuchtung und seine Lehre.
Die beiden berühmtesten Einzelfiguren sind die Bodhisattvas beiderseits der Tür zum Schrein in Höhle 1. Einer wird meist als Padmapani („Lotus in der Hand“) bezeichnet. Er hält eine blaue Lotusblume, neigt sanft den Kopf und senkt die Augen in stillem Mitgefühl. Der andere ist Vajrapani. Diese überlebensgroßen Figuren gehören zu den bekanntesten Bildern der indischen Kunst.
Die Malereien zeigen auch viele Einzelheiten des täglichen Lebens: Paläste und Straßen, Könige und Höflinge, Frauen mit aufwendigem Schmuck, Musiker, Tänzer, Soldaten, Schiffe, Pferde und Elefanten, Fremde in ungewöhnlicher Kleidung und Waldtiere. Eine bekannte Szene in Höhle 16, oft „die sterbende Prinzessin“ genannt, zeigt eine trauernde Frau. Sie wird meist als Sundari gedeutet, die Frau von Nanda, dem Halbbruder des Buddha, als sie erfährt, dass er Mönch geworden ist. Für Historiker bieten diese Bilder Einblicke in die höfische Kultur Indiens im 5. Jahrhundert.
Mittel
Die erste Phase: frühe buddhistische Höhlen
Die ältesten Höhlen gehören zu einer weitverbreiteten Tradition buddhistischer Felsarchitektur im westlichen Dekkan. Zu ihr zählen auch Stätten wie Bhaja, Karla und Pitalkhora. Die Höhlen entstanden in der Zeit, als die Satavahana-Dynastie die Region beherrschte, etwa ab dem 2. Jahrhundert v. Chr. Die Höhlen 9 und 10 sind Chaitya-Hallen; die Höhlen 12, 13 und 15A sind kleine Klöster.
Diese frühen Höhlen sind anikonisch: Der Buddha wird nicht in menschlicher Gestalt dargestellt. Im Mittelpunkt der Verehrung stand der Stupa; wo eine Darstellung des Buddha nötig war, verwendete man Symbole. Inschriften verzeichnen Gaben einzelner Stifter. Sie zeigen, dass neben Mönchen auch buddhistische Laien, darunter Kaufleute und Familien, die Höhlen unterstützten.
Höhle 10, wahrscheinlich die älteste Chaitya-Halle von Ajanta, bewahrt Reste der ältesten Malereien. Dazu gehört eine königliche Prozession, die sich einem heiligen Baum nähert. Der Stil mit kräftigen Figuren und lebhaften Menschenmengen erinnert an die Skulpturen früher Stupas wie des Stupas von Sanchi. Nach dieser ersten Phase scheint die Bautätigkeit in Ajanta für mehrere Jahrhunderte aufgehört oder stark nachgelassen zu haben.
Mittel
Die zweite Phase: die Blütezeit der Vakataka
Im 5. Jahrhundert n. Chr. herrschte die Vakataka-Dynastie über weite Teile Zentralindiens und des Dekkan. Unter Kaiser Harishena (Regierungszeit etwa 460–477) förderten Mitglieder seines Hofes zahlreiche neue Arbeiten in Ajanta. Harishena selbst war ein hinduistischer Herrscher; die Vakataka verehrten Shiva. Zu seinen Ministern und Vasallen gehörten jedoch gläubige Buddhisten. Herrscherfamilien unterstützten damals häufig mehrere Religionen.
Inschriften nennen einige der Stifter. Varahadeva, ein Minister Harishenas, stiftete Höhle 16 und ließ dort eine lange Inschrift anbringen, die die Vakataka-Könige beschreibt. Upendragupta, ein lokaler Herrscher unter Harishena, förderte die Höhlen 17 bis 20. Ein Mönch namens Buddhabhadra stiftete zusammen mit einem Minister des Königs der benachbarten Region Ashmaka die große Chaitya-Halle 26. Ihre Inschrift spricht von einem Denkmal am Berg, das so lange wie Sonne und Mond bestehen werde.
Die Höhlen dieser Phase sind größer und reicher ausgestattet als die der ersten. Nun erscheinen überall Buddha-Darstellungen: sitzend in den Schreinen an den Rückwänden der Viharas, stehend vor den Stupas in den neuen Chaitya-Hallen 19 und 26 sowie als Reliefs an den Fassaden. Höhle 26 enthält einen riesigen liegenden Buddha, der sein Parinirwana, sein endgültiges Verlöschen, darstellt. Ein eindrucksvolles Relief zeigt außerdem den Angriff des Dämons Mara und die Versuchung durch dessen Töchter.
Nach Ansicht des Historikers Walter Spink gingen die Arbeiten sehr schnell voran: Sie begannen etwa 460–462, wurden um 468 durch die Bedrohung durch die Ashmaka gestört und endeten nach Harishenas Tod im Jahr 477 abrupt. Viele Höhlen blieben unvollendet; manche Schreine wurden eilig fertiggestellt. Andere Forscher vertreten eine längere Chronologie, die weiter unten erläutert wird.
Mittel
Wie die Höhlen gehauen und bemalt wurden
Die Höhlen wurden von oben nach unten aus dem Fels gehauen. Die Arbeiter schlugen zunächst einen schmalen Gang auf Höhe der künftigen Decke und erweiterten ihn dann nach unten und zu den Seiten. Dabei entfernten sie den Fels schrittweise und ließen Säulen, Statuen und Wände an den geplanten Stellen stehen. Unvollendete Höhlen in Ajanta zeigen alle Schritte dieses Verfahrens, von groben Steinblöcken bis zu fertigen Skulpturen. Damit lässt sich die Technik der Felsbearbeitung dort besonders gut nachvollziehen.
Die Malereien sind keine echten Fresken, bei denen wie in Italien auf feuchten Kalkputz gemalt wird. Sie wurden auf einem trockenen Untergrund ausgeführt; diese Technik wird bisweilen Tempera- oder Secco-Malerei genannt. Auf den rauen Fels trug man zuerst eine Schicht Lehm oder Schlamm auf, der mit organischem Material wie Pflanzenfasern vermischt war. Darüber kam eine dünne Kalkschicht. Auf diesem Untergrund arbeiteten die Maler mit Farbpigmenten, die durch Leim gebunden wurden. Die Farben stammten hauptsächlich aus örtlichen Erden, etwa rotem und gelbem Ocker, sowie aus Weiß, Rußschwarz und grünen Mineralien. Für Blau soll auch eingeführter Lapislazuli verwendet worden sein.
Die Maler beherrschten ihr Handwerk hervorragend. Mit Schattierungen formten sie Gesichter und Körper, mit kräftigen Umrisslinien erzeugten sie Bewegung. Durch Körperhaltung und Gesten drückten sie Gefühle aus. Forscher erkennen in ihren Werken die verfeinerte Ästhetik wieder, die in Sanskrit-Texten über Malerei und Dichtung aus der Gupta-Vakataka-Zeit beschrieben wird. Dazu gehört das Ideal des Rasa, der emotionalen Wirkung, die ein Kunstwerk beim Publikum hervorrufen soll.
Mittel
Aufgabe der Höhlen, Wiederentdeckung und Kopien
Nach dem 5. oder 6. Jahrhundert wurden die Höhlen allmählich nicht mehr genutzt. Manche späteren Reisenden könnten sie gekannt haben. Der chinesische Pilger Xuanzang beschrieb im 7. Jahrhundert ein Kloster in der Region Maharashtra, das viele Forscher mit Ajanta gleichsetzen, auch wenn er es möglicherweise nicht selbst besuchte. Die Menschen in der Umgebung wussten stets, dass es die Höhlen gab. Doch Pflanzen und Geröll verdeckten viele Eingänge, und außerhalb der Region war die Stätte unbekannt.
Am 28. April 1819 führte ein einheimischer Hirtenjunge den britischen Kavallerieoffizier John Smith, der auf Tigerjagd war, zur Höhle 10. Smith ritzte seinen Namen und das Datum in eine bemalte Säule; beides ist noch heute zu sehen. Es erinnert daran, dass die Wiederentdeckung auch Schäden mit sich brachte. Die Nachricht verbreitete sich schnell, und Ajanta wurde bald unter Kolonialbeamten, Gelehrten und Künstlern bekannt.
Weil die Malereien empfindlich waren, versuchte man in mehreren Projekten, sie zu kopieren. Major Robert Gill arbeitete von 1844 bis 1863 vor Ort und fertigte viele große Kopien an. Die meisten wurden jedoch 1866 bei einem Brand im Londoner Crystal Palace zerstört. Ab 1872 schufen John Griffiths und seine Schüler von der Bombay School of Art in dreizehn Jahren etwa 300 Kopien; mehr als hundert gingen 1885 bei einem weiteren Brand in London verloren. Griffiths’ Team überzog außerdem einige Malereien mit Firnis, damit sie besser zu erkennen waren. Dieser Überzug dunkelte später nach und beschädigte die Bilder. Zwischen 1909 und 1911 fertigte Christiana Herringham mit Schülern der Calcutta School of Art, darunter der spätere Maler Nandalal Bose, weitere Kopien an. Sie wurden 1915 veröffentlicht.
In den 1920er-Jahren gehörte die Region zum Fürstenstaat Hyderabad. Sein Herrscher, der Nizam Mir Osman Ali Khan, unterstützte die Erhaltung der Höhlen. Er beschäftigte unter anderem die italienischen Restauratoren Lorenzo Cecconi und Graf Orsini und ließ eine Straße zur Stätte bauen. Der Archäologe Ghulam Yazdani veröffentlichte eine mehrbändige fotografische Dokumentation der Malereien. Seit der Unabhängigkeit Indiens stehen die Höhlen unter dem Schutz des Archaeological Survey of India. 1983 wurden sie in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen.
Mittel
Einfluss und Nachwirkung
Ajanta gehörte zu einem Netz buddhistischer Stätten, die durch Mönche, Kaufleute und Künstler über Südasien hinaus verbunden waren. Der Stil seiner Malereien wird häufig mit den Wandbildern von Sigiriya aus dem 5. Jahrhundert in Sri Lanka verglichen, ebenso mit buddhistischen Höhlenmalereien entlang der Seidenstraße in Zentralasien und China. Auch zu den Wandmalereien aus dem 7. Jahrhundert in der Goldenen Halle des Hōryū-ji in Japan werden Vergleiche gezogen; diese wurden 1949 durch ein Feuer beschädigt. Ob solche Ähnlichkeiten auf unmittelbaren Einfluss oder auf einen gemeinsamen, in Asien verbreiteten buddhistischen Stil zurückgehen, ist umstritten.
Im nahe gelegenen Ellora wurde die Felsarchitektur in den folgenden Jahrhunderten weiterentwickelt. Dort entstanden buddhistische, hinduistische und jainistische Höhlen nebeneinander. Viele Gestaltungselemente, die in Ajanta zuerst ausgearbeitet worden waren, wurden dort weitergeführt.
In der Neuzeit hat Ajanta indische Künstler stark beeinflusst. Die Kopien von Herringhams Team und die Mitarbeit von Schülern wie Nandalal Bose regten die Bengalische Schule bei ihrer Suche nach einer modernen indischen Kunst an, die an ältere Traditionen anknüpft. Für viele Menschen in Indien ist Ajanta ein Symbol des klassischen Kulturerbes des Landes. Die Malereien erscheinen in Schulbüchern, auf Briefmarken und in der Populärkultur. Bei der Erforschung späterer ostasiatischer Höhlentempel wie Seokguram in Korea wird Ajanta zudem oft als Ausgangspunkt der indischen Felsarchitektur genannt.
Mittel
Herausforderungen bei der Erhaltung
Die Malereien von Ajanta sind äußerst empfindlich. Feuchtigkeit dringt durch den Fels; Insekten und Mikroorganismen setzen den Bildern zu. Hinzu kommen alte Firnisse und Restaurierungen aus dem 19. und 20. Jahrhundert sowie Staub, Luftfeuchtigkeit und Körperwärme der vielen Besucher. Auch Licht schädigt die Farbpigmente. Deshalb sind die Höhlen nur schwach beleuchtet, und Fotografieren mit Blitz ist verboten.
Der Archaeological Survey of India hat die Malereien gereinigt und gefestigt, zum Teil gemeinsam mit internationalen Partnern. Zudem ist die Zahl der Menschen begrenzt, die sich gleichzeitig in den empfindlichsten Höhlen aufhalten dürfen. Einige Forscher, darunter Spink, kritisierten jüngere Reinigungsarbeiten als zu eingreifend. Restauratoren betonen dagegen, dass schädliche alte Überzüge entfernt werden müssen. Wie bei vielen bemalten Stätten gilt es, Besuche und Erhaltung miteinander zu vereinbaren.
2012 kündigte die staatliche Tourismusgesellschaft Pläne für Nachbildungen der Höhlen 1, 2, 16 und 17 in Originalgröße an. Sie sollten in einem Besucherzentrum nahe dem Eingang entstehen und den Andrang in den Originalhöhlen verringern. Digitale Dokumentation, darunter hochauflösende Fotografie, ist heute ein wichtiges Mittel, um die Malereien vor weiterem Verfall festzuhalten.
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Die Debatte über die Datierung
Die Datierung der zweiten Phase von Ajanta gehört zu den meistdiskutierten Fragen der südasiatischen Kunstgeschichte. Walter M. Spink, der die Stätte mehr als ein halbes Jahrhundert lang erforschte, schlug eine „kurze Chronologie“ vor: Fast alle späteren Höhlen seien innerhalb von weniger als zwanzig Jahren, ungefähr zwischen 460 und 480 n. Chr., unter Harishena und seinem Hof entstanden. Er rekonstruierte den Ablauf Jahr für Jahr anhand veränderter Baudetails wie der Formen von Türen und Säulen, unvollendeter Arbeiten und Spuren hastiger Planänderungen. Diese Befunde verband er mit politischen Ereignissen, besonders der Bedrohung durch die Ashmaka und Harishenas Tod.
Andere Forscher, darunter Karl Khandalavala und Hans Bakker, vertreten eine längere Bauzeit bis ins späte 5. oder 6. Jahrhundert. Auch der Archaeological Survey of India hat die Arbeiten als bis zur Mitte des 6. Jahrhunderts andauernd beschrieben. Kritiker der kurzen Chronologie weisen darauf hin, dass sie sich stark auf stilistische Überlegungen und Annahmen über die Arbeitsgeschwindigkeit stützt, während es nur wenige datierbare Inschriften gibt. Befürworter entgegnen, dass die vielen miteinander verknüpften Befunde vor Ort eine kurze Zeitspanne plausibel machen.
Die Debatte ist wichtig, weil Ajanta als Bezugspunkt für die Datierung anderer Kunstwerke in Süd- und Südostasien dient. Entstanden die Malereien in zwei Jahrzehnten durch eine einzige Generation, so bezeugen sie eine außergewöhnliche kurze Phase der Förderung. Entstanden sie über ein Jahrhundert hinweg, dokumentieren sie eine längere Entwicklung von Stil und künstlerischer Praxis. Spinks ausführliche Buchreihe Ajanta: History and Development (Brill, ab 2005) bleibt auch für diejenigen grundlegend, die seinen Schlussfolgerungen widersprechen.
Fortgeschritten
Deutung: Stifter, Religion und die Zuordnung der Szenen
Zu bestimmen, was die Malereien zeigen, ist selbst eine wissenschaftliche Aufgabe. Viele Wandbilder sind beschädigt. Ihre Geschichten stammen aus buddhistischen Texten in Sanskrit und Pali, die sich zum Teil voneinander unterscheiden. Forscher wie Dieter Schlingloff haben jahrzehntelang Szenen mit schriftlichen Quellen verglichen und dabei ältere Zuordnungen korrigiert. Selbst berühmte Bilder wie „die sterbende Prinzessin“ oder die Padmapani genannte Figur werden nach gängiger Deutung benannt; es gibt auch andere Lesarten.
Eine weitere Frage betrifft den religiösen Charakter der späteren Höhlen. Das Auftreten von Buddha-Darstellungen, Bodhisattvas wie Avalokiteshvara und Schreinen in den Klöstern wird häufig mit dem Mahāyāna-Buddhismus verbunden. Viele Forscher warnen jedoch davor, die Lage zu vereinfachen: Die Mönche von Ajanta könnten traditionelle Klosterregeln befolgt und zugleich an neuen Formen der Verehrung teilgenommen haben. Auch die Bezeichnungen „Hinayana“ und „Mahayana“ erfassen diese komplexere Situation nur unzureichend.
Schließlich zeigen die Höhlen, wie religiöse Kunst finanziert wurde. Inschriften nennen königliche Minister, lokale Könige, Mönche und Laien als Stifter, die für sich und ihre Familien religiöses Verdienst erwerben wollten. Dass der Hof eines hinduistischen Kaisers einige der bedeutendsten buddhistischen Kunstwerke Indiens förderte, erinnert daran, dass religiöse Zugehörigkeiten im 5. Jahrhundert oft weniger ausschließlich waren, als heutige Kategorien vermuten lassen. Kunst, Politik und Frömmigkeit waren eng miteinander verflochten.
Kernideen
- Felsarchitektur
- Gebäude entstehen, indem man festen Fels weghaut, statt Steinblöcke aufeinanderzusetzen. Ajanta ist ein bedeutendes Beispiel.
- Chaitya und Vihara
- Die beiden Höhlentypen: eine Gebetshalle mit einem Stupa und ein Kloster mit Zellen für Mönche.
- Vom Symbol zum Bild
- In den frühen Höhlen wird der Buddha durch den Stupa verehrt; in den späteren gibt es viele Buddha-Darstellungen. Das spiegelt Veränderungen in der buddhistischen Praxis wider.
- Erzählende Malerei
- Lange, zusammenhängende Geschichten an den Wänden, besonders die Jātakas, vermitteln buddhistische Tugenden durch lebendige Alltagsszenen.
- Förderung durch Herrscher und Laien
- Minister, lokale Könige, Mönche und andere Stifter bezahlten die Höhlen, um religiöses Verdienst zu erwerben.
- Kurze oder lange Chronologie
- Forscher diskutieren, ob die späteren Höhlen in etwa zwanzig Jahren oder im Lauf eines Jahrhunderts entstanden.
- Erhaltung und Besichtigungen
- Die Malereien sind empfindlich. Um sie zu schützen, muss begrenzt werden, wie viele Menschen sie besuchen und ansehen können.
Einträge
- um 150 v. Chr. — Im 2. oder 1. Jahrhundert v. Chr. beginnt die Anlage der ersten Höhlen, darunter die Höhlen 9 und 10.
- um 100 n. Chr. — Die erste Bauphase endet; die Arbeiten in Ajanta ruhen für mehrere Jahrhunderte.
- um 460 n. Chr. — Harishena wird Kaiser der Vakataka; bald darauf beginnt in Ajanta eine neue Bauphase.
- um 468 n. Chr. — Nach Spink unterbricht die Bedrohung durch das Königreich Ashmaka einen großen Teil der Arbeiten.
- um 477 n. Chr. — Harishena stirbt; nach Spink enden die Arbeiten bald darauf, und viele Höhlen bleiben unvollendet.
- um 640 n. Chr. — Xuanzang beschreibt ein Kloster in Maharashtra, das häufig mit Ajanta gleichgesetzt wird.
- 1819 — Der britische Offizier John Smith erreicht bei einer Tigerjagd die Höhle 10.
- 1844 — Robert Gill beginnt, die Malereien zu kopieren (bis 1863).
- 1866 — Die meisten Kopien Gills werden beim Brand des Crystal Palace in London zerstört.
- 1872 — John Griffiths und seine Schüler beginnen ein dreizehnjähriges Projekt zum Kopieren der Malereien.
- 1909 — Christiana Herringhams Team, dem auch Nandalal Bose angehört, beginnt mit dem Kopieren (bis 1911).
- 1983 — Die Ajanta-Höhlen werden in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen.
Glossar
- Chaitya (Chaitya-Griha)
- Eine buddhistische Gebetshalle mit einem Stupa am Ende, oft mit abgerundetem Grundriss und gewölbter Decke.
- Vihara
- Ein buddhistisches Kloster, meist mit einer Mittelhalle und kleinen Zellen ringsum.
- Stupa
- Ein kuppelförmiges Denkmal, das ursprünglich Reliquien enthielt und für das Nirwana des Buddha steht.
- Jātaka
- Eine Geschichte aus einem früheren Leben des Buddha.
- Bodhisattva
- Ein Wesen auf dem Weg zur Buddhaschaft; in den Jātakas der Buddha in seinen früheren Leben, im Mahāyāna ein mitfühlender Helfer anderer.
- Anikonisch
- Eine heilige Gestalt wird durch Symbole statt in menschlicher Form dargestellt.
- Tempera / Secco
- Malerei auf einer trockenen Wandfläche mit Farbpigmenten, die mit einem Bindemittel vermischt sind, wie in Ajanta.
- Vakataka-Dynastie
- Eine Dynastie, die vom 3. bis zum 5. Jahrhundert n. Chr. über große Teile Zentralindiens und des Dekkan herrschte.
- Parinirwana
- Das endgültige Verlöschen des Buddha, in Ajanta durch eine liegende Figur dargestellt.
- Felsgehauen
- Direkt aus natürlichem Fels herausgearbeitet statt gebaut.
Fragen und Antworten
Waren die Ajanta-Höhlen natürliche Höhlen?
Nein. Menschen hauten sie mit Hämmern und Meißeln aus festem Fels. Dabei arbeiteten sie in jeder Höhle von oben nach unten.
Wie alt sind die Malereien?
Die ältesten Reste stammen etwa aus dem 2. oder 1. Jahrhundert v. Chr. Die meisten berühmten Malereien entstanden im 5. Jahrhundert n. Chr.
Wer lebte in den Höhlen?
Buddhistische Mönche lebten in den Klöstern. Sie schliefen in kleinen Zellen aus Stein und kamen in den Hallen zum Beten und Lernen zusammen. Stifter unterstützten sie.
Warum gerieten die Höhlen in Vergessenheit?
Nach dem 5. oder 6. Jahrhundert verlor das Kloster an Bedeutung, und der Wald verdeckte viele Eingänge. Die Menschen vor Ort kannten die Höhlen, doch außerhalb der Region wurden sie erst nach 1819 bekannt.
Warum bezahlte der Hof eines hinduistischen Kaisers buddhistische Höhlen?
Im alten Indien wurden oft mehrere Religionen gefördert. Harishena war Hindu, aber seine buddhistischen Minister und Vasallen stifteten Höhlen. Herrscher unterstützten häufig verschiedene Traditionen.
Wann genau entstanden die späteren Höhlen?
Walter Spink nimmt ungefähr die Jahre 460–480 n. Chr. an. Andere Forscher und der Archaeological Survey of India gehen davon aus, dass die Arbeiten bis ins 6. Jahrhundert andauerten. Die Frage ist weiterhin umstritten.
Sind die Malereien echte Fresken?
Nicht im italienischen Sinn. Sie wurden auf einen trockenen Untergrund aus Lehmputz und Kalk gemalt. Diese Technik wird oft Tempera oder Secco genannt.
Quellen und weiterführende Literatur
- Ajanta Caves. Wikipedia
- Ajanta Paintings. Wikipedia
- Harishena. Wikipedia
- Vakataka dynasty. Wikipedia
- Christiana Herringham. Wikipedia
- Ajanta Caves. UNESCO World Heritage Centre
- 아잔타 석굴. Wikipedia (Korean)
- Walter M. Spink, Ajanta: History and Development (multi-volume). Brill, 2005–2017
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- SeokguramEine buddhistische Grotte aus dem 8. Jahrhundert nahe Gyeongju, bekannt für ihren Buddha aus Granit und die umgebenden Skulpturen.
- BorobudurEin großes buddhistisches Monument in Zentraljava, das ungefähr im 8. und 9. Jahrhundert errichtet wurde.
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- KalidasaEin Sanskrit-Dichter und Dramatiker, dessen Werke zu den bedeutenden Zeugnissen der klassischen indischen Literatur zählen.
Mit KI-Unterstützung auf Grundlage der oben aufgeführten veröffentlichten Quellen verfasst und bei neuen Forschungsergebnissen überarbeitet.
