Literatur

Lu Xun

魯迅 (鲁迅)

1918–1936 · Shanghai, China

In einem Satz

Lu Xun (1881–1936) war ein chinesischer Schriftsteller, der sein Medizinstudium aufgab, um sein Land stattdessen mit Worten zu „heilen“. Seine scharfsinnigen, traurigen und humorvollen Erzählungen und Essays, beginnend 1918 mit „Tagebuch eines Verrückten“, prägten die moderne chinesische Literatur.

Lu Xun
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Für junge Leser

Lu Xun wurde 1881 in China geboren. Seine Heimatstadt Shaoxing hatte viele Kanäle. Früher war seine Familie reich gewesen. Doch als er ein Junge war, kam sein Großvater ins Gefängnis und sein Vater wurde sehr krank. Lu Xun brachte Dinge ins Pfandhaus, um Geld für Medizin zu bekommen. Trotzdem starb sein Vater.

Lu Xun wollte Arzt werden und ging zum Medizinstudium nach Japan. Eines Tages sah er im Unterricht ein Bild: Ein Chinese sollte hingerichtet werden, und andere Chinesen standen dabei und sahen zu. Später sagte Lu Xun, dass dieses Bild ihn verändert habe. Er dachte: Die Menschen brauchen nicht nur Medizin für ihren Körper. Sie müssen auch anfangen, anders zu denken. Dabei könnten Geschichten helfen.

Also wurde er Schriftsteller. 1918 schrieb er „Tagebuch eines Verrückten“. Er benutzte eine Sprache, die dem gesprochenen Chinesisch nahe war. Das war damals etwas Neues. In der Geschichte glaubt ein Mann, dass alle anderen ihn essen wollen. Das klingt gruselig. Eigentlich zeigt die Geschichte aber, wie alte Regeln Menschen schaden können.

Seine bekannteste Figur heißt Ah Q. Ah Q ist arm und verliert immer wieder. Trotzdem redet er sich jedes Mal ein, dass er gewonnen hat. Die Leser lachen über ihn. Dann merken sie vielleicht, dass sie sich manchmal ähnlich verhalten.

Lu Xun schrieb auch viele kurze, kämpferische Texte über Probleme in der Gesellschaft. Seine letzten Jahre verbrachte er in Shanghai. Dort starb er 1936. Heute lesen Kinder und Erwachsene in China seine Geschichten in der Schule. Sie wurden auch in viele andere Sprachen übersetzt.

Auf einen Blick

Geboren
25. September 1881 in Shaoxing, Zhejiang, Qing-China, als Zhou Zhangshou; später Zhou Shuren genannt
Gestorben
19. Oktober 1936 in Shanghai
Pseudonym
Lu Xun (魯迅), erstmals 1918 für „Tagebuch eines Verrückten“ verwendet; er benutzte viele weitere Pseudonyme
Ausbildung
Jiangnan-Marineakademie und Schule für Bergbau und Eisenbahnwesen in Nanjing; Medizinische Hochschule Sendai, Japan (1904–1906)
Wichtigste Erzählwerke
Aufruf zum Kampf (Nahan, 1923), Umherirren (Panghuang, 1926), Alte Geschichten, neu erzählt; darunter „Tagebuch eines Verrückten“ und „Die wahre Geschichte des Ah Q“
Weitere Werke
Wildes Gras (Prosagedichte), Im Abendlicht gepflückte Morgenblüten (Erinnerungen), etwa 16 Bände mit Essays, Eine kurze Geschichte der chinesischen Erzählkunst und zahlreiche Übersetzungen
Bewegung
Führender Schriftsteller der Bewegung für eine Neue Kultur und der Zeit der Vierten-Mai-Bewegung; später mit dem Bund linksgerichteter Schriftsteller verbunden (1930)
Orte
Shaoxing, Nanjing, Tokio und Sendai, Peking (1912–1926), Xiamen, Guangzhou, Shanghai (1927–1936)

Einfach

Wer war Lu Xun?

Lu Xun ist das Pseudonym von Zhou Shuren, einem chinesischen Schriftsteller, Kritiker, Gelehrten und Übersetzer, der von 1881 bis 1936 lebte. Er gilt weithin als bedeutendster chinesischer Schriftsteller der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und als Wegbereiter der modernen chinesischen Literatur.

Er erlebte gewaltige Veränderungen. Er wurde unter der Qing-Dynastie geboren, als Männer ihr Haar in einem langen Zopf trugen und Beamte durch Prüfungen über die konfuzianischen Klassiker ausgewählt wurden. Er erlebte den Sturz des Kaiserreichs in der Revolution von 1911, den Kampf der neuen Republik China mit Warlords und ausländischem Druck sowie den Aufstieg der Nationalistischen und der Kommunistischen Partei.

Lu Xun schrieb vergleichsweise wenige Erzählwerke: etwa 33 Geschichten in drei Sammlungen. Doch Geschichten wie „Tagebuch eines Verrückten“, „Kong Yiji“, „Medizin“, „Meine alte Heimat“ und „Die wahre Geschichte des Ah Q“ veränderten die chinesische Erzählkunst. Sie waren in der modernen chinesischen Umgangssprache (Baihua) geschrieben, nutzten neue Formen, die aus der europäischen, russischen und japanischen Literatur übernommen und angepasst wurden, und blickten Armut, Grausamkeit und Gleichgültigkeit ohne Beschönigung ins Gesicht.

Einen noch größeren Teil seines Werks bilden kurze kritische Essays, die Zawen („vermischte Schriften“) heißen. Darin griff er Heuchelei, Gewalt, Zensur und blinden Respekt vor der Tradition an, oft mit bitterem Humor. Er schrieb außerdem Prosagedichte, Erinnerungen und Gedichte in klassischem Stil, erforschte die Geschichte der chinesischen Erzählkunst, übersetzte russische, japanische und europäische Literatur und förderte den Holzschnitt als moderne Kunst für gewöhnliche Menschen.

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Einfach

Kindheit in einer verarmenden Familie

Lu Xun wurde in Shaoxing, einer Stadt mit vielen Kanälen in der Provinz Zhejiang, in eine Familie von Gelehrtenbeamten und Grundbesitzern geboren. Als Junge lernte er die konfuzianischen Klassiker, mochte aber illustrierte Bücher, Volkserzählungen, die örtliche Oper und Geistergeschichten einer Hausangestellten lieber. Viele dieser Erinnerungen tauchten später in seinen Essays und Geschichten auf.

1893, als er zwölf Jahre alt war, wurde sein Großvater Zhou Fuqing verhaftet, weil er versucht hatte, einen Prüfungsbeamten zu bestechen. Er wurde zum Tod verurteilt, doch die Vollstreckung wurde Jahr für Jahr aufgeschoben, bis er schließlich freikam. Die Familie gab einen großen Teil ihres Vermögens aus, um ihn zu retten. Lu Xuns Vater Zhou Boyi erkrankte und starb 1896. Während seiner Krankheit ging der Junge täglich zum Pfandhaus und zur Apotheke, um teure traditionelle Heilmittel zu kaufen, die nicht halfen.

Lu Xun schrieb später, diese Erfahrung habe ihn gelehrt, wie Menschen eine Familie behandeln, die ihren gesellschaftlichen Rang verloren hat. Sie machte ihn auch zutiefst misstrauisch gegenüber der traditionellen Medizin. In ihr sah er ein Beispiel dafür, wie alte Bräuche Schaden anrichten können.

Weil sich die Familie den üblichen Weg zu einer Beamtenlaufbahn nicht mehr leisten konnte, ging er 1898 nach Nanjing. Dort studierte er zunächst an einer kostenlosen, staatlich finanzierten Marineakademie und dann an einer Schule für Bergbau und Eisenbahnwesen. Er las westliche Naturwissenschaft und Philosophie in Übersetzung, darunter Thomas Huxleys Evolution und Ethik in der Übersetzung von Yan Fu. Dieses Werk machte viele chinesische Leser mit Vorstellungen von Evolution und dem Kampf ums Überleben bekannt.

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Einfach

Von der Medizin zur Literatur

1902 ging Lu Xun mit einem staatlichen Stipendium nach Japan. Wie Tausende junge Chinesen seiner Zeit wollte er erfahren, wie Japan sich so schnell modernisiert hatte. Nachdem er in Tokio Japanisch gelernt hatte, schrieb er sich 1904 an der medizinischen Hochschule in Sendai ein. Später sagte er, er habe Menschen wie seinen Vater heilen und seinem Land als Arzt dienen wollen.

Im Vorwort zu seiner ersten Erzählsammlung Aufruf zum Kampf (1923) schilderte er ein berühmt gewordenes Erlebnis. Während einer Vorlesung in Sendai zeigte der Lehrer Lichtbilder aus dem Russisch-Japanischen Krieg. Auf einem Bild war ein Chinese zu sehen, der angeblich für Russland spioniert hatte und von japanischen Soldaten enthauptet werden sollte. Eine Gruppe Chinesen stand dabei und sah zu. Die japanischen Studenten jubelten. Lu Xun schrieb, er habe damals erkannt, dass gesunde Körper nichts nützten, wenn der Geist der Menschen abgestumpft sei. Zuerst müsse sich ihr Geist ändern, und Literatur sei dafür das beste Mittel.

1906 verließ er die medizinische Hochschule und kehrte nach Tokio zurück, um sich mit Literatur zu beschäftigen. Im selben Jahr reiste er auch nach Hause, um Zhu An zu heiraten, eine von seiner Mutter ausgewählte Frau. Die Ehe wurde nie zu einer echten Partnerschaft. In Tokio schrieb er Essays, darunter „Über die Kraft der Mara-Dichtung“ (1908), mit dem er chinesischen Lesern rebellische europäische Romantiker wie Byron vorstellte. Gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Zhou Zuoren übersetzte er Geschichten aus osteuropäischen Literaturen. Sein Plan für eine Literaturzeitschrift scheiterte, und nur wenige Menschen lasen seine frühen Arbeiten.

Sein Anatomielehrer in Sendai, Fujino Genkurō, der seine Vorlesungsmitschriften sehr sorgfältig korrigierte, erscheint in einer warmherzigen Erinnerung, die Lu Xun 1926 über ihn schrieb. Die Jahre in Sendai hinterließen bei ihm somit sowohl Demütigung als auch Dankbarkeit gegenüber Japan.

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Mittel

Peking, das „eiserne Haus“ und „Tagebuch eines Verrückten“

Nach seiner Rückkehr nach China 1909 unterrichtete Lu Xun in Hangzhou und Shaoxing. Nach der Revolution von 1911 trat er 1912 in das Bildungsministerium der neuen Republik ein und zog mit ihm nach Peking, wo er bis 1926 lebte. Die Republik enttäuschte ihn bald. Mehrere Jahre verbrachte er seine Abende damit, alte Inschriften abzuschreiben, alte Texte zu sammeln und buddhistische Schriften zu lesen. Das öffentliche Leben mied er bewusst.

1917 bat ihn sein Freund Qian Xuantong, für Neue Jugend (Xin qingnian, auch La Jeunesse genannt) zu schreiben. Die von Chen Duxiu herausgegebene, radikale Zeitschrift setzte sich in der Bewegung für eine Neue Kultur gegen die konfuzianische Tradition und für das Schreiben in der Umgangssprache ein. Im Vorwort zu Aufruf zum Kampf erinnerte Lu Xun mit einem berühmt gewordenen Bild an seine Antwort: Man solle sich ein eisernes Haus ohne Fenster vorstellen, das fast unmöglich aufzubrechen sei. Darin schliefen viele Menschen, die bald ersticken würden. Würde man einige von ihnen wecken, ließe man sie dann nicht nur leiden? Sein Freund erwiderte, dass es Hoffnung gebe, das Haus zu zerstören, wenn wenigstens einige aufwachten. Lu Xun erklärte sich bereit zu schreiben.

„Tagebuch eines Verrückten“ erschien im Mai 1918 in Neue Jugend. Titel und Tagebuchform entlehnte Lu Xun einer gleichnamigen Erzählung von Nikolai Gogol. Ein kurzes Vorwort in klassischem Chinesisch erklärt, das Tagebuch stamme von einem Mann, der inzwischen genesen sei; das Tagebuch selbst ist in der Umgangssprache geschrieben. Der Verfasser ist überzeugt, dass die Menschen um ihn herum, sogar sein eigener Bruder, Menschenfresser sind. In einem alten Geschichtsbuch findet er auf jeder Seite die Worte „Menschlichkeit und Rechtschaffenheit“ und zwischen den Zeilen zwei andere Worte: „Menschen essen“. Die Geschichte endet mit dem Ruf: „Rettet die Kinder …“

Die Geschichte wurde als vernichtende Allegorie gelesen: Hinter ihren konfuzianischen Tugenden sei die alte moralische Ordnung in Wahrheit ein System, in dem die Starken die Schwachen verschlingen. Sie wird oft als erste moderne chinesische Kurzgeschichte in der Umgangssprache bezeichnet, obwohl Literaturhistoriker auf frühere Versuche hinweisen. In den folgenden Jahren veröffentlichte Lu Xun die später in Aufruf zum Kampf gesammelten Geschichten. Dazu gehören „Kong Yiji“ über einen gescheiterten Gelehrten, der in einer Weinschenke verspottet wird, „Medizin“, in der eine Familie ihrem kranken Sohn ein in das Blut eines hingerichteten Revolutionärs getränktes Brötchen zu essen gibt, und „Meine alte Heimat“. Diese Geschichte endet mit dem Gedanken, dass Hoffnung wie ein Weg über das Land ist: Anfangs gibt es keinen, doch wenn viele Menschen denselben Weg gehen, entsteht ein Pfad.

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Mittel

Ah Q und der „geistige Sieg“

„Die wahre Geschichte des Ah Q“, Lu Xuns längstes Erzählwerk, erschien von Dezember 1921 bis Februar 1922 unter dem Pseudonym Ba Ren in wöchentlichen Folgen in der Beilage der Pekinger Morgenzeitung. Ihr Held ist ein armer, landloser Tagelöhner aus dem Dorf Weizhuang. Ah Q wird geschlagen, beleidigt und betrogen, findet aber immer einen Weg, sich einzureden, er habe eigentlich gewonnen: Wenn ihn jemand schlägt, denkt er, es sei, als schlage ein Sohn seinen Vater. Lu Xun nannte dies seine „Methode des geistigen Sieges“.

Gegenüber Schwächeren verhält sich Ah Q selbst wie ein Tyrann, und er macht begierig mit, was gerade in Mode ist. Als die Nachricht von der Revolution von 1911 das Dorf erreicht, beschließt er, „Revolutionär“ zu werden, weil die örtlichen angesehenen Familien offenbar Angst davor haben. Am Ende reißen diese Familien die Revolution selbst an sich, und Ah Q wird wegen eines Raubes verhaftet, den er nicht begangen hat. Da er seinen Namen nicht schreiben kann, soll er mit einem Kreis unterschreiben. Er sorgt sich nur darum, dass der Kreis nicht rund genug ist. Vor einer Menschenmenge wird er zur Abschreckung erschossen; die Zuschauer beschweren sich, die Hinrichtung sei nicht unterhaltsam gewesen.

Die Leser erkannten in Ah Q sofort Verhaltensweisen wieder, die sie bei anderen und bei sich selbst sahen: das Bemühen, das Gesicht zu wahren, Selbsttäuschung, Unterwürfigkeit gegenüber Mächtigen und Grausamkeit gegenüber Schwachen. „Ah-Q-ismus“ wurde zu einem geläufigen Ausdruck im Chinesischen. Die Geschichte ist auch ein bitterer Kommentar zur Revolution von 1911, die nach Lu Xuns Ansicht zwar die Flagge, aber nicht die Gesellschaft verändert hatte.

Lu Xuns zweite Erzählsammlung Umherirren (1926) ist düsterer und stärker nach innen gerichtet. „Das Neujahrsopfer“ erzählt von Xianglins Frau, einer verwitweten Dienerin, deren Unglück dazu führt, dass die Dorfbewohner sie für unglückbringend und unrein halten, bis sie im Schnee stirbt. Andere Geschichten handeln von Intellektuellen, die geschlagen nach Hause zurückkehren oder ihre Ideale aufgeben.

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Mittel

Essays, Prosagedichte, Forschung und Übersetzungen

Lu Xuns Essays (Zawen) füllen viele Bände. Sie sind meist kurz und reagieren auf aktuelle Ereignisse: ein Massaker an Studierenden, ein neues Zensurgesetz oder eine gerade verbreitete Meinung. Sein Stil ist knapp, anspielungsreich und ironisch. Er griff Konservative an, die die konfuzianische Moral verteidigten, aber auch andere Radikale und literarische Rivalen. Seine Auseinandersetzungen mit Schriftstellern wie Liang Shiqiu und mit anderen Linken waren bekannt. Viele dieser Essays sind schwer zu übersetzen, weil sie auf Ereignisse und Personen ihrer Zeit anspielen.

Wildes Gras (veröffentlicht 1927) ist eine Sammlung von Prosagedichten voller Träume, Schatten und Widersprüche. Sie gilt oft als sein persönlichstes und experimentellstes Werk. Im Abendlicht gepflückte Morgenblüten versammelt Erinnerungen an seine Kindheit und Jugend, darunter den Essay über seinen Lehrer Fujino. Alte Geschichten, neu erzählt, seine letzte Sammlung von Erzählungen, gestaltet alte Legenden und Geschichten über Philosophen wie Konfuzius, Laozi und Mozi mit ironischen modernen Einzelheiten neu.

Lu Xun war auch ein ernsthafter Gelehrter. Aus seinen Vorlesungen an der Universität Peking und anderen Hochschulen zu Beginn der 1920er-Jahre entstand Eine kurze Geschichte der chinesischen Erzählkunst. Als erste systematische Geschichte chinesischer Erzählwerke trug sie dazu bei, Romane wie Der Traum der Roten Kammer und Die Reise nach Westen als Gegenstände wissenschaftlicher Forschung zu etablieren.

Er übersetzte sehr viel, besonders aus dem Russischen und Japanischen, darunter Gogols Die toten Seelen. Er trat für eine bewusst wörtliche „harte Übersetzung“ ein, die fremde Satzstrukturen beibehielt. So wollte er das Chinesische um neue Ausdrucksformen bereichern. In den 1930er-Jahren unterstützte er zudem junge Künstler der Holzschnittbewegung, sammelte europäische Druckgrafik und organisierte Workshops.

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Mittel

Politik, Shanghai und die letzten Jahre

1925 und 1926 wurde Lu Xun in Konflikte an der Pekinger Pädagogischen Hochschule für Frauen verwickelt, an der er unterrichtete, und verliebte sich in eine seiner Studentinnen, Xu Guangping. Nach dem Massaker vom 18. März 1926, bei dem Regierungstruppen auf demonstrierende Studierende in Peking schossen und zwei seiner Studentinnen töteten, schrieb er den Essay „Zum Gedenken an Fräulein Liu Hezhen“. Später im selben Jahr verließ er Peking. Er lehrte kurz in Xiamen und anschließend in Guangzhou an der Sun-Yat-sen-Universität.

1927 wandte sich die Nationalistische Partei (Kuomintang) unter Chiang Kai-shek mit Gewalt gegen ihre kommunistischen Verbündeten. Entsetzt über die Tötung junger Menschen verließ Lu Xun Guangzhou und ließ sich mit Xu Guangping in Shanghai nieder. Ihr Sohn Zhou Haiying wurde 1929 geboren. In Shanghai lebte Lu Xun vom Schreiben und Herausgeben und zog mehrmals um, um Gefahren zu entgehen.

Ungefähr zu dieser Zeit las er marxistische Literaturtheorie und rückte politisch nach links. 1930 wurde er zu einer führenden Persönlichkeit im Bund linksgerichteter Schriftsteller, der mit der Kommunistischen Partei verbunden war. 1931 ließen die nationalistischen Behörden mehrere junge Schriftsteller hinrichten, die er kannte. Er schrieb voller Zorn über sie. Der Kommunistischen Partei trat er jedoch nie bei. Mit parteinahen literarischen Führungsfiguren im Bund stritt er heftig und warf ihnen bürokratische Schikanen vor.

Lu Xun litt seit Langem an Tuberkulose und rauchte viel. Er starb am 19. Oktober 1936 im Alter von 55 Jahren in Shanghai. Tausende nahmen an seiner Beerdigung teil. Sein Sarg war mit einem Banner bedeckt, auf dem „Seele der Nation“ stand. Er liegt in einer Grabstätte im Lu-Xun-Park, dem früheren Hongkou-Park, in Shanghai. In der Nähe ist ihm ein Museum gewidmet.

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Mittel

Einfluss und Nachwirkung in China und Ostasien

Nach seinem Tod vereinnahmte die Kommunistische Partei Chinas Lu Xun für sich. Mao Zedong schrieb 1940, er sei nicht nur ein großer Schriftsteller, sondern auch „ein großer Denker und ein großer Revolutionär“. Diese Einschätzung wurde zur offiziellen Sichtweise in der Volksrepublik. Seine Werke wurden weithin unterrichtet, und während der Kulturrevolution war er eine der sehr wenigen modernen literarischen Stimmen, die zugelassen waren. Durch diese offizielle Verehrung konnte er wie ein Denkmal wirken statt wie der zweifelnde, unabhängige Schriftsteller, der er gewesen war.

In Taiwan waren seine Werke während des Kriegsrechts dagegen jahrzehntelang wegen ihrer Verbindung zur politischen Linken eingeschränkt. Nach der politischen Liberalisierung konnten sie auch dort frei gelesen werden. Auf dem chinesischen Festland gehören seine Geschichten bis heute fest zu Schulbüchern, auch wenn über Zahl und Auswahl der Texte diskutiert wird.

Besonders wichtig wurde Lu Xun in Japan und Korea. In Japan machte ihn der Kritiker Takeuchi Yoshimi mit seinem Buch Lu Xun (1944) zu einem Vorbild für Überlegungen darüber, wie asiatische Gesellschaften die westliche Moderne aufnehmen und sich zugleich gegen sie behaupten konnten. Lu Xun wird dort weiterhin viel gelesen, und „Herr Fujino“ stand in japanischen Schulbüchern. In Korea wurden seine Geschichten seit der Kolonialzeit übersetzt und diskutiert. Viele koreanische Intellektuelle sahen in seinem Kampf gegen Tradition und Imperialismus Parallelen zu ihrer eigenen Lage.

International machten Übersetzungen von Yang Xianyi und Gladys Yang, William Lyell und Julia Lovell ihn zu einem der weltweit meistgelesenen chinesischen Schriftsteller. Schriftsteller in vielen Ländern haben ihn als Beispiel für eine Literatur genannt, die künstlerische Erneuerung mit moralischer Ernsthaftigkeit verbindet.

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Fortgeschritten

Debatten über die Deutung seines Werks

Revolutionär oder Skeptiker? Die maoistische Deutung stellte Lu Xuns Leben als Entwicklung vom Evolutionismus zum Marxismus und vom Individualismus zum Kollektivismus dar. Forschende außerhalb dieses offiziellen Rahmens betonten dagegen seine Zweifel, seine Verzweiflung und seine Ironie. Leo Ou-fan Lee liest ihn in Voices from the Iron House (1987) als Modernisten, dessen innere Konflikte, sichtbar in Wildes Gras, sich nicht auf ein politisches Programm reduzieren lassen. In den 1980er-Jahren begannen auch Forschende auf dem chinesischen Festland, seinen Individualismus und den Einfluss von Denkern wie Nietzsche hervorzuheben.

Nationalcharakter. Lu Xuns Kritik am „Nationalcharakter“ (guominxing) der Chinesen war ein zentrales Thema seines Werks. Einige Forschende, insbesondere Lydia H. Liu in Translingual Practice (1995), haben argumentiert, dass diese Sichtweise zum Teil aus westlichen Missionsschriften stammte. Dazu gehörte vor allem Arthur Smiths Chinese Characteristics, das Lu Xun in japanischer Übersetzung las. Sie fragen, inwieweit seine Kritik ausländische Klischees wiederholte. Andere erwidern, er habe diese Vorstellungen in ein Mittel der Selbstkritik umgewandelt, das auf gesellschaftliche Veränderung zielte.

Literarische Bewertung. Der Kritiker C. T. Hsia bewunderte in A History of Modern Chinese Fiction (1961) Lu Xuns beste Geschichten, vertrat aber die Ansicht, seine späteren polemischen Schriften hätten seine Kunst eingeengt. Andere sehen in den Essays eine eigenständige neue literarische Form, die zu einer Krisenzeit passte. Auch die Behauptung, „Tagebuch eines Verrückten“ sei die erste moderne chinesische Erzählung in der Umgangssprache gewesen, wurde eingeschränkt: Forschende verweisen auf frühere Versuche, darunter solche von Schriftstellerinnen wie Chen Hengzhe.

Übersetzung und Sprache. Lu Xuns „harte Übersetzung“ und seine Mischung aus klassischer Sprache und Umgangssprache wurden von Forschenden der Übersetzungswissenschaft neu bewertet. Sie sehen darin eine bewusste Strategie, chinesische Leser die Fremdheit neuer Gedanken spüren zu lassen, statt diese Gedanken unmerklich in vertraute Ausdrucksweisen einzupassen.

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Fortgeschritten

Biografische Quellen und ihre Zuverlässigkeit

Vieles, was wir über Lu Xuns frühes Leben wissen, stammt aus seinen eigenen Schriften: dem Vorwort zu Aufruf zum Kampf, den Erinnerungen in Im Abendlicht gepflückte Morgenblüten und autobiografischen Skizzen. Diese Texte sind sorgfältig gestaltete literarische Werke, die Jahre nach den Ereignissen entstanden. Die Geschichte vom Lichtbild etwa wird in verschiedenen Berichten unterschiedlich erzählt. Forschende in Sendai haben kein Bild gefunden, das genau seiner Beschreibung entspricht. Viele Wissenschaftler betrachten die Geschichte daher als verdichtete oder symbolische Darstellung seiner Hinwendung zur Literatur und nicht als genauen Tatsachenbericht.

Weitere wichtige Quellen sind seine Tagebücher, die er von 1912 bis 1936 führte, seine umfangreiche Korrespondenz, darunter der 1933 als Briefe zwischen Zweien veröffentlichte Briefwechsel mit Xu Guangping, sowie Erinnerungen von Familienmitgliedern, Freunden und Studierenden. Sein Bruder Zhou Zuoren schrieb ausführlich über ihre gemeinsame Kindheit und die Jahre in Tokio. Die Brüder brachen 1923 jedoch aus Gründen, die keiner von ihnen öffentlich erklärte, den Kontakt ab. Später arbeitete Zhou Zuoren mit der japanischen Besatzungsmacht zusammen, was die Aufnahme seiner Erinnerungen beeinflusste.

Nach 1949 prägte das offizielle Bild Lu Xuns als Revolutionär die in der Volksrepublik veröffentlichten Biografien. Manche Ereignisse wurden entsprechend hervorgehoben, andere heruntergespielt. Die maßgebliche Gesamtausgabe, Lu Xun quanji, erschien seit ihrer ersten Ausgabe von 1938 in mehreren kommentierten Fassungen. Auch die Anmerkungen spiegeln wechselnde politische Bewertungen wider.

Die moderne Forschung betrachtet Lu Xuns Leben deshalb durch mehrere Schichten: seine eigene Darstellung seiner Person, die parteiischen Erinnerungen seines Umfelds und die spätere Erhebung zum Klassiker. Diese Schichten auseinanderzuhalten hilft dabei, sowohl den Schriftsteller als auch die Geschichte des modernen China zu verstehen.

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Kernideen

Literatur als Heilmittel
Lu Xun gab die Medizin auf, weil er glaubte, zuerst müsse sich der Geist der Menschen ändern und Erzählungen könnten ihn wachrütteln.
Das eiserne Haus
Sein Bild von Schlafenden in einem verschlossenen Haus: Sie zu wecken bereitet ihnen Schmerz, eröffnet aber vielleicht auch die Hoffnung auf einen Ausweg.
„Menschen essen“
In „Tagebuch eines Verrückten“ wird die alte moralische Ordnung als ein System entlarvt, in dem Menschen einander verschlingen.
Geistiger Sieg
Ah Qs Gewohnheit, jede Niederlage in einen eingebildeten Triumph zu verwandeln: eine Satire auf Selbsttäuschung.
Kritik am Nationalcharakter
Seine anhaltende Kritik an Gleichgültigkeit, dem Bemühen, das Gesicht zu wahren, und Grausamkeit zielte auf gesellschaftliche Veränderung.
Zawen
Den kurzen, kämpferischen Essay entwickelte er zu einer bedeutenden literarischen Form.
Harte Übersetzung
Eine wörtliche Übersetzung, die fremde Strukturen beibehält, um das Chinesische um neue Denkweisen zu bereichern.

Einträge

  1. 1881 — Am 25. September als Zhou Zhangshou in Shaoxing, Zhejiang, geboren.
  2. 1893 — Sein Großvater wird wegen Bestechung im Zusammenhang mit einer Prüfung verhaftet; die Familie verliert ihren Wohlstand.
  3. 1898 — Er tritt in die Jiangnan-Marineakademie in Nanjing ein und nimmt den Namen Zhou Shuren an.
  4. 1902 — Er geht mit einem staatlichen Stipendium nach Japan.
  5. 1904 — Er beginnt sein Studium an der medizinischen Hochschule in Sendai; 1906 verlässt er sie, um sich der Literatur zu widmen.
  6. 1912 — Er tritt in das Bildungsministerium der Republik China ein und zieht nach Peking.
  7. 1918 — „Tagebuch eines Verrückten“ erscheint unter dem Pseudonym Lu Xun in Neue Jugend.
  8. 1921 — Die Veröffentlichung von „Die wahre Geschichte des Ah Q“ in Fortsetzungen beginnt (Dezember 1921 bis Februar 1922).
  9. 1923 — Aufruf zum Kampf, seine erste Erzählsammlung, erscheint; er bricht mit seinem Bruder Zhou Zuoren.
  10. 1926 — Umherirren erscheint; nach dem Massaker vom 18. März verlässt er Peking und geht nach Xiamen.
  11. 1927 — Er zieht nach Guangzhou und lässt sich anschließend mit Xu Guangping in Shanghai nieder.
  12. 1930 — Er wird ein führendes Mitglied des Bundes linksgerichteter Schriftsteller.
  13. 1936 — Er stirbt am 19. Oktober in Shanghai.

Glossar

Baihua
Geschriebene chinesische Umgangssprache, die der Alltagssprache nahesteht und von der Bewegung für eine Neue Kultur anstelle des klassischen Chinesisch gefördert wurde.
Klassisches Chinesisch (Wenyan)
Die alte Schriftsprache, die zwei Jahrtausende lang für amtliche und literarische Texte verwendet wurde.
Bewegung für eine Neue Kultur
Eine Bewegung der 1910er- und 1920er-Jahre, die die konfuzianische Tradition kritisierte und Wissenschaft, Demokratie und Literatur in der Umgangssprache förderte.
Vierte-Mai-Bewegung
Von Studierenden angeführte Proteste, die am 4. Mai 1919 begannen; im weiteren Sinn auch die damit verbundene Zeit kultureller Reformen.
Neue Jugend
Die von Chen Duxiu herausgegebene Zeitschrift, in der „Tagebuch eines Verrückten“ erschien.
Zawen
Kurze satirische oder kritische Essays über aktuelle Themen.
Zopf
Der lange Haarzopf, den Han-chinesische Männer unter der Qing-Dynastie tragen mussten.
Bund linksgerichteter Schriftsteller
Eine 1930 in Shanghai gegründete Vereinigung linksgerichteter Schriftsteller.
Pseudonym
Ein Name, den ein Autor oder eine Autorin anstelle des eigenen Namens verwendet.

Fragen und Antworten

Warum brach Lu Xun sein Medizinstudium ab?

Er schrieb, ein Lichtbild von chinesischen Zuschauern bei einer Hinrichtung habe ihn überzeugt, dass es wichtiger sei, den Geist der Menschen zu verändern, als ihre Körper zu heilen. Literatur könne dabei helfen.

Ist „Tagebuch eines Verrückten“ eine Gruselgeschichte?

Die Geschichte nutzt die beängstigende Vorstellung des Kannibalismus, ist aber eine Allegorie: Das „Essen von Menschen“ steht für Grausamkeit, die sich hinter der traditionellen Moral verbirgt.

Wer ist Ah Q?

Ein armer Dorfbewohner ohne Schulbildung, der sich immer einredet, er habe gewonnen, selbst wenn er geschlagen wird. Er wurde zu einem Sinnbild der Selbsttäuschung.

War Lu Xun Kommunist?

Er rückte politisch nach links und führte den Bund linksgerichteter Schriftsteller mit an. Der Kommunistischen Partei trat er jedoch nie bei, und mit parteinahen Führungspersonen stritt er. Nach seinem Tod ehrte ihn die Partei.

Ist die Geschichte vom Lichtbild wahr?

Lu Xun erzählte sie selbst. Das genaue Bild wurde jedoch nicht gefunden, und die Einzelheiten unterscheiden sich je nach Bericht. Viele Forschende sehen darin deshalb eine literarisch gestaltete Schilderung eines wirklichen Wendepunkts.

Warum ist er noch heute wichtig?

Er schuf eine neue Art chinesischer Erzählkunst in der Umgangssprache und wurde zum Vorbild eines Schriftstellers, der die Gesellschaft unabhängig kritisiert. Seine Geschichten sind in China weiterhin wichtig und werden weltweit gelesen.

Was schrieb Lu Xun außer Geschichten?

Essays, Prosagedichte, Erinnerungen, Gedichte in klassischem Stil, eine Geschichte der chinesischen Erzählkunst und viele Übersetzungen.

Quellen und weiterführende Literatur

  1. Lu Xun. Wikipedia
  2. 루쉰. Korean Wikipedia
  3. Diary of a Madman (Lu Xun). Wikipedia
  4. The True Story of Ah Q. Wikipedia
  5. New Culture Movement. Wikipedia
  6. League of Left-Wing Writers. Wikipedia
  7. Leo Ou-fan Lee, Voices from the Iron House: A Study of Lu Xun. Indiana University Press, 1987
  8. Lu Xun, translated by Julia Lovell, The Real Story of Ah-Q and Other Tales of China: The Complete Fiction of Lu Xun. Penguin Classics, 2009
  9. Lydia H. Liu, Translingual Practice: Literature, National Culture, and Translated Modernity—China, 1900–1937. Stanford University Press, 1995

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Mit KI-Unterstützung auf Grundlage der oben aufgeführten veröffentlichten Quellen verfasst und bei neuen Forschungsergebnissen überarbeitet.

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