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Für junge Leser
Vor etwa 2.500 Jahren war Persien das größte Reich der Welt. Sein König Dareios herrschte über Länder von Ägypten bis Indien. Athen war nur eine griechische Stadt und viel kleiner als das Reich. Aber Athen hatte anderen griechischen Städten geholfen, die sich gegen die persische Herrschaft wehrten. Dareios war wütend und schickte Schiffe voller Soldaten über das Meer.
Die persischen Soldaten landeten an einem Strand bei Marathon. Dort lag eine flache Ebene zwischen Bergen und Meer, etwa 40 Kilometer von Athen entfernt. Die Athener zogen ihnen entgegen. Auch die kleine Nachbarstadt Plataiai schickte Soldaten zur Hilfe. Die Griechen trugen schwere Rüstungen und kämpften mit großen runden Schilden und langen Speeren.
Mehrere Tage lang beobachteten sich die beiden Heere. Dann griffen die Griechen plötzlich an. Die letzte Strecke liefen sie und stießen auf die persischen Soldaten. In der Mitte wurden die Griechen zurückgedrängt. Aber an beiden Seiten gewannen sie. Von dort griffen sie die Perser in der Mitte an. Die Perser flohen zu ihren Schiffen.
Später erzählte man sich eine Geschichte: Ein Bote sei von Marathon bis nach Athen gelaufen, habe „Wir haben gewonnen!“ gerufen und sei dann tot umgefallen. Im ältesten Bericht über die Schlacht steht diese Geschichte nicht. Vielleicht ist sie also nicht wahr. Sie gab aber die Idee für einen neuen Lauf bei den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit im Jahr 1896: den Marathon.
Für die Athener war der Sieg bei Marathon sehr wichtig. Sie begruben ihre gefallenen Soldaten direkt auf dem Schlachtfeld unter einem großen Erdhügel. Sie malten Bilder von der Schlacht und erzählten immer wieder davon. Den Hügel kann man heute noch sehen.
Auf einen Blick
- Datum
- 490 v. Chr., Spätsommer; meist auf etwa den 12. September datiert, doch auch ein Termin im August wird vertreten
- Ort
- Ebene von Marathon, im Nordosten Attikas, Griechenland, etwa 40 km von Athen entfernt
- Kriegsparteien
- Athen und Plataiai gegen ein Expeditionsheer des persischen Achämenidenreichs
- Befehlshaber
- Griechen: der Polemarch Kallimachos und zehn athenische Feldherren, darunter Miltiades; Perser: Datis und Artaphernes
- Truppenstärke
- Etwa 9.000–10.000 Athener und etwa 1.000 Plataier; die persische Truppenstärke ist unbekannt, moderne Schätzungen gehen häufig von etwa 20.000–25.000 Fußsoldaten aus
- Verluste (nach Herodot)
- 192 Athener und etwa 6.400 Perser getötet
- Ergebnis
- Griechischer Sieg; das persische Expeditionsheer zog sich nach Asien zurück
- Wichtigste Quelle
- Herodot, Historien, Buch 6, etwa zwei Generationen später verfasst
Einfach
Was war die Schlacht bei Marathon?
Die Schlacht bei Marathon fand im Sommer 490 v. Chr. zwischen dem Stadtstaat Athen, unterstützt von seinem kleinen Verbündeten Plataiai, und einem Heer statt, das Dareios I., der König des persischen Achämenidenreichs, entsandt hatte. Sie wurde auf der Ebene von Marathon ausgetragen, einem flachen Landstreifen an der Ostküste Attikas, der Region um Athen.
Die persische Streitmacht hatte mit Schiffen die Ägäis überquert, unterwegs Inseln angegriffen und die Stadt Eretria auf der Insel Euböa zerstört. Anschließend landete sie bei Marathon. Das athenische Heer aus Bürgersoldaten zog ihr entgegen und schlug ein Lager gegenüber den Persern auf. Nach mehreren Tagen des Wartens griffen die Griechen an und errangen einen klaren Sieg. Die Perser entkamen zu ihren Schiffen und segelten schließlich nach Hause.
Es war das erste Mal, dass ein Heer aus Griechen vom Festland ein persisches Heer in einer großen offenen Feldschlacht besiegte. Die Schlacht beendete die Kriege zwischen Griechen und Persern nicht: Zehn Jahre später fiel Dareios’ Sohn Xerxes mit einem viel größeren Heer in Griechenland ein. Doch Marathon zeigte, dass die persischen Streitkräfte besiegt werden konnten, und wurde zu einer der stolzesten Erinnerungen Athens.
Einfach
Warum kam Persien nach Griechenland?
Mitte des 6. Jahrhunderts v. Chr. eroberte der persische König Kyros der Große ein riesiges Gebiet. Dazu gehörten die griechischen Städte an der Küste Kleinasiens, im Westen der heutigen Türkei. Die Griechen nannten diese Region Ionien. Die Städte wurden durch einheimische griechische Tyrannen regiert, die Persien treu waren.
Um 499 v. Chr. erhoben sich die ionischen Städte. Athen und Eretria schickten Schiffe zu ihrer Unterstützung. Im Jahr 498 v. Chr. brannten die Aufständischen und ihre Verbündeten Sardes nieder, eine wichtige persische Verwaltungshauptstadt. Bis 494 v. Chr. war der Aufstand niedergeschlagen: Die Perser besiegten die ionische Flotte bei Lade und plünderten Milet. Herodot berichtet, dass Dareios Athens Beteiligung nie vergaß.
Es gab auch einen persönlichen und politischen Grund. Hippias, der letzte Tyrann Athens, war 510 v. Chr. vertrieben worden und an den persischen Hof gegangen. Er hoffte, dass die Perser ihn wieder an die Macht bringen würden. Laut Herodot führte der inzwischen alte Hippias die Perser nach Marathon. Vielleicht tat er das, weil seine Familie in diesem Teil Attikas Anhänger hatte und sein Vater Peisistratos Jahrzehnte zuvor dort gelandet war, bevor er die Macht ergriff.
Vor dem Feldzug schickte Dareios Boten in griechische Städte und verlangte „Erde und Wasser“, das traditionelle Zeichen der Unterwerfung. Viele Städte stimmten zu. Athen und Sparta lehnten ab; Herodot berichtet sogar, dass sie die Boten töteten.
Einfach
Wer kämpfte, und wie?
Das athenische Heer bestand aus Hopliten: Bürgern, die sich einen Bronzehelm, einen Brustpanzer, Beinschienen, einen großen runden Schild und einen langen Stoßspeer leisten konnten. Sie kämpften Schulter an Schulter in einer dichten Formation, der Phalanx. Dabei schützte der Schild jedes Mannes auch teilweise den Mann neben ihm. Hopliten waren keine Berufssoldaten. Sie waren Bauern, Handwerker und Grundbesitzer, die dienten, wenn ihre Stadt sie rief.
Athen konnte ungefähr 9.000–10.000 Hopliten aufbieten. Plataiai, eine kleine Stadt im benachbarten Böotien, die seit Langem mit Athen befreundet war, schickte ihr gesamtes Heer von etwa 1.000 Mann. Sparta, die stärkste Militärmacht Griechenlands, versprach Hilfe, traf aber nicht rechtzeitig ein.
Das persische Heer war vielfältiger. Es umfasste Soldaten aus vielen Völkern des Reiches. Sie waren oft leichter gerüstet als griechische Hopliten und trugen Schilde aus Flechtwerk. Das Heer setzte stark auf Bogenschützen und Reiterei. Herodot schreibt, die Flotte habe 600 Trieren (Kriegsschiffe) umfasst, doch diese Zahl könnte übertrieben oder überliefert sein. Zur Zahl der Soldaten macht er keine Angabe. Spätere antike Autoren nannten Hunderttausende, was unmöglich ist. Moderne Historiker schätzen meist etwa 20.000–25.000 Kämpfer sowie eine kleinere Reitertruppe, doch jede Zahl ist eine Schätzung.
Die Perser wurden von Datis, einem Meder, und Artaphernes, einem Neffen des Dareios, befehligt. Auf athenischer Seite war der Befehl geteilt: Es gab zehn Feldherren, je einen aus jeder der zehn athenischen Phylen, sowie den Polemarchen (Kriegsarchonten) Kallimachos. Der bekannteste Feldherr war Miltiades. Er gehörte einer einflussreichen athenischen Familie an, hatte einst unter persischer Oberherrschaft auf der thrakischen Chersones (Gallipoli) geherrscht und kannte die persische Kriegführung.
Mittel
Der Feldzug von 490 v. Chr.
Der persische Feldzug von 490 v. Chr. war der zweite Versuch, Griechenland zu erreichen. Im Jahr 492 v. Chr. war eine Streitmacht unter Mardonios durch Thrakien und Makedonien vorgerückt, doch ihre Flotte war in einem Sturm vor dem Berg Athos zerstört worden. Diesmal segelten die Perser direkt über die Ägäis. Sie eroberten Naxos, das ihnen zehn Jahre zuvor Widerstand geleistet hatte, und andere Inseln unterwarfen sich. Das Apollon geweihte Heiligtum auf Delos behandelten sie mit Respekt. Das deutet auf eine bewusste Politik hin, griechische Götter zu ehren.
Anschließend griff die Flotte Eretria auf Euböa an. Laut Herodot verrieten nach einer sechstägigen Belagerung zwei führende Eretrier die Stadt. Die Perser brannten als Vergeltung für Sardes ihre Tempel nieder und verschleppten die Einwohner. Herodot berichtet später, dass Dareios die gefangenen Eretrier in Kissia im persischen Kernland ansiedelte, wo sie zu seiner Zeit noch Griechisch sprachen.
Von Euböa setzten die Perser nach Marathon über. Die Athener schickten einen Läufer namens Philippides, den spätere Quellen Pheidippides nennen, nach Sparta, um Hilfe zu erbitten. Herodot zufolge erreichte er Sparta am Tag nach seinem Aufbruch, nach einer Strecke von etwa 240 km. Die Spartaner antworteten, dass sie wegen eines religiösen Festes, meist mit den Karneien gleichgesetzt, erst nach dem Vollmond ausrücken könnten. Währenddessen zog das athenische Heer nach Marathon und lagerte bei einem Heiligtum des Herakles. Dort versperrte es die Straßen nach Athen. Die Plataier stießen zu ihm.
Mehrere Tage lang griff keine Seite an. Die Griechen hielten eine starke Stellung. Möglicherweise warteten die Perser darauf, dass Anhänger in Athen sich zu ihren Gunsten erhoben, oder auf eine Gelegenheit, einen Teil ihrer Streitmacht über das Meer zu verlegen. Herodot schildert eine Debatte unter den zehn Feldherren: Die Hälfte wollte auf die Spartaner warten, die andere Hälfte kämpfen. Miltiades überzeugte Kallimachos, seine Stimme für die Schlacht abzugeben. Herodot fügt hinzu, dass die Feldherren, die mit dem Oberbefehl an der Reihe waren, ihre Tage Miltiades überließen. Er wartete jedoch bis zu seinem eigenen Tag, bevor er angriff.
Mittel
Die Schlacht
Damit die längere persische Linie sie nicht an den Flanken umfassen konnte, dehnten die Athener ihre eigene Linie auf dieselbe Länge aus. Dafür machten sie das Zentrum dünn, nur wenige Reihen tief, während die Flügel stark blieben. Der Polemarch Kallimachos befehligte den rechten Flügel, den Ehrenplatz; die Plataier hielten den linken. Laut Plutarch standen die Phylen des Themistokles und des Aristeides im Zentrum.
Herodot berichtet, die Athener seien über eine Strecke von etwa acht Stadien (rund 1,5 km) vorgerückt und „im Laufschritt“ angegriffen. Sie seien die ersten Griechen gewesen, von denen er dies wisse, und die ersten, die sich beim Anblick medischer Kleidung nicht gefürchtet hätten. Moderne Autoren bezweifeln, dass schwer gerüstete Männer die gesamte Strecke laufen konnten. Nach einer verbreiteten Ansicht gingen sie den größten Teil des Weges und liefen erst das letzte Stück, als sie in die Reichweite der persischen Bogenschützen kamen.
Im langen Kampf, der folgte, durchbrachen die besten persischen Truppen – die Perser selbst und die Saken, die im Zentrum standen – das griechische Zentrum und verfolgten es landeinwärts. An beiden Flügeln siegten jedoch die Griechen. Statt den geschlagenen Gegnern nachzusetzen, schwenkten die beiden Flügel nach innen und griffen das persische Zentrum von beiden Seiten an. Die Perser flohen zum Ufer und zu ihren Schiffen, während die Griechen sie bis ins Meer verfolgten. Bei den Schiffen wurde heftig gekämpft. Die Athener erbeuteten sieben Schiffe, doch die übrigen entkamen.
Herodot nennt 192 gefallene Athener und etwa 6.400 gefallene Perser. Unter den athenischen Toten waren der Polemarch Kallimachos, ein Feldherr namens Stesilaos und Kynegeiros, der Bruder des Dramatikers Aischylos. Als Kynegeiros das Heck eines persischen Schiffes packte, wurde ihm die Hand mit einer Axt abgeschlagen. Aischylos selbst kämpfte in der Schlacht. Die Verluste der Plataier sind nicht überliefert. Auch die Zahl der versklavten Menschen, die kämpften und starben, ist ungewiss; Pausanias erwähnt Jahrhunderte später, dass bei Marathon Sklaven begraben wurden.
Mittel
Nach der Schlacht: die Rückkehr nach Athen und die Spartaner
Mit der Schlacht war die Gefahr noch nicht vorbei. Die persische Flotte segelte um Kap Sounion nach Phaleron, dem alten Hafen Athens, vielleicht in der Hoffnung, die Stadt unverteidigt vorzufinden. Herodot berichtet von dem Gerücht, jemand habe den Persern von einem Berg aus mit einem Schild ein Signal gegeben. Die Familie der Alkmaioniden sei dafür verantwortlich gemacht worden; er selbst weist die Anschuldigung zurück. Das athenische Heer marschierte rasch in die Stadt zurück und lagerte bei einem weiteren Heraklesheiligtum, in Kynosarges. Als die persischen Schiffe eintrafen und das wartende Heer sahen, landeten sie nicht und segelten bald nach Asien zurück.
Nach dem Vollmond trafen 2.000 Spartaner ein. Sie waren in drei Tagen von Sparta nach Attika marschiert, kamen aber zu spät für den Kampf. Sie baten darum, die gefallenen Perser zu sehen, betrachteten sie auf dem Schlachtfeld, lobten die Athener und kehrten nach Hause zurück.
Für Persien war Marathon ein Rückschlag, aber keine Katastrophe. Der Feldzug hatte Eretria bestraft und mehrere Inseln unter persische Kontrolle gebracht. Dareios begann, einen größeren Angriff vorzubereiten, starb jedoch 486 v. Chr. Sein Sohn Xerxes führte den Feldzug 480 v. Chr. an. In diesem Krieg kam es zu den Schlachten bei den Thermopylen, bei Salamis und bei Plataiai. Er endete 479 v. Chr. mit dem griechischen Sieg bei Plataiai.
In Athen stärkte der Sieg das Ansehen der Hopliten und des Miltiades. Doch Miltiades verlor bald seine Stellung. Im Jahr 489 v. Chr. führte er einen gescheiterten Feldzug gegen die Insel Paros, wurde angeklagt und zu einer Geldstrafe von 50 Talenten verurteilt. Er starb an einer entzündeten Wunde. Unterdessen überzeugte Themistokles die Athener, eine große Flotte zu bauen. Diese Flotte entschied den Krieg bei Salamis, nicht das Hoplitenheer von Marathon.
Mittel
Wie Athen Marathon in Erinnerung behielt
Die Athener taten etwas Ungewöhnliches: Sie brachten ihre Toten nicht zur Bestattung nach Hause, wie es später üblich wurde, sondern begruben die 192 Gefallenen auf dem Schlachtfeld unter einem großen Erdhügel. Dieser Soros steht noch immer auf der Ebene und ist etwa 9 m hoch. Viele halten einen weiteren Hügel in der Nähe für das Grab der Plataier. Die Männer, die gekämpft hatten, die Marathonkämpfer (Marathonomachai), wurden für den Rest ihres Lebens geehrt.
Der Sieg wurde in Kunst und Religion gefeiert. Ein großes Gemälde der Schlacht schmückte die Bunte Halle (Stoa Poikile) auf der Agora von Athen. Es zeigte Miltiades, Kallimachos sowie Götter und Heroen wie Theseus, die für Athen kämpften. Die Athener stifteten in Delphi ein Schatzhaus, das antike Autoren mit Marathon in Verbindung brachten. In einer Höhle am Hang der Akropolis wurde ein Kult für Pan eingerichtet, weil Pan Philippides auf dessen Lauf begegnet sein und Hilfe versprochen haben soll.
Der große Tragödiendichter Aischylos soll eine Grabinschrift gewählt haben, die nur seinen Mut bei Marathon erwähnte, nicht aber seine Theaterstücke. Für spätere Athener wurden „die Männer von Marathon“ zum Sinnbild alter Tugenden. Redner beriefen sich immer wieder auf sie, besonders als Athen im 4. Jahrhundert v. Chr. neuen Bedrohungen durch Makedonien gegenüberstand.
Die Geschichte von dem Boten, der von Marathon nach Athen lief und nach der Verkündung des Sieges starb, erscheint erstmals bei Autoren der römischen Zeit, darunter Plutarch und Lukian, etwa 500–600 Jahre nach der Schlacht. Herodot erwähnt nur den Lauf nach Sparta. Als der französische Gelehrte Michel Bréal für die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit 1896 in Athen einen Langstreckenlauf vorschlug, ließ er sich von dieser späteren Legende anregen. Die Strecke wurde später auf 42,195 km festgelegt.
Fortgeschritten
War Marathon ein Wendepunkt? Griechische und persische Sichtweisen
Lange Zeit betrachteten europäische Autoren Marathon als entscheidenden Moment der Weltgeschichte. Im 19. Jahrhundert bemerkte John Stuart Mill, Marathon sei für die englische Geschichte wichtiger gewesen als die Schlacht bei Hastings. Edward Creasy nahm die Schlacht in sein Werk über die „fünfzehn entscheidenden Schlachten der Welt“ (1851) auf. Diese Ansichten spiegelten eine Erzählung wider, die von Herodots griechischen Lesern und späteren europäischen Lesern übernommen wurde: freie Griechen, die „den Westen“ gegen eine „orientalische“ Gewaltherrschaft verteidigten.
Die moderne Forschung ist vorsichtiger. Historiker des Achämenidenreichs weisen darauf hin, dass keine persische Quelle die Schlacht erwähnt. Für das Zentrum des Reiches war der Feldzug von 490 v. Chr. eine vergleichsweise begrenzte Unternehmung an einer fernen Grenze. Seine Hauptziele – Eretria und Athen zu bestrafen und vielleicht Hippias wieder einzusetzen – wurden nur teilweise erreicht, doch das Reich verlor wenig. Aus dieser Sicht war Marathon eine Niederlage vor Ort, keine Katastrophe. Das in späteren griechischen Texten verbreitete Bild der Perser als verweichlicht und feige gilt heute teilweise als Ergebnis der griechischen Selbstbeschreibung nach den Kriegen.
Zugleich hatte die Schlacht wirkliche Folgen. Sie verhinderte, dass in Athen unter persischem Schutz erneut eine Tyrannis errichtet wurde, stärkte die jungen demokratischen Einrichtungen, die Kleisthenes 508/7 v. Chr. geschaffen hatte, und gab den Athenern großes Selbstvertrauen. Manche Historiker meinen, ohne Marathon seien die spätere athenische Flotte, der Attische Seebund und die kulturellen Leistungen des Athen im 5. Jahrhundert v. Chr., darunter der Parthenon, schwer vorstellbar. Andere warnen, dass solche Überlegungen darüber, was sonst geschehen wäre, spekulativ sind.
Auch an Menschen, deren Geschichten kaum erzählt werden, sollte erinnert werden: an die nach Persien verschleppten Eretrier, an die Plataier, deren Beitrag in der athenischen Erinnerung oft in den Hintergrund trat, an die Sklaven, die kämpften, und an die vielen Soldaten des persischen Heeres, die aus Ionien, Ägypten, der Levante und Zentralasien kamen und diesen Krieg nicht selbst gewählt hatten.
Fortgeschritten
Quellen, Zahlen und offene Fragen
Fast alles, was wir wissen, stammt von Herodot aus Halikarnassos. Seine Historien entstanden Mitte bis Ende des 5. Jahrhunderts v. Chr., etwa 40–60 Jahre nach der Schlacht. Herodot sprach mit Menschen, deren Eltern und Großeltern sich an den Krieg erinnerten. Sein Bericht über Marathon ist jedoch kurz und lässt vieles aus, was ein Militärhistoriker wissen möchte: die genauen Standorte der Lager, die Rolle der persischen Reiterei und den zeitlichen Ablauf. Spätere Quellen, darunter Cornelius Nepos, Plutarch und Pausanias, ergänzen Einzelheiten. Es ist aber schwer zu beurteilen, ob diese aus guten älteren Quellen stammen oder später ausgeschmückt wurden.
Die Frage nach der Reiterei ist das bekannteste Rätsel. Herodot erwähnt im Kampf keine persischen Reiter, obwohl die Perser Pferde mitgebracht hatten. Ein byzantinisches Wörterbuch, die Suda, überliefert das Sprichwort „Die Reiter sind fort“ (chōris hippeis). Sie erklärt es mit einer Geschichte, nach der ionische Überläufer den Athenern mitteilten, die persische Reiterei sei abgezogen. Das habe Miltiades zum Angriff veranlasst. Manche Historiker vermuten, dass die Perser ihre Reiterei wieder einschifften, um nach Athen zu segeln. Das würde erklären, warum die Athener schließlich angriffen. Andere bezweifeln die Aussage dieser späten Quelle.
Auch das Datum ist umstritten. Es hängt davon ab, wann der Vollmond und das spartanische Fest im Jahr 490 v. Chr. stattfanden. Das traditionelle Datum, der 12. September, wurde vom Gelehrten August Böckh im 19. Jahrhundert errechnet. Wenn der spartanische Kalender einen Monat früher begann, hätte die Schlacht im August stattgefunden. Über die Größe der Heere, die Länge der griechischen Schlachtreihe und die Frage, ob die Griechen die gesamten 1,5 km liefen, wird anhand von Herodots knappen Angaben, der Landschaft und der körperlichen Grenzen gerüsteter Männer diskutiert.
Die Archäologie liefert weitere Hinweise. Bei Ausgrabungen des Soros im späten 19. Jahrhundert fand man verbrannte Überreste, Asche und Keramik aus der passenden Zeit. Das stützt seine Deutung als Grab der gefallenen Athener. Einen weiteren Hügel bei Vrana, der 1970 ausgegraben wurde, halten manche für das Grab der Plataier; sicher ist das nicht. Eine beschriftete Gefallenenliste der Phyle Erechtheis, die im Jahr 2000 in der Villa des Herodes Atticus auf der Peloponnes gefunden wurde, gilt mehreren Forschern als Abschrift oder Original eines Denkmals für Marathon. Auch diese Zuordnung ist umstritten. Die antike Küstenlinie und das Sumpfgebiet auf der Ebene haben sich verändert, was die Rekonstruktion des Schlachtfeldes erschwert.
Kernideen
- Hoplitenphalanx
- Eine dichte Formation schwer bewaffneter Bürgersoldaten mit Speeren, deren überlappende Schilde einander schützten; sie bildete bei Marathon das Rückgrat des griechischen Heeres.
- Doppelte Umfassung
- Die griechischen Flügel besiegten ihre Gegner, schwenkten dann nach innen und griffen das feindliche Zentrum von beiden Seiten an.
- Strafexpedition
- Aus persischer Sicht sollte der Feldzug Eretria und Athen für ihre Beteiligung am Ionischen Aufstand bestrafen, statt ganz Griechenland zu erobern.
- Erinnerung einer Stadtgemeinschaft
- Athen machte den Sieg durch Grabhügel, Gemälde, Weihgaben und Reden zu einem wichtigen Teil seines Selbstbildes.
- Legende und Geschichte
- Der Läufer, der nach der Verkündung des Sieges starb, erscheint erst bei viel späteren Autoren; Herodot berichtet von einem anderen Lauf nach Sparta.
- Große Geschichtserzählungen
- Die heutige Vorstellung von Marathon als Zusammenstoß zwischen „Ost und West“ spiegelt spätere europäische Deutungen ebenso wider wie die Ereignisse von 490 v. Chr.
Einträge
- um 546 v. Chr. — Kyros der Große erobert Lydien; die griechischen Städte Ioniens geraten unter persische Herrschaft.
- 510 v. Chr. — Hippias, der Tyrann von Athen, wird vertrieben und geht später an den persischen Hof.
- 508 v. Chr. — Die Reformen des Kleisthenes legen die Grundlagen der athenischen Demokratie (508/7 v. Chr.).
- 499 v. Chr. — Der Ionische Aufstand beginnt (499 v. Chr.); Athen und Eretria schicken Schiffe.
- 498 v. Chr. — Ionische Aufständische und ihre athenischen und eretrischen Verbündeten brennen Sardes nieder (498 v. Chr.).
- 494 v. Chr. — Der persische Sieg bei Lade und die Plünderung Milets beenden den Aufstand (494 v. Chr.).
- 492 v. Chr. — Feldzug des Mardonios; die persische Flotte wird vor dem Berg Athos zerstört (492 v. Chr.).
- 490 v. Chr. — Datis und Artaphernes nehmen Naxos und Eretria ein und werden bei Marathon besiegt (490 v. Chr.).
- 489 v. Chr. — Miltiades’ Feldzug gegen Paros scheitert; er wird zu einer Geldstrafe verurteilt und stirbt (489 v. Chr.).
- 480 v. Chr. — Xerxes fällt in Griechenland ein: Schlachten bei den Thermopylen und bei Salamis (480 v. Chr.).
- 479 v. Chr. — Der griechische Sieg bei Plataiai beendet die persische Invasion (479 v. Chr.).
- 1896 — Bei den Olympischen Spielen in Athen wird der erste Marathonlauf der Neuzeit ausgetragen.
Glossar
- Hoplit
- Ein griechischer Bürgersoldat mit großem Rundschild, Helm, Körperpanzer und Speer.
- Phalanx
- Eine dichte Kampfformation aus Hopliten, die in Reihen und Gliedern standen.
- Polemarch
- „Kriegsführer“: einer der jährlich amtierenden Archonten Athens, der 490 v. Chr. noch einen formalen militärischen Oberbefehl innehatte.
- Strategos (Feldherr)
- Einer von zehn jährlich gewählten athenischen Feldherren, jeweils einer aus jeder Phyle.
- Achämenidenreich
- Das von Kyros dem Großen gegründete Perserreich, das sich auf dem Höhepunkt seiner Macht von Ägypten und Anatolien bis zum Indus erstreckte.
- Ionien
- Der mittlere Abschnitt der Westküste Kleinasiens mit vielen griechischen Städten, darunter Milet.
- Triere
- Ein schnelles Kriegsschiff mit drei übereinander angeordneten Reihen von Ruderern.
- Erde und Wasser
- Zeichen, die persische Gesandte als Beweis dafür verlangten, dass eine Stadt die Herrschaft des Königs anerkannte.
- Soros
- „Hügel“: der Grabhügel der gefallenen Athener auf der Ebene von Marathon.
- Karneien
- Ein religiöses Fest in Sparta, während dessen das Heer nicht ausrücken sollte.
Fragen und Antworten
Lief wirklich ein Bote von Marathon nach Athen und starb dort?
Wahrscheinlich nicht so, wie die Legende erzählt. Herodot, unsere früheste Quelle, berichtet, dass Philippides vor der Schlacht nach Sparta lief. Die Geschichte vom sterbenden Boten erscheint erst bei viel späteren Autoren.
Wie weit ist Marathon von Athen entfernt?
Auf der Straße etwa 40 km. Die heutige Marathonstrecke von 42,195 km wurde im 20. Jahrhundert festgelegt.
Warum kamen die Spartaner nicht rechtzeitig?
Sie sagten, religiöse Vorschriften erlaubten ihnen während eines Festes nicht, vor dem Vollmond auszurücken. Manche Historiker vermuten auch politische Gründe, doch die antiken Quellen nennen den religiösen Grund.
Wie viele Soldaten waren beteiligt?
Etwa 10.000 Athener und 1.000 Plataier. Die Zahl der Perser ist unbekannt. Moderne Schätzungen liegen meist bei etwa 20.000–25.000, während antike Angaben von Hunderttausenden unmöglich sind.
Wo war die persische Reiterei?
Das weiß niemand. Herodot erwähnt sie im Kampf nicht. Eine späte Quelle berichtet, sie sei vor der Schlacht abgezogen. Das könnte erklären, warum die Athener zu diesem Zeitpunkt angriffen.
Sahen die Perser Marathon als große Niederlage an?
Keine persische Quelle erwähnt die Schlacht. Für das Reich war sie vermutlich ein begrenzter Rückschlag an einer fernen Grenze. Ihre große Bedeutung entstand durch die Erinnerung der Griechen und später der Europäer.
Kann man das Schlachtfeld besuchen?
Ja. Der Grabhügel der Athener steht noch immer auf der Ebene von Marathon. In der Nähe gibt es ein archäologisches Museum.
Quellen und weiterführende Literatur
- Herodotus, The Histories, Book 6 (Greek text and English translation by A. D. Godley). Perseus Digital Library, Tufts University
- Battle of Marathon. Wikipedia
- 마라톤 전투. 위키백과
- Battle of Marathon. Encyclopaedia Britannica
- Pheidippides. Wikipedia
- Edward Shepherd Creasy, The Fifteen Decisive Battles of the World. Richard Bentley, 1851
Verwandte Inhalte
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- HomerDer Dichter, dem die Überlieferung die „Ilias“ und die „Odyssee“, die grundlegenden Epen der griechischen Literatur, zuschreibt. Ob ein einzelner Mensch beide verfasste, ist umstritten.
Mit KI-Unterstützung auf Grundlage der oben aufgeführten veröffentlichten Quellen verfasst und bei neuen Forschungsergebnissen überarbeitet.
