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Für junge Leser
Stell dir eine riesige Kugel vor, so hoch wie ein Haus mit vierzehn Stockwerken. Stell dir nun einen Raum vor, in den diese Kugel genau hineinpasst: Sie berührt den Boden und ganz oben die Decke. So ist das Pantheon in Rom gebaut. Sein runder Raum ist genauso breit wie hoch. Sein Dach sieht aus wie eine halbe Kugel und heißt Kuppel.
Ganz oben in der Kuppel ist ein rundes Loch, ungefähr so breit wie ein kleines Haus. Es hat keine Glasscheibe. Sonnenlicht fällt hindurch und bildet einen hellen Kreis. Im Lauf des Tages wandert er langsam über Wände und Boden, ähnlich wie ein Uhrzeiger. Wenn es regnet, fällt der Regen direkt hinein. Kleine Löcher im Boden lassen das Wasser abfließen.
Die alten Römer bauten die Kuppel aus Beton. Das ist eine Art künstlicher Stein: Zuerst ist er weich wie Schlamm, dann wird er hart. Die Bauleute hatten eine kluge Idee. Unten mischten sie schwere Steine in den Beton, weiter oben leichte Steine aus einem Vulkan. So wurde das Dach nicht zu schwer. Sie benutzten keine Stahlstäbe. Trotzdem steht die Kuppel seit etwa 1.900 Jahren.
Das Wort „Pantheon“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet ungefähr „für alle Götter“. Später wurde das Gebäude eine christliche Kirche. Auch deshalb blieb es so gut erhalten: Die Menschen nutzten es weiter und kümmerten sich darum. Noch heute ist es eine Kirche. Dort liegen auch berühmte Menschen begraben, zum Beispiel der Maler Raffael und zwei Könige Italiens.
Vor dem runden Raum steht eine Vorhalle mit sechzehn riesigen Steinsäulen. Jede Säule besteht aus einem einzigen Stück Granit. Sie ist höher als vier Erwachsene, die aufeinander stehen. Die Säulen wurden mit Schiffen aus Ägypten hergebracht.
Auf einen Blick
- Erbaut
- Heutiges Gebäude ca. 114–125 n. Chr. (möglicherweise einige Jahre später fertiggestellt), unter Trajan begonnen und unter Hadrian vollendet; ersetzte einen Tempel, den Marcus Agrippa in den 20er-Jahren v. Chr. errichten ließ
- Ort
- Marsfeld (Campus Martius), heute Piazza della Rotonda im Zentrum von Rom, Italien
- Bauwerk
- Römischer Tempel, später christliche Kirche (seit 609 n. Chr.)
- Kuppel
- Innendurchmesser etwa 43,3 m, ebenso groß wie die Höhe vom Boden bis zum Scheitel; bis heute die größte Kuppel aus unbewehrtem Beton weltweit
- Opaion
- Runde, offene Lichtöffnung mit etwa 9 m Durchmesser am Scheitel der Kuppel
- Säulenvorhalle
- 16 monolithische Granitsäulen, jeweils etwa 11,9 m hoch, in Ägypten gewonnen
- Inschrift
- „M·AGRIPPA·L·F·COS·TERTIVM·FECIT“ — „Marcus Agrippa, Sohn des Lucius, zum dritten Mal Konsul, hat dies errichtet“
- Status
- Teil des UNESCO-Welterbes „Historisches Zentrum von Rom“ (1980); weiterhin genutzte katholische Kirche
Einfach
Was ist das Pantheon?
Das Pantheon ist ein antikes römisches Bauwerk im Zentrum Roms. Es besteht aus drei Teilen: einer rechteckigen Säulenvorhalle (dem Portikus), einem hohen, mit Ziegeln verkleideten Mauerblock dahinter und einem riesigen runden Saal (der Rotunde) unter einer Kuppel. Vom Platz aus sieht die Vorhalle wie die Front eines traditionellen griechischen oder römischen Tempels aus. Erst hinter den Bronzetüren entdecken Besucher den weiten, runden und lichtdurchfluteten Innenraum.
Das heutige Gebäude entstand im frühen 2. Jahrhundert n. Chr., während der Regierungszeiten der Kaiser Trajan und Hadrian. Es ersetzte ein älteres Pantheon, das Marcus Agrippa in den 20er-Jahren v. Chr. errichten ließ. Agrippa war Freund, Feldherr und Schwiegersohn des ersten Kaisers Augustus. Das erste Gebäude brannte ab und wurde mehrmals wiederhergestellt, bevor man es vollständig ersetzte.
Das Pantheon ist vor allem aus drei Gründen berühmt. Erstens wegen seiner Kuppel mit etwa 43,3 m Durchmesser: Sie blieb über 1.300 Jahre lang die größte Kuppel der Welt und ist noch heute die größte jemals aus unbewehrtem Beton errichtete Kuppel. Zweitens wegen seiner Proportionen: Die Höhe vom Boden bis zum Scheitel der Kuppel entspricht dem Durchmesser der Rotunde. Eine gedachte Kugel würde also genau in den Innenraum passen. Drittens wegen seines Erhaltungszustands: Es ist das am besten erhaltene große Bauwerk des antiken Rom, besitzt noch sein Dach und wird weiterhin genutzt.
Seit 609 n. Chr. ist das Pantheon eine christliche Kirche. Ihr offizieller Name lautet Basilica di Santa Maria ad Martyres (Heilige Maria und die Märtyrer). Es gehört zum UNESCO-Welterbe des historischen Zentrums von Rom und zählt zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Italiens.
Einfach
Das Bauwerk verstehen: von der Tempelfront zur Kuppel als Himmelsbild
Wer das Pantheon betritt, geht vom Vertrauten zum Erstaunlichen. An der Front der Säulenvorhalle stehen acht Säulen. Dahinter folgen zwei Reihen mit jeweils vier weiteren Säulen, insgesamt also sechzehn. Darüber befinden sich ein dreieckiger Giebel, der einst Bronzeskulpturen trug, und die berühmte Inschrift mit Agrippas Namen. Diese Formen erkannte jeder Römer als Kennzeichen eines Tempels.
Zwischen der Säulenvorhalle und der Rotunde steht ein hoher rechteckiger Baukörper, der oft Zwischenblock genannt wird. Er verbindet zwei sehr unterschiedliche Formen: die geraden Linien der Tempelfront und die gekrümmte Außenwand der Rotunde. Architekten haben seit Langem bemerkt, dass der Übergang nicht ganz glatt ist. Über dem Dach der Vorhalle zeichnet sich am Zwischenblock beispielsweise schwach der Umriss eines zweiten, höheren Giebels ab. Deshalb vermuten manche Forscher, dass die Bauleute ihre Pläne während des Baus änderten.
Im Inneren der Rotunde liegt ein runder Boden, dessen farbige Marmor- und Granitplatten Muster aus Quadraten und Kreisen bilden. Die Wand des Rundbaus ist in zwei Geschosse gegliedert. Unten gibt es acht große Nischen: den Eingang, eine große Apsis gegenüber und sechs weitere, von Säulen gerahmte Nischen. Das obere Geschoss, die Attika, hatte ursprünglich ein Band aus Marmorplatten und kleinen Fenstern. Vieles von dem, was heute zu sehen ist, wurde 1747 umgestaltet. Ein Abschnitt der ursprünglichen Gestaltung wurde im 20. Jahrhundert rekonstruiert.
Darüber erhebt sich die Kuppel. Ihre Innenseite ist mit fünf Ringen aus je 28 vertieften Feldern, den Kassetten, versehen. Zum Scheitel hin werden sie kleiner. Sie lassen die Kuppel leichter wirken, verringern ihr Gewicht und lenken den Blick nach oben zum Opaion, der offenen Lichtöffnung am Scheitel. Viele Forscher deuten die Kuppel als Abbild des Himmels. Schon der römische Geschichtsschreiber Cassius Dio vermutete etwa ein Jahrhundert nach dem Neubau, der Name des Gebäudes könne mit seinem himmelsähnlichen Gewölbe zusammenhängen.
Das Licht ist der wichtigste Schmuck des Gebäudes. Weil das Opaion die einzige Fensteröffnung ist, wandert eine Sonnenscheibe über die Kassetten und Wände, während die Sonne über den Himmel zieht. So wird das Gebäude zu einer Art riesiger Sonnenuhr.
Einfach
Die Kuppel: Was römischer Beton möglich machte
Römischer Beton (opus caementicium) entstand aus Kalk, Wasser und einer vulkanischen Asche namens Puzzolanerde, die in der Umgebung Roms und am Golf von Neapel vorkam. Dazu kamen Steinbrocken oder Ziegelbruch als Zuschlagstoffe. Die Puzzolanerde reagiert chemisch mit dem Kalk und bildet einen festen Mörtel, der sogar bei Nässe abbinden kann. Mit diesem Material konnten römische Bauleute Gewölbe und Kuppeln in zuvor unbekannter Größe errichten.
Die Bauleute des Pantheons wählten die Zuschlagstoffe je nach Höhe. Im Fundament und in den unteren Wänden verwendeten sie schweren Travertin, weiter oben Ziegelbruch und Tuffstein und nahe dem Kuppelscheitel sehr leichtes Vulkangestein wie Bimsstein. Außerdem wird die Kuppel nach oben dünner: von etwa 6,4 m an ihrem Ansatz auf etwa 1,2 m am Opaion. Leichteres Material im oberen Bereich verringert das Gewicht und damit den Druck nach außen, der Kuppeln reißen oder einstürzen lassen kann.
Außen besitzt die Kuppel nahe ihrem Ansatz mehrere stufenförmige Ringe. Sie erhöhen das Gewicht genau dort, wo es dem Druck nach außen entgegenwirkt. Die etwa 6 m dicken Wände der Rotunde sind nicht massiv: In ihnen liegen verborgene Hohlräume und Entlastungsbögen aus Ziegeln. Diese leiten die Last zu acht Hauptpfeilern und zum Fundament ab, einem etwa 7 m breiten Betonring.
Das etwa 9 m breite Opaion ist von einem Ziegelring eingefasst, der Druckkräfte aufnimmt. Weil der Scheitel offen blieb, mussten die Bauleute den schwersten und schwierigsten Teil einer geschlossenen Kuppel nicht errichten. Ingenieure untersuchen das Pantheon noch heute, weil es zeigt, wie sich fehlende Stahlbewehrung durch eine durchdachte Materialwahl und Form ausgleichen lässt.
Mittel
Agrippas Pantheon und das Rätsel der Inschrift
Das erste Pantheon ließ Marcus Vipsanius Agrippa im Rahmen eines Bauprogramms auf dem Marsfeld errichten. In diesem tiefliegenden Gebiet nördlich der alten Stadt baute er auch Thermen und weitere öffentliche Anlagen. Cassius Dio datiert die Fertigstellung auf 25 v. Chr. Er berichtet, Agrippa habe im Inneren eine Statue des Augustus aufstellen und das Gebäude nach ihm benennen wollen. Augustus habe jedoch abgelehnt. Deshalb stellte Agrippa innen eine Statue des vergöttlichten Julius Caesar auf und in der Vorhalle Statuen von Augustus und sich selbst. Die Erzählung zeigt, wie eng das Bauwerk mit der neuen Kaiserfamilie verbunden war.
Ausgrabungen im späten 19. und im 20. Jahrhundert legten unter der heutigen Säulenvorhalle Reste des älteren Gebäudes frei. Sie deuten darauf hin, dass Agrippas Tempel ebenfalls nach Norden ausgerichtet war. Seine genaue Form ist jedoch unbekannt; auch ob er überhaupt rund war, ist ungewiss. Ein Brand beschädigte Agrippas Bau im Jahr 80 n. Chr.; unter Domitian wurde er wiederhergestellt. Um 110 n. Chr., während Trajans Herrschaft, brannte er nach einem Blitzeinschlag erneut.
Die Inschrift an der heutigen Fassade nennt Agrippa und nicht den Kaiser, unter dem das Gebäude tatsächlich neu errichtet wurde. Laut der Historia Augusta, einer spätrömischen Sammlung von Kaiserbiografien, ließ Hadrian viele Gebäude wiederherstellen, darunter das Pantheon. Dabei brachte er die Namen ihrer ursprünglichen Erbauer anstelle seines eigenen an. Über Jahrhunderte führte die Inschrift Gelehrte deshalb zu der falschen Annahme, das gesamte Gebäude stamme aus Agrippas Zeit.
Eine zweite, kleinere Inschrift darunter berichtet von einer Wiederherstellung im Jahr 202 n. Chr. durch die Kaiser Septimius Severus und Caracalla. Die bronzenen Buchstaben der Agrippa-Inschrift sind moderne Nachbildungen in den ursprünglichen Befestigungslöchern. Die spätere Inschrift erinnert daran, dass man das Bauwerk während der gesamten Römerzeit instand hielt und reparierte.
Mittel
Der Bau des Pantheons: Datierung, Materialien und Transport
Die wichtigsten Hinweise auf die Entstehungszeit des heutigen Gebäudes liefern Stempel, die in noch feuchte Ziegel gedrückt wurden. Viele römische Ziegeleien kennzeichneten ihre Erzeugnisse mit Namen und manchmal mit dem Jahr, benannt nach den damaligen Konsuln. In einer grundlegenden, 1959 veröffentlichten Untersuchung wertete der deutsch-amerikanische Historiker Herbert Bloch die Ziegelstempel des Pantheons aus. Er zeigte, dass die meisten aus der Zeit um 115–125 n. Chr. stammen. Damit stand fest, dass das heutige Gebäude unter Hadrian vollendet wurde und nicht aus der Zeit des Augustus stammt.
Später vertraten Forscher wie Lise Hetland die Ansicht, dass die Stempel auf einen Baubeginn um 114 n. Chr. unter Trajan hinweisen. Hadrian, seit 117 Kaiser, hätte demnach ein begonnenes Projekt vollendet. In diesem Fall könnte der Architekt Apollodor von Damaskus gewesen sein, Trajans bedeutender Baumeister, der das Trajansforum und die Trajansmärkte entwarf. Diese Zuschreibung ist reizvoll, aber nicht belegt: Keine antike Quelle nennt den Architekten des Pantheons. Auch Hadrian selbst, der sich als Amateur für Architektur begeisterte, wurde der Entwurf zugeschrieben – ebenfalls ohne direkten Beleg.
Die Granitsäulen der Vorhalle zeigen, wie weit die Lieferwege im Römischen Reich reichten. Die grauen Granitschäfte kamen vom Mons Claudianus in der östlichen Wüste Ägyptens, die rosafarbenen aus Assuan. Jeder Schaft ist ungefähr 11,9 m hoch und wiegt etwa 60 Tonnen. Die Säulen mussten zum Nil gezogen, auf Schiffen den Fluss hinab und über das Mittelmeer nach Ostia gebracht und schließlich auf dem Tiber nach Rom transportiert werden.
Mehrere Forscher haben bemerkt, dass die Säulen der Vorhalle für das Gebäude zu kurz wirken. Die Spur eines höheren Giebels am Zwischenblock deutet darauf hin, dass zunächst Säulen von 50 römischen Fuß Höhe geplant waren, dann aber Schäfte von 40 Fuß verwendet wurden. Der Architekturhistoriker Mark Wilson Jones vermutet, dass die größeren Säulen nicht rechtzeitig beschafft werden konnten und der Entwurf deshalb geändert wurde. Rabun Taylor sieht das Problem eher darin, die gewaltigen Schäfte am Bauplatz aufzurichten. Auch andere Erklärungen wurden vorgeschlagen, etwa Änderungen des Bauplans oder der Gestaltung des Vorplatzes. Die Debatte zeigt, dass selbst berühmte Bauwerke das Ergebnis von Kompromissen waren.
Mittel
Wozu diente es? Religion, Kaisertum und Himmel
Trotz seiner Berühmtheit ist nicht sicher, wofür das Pantheon in der Antike genutzt wurde. Der aus dem Griechischen stammende Name bedeutet „aller Götter“ und legt einen Tempel für viele oder alle Götter nahe. Schon Cassius Dio war sich nicht sicher: Der Name könne daher kommen, dass Statuen vieler Götter, darunter Mars und Venus, darin standen, oder daher, dass die Kuppel dem Himmel ähnelte. Ein Kult „aller Götter“ mit eigenen Priestern ist nicht belegt, und in den Verzeichnissen der regulären römischen Staatstempel erscheint das Gebäude nicht.
Dio berichtet auch, dass Hadrian im Pantheon Gericht hielt, Fälle anhörte und Amtsträger empfing. Viele Historiker sehen darin deshalb mehr als einen Tempel: einen Raum, in dem der Kaiser zwischen Bildern der Götter und seiner vergöttlichten Vorgänger auftrat. So konnte die Vorstellung vermittelt werden, dass die römische Herrschaft Teil einer göttlich geordneten Welt sei. Die Lage des Gebäudes nahe anderen Denkmälern der Kaiserfamilie und seine Verbindung zu Augustus stützen diese Deutung.
Das Spiel des Lichts hat astronomische Deutungen angeregt. Einige Forscher, darunter Robert Hannah und Giulio Magli, vertreten die Ansicht, das Gebäude sei so entworfen worden, dass das Licht aus dem Opaion an bestimmten Tagen mittags den Eingang trifft. Ein Beispiel ist der 21. April, der überlieferte Gründungstag Roms: Ein eintretender Kaiser wäre dann in Licht getaucht gewesen. Andere halten solche Ausrichtungen für Zufall oder für nicht beweisbar. Klar ist, dass die Kuppel an den Himmel erinnern sollte und das Licht zur Gestaltung gehörte.
Für die Römer waren Kreis und Kugel eng mit dem Kosmos und mit Vollkommenheit verbunden. Die geometrische Form des Pantheons – ein Zylinder unter einer Halbkugel, in den eine gedachte Kugel passt – machte diese Vorstellungen als Bauwerk unmittelbar erlebbar.
Mittel
Vom Tempel zur Kirche: das Pantheon nach der Antike
Nachdem das Christentum Ende des 4. Jahrhunderts Staatsreligion des Römischen Reiches geworden war, wurden viele Tempel Roms aufgegeben, als Steinbrüche genutzt oder zerstört. Das Pantheon entging diesem Schicksal. Im Jahr 609 übergab der byzantinische Kaiser Phokas das Gebäude Papst Bonifatius IV. Dieser weihte es am 13. Mai als Kirche der heiligen Maria und aller Märtyrer. Der Überlieferung nach brachte man zahlreiche Wagenladungen mit Gebeinen von Märtyrern aus den Katakomben herbei und legte sie unter den Altar. Damit war das Pantheon einer der ersten Tempel Roms, die zu Kirchen wurden.
Die Umwandlung bewahrte das Gebäude nicht vor allen Verlusten. Als der byzantinische Kaiser Konstans II. 663 Rom besuchte, ließ er die vergoldeten Bronzeplatten vom Dach entfernen und in Richtung Konstantinopel verschiffen. Papst Gregor III. deckte die Kuppel in den 730er-Jahren später mit Blei. Im Mittelalter wurde das Gebäude befestigt, von Häusern und Läden umgeben und mit einem Glockenturm versehen.
In den 1620er-Jahren ließ Papst Urban VIII. aus der Familie Barberini die bronzenen Träger des Vorhallendachs entfernen. Der größte Teil des Metalls wurde zu Kanonen für die Engelsburg eingeschmolzen. Die verbreitete Geschichte, das Metall sei für Berninis bronzenen Baldachin im Petersdom verwendet worden, stimmt höchstens zum Teil. Die Römer verspotteten den Eingriff mit einem berühmten lateinischen Spruch: „Quod non fecerunt barbari, fecerunt Barberini“ – „Was die Barbaren nicht taten, das taten die Barberini.“ Zwei kleine Glockentürme, die im selben Zeitraum auf der Vorhalle errichtet wurden, erhielten den Spitznamen „Eselsohren“. Lange schrieb man sie Bernini zu. 1883 wurden sie entfernt.
Seit der Renaissance dient das Pantheon auch als Grabstätte. Der Maler Raffael wurde dort 1520 auf eigenen Wunsch beigesetzt; weitere Künstler und Musiker folgten. Nach der Einigung Italiens wurde 1878 dessen erster König Viktor Emanuel II. dort bestattet, später auch sein Sohn Umberto I. und Königin Margarethe. Das Gebäude ist weiterhin eine Kirche, in der Gottesdienste stattfinden. Seit 2023 zahlen Besucher einen geringen Eintrittspreis, der zur Instandhaltung beiträgt.
Mittel
Wirkung: eines der meistkopierten Bauwerke der Welt
Weil das Pantheon nahezu vollständig erhalten blieb, wurde es für spätere Baumeister zum unmittelbarsten Vorbild römischer Architektur. Architekten der Renaissance vermaßen und zeichneten es mit großer Sorgfalt. Filippo Brunelleschi untersuchte römische Bauten, bevor er die 1436 vollendete Kuppel des Doms von Florenz errichtete. Sie hat eine ähnliche Spannweite, ist aber ganz anders konstruiert. Andrea Palladio veröffentlichte 1570 in seinen Vier Büchern zur Architektur genaue Zeichnungen des Pantheons und machte es so in ganz Europa bekannt.
Die Verbindung einer Tempelvorhalle mit einer überkuppelten Rotunde wurde zu einem verbreiteten Muster für Kirchen, Bibliotheken, Museen und Parlamentsgebäude. Beispiele sind Berninis Kirche in Ariccia, die Sankt-Hedwigs-Kathedrale in Berlin, Thomas Jeffersons Rotunde an der University of Virginia und die Rotunde von Mosta auf Malta sowie zahllose Universitäts- und Regierungsgebäude. Das Panthéon in Paris übernahm den Namen und die Idee einer Ruhestätte für bedeutende Persönlichkeiten der Nation.
Das Pantheon prägte auch Vorstellungen von nationaler und imperialer Macht. Im 20. Jahrhundert nahm Albert Speer es als Vorbild für eine riesige Kuppelhalle, die für Hitlers Berlin geplant war, aber nie gebaut wurde. Das zeigt, wie ein einzelnes Gebäude in verschiedenen Zeiten für sehr unterschiedliche Werte eingesetzt werden kann.
Für Ingenieure bleibt das Pantheon ein wichtiges Beispiel für die Beständigkeit von Baumaterialien. Moderne Untersuchungen zu römischem Beton und seiner Widerstandsfähigkeit gegen Risse und Verwitterung gehen oft von der Frage aus, wie diese Kuppel fast neunzehn Jahrhunderte ohne Stahl überdauern konnte.
Fortgeschritten
Forschungsdebatten: Datierung, Architekt, Planänderungen und Nutzung
Chronologie. Blochs Untersuchung der Ziegelstempel von 1959 zeigte, dass das Pantheon unter Hadrian vollendet wurde. Ziegelstempel datieren jedoch die Herstellung der Ziegel, nicht ihren Einbau; gelagerte Ziegel konnten erst Jahre später verwendet werden. Die Verteilung von Stempeln aus den 110er-Jahren stützt die These eines Baubeginns unter Trajan um 114 n. Chr. Die Einweihung wird häufig in die Zeit zwischen etwa 125 und 128 gesetzt. Da Hadrian nur zu bestimmten Zeiten in Rom war, versuchen Historiker auch, das Projekt mit seinen Reisen in Verbindung zu bringen – bislang ohne sicheres Ergebnis.
Urheberschaft. Für Apollodor von Damaskus sprechen stilistische und technische Ähnlichkeiten mit Bauten aus Trajans Zeit, besonders den Trajansmärkten, sowie der mögliche Baubeginn unter Trajan. Cassius Dio erzählt, Hadrian habe sich mit Apollodor über Architektur gestritten und ihn später verbannen und töten lassen. Die Zuverlässigkeit dieser Anekdote ist jedoch zweifelhaft. Vielleicht ist das Pantheon eher als Werk eines Teams innerhalb der kaiserlichen Bauverwaltung zu verstehen denn als Schöpfung eines einzelnen Genies.
Das Problem der Vorhalle. Die Unterschiede zwischen Vorhalle und Zwischenblock wurden anhand genauer Bauaufnahmen untersucht. Mark Wilson Jones’ These, dass Säulenschäfte von 50 Fuß geplant, aber solche von 40 Fuß verwendet wurden, wird häufig zitiert. Manche Forscher bezweifeln jedoch, dass das Gebäude wirklich einen „Fehler“ aufweist; die Anordnung könnte beabsichtigt gewesen sein. Die Debatte zeigt ein methodisches Problem: Wer aus dem fertigen Bau auf die ursprünglichen Entwurfsabsichten schließen will, muss Bauabfolge, Mauerwerksfugen und Materialtransport genau berücksichtigen.
Funktion und Bedeutung. Die Deutungen reichen von einem herkömmlichen Tempel für viele Götter über ein mit Augustus und den vergöttlichten Kaisern verbundenes Heiligtum der Dynastie und einen kaiserlichen Audienzsaal bis zu einem Denkmal des Kosmos. Diese Deutungen schließen einander nicht aus. Der von Tod Marder und Mark Wilson Jones herausgegebene Band von 2015 versammelt neuere Forschungen zu diesen Fragen und zur späteren Geschichte des Gebäudes.
Fortgeschritten
Quellen, Erhaltung und die Erforschung römischen Betons
Es gibt nur wenige schriftliche Quellen zum Pantheon. Cassius Dio, der im frühen 3. Jahrhundert schrieb, liefert den wichtigsten Bericht über Agrippas Bau und über Hadrians Nutzung des neuen Gebäudes. Die Historia Augusta erwähnt Hadrians Wiederherstellung. Spätere christliche Quellen wie der Liber Pontificalis berichten von der Umwandlung unter Bonifatius IV. und der Entfernung der Bronzeplatten durch Konstans II. Alles Weitere muss aus dem Bauwerk selbst erschlossen werden.
Das Gebäude wurde deshalb mit Methoden der Bauforschung untersucht: durch genaue Vermessungen, die Analyse von Baufugen und Ziegelstempeln, die Bestimmung der Herkunft von Granit und Marmor sowie durch Ausgrabungen um und unter der Vorhalle. Seit dem späten 20. Jahrhundert können Forscher mithilfe von Laserscans und Computermodellen Annahmen zur Statik prüfen. Dazu gehört, wie die Kuppel ihre Lasten verteilt und wie Risse, die bereits in der Antike entstanden, ihre Stabilität beeinflussen.
In der Kuppel haben sich Risse gebildet, vermutlich durch frühe Setzungen und Erdbeben. Dennoch ist sie stabil. Ingenieure erklären das teilweise damit, dass sich die gerissene Kuppel wie eine Reihe von Bögen verhält. Der schwere Mauerring der Rotunde und die Stufenringe am Kuppelansatz halten sie zusammen. Zu neuzeitlichen Erhaltungsmaßnahmen gehören das Entfernen späterer Beschichtungen in den 1930er-Jahren, Reparaturen am Dach und die Festigung des Innenputzes in den frühen 2000er-Jahren. Bewegungen des Bauwerks werden laufend überwacht.
Die Forschung zu römischem Beton, darunter Untersuchungen von Kalkeinschlüssen und den chemischen Reaktionen vulkanischer Asche, hat als mögliche Anregung für haltbarere und weniger CO₂-intensive moderne Baustoffe Aufmerksamkeit erregt. Dabei ist Vorsicht geboten: Dass das Pantheon überdauert hat, liegt auch an seiner ununterbrochenen Nutzung und Pflege, am Fehlen rostender Stahlstäbe und an günstigen historischen Umständen – nicht allein an der Chemie seines Betons.
Kernideen
- Rotunde und Kuppel
- Ein runder Saal unter einer halbkugelförmigen Kuppel. Im Pantheon entspricht die Höhe dem Durchmesser, sodass eine gedachte Kugel in den Innenraum passt.
- Opaion
- Das offene „Auge“ am Kuppelscheitel ist die einzige Fensteröffnung des Gebäudes. Durch sie erscheint das Sonnenlicht als wandernde Lichtscheibe.
- Beton mit abgestuften Zuschlagstoffen
- Schwere Zuschlagstoffe unten und leichteres Vulkangestein weiter oben verringern zusammen mit der nach oben dünner werdenden Kuppelschale deren Gewicht und den Druck nach außen.
- Tempelfront und Kuppelraum
- Die traditionelle Säulenvorhalle kennzeichnet das Gebäude als Tempel. Die Rotunde dahinter zeigt die neuen Möglichkeiten der römischen Betonbauweise.
- Kaiser und Kosmos
- Das Bauwerk verbindet Götter, Himmel und Kaiserfamilie. Hadrian nutzte es auch, um Gericht zu halten.
- Erhaltung durch Weiternutzung
- Die Umwandlung in eine Kirche im Jahr 609 n. Chr. trug dazu bei, dass das Gebäude über vierzehn Jahrhunderte gepflegt wurde.
- Architektonisches Vorbild
- Die Verbindung von Säulenvorhalle und Kuppel wurde weltweit bei Kirchen, Bibliotheken, Universitäten und Regierungsgebäuden nachgeahmt.
Einträge
- um 25 v. Chr. — Marcus Agrippa vollendet das erste Pantheon auf dem Marsfeld (Cassius Dio datiert es auf 25 v. Chr.).
- 80 n. Chr. — Agrippas Gebäude wird durch einen Brand beschädigt und später unter Domitian wiederhergestellt.
- um 110 n. Chr. — Während Trajans Herrschaft brennt das Gebäude nach einem Blitzeinschlag erneut.
- um 114 n. Chr. — Wahrscheinlich beginnt unter Trajan der Bau des heutigen Pantheons.
- um 125 n. Chr. — Unter Hadrian wird das neue Pantheon vollendet; Agrippas Name steht wieder an der Fassade.
- 202 n. Chr. — Septimius Severus und Caracalla stellen das Gebäude wieder her, wie eine zweite Inschrift festhält.
- 609 n. Chr. — Papst Bonifatius IV. weiht das Pantheon als Kirche der heiligen Maria und der Märtyrer.
- 663 n. Chr. — Kaiser Konstans II. lässt die vergoldeten Bronzeplatten vom Dach entfernen.
- 1520 — Der Maler Raffael wird im Pantheon beigesetzt.
- um 1625 — Papst Urban VIII. lässt die Bronze vom Dach der Vorhalle entfernen und löst damit den Spott über die „Barberini“ aus.
- 1883 — Die Glockentürme aus dem 17. Jahrhundert, die „Eselsohren“, werden entfernt.
- 1980 — Das historische Zentrum Roms mit dem Pantheon wird in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen.
Glossar
- Portikus
- Eine überdachte Vorhalle an der Front eines Gebäudes, deren Dach von Säulen getragen wird.
- Giebel
- Der dreieckige Abschluss über den Säulen einer klassischen Tempelfront.
- Rotunde
- Ein rundes Gebäude oder ein runder Raum, meist mit einer Kuppel.
- Kassette
- Ein vertieftes Feld in einer Decke oder Kuppel, das zur Verzierung und zur Verringerung des Gewichts dient.
- Opaion
- Eine runde Öffnung, hier am Scheitel der Kuppel; häufig wird sie auch „Oculus“ genannt, lateinisch für „Auge“.
- Puzzolanerde
- Vulkanische Asche aus der Gegend um Pozzuoli bei Neapel und aus der Umgebung Roms, die für römischen Beton verwendet wurde.
- Zuschlagstoff
- Stücke aus Stein, Ziegel oder Dachziegel, die dem Beton beigemischt werden.
- Ziegelstempel
- Ein von der Ziegelei in einen Ziegel gedrücktes Zeichen, das manchmal ein Datum enthält und bei der Datierung römischer Bauten hilft.
- Monolith
- Ein einzelner großer Steinblock, etwa ein Säulenschaft des Pantheons.
- Campus Martius
- Das „Marsfeld“, ein ebenes Gebiet im antiken Rom, das nach und nach mit öffentlichen Gebäuden bebaut wurde.
- Weihe
- Eine Zeremonie, durch die ein Gebäude oder Gegenstand für den religiösen Gebrauch bestimmt wird, wie bei der Umwandlung des Pantheons in eine Kirche.
Fragen und Antworten
Fällt Regen ins Pantheon?
Ja. Das Opaion hat keine Glasscheibe, daher fällt der Regen direkt hinein. Der Marmorboden ist ganz leicht gewölbt und besitzt kleine Abflusslöcher, durch die das Wasser abläuft.
Warum ist die Kuppel nicht eingestürzt?
Die Bauleute verwendeten oben leichtere Materialien, ließen die Kuppel nach oben dünner werden, beschwerten ihren Ansatz und ließen den Scheitel offen. Auch die ständige Pflege seit der Antike hat geholfen.
Wer hat das Pantheon gebaut?
Marcus Agrippa ließ das erste Pantheon in den 20er-Jahren v. Chr. errichten. Der Bau des heutigen Gebäudes begann um 114 n. Chr. unter Trajan und wurde unter Hadrian vollendet. Der Name des Architekten ist unbekannt.
Warum nennt die Inschrift Agrippa, obwohl das heutige Gebäude unter Hadrian entstand?
Der Historia Augusta zufolge ließ Hadrian an wiederhergestellten Gebäuden die Namen ihrer ursprünglichen Erbauer anbringen. Die Inschrift ehrt Agrippa als Gründer des ersten Pantheons.
Ist das Pantheon noch eine Kirche?
Ja. Seit 609 n. Chr. ist es eine katholische Kirche, in der weiterhin Gottesdienste stattfinden.
Wie sicher ist die Datierung in die Zeit Hadrians?
Ziegelstempel weisen auf eine Vollendung unter Hadrian hin. Sie datieren jedoch die Herstellung der Ziegel, nicht ihren Einbau. Viele Forscher nehmen heute an, dass der Bau schon um 114 n. Chr. unter Trajan begann.
Warum wirken Säulenvorhalle und Rotunde nicht ganz aufeinander abgestimmt?
Der Umriss eines höheren Giebels deutet darauf hin, dass zunächst höhere Säulen geplant waren. Forscher diskutieren, ob Lieferprobleme, Schwierigkeiten beim Bau oder eine Planänderung das Ergebnis erklären.
Quellen und weiterführende Literatur
- Pantheon, Rome. Wikipedia
- Historic Centre of Rome, the Properties of the Holy See in that City Enjoying Extraterritorial Rights and San Paolo Fuori le Mura. UNESCO World Heritage Centre
- Hadrian. Wikipedia
- Marcus Agrippa. Wikipedia
- Roman concrete. Wikipedia
- William L. MacDonald, The Pantheon: Design, Meaning, and Progeny. Harvard University Press, 1976
- Mark Wilson Jones, Principles of Roman Architecture. Yale University Press, 2000
- Tod A. Marder and Mark Wilson Jones (eds.), The Pantheon: From Antiquity to the Present. Cambridge University Press, 2015
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Mit KI-Unterstützung auf Grundlage der oben aufgeführten veröffentlichten Quellen verfasst und bei neuen Forschungsergebnissen überarbeitet.
