Literatur

Chaka (Roman von Thomas Mofolo)

Chaka (Sesotho, 1925)

1925 · Morija, Basutoland

In einem Satz

Chaka ist ein Roman des aus Lesotho stammenden Thomas Mofolo in der Sprache Sesotho. Er erzählt die Geschichte des Zulukönigs Shaka als düstere Geschichte eines verletzten Jungen, der zu einem großen Eroberer wird und dabei seine Menschlichkeit verliert.

Beginnen Sie oben mit einer einfachen Einführung. Weiter unten finden Sie mehr Details und Forschungsergebnisse.

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Für junge Leser

Chaka ist eine Geschichte über einen echten König namens Shaka. Er lebte vor etwa zweihundert Jahren im südlichen Afrika und baute das mächtige Zulukönigreich auf. Das Buch ist aber kein Geschichtsbuch. Es ist ein Roman: eine erfundene Geschichte, die auf echten Ereignissen beruht. Sie ähnelt einer Sage oder einem Märchen mit einem sehr traurigen Ende.

In der Geschichte wird Chaka als Junge schikaniert und von zu Hause vertrieben, sogar von seinem eigenen Vater. Er wird sehr mutig. Ganz allein tötet er einen Löwen und eine Hyäne, um Menschen zu retten. Doch niemand dankt ihm. Da beschließt er, dass die Welt ungerecht ist und nur Stärke zählt.

Dann begegnet er einem geheimnisvollen Heiler und Zauberer namens Isanusi. Isanusi verspricht ihm, ein großer König zu werden. Dafür verlangt er aber etwas Schreckliches. Schritt für Schritt wird Chaka mächtiger und grausamer. Am Ende verletzt er sogar die Menschen, die er am meisten liebt.

Der Schriftsteller Thomas Mofolo kam aus Lesotho. Das ist ein kleines Bergland, das von Südafrika umgeben ist. Er schrieb das Buch vor mehr als hundert Jahren in seiner eigenen Sprache, Sesotho. Manche Menschen vergleichen es mit großen tragischen Geschichten aus aller Welt. Solche Geschichten zeigen, was passieren kann, wenn jemand vor allem Macht haben will.

Es dauerte fünfzehn Jahre, bis das Buch gedruckt wurde. Die Missionare, denen die Druckerei gehörte, waren sich nicht sicher, ob sie es veröffentlichen sollten. Als es 1925 endlich erschien, wurde es berühmt. Es wurde in viele Sprachen übersetzt.

Auf einen Blick

Autor
Thomas Mokopu Mofolo (1876–1948), ein Mosotho-Lehrer und Schriftsteller aus Basutoland (heute Lesotho)
Sprache
Sesotho (Süd-Sotho)
Entstehungszeit
Etwa 1907–1910; das Manuskript wurde 1910 eingereicht
Veröffentlichung
Dezember 1925 beim Morija Sesuto Book Depot der Pariser Evangelischen Missionsgesellschaft in Morija, Basutoland
Gattung
Historischer Roman und Tragödie, geprägt von mündlichen Überlieferungen der Sotho und Zulu sowie christlichen Moralvorstellungen
Gegenstand
Eine fiktionalisierte Lebensgeschichte Shakas (ca. 1787–1828), des Gründers des Zulukönigreichs
Übersetzungen
Englisch (1931, F. H. Dutton; 1981, Daniel P. Kunene), Französisch (1940), Deutsch, Afrikaans, Swahili, Italienisch, Spanisch und weitere Sprachen
Bedeutung
Ein Meilenstein der Literatur in afrikanischen Sprachen; 2002 unter die zwölf besten afrikanischen Bücher des 20. Jahrhunderts gewählt

Einfach

Was ist Chaka?

Chaka ist ein Roman von Thomas Mofolo in Sesotho, der Sprache der Basotho in Lesotho und Teilen Südafrikas. Er erzählt das Leben Shakas, eines Herrschers des frühen 19. Jahrhunderts, der aus dem kleinen Zulu-Häuptlingstum ein mächtiges Königreich im heutigen KwaZulu-Natal in Südafrika machte. Im Sesotho wird sein Name Chaka geschrieben; daher trägt das Buch diesen Titel.

Der Roman begleitet Chaka von seiner schwierigen Geburt und Kindheit über seinen Aufstieg zum Krieger und König bis zu seiner Ermordung durch seine Halbbrüder. Er verbindet Geschichte mit Legenden und erfundenen Elementen: Viele Ereignisse beruhen auf Überlieferungen über Shaka, doch wichtige Figuren wie der Zauberer Isanusi, dessen zwei Diener und Chakas Geliebte Noliwa sind Mofolos eigene Schöpfungen.

Mofolo schrieb das Buch etwa zwischen 1907 und 1910, doch es wurde erst 1925 veröffentlicht. Es zählt häufig zu den ersten bedeutenden Romanen in einer afrikanischen Sprache und wurde in viele Sprachen übersetzt. Leser und Kritiker haben es mit Shakespeares Macbeth und mit der Geschichte von Faust verglichen, der seine Seele dem Teufel verkauft: Auch Chaka zeigt, wie Ehrgeiz einen begabten Menschen zerstört.

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Einfach

Thomas Mofolo und Morija

Thomas Mokopu Mofolo wurde am 22. Dezember 1876 in Ha Khojane im Bezirk Mafeteng in Basutoland geboren, das damals ein britisches Protektorat war. Seine Eltern waren zum Christentum übergetreten. Er besuchte Schulen der Pariser Evangelischen Missionsgesellschaft (PEMS), einer französischen protestantischen Mission, die seit 1833 unter den Basotho tätig war.

Er besuchte die Bibelschule in Morija und ließ sich zum Lehrer ausbilden. Morija, die erste Missionsstation der PEMS in Lesotho, war ein Zentrum für den Druck und die Veröffentlichung von Texten in Sesotho. Ab 1898 arbeitete Mofolo beim Morija Sesuto Book Depot und war mit Leselinyana la Lesotho, der Sesotho-Zeitung der Mission, verbunden. Dort begegnete er Missionaren und Redakteuren, die ihn zum Schreiben ermutigten.

Sein erstes Buch, Moeti oa Bochabela (Der Reisende aus dem Osten), erschien zunächst als Fortsetzungsgeschichte in Leselinyana und wurde 1907 als Buch veröffentlicht. Es handelt von einem jungen Mann, der seine grausame Gesellschaft verlässt, um den Schöpfer zu suchen, und zum Christentum findet. Es gilt weithin als der erste in einer afrikanischen Sprache veröffentlichte Roman. Sein zweiter Roman, Pitseng (1910), ist eine Liebesgeschichte über eine christliche Ehe im Lesotho des frühen 20. Jahrhunderts.

Chaka war sein dritter und letzter Roman. Nach einem persönlichen Skandal verließ Mofolo 1910 Morija. Er arbeitete jahrelang als Anwerber von Arbeitskräften für die Bergwerke Südafrikas und in anderen Berufen. Einen weiteren Roman veröffentlichte er nicht. 1933 kaufte er eine Farm jenseits der Grenze in Südafrika. Aufgrund des Natives Land Act von 1913, der Schwarzen Südafrikanern den Besitz des größten Teils des Landes untersagte, musste er sie jedoch aufgeben. Er starb am 8. September 1948 verarmt in Teyateyaneng.

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Einfach

Die Handlung

Chakas Vater, der Häuptling Senzangakhona, zeugt ihn mit Nandi vor ihrer Heirat und verstößt damit gegen die Sitten. Als die ranghöheren Ehefrauen des Häuptlings später Söhne bekommen, drohen sie, das Geheimnis von Chakas Geburt zu verraten. Senzangakhona gibt ihrem Druck nach, entzieht Chaka sein Erbrecht und wendet sich gegen ihn und seine Mutter. Andere Kinder schlagen und verspotten den Jungen. Eine Heilerin stärkt ihn mit Heilmitteln und rituellen Bädern im Fluss. Eines Morgens im Morgengrauen steigt ein riesiges schlangenartiges Wesen aus dem Wasser, schlingt sich um ihn und verschwindet wieder. Stimmen verheißen ihm große Macht.

Als Jugendlicher tötet Chaka einen Löwen, der einen Mann angegriffen hat, und später eine Hyäne, die ein Mädchen verschleppt hat. Andere sind zuvor geflohen. Sein Mut verstärkt nur den Neid seiner Halbbrüder. Nach einem Kampf befiehlt sein Vater, ihn zu töten, und Chaka flieht. Allein in der Wildnis glaubt er, dass es auf der Welt keine Gerechtigkeit gibt und der Stärkere recht hat. Dort begegnet er Isanusi, einem mächtigen Wahrsager und Heiler, der seine Geheimnisse kennt. Isanusi weckt seinen Ehrgeiz, gibt ihm ein Mittel, das ihn nach Blutvergießen verlangen lässt, und fertigt für ihn einen kurzen Stoßspeer an.

Chaka tritt in das Heer Dingiswayos ein, des Oberhäuptlings der Mthethwa, und wird zu einem gefeierten Heerführer. Zwei seltsame Diener, die Isanusi geschickt hat, helfen ihm bei allem: der schöne und wilde Malunga und der großohrige Spion Ndlebe. Er verliebt sich in Dingiswayos Schwester Noliwa, und sie erwidert seine Liebe. Mit Dingiswayos Unterstützung besiegt er seinen Halbbruder und wird Häuptling des Volkes seines Vaters. Als Dingiswayo von seinem Feind Zwide getötet wird, tritt Chaka als Herrscher an seine Stelle und nennt sein Volk amaZulu, das „Volk des Himmels“.

Isanusi bietet ihm daraufhin ein noch größeres Königtum an, fordert aber einen Preis: Chaka muss den Menschen opfern, den er am meisten liebt. Nach monatelangem innerem Kampf tötet Chaka Noliwa, die sein Kind erwartet. Von diesem Augenblick an, so der Erzähler, erlischt der letzte Funke seiner Menschlichkeit. Seine Herrschaft wird zur Schreckensherrschaft: Er lässt Soldaten hinrichten, die Angst zeigen, tötet seine eigenen Kinder, schickt treue Heerführer auf unmögliche Feldzüge und tötet schließlich seine Mutter. Von Albträumen über die Toten gequält, wird er am Ende von seinen Halbbrüdern Dingana und Mhlangana erstochen. Isanusi erscheint, um seinen Lohn einzufordern.

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Mittel

Der historische Shaka

Der historische Shaka kaSenzangakhona wurde um 1787 als Sohn des Zulu-Häuptlings Senzangakhona und Nandis geboren. Den Überlieferungen zufolge mussten er und seine Mutter den Haushalt seines Vaters verlassen. Er wuchs bei anderen Völkern auf und diente schließlich im Heer Dingiswayos von den Mthethwa. Um 1816 wurde er Häuptling der damals noch kleinen Gruppe der Zulu. Nachdem Dingiswayo von Zwide von den Ndwandwe getötet worden war, machte Shaka die Zulu zur beherrschenden Macht der Region.

Shaka werden militärische Neuerungen zugeschrieben, darunter der kurze Stoßspeer (iklwa), Taktiken für den Nahkampf, die Schlachtordnung der „Büffelhörner“ und ein System nach Altersgruppen organisierter Regimenter. Seine Mutter Nandi starb 1827; Berichte schildern eine Zeit gewaltsamer Massentrauer. Am 24. September 1828 wurde Shaka mit Hilfe des Dieners Mbopa von seinen Halbbrüdern Dingane und Mhlangana ermordet. Anschließend wurde Dingane König.

Vieles, was über Shakas Charakter bekannt ist, stammt von wenigen europäischen Händlern, insbesondere Henry Francis Fynn und Nathaniel Isaacs. Sie kannten ihn in seinen letzten Lebensjahren und hatten Gründe, ihn als blutrünstigen Tyrannen darzustellen. Mündliche Überlieferungen der Zulu, die später etwa im James Stuart Archive gesammelt wurden, zeichnen ein vielschichtigeres Bild. Historiker diskutieren auch über die Mfecane, eine Welle von Kriegen und Wanderungsbewegungen im südlichen Afrika des frühen 19. Jahrhunderts: Ältere Darstellungen machten vor allem Shaka dafür verantwortlich. Seit den späten 1980er-Jahren vertraten der Historiker Julian Cobbing und andere dagegen die Auffassung, diese Sicht sei übertrieben und habe kolonialen Interessen gedient.

Mofolos Roman verbindet solche Überlieferungen mit Erfindungen. Für Noliwa, Isanusi, Malunga und Ndlebe gibt es keine Grundlage in den historischen Quellen. Zudem stellt der Roman Behauptungen als Tatsachen dar, an denen viele Historiker zweifeln, etwa dass Chaka seine eigene Mutter getötet habe. Mofolo schrieb ein moralisches und psychologisches Drama, keine Geschichtsdarstellung.

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Mittel

Entstehung, Verzögerung und Veröffentlichung

Mofolo begann noch während seiner Zeit in Morija, Material für Chaka zu sammeln. Berichten über sein Leben zufolge reiste er um 1909 nach Natal. Dort besuchte er Orte, die mit Shaka verbunden waren, darunter die Gegend um dessen Grab, und sammelte mündliche Überlieferungen. Er beendete das Manuskript und reichte es 1910 beim Morija Book Depot ein.

Die Missionare, die die Druckerei kontrollierten, hatten Bedenken. Mofolos frühere Bücher waren eindeutig christliche Gleichniserzählungen gewesen. Chaka dagegen schilderte traditionelle Glaubensvorstellungen, Wahrsagerei und Magie anschaulich, ohne sie klar zu verurteilen, und machte einen nichtchristlichen Krieger zum tragischen Helden. Einige Missionare bezweifelten außerdem, dass ein Roman, der Shakas Gewalt verherrlichte oder auch nur darstellte, eine geeignete Lektüre für zum Christentum Übergetretene sei. Das Manuskript blieb etwa fünfzehn Jahre liegen. Erst 1925 wurde es gedruckt, lange nachdem Mofolo die Mission verlassen hatte.

Forschende haben gefragt, ob der Text während dieser langen Wartezeit verändert wurde. Da die Geschichte des Manuskripts nicht vollständig dokumentiert ist, lässt sich nicht sicher sagen, in welchem Maß die veröffentlichte Fassung Mofolos ursprünglichem Text entspricht. Die Verzögerung wird auch häufig als ein Grund dafür genannt, dass Mofolo keine weiteren Romane schrieb. Trotz dieses schwierigen Beginns fand das Buch viele Leser: Bis 1962 waren mehr als 40.000 Exemplare auf Sesotho gedruckt worden.

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Mittel

Themen: Ehrgeiz, Schicksal und der Verlust der Menschlichkeit

Im Kern untersucht Chaka, wie ein verletzter Mensch seine Grausamkeit gegen die Welt richtet. Mofolo zeigt sorgfältig, was Chakas Wandel auslöst: den Verrat seines Vaters, die Verfolgung durch seine Halbbrüder und die Ungerechtigkeit seiner Gesellschaft. Die Leser verstehen, warum er seine Entscheidungen trifft, und sind zugleich entsetzt über den Menschen, zu dem er wird. Dieses Gleichgewicht zwischen Mitgefühl und Verurteilung ist ein Grund für die Wirkung des Buches.

Der Handel mit Isanusi ist der Wendepunkt des Romans. Isanusi bietet Macht im Austausch für die Aufgabe moralischer Grundsätze an, und der Preis steigt Schritt für Schritt, bis Noliwas Leben gefordert wird. Kritiker haben Isanusi oft mit Mephistopheles aus der Faust-Sage verglichen und Chakas Weg mit dem Macbeths, dessen von einer Prophezeiung bestärkter Ehrgeiz zu Mord und Wahnsinn führt. Daniel P. Kunenes Deutung des Romans eröffnet eine weitere Ebene: Isanusi, Malunga und Ndlebe können als Teile von Chakas eigener Persönlichkeit verstanden werden – als sein Ehrgeiz, sein wilder Stolz und sein wachsames Misstrauen –, die eigene Gestalt angenommen haben.

Christliche Moralvorstellungen prägen die Stimme des Erzählers. Mofolo spricht von „Sünde“ und beschreibt Chakas Herz als von Dunkelheit erfüllt. Zugleich behandelt der Roman afrikanische Glaubensvorstellungen, Heilmittel und Ahnengeister als wirkliche Kräfte innerhalb seiner Welt. Das war einer der Gründe für das Unbehagen der Missionare. Kritiker diskutieren, ob der Roman Chaka letztlich aus christlicher Sicht verurteilt oder ihn im Sinne afrikanischer Erzähltraditionen als tragischen Helden zeigt.

Das Buch denkt auch über Macht und die Entstehung einer Nation nach. Chaka schafft eine Nation und gibt ihr einen stolzen Namen, zerstört dabei aber sein eigenes Volk. Für Basotho-Leser hatte seine Geschichte eine besondere Bedeutung: Ihr eigenes Königreich war von Moshoeshoe I. zum Teil als Reaktion auf die Kriege der Mfecane gegründet worden.

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Mittel

Sprache und Form

Mofolo schrieb in einem reichen, rhythmischen Sesotho. Er nutzt Mittel des mündlichen Erzählens und der Preisgesänge: Wiederholungen, verdoppelte Verben und Adverbien sowie Ideophone – besonders ausdrucksstarke Wörter, die einen Klang, eine Bewegung oder eine Empfindung nachahmen. Diese Techniken machen Szenen wie das Erscheinen des Flussungeheuers im Morgengrauen lebendig und dramatisch.

Der Erzähler unterbricht die Handlung häufig, um etwas zu kommentieren, Bräuche zu erklären oder über die Bedeutung der Ereignisse nachzudenken. Das erinnert sowohl an einen Erzähler, der sich an sein Publikum wendet, als auch an einen Prediger, der eine Lehre vermittelt. Kritiker weisen darauf hin, dass Chaka weniger direkte Belehrungen enthält als Mofolos frühere Romane, aber weiterhin einen starken moralischen Rahmen hat.

Der Roman verwendet außerdem Ehrennamen und beschreibt Chaka als Löwen, Elefanten und wildes Tier. Damit greift er die heroische Sprache südafrikanischer Preisgesänge auf. Selbst am Ende, als Chaka schwach ist und von Erinnerungen verfolgt wird, spricht der Erzähler noch in diesem heroischen Ton von ihm. Das verleiht seinem Sturz die Größe einer Tragödie.

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Mittel

Übersetzungen und Wirkung

Die erste englische Übersetzung von F. H. Dutton erschien 1931 unter dem Titel Chaka: An Historical Romance im Auftrag des International African Institute. Eine französische Übersetzung folgte 1940; später erschienen Übersetzungen ins Deutsche, Afrikaans, Italienische, Spanische, Swahili und in weitere Sprachen. 1981 veröffentlichte der Mosotho-Gelehrte Daniel P. Kunene eine neue, vollständige englische Übersetzung, die bis heute am meisten gelesen wird.

Durch die französische Übersetzung wurde Chaka zu einer wichtigen Figur für Schriftsteller der Négritude-Bewegung und des französischsprachigen Afrikas. Léopold Sédar Senghor schrieb das dramatische Gedicht „Chaka“. Darin wird der König zu einem Dichterhelden, der seine Liebe für die Befreiung seines Volkes opfern muss. Andere Schriftsteller, etwa Seydou Badian aus Mali in seinem Theaterstück La mort de Chaka, deuteten Shaka als Sinnbild für afrikanischen Widerstand und Zusammenhalt neu. Der südafrikanische Dichter Mazisi Kunene verfasste später das Epos Emperor Shaka the Great auf Zulu.

Chaka wird regelmäßig zu den bedeutendsten afrikanischen Büchern des 20. Jahrhunderts gezählt. 2002 wurde es in die Auswahl der zwölf besten Werke auf der Liste „Africa’s 100 Best Books of the Twentieth Century“ aufgenommen. Der Roman wird in Lesotho und Südafrika sowie in Kursen zur afrikanischen Literatur auf der ganzen Welt häufig behandelt. Er hat dazu beigetragen, sichtbar zu machen, dass schon lange vor dem Aufschwung afrikanischer Literatur auf Englisch und Französisch seit den 1950er-Jahren bedeutende moderne Werke in afrikanischen Sprachen entstanden.

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Fortgeschritten

Kritische Debatten

Christliche Allegorie oder afrikanische Tragödie? Frühe europäische Leser verstanden Chaka häufig als christliche Moralerzählung über die Übel nichtchristlicher Glaubensvorstellungen oder sogar als Bestätigung kolonialer Klischees über afrikanische Herrscher. Einige Basotho-Leser der damaligen Zeit warfen Mofolo eine antichristliche Haltung vor, weil er traditionelle Religion so anschaulich darstellte. Andere fanden das Buch zutiefst christlich. Spätere afrikanische Kritiker betonten seine Wurzeln im mündlich überlieferten Epos und sahen in Chaka einen tragischen Helden, dessen Untergang durch seine eigenen Entscheidungen verursacht wird und nicht durch seine afrikanische Identität. Viele heutige Kritiker meinen, dass der Roman diese Sichtweisen in Spannung zueinander stehen lässt, ohne sie aufzulösen.

Held oder Tyrann? Die politische Bedeutung Shakas hat sich im Lauf der Geschichte verändert. Für koloniale Autoren stand er oft für Grausamkeit; für den Zulu-Nationalismus und panafrikanische Denker wurde er zum Sinnbild afrikanischer militärischer Begabung und Einheit. Mofolos Roman ist in beide Richtungen gelesen worden, und Schriftsteller wie Senghor haben ihn bewusst neu gedeutet. Forschende diskutieren, inwieweit es Mofolo, einem christlichen Mosotho, der über einen Zulukönig schrieb, überhaupt um Shaka als historische Person ging oder vielmehr um allgemeine Fragen von Macht und Gewissen.

Kontrolle durch die Missionare. Die fünfzehnjährige Verzögerung macht Chaka zu einem wichtigen Beispiel in Debatten darüber, wie Missionsdruckereien die frühe afrikanische Literatur zugleich ermöglichten und einschränkten. Die PEMS verschaffte Mofolo Bildung, eine Druckerei und eine Leserschaft, entschied aber auch, was gedruckt werden durfte. Kritiker wie Daniel Kunene haben untersucht, wie Mofolo zwischen christlicher Lehre und Sotho-Kultur vermittelte und wie die institutionellen Bedingungen der Veröffentlichung den Text prägten.

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Fortgeschritten

Quellen, Ausgaben und Forschung

Der maßgebliche Text ist die 1925 in Morija veröffentlichte Sesotho-Ausgabe, die seither oft nachgedruckt wurde. Da das ursprüngliche Manuskript und die Korrespondenz über die Verzögerung nicht vollständig zugänglich sind, rekonstruieren Forschende die Veröffentlichungsgeschichte anhand von Missionsunterlagen, Mofolos Biografie und späteren Zeugenaussagen. Deshalb bleiben Fragen nach möglichen redaktionellen Änderungen offen.

Frühe Übersetzungen sollten mit Vorsicht verwendet werden. Duttons englische Fassung von 1931 gilt im Allgemeinen als weniger vollständig und als weniger nah an Mofolos Stil; Chaka the Zulu (1949) war eine gekürzte Bearbeitung. Kunenes Übersetzung von 1981 sollte vollständig sein und Mofolos Stil einschließlich seiner Ideophone und Wiederholungen getreu wiedergeben. Sie enthielt auch eine Einführung über den Autor und den Text. Kunene verfasste zudem Zusammenfassungen und kritische Besprechungen aller Werke Mofolos (1967) sowie die ausführliche Studie Thomas Mofolo and the Emergence of Written Sesotho Prose (1989).

Unter den umfassenderen Untersuchungen ordnete Albert Gérards Four African Literatures (1971) Mofolo in die Geschichte der Literatur auf Sesotho, Xhosa, Zulu und Amharisch ein und trug dazu bei, die Bedeutung afrikanischsprachiger Literatur herauszustellen. Um Mofolos Erfindungen von der Geschichte zu unterscheiden, können Leser den Roman mit der historischen Forschung über Shaka vergleichen. Dazu gehören die Debatten über die Zuverlässigkeit von Fynn und Isaacs sowie über die Mfecane.

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Kernideen

Tragödie des Ehrgeizes
Chakas Wunsch nach immer größerer Macht bringt ihn dazu, Liebe, Familie und schließlich seine eigene Menschlichkeit zu opfern.
Der Handel mit Isanusi
Chaka erhält Macht und gibt dafür seine moralischen Grundsätze auf. Dieser Pakt wird oft mit der Faust-Sage verglichen.
Verletzung und Rache
Der Roman zeigt, wie Ablehnung und Ungerechtigkeit in der Kindheit Chakas Überzeugung prägen, dass der Stärkere recht hat.
Erfundene Figuren
Isanusi, Malunga, Ndlebe und Noliwa sind erfundene Figuren. Möglicherweise verkörpern sie Seiten von Chakas eigener Persönlichkeit.
Mündliche Überlieferung in geschriebener Form
Mofolo verwendet Wiederholungen, Ideophone und die Sprache der Preisgesänge aus der mündlichen Kunst der Sesotho und Zulu.
Christliche und afrikanische Weltbilder
Der Erzähler spricht von Sünde, während afrikanische Glaubensvorstellungen und Heilmittel in der Geschichte als wirkliche Kräfte auftreten.
Literatur in afrikanischen Sprachen
Chaka zeigt, dass schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts bedeutende moderne Literatur in afrikanischen Sprachen geschrieben wurde.

Einträge

  1. um 1787 — Shaka wird als Sohn des Zulu-Häuptlings Senzangakhona und Nandis geboren.
  2. um 1816 — Shaka wird Häuptling der Zulu.
  3. 1828 — Shaka wird von seinen Halbbrüdern Dingane und Mhlangana ermordet.
  4. 1833 — Die Pariser Evangelische Missionsgesellschaft gründet ihre Missionsstation in Morija.
  5. 1876 — Thomas Mofolo wird am 22. Dezember in Ha Khojane, Basutoland, geboren.
  6. 1907 — Mofolos erster Roman, Moeti oa Bochabela, wird veröffentlicht.
  7. um 1909 — Mofolo reist nach Natal, um über Shaka zu forschen.
  8. 1910 — Mofolo reicht das Manuskript von Chaka ein und verlässt Morija; Pitseng wird veröffentlicht.
  9. 1925 — Chaka erscheint im Dezember in Morija auf Sesotho.
  10. 1931 — F. H. Duttons englische Übersetzung erscheint.
  11. 1948 — Mofolo stirbt am 8. September in Teyateyaneng.
  12. 1981 — Daniel P. Kunenes vollständige englische Übersetzung wird veröffentlicht.

Glossar

Sesotho
Die Sprache Süd-Sotho, die in Lesotho und Teilen Südafrikas gesprochen wird; eine Bantusprache.
Basotho / Mosotho
Basotho bezeichnet das Volk von Lesotho; eine einzelne Person heißt Mosotho.
Basutoland
Der Name Lesothos unter britischer Herrschaft bis zur Unabhängigkeit 1966.
Pariser Evangelische Missionsgesellschaft
Eine französische protestantische Missionsgesellschaft (PEMS), die ab 1833 in Lesotho tätig war und in Morija Schulen und eine Druckerei betrieb.
Wahrsager (Sangoma / Isanusi)
In Traditionen des südlichen Afrikas ein Heiler, der mit Ahnengeistern in Verbindung tritt und die Ursachen von Unglück deutet; Isanusi hat seinen Namen von diesem Wort.
Ideophon
Ein besonders anschauliches Wort, das einen Klang, eine Bewegung oder eine Empfindung nachahmt; Ideophone kommen häufig in Bantusprachen und mündlichen Erzählungen vor.
Preisdichtung
Eine traditionelle Form mündlicher Dichtung im südlichen Afrika, die Häuptlinge, Krieger und Vorfahren rühmt (auf Zulu izibongo, auf Sesotho lithoko).
Mfecane
Eine Zeit von Kriegen und Wanderungsbewegungen im südlichen Afrika des frühen 19. Jahrhunderts; ihre Ursachen sind umstritten.
Négritude
Eine Bewegung französischsprachiger Schwarzer Schriftsteller seit den 1930er-Jahren, die afrikanische Identität und Kultur bekräftigte.
Historischer Roman
Ein Roman, der in der Vergangenheit spielt und wirkliche Menschen und Ereignisse mit Erfundenem verbindet.

Fragen und Antworten

Ist Chaka eine wahre Geschichte?

Zum Teil. Shaka war ein wirklicher König, und der Roman folgt den Grundzügen seines Lebens. Viele Figuren und Ereignisse hat Thomas Mofolo jedoch erfunden, darunter den Zauberer Isanusi und Chakas Geliebte Noliwa.

Warum heißt das Buch Chaka und nicht Shaka?

Im Sesotho, der Sprache, in der Mofolo schrieb, wird der Name des Königs Chaka geschrieben. Auf Zulu und Englisch schreibt man ihn gewöhnlich Shaka.

Warum dauerte die Veröffentlichung fünfzehn Jahre?

Die Missionare, die die Druckerei in Morija betrieben, hatten Bedenken: Das Buch schilderte traditionelle Glaubensvorstellungen und Magie, ohne sie klar zu verurteilen, und machte einen nichtchristlichen Krieger zum tragischen Helden. Die vollständigen Gründe für die Verzögerung sind nicht dokumentiert.

Wer ist Isanusi?

Ein geheimnisvoller Wahrsager, der Chaka Größe verspricht und dafür einen schrecklichen Preis fordert. Kritiker vergleichen ihn mit Mephistopheles aus der Faust-Geschichte. Manche sehen in ihm einen Teil von Chakas eigener Persönlichkeit.

Ist Chaka der erste afrikanische Roman?

Nein. Mofolos eigenes Werk Moeti oa Bochabela (1907) wird oft als der erste in einer afrikanischen Sprache veröffentlichte Roman bezeichnet. Chaka zählt aber zu den frühesten bedeutenden Romanen in einer afrikanischen Sprache.

Wie beeinflusste Chaka andere Schriftsteller?

Vor allem durch seine französische Übersetzung inspirierte der Roman Schriftsteller wie Léopold Sédar Senghor und Seydou Badian. Sie deuteten Shaka als Sinnbild afrikanischen Widerstands neu.

Zeichnet der Roman ein genaues Bild des historischen Shaka?

Nein. Er stützt sich auf Überlieferungen und veröffentlichte Berichte, von denen einige Shaka feindlich gegenüberstehen, und fügt viel Erfundenes hinzu. Historiker betrachten den Roman heute als Literatur, nicht als historischen Beleg.

Quellen und weiterführende Literatur

  1. Chaka (novel). Wikipedia
  2. Thomas Mofolo. Wikipedia
  3. Shaka. Wikipedia
  4. 샤카. 위키백과 (Korean Wikipedia)
  5. Mfecane. Wikipedia
  6. Morija. Wikipedia
  7. Daniel P. Kunene, The Works of Thomas Mofolo: Summaries and Critiques (Occasional Paper No. 2). African Studies Center, University of California, Los Angeles, 1967
  8. Thomas Mofolo, trans. Daniel P. Kunene, Chaka (English translation). Heinemann (African Writers Series), 1981
  9. Daniel P. Kunene, Thomas Mofolo and the Emergence of Written Sesotho Prose. Ravan Press, 1989
  10. Albert S. Gérard, Four African Literatures: Xhosa, Sotho, Zulu, Amharic. University of California Press, 1971

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Mit KI-Unterstützung auf Grundlage der oben aufgeführten veröffentlichten Quellen verfasst und bei neuen Forschungsergebnissen überarbeitet.

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