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Für junge Leser
Vor etwa 2.500 Jahren herrschten die Könige Persiens über ein riesiges Reich. Es reichte von Ägypten und Griechenland im Westen bis zum Fluss Indus im Osten. Um 518 v. Chr. ließ König Dareios der Große in seiner Heimat eine prächtige neue Palaststadt bauen. Sie hieß Pārsa. Die Griechen nannten sie später Persepolis. Das bedeutet „Stadt der Perser“.
Die Bauleute errichteten am Fuß eines Berges eine riesige Terrasse aus Stein. Sie war größer als viele Fußballfelder. Darauf bauten sie große Säle mit vielen hohen, schmalen Steinsäulen. Manche Säulen waren so hoch wie ein Haus mit sechs Stockwerken! Oben auf ihnen saßen Tiere aus Stein, zum Beispiel zwei Stiere. Sie trugen die Balken des Daches.
Besonders berühmt sind die Bilder aus Stein. Man nennt sie Reliefs. An den großen Treppen sieht man lange Reihen von Menschen. Sie kommen aus verschiedenen Ländern und tragen unterschiedliche Kleidung und Hüte. Für den König bringen sie Pferde, Kamele, goldene Schalen, Stoffe und sogar ein Löwenjunges. Die Bilder sehen wie ein Festzug aus Stein aus.
Archäologinnen und Archäologen fanden auch Tausende kleine Tontafeln. Darauf stehen Aufzeichnungen in einer Schrift aus keilförmigen Zeichen. Sie verraten, wie viel Getreide, Wein und Bier die Arbeiter bekamen. Sie zeigen sogar, dass Arbeiterinnen nach der Geburt eines Kindes zusätzliches Essen erhielten!
Im Jahr 330 v. Chr. eroberte Alexander der Große das Persische Reich. Seine Soldaten setzten Persepolis in Brand. Die Dächer verbrannten und stürzten ein. Doch viele Säulen, Türen und Steinbilder blieben erhalten. Heute gehört Persepolis zum UNESCO-Welterbe. Menschen aus Iran und der ganzen Welt steigen die breiten Treppen hinauf, die schon vor langer Zeit Gesandte benutzten.
Auf einen Blick
- Bauzeit
- Beginn um 518–515 v. Chr. unter Dareios I.; Ausbau durch Xerxes I., Artaxerxes I. und spätere achämenidische Könige bis 330 v. Chr.
- Ort
- Am Fuß des Kuh-e Rahmat („Berg der Barmherzigkeit“) in der Ebene von Marvdasht, Provinz Fars, Iran, etwa 60 km nordöstlich von Schiras
- Erbauer
- Das achämenidische Persische Reich (um 550–330 v. Chr.) mit Arbeitern und Handwerkern aus vielen Völkern des Reiches
- Anlage
- Eine erhöhte Steinterrasse von etwa 125.000 m² mit Audienzsälen, Palästen, einer Schatzkammer und Torbauten; Königsgräber im Fels des dahinterliegenden Berges
- Berühmte Bauwerke
- Apadana (Audienzsaal) mit Treppenreliefs von 23 Gesandtschaften; Tor aller Länder; Hundertsäulensaal
- Archive
- Die Festungstafeln von Persepolis (509–493 v. Chr.) und die Schatzkammertafeln (492–457 v. Chr.), überwiegend in elamischer Sprache
- Zerstörung
- 330 v. Chr. von den Truppen Alexanders des Großen niedergebrannt
- Welterbe
- Seit 1979 UNESCO-Welterbestätte
Einfach
Was ist Persepolis?
Persepolis war eines der königlichen Zentren des achämenidischen Persischen Reiches. Dieses Reich vereinte als erstes den größten Teil des Nahen Ostens, Ägypten, Anatolien und Zentralasien unter einer Dynastie. Der altpersische Name der Stadt lautete Pārsa. So hießen auch die Region und ihr Volk: Persien und die Perser. Der griechische Name Persepolis bedeutet schlicht „persische Stadt“. Spätere Iraner wussten nicht mehr, wer die Stadt erbaut hatte. Sie nannten sie Takht-e Jamshid, „Thron des Dschamschid“, nach einem sagenhaften König der iranischen Überlieferung.
Die Anlage steht auf einer gewaltigen Terrasse an einem Berghang in der Ebene von Marvdasht in Fars, der Heimat der Perser im Südwesten Irans. Auf ihr erhoben sich prächtige Gebäude: Audienzsäle, Paläste, eine Schatzkammer, Torhäuser und Lagerräume. Das Reich hatte mehrere Hauptstädte, darunter Susa, Babylon und Ekbatana. Die Könige reisten zwischen ihnen umher. Persepolis diente in der Heimatprovinz der Dynastie königlichen Zeremonien und der Darstellung ihrer Macht. Zugleich war es ein wichtiges Verwaltungszentrum.
Zu den heutigen Ruinen gehören aufrecht stehende Säulen, verzierte Türöffnungen, Treppen mit Reliefs und in den Fels gehauene Königsgräber. Seit 1979 steht Persepolis auf der UNESCO-Welterbeliste. Es zählt zu den bedeutendsten archäologischen Stätten der Antike und ist ein wichtiges Symbol der iranischen Geschichte.
Einfach
Persepolis „lesen“: ein Gang über die Terrasse
Besucherinnen und Besucher kommen damals wie heute an der Nordwestecke an und steigen eine breite Doppeltreppe mit flachen Stufen hinauf. Sie war so angelegt, dass man sie würdevoll hinaufgehen konnte, vielleicht sogar zu Pferd. Oben steht das von Xerxes I. errichtete Tor aller Länder. Riesige steinerne Stiere bewachen den westlichen Eingang, geflügelte Stiere mit Menschenköpfen den östlichen. Solche Schutzfiguren an Toren gehen auf eine assyrische Tradition zurück. Eine Inschrift in drei Sprachen – Altpersisch, Elamisch und Babylonisch – nennt Xerxes als Bauherrn.
Im Süden erhebt sich die Apadana, der große Audienzsaal. Dareios I. begann den Bau, Xerxes vollendete ihn. Der quadratische Hauptsaal maß auf jeder Seite ungefähr 60 Meter und enthielt 36 Säulen. Drei Vorhallen brachten weitere Säulen hinzu, insgesamt waren es 72. Sie waren etwa 20 Meter hoch. Ihre Kapitelle zeigten die Vorderkörper von zwei einander abgewandten Stieren, Löwen oder Greifen und trugen die Balken des Zederndachs. Heute stehen nur noch wenige dieser Säulen.
Weiter südlich und östlich liegen der Palast des Dareios (Tachara), der Palast des Xerxes (Hadisch), ein oft Tripylon oder Ratssaal genanntes Gebäude und der Hundertsäulensaal. Dieser größte überdachte Raum der Terrasse wurde unter Xerxes begonnen und unter Artaxerxes I. vollendet. In der Südostecke lag die Schatzkammer, in der Reichtümer des Reiches aufbewahrt wurden. Oberhalb der Terrasse sind Gräber in den Berg gehauen, die gewöhnlich Artaxerxes II. und Artaxerxes III. zugeschrieben werden.
Für Säulen, Tür- und Fensterrahmen sowie Treppen verwendeten die Bauleute örtlichen grauen Kalkstein. Die Wände bestanden aus dicken Lehmziegeln, die heute größtenteils verschwunden sind. Ursprünglich waren die Reliefs bunt bemalt. Auch Metallbeschläge und Einlegearbeiten schmückten die Gebäude; Forschende haben an den Reliefs Farbspuren gefunden.
Einfach
Der Festzug aus Stein: die Reliefs der Apadana
Die berühmtesten Reliefs von Persepolis schmücken die nördlichen und östlichen Treppen der Apadana. Auf der einen Seite gehen persische und medische Adlige und Wachen in Reihen. An ihren unterschiedlichen Hüten und Kleidern kann man sie erkennen. Manche unterhalten sich oder halten Blumen. Auf der anderen Seite nähern sich 23 Gesandtschaften aus verschiedenen Ländern des Reiches. Jede wird von einem Beamten geführt, der einen ihrer Angehörigen an der Hand hält.
Jede Gesandtschaft trägt ihre eigene Kleidung und bringt typische Geschenke mit: Pferde, Kamele, Buckelrinder, Widder, Stoffe, Gefäße aus Gold und Silber, Waffen, Schmuck, ein okapiähnliches Tier, eine Antilope oder ein Löwenjunges. Forschende versuchen mithilfe altpersischer Königslisten der Länder zu bestimmen, welche Völker dargestellt sind – etwa Meder, Elamer, Armenier, Lyder, ionische Griechen, Babylonier, Ägypter, Baktrier, Inder, Araber und Nubier. Manche Zuordnungen bleiben unsicher.
Zwischen den Szenen ist immer wieder ein Löwe zu sehen, der einen Stier angreift. Dieses Motiv könnte den Wechsel der Jahreszeiten, königliche Macht oder die kosmische Ordnung darstellen. Seine genaue Bedeutung ist umstritten. Auffällig ist auch, was fehlt: Anders als auf älteren assyrischen Palastwänden gibt es keine Schlachten, keine getöteten Gefangenen und keine blutenden Feinde. Persepolis zeigt das Reich als friedliche, geordnete Welt um den König.
Mittel
Wer erbaute Persepolis und wie?
Kyros der Große gründete das Achämenidenreich um 550 v. Chr. und errichtete seine Hauptstadt in Pasargadae, etwa 40 km nördlich. Einige Forschende vermuten, dass schon Kyros oder sein Sohn Kambyses den Ort für Persepolis ausgewählt hatten. Der eigentliche Bau begann jedoch unter Dareios I. (Regierungszeit 522–486 v. Chr.). Er war nach einer gewaltsamen Thronfolgekrise an die Macht gekommen, die er in seiner Behistun-Inschrift schildern ließ. Unter Xerxes I. (486–465) und Artaxerxes I. (465–424) wurde weitergebaut. Spätere Könige ergänzten kleinere Bauten, und bei Alexanders Ankunft waren manche Teile noch unvollendet.
In seinen Gründungsinschriften betonte Dareios, dass die Völker des Reiches gemeinsam an seinen Bauten arbeiteten. Eine Inschrift aus seinem Palast in Susa zählt Baumaterialien aus dem ganzen Reich und Arbeiter aus Ionien, Sardes, Ägypten, Babylon und anderen Orten auf. In Persepolis wurden 1933 an den Ecken der Apadana Gründungstafeln aus Gold und Silber gefunden. Sie beschreiben die Ausdehnung von Dareios’ Reich: von den Skythen jenseits Sogdiens bis nach Kusch und von Indien bis nach Sardes.
Die Festungstafeln von Persepolis geben ungewöhnlich genaue Einblicke in die Arbeitskräfte. Sie verzeichnen Rationen aus Getreide, Wein, Bier, Schafen und anderen Gütern für Arbeiter, die kurtaš genannt wurden. Sie kamen aus vielen Völkern, darunter Ägypter, Ionier, Lyder, Babylonier und Thraker. Männer und Frauen erhielten Rationen. Manche Frauen bekamen für dieselbe Arbeit genauso viel wie Männer. Mütter erhielten nach einer Geburt zusätzliche Rationen, für einen Jungen mehr als für ein Mädchen. Ob die Beschäftigten freie Arbeitskräfte, Verschleppte oder abhängige Arbeiter waren, ist umstritten. Die Tafeln belegen jedoch ein organisiertes staatliches Versorgungssystem und vermitteln nicht das Bild angeketteter Sklaven.
Mittel
Das Reich hinter den Steinen
Auf dem Höhepunkt seiner Macht unter Dareios I. erstreckte sich das Achämenidenreich von Libyen und der Ägäis bis zum Industal und nach Zentralasien. Es war in Provinzen, sogenannte Satrapien, gegliedert. Ein Netz von Königsstraßen mit Versorgungsstationen verband sie. Das Reich erhob Abgaben und nahm Geschenke in Silber und Naturalien entgegen. Die Festungstafeln zeigen Reisende mit versiegelten Dokumenten, die an den Stationen Lebensmittelrationen erhielten. Ihre Wege führten bis nach Indien, Ägypten und Sardes.
Die Achämeniden verwendeten mehrere Verwaltungssprachen. Die altpersische Keilschrift, die vermutlich zur Zeit des Dareios entstand, wurde vor allem für Königsinschriften benutzt. Alltägliche Aufzeichnungen in Persepolis verfasste man hauptsächlich auf Elamisch, einer älteren Sprache Südwestirans, und viele auch auf Aramäisch, der Verkehrssprache des Reiches. Babylonisch (Akkadisch) wurde in Königsinschriften und in Mesopotamien verwendet.
Die Inschriften stellen den König als von dem Gott Ahuramazda auserwählt dar. Er sollte Wahrheit und Ordnung gegen „die Lüge“ verteidigen. Die Reliefs der Apadana setzen diese Vorstellung ins Bild: Die Völker des Reiches bringen in Eintracht Geschenke. Viele Historikerinnen und Historiker betonen, dass örtliche Bräuche, Sprachen und Religionen unter persischer Herrschaft weiterbestehen konnten. Aufstände schlug das Reich allerdings auch hart nieder.
Mittel
Alexander und der Brand von Persepolis
Nachdem Alexander von Makedonien Dareios III. 331 v. Chr. bei Gaugamela besiegt hatte, zog er nach Persien. Anfang 330 v. Chr. erreichte er Persepolis. Seine Truppen durften die Stadt plündern, und der gewaltige Schatz wurde fortgebracht. Einige Monate später, im Frühjahr 330 v. Chr., wurden die Paläste auf der Terrasse in Brand gesetzt.
Die antiken Quellen nennen unterschiedliche Gründe. Arrian, der sich auf ältere Berichte stützte, schildert den Brand als bewusste Vergeltung für die Zerstörung der Tempel Athens durch die Perser 480 v. Chr. Er hielt die Tat selbst für unklug. Diodor, Plutarch und Curtius erzählen eine dramatischere Geschichte: Bei einem Trinkgelage habe die Athenerin Thaïs Alexander zum Brand angestiftet, und er habe die erste Fackel geworfen. Die Forschung diskutiert weiterhin, ob das Feuer eine geplante politische Botschaft an die Griechen war, den Persern das Ende ihres Reiches vor Augen führen sollte, aus einem Rausch heraus entstand oder mehrere dieser Gründe zusammenwirkten.
Archäologinnen und Archäologen fanden dicke Ascheschichten, verkohlte Zedernbalken und Hinweise darauf, dass viele Gegenstände in der Schatzkammer zerschlagen wurden. Das Feuer zerstörte die Dächer und Lehmziegelwände. Die Bauteile aus Stein blieben jedoch erhalten, ebenso die Tontafeln der Schatzkammer. In Iran wird der Brand seit Langem als kulturelle Katastrophe erinnert. In griechischen und römischen Schriften erscheint er häufig als Geschichte über Vergeltung und über Alexanders Charakter.
Mittel
Nach dem Brand: Erinnerung, Legenden und Wiederentdeckung
Persepolis wurde nie wieder als königliches Zentrum aufgebaut, geriet aber nicht in Vergessenheit. Das nahe gelegene Istachr wurde unter späteren persischen Dynastien bedeutend. Herrscher späterer Zeiten hinterließen Spuren in den Ruinen: Im Palast des Dareios sind Inschriften in Mittelpersisch aus der Sasanidenzeit und arabische Inschriften des Buyidenherrschers ʿAdud ad-Daula aus dem 10. Jahrhundert eingemeißelt. In der persischen Überlieferung verband man die Ruinen mit dem sagenhaften König Dschamschid, der aus dem Schāhnāme bekannt ist. Daher stammt der Name Takht-e Jamshid. Manchmal wurden sie auch mit König Salomo in Verbindung gebracht.
Seit dem 15. Jahrhundert besuchten europäische Reisende die Ruinen und beschrieben und zeichneten sie. Der dänisch-deutsche Reisende Carsten Niebuhr fertigte 1765 sorgfältige Abschriften der Inschriften an. Mithilfe dieser Abschriften erkannte der deutsche Gelehrte Georg Friedrich Grotefend 1802 mehrere Königsnamen in der altpersischen Keilschrift. Das war ein wichtiger früher Schritt bei der Entzifferung der Keilschrift.
Wissenschaftliche Ausgrabungen begannen 1931 unter Ernst Herzfeld für das Oriental Institute der University of Chicago. Erich Schmidt setzte sie von 1935 bis 1939 fort. Die Teams legten die Treppen der Apadana, die Schatzkammer und die Tafelarchive frei. Einen Teil des sogenannten Harems des Xerxes bauten sie als Arbeitsstätte und Museum wieder auf. Iranische Archäologinnen und Archäologen führten weitere Arbeiten durch; seit den 1960er-Jahren war auch ein italienisches Restaurierungsteam beteiligt. 1971 ließ Mohammad Reza Schah Pahlavi in Persepolis aufwendige Feiern zum 2.500-jährigen Bestehen der iranischen Monarchie veranstalten. Die Kosten und die politische Bedeutung der Feiern wurden kritisiert.
Fortgeschritten
Die Tafelarchive: Schriftstücke aus einem Weltreich
1933 fand Herzfelds Team in der Befestigungsmauer im Nordosten der Terrasse Zehntausende Tontafeln und Bruchstücke. Diese Festungstafeln stammen aus den Jahren 509 bis 493 v. Chr., der Regierungszeit Dareios’ I. Die meisten sind auf Elamisch verfasst, etwa tausend auf Aramäisch und einige wenige in anderen Sprachen. Dazu gehören je eine Tafel auf Altpersisch, Griechisch und Phrygisch. Die Texte verzeichnen, wie Lebensmittel und Tiere aus Lagern an Arbeiter, Beamte, Reisende und die königliche Familie verteilt oder für religiöse Opfer verwendet wurden. Ein zweites, kleineres Archiv aus der Schatzkammer (492–457 v. Chr.) dokumentiert Zahlungen, zum Teil in Silber.
Iran lieh die Tafeln 1935 dem Oriental Institute zur wissenschaftlichen Bearbeitung. Richard Hallocks Ausgabe von 2.087 elamischen Texten aus dem Jahr 1969 veränderte das Forschungsgebiet grundlegend. Seit 2006 arbeitet das von Matthew Stolper geleitete Persepolis Fortification Archive Project daran, das übrige Material zu erfassen und zu veröffentlichen. Im Lauf der Jahrzehnte wurden mehrere Hundert Tafeln an Iran zurückgegeben. Das Archiv war auch Gegenstand des Rechtsstreits Rubin gegen die Islamische Republik Iran: Opfer eines Bombenanschlags von 1997 wollten die Tafeln beschlagnahmen lassen, um ein Urteil gegen Iran durchzusetzen. 2018 entschied der Oberste Gerichtshof der USA einstimmig, dass die Artefakte nach dem betreffenden Gesetz nicht beschlagnahmt werden dürfen.
Die Archive zeigen eine Welt, die in den Berichten griechischer Geschichtsschreiber kaum vorkommt: staatlich finanzierte Opfer für elamische und iranische Gottheiten, Reisen auf den Königsstraßen und den Alltag eines antiken Reiches. Sie belegen auch die Rolle königlicher Frauen wie Irdabama und Irtašduna (Artystone), die Landgüter und Arbeitskräfte verwalteten. Tausende Siegelabdrücke auf den Tafeln sind zudem eine wichtige Quelle für die Kunst der Achämeniden.
Fortgeschritten
Forschungsdebatten: Nutzung, Bedeutung und Blickwinkel
Wozu diente Persepolis? Nach einer früher einflussreichen Ansicht war es vor allem eine Zeremonienstadt für das Neujahrsfest Nouruz. Gesandtschaften seien zu diesem Anlass gekommen, um Geschenke zu überreichen; manche deuteten die Reliefs der Apadana als Darstellung dieses Ereignisses. Viele Forschende weisen heute darauf hin, dass keine direkte antike Quelle Persepolis mit Nouruz verbindet. Die Festungstafeln zeigen außerdem, dass die Gegend ganzjährig ein reges regionales Verwaltungszentrum war. Die Terrasse vereinte vermutlich königlichen Wohnsitz, Ort für Zeremonien, Schatzkammer und Verwaltung.
Was zeigen die Reliefs? Früher wurden die Gaben der Gesandtschaften oft als „Tribut“ bezeichnet. Andere Forschende sehen in den Darstellungen ein idealisiertes Bild der Reichsordnung und keine Aufzeichnung eines bestimmten Ereignisses. Die Gaben könnten symbolische Geschenke gewesen sein und nicht die regelmäßigen Steuern des Reiches. Zwei zentrale Audienzreliefs zeigen einen thronenden König und einen Kronprinzen, die einen Beamten empfangen. Sie wurden schon in der Antike von den Treppen der Apadana in die Schatzkammer versetzt. Welche Könige sie darstellen, ist umstritten.
Aus welcher Sicht sollte die Geschichte des Reiches erzählt werden? Jahrhundertelang prägten griechische Autoren wie Herodot das westliche Bild Persiens. Sie schrieben aus der Sicht der Gegner der Perser. Später kam die Erzählung eines angeblichen persischen „Niedergangs“ hinzu, der mit Alexanders Sieg geendet habe. Seit den 1980er-Jahren regten die von Heleen Sancisi-Weerdenburg und Amélie Kuhrt organisierten Achaemenid History Workshops sowie Historiker wie Pierre Briant dazu an, persische, elamische, babylonische und aramäische Quellen stärker in den Mittelpunkt zu stellen. Mit seinen Inschriften, Reliefs und Archiven ist Persepolis für diesen Wandel besonders wichtig. In Iran hat die Stätte zugleich eine starke nationale Bedeutung, die von der Pahlavi-Monarchie und der Islamischen Republik unterschiedlich gedeutet wurde.
Fortgeschritten
Quellen, Erhaltung und offene Fragen
Vieles, was wir über Persepolis wissen, stammt aus den Ausgrabungen der University of Chicago in den 1930er-Jahren. Ihre Ergebnisse wurden vor allem in Erich Schmidts dreibändigem Werk Persepolis (1953–1970) veröffentlicht. Gemessen an heutigen Maßstäben arbeiteten die Ausgräber schnell. Fragen zur Schichtenfolge, zur Bauabfolge und zu entfernten oder wiederaufgebauten Teilen sind offen. Einige Reliefs und Gegenstände gelangten durch den Handel mit antiken Fundstücken oder schon in früheren Jahrhunderten an andere Orte. Sie befinden sich heute in Museen außerhalb Irans.
Die Erhaltung der Anlage steht vor anhaltenden Herausforderungen: Kalkstein verwittert, Flechten und andere Organismen wachsen auf den Reliefs, Regen und Temperaturwechsel wirken auf die Steine ein, und der Tourismus belastet die Stätte. Iranische Fachleute überwachen und behandeln die Steine, teils gemeinsam mit internationalen Partnern. Sie diskutieren auch, wie viel Restaurierung und welche Schutzdächer angemessen sind.
Offene Forschungsfragen betreffen die genaue Bauzeit der einzelnen Gebäude, die ursprünglichen Farben der Reliefs und die Identität der dargestellten Gesandtschaften. Untersucht wird auch das Verhältnis von Persepolis zu nahe gelegenen Stätten wie Pasargadae und Naqsch-e Rostam, wo Dareios I. und drei weitere Könige in Felsgräbern bestattet sind. Ebenso ist noch nicht vollständig geklärt, wie die Terrasse und die umliegende Unterstadt zusammenwirkten. Neue Entzifferungen der Festungstafeln verändern das Bild weiterhin.
Kernideen
- Darstellung königlicher Macht
- Persepolis sollte Besuchern und Untertanen die Macht, Ordnung und den Reichtum des achämenidischen Königs zeigen.
- Friedliches Reich
- Die Reliefs zeigen die Völker des Reiches, die in Eintracht Geschenke bringen. Kriegs- und Gewaltszenen fehlen.
- Viele Völker, ein Bauprojekt
- Arbeiter, Handwerker und Baumaterialien aus dem ganzen Reich trugen zu den königlichen Bauten bei.
- Verwaltungszentrum
- Die Tafelarchive zeigen Persepolis als Zentrum für die Versorgung, Abgaben, Reisen und Aufzeichnungen.
- Vielsprachiges Reich
- Altpersisch, Elamisch, Babylonisch und Aramäisch wurden nebeneinander in Inschriften und Aufzeichnungen verwendet.
- Zerstörung und Erinnerung
- An Alexanders Brand von Persepolis wird in griechischen, iranischen und heutigen Erzählungen unterschiedlich erinnert.
- Über die griechische Sicht hinaus
- Persepolis liefert Quellen aus dem Persischen Reich, mit denen sich ältere, vor allem auf griechische Autoren gestützte Geschichtsbilder überprüfen lassen.
Einträge
- 522 v. Chr. — Dareios I. wird nach einer Thronfolgekrise König (522 v. Chr.).
- um 518 v. Chr. — Unter Dareios I. beginnt der Bau der Terrasse von Persepolis (um 518–515 v. Chr.).
- 509 v. Chr. — Die ältesten Festungstafeln von Persepolis werden beschrieben (509 v. Chr.; die Aufzeichnungen reichen bis 493 v. Chr.).
- 486 v. Chr. — Xerxes I. wird König und setzt die Bauarbeiten fort, darunter am Tor aller Länder (486 v. Chr.).
- 480 v. Chr. — Das Heer des Xerxes brennt die Tempel auf der Athener Akropolis nieder (480 v. Chr.). Dies wird später als Grund für eine Vergeltung angeführt.
- 330 v. Chr. — Die Truppen Alexanders des Großen plündern und verbrennen Persepolis (330 v. Chr.).
- 1802 — Georg Friedrich Grotefend erkennt Königsnamen in der altpersischen Keilschrift.
- 1931 — Ernst Herzfeld beginnt Ausgrabungen für das Oriental Institute der University of Chicago; Erich Schmidt setzt sie 1935–1939 fort.
- 1933 — Die Festungstafeln und die Gründungstafeln der Apadana werden entdeckt.
- 1971 — In Persepolis finden Feiern zum 2.500-jährigen Bestehen der iranischen Monarchie statt.
- 1979 — Persepolis wird in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen.
- 2018 — Der Oberste Gerichtshof der USA entscheidet im Fall Rubin gegen Iran, dass die Tafeln von Persepolis nicht beschlagnahmt werden dürfen.
Glossar
- Achämenide
- Angehöriger der persischen Königsdynastie (um 550–330 v. Chr.), die nach ihrem sagenhaften Vorfahren Achaimenes benannt ist.
- Apadana
- Ein altpersisches Wort für einen Audienzsaal mit Säulen; den größten Saal dieser Art in Persepolis ließ Dareios I. beginnen.
- Terrasse
- Eine erhöhte, ebene Fläche; Persepolis steht auf einer zum Teil künstlich angelegten Terrasse an einem Berg.
- Relief
- Ein in Stein gearbeitetes Bild, dessen Figuren sich von einem flachen Hintergrund abheben.
- Keilschrift
- Eine Schrift aus keilförmigen Zeichen, die in Ton gedrückt oder in Stein gemeißelt wurden. Sie wurde für viele Sprachen des antiken Nahen Ostens verwendet.
- Elamisch
- Eine alte Sprache Südwestirans, in der die meisten Verwaltungstafeln von Persepolis verfasst sind.
- Satrapie
- Eine Provinz des Achämenidenreiches, die von einem Satrapen verwaltet wurde.
- Kurtaš
- Bezeichnung auf den Tafeln von Persepolis für Arbeitskräfte, die von der königlichen Verwaltung Rationen erhielten.
- Ahuramazda
- Der höchste Gott, den die achämenidischen Könige in ihren Inschriften anriefen.
- Takht-e Jamshid
- „Thron des Dschamschid“: der persische Name für Persepolis, benannt nach einem sagenhaften König.
- Nouruz
- Das iranische Neujahrsfest zur Frühlings-Tagundnachtgleiche. Lange nahm man an, dass es das wichtigste Fest in Persepolis war.
Fragen und Antworten
Lebte der persische König ständig in Persepolis?
Nein. Die Könige reisten zwischen mehreren Hauptstädten wie Susa, Babylon und Ekbatana. Persepolis war eines ihrer Zentren und diente Zeremonien und der Verwaltung.
Wurde Persepolis von Sklaven erbaut?
Die Tafeln zeigen, dass Arbeitskräfte aus vielen Völkern regelmäßig Rationen erhielten. Mütter bekamen nach einer Geburt zusätzliches Essen. Der genaue rechtliche Status der Beschäftigten ist umstritten. Die Quellen weisen aber auf eine organisierte Versorgung der Arbeitskräfte hin und nicht einfach auf Sklavenarbeit.
Warum ließ Alexander Persepolis niederbrennen?
Die antiken Autoren sind sich uneinig. Manche nennen Rache für die Zerstörung Athens durch die Perser 480 v. Chr.; andere berichten von einem Trinkgelage. Ob der Brand geplant war oder aus einem plötzlichen Entschluss entstand, wird noch diskutiert.
Welche Sprachen stehen auf den Inschriften von Persepolis?
Die Königsinschriften sind meist in drei Sprachen verfasst: Altpersisch, Elamisch und Babylonisch. Die meisten alltäglichen Aufzeichnungen sind auf Elamisch, viele weitere auf Aramäisch.
Wer sind die Menschen auf den Treppenreliefs?
Sie stellen 23 Gesandtschaften aus Ländern des Reiches dar, darunter Meder, Lyder, Ionier, Ägypter, Inder und Nubier. Sie bringen dem König Geschenke. Bei manchen Gruppen ist die Zuordnung unsicher.
Wurde in Persepolis das Nouruzfest gefeiert?
Das ist eine alte und bekannte Theorie, aber es gibt dafür keinen direkten Beleg aus der Antike. Viele Forschende gehen heute davon aus, dass Persepolis mehreren königlichen und administrativen Zwecken diente.
Warum sind die Tafeln von Persepolis wichtig?
Sie bilden die größte Sammlung von Dokumenten aus dem Persischen Reich selbst. Sie zeigen, wie das Reich Arbeitskräfte versorgte, Beamte bezahlte und Reisen organisierte – Dinge, über die griechische Geschichtsschreiber kaum berichteten.
Quellen und weiterführende Literatur
- Persepolis. UNESCO World Heritage Centre
- Persepolis. Wikipedia
- Apadana. Wikipedia
- Persepolis Administrative Archives. Wikipedia
- Achaemenid Empire. Wikipedia
- Naqsh-e Rostam. Wikipedia
- Erich F. Schmidt, Persepolis I: Structures, Reliefs, Inscriptions. University of Chicago Press, 1953
- Richard T. Hallock, Persepolis Fortification Tablets. University of Chicago Press, 1969
- Pierre Briant (trans. Peter T. Daniels), From Cyrus to Alexander: A History of the Persian Empire. Eisenbrauns, 2002
Verwandte Inhalte
- Schlacht bei MarathonEine Schlacht im Jahr 490 v. Chr., in der ein von Athen geführtes griechisches Heer eine persische Streitmacht bei Marathon besiegte.
- Schlacht von GaugamelaEine Schlacht im Jahr 331 v. Chr., in der das Heer Alexanders von Makedonien die Truppen des persischen Königs Dareios III. besiegte.
- ParthenonEin im 5. Jahrhundert v. Chr. errichteter Tempel der Athene auf der Athener Akropolis.
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- Codex HammurapiEine Sammlung von Rechtssprüchen aus der Herrschaft Hammurapis, des Königs von Babylon, im 18. Jahrhundert v. Chr.
Mit KI-Unterstützung auf Grundlage der oben aufgeführten veröffentlichten Quellen verfasst und bei neuen Forschungsergebnissen überarbeitet.
