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Für junge Leser
Stell dir ein Geschichtenbuch vor, das so lang ist, dass man wochenlang bräuchte, um es laut vorzulesen. Das ist das Schāhnāme. Sein Name bedeutet „Das Buch der Könige“. Es ist ein Gedicht auf Persisch, der Sprache Irans. Ein Mann namens Firdausi schrieb mehr als dreißig Jahre daran und beendete es im Jahr 1010.
Das Gedicht beginnt vor sehr langer Zeit. Der erste König lebt in den Bergen und trägt Kleidung aus Leopardenfellen. Spätere Könige entdecken das Feuer, zeigen den Menschen, wie man Kleidung herstellt, und bauen Städte. Es gibt auch einen schrecklichen König namens Zahhak. Aus seinen Schultern wachsen zwei Schlangen, die jeden Tag Futter brauchen. Ein mutiger Schmied namens Kaveh hebt seine Lederschürze wie eine Fahne auf einen Speer. Die Menschen folgen ihm und besiegen Zahhak.
Der bekannteste Held des Buches heißt Rostam. Er ist unglaublich stark, reitet auf seinem treuen Pferd Rachsch und kämpft gegen Drachen, Ungeheuer und ganze Heere. Aber im Schāhnāme geht es nicht nur ums Gewinnen. In einer besonders traurigen Geschichte kämpft Rostam gegen einen jungen Krieger. Er weiß nicht, dass dieser sein eigener Sohn Sohrab ist.
Später ähneln die Geschichten mehr der Geschichte, wie sie wirklich geschehen ist. Sie handeln von Königen des alten Persiens und von einem klugen Berater, der das Schachspiel erklärt. Am Ende erzählen sie vom Untergang des alten persischen Reiches, als im 7. Jahrhundert arabische Heere eintrafen.
Firdausi verwendete meist alte persische Wörter. Viele Menschen sagen, dass sein Gedicht half, die persische Sprache zu bewahren. Noch heute lernen Menschen in Iran, Afghanistan und Tadschikistan Verse daraus auswendig. Erzähler tragen die Geschichten in Teehäusern vor, und Künstler malen seit Jahrhunderten Bilder dazu.
Auf einen Blick
- Verfasser
- Abu l-Qasem Firdausi aus Tus (um 940 – zwischen 1019 und 1025)
- Entstehung
- Beginn um 977; erste Fassung 994 vollendet; endgültige Fassung 1010 abgeschlossen
- Ort
- Tus nahe dem heutigen Maschhad in der Region Chorasan (Nordostiran)
- Sprache
- Frühes Neupersisch mit vergleichsweise wenigen arabischen Lehnwörtern (etwa 9 % des Wortschatzes)
- Form
- Epos in gereimten Verspaaren im Mutaqārib-Metrum; der Überlieferung nach 60.000 Verspaare, in modernen kritischen Ausgaben etwa 50.000
- Inhalt
- Irans sagenhafte und historische Vergangenheit vom ersten König, Kaiumars, bis zur arabischen Eroberung des Sassanidenreiches im 7. Jahrhundert
- Gewidmet
- Sultan Mahmud von Ghazni (reg. 998–1030)
- Bedeutung
- Nationalepos der persischsprachigen Welt und Vorbild für persische Dichtung, Malerei und Erzählkunst
Einfach
Was ist das Schāhnāme?
Das Schāhnāme (persisch شاهنامه, „Buch der Könige“) ist ein iranisches Epos von Abu l-Qasem Firdausi, einem Dichter aus der Stadt Tus in Chorasan im Nordosten Irans. Es erzählt Irans Geschichte von der Entstehung des ersten menschlichen Königreichs bis zum Zusammenbruch des Sassanidenreiches, des letzten vorislamischen persischen Staates, nach den arabischen Eroberungen des 7. Jahrhunderts.
Es ist eines der längsten Gedichte, die je ein einzelner Verfasser geschrieben hat. Der Überlieferung nach umfasst es etwa 60.000 Verspaare. Sorgfältige moderne Ausgaben, die auf den ältesten Handschriften beruhen, enthalten jedoch etwa 50.000 oder etwas weniger. Jedes Verspaar (Bait) besteht aus zwei gereimten Halbversen im gleichen Metrum. Dadurch erhält das ganze Gedicht einen gleichmäßigen, schreitenden Rhythmus, der sich gut zum Vortragen eignet.
Das Schāhnāme wird oft als Nationalepos Irans bezeichnet, doch seine Welt reicht über die Grenzen jedes heutigen Staates hinaus. Seine Helden durchstreifen Gebiete, die heute zu Iran, Afghanistan, Tadschikistan, Usbekistan, Turkmenistan und weiteren Ländern gehören. Seit tausend Jahren schätzen Leser in der persischsprachigen und persisch geprägten Welt das Werk, vom Osmanischen Reich bis zum Indien der Moguln.
Einfach
Wer war Firdausi?
Firdausi wurde um 940 im Dorf Pādsch (auch Bāsch) bei Tus geboren. Er stammte aus der Schicht der Dehqane: grundbesitzenden Familien, die sich als Bewahrer der vorislamischen Traditionen Irans verstanden, darunter die alten Geschichten von Königen und Helden. Diese Herkunft hilft zu erklären, warum er sein Leben diesem Thema widmete.
Über sein Leben ist nur wenig sicher bekannt. Im Gedicht spricht er davon, alt zu werden, seinen einzigen Sohn zu verlieren und in Armut zu leben. Doch das sind dichterische Aussagen, keine Tagebucheinträge. Der älteste Prosabericht über sein Leben wurde etwa 150 Jahre nach seinem Tod von Nezami Aruzi in den Chahār Maqāla („Vier Abhandlungen“) verfasst. Er vermischt Informationen mit Legenden.
Wahrscheinlich begann Firdausi um 977 mit dem Schāhnāme und arbeitete mehr als drei Jahrzehnte daran. Er starb irgendwann zwischen etwa 1019 und 1025. Einer überlieferten Erzählung zufolge verweigerte ihm ein örtlicher Geistlicher die Bestattung auf dem muslimischen Friedhof von Tus. Deshalb wurde er in seinem eigenen Garten begraben. Sein Grabmal bei Tus wurde in den 1930er-Jahren neu errichtet und zählt heute zu den bekanntesten Denkmälern Irans.
Einfach
Was geschieht im Gedicht? Drei große Zeitalter
Die Forschung teilt das Schāhnāme gewöhnlich in drei Teile. Der erste, das mythische Zeitalter, ist kurz. Kaiumars, der erste König, lebt in Leopardenfelle gekleidet in den Bergen. Seine Nachfolger entdecken das Feuer, zähmen Tiere, erfinden Schrift und Handwerke und schaffen eine zivilisierte Welt. Der ruhmreiche König Dschamschid herrscht jahrhundertelang, bis er aus Hochmut behauptet, göttlich zu sein. Er verliert seinen königlichen Glanz (Farr) und wird vom Tyrannen Zahhak gestürzt. Auf dessen Schultern wachsen zwei Schlangen, die mit menschlichen Gehirnen gefüttert werden müssen. Der Schmied Kaveh führt einen Aufstand an. Der junge Prinz Fereydun besiegt Zahhak und kettet ihn in einer Höhle am Berg Damavand fest.
Fereydun teilt die Welt unter seinen drei Söhnen auf: Salm erhält den Westen, Tur die Gebiete Turans in Zentralasien und der jüngste Sohn, Iradsch, Iran. Aus Eifersucht ermorden die beiden älteren Brüder Iradsch. Dieses Verbrechen innerhalb der Familie beginnt eine Fehde zwischen Iran und Turan, die über viele Generationen andauert und einen großen Teil des weiteren Gedichts prägt.
Der zweite Teil, das Heldenzeitalter, füllt ungefähr zwei Drittel des Buches. Hier stehen die großen Helden aus dem östlichen Sistan im Mittelpunkt: Zāl, das weißhaarige Kind, das in den Bergen ausgesetzt und vom Zaubervogel Simurgh aufgezogen wird, und sein Sohn Rostam. Rostam dient mehreren Generationen von Königen, besteht auf einer gefährlichen Reise die Sieben Prüfungen (Haft Chān) und verteidigt Iran gegen Turan und dessen listigen König Afrasiyab. Zu den großen Geschichten dieses Zeitalters gehören Rostam und Sohrab, die Tragödie des unschuldigen Prinzen Siyawusch, die Herrschaft des idealen Königs Kai Chosrau und der tödliche Kampf zwischen Rostam und dem unverwundbaren Prinzen Esfandiyar.
Der dritte Teil, das historische Zeitalter, beginnt mit Alexander dem Großen (Eskandar) und führt zu den sassanidischen Königen (224–651), darunter Ardaschir, Bahram Gur und Chosrau Anuschirwan mit seinem weisen Minister Bozorgmehr. Das Gedicht endet mit der Niederlage der Sassaniden gegen arabisch-muslimische Heere und dem Tod des letzten Königs, Yazdegerd III., der 651 bei Merw getötet wurde. Vor der entscheidenden Schlacht schreibt der persische Feldherr Rostam Farrochzad einen Brief, in dem er das Ende der alten Ordnung voraussieht. Diese Stelle gehört zu den bewegendsten des Gedichts.
Einfach
Die bekannteste Geschichte: Rostam und Sohrab
Bei der Jagd nahe der Grenze zu Turan verliert Rostam sein Pferd Rachsch und gelangt in die Stadt Samangan. Dort bittet Prinzessin Tahmineh ihn, sie zu heiraten. Bevor Rostam fortgeht, gibt er ihr ein Erkennungszeichen. Falls ihr Kind ein Sohn ist, soll sie es an seinem Arm befestigen. Tahmineh bringt einen Jungen namens Sohrab zur Welt, der erstaunlich stark wird. Als er erfährt, wer sein Vater ist, zieht er mit einem turanischen Heer los. Er träumt davon, Rostam zum König von Iran zu machen.
Afrasiyab, der König von Turan, sorgt heimlich dafür, dass Vater und Sohn einander nicht erkennen. Rostam verbirgt auf dem Schlachtfeld seine Identität, und die beiden kämpfen mehrere Tage gegeneinander. Am letzten Tag überwältigt Rostam Sohrab und verwundet ihn tödlich. Erst dann zeigt der sterbende junge Mann das Erkennungszeichen an seinem Arm. Rostam fleht König Kai Kawus um einen heilenden Trank (Nuschdaru) an. Doch der König fürchtet einen Helden, der so stark sein könnte wie Rostam und Sohrab zusammen, und zögert, bis es zu spät ist.
Die Geschichte zeigt, wie tief die Tragik im Schāhnāme reicht: Selbst der größte Held kann seinem Schicksal nicht entkommen, und die Fehler hochmütiger Könige kosten Unschuldige das Leben. Sie inspirierte zahllose Gemälde und Gedichte, darunter Matthew Arnolds englisches Gedicht „Sohrab and Rustum“ (1853).
Mittel
Historischer Hintergrund: die persische Kultur nach der arabischen Eroberung
Nach der arabischen Eroberung des Sassanidenreiches im 7. Jahrhundert wurde Arabisch in weiten Teilen der islamischen Welt zur Sprache der Religion, der Verwaltung und der Gelehrsamkeit. Mittelpersisch (Pahlavi), die Literatursprache der Sassaniden, kam allmählich außer Gebrauch. Vom 9. Jahrhundert an förderten jedoch lokale Dynastien im Osten Irans eine neue Literatursprache: das Neupersische. Besonders wichtig waren die Samaniden (819–999) in Buchara. Neupersisch wurde in arabischer Schrift geschrieben, behielt aber seine persische Grammatik.
Die alten Geschichten über Irans Könige waren in der späten Sassanidenzeit in einer mittelpersischen Chronik namens Chwadāy-nāmag („Buch der Herrscher“) gesammelt worden. Das Werk ist nicht erhalten, wurde aber ins Arabische übersetzt und von Geschichtsschreibern verwendet. Im Jahr 957 beauftragte Abu Mansur Muhammad ibn Abd al-Razzaq, der Statthalter von Tus, eine Gruppe von Dehqanen damit, eine neupersische Prosafassung zusammenzustellen, das sogenannte Schāhnāme des Abu Mansur. Nur dessen Vorwort ist erhalten. Allgemein gilt es als Firdausis wichtigste Vorlage.
Der samanidische Hofdichter Daqiqi hatte ein Schāhnāme in Versen begonnen. Nachdem er ungefähr tausend Verspaare über die Herrschaft König Goschtasps und das Auftreten des Propheten Zarathustra vollendet hatte, wurde er ermordet. Firdausi übernahm das Vorhaben, nahm Daqiqis Verse mit einem Hinweis auf ihren Urheber in sein eigenes Gedicht auf und führte die Arbeit allein fort.
Als Firdausi sein Werk beendete, hatte sich die politische Welt verändert. Die Samaniden waren 999 gestürzt, und der Osten Irans stand nun unter der Herrschaft der Ghaznawiden, einer Dynastie türkischer Herkunft. Firdausi widmete die endgültige Fassung von 1010 Sultan Mahmud von Ghazni. Einer berühmten Legende zufolge, die erstmals Nezami Aruzi erzählte, bezahlte Mahmud ihn mit Silber statt mit dem versprochenen Gold. Firdausi soll das Geld aus Empörung verschenkt haben. Als Mahmud schließlich die volle Belohnung schickte, sei sie durch ein Stadttor von Tus gekommen, während Firdausis Leichnam durch ein anderes hinausgetragen wurde. Historiker betrachten diese Geschichte mit Vorsicht. Auch eine gegen Mahmud gerichtete Schmähdichtung, die in einigen Handschriften steht, ist von zweifelhafter Echtheit.
Mittel
Zentrale Themen: Königtum, Schicksal, Treue und Weisheit
Königtum und königlicher Glanz. Im Mittelpunkt des Gedichts steht der Farr (mittelpersisch Xwarrah): ein göttlicher Glanz, der einen rechtmäßigen König auszeichnet. Durch Gerechtigkeit und Bescheidenheit bewahrt ein König seinen Farr. Wird er hochmütig oder grausam, wie Dschamschid, verlässt ihn dieser Glanz. Das Schāhnāme verherrlicht die Monarchie daher nicht einfach: Es zeigt viele törichte, ungerechte und eifersüchtige Könige, unter denen oft gerade die größten Helden leiden.
Held und König. Ein großer Teil der Handlung entsteht aus dem Spannungsverhältnis zwischen Treue und Gewissen. Rostam dient dem Thron ergeben, doch Könige wie Kai Kawus behandeln ihn wiederholt ungerecht. In der Geschichte von Rostam und Esfandiyar sind beide Männer edel und keiner will kämpfen. Trotzdem zwingen Ehrvorstellungen und der Ehrgeiz eines Königs sie in einen Kampf, der beide zugrunde richtet.
Schicksal und Zeit. Das Gedicht erinnert seine Leser immer wieder daran, dass der Lauf der Welt jeden Ruhm beendet. Firdausi unterbricht die Erzählung oft, um über den Tod und die Vergänglichkeit nachzudenken. Diese Betrachtungen verleihen dem Epos einen großen Teil seines Ernstes.
Weisheit und Ethik. Das Gedicht beginnt mit einem Lob Gottes und der Weisheit (Cherad). Viele Episoden enthalten kluge Ratgeber und moralische Lehren, etwa die Gespräche Bozorgmehrs am Hof Anuschirwans. Das Schāhnāme bewahrt vorislamische iranische Traditionen, darunter Geschichten mit Bezug zum Zoroastrismus. Zugleich schrieb es ein muslimischer Dichter für ein muslimisches Publikum. Wie Firdausi diese Überlieferungen miteinander verband, wird in der Forschung lebhaft diskutiert.
Mittel
Sprache, Stil und die Bewahrung des Persischen
Firdausi schrieb in frühem Neupersisch und verwendete verhältnismäßig wenige arabische Lehnwörter, etwa 9 % seines Wortschatzes. Das ist deutlich weniger als bei vielen späteren persischen Autoren. Ein Grund waren vermutlich seine Vorlagen, die auf mittelpersische Traditionen zurückgingen. Hinzu kam wohl eine bewusste stilistische Entscheidung. Spätere Generationen sahen in dem Gedicht einen Schatz des unverfälschten Persischen.
Das Gedicht steht im Mutaqārib-Metrum. Dessen kurze, kraftvolle Verse wurden zum üblichen Versmaß persischer Epen. Firdausis Stil ist unmittelbar und anschaulich, stellenweise auch formelhaft. Wiederkehrende Bilder von Sonnenaufgang, Kampf und Festmahl helfen den Zuhörern, der langen Erzählung zu folgen.
Ein im Iran oft zitiertes Verspaar lautet in sinngemäßer Übersetzung: „Viel Mühsal ertrug ich in diesen dreißig Jahren; mit diesem Persisch erweckte ich die Perser zu neuem Leben.“ Es drückt aus, wie viele Leser Firdausis Leistung verstehen. Manche Forschende bezweifeln allerdings, dass gerade diese Verse von ihm selbst stammen. Weit verbreitet ist die Ansicht, dass sich das Persische über tausend Jahre vergleichsweise wenig verändert hat, auch weil Werke wie das Schāhnāme so häufig gelesen und vorgetragen wurden.
Mittel
Handschriften, Bilder und Ausgaben
Aus Firdausis eigener Zeit ist keine Handschrift erhalten. Die älteste bekannte Abschrift stammt aus dem Jahr 1217, wird in der Nationalen Zentralbibliothek in Florenz aufbewahrt und entstand vor den mongolischen Invasionen Irans. Eine weitere frühe Handschrift von 1276 liegt in der British Library in London. Weil das Schāhnāme so beliebt war, wurde es Hunderte Male abgeschrieben. Dabei fügten Schreiber Verse hinzu, ließen sie weg oder veränderten sie. Deshalb enthalten spätere Handschriften oft viele Verse, die nicht von Firdausi stammen.
Das Schāhnāme wurde außerdem zum am häufigsten illustrierten Buch der persischen Welt. Das Große Mongolische Schāhnāme entstand in den 1330er-Jahren am Hof der Ilchane. Im frühen 20. Jahrhundert wurde es zerlegt und seine Blätter einzeln verkauft. Das 1430 in Herat für den timuridischen Prinzen Baisunghur vollendete Baisunghur-Schāhnāme wird im Golestanpalast in Teheran aufbewahrt und steht im UNESCO-Register des Weltdokumentenerbes. Das Schāhnāme des Schahs Tahmasp wurde unter Schah Ismail I. in Täbris begonnen und unter Tahmasp I. vollendet. Es enthielt 258 Gemälde und wurde 1568 dem osmanischen Sultan Selim II. geschenkt. Im 20. Jahrhundert wurden auch seine Blätter verstreut; ein Teil kehrte 1994 durch einen Tausch von Kunstwerken nach Iran zurück.
Moderne wissenschaftliche Ausgaben versuchen, Firdausis ursprünglichen Text wiederherzustellen. Jules Mohl veröffentlichte von 1838 bis 1878 eine französische Ausgabe mit Übersetzung, die auf etwa dreißig Handschriften beruhte. Die Moskauer Ausgabe (1960–1971) stützte sich als erste systematisch auf die ältesten Handschriften. Die von Djalal Khaleghi-Motlagh geleitete kritische Ausgabe wurde 2008 abgeschlossen und berücksichtigt unter anderem die Florentiner Handschrift. Sie gilt heute weithin als die beste Textfassung. Vollständige englische Übersetzungen sind die Versübersetzung von Arthur und Edmond Warner (1905–1925) und die jüngere Übersetzung in Versen und Prosa von Dick Davis (2006).
Mittel
Wirkung und Nachleben
Das Schāhnāme prägte die persische Literatur über Jahrhunderte. Spätere Dichter wie Nezami Gandschawi griffen seine Geschichten auf, und viele Nachahmer schrieben Epen im gleichen Versmaß. Seine Erzählungen verbreiteten sich auch in anderen Sprachen und Kulturen: In der georgischen Literatur des 11. und 12. Jahrhunderts erscheinen die Namen seiner Helden, osmanische Sultane gaben türkische Übersetzungen und illustrierte Abschriften in Auftrag, und die seldschukischen Sultane Anatoliens ließen die Wände von Konya mit seinen Versen schmücken.
In Iran lebt das Gedicht durch Aufführungen weiter. Berufsmäßige Erzähler (Naqqāl) tragen seine Geschichten in Kaffeehäusern vor und spielen sie nach, oft vor großen gemalten Szenen. Die Erzählkunst Naqqāli wurde von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkannt, das dringend geschützt werden muss. In den traditionellen Sporthäusern, den Zurchāneh, trainieren Sportler zum Rhythmus von Versen aus dem Schāhnāme.
Im 20. Jahrhundert wurde das Gedicht zu einem Symbol der iranischen nationalen Identität. 1934 feierte Iran den tausendsten Jahrestag von Firdausis Geburt mit einem internationalen Kongress und der Einweihung eines neuen Grabmals in Tus. Unter verschiedenen Regierungen wurden seine Themen unterschiedlich gelesen: als Würdigung des Königtums, als Kritik an der Tyrannei oder als gemeinsames Erbe aller Persischsprachigen. Auch in Tadschikistan und Afghanistan wird das Schāhnāme als gemeinsamer Klassiker geehrt.
Bis heute erzählen Schriftsteller, Filmschaffende und Illustratoren seine Geschichten neu: in Kinderbüchern, Graphic Novels und Bühnenstücken. Persischsprachige Menschen in aller Welt zitieren seine Verse als Sprichwörter.
Fortgeschritten
Forschungsdebatten: schriftliche Quellen, mündliche Überlieferung und der Text
Schriftlich oder mündlich? Eine zentrale Debatte betrifft Firdausis Arbeitsweise. Nach der vorherrschenden Auffassung, die unter anderem Theodor Nöldeke in seiner klassischen Studie zum iranischen Nationalepos sowie später Djalal Khaleghi-Motlagh und Mahmoud Omidsalar vertreten, brachte Firdausi schriftliche Quellen in Versform. Vor allem das Prosaschāhnāme des Abu Mansur soll seine Vorlage gewesen sein, an die er sich eng hielt. Firdausi selbst verweist wiederholt auf ein altes Buch und auf einen Dehqan, der ihm eine Geschichte erzählte. Olga M. Davidson argumentiert dagegen auf Grundlage vergleichender Studien mündlich vorgetragener Epen, das Gedicht spiegele eine lebendige Erzähltradition. Hinweise auf Bücher seien zum Teil ein herkömmliches Mittel, um Autorität zu beanspruchen. Von dieser Debatte hängt wesentlich ab, wie Herausgeber unterschiedliche Lesarten beurteilen.
Das Problem des Textes. Da Schreiber das Gedicht frei veränderten, unterscheiden sich die Handschriften erheblich. Die Moskauer Ausgabe stützte sich vor allem auf Handschriften von 1276 und 1333. Die in den 1970er-Jahren identifizierte Florentiner Handschrift von 1217 bot einen noch älteren Textzeugen. Khaleghi-Motlaghs Ausgabe verbindet die Zeugnisse vieler früher Handschriften mit frühen arabischen und persischen Werken, die das Gedicht zitieren. Die Forschung diskutiert weiterhin, wie die Lesart einer einzelnen frühen Handschrift gegenüber übereinstimmenden späteren Handschriften zu gewichten ist und wie viele berühmte Verse erst später hinzugefügt wurden.
Datierung der Entstehung. Aussagen im Gedicht legen nahe, dass Firdausi eine erste Fassung 994 vollendete, als die Samaniden noch herrschten, und eine zweite, erweiterte Fassung 1010 Mahmud von Ghazni widmete. Offen bleibt, wie viel er zwischen beiden Fassungen überarbeitete und ob das Lob Mahmuds erst nachträglich in ein bestehendes Werk eingefügt wurde.
Geschichte und Mythos. Die historischen Teile sind trotz ihrer literarischen Gestaltung wichtige Zeugnisse sassanidischer Königstraditionen. Sie lassen sich mit arabischen Geschichtswerken vergleichen, etwa denen at-Tabaris, die ebenfalls auf die Überlieferung des Chwadāy-nāmag zurückgriffen. Die mythischen und heroischen Teile bewahren sehr altes indo-iranisches Erzählgut: Dschamschid entspricht Yima im Avesta und Yama im Rigveda. Der Drachenkönig Zahhak geht auf das avestische Ungeheuer Azhi Dahaka zurück. Der Erzählkreis um Rostam aus Sistan könnte aus einer eigenständigen ostiranischen Tradition stammen.
Fortgeschritten
Deutung und politische Lesarten
Weil das Schāhnāme für die persische Kultur so bedeutsam ist, spiegelten seine Deutungen oft die Anliegen der jeweiligen Zeit. Mittelalterliche Herrscher, darunter Dynastien türkischer und mongolischer Herkunft, ließen prächtige Abschriften anfertigen, um sich als Erben der alten iranischen Könige darzustellen. Dabei sind die Turaner im Gedicht Irans große Feinde. Die heutige Forschung betont, dass die Turaner des Epos ein mythisches Steppenvolk sind und nicht einfach mit späteren Turkvölkern gleichgesetzt werden können.
Der iranische Nationalismus des 20. Jahrhunderts hob das „reine Persisch“ und die vorislamischen Helden des Gedichts hervor. Manche Leser sahen darin eine Rechtfertigung der Monarchie, andere verwiesen auf die vielen ungerechten Könige und auf die Sympathie für Aufständische wie Kaveh. Nach 1979 begegneten offizielle Stellen dem Gedicht eine Zeit lang mit Unbehagen, bevor es wieder weithin als nationaler Klassiker anerkannt wurde. Forschende warnen heute im Allgemeinen davor, das Gedicht des 11. Jahrhunderts durch moderne nationalistische Begriffe zu lesen.
Zu den meistdiskutierten Deutungsfragen gehören Firdausis religiöse Haltung, die Rolle der Frauen und seine Sicht auf die Geschichte. Der Anfang des Gedichts enthält ein Lob des Propheten und seiner Familie, das viele als Hinweis auf schiitische Neigungen verstehen; auch über diese Passage wird jedoch diskutiert. Das Schāhnāme zeigt bemerkenswerte Frauenfiguren wie Tahmineh, Rudabeh, Gordafarid und Manizheh. Umstritten ist außerdem, ob seine tragische Geschichtssicht eine Klage über die verlorene sassanidische Welt oder eine allgemeine Betrachtung über Macht und Sterblichkeit ist.
Kernideen
- Farr (königlicher Glanz)
- Ein göttlicher Glanz, der einen rechtmäßigen König auszeichnet. Er bleibt bei den Gerechten und verlässt Hochmütige und Grausame.
- Iran und Turan
- Die über Generationen andauernde Fehde zwischen zwei Zweigen von Fereyduns Familie prägt einen großen Teil des Heldenzeitalters.
- Held und König
- Große Helden wie Rostam dienen dem Thron treu, werden aber oft von törichten oder eifersüchtigen Königen ungerecht behandelt.
- Tragik und Schicksal
- Selbst die größten Helden können ihrem Schicksal nicht entkommen. Das Gedicht denkt immer wieder über Tod und Vergänglichkeit nach.
- Weisheit (Cherad)
- Das Gedicht beginnt mit einem Lob der Weisheit und enthält viele Ratschläge zu Gerechtigkeit, Maßhalten und guter Herrschaft.
- Erinnerung bewahren
- Das Gedicht machte aus den verblassenden Traditionen des vorislamischen Irans ein dauerhaftes Werk der neupersischen Literatur.
- Persische Sprache
- Durch den sparsamen Gebrauch arabischer Lehnwörter wurde es zu einem Vorbild für das Persische und trug zur Festigung der Literatursprache bei.
Einträge
- 651 n. Chr. — Yazdegerd III., der letzte sassanidische König, wird bei Merw getötet; die arabische Eroberung Irans ist abgeschlossen.
- um 940 n. Chr. — Firdausi wird im Dorf Pādsch bei Tus in Chorasan geboren.
- 957 n. Chr. — Abu Mansur, der Statthalter von Tus, gibt ein neupersisches Schāhnāme in Prosa in Auftrag, Firdausis wichtigste Vorlage.
- um 977 n. Chr. — Der Dichter Daqiqi wird ermordet, nachdem er etwa 1.000 Verspaare geschrieben hat; Firdausi beginnt sein Gedicht.
- 994 n. Chr. — Firdausi vollendet unter den Samaniden eine erste Fassung des Schāhnāme.
- 999 n. Chr. — Die Dynastie der Samaniden stürzt; der Osten Irans fällt an die Ghaznawiden.
- 1010 — Firdausi vollendet die endgültige Fassung und widmet sie Sultan Mahmud von Ghazni.
- um 1020 — Firdausi stirbt in Tus; als Todeszeit werden Jahre zwischen 1019 und 1025 angegeben.
- 1217 — Die älteste erhaltene Handschrift des Schāhnāme, heute in Florenz, wird abgeschrieben.
- 1430 — Das Baisunghur-Schāhnāme wird in Herat für den timuridischen Prinzen Baisunghur vollendet.
- 1568 — Das Schāhnāme des Schahs Tahmasp wird dem osmanischen Sultan Selim II. geschenkt.
- 1934 — Iran feiert den tausendsten Jahrestag von Firdausis Geburt und weiht sein neues Grabmal in Tus ein.
Glossar
- Epos
- Ein langes Gedicht über Helden, Kriege und die Geschichte oder Sagen eines Volkes.
- Verspaar (Bait)
- Zwei gereimte Halbverse, die eine Einheit persischer Dichtung bilden.
- Mutaqārib
- Das kurze, kraftvolle Versmaß des Schāhnāme und späterer persischer Epen.
- Dehqan
- Angehöriger der iranischen grundbesitzenden Oberschicht, die nach der arabischen Eroberung vorislamische Traditionen bewahrte.
- Chwadāy-nāmag
- Ein verlorenes mittelpersisches „Buch der Herrscher“ aus der Sassanidenzeit, auf das die Königsgeschichten letztlich zurückgehen.
- Sassanidenreich
- Das letzte vorislamische persische Reich (224–651).
- Samaniden
- Eine Dynastie in Buchara und Chorasan (819–999), die die neupersische Literatur förderte.
- Turan
- Im Schāhnāme das von Afrasiyab beherrschte Land von Irans Feinden in Zentralasien.
- Simurgh
- Ein weiser Zaubervogel, der Zāl aufzieht und Rostam hilft.
- Naqqāli
- Die iranische Kunst des lebhaften Geschichtenerzählens, bei der oft Geschichten aus dem Schāhnāme vorgetragen werden.
Fragen und Antworten
Wie lang ist das Schāhnāme?
Sehr lang: Der Überlieferung nach umfasst es etwa 60.000 Verspaare, in modernen kritischen Ausgaben etwa 50.000. Es ist um ein Mehrfaches länger als Ilias und Odyssee zusammen.
Hat Rostam wirklich gelebt?
Nein. Rostam ist ein sagenhafter Held. Der spätere Teil des Gedichts handelt von wirklichen sassanidischen Königen, erzählt ihre Geschichte aber ebenfalls auf literarische Weise.
Warum verwendete Firdausi so wenige arabische Wörter?
Zum Teil lag das an seinen Vorlagen, die auf mittelpersische Traditionen zurückgingen, zum Teil an seinem Stil. Spätere Leser sahen darin eine bewusste Verteidigung der persischen Sprache.
Hat Sultan Mahmud Firdausi wirklich betrogen?
Die Geschichte von den Silbermünzen stammt von Nezami Aruzi, der etwa 150 Jahre später schrieb. Sie ist wahrscheinlich zumindest teilweise eine Legende. Wie Mahmud das Gedicht aufnahm, wissen wir nicht sicher.
Arbeitete Firdausi mit Büchern oder mit mündlich erzählten Geschichten?
Die meisten Forschenden meinen, dass er schriftliche Vorlagen in Verse fasste, besonders das Prosaschāhnāme des Abu Mansur von 957. Andere, vor allem Olga M. Davidson, betonen die Bedeutung der mündlichen Überlieferung. Die Frage wird weiterhin diskutiert.
Welche Handschrift ist die älteste?
Eine Handschrift aus dem Jahr 1217, die heute in der Nationalen Zentralbibliothek in Florenz liegt.
Wo kann ich Bilder zum Schāhnāme sehen?
Blätter aus berühmten illustrierten Abschriften befinden sich in Museen und Bibliotheken auf der ganzen Welt. Das Baisunghur-Schāhnāme wird im Golestanpalast in Teheran aufbewahrt.
Quellen und weiterführende Literatur
- Shahnameh. Wikipedia
- Ferdowsi. Wikipedia
- Rostam and Sohrab. Wikipedia
- Shahnameh of Shah Tahmasp. Wikipedia
- Great Mongol Shahnameh. Wikipedia
- 샤나메. 위키백과 (Korean Wikipedia)
- 페르도우시. 위키백과 (Korean Wikipedia)
- Abolqasem Ferdowsi, translated by Dick Davis, Shahnameh: The Persian Book of Kings. Viking, 2006
- Theodor Nöldeke, Das iranische Nationalepos, 1896
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Mit KI-Unterstützung auf Grundlage der oben aufgeführten veröffentlichten Quellen verfasst und bei neuen Forschungsergebnissen überarbeitet.
