Literatur

Rabindranath Tagore

রবীন্দ্রনাথ ঠাকুর

1890–1941 · Santiniketan, Britisch-Indien

In einem Satz

Rabindranath Tagore war ein Dichter, Liedermacher, Erzähler, Maler und Lehrer aus Bengalen in Indien, der 1913 als erster Mensch außerhalb Europas den Nobelpreis für Literatur erhielt.

Rabindranath Tagore
Bild: Generalstabens litografiska anstalt · Public domain · Wikimedia Commons

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Für junge Leser

Rabindranath Tagore wurde 1861 in der großen indischen Stadt Kalkutta geboren, die heute Kolkata heißt. Er war das jüngste von vielen Geschwistern. In seiner Familie gab es viele Menschen, die Musik machten, schrieben und über wichtige Fragen nachdachten. Er mochte die Schule nicht. Sie fühlte sich für ihn wie ein Käfig an. Deshalb lernte er meist zu Hause und entdeckte vieles selbst.

Mit etwa acht Jahren begann er, Gedichte zu schreiben. Später schrieb er Tausende Gedichte und mehr als zweitausend Lieder. Dazu kamen Geschichten, Theaterstücke und Romane. Er schrieb meist auf Bengalisch, seiner Muttersprache. In Indien und Bangladesch singen die Menschen seine Lieder noch heute, zum Beispiel bei Hochzeiten, Festen und in der Schule.

Zwei Länder haben Lieder von ihm als Nationalhymne: Indien „Jana Gana Mana“ und Bangladesch „Amar Shonar Bangla“. Millionen Menschen singen also seine Worte.

Weil er selbst in der Schule unglücklich gewesen war, gründete er in Santiniketan eine eigene Schule. Die Kinder hatten oft draußen unter Bäumen Unterricht. Sie lernten Lesen und Rechnen, aber auch Musik, Kunst und vieles über die Natur.

Als er einige seiner Gedichte ins Englische übertrug, staunten die Menschen in Europa. 1913 erhielt er den Nobelpreis für Literatur. Er reiste in viele Länder, darunter Japan, China, Argentinien und die USA. Er sagte den Menschen, dass Länder einander nicht hassen sollten und dass alle Menschen zusammengehören.

Auf einen Blick

Lebensdaten
7. Mai 1861 – 7. August 1941; Kalkutta (Kolkata), Britisch-Indien
Name
Auf Bengalisch Rabindranath Thakur; „Tagore“ ist die englische Schreibweise des Familiennamens; oft Gurudev („verehrter Lehrer“) genannt
Sprache
Schrieb hauptsächlich auf Bengalisch; übersetzte und schrieb auch auf Englisch
Schaffensgebiete
Lyrik, etwa 2.230 Lieder (Rabindra Sangeet), Kurzgeschichten, Romane, Theaterstücke, Essays und Briefe; im späteren Leben auch Malerei
Wichtige Werke
Gitanjali (1910; englisch Song Offerings, 1912), Gora (1910), The Home and the World (Ghare Baire, 1916), The Post Office (1912), Galpaguchchha (Geschichten), Nationalism (1917)
Einrichtungen
Schule in Santiniketan (1901); Visva-Bharati (1921; seit 1951 zentrale Universität); Zentrum für ländliche Entwicklung in Sriniketan (1920er-Jahre)
Auszeichnungen
Nobelpreis für Literatur 1913; 1915 zum Ritter geschlagen, legte den Rittertitel 1919 nach dem Massaker von Jallianwala Bagh ab
Nationalhymnen
Schrieb Text und Musik von Indiens „Jana Gana Mana“ und Bangladeschs „Amar Shonar Bangla“

Einfach

Wer war Rabindranath Tagore?

Rabindranath Tagore (1861–1941) war ein Schriftsteller aus Bengalen, einer Region im östlichen Südasien, die heute zu Indien und Bangladesch gehört. Er ist vor allem als Dichter bekannt, doch er war auf vielen Gebieten tätig: Er schrieb Lieder und komponierte ihre Musik, verfasste Kurzgeschichten, Romane und Theaterstücke, hielt Vorträge, gründete eine Schule und eine Universität, setzte sich für bessere Lebensbedingungen in Dörfern ein und wurde mit über sechzig Jahren auch Maler.

Auf Bengalisch heißt er Rabindranath Thakur. „Tagore“ ist die britische Schreibweise des Familiennamens. In Südasien wird er oft Gurudev („verehrter Lehrer“) oder Kabiguru („Dichterlehrer“) genannt. In Bangladesch und Westbengalen kennt man ihn schlicht als Rabindranath oder sogar als „Robi Thakur“.

Er lebte unter britischer Kolonialherrschaft und dachte sein Leben lang darüber nach, wie Indien frei und modern werden könnte, ohne engstirnig oder hasserfüllt zu werden. Er war stolz auf indische Traditionen, glaubte aber auch, dass Ideen aus allen Kulturen einander begegnen und sich verbinden sollten. Das einem alten Sanskritvers entnommene Motto seiner Universität spricht von einem Ort, „an dem die ganze Welt in einem einzigen Nest zusammenkommt“.

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Einfach

Kindheit im Haus von Jorasanko

Tagore wurde am 7. Mai 1861 im Familiensitz in Jorasanko im Norden Kalkuttas geboren, der damaligen Hauptstadt Britisch-Indiens. Er war das jüngste der dreizehn Kinder von Debendranath Tagore, die das Kindesalter überlebten. Sein Vater war ein wohlhabender Grundbesitzer und religiöser Reformer. Er leitete den Brahmo Samaj, eine Bewegung, die eine einfache, auf den Upanishaden beruhende Form des Hinduismus ohne Bilderverehrung anstrebte.

Das Haus der Familie Tagore war ein Zentrum der „Bengalischen Renaissance“, einer Blütezeit der Literatur, Religion, Wissenschaft und sozialen Reformen im Bengalen des 19. Jahrhunderts. Unter seinen Geschwistern waren ein Philosoph, ein Musiker und Dramatiker, der erste indische Angehörige des angesehenen Indian Civil Service und eine der ersten bengalischen Romanautorinnen. Zu Hause entstanden Theaterstücke, Konzerte und Zeitschriften.

Rabindranath hasste den geregelten Schulunterricht und verließ mehrere Schulen. Privatlehrer unterrichteten ihn zu Hause, und vieles brachte er sich selbst bei. 1878 wurde er zum Studium nach England geschickt, zunächst an eine Schule in Brighton und dann für kurze Zeit an das University College London. Er kehrte jedoch 1880 ohne Abschluss zurück. 1883 heiratete er Mrinalini Devi; sie bekamen fünf Kinder, von denen zwei im Kindesalter starben.

Mehrere Todesfälle prägten sein Leben tief: 1884 starb seine Schwägerin und enge Vertraute Kadambari Devi. Später verlor er innerhalb weniger Jahre seine Frau (1902), eine Tochter (1903), seinen Vater (1905) und seinen jüngsten Sohn (1907). Trauer und die Suche nach Frieden über die Trauer hinaus wurden zu wichtigen Themen seiner Dichtung.

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Einfach

Flüsse, Dörfer und Kurzgeschichten

1890 beauftragte Tagores Vater ihn, die Familiengüter im ländlichen Ostbengalen rund um Shelaidaha am Fluss Padma zu verwalten, im heutigen Bangladesch. Einen großen Teil des folgenden Jahrzehnts lebte er auf einem Hausboot, fuhr die Flüsse entlang und begegnete Bauern, Bootsleuten und Familien in den Dörfern.

Diese Erfahrungen veränderten sein Schreiben. Er verfasste eindrucksvolle Briefe über die Flusslandschaft, die später unter dem Titel Glimpses of Bengal gesammelt wurden, sowie eine Reihe von Kurzgeschichten über gewöhnliche Menschen vom Land: einen einsamen Postmeister und das Waisenmädchen, das ihm hilft; einen Obsthändler aus Kabul, der sich mit einem kleinen Mädchen in Kalkutta anfreundet; junge Bräute, die in unglücklichen Ehen gefangen sind. Tagore gilt oft als Begründer der modernen bengalischen Kurzgeschichte. Seine Erzählungen wurden in Galpaguchchha („ein Strauß Geschichten“) gesammelt.

Die Geschichten sind behutsam erzählt, üben aber auch Kritik. Sie zeigen die Grausamkeit des Mitgiftsystems, die Einsamkeit von Kinderehen und die Kluft zwischen gebildeten Stadtbewohnern und der armen Landbevölkerung. Viele wurden später verfilmt, darunter mehrere vom bengalischen Regisseur Satyajit Ray.

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Mittel

Santiniketan und Visva-Bharati: eine Schule unter Bäumen

1901 eröffnete Tagore eine kleine Schule in Santiniketan („Ort des Friedens“), einem Ashram, den sein Vater in der trockenen Landschaft von Birbhum etwa 160 Kilometer nördlich von Kalkutta eingerichtet hatte. Anfangs gab es nur wenige Schüler. Tagore wollte, dass Kinder im Einklang mit der Natur lernen: durch Musik, Theater, Kunst und eigene Beobachtungen statt durch Auswendiglernen für Prüfungen. Der Unterricht fand oft draußen unter Bäumen statt, was bis heute üblich ist.

Im Laufe der Jahre entwickelte sich aus der Schule die internationale Universität Visva-Bharati, die 1921 offiziell gegründet wurde. Tagore lud Gelehrte aus Europa und Asien ein, dort zu unterrichten, darunter Fachleute für chinesische, tibetische und islamische Studien. Er verwendete das Geld des Nobelpreises und einen großen Teil seines eigenen Einkommens für die Einrichtung. Ihre Kunstschule Kala Bhavana wurde zu einem Zentrum der modernen indischen Kunst. 1951, nach Tagores Tod, erhielt Visva-Bharati den Status einer zentralen Universität Indiens.

Im nahe gelegenen Sriniketan gründeten Tagore und der englische Agrarökonom Leonard Elmhirst Anfang der 1920er-Jahre ein Institut für ländliche Entwicklung. Es befasste sich mit Landwirtschaft, Gesundheit, Handwerk und Genossenschaften. Darin zeigte sich Tagores Überzeugung, dass Indiens Freiheit bei selbstständigen Dörfern beginnen müsse und nicht allein bei der Politik in den Städten. 2023 wurde Santiniketan in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen.

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Mittel

Gitanjali und der Nobelpreis

Gitanjali („Liedopfer“) erschien 1910 auf Bengalisch. Es enthält 157 religiöse Gedichte und Lieder, die an eine göttliche Gegenwart gerichtet sind: Gott, Freund, Geliebter und das Leben der Welt zugleich. 1912 übertrug Tagore auf einer Reise nach England einige dieser und anderer Gedichte selbst in englische Prosa. In London zeigte der Maler William Rothenstein die Texte dem irischen Dichter W. B. Yeats. Dieser war tief bewegt und schrieb ein Vorwort.

Das englische Gitanjali: Song Offerings erschien im November 1912 mit 103 Prosagedichten. 53 stammten aus dem bengalischen Gitanjali, die übrigen aus anderen Sammlungen. Die Übersetzungen waren sehr frei: Tagore kürzte Gedichte, ordnete sie neu und verband manche miteinander. Aus gereimten bengalischen Liedern machte er rhythmische englische Prosa. Leser in Großbritannien und Amerika bewunderten die Schlichtheit und geistige Tiefe der Texte.

Am 13. November 1913 gab die Schwedische Akademie bekannt, dass Tagore den Nobelpreis für Literatur erhalten würde. Sie würdigte seine einfühlsamen, frischen und schönen Verse, die er mit großem Können in seinen eigenen englischen Worten zu einem Teil der westlichen Literatur gemacht habe. Er war der erste Preisträger von außerhalb Europas. Über Nacht wurde er weltberühmt. In ganz Asien feierten Menschen die Auszeichnung als Zeichen dafür, dass asiatische Schriftsteller europäischen ebenbürtig waren.

Eines der bekanntesten Gedichte des englischen Gitanjali (Nr. 35) beginnt mit den Worten „Where the mind is without fear and the head is held high“ („Wo der Geist ohne Furcht ist und das Haupt hoch erhoben“). Es stellt sich ein freies Land vor, in dem Wissen allen offensteht und die Welt nicht durch enge Grenzen zersplittert ist. In indischen Schulen wird es noch immer vorgetragen.

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Mittel

Romane, Lieder, Theaterstücke und Gemälde

Tagore schrieb acht Romane und mehrere kürzere Romane. Chokher Bali (1903) untersucht die Wünsche einer jungen Witwe in einer Gesellschaft, die Witwen die Wiederheirat verbot. Gora (als Fortsetzungsroman 1907–1910 erschienen) erzählt von einem strenggläubigen hinduistischen Nationalisten, der erfährt, dass seine leiblichen Eltern Iren waren. Diese Entdeckung bringt seine Vorstellungen von Reinheit und Kaste ins Wanken. The Home and the World (Ghare Baire, 1916) spielt während der Swadeshi-Bewegung gegen die Teilung Bengalens. Der Roman zeigt, wie ein charismatischer nationalistischer Anführer eine junge Ehefrau beeinflusst und ihre Familie entzweit.

Musik stand im Mittelpunkt von Tagores schöpferischem Leben. Er komponierte etwa 2.230 Lieder, die als Rabindra Sangeet bekannt sind. Dabei griff er auf klassische indische Musik, bengalische Volksmusik wie die Lieder der umherziehenden Baul-Sänger und sogar westliche Melodien zurück. Die Lieder drücken viele Stimmungen aus und handeln von Gottesverehrung, Liebe, den Jahreszeiten oder der Verbundenheit mit dem eigenen Land. Sie sind bis heute auf beiden Seiten der Grenze ein wichtiger Teil der bengalischen Kultur.

Er schrieb viele Theaterstücke, darunter The Post Office (Dak Ghar, 1912) über einen kranken Jungen, der von der Welt jenseits seines Fensters träumt. 1942 führte der Pädagoge Janusz Korczak das Stück mit den Waisenkindern in seiner Obhut im Warschauer Ghetto auf, kurz bevor sie nach Treblinka deportiert und dort ermordet wurden. Später, ab seinem siebten Lebensjahrzehnt, begann Tagore auch zu malen. Er schuf zahlreiche ausdrucksstarke, traumartige Zeichnungen und Gemälde, die ab 1930 in Europa ausgestellt wurden.

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Mittel

Freiheit ohne Hass: Tagore über Nationalismus

Als die Briten Bengalen 1905 teilten, schloss sich Tagore der Protestbewegung an. Er schrieb Lieder über die Liebe zur Heimat, darunter „Amar Shonar Bangla“, und führte Umzüge an, bei denen Hindus und Muslime einander als Zeichen der Verbundenheit Fäden um die Handgelenke banden. Als die Bewegung jedoch zu Boykotten überging, die armen Händlern schadeten, und Gewalt aufkam, zog er sich zurück. Seine Zweifel behandelte er in The Home and the World.

Während seiner Reisen durch Japan und die Vereinigten Staaten 1916 und 1917 hielt er Vorträge, die als Nationalism (1917) veröffentlicht wurden. Darin unterschied er zwischen der lebendigen Kultur eines Volkes und der „Nation“ als organisierter Maschine für Macht, Gewinn und Krieg. Er lobte Japans Leistungen, warnte die Japaner aber davor, den aggressiven Nationalismus des Westens nachzuahmen. Besonders während Japan sein Herrschaftsgebiet ausweitete, fand diese Botschaft dort wenig Zustimmung. Ähnlich argumentierte er in Indien, wo ihn viele Nationalisten für zu vorsichtig hielten.

1919, nachdem britische Soldaten in Amritsar im Jallianwala Bagh auf eine unbewaffnete Menschenmenge geschossen und Hunderte getötet hatten, schrieb Tagore dem Vizekönig und legte den 1915 verliehenen Rittertitel ab. Er wolle an der Seite seiner Landsleute stehen, die wie Menschen zweiter Klasse behandelt würden, erklärte er. Sein Schritt war einer der öffentlichkeitswirksamsten Proteste gegen das Massaker.

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Mittel

Tagore, Gandhi und die Welt

Tagore und Mahatma Gandhi bewunderten einander. Oft heißt es, sie hätten einander die bekannten Ehrentitel Gurudev und Mahatma gegeben; deren genaue Herkunft ist jedoch umstritten. Sie widersprachen einander auch öffentlich. Anfang der 1920er-Jahre kritisierte Tagore Gandhis Bewegung der Nichtzusammenarbeit und dessen Aufruf, dass alle am Charkha, dem Spinnrad, Garn spinnen sollten. Er meinte, dies hemme selbstständiges Denken und weise westliches Wissen allzu pauschal zurück. 1934 widersprach er Gandhi, als dieser ein schweres Erdbeben in Bihar als göttliche Strafe für die Ausgrenzung der sogenannten Unberührbaren deutete. Naturkatastrophen dürfe man keine moralische Bedeutung zuschreiben, betonte Tagore. Ihre Debatten gelten bis heute als Beispiel für respektvollen Widerspruch.

Tagore bereiste mehr als dreißig Länder. Er besuchte Japan mehrfach und hielt 1924 Vorträge in China, wo einige junge Radikale gegen seine aus ihrer Sicht überholte geistige Botschaft protestierten. Er reiste nach Südamerika, Südostasien, Iran und Irak sowie in die Sowjetunion. Er begegnete Persönlichkeiten wie Romain Rolland, H. G. Wells und Albert Einstein. Mit Einstein führte er 1930 ein bekanntes Gespräch über das Wesen der Wirklichkeit.

Zu Korea hatte er eine besondere Verbindung. 1929 schrieb er während eines Aufenthalts in Japan ein kurzes Gedicht für koreanische Leser, das in der Zeitung Dong-A Ilbo erschien. Darin bezeichnete er Korea als einen Träger des Lichts im goldenen Zeitalter Asiens und hoffte, dass dieses Licht wieder entzündet werde und den Osten erhelle. Unter japanischer Kolonialherrschaft wurde dieses Gedicht, bekannt als „Lampe des Ostens“, zu einer geschätzten Botschaft der Hoffnung. Heute verbreitete längere Fassungen fügen manchmal Zeilen aus Gitanjali hinzu, die nicht zum ursprünglichen Gedicht gehörten.

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Mittel

Letzte Jahre und Nachwirkung

Tagore schrieb, malte und reiste noch als über Siebzigjähriger. In seinen letzten Jahren wandte er sich gegen den Faschismus und den japanischen Militarismus. An seinem achtzigsten Geburtstag 1941 hielt er den Vortrag „Crisis in Civilization“. Darin verurteilte er die Grausamkeit der britischen Herrschaft und die Gewalt, die sich weltweit ausbreitete. Dennoch weigerte er sich am Schluss, den Glauben an die Menschheit aufzugeben. Er starb am 7. August 1941 im Haus von Jorasanko.

Seine Nachwirkung ist weitreichend. Wie kaum ein anderer Schriftsteller prägte er die moderne bengalische Sprache und Literatur. Seine Lieder werden täglich in zwei Ländern gesungen. Indien und Bangladesch verwenden Kompositionen von ihm als Nationalhymnen. Die Nationalhymne Sri Lankas schrieb Ananda Samarakoon, der in Santiniketan studiert hatte. Manche behaupten, Tagore habe ihre Melodie oder ihren Text geschrieben; diese Behauptung ist umstritten.

Im Westen wuchs sein Ansehen zunächst rasch, ging aber nach den 1920er-Jahren zurück. Das lag zum Teil daran, dass ihn die englischen Übersetzungen als unbestimmten Mystiker erscheinen ließen. Seit dem späten 20. Jahrhundert zeichnen neue Übersetzungen, Biografien und Studien ein vielschichtigeres Bild: das eines Schriftstellers, der auf Bengalisch mit modernen Formen experimentierte, des Kritikers des Nationalismus und eines Denkers über Bildung und Weltbürgertum.

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Fortgeschritten

Forschungsdebatten: der „Mystiker“, Übersetzung und Weltbürgertum

Eine zentrale Frage für die Forschung ist die Übersetzung. Tagores internationaler Ruhm beruhte auf seinen eigenen englischen Prosafassungen. Sie vereinfachten seine bengalischen Verse, ließen Reim und Musik weg und betonten die religiöse Hingabe stärker als die gesellschaftlichen Themen und sprachlichen Experimente seines Werks. Bengalischsprachige Kritiker vertreten seit Langem die Ansicht, dass Leser ohne Bengalischkenntnisse einen „westlichen Tagore“ kennen, der sich stark von dem Dichter unterscheidet, den man in Bengalen liest. Spätere Übersetzer wie William Radice und Ketaki Kushari Dyson versuchten, die Vielfalt und die kunstvolle Form der Originale wiederzugeben.

Eine zweite Debatte betrifft seine Politik. Einige Kritiker hielten seinen Widerstand gegen den Nationalismus schon zu seinen Lebzeiten für naiv oder elitär: Er sei ein Grundbesitzer, der vom Kampf breiter Bevölkerungsschichten entfernt gewesen sei. Spätere Autoren, insbesondere Ashis Nandy in The Illegitimacy of Nationalism (1994) und Amartya Sen in den in The Argumentative Indian (2005) gesammelten Essays, sehen in ihm einen bedeutenden Kritiker des Nationalismus, der zugleich Vernunft, gesellschaftliche Vielfalt und Freiheit von der Kolonialherrschaft verteidigte. Andere weisen darauf hin, dass sein weltbürgerlicher Universalismus die Wirklichkeit von Kasten- und Klassenunterschieden übersehen konnte, obwohl er sich auch gegen die Ausgrenzung der sogenannten Unberührbaren einsetzte.

Schließlich diskutieren Religionshistoriker, wie stark Tagores Spiritualität von der Brahmo-Tradition seines Vaters, den Upanishaden, der bengalischen vishnuitischen Andachtsdichtung oder den Baul-Sängern und von Sufismus beeinflussten Mystikern wie Kabir geprägt war. Kabirs Gedichte übersetzte er 1915 zusammen mit Evelyn Underhill. Die meisten Forschenden betrachten Tagores religiöses Denken heute als schöpferische Verbindung verschiedener Einflüsse und nicht als feste Lehre.

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Fortgeschritten

Quellen: ein riesiges Archiv

Tagore hinterließ eines der umfangreichsten Werke eines modernen Autors: Tausende Gedichte und Lieder, Theaterstücke, Romane, Erzählungen, Essays, in verschiedenen Ländern gehaltene Vorträge und viele Tausend Briefe. Hinzu kommen Manuskripte voller Skizzen, aus denen seine bildende Kunst erwuchs. Die maßgebliche bengalische Werkausgabe, die Rabindra Rachanabali, umfasst viele Bände. Das Archiv Rabindra Bhavana an der Visva-Bharati bewahrt Manuskripte, Briefe, Fotografien und Gemälde auf.

Die englischsprachige Überlieferung ist kompliziert, weil Tagore seine eigenen Werke häufig neu schrieb, statt sie zu übersetzen, und weil andere manche englischen Texte redigierten. Forschende vergleichen deshalb die bengalischen Originale, die englischen Fassungen und die Manuskriptentwürfe. Seine Reminiscences (Jiban-smriti, 1912) und My Boyhood Days sind wichtige Quellen für seine Jugend. Es handelt sich jedoch um kunstvoll gestaltete Erinnerungen, die er Jahrzehnte später schrieb.

Die bekannteste neuere englischsprachige Biografie ist Rabindranath Tagore: The Myriad-Minded Man von Krishna Dutta und Andrew Robinson (1995). Sie stützt sich auf bengalische und englische Quellen. Die bengalischsprachige Forschung ist noch umfangreicher, insbesondere die mehrbändige Biografie von Prasanta Kumar Pal. Wer allein auf englische Texte angewiesen ist, sollte diese Lücke berücksichtigen.

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Kernideen

Einheit der Menschheit
Tagore glaubte, dass alle Kulturen zu einer Menschheitsfamilie gehören und voneinander lernen sollten, statt miteinander zu konkurrieren.
Kritik an der „Nation“
Er unterschied lebendige Kulturen vom modernen Nationalstaat, den er als Maschine für Macht, Gewinn und Krieg betrachtete. Vor aggressivem Nationalismus warnte er in Asien ebenso wie im Westen.
Bildung in Freiheit und Natur
Seine Schulen sollten das Kind als ganzen Menschen fördern: durch Natur, Kunst, Musik und Neugier statt durch bloßes Auswendiglernen.
Jivan-devata („Herr des Lebens“)
Eine persönliche göttliche Gegenwart in seiner Dichtung, die das Leben des Dichters leitet und zugleich nah und allumfassend ist.
Eigenständigkeit der Dörfer
In Sriniketan vertrat er die Ansicht, dass wirkliche Freiheit bei gesunden, gemeinschaftlich handelnden und gebildeten Dörfern beginnen müsse.
Harmonie der Gegensätze
Sein Werk verbindet Freude und Trauer, Ost und West, Tradition und Neuerung sowie das Endliche und das Unendliche.
Mut zum eigenen Gewissen
Von der Rückgabe seines Rittertitels bis zu seinen Debatten mit Gandhi verteidigte er das Recht, offen und gewaltfrei zu widersprechen.

Einträge

  1. 1861 — Am 7. Mai in Jorasanko, Kalkutta, geboren.
  2. 1878 — Geht zum Studium nach England; kehrt 1880 ohne Abschluss zurück.
  3. 1890 — Beginnt, die Familiengüter in Shelaidaha in Ostbengalen zu verwalten; schreibt in den 1890er-Jahren viele Kurzgeschichten.
  4. 1901 — Gründet eine Schule in Santiniketan.
  5. 1905 — Beteiligt sich an Protesten gegen die Teilung Bengalens; schreibt „Amar Shonar Bangla“.
  6. 1910 — Veröffentlicht Gitanjali auf Bengalisch; die Veröffentlichung von Gora als Fortsetzungsroman endet.
  7. 1912 — Das englische Gitanjali: Song Offerings erscheint mit einem Vorwort von Yeats in London.
  8. 1913 — Erhält als erster Preisträger von außerhalb Europas den Nobelpreis für Literatur.
  9. 1916 — Veröffentlicht The Home and the World; hält 1916 und 1917 in Japan und den USA Vorträge über Nationalismus.
  10. 1919 — Legt aus Protest gegen das Massaker von Jallianwala Bagh seinen Rittertitel ab.
  11. 1921 — Visva-Bharati wird in Santiniketan offiziell gegründet.
  12. 1941 — Hält den Vortrag „Crisis in Civilization“ und stirbt am 7. August in Kalkutta.

Glossar

Bengalisch (Bangla)
Die Sprache Bengalens, die heute von mehr als 200 Millionen Menschen in Bangladesch und Indien gesprochen wird.
Bengalische Renaissance
Eine Blütezeit der Literatur, religiösen Reformen, Wissenschaft und sozialen Reformen in Bengalen im 19. und frühen 20. Jahrhundert.
Brahmo Samaj
Eine 1828 gegründete hinduistische Reformbewegung, die Bilderverehrung ablehnte und die Upanishaden betonte; Tagores Vater war einer ihrer Anführer.
Rabindra Sangeet
Die rund 2.230 von Tagore komponierten Lieder, deren Texte und Musik von ihm selbst stammen.
Santiniketan
„Ort des Friedens“: der von der Familie Tagore gegründete Ashram mit Schule im ländlichen Bengalen; heute UNESCO-Welterbe.
Visva-Bharati
Die 1921 von Tagore gegründete Universität; ihr Name deutet auf eine „Verbindung der Welt mit Indien“ hin.
Swadeshi
„Aus dem eigenen Land“: eine Bewegung zum Boykott britischer Waren, besonders nach der Teilung Bengalens 1905.
Baul
Umherziehende mystische Sänger Bengalens, deren Lieder über innere Hingabe Tagore stark beeinflussten.
Jallianwala Bagh
Ein Garten in Amritsar, in dem britische Soldaten am 13. April 1919 Hunderte unbewaffnete Inder töteten.
Gurudev
Ein häufig für Tagore verwendeter Ehrentitel mit der Bedeutung „verehrter Lehrer“.

Fragen und Antworten

Hat Tagore wirklich zwei Nationalhymnen geschrieben?

Ja. Er schrieb Text und Musik von „Jana Gana Mana“, der indischen Nationalhymne, und von „Amar Shonar Bangla“, der Nationalhymne Bangladeschs. Beide Lieder entstanden lange vor der Unabhängigkeit der beiden Länder.

Warum mochte Tagore die Schule nicht?

Die Schulen seiner Zeit kamen ihm wie Gefängnisse vor, in denen Kinder ohne Freude Dinge auswendig lernen mussten. Deshalb gründete er eine Schule, in der Kinder draußen und durch Musik, Kunst und Natur lernten.

Wofür erhielt er den Nobelpreis?

Für Gitanjali: Song Offerings, die englischen Fassungen seiner Gedichte. Die Schwedische Akademie lobte seine einfühlsamen, frischen und schönen Verse, die er in seinen eigenen englischen Worten ausgedrückt hatte.

Verstanden sich Tagore und Gandhi?

Sie achteten einander sehr, stritten aber öffentlich über Nationalismus, das Spinnrad und die Deutung von Naturkatastrophen. Beide sahen ehrlichen Widerspruch als Zeichen der Freundschaft.

Warum gab er seinen Rittertitel zurück?

Er protestierte damit gegen das Massaker von Jallianwala Bagh 1919, bei dem britische Soldaten in Amritsar Hunderte unbewaffnete Menschen töteten.

Ist das englische Gitanjali eine genaue Übersetzung?

Nicht im strengen Sinn. Tagore wählte bengalische Gedichte aus, ordnete sie neu und schrieb sie frei als englische Prosa um. Forschende betrachten das englische Gitanjali daher teilweise als neues Werk.

Worum geht es in dem Gedicht „Lampe des Ostens“ über Korea?

Tagore schrieb dieses kurze Gedicht 1929 für koreanische Leser. Es erschien in der Zeitung Dong-A Ilbo und bezeichnet Korea als einen Träger des Lichts im goldenen Zeitalter Asiens. Manche verbreiteten Fassungen fügen fälschlich Zeilen aus Gitanjali hinzu.

Quellen und weiterführende Literatur

  1. Rabindranath Tagore. Wikipedia
  2. 라빈드라나트 타고르. 위키백과 (Korean Wikipedia)
  3. Rabindranath Tagore – Facts. NobelPrize.org
  4. Gitanjali. Wikipedia
  5. Visva-Bharati University. Wikipedia
  6. Krishna Dutta and Andrew Robinson, Rabindranath Tagore: The Myriad-Minded Man. Bloomsbury, 1995
  7. Ashis Nandy, The Illegitimacy of Nationalism: Rabindranath Tagore and the Politics of Self. Oxford University Press, 1994
  8. Amartya Sen, The Argumentative Indian. Allen Lane, 2005

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Mit KI-Unterstützung auf Grundlage der oben aufgeführten veröffentlichten Quellen verfasst und bei neuen Forschungsergebnissen überarbeitet.

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