Philosophie

Platon

Πλάτων (Plátōn)

427–347 v. Chr. · Athen

In einem Satz

Platon war ein Philosoph im antiken Athen. Er schrieb Gespräche über große Fragen: Was ist gerecht? Was ist wirklich? Wie sollen wir leben? Außerdem gründete er eine der ersten Schulen der Welt.

Platon
Bild: Marie-Lan Nguyen · CC BY 2.5 · Wikimedia Commons

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Für junge Leser

Vor ungefähr 2.400 Jahren lebte in der griechischen Stadt Athen ein junger Mann namens Platon. Sein Lehrer hieß Sokrates. Er ging durch die Stadt und stellte den Menschen schwierige Fragen, zum Beispiel: „Was ist Mut?“ und „Was macht einen guten Menschen aus?“ Platon hörte ihm gern zu.

Einige mächtige Menschen in Athen mochten die Fragen von Sokrates nicht. Er wurde vor Gericht gestellt und zum Tod verurteilt. Platon war sehr traurig und wütend. Er wollte herausfinden, wie eine gerechtere Stadt aussehen könnte, in der kluge und gute Menschen entscheiden.

Platon schrieb seine Gedanken als Gespräche auf. Darin reden Menschen miteinander und sind oft verschiedener Meinung. Meistens ist Sokrates die wichtigste Figur. Beim Lesen ist es fast so, als würde man einem klugen Gespräch zuhören. Fast alle diese Texte gibt es noch heute!

Eine seiner bekanntesten Ideen erzählt von einer Höhle. Stell dir Menschen vor, die ihr ganzes Leben in einer dunklen Höhle gefesselt sind. Sie sehen nur Schatten an der Wand und halten sie für die wirkliche Welt. Wenn einer von ihnen nach draußen ins Sonnenlicht käme, würde er eine viel größere und hellere Welt entdecken. Platon meinte: Wer lernt und nachdenkt, findet einen Weg aus der Höhle ins Licht.

Platon gründete auch eine Schule, die Akademie. Dort lernten die Schüler Mathematik, Naturkunde und Philosophie. Sein berühmtester Schüler war Aristoteles. Über Platons Fragen sprechen Menschen noch heute in Schulen auf der ganzen Welt.

Auf einen Blick

Lebenszeit
ca. 428/427–348/347 v. Chr.
Ort
Athen, Griechenland (mit Reisen nach Süditalien und Sizilien)
Sprache
Altgriechisch (attischer Dialekt)
Werkform
Philosophische Dialoge (etwa 35 ihm zugeschriebene Werke sowie 13 Briefe von umstrittener Echtheit)
Lehrer / Schüler
Schüler des Sokrates; Lehrer des Aristoteles
Gründung
Die Akademie in Athen, ca. 387 v. Chr.
Hauptwerke
Apologie des Sokrates, Phaidon, Symposion, Der Staat, Phaidros, Theaitetos, Timaios, Die Gesetze
Bedeutung
Seine Schriften prägten die philosophischen Fragen zu Metaphysik, Ethik, Politik, Erkenntnis und Erziehung

Einfach

Wer war Platon?

Platon (ca. 428/427–348/347 v. Chr.) war ein Philosoph aus Athen, ein Anhänger des Sokrates und der Lehrer des Aristoteles. Er zählt zu den einflussreichsten Denkern der Geschichte. Seine Schriften werfen Fragen nach Gerechtigkeit, Wissen, Wirklichkeit, Seele, Liebe, Schönheit und der besten Ordnung der Gesellschaft auf, über die Philosophen bis heute diskutieren.

Anders als bei den meisten antiken Autoren scheint Platons gesamtes Werk erhalten geblieben zu sein. Er schrieb Dialoge: szenische Gespräche zwischen Figuren, die meist von Sokrates geführt werden. Platon selbst tritt darin nie als Sprecher auf. Deshalb ist es eine spannende Herausforderung herauszufinden, was er selbst glaubte.

Um 387 v. Chr. gründete er in Athen die Akademie, eine Gemeinschaft zum Lernen und Forschen, die oft als Vorläuferin der Universität gilt. Der Philosoph Alfred North Whitehead bemerkte im 20. Jahrhundert einmal, die europäische Philosophiegeschichte lasse sich als eine Reihe von Fußnoten zu Platon beschreiben. Das ist übertrieben, zeigt aber seine Bedeutung.

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Einfach

Sein Leben

Platon wurde in eine wohlhabende und politisch einflussreiche Athener Familie geboren. Sein Vater hieß Ariston, seine Mutter Periktione. Seine Brüder Glaukon und Adeimantos treten als Figuren im Staat auf. Kritias und Charmides, Verwandte mütterlicherseits, gehörten zu den führenden Mitgliedern der Dreißig, einer Sparta zugeneigten Oligarchie, die Athen 404–403 v. Chr. kurzzeitig und mit Gewalt beherrschte. Dem spätantiken Biografen Diogenes Laertios zufolge war „Platon“ ein Beiname, der vielleicht „breit“ bedeutete, während sein Geburtsname Aristokles lautete. Ob diese Geschichte stimmt, ist ungewiss.

Als junger Mann schloss sich Platon dem Kreis um Sokrates an. Im Jahr 399 v. Chr. wurde Sokrates unter der wiederhergestellten Demokratie wegen Gottlosigkeit und Verführung der Jugend angeklagt. Er wurde zum Tod verurteilt und durch einen Schierlingsbecher hingerichtet. Dieses Ereignis prägte Platons Leben und Werk. Im Siebten Brief, dessen Echtheit umstritten ist, erklärt der Verfasser, er habe sich aus Abscheu sowohl vor den Oligarchen als auch vor den Demokraten von einer politischen Laufbahn abgewandt.

Nach dem Tod des Sokrates hielt sich Platon Berichten zufolge eine Zeit lang in Megara auf und unternahm Reisen. Erzählungen über Besuche in Ägypten und Kyrene sind unsicher. Er reiste nach Süditalien, wo er wahrscheinlich den pythagoreischen Philosophen und Staatsmann Archytas von Tarent traf, und nach Syrakus auf Sizilien an den Hof des Tyrannen Dionysios I., wo er sich mit Dion anfreundete. Zweimal kehrte er nach Sizilien zurück (um 367 und 361 v. Chr.), in der Hoffnung, Dionysios II. zu einem philosophisch gebildeten Herrscher zu erziehen. Beide Besuche endeten schlecht.

Platon gründete um 387 v. Chr. die Akademie und lehrte dort etwa vierzig Jahre. Aristoteles kam 367 v. Chr. an die Akademie und blieb zwanzig Jahre. Platon starb um 348/347 v. Chr. in Athen. Sein Neffe Speusippos folgte ihm als Leiter der Akademie nach.

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Mittel

Historischer Hintergrund: Athen nach seiner Blütezeit

Platon wurde während des Peloponnesischen Krieges (431–404 v. Chr.) zwischen Athen und Sparta geboren. Er wuchs auf, als die athenische Demokratie, die den Parthenon errichtet und nach den Perserkriegen eine Blütezeit erlebt hatte, einen langen und schließlich verheerenden Krieg führte. Athen wurde 404 v. Chr. besiegt, kurzzeitig von den Dreißig beherrscht und danach wieder eine Demokratie. Diese Umbrüche verliehen Fragen nach Gerechtigkeit, Führung und der Stabilität von Staaten besondere Dringlichkeit.

Athen war auch ein Zentrum des geistigen Lebens. Sophisten, berufsmäßige Lehrer, die gegen Bezahlung Rhetorik und Argumentation unterrichteten, reisten durch die griechischen Städte. Einige behaupteten, Gerechtigkeit und Moral beruhten auf Übereinkunft oder Macht statt auf der Natur. Frühere Philosophen wie Heraklit, Parmenides und die Pythagoreer hatten unterschiedliche Erklärungen für Wandel, Sein und Zahl vorgebracht. Platons Dialoge setzen sich mit all diesen Strömungen auseinander.

In einem größeren Zusammenhang fällt Platons Jahrhundert in die Zeit des Aufstiegs Makedoniens, der Blüte des persischen Achämenidenreiches und der Lehren von Mozi und Mengzi in China. Platon starb ein Jahrzehnt vor dem Sieg Philipps II. von Makedonien bei Chaironeia (338 v. Chr.) und ungefähr eine Generation, bevor Alexander der Große die griechische Kultur im Vorderen Orient verbreitete.

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Mittel

Die Dialoge

Das platonische Schriftenkorpus, das Thrasyllos im 1. Jahrhundert n. Chr. ordnete, umfasst 36 „Werke“ in neun Vierergruppen (Tetralogien): 35 Dialoge und die Briefe, die als ein Werk gezählt werden. Die heutige Forschung hält mehrere dieser Schriften für unecht oder zweifelhaft (zum Beispiel Alkibiades II, Hipparchos und Theages). Auch die Echtheit einiger weiterer Werke, etwa Alkibiades I und Epinomis, ist umstritten.

Die Forschung teilt die Dialoge häufig in drei Perioden ein. Die frühen oder „sokratischen“ Dialoge (etwa Euthyphron, Apologie des Sokrates, Kriton, Laches und Charmides) zeigen Sokrates, wie er Menschen nach einer Tugend befragt. Sie enden oft ohne eindeutige Antwort, in einer Aporie („Ausweglosigkeit“). Die mittleren Dialoge (Phaidon, Symposion, Der Staat und Phaidros) entwickeln weitreichende Lehren über die Ideen, die Seele und den idealen Staat. Die späten Dialoge (Theaitetos, Parmenides, Sophistes, Politikos, Philebos, Timaios, Kritias und Die Gesetze) sind fachlich anspruchsvoller, kritisieren bisweilen frühere Lehren und geben Sokrates oft eine kleinere Rolle. In den Gesetzen kommt er überhaupt nicht vor.

Die Dialogform gehört zur Philosophie selbst. Platon zeigt, wie Ideen im Gespräch geprüft werden. Seine Figuren haben unterschiedliche Ansichten und ein unterschiedliches Alter; ihre Gespräche finden an bestimmten Orten und zu bestimmten Zeiten statt: im Gefängnis, wo Sokrates auf seinen Tod wartet (Kriton, Phaidon), bei einem Gastmahl (Symposion) oder bei einem Spaziergang vor den Stadtmauern (Phaidros). Platon verwendet auch Mythen, darunter die Erzählungen vom Ring des Gyges, vom Jenseitsgericht des Er und von Atlantis sowie das Bild vom Seelenwagen.

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Mittel

Die Ideenlehre und das Höhlengleichnis

Platons bekannteste Lehre ist die Ideenlehre (griechisch eidos, idea). Schöne Dinge in der Welt entstehen und vergehen und sind nur in mancher Hinsicht schön. Das Schöne an sich aber, das sie schön macht, ist ewig, unveränderlich und vollkommen. Dasselbe gilt für die Gerechtigkeit, die Gleichheit, das Gute und andere Ideen. Für Platon besitzen die Ideen die höchste Wirklichkeit. Man erkennt sie durch Vernunft, nicht durch die Sinne.

Im Staat veranschaulicht Platon dies mit drei zusammenhängenden Bildern. Das Sonnengleichnis: So wie die Sonne den sichtbaren Dingen Licht und Leben gibt, verleiht die Idee des Guten den Ideen Wahrheit und Sein. Das Liniengleichnis: Eine Linie ist in Abschnitte für Abbilder, körperliche Dinge, mathematische Gegenstände und Ideen geteilt. Jede Stufe besitzt mehr Wirklichkeit und lässt sich klarer erkennen als die vorige. Das Höhlengleichnis (Der Staat, Buch VII): Gefangene sehen nur Schatten, die ein Feuer wirft. Einer wird befreit, steigt unter Schmerzen ins Sonnenlicht und erblickt schließlich die Sonne selbst. Dann kehrt er zurück, um die anderen zu befreien. Diese könnten ihn verspotten oder sogar töten.

Die Ideenlehre wird nicht als abgeschlossenes System dargestellt. Im Parmenides wird der junge Sokrates scharf befragt, unter anderem mit dem „Argument vom dritten Menschen“. Es fragt, ob die Ideenlehre zu einem unendlichen Rückgang führt. Wie Platon auf diese Schwierigkeiten reagierte, ob er die Lehre überarbeitete, aufgab oder beibehielt, gehört zu den großen Fragen der Platonforschung.

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Mittel

Seele, Wissen, Liebe und Kosmos

Für Platon ist die Seele (psyche) das eigentliche Selbst. Sie unterscheidet sich vom Körper und ist im Phaidon unsterblich. Im Menon hilft Sokrates einem Jungen ohne Geometrieunterricht allein durch Fragen, eine geometrische Aufgabe zu lösen. Daraus leitet er die Ansicht ab, dass Lernen eigentlich „Wiedererinnerung“ (Anamnesis) ist: Die Seele erinnert sich an Wissen aus der Zeit vor der Geburt.

Im Staat und im Phaidros unterscheidet Platon drei Teile der Seele: Vernunft, Mut beziehungsweise Tatkraft (thymos, der mit Zorn und Ehre verbundene Teil) und Begierde. Im Phaidros stellt er dies als Wagenlenker (Vernunft) mit zwei Pferden dar, von denen eines edel und das andere widerspenstig ist. Gerechtigkeit in der Seele bedeutet Harmonie: Die Vernunft führt, der mutige Seelenteil unterstützt sie, und die Begierde wird gezügelt.

Im Theaitetos prüft Platon verschiedene Bestimmungen von Wissen: als Wahrnehmung, als wahre Meinung und als wahre Meinung mit einer „Begründung“ (logos). Bei jeder findet er Schwierigkeiten. Der Dialog ist bis heute ein Grundtext der Erkenntnistheorie (Epistemologie).

Im Symposion halten Gäste eines Trinkgelages Reden zum Lob des Eros (der Liebe). Der Komödiendichter Aristophanes erzählt einen Mythos von ursprünglich doppelt gestalteten Menschen, die geteilt wurden und deren Hälften seitdem ihre andere Hälfte suchen. Sokrates gibt die Lehre der weisen Frau Diotima wieder: Liebe ist das Verlangen nach dem Guten und nach Unsterblichkeit. Sie kann einen Menschen auf einer „Leiter“ von der Liebe zu einem schönen Körper zur Liebe zur Schönheit aller Körper, zu Seelen, Gesetzen und Erkenntnis und schließlich zur Schau des Schönen an sich führen. Der verbreitete Ausdruck „platonische Liebe“ geht in freier Deutung auf diesen Dialog zurück.

Der Timaios schildert die Entstehung des Kosmos durch einen göttlichen Handwerker (Demiurg). Er gestaltet die Welt als Lebewesen nach dem Vorbild der ewigen Ideen und verwendet dabei mathematische Verhältnisse und die elementaren Dreiecke der vier Elemente. Die Darstellung gilt als „wahrscheinliche Erzählung“, nicht als sicheres Wissen. Im Timaios und im Kritias wird auch die Geschichte von Atlantis eingeführt.

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Mittel

Gerechtigkeit, das gute Leben und der ideale Staat

Platons Ethik beginnt mit der Behauptung des Sokrates in der Apologie, dass ein Leben ohne Selbstprüfung für einen Menschen nicht lebenswert sei. Die Dialoge fragen, was Tugend ist, ob man sie lehren kann und ob es besser ist, Unrecht zu erleiden, als selbst Unrecht zu tun, wie Sokrates im Gorgias argumentiert. Platon vertritt durchgehend die Ansicht, dass Tugend der Schlüssel zum Glück (Eudaimonia, einem gelingenden Leben) ist.

Der Staat fragt: Was ist Gerechtigkeit, und ist ein gerechter Mensch glücklicher als ein ungerechter, selbst wenn niemand von seiner Gerechtigkeit weiß? Um zu antworten, entwirft Sokrates im Gespräch einen idealen Staat mit drei Gruppen: Herrschern (Wächtern), Helfern (Kriegern) und Erwerbstätigen. Sie entsprechen den drei Teilen der Seele. Die Wächter erhalten eine lange Ausbildung in Musik, Gymnastik, Mathematik und Dialektik. Sie besitzen kein Privateigentum. Frauen können ebenso wie Männer Wächterinnen werden. Am bekanntesten ist die Aussage, dass die Übel erst dann enden, wenn Philosophen herrschen oder Herrscher zu Philosophen werden (Der Staat 473c–d).

Der Staat kritisiert auch Dichtung und Kunst als Nachahmungen, die weit von der Wahrheit entfernt sind und den Charakter verderben können. Außerdem untersucht er, wie Staatsformen von der Aristokratie über Timokratie, Oligarchie und Demokratie zur Tyrannis verfallen. In seinem letzten und längsten Werk, den Gesetzen, entwirft Platon mit Magnesia einen praktischeren Staat. Er soll von detaillierten Gesetzen regiert werden, deren Vorreden die Bürger überzeugen sollen.

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Mittel

Die Akademie

Platons Schule erhielt ihren Namen von der Akademeia, einem heiligen Hain mit einem Gymnasion außerhalb der Mauern Athens, der mit dem Heros Hekademos (Akademos) verbunden war. Dort studierten Platon und seine Gefährten Mathematik, Astronomie, Staatslehre und Philosophie. Der Überlieferung nach stand am Eingang die Inschrift „Niemand trete ein, der nichts von Geometrie versteht“. Belegt ist sie allerdings erst in späten Quellen.

Zu den Mitgliedern gehörten die Mathematiker Eudoxos von Knidos und Theaitetos sowie zwanzig Jahre lang Aristoteles. Diogenes Laertios erwähnt zwei Frauen, die dort studierten: Axiothea von Phleius und Lastheneia von Mantineia. Mitglieder der Akademie wurden Berichten zufolge eingeladen, bei der Ausarbeitung von Gesetzen für verschiedene griechische Städte zu helfen.

Nach Platon durchlief die Akademie mehrere Phasen, darunter eine „skeptische“ Zeit unter Arkesilaos und Karneades. Ihre Tätigkeit am ursprünglichen Ort endete etwa zur Zeit der Belagerung Athens durch den römischen Feldherrn Sulla im Jahr 86 v. Chr. Später blühte in Athen bis ins 6. Jahrhundert n. Chr. eine neuplatonische Schule. Ihr Niedergang wird traditionell mit einem Erlass Kaiser Justinians aus dem Jahr 529 n. Chr. verbunden.

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Mittel

Überlieferung und weltweiter Einfluss

In der Spätantike entwickelten Neuplatoniker wie Plotin (3. Jahrhundert n. Chr.) und Proklos (5. Jahrhundert n. Chr.) Platons Gedanken zu einem umfassenden metaphysischen und religiösen System weiter. Es beeinflusste die christliche Theologie, besonders Augustinus, sowie das jüdische und islamische Denken tiefgreifend.

Im lateinischen Westen war über Jahrhunderte der Timaios der einzige weithin verfügbare Dialog, und zwar in der unvollständigen lateinischen Übersetzung des Calcidius aus dem 4. Jahrhundert n. Chr. Deshalb kannten mittelalterliche europäische Denker Platon vor allem als Erklärer des Kosmos.

In der islamischen Welt war Platon unter dem Namen Aflāṭūn durch arabische Übersetzungen und Zusammenfassungen bekannt. Einige entstanden an Zentren wie dem Haus der Weisheit in Bagdad. Al-Farabi (gestorben 950) schrieb über Platons Philosophie und fasste die Gesetze zusammen. Seine Vorstellung von der „tugendhaften Stadt“ knüpft an den Staat an. Averroes (Ibn Ruschd, 1126–1198) verfasste einen Kommentar zum Staat, der in hebräischer Übersetzung erhalten ist.

Byzantinische Gelehrte bewahrten Platons griechischen Text. Auf dem Konzil von Florenz (1438–1439) weckte der byzantinische Philosoph Georgios Gemistos Plethon bei italienischen Humanisten neues Interesse an Platon. Marsilio Ficino übersetzte die gesamten Dialoge unter der Schirmherrschaft der Medici ins Lateinische; die Übersetzung erschien 1484 im Druck. Die erste gedruckte griechische Ausgabe veröffentlichte Aldus Manutius 1513 in Venedig. Seitdem ist Platon in der westlichen Philosophie, Staatslehre, Literatur und Bildung ständig präsent. Seine Werke werden weltweit in Übersetzungen gelesen, in Ostasien seit dem späten 19. Jahrhundert.

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Fortgeschritten

Forschungsdebatten und offene Fragen

Das sokratische Problem: Sokrates hinterließ keine Schriften. Unser Bild von ihm beruht daher auf Platon, Xenophon, Aristophanes’ Komödie Die Wolken und Bemerkungen des Aristoteles. Wie viel vom „Sokrates“ Platons entspricht dem historischen Sokrates? Gregory Vlastos vertrat die einflussreiche These, dass die frühen Dialoge die Philosophie des historischen Sokrates wiedergeben und die mittleren Dialoge Platons eigene Philosophie. Viele Forschende, darunter Charles Kahn, haben dies bestritten und argumentiert, selbst die „frühen“ Dialoge seien literarische und philosophische Gestaltungen Platons.

Chronologie und Entwicklung: Die Reihenfolge der Dialoge ist unsicher. Die Stilometrie, die statistische Untersuchung des Schreibstils, für die Lewis Campbell 1867 Pionierarbeit leistete, bestätigt eine Gruppe später Werke in der Nähe der Gesetze. Antiken Zeugnissen zufolge waren die Gesetze bei Platons Tod unvollendet. Die Stilometrie kann die frühen und mittleren Dialoge jedoch nicht zuverlässig ordnen. Vertreter einer Entwicklungsthese lesen das Werk als Zeugnis für Veränderungen in Platons Ansichten; Vertreter einer einheitlichen Deutung sehen eine weitgehend beständige Philosophie, die aus verschiedenen Blickwinkeln dargestellt wird.

Ungeschriebene Lehren: Aristoteles erwähnt Platons „ungeschriebene Lehren“ (agrapha dogmata), die offenbar erste Prinzipien namens das Eine und die unbestimmte Zweiheit betrafen. Die „Tübinger Schule“ (Hans Joachim Krämer, Konrad Gaiser) und später Giovanni Reale vertraten die Auffassung, diese mündlichen Lehren seien der Schlüssel zu Platons eigentlicher Philosophie. Die meisten englischsprachigen Forschenden stehen dem skeptisch gegenüber und konzentrieren sich auf die Dialoge. Umstritten ist auch die Echtheit des Siebten Briefes, der die schriftliche Darstellung von Philosophie kritisiert.

Politik: Karl Popper griff Platon in Die offene Gesellschaft und ihre Feinde (1945) als Vorläufer des Totalitarismus an. Verteidiger erwidern, Popper lese den Staat zu wörtlich, übersehe dessen Ironie und Ziele oder vernachlässige die Gesetze. In der feministischen Forschung wird diskutiert, ob die Wächterinnen in Buch V auf eine frühe feministische Haltung hindeuten oder ob ihre Interessen denen des Staates untergeordnet werden.

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Fortgeschritten

Originalquellen und handschriftliche Überlieferung

Platons Text ist hauptsächlich durch byzantinische Handschriften überliefert. Die älteste vollständige mittelalterliche Handschrift der ersten sechs Tetralogien ist der „Clarke Plato“ (Oxford, Bodleian Library, MS E. D. Clarke 39), der 895 n. Chr. für Arethas von Caesarea abgeschrieben wurde. Eine weitere wichtige Handschrift ist der Parisinus graecus 1807 aus dem 9. Jahrhundert. Er enthält die letzten Tetralogien einschließlich des Staates und der Gesetze. Papyrusfragmente aus Ägypten, etwa Funde aus Oxyrhynchos, liefern ältere, aber lückenhafte Zeugnisse.

Antike Angaben zu Platons Leben stammen aus den Briefen, deren Echtheit unsicher ist, aus Aristoteles und aus späteren Autoren. Besonders wichtig ist Diogenes Laertios’ Leben und Meinungen berühmter Philosophen (Buch III, wahrscheinlich 3. Jahrhundert n. Chr.), das zuverlässige Nachrichten mit Anekdoten vermischt. Viele vermeintliche „Tatsachen“ in populären Darstellungen, etwa Platons Laufbahn als Ringer oder sein ursprünglicher Name, beruhen auf diesem späten Zeugnis.

Stellen aus Platons Werken werden mit Stephanus-Zahlen angegeben: Seitenzahlen und Abschnittsbuchstaben aus der griechischen Ausgabe von Henri Estienne (Stephanus) von 1578. So bezeichnet Der Staat 514a den Beginn des Höhlengleichnisses. Ein maßgeblicher heutiger griechischer Text erscheint in der Reihe Oxford Classical Texts. Eine viel verwendete englische Sammlung ist Plato: Complete Works, herausgegeben von John M. Cooper (Hackett, 1997). Der griechische Text und englische Übersetzungen sind auch über die Perseus Digital Library online zugänglich.

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Fortgeschritten

Hinweise zur Lektüre Platons

Da Platon nie selbst in den Dialogen spricht, müssen Leser entscheiden, wie sie die Argumente zum szenischen Zusammenhang in Beziehung setzen. Eine Behauptung, die Sokrates gegenüber einer bestimmten Person zu einem bestimmten Zweck äußert, muss nicht Platons endgültige Lehre sein. Auf Ironie, Figuren, Schauplatz und den Schluss des Dialogs, etwa eine Aporie, zu achten, gehört zur philosophischen Auslegung.

Wichtige griechische Begriffe lassen sich nur schwer übersetzen: eidos/idea (Form, Idee), psyche (Seele, Geist, Leben), aretē (Tugend, Vortrefflichkeit), dikaiosynē (Gerechtigkeit, Rechtschaffenheit), eros (Liebe, Begehren). Heutige Bedeutungen können in die Irre führen, etwa wenn „Idee“ nur als Gedanke im Kopf verstanden wird oder „platonische Liebe“ nur als Freundschaft ohne körperliche Nähe.

Schließlich hat „Platonismus“ über zweieinhalb Jahrtausende vieles bedeutet: neuplatonische Mystik, christliche und islamische Theologie, Humanismus der Renaissance und modernen „mathematischen Platonismus“, also die Auffassung, dass Zahlen unabhängig vom menschlichen Denken existieren. Platons eigene Texte von späteren Formen des Platonismus zu unterscheiden, ist eine grundlegende Aufgabe der Forschung.

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Kernideen

Ideenlehre
Jenseits der veränderlichen körperlichen Dinge gibt es ewige, vollkommene Ideen, etwa das Schöne oder das Gerechte. Sie werden durch Vernunft erkannt und besitzen die höchste Wirklichkeit.
Höhlengleichnis
Gefangene halten Schatten für die Wirklichkeit. Bildung bedeutet, dass sich die Seele unter Mühen dem Licht der Wahrheit zuwendet.
Idee des Guten
Die höchste Idee wird mit der Sonne verglichen. Sie macht die anderen Ideen erkennbar und verleiht ihnen Sein.
Wiedererinnerung (Anamnesis)
Die im Menon und Phaidon vertretene Auffassung, dass Lernen bedeutet, sich an das zu erinnern, was die Seele vor der Geburt wusste.
Dreigeteilte Seele
Die Seele hat drei Teile: Vernunft, Mut beziehungsweise Tatkraft und Begierde. Gerechtigkeit ist ihre Harmonie unter der Führung der Vernunft.
Philosophenherrscher
Dem Staat zufolge können Städte nur gedeihen, wenn Menschen herrschen, die die Weisheit lieben.
Dialektik
Eine philosophische Methode des Fragens und Antwortens, die Begriffsbestimmungen prüft und zur Erkenntnis der Ideen aufsteigt.
Eros
Liebe als Verlangen nach Schönheit und dem Guten, das die Seele zum Schönen an sich führen kann (Symposion).

Einträge

  1. um 427 v. Chr. — Platon wird während des Peloponnesischen Krieges in Athen geboren (428 oder 427 v. Chr.).
  2. 404 v. Chr. — Athen ergibt sich Sparta; die Dreißig, darunter Verwandte Platons, ergreifen die Macht.
  3. 399 v. Chr. — Sokrates wird in Athen vor Gericht gestellt und hingerichtet.
  4. um 388 v. Chr. — Platon reist zum ersten Mal nach Süditalien und Syrakus.
  5. um 387 v. Chr. — Platon gründet die Akademie in Athen.
  6. 367 v. Chr. — Aristoteles tritt der Akademie bei; Platon unternimmt seine zweite Reise nach Syrakus.
  7. um 361 v. Chr. — Platon unternimmt seine dritte und letzte Reise nach Sizilien.
  8. um 347 v. Chr. — Platon stirbt in Athen (348 oder 347 v. Chr.); Speusippos wird sein Nachfolger.
  9. 86 v. Chr. — Sulla belagert Athen; um diese Zeit endet die Tätigkeit am ursprünglichen Standort der Akademie.
  10. 895 n. Chr. — Die Handschrift „Clarke Plato“ wird in Konstantinopel abgeschrieben.
  11. 1484 — Marsilio Ficinos vollständige lateinische Übersetzung Platons wird in Florenz gedruckt.
  12. 1578 — Henri Estienne (Stephanus) veröffentlicht die griechische Ausgabe, deren Seitenzahlen noch heute verwendet werden.

Glossar

Dialog
Ein schriftliches Werk in Form eines Gesprächs zwischen Figuren; Platons wichtigste literarische Form.
Idee (eidos, idea)
Eine ewige, unveränderliche, vollkommene Wirklichkeit, an der gewöhnliche Dinge auf unvollkommene Weise teilhaben.
Aporie
Griechisch für „Ausweglosigkeit“ oder „Ratlosigkeit“; ein Zustand, in dem ein Gespräch ohne Lösung endet.
Elenchos
Die Methode des Sokrates, durch Fragen Widersprüche in den Überzeugungen eines Menschen aufzudecken und sie so zu widerlegen.
Sophist
Ein berufsmäßiger Lehrer für Rhetorik und Argumentation im klassischen Griechenland, der dafür bezahlt wurde.
Eudaimonia
Glück oder menschliches Gedeihen; in der griechischen Ethik das Ziel eines guten Lebens.
Demiurg
Der göttliche Handwerker, der im Timaios den Kosmos gestaltet.
Stephanus-Zahlen
Das übliche System für Stellenangaben in Platons Werken, das auf Henri Estiennes Ausgabe von 1578 beruht.
Neuplatonismus
Eine philosophische Strömung der Spätantike, die seit Plotin Platons Ideen zu einem umfassenden System weiterentwickelte.
Stilometrie
Statistische Untersuchung des Schreibstils, die dabei hilft, die Reihenfolge und Echtheit von Texten zu bestimmen.

Fragen und Antworten

Wofür ist Platon am bekanntesten?

Für seine Dialoge mit Sokrates, die Ideenlehre, das Höhlengleichnis, den Entwurf eines gerechten Staates und die Gründung der Akademie.

Was bedeutet das Höhlengleichnis einfach erklärt?

Menschen in einer Höhle sehen nur Schatten und halten sie für die Wirklichkeit. Die Höhle zu verlassen und die Sonne zu sehen steht dafür, durch Bildung und Philosophie die Wahrheit zu erkennen.

Hat Platon wirklich gelebt, und stammen seine Bücher tatsächlich von ihm?

Ja, Platon war eine historische Person. Die meisten Dialoge werden ihm zugeschrieben. Einige Werke der antiken Sammlung und manche Briefe stammen aber wahrscheinlich von anderen Verfassern.

Was ist der Unterschied zwischen Sokrates, Platon und Aristoteles?

Sokrates schrieb nichts und lehrte, indem er Fragen stellte. Sein Schüler Platon schrieb Dialoge und entwickelte die Ideenlehre. Platons Schüler Aristoteles verfasste Lehrschriften und stützte Erkenntnisse stärker auf die Beobachtung der Natur.

Was bedeutet „platonische Liebe“?

Heute meint der Ausdruck eine enge Freundschaft ohne romantische Beziehung. Er geht in freier Deutung auf das Symposion zurück. Dort kann Liebe von der Anziehung zu einem Menschen zur Liebe zur Schönheit und Weisheit selbst führen.

Glaubte Platon an Atlantis?

Atlantis erscheint im Timaios und im Kritias als Erzählung, die Gedanken über einen idealen Staat veranschaulicht. Die meisten Forschenden halten sie für eine Erfindung Platons und nicht für einen historischen Bericht.

Welchen Dialog Platons sollte ich zuerst lesen?

Viele beginnen mit den kurzen Dialogen Apologie des Sokrates, Kriton oder Euthyphron und lesen danach das Symposion oder den Staat.

Hatte Platon ungeschriebene Lehren?

Aristoteles erwähnt „ungeschriebene Lehren“. Die Forschung ist uneinig, wie wichtig sie waren. Manche sehen darin den Kern von Platons Philosophie, andere konzentrieren sich auf die Dialoge.

Quellen und weiterführende Literatur

  1. Plato. Stanford Encyclopedia of Philosophy
  2. Plato’s Middle Period Metaphysics and Epistemology. Stanford Encyclopedia of Philosophy
  3. Plato’s Ethics: An Overview. Stanford Encyclopedia of Philosophy
  4. Plato. Internet Encyclopedia of Philosophy
  5. Plato. Wikipedia
  6. Platonic Academy. Wikipedia
  7. Theory of forms. Wikipedia
  8. Republic (Plato). Wikipedia
  9. Plato, Republic (text and translation). Perseus Digital Library, Tufts University
  10. John M. Cooper (ed.), Plato: Complete Works. Hackett Publishing, 1997

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Mit KI-Unterstützung auf Grundlage der oben aufgeführten veröffentlichten Quellen verfasst und bei neuen Forschungsergebnissen überarbeitet.

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