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- Einfach
- Mittel
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Für junge Leser
Vor langer Zeit, bevor Menschen aus Europa nach Amerika kamen, bauten die Maya große Städte in den Wäldern Mexikos und Mittelamerikas. Eine der größten war Chichén Itzá. Der Name bedeutet „am Rand des Brunnens der Itzá“. Die Stadt entstand nämlich bei natürlichen Wasserlöchern.
Auf Yucatán gibt es fast keine Flüsse an der Oberfläche. Regenwasser versickert im Gestein und fließt unter der Erde weiter. An manchen Stellen ist der Boden eingebrochen. So entstanden tiefe, runde Wasserlöcher. Sie heißen Cenoten. Die Menschen brauchten ihr Wasser und glaubten auch, dass Cenoten Eingänge zur Welt der Götter waren.
In der Mitte der Stadt steht eine Pyramide mit Treppen an allen vier Seiten und einem kleinen Tempel oben. Sie heißt El Castillo oder Tempel des Kukulcán. Kukulcán ist ein Gott in Gestalt einer Gefiederten Schlange. Zählt man alle Stufen und die Plattform ganz oben zusammen, kommt man auf 365 – so viele Tage hat ein Jahr. Im Frühling und im Herbst wirft die Nachmittagssonne Schatten auf die Treppe. Sie sehen aus wie eine riesige Schlange, die sich zu einem steinernen Schlangenkopf am Fuß der Pyramide hinabwindet.
In der Stadt liegt auch der größte Ballspielplatz des alten Mexiko. Er ist länger als ein Fußballfeld. Die Spieler stießen einen schweren Ball aus Gummi mit der Hüfte und versuchten, ihn durch einen Steinring hoch an der Wand zu befördern. Das Spiel war ein Sport, aber auch ein religiöses Ritual.
Am mächtigsten war Chichén Itzá vor etwa 1.000 Jahren. Später verlor die Stadt an Bedeutung. Die Maya haben sie aber nie vergessen, und auch heute leben Maya in ihrer Umgebung. Chichén Itzá gehört inzwischen zu den meistbesuchten alten Stätten der Welt.
Auf einen Blick
- Zeit
- Besiedelt spätestens in der Spätklassik (um 600 n. Chr.); Blütezeit etwa 800–1100 n. Chr. (Endklassik bis frühe Nachklassik); Ende der regionalen Vormachtstellung etwa 1100–1200
- Ort
- Gemeinde Tinúm, Bundesstaat Yucatán, Mexiko, im nördlichen Maya-Tiefland
- Erbauer
- Maya aus Yucatán, darunter die Abstammungsgruppe der Itzá, mit engen Verbindungen nach Zentralmexiko
- Größe
- Dicht bebautes Zentrum von mindestens 5 km²; dreizehn Ballspielplätze nachgewiesen
- Wichtigste Bauwerke
- Tempel des Kukulcán (El Castillo, etwa 30 m hoch), Großer Ballspielplatz (168 × 70 m), Kriegertempel, El Caracol, Las Monjas, Heiliger Cenote
- Datierte Inschriften
- Hieroglyphische Datierungen von 832 bis 998 n. Chr.
- Status
- UNESCO-Welterbestätte „Pre-Hispanic City of Chichen-Itza“ (1988); verwaltet vom mexikanischen INAH
- Bedeutung
- Größte Hauptstadt des nördlichen Maya-Tieflands nach dem Niedergang der klassischen Städte; wichtiger Ort für die Forschung zu den Beziehungen zwischen den Maya und Zentralmexiko
Einfach
Was ist Chichén Itzá?
Chichén Itzá ist die Ruinenstätte einer großen Maya-Stadt im Norden der Halbinsel Yucatán, etwa 115 km östlich der heutigen Stadt Mérida. Ihr Name auf Yukatekisch, Chichʼen Itzaʼ, wird gewöhnlich mit „am Rand des Brunnens der Itzá“ übersetzt. Die Itzá waren eine mächtige Abstammungsgruppe des nördlichen Tieflands. Maya-Texte überliefern für den Ort auch den älteren Namen Uuc Yabnal, dessen Bedeutung umstritten ist.
Die Stadt wurde auf einer flachen Kalksteinebene ohne oberirdische Flüsse errichtet. Wasser lieferten Cenoten: natürliche Einsturzlöcher, die entstehen, wenn die Decke eines unterirdischen Flusses oder einer Höhle einbricht. Auf dem Gelände liegen mehrere Cenoten. Der bekannteste ist der Heilige Cenote nördlich der Hauptpyramide.
Vom neunten bis zum elften Jahrhundert war Chichén Itzá die beherrschende Macht im Norden Yucatáns und kontrollierte Handelswege zu Land und zu Wasser. Seine Bauten verbinden örtliche Maya-Stile mit Formen, die an Zentralmexiko erinnern, besonders an die Stadt Tula. Diese Mischung macht Chichén Itzá zu einer der meistdiskutierten Stätten der mesoamerikanischen Archäologie. Heute gehört es zum UNESCO-Welterbe und ist eines der meistbesuchten Denkmäler Mexikos.
Einfach
Die Stadt verstehen: Plattformen, Dammstraßen und Baustile
Chichén Itzá wurde nicht auf einmal erbaut. Sein Zentrum umfasst mindestens 5 km². Gebäudegruppen stehen auf eingeebneten Plattformen und sind durch weiß verputzte Dammstraßen verbunden, die sacbeob heißen (Einzahl sacbe, „weiße Straße“). Niedrige Mauern trennten die Gruppen einst voneinander.
Im Süden liegen die älteren Bereiche. Dazu gehören Las Monjas („das Nonnenkloster“, tatsächlich wohl eine Palastanlage), Akab Dzib, Casa Colorada („Rotes Haus“) und das Gebiet, das Archäologen Alt-Chichén nennen. Viele dieser Gebäude gehören zum Puuc-Stil Nordyucatáns: Die unteren Wände sind schlicht, während die oberen Fassaden mit Steinmosaiken aus geometrischen Mustern und Masken eines langnasigen Gottes bedeckt sind, der oft als Regengott Chaak gedeutet wird. Die hier besonders häufigen Hieroglypheninschriften nennen einen Herrscher namens Kʼakʼupakal und weitere Würdenträger des neunten Jahrhunderts.
Im Norden stehen auf einer riesigen künstlichen Plattform die Bauwerke, die den meisten Besuchern bekannt sind: der Tempel des Kukulcán (El Castillo), der Große Ballspielplatz, der Kriegertempel mit seiner Gruppe der Tausend Säulen, eine Schädelplattform (Tzompantli) sowie Plattformen mit Darstellungen von Adlern und Jaguaren, die Herzen verschlingen. Diese Bauten weisen Säulenhallen, Säulen in Gestalt gefiederter Schlangen, liegende Chacmool-Statuen und Kriegerbilder auf, zu denen es in Tula in Zentralmexiko enge Parallelen gibt. Eine etwa 270 m lange Dammstraße führt von diesem Platz nach Norden zum Heiligen Cenote.
Zwischen diesen Bereichen steht El Caracol („die Schnecke“), ein runder Turm auf einer rechteckigen Plattform. Er ist nach der Wendeltreppe in seinem Inneren benannt. Seine Fenster scheinen auf Positionen der Venus und andere Himmelsereignisse ausgerichtet zu sein. Der Turm wird weithin als Sternwarte gedeutet, doch wie er genutzt wurde, ist weiterhin umstritten.
Einfach
Der Tempel des Kukulcán und die Schlange aus Licht
Der Tempel des Kukulcán, von den Spaniern El Castillo („die Burg“) genannt, ist eine etwa 30 m hohe Stufenpyramide mit einem Tempel auf der Spitze. Er hat neun Terrassen und an jeder seiner vier Seiten eine Treppe. Kukulcán, die Gefiederte Schlange, war eine Maya-Gottheit, die eng mit dem zentralmexikanischen Quetzalcóatl verwandt war. Am Fuß der nördlichen Treppe liegen große, aus Stein gehauene Schlangenköpfe.
Die Pyramide spiegelt den Maya-Kalender wider. Jede Treppe hat ungefähr 91 Stufen; viermal 91 ergibt zusammen mit der obersten Plattform 365, die Zahl der Tage des Sonnenjahres, das Haabʼ genannt wird. Die Treppe teilt die neun Terrassen auf jeder Seite in achtzehn Abschnitte. Das entspricht den achtzehn „Monaten“ dieses Kalenders. Archäologen diskutieren, welche dieser Zahlen genau beabsichtigt waren. Sie zeigen jedoch, wie Architektur und Zeit miteinander verbunden wurden.
Um die Tagundnachtgleichen im Frühling und Herbst wirft die abgestufte Ecke der Pyramide am späten Nachmittag eine Reihe dreieckiger Schatten auf die Seite der nördlichen Treppe. So entsteht das Bild eines Schlangenkörpers, der mit dem steinernen Kopf am Fuß der Treppe verbunden ist. Tausende Menschen versammeln sich, um das zu beobachten. Einige Forscher weisen darauf hin, dass der Effekt über Wochen um die Tagundnachtgleichen sichtbar ist und sich daher nicht zur genauen Bestimmung eines Datums eignete. Ob er absichtlich gestaltet wurde, ist ungeklärt.
Im Inneren von El Castillo befindet sich eine ältere Pyramide. Mexikanische Archäologen gruben in den 1930er-Jahren einen Tunnel hinein und entdeckten einen früheren Tempel mit einem Chacmool und einem Thron in Jaguarform. Der Thron war rot bemalt und mit Jade eingelegt. Neuere geophysikalische Untersuchungen haben Hinweise auf eine noch ältere Bauphase und einen Cenote unter der Pyramide geliefert.
Mittel
Der Große Ballspielplatz und der Heilige Cenote
In Chichén Itzá wurden dreizehn Ballspielplätze gefunden. Der Große Ballspielplatz ist 168 m lang und 70 m breit und der größte bekannte des alten Mesoamerika. Seine Wände sind etwa 8 m hoch; in der Mitte jeder Wand sitzt weit oben ein behauener Steinring. Die Spieler stießen einen Ball aus massivem Gummi mit der Hüfte. Ihn durch einen Ring zu befördern, gelang wahrscheinlich nur sehr selten. Reliefs am Fuß der Wände zeigen zwei Mannschaften. In der Mitte ist ein Spieler enthauptet worden; aus den Blutströmen werden Schlangen und blühende Pflanzen. Das Ballspiel war ein Sport und hatte zugleich religiöse und politische Bedeutungen, die mit dem Kampf kosmischer Kräfte, Fruchtbarkeit und Opfer verbunden waren.
Der Heilige Cenote ist ein fast rundes Einsturzloch mit etwa 60 m Durchmesser. Seine steilen Wände fallen rund 27 m bis zum Wasser ab. Er blieb über Jahrhunderte ein Wallfahrtsort, auch nachdem die Stadt an Bedeutung verloren hatte. Der Franziskanermönch Diego de Landa berichtete in den 1560er-Jahren, dass Menschen bei Dürre als Opfergaben für die Götter lebend hineingeworfen wurden, zusammen mit kostbaren Gegenständen.
Zwischen 1904 und 1910 ließ der Amerikaner Edward H. Thompson, dem das Land gehörte, den Cenote ausbaggern. Dabei barg er Schmuck aus Gold, Kupfer und Jade, Keramik, Kopal-Weihrauch, Holzgegenstände, Textilien und menschliche Knochen. Viele Funde wurden an das Peabody Museum der Harvard-Universität geschickt; einige sind inzwischen nach Mexiko zurückgekehrt. Weitere Funde bargen Tauchexpeditionen in den 1960er-Jahren unter Aufsicht des mexikanischen Nationalinstituts für Anthropologie und Geschichte (INAH). Die Objekte zeigen, dass Opfergaben aus weit entfernten Gebieten nach Chichén Itzá gelangten, darunter Gold aus Mittelamerika.
Unter den menschlichen Überresten aus dem Cenote sind Kinder und Erwachsene beider Geschlechter. Manche weisen Spuren von Gewalt auf, andere nicht. Die Forschung diskutiert weiterhin, wie viele Menschen geopfert und wie viele erst nach ihrem Tod dort niedergelegt wurden. Schriftliche Berichte aus der Kolonialzeit müssen vorsichtig gelesen werden: Sie entstanden lange nach der Blütezeit der Stadt und spiegeln spanische Sichtweisen wider.
Mittel
Die Gesellschaft hinter der Stadt: Handel, Krieg und Herrschaft durch einen Rat
Chichén Itzá gewann an Bedeutung, als die großen Städte des südlichen Maya-Tieflands, etwa Tikal und Calakmul, während des sogenannten Zusammenbruchs der klassischen Maya-Städte (ungefähr 800–950 n. Chr.) an Macht verloren. Im Norden dagegen blühten Städte wie Uxmal, Ek Balam, Cobá und Chichén Itzá eine Zeit lang auf. Im zehnten Jahrhundert hatte Chichén Itzá Rivalen wie Cobá und Yaxuná besiegt oder in den Schatten gestellt und beherrschte weite Teile des nördlichen und mittleren Yucatáns.
Sein Reichtum stammte aus Handel und Tributen. Über seinen Hafen auf Isla Cerritos an der Nordküste beteiligte sich Chichén Itzá am Handel mit Kanus rund um die Halbinsel. So erhielt es Obsidian aus Zentralmexiko, Türkis aus weiter nördlich gelegenen Gebieten, Gold aus dem südlichen Mittelamerika sowie Salz, Baumwolle und andere Waren von den Küsten. Tribute eroberter oder verbündeter Gemeinschaften versorgten die Herrschenden und ermöglichten die Bauarbeiten.
Wie die Stadt regiert wurde, ist umstritten. Inschriften nennen für das neunte Jahrhundert einen mächtigen Würdenträger namens Kʼakʼupakal. Einige Forscher meinen, dass in der späteren Phase ein Rat führender Abstammungsgruppen herrschte, ein später als Multepal bezeichnetes System, und nicht ein einzelner göttlicher König. Andere gehen von einem eher herkömmlichen Königtum aus. Die vielen Kriegerdarstellungen und die wenigen Bildnisse einzelner Könige passen zu einer Gesellschaft, in der Kriegerverbände und führende Gruppen Macht teilten.
Die Bevölkerung war wahrscheinlich vielfältig. Zu ihr gehörten Menschen aus verschiedenen Teilen der Maya-Welt und vielleicht auch aus Zentralmexiko. Eine 2024 veröffentlichte genetische Untersuchung von Kindern, die in einer unterirdischen Kammer nahe dem Heiligen Cenote bestattet worden waren, ergab: Alle waren Jungen; einige waren eng miteinander verwandt, darunter zwei eineiige Zwillingspaare. Sie stammten aus örtlichen Maya-Bevölkerungsgruppen. Die Studie fand zudem eine genetische Kontinuität zu Maya, die heute in der Region leben.
Mittel
Niedergang, Eroberung und Erinnerung
Archäologische Befunde deuten darauf hin, dass Chichén Itzás Rolle als regionale Hauptstadt um 1100 endete, vielleicht auch etwas später. Die Bautätigkeit kam zum Erliegen und die Macht verlagerte sich. Spätere Maya-Chroniken, die Bücher des Chilam Balam, erzählen von einem Herrscher aus Mayapán namens Hunac Ceel, der Chichén Itzá stürzte. Heute nehmen Archäologen jedoch an, dass Chichén Itzá bereits an Bedeutung verloren hatte, bevor Mayapán im 13. Jahrhundert zur beherrschenden Stadt wurde. Die Chroniken vermischen Geschichte, Weissagung und Politik; ihre Datierungen lassen sich nur schwer mit archäologischen Befunden abgleichen.
Chichén Itzá geriet nie in Vergessenheit. Der Heilige Cenote blieb ein Wallfahrtsort, und in der Umgebung lebten weiterhin Menschen. In den 1530er-Jahren versuchte der spanische Konquistador Francisco de Montejo der Jüngere, in Chichén Itzá eine spanische Stadt zu gründen. Der Widerstand der Maya zwang die Spanier 1534, sie aufzugeben. Yucatán wurde erst in den 1540er-Jahren erobert. Diego de Landa, der später 1562 in Maní die Verbrennung von Maya-Büchern anordnete, hinterließ dennoch eine der wichtigsten schriftlichen Beschreibungen Chichén Itzás. Das Land wurde Teil eines spanischen Rinderguts.
Im 19. Jahrhundert wurde die Stätte durch John Lloyd Stephens’ von Frederick Catherwood illustriertes Buch Incidents of Travel in Yucatan (1843) international bekannt. Fotografen und Forschungsreisende wie Désiré Charnay, Augustus und Alice Le Plongeon, Teobert Maler und Alfred Maudslay folgten. Augustus Le Plongeon grub 1875 eine liegende Statue aus und nannte sie „Chaacmol“. Als Chacmool wird dieser Figurentyp heute in ganz Mesoamerika bezeichnet.
Mittel
Ausgrabung, Restaurierung und Eigentum
1894 kaufte Edward Thompson, der Konsul der Vereinigten Staaten in Yucatán, die Hacienda Chichén, zu der auch die Ruinen gehörten. Weil er den Heiligen Cenote ausbaggern und dessen Schätze ausführen ließ, beschuldigte ihn die mexikanische Regierung später des Diebstahls und beschlagnahmte 1926 das Grundstück. Der Oberste Gerichtshof Mexikos entschied 1944, dass er gegen kein Gesetz verstoßen hatte. Seine Erben verkauften das Gut an den Tourismusunternehmer Fernando Barbachano Peón.
Ab 1924 grub die Carnegie Institution of Washington mit einer Genehmigung der mexikanischen Regierung den Kriegertempel, El Caracol und weitere Gebäude aus und restaurierte sie. Eine führende Rolle spielte dabei Sylvanus Morley. Gleichzeitig arbeiteten Archäologen der mexikanischen Regierung an El Castillo und dem Großen Ballspielplatz. Diese Unternehmungen schufen die rekonstruierte Stadt, die Besucher heute sehen. Manche Rekonstruktionen werden inzwischen kritisiert, weil sie vollständiger wirken, als es die Befunde rechtfertigen.
1988 wurde die Stätte in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen. 2007 wurde El Castillo bei einer kommerziellen Online-Abstimmung zu einem der „Neuen sieben Weltwunder“ gewählt. Das Land unter den wichtigsten Bauwerken blieb bis 2010 in Privatbesitz; dann kaufte es der Bundesstaat Yucatán. Die archäologische Zone ist Bundeseigentum und wird vom INAH verwaltet. Der Massentourismus bringt der Region Einnahmen, belastet aber auch die Bauwerke. Seit 2006 ist das Besteigen von El Castillo verboten. Maya-Gemeinschaften aus der Umgebung, darunter viele Kunsthandwerker und Händler an der Stätte, fordern mehr Mitsprache bei Entscheidungen über das Erbe ihrer Vorfahren.
Mittel
Religiöse Bedeutung und Erbe
Für die Menschen, die Chichén Itzá erbauten, war die Stadt eine heilige Landschaft. Der Tempel des Kukulcán steht ungefähr in der Mitte eines Kreuzes, das vier Cenoten bilden. Das deutet darauf hin, dass man ihn als Achse zwischen Himmel, Erde und wasserreicher Unterwelt betrachtete. Spätere mesoamerikanische Überlieferungen sprechen von großen Städten namens Tollan, „Ort des Schilfs“, als Ursprungsorten der Zivilisation und rechtmäßiger Königsherrschaft. Viele Forscher vermuten, dass Chichén Itzá als ein solches Tollan im Osten galt.
Heute ist Chichén Itzá ein nationales Symbol Mexikos und weltweit ein Symbol der Maya-Zivilisation. Die Stätte erscheint in Schulbüchern, Filmen und Tourismuskampagnen. Die Versammlungen an El Castillo zu den Tagundnachtgleichen sind zu einem modernen Ritual geworden, das manchmal mit New-Age-Vorstellungen verbunden wird, die wenig mit der Religion der Maya zu tun haben. Für die Maya aus Yucatán, die heute um die Stätte herum leben, und für die Maya insgesamt ist Chichén Itzá Teil eines lebendigen Erbes und kein Überrest eines verschwundenen Volkes.
Fortgeschritten
Forschungsdebatten: Tolteken, Chronologie und Opfer
Eroberung durch Tolteken oder gemeinsame Kultur? Forschern des frühen 20. Jahrhunderts fielen deutliche Ähnlichkeiten zwischen den nördlichen Bauten Chichén Itzás und denen von Tula auf, der Hauptstadt der Tolteken in Zentralmexiko. Zusammen mit späteren Legenden über Quetzalcóatl (Kukulcán), der Tula verließ und nach Yucatán kam, entstand daraus eine einflussreiche Theorie: Toltekische Eroberer hätten Chichén Itzá um 1000 eingenommen und auf einer älteren Maya-Stadt eine „toltekisch-mayaische“ Stadt geschaffen. Seit dem späten 20. Jahrhundert erklären viele Archäologen die Ähnlichkeiten eher mit weitreichenden Kontakten zwischen führenden Gruppen und einem gemeinsamen „internationalen“ Stil rund um den Kult der Gefiederten Schlange. Manche halten es sogar für möglich, dass Einflüsse von Chichén Itzá nach Tula gelangten statt umgekehrt.
Chronologie. Das traditionelle Modell teilte die Stätte in eine frühere „Maya-Phase“ im Puuc-Stil und eine spätere „toltekische“ Phase ein. Untersuchungen der Keramik, Radiokarbondatierungen und neue Auswertungen der Inschriften haben viele Fachleute zu der Annahme geführt, dass sich die beiden Stile zeitlich stark überschnitten und die meisten großen Bauten zwischen etwa 800 und 1000 entstanden. Auch wann die Stadt genau niederging und in welchem Verhältnis dieser Niedergang zu Mayapán stand, ist umstritten. In eigenen Veröffentlichungen beschreibt das INAH die Stadt weiterhin als Ergebnis einer Vermischung von Maya- und toltekischer Kultur.
Opfer und Deutung. Menschenopfer in Chichén Itzá sind durch bildliche Darstellungen, die Schädelplattform und einige menschliche Überreste belegt. Die verbreitete Vorstellung, junge Frauen seien in den Cenote geworfen worden, beruht jedoch stärker auf romantisierenden Berichten aus der Kolonialzeit und dem 19. Jahrhundert als auf Beweisen. Neuere bioarchäologische und genetische Arbeiten, etwa die Studie von 2024 über die Jungen aus dem unterirdischen Chultun, erlauben Fragen danach, wer die Toten waren und wie sie ausgewählt wurden. Über den rituellen Zusammenhang gehen die Deutungen weiterhin auseinander.
Astronomie. Die Ausrichtungen von El Castillo und El Caracol auf die Sonne und die Venus zeigen sorgfältige Himmelsbeobachtungen. Uneinigkeit besteht darüber, welche Ausrichtungen beabsichtigt waren und wie verlässlich verbreitete Behauptungen sind – etwa, dass die Schattenschlange zur Tagundnachtgleiche als Kalenderzeichen geplant wurde.
Fortgeschritten
Belege und Forschungsmethoden
Inschriften. Chichén Itzá besitzt weniger Hieroglyphentexte als die klassischen Städte des Südens. Die meisten stammen aus der Zeit von etwa 832 bis 998. Mit ihrer Hilfe haben Fachleute für Inschriften Würdenträger, Rituale wie Feuerzeremonien und ältere Namen von Gebäuden erschlossen. Dass solche Texte an den späteren nördlichen Bauwerken selten sind, ist selbst ein Hinweis auf veränderte Formen politischer Herrschaft.
Kolonialzeitliche Texte. Landas Bericht, die Bücher des Chilam Balam und andere Dokumente aus der Kolonialzeit bewahren Erinnerungen der Maya und Beobachtungen der Spanier. Sie entstanden jedoch nach der Eroberung, dienten neuen Zwecken und vermischen häufig Weissagung und Geschichte. Deshalb sollten sie kritisch und zusammen mit archäologischen Befunden genutzt werden.
Archäologie und Naturwissenschaften. Ausgrabungen, die Einordnung von Keramik nach Typen, Radiokarbondatierungen, Untersuchungen menschlicher Überreste mit Isotopenanalysen und alter DNA sowie geophysikalische Verfahren wie die elektrische Widerstandstomografie und Lidar verändern das Bild der Geschichte dieser Stätte. Geophysikalische Untersuchungen haben Cenoten und verborgene Bauphasen ohne Ausgrabung kartiert. Lidar hat Siedlungsreste außerhalb der Touristenzone sichtbar gemacht.
Das Problem der Rekonstruktion. Ein großer Teil dessen, was Besucher sehen, wurde zwischen den 1920er- und 1940er-Jahren wiederaufgebaut. Forscher müssen Ausgrabungsberichte und frühe Fotografien heranziehen, um ursprüngliche Bauteile von Ergänzungen zu unterscheiden. Chichén Itzá zeigt damit, wie archäologische Deutungen, nationale Identität und Tourismus gemeinsam das Bild einer alten Stadt geprägt haben.
Kernideen
- Cenote
- Ein natürliches Einsturzloch, das Grundwasser freilegt; Lebensgrundlage auf Yucatán und heiliger Zugang zur Unterwelt.
- Gefiederte Schlange
- Kukulcán (in Zentralmexiko Quetzalcóatl), die Gottheit im Mittelpunkt der religiösen und politischen Symbolik Chichén Itzás.
- Architektur als Kalender
- Die Stufen und Terrassen von El Castillo spiegeln das Jahr mit 365 Tagen und seinen achtzehn Monaten wider.
- Ballspiel
- Ein mesoamerikanisches Spiel mit religiösen Bedeutungen, die mit dem Kampf kosmischer Kräfte, Fruchtbarkeit und Opfern verbunden waren.
- Beziehungen zwischen den Maya und Zentralmexiko
- Die Mischung der Baustile wirft die Frage auf, ob sie durch Eroberung, Zuwanderung oder eine gemeinsame Kultur führender Gruppen entstand.
- Wandel in der Endklassik
- Chichén Itzá stieg auf, während südliche Maya-Städte an Bedeutung verloren. Der Zusammenbruch war eine regionale Neuordnung und nicht das Ende der Maya-Zivilisation.
- Lebendiges Erbe
- Die Maya sind kein verschwundenes Volk; die Stätte gehört zum Erbe heute lebender Maya-Gemeinschaften.
Einträge
- um 600 n. Chr. — In der Spätklassik besteht in Chichén Itzá eine Siedlung.
- 832 n. Chr. — Die früheste an der Stätte überlieferte hieroglyphische Datierung.
- 869 n. Chr. — Eine Inschrift in der Casa Colorada berichtet von Feuerzeremonien der Würdenträger der Stadt.
- um 900 n. Chr. — Chichén Itzá wird zur beherrschenden Macht im Norden Yucatáns; auf der Großen Nordplattform entstehen bedeutende Bauten.
- 998 n. Chr. — Die späteste bekannte hieroglyphische Datierung findet sich im Tempel El Osario.
- um 1100 — Chichén Itzás Rolle als regionale Hauptstadt endet; der Heilige Cenote bleibt ein Wallfahrtsort.
- 1534 — Spanische Truppen unter Francisco de Montejo dem Jüngeren geben ihren Versuch auf, sich in Chichén Itzá niederzulassen.
- 1843 — John Lloyd Stephens und Frederick Catherwood veröffentlichen Incidents of Travel in Yucatan.
- 1904 — Edward Thompson beginnt, den Heiligen Cenote auszubaggern; die Arbeiten dauern bis 1910.
- 1924 — Die Carnegie Institution beginnt umfangreiche Ausgrabungen und Restaurierungen.
- 1988 — Chichén Itzá wird in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen.
- 2010 — Der Bundesstaat Yucatán kauft das Land unter den wichtigsten Bauwerken von privaten Eigentümern.
Glossar
- Maya
- Indigene Völker im Süden Mexikos und in Mittelamerika, die Maya-Sprachen sprechen und deren Zivilisation sich über mehr als 3.000 Jahre entwickelte.
- Cenote
- Ein natürliches Einsturzloch im Kalkstein, in dem Grundwasser offenliegt.
- Sacbe
- Eine erhöhte, verputzte Dammstraße der Maya; wörtlich „weiße Straße“.
- Puuc-Stil
- Ein Baustil Nordyucatáns mit schlichten unteren Wänden und oberen Fassaden aus Steinmosaiken.
- Chacmool
- Eine steinerne Figur, die auf dem Rücken liegt und auf dem Bauch eine Schale oder Platte hält; sie kommt an Stätten der Maya und Zentralmexikos vor.
- Tzompantli
- Ein Gestell oder eine Plattform zur Zurschaustellung von Schädeln Verstorbener, häufig von Opfergaben.
- Haabʼ
- Der Sonnenkalender der Maya mit 365 Tagen: 18 Monate zu je 20 Tagen und 5 zusätzliche Tage.
- Endklassik
- Die Zeit von etwa 800 bis 1000 n. Chr., in der viele südliche Maya-Städte niedergingen und nördliche Städte aufstiegen.
- Mesoamerika
- Der Kulturraum in Mittel- und Südmexiko sowie im nördlichen Mittelamerika vor dem Kontakt mit Europäern.
- INAH
- Mexikos Nationalinstitut für Anthropologie und Geschichte, das archäologische Stätten verwaltet.
Fragen und Antworten
Wer hat Chichén Itzá erbaut?
Die Maya des nördlichen Yucatáns, darunter die Itzá, erbauten die Stadt über mehrere Jahrhunderte. Ihre Kunst zeigt auch enge Verbindungen nach Zentralmexiko.
Hat El Castillo wirklich 365 Stufen?
Jede der vier Treppen hat ungefähr 91 Stufen. Viermal 91 ergibt zusammen mit der obersten Plattform 365 – so viele Tage hat das Sonnenjahr im Maya-Kalender.
Darf man die Pyramide noch besteigen?
Nein. Seit 2006 ist das Besteigen von El Castillo verboten, um das Bauwerk und die Besucher zu schützen.
Wurden wirklich Menschen in den Heiligen Cenote geworfen?
Dort wurden menschliche Überreste und Opfergaben gefunden, und spanische Berichte beschreiben Menschenopfer. Doch nicht alle Überreste zeigen Spuren von Gewalt. Wie viele Menschen geopfert wurden, ist weiterhin umstritten.
Haben die Tolteken Chichén Itzá erobert?
Das galt früher als die übliche Erklärung. Heute führen viele Archäologen die Ähnlichkeiten mit Tula auf Handel, gemeinsame religiöse Vorstellungen und Kontakte zwischen führenden Gruppen zurück, möglicherweise in beide Richtungen. Eine Eroberung allein erklärt die Befunde ihrer Ansicht nach nicht.
Warum verlor Chichén Itzá an Bedeutung?
Die Gründe sind nicht vollständig bekannt. Als mögliche Ursachen gelten politische Konflikte, veränderte Handelswege und Dürre. Seine regionale Vormachtstellung endete um 1100, doch die Stätte wurde nie völlig aufgegeben.
Was war das Ballspiel?
Ein Mannschaftsspiel mit einem schweren Gummiball, der vor allem mit der Hüfte gestoßen wurde. Es war zugleich ein Sport und ein Ritual, das mit dem Lauf der Sonne, Fruchtbarkeit und Opfern verbunden war.
Gibt es heute noch Maya?
Ja. Millionen Maya leben in Mexiko, Guatemala und benachbarten Ländern. In den Dörfern um Chichén Itzá wird Yukatekisch gesprochen.
Quellen und weiterführende Literatur
- Pre-Hispanic City of Chichen-Itza. UNESCO World Heritage Centre
- Zona Arqueológica de Chichén Itzá. Instituto Nacional de Antropología e Historia (INAH)
- Chichen Itza. Wikipedia
- El Castillo, Chichen Itza. Wikipedia
- Sacred Cenote. Wikipedia
- 치첸이차. 위키백과
- Mark Cartwright, Chichen Itza. World History Encyclopedia, 2014
- Rodrigo Barquera et al., Ancient genomes reveal insights into ritual life at Chichén Itzá. Nature 630, 2024
- Michael D. Coe and Stephen Houston, The Maya (9th edition). Thames & Hudson, 2015
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Mit KI-Unterstützung auf Grundlage der oben aufgeführten veröffentlichten Quellen verfasst und bei neuen Forschungsergebnissen überarbeitet.
