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Für junge Leser
Langston Hughes war ein Dichter, der Musik liebte. Er hörte Blues und Jazz in Clubs und auf der Straße. Seine Gedichte sollten ähnlich klingen wie diese Musik: mal traurig, mal lustig, mal langsam und mal schnell.
Er wurde 1901 in der Mitte der USA geboren. Seine Eltern trennten sich. Als Kind lebte er lange bei seiner Großmutter in Kansas. Sie erzählte ihm, wie ihre Familie gegen die Sklaverei gekämpft hatte. Er war oft einsam, und Bücher wurden seine Freunde.
Als Jugendlicher fuhr er mit dem Zug über den großen Mississippi. Dabei schrieb er ein Gedicht mit dem Titel „The Negro Speaks of Rivers“. Darin stellt er sich vor, dass Schwarze Menschen die großen Flüsse der Welt schon seit Tausenden von Jahren kennen. Als das Gedicht gedruckt wurde, wurde er bekannt.
Hughes lebte in Harlem, einem Stadtteil von New York City. Dort trafen sich in den 1920er-Jahren viele Schwarze Künstler, Musiker und Schriftsteller. Diese besondere Zeit heißt Harlem Renaissance. Das bedeutet „Wiedergeburt Harlems“.
Damals wurden Schwarze Menschen in den USA oft ungerecht behandelt. Manche Schulen, Restaurants und Berufe waren für sie nicht zugänglich. Hughes schrieb über diese Ungerechtigkeit. Er schrieb aber auch über schöne Dinge im Alltag: Tanzen, Lachen, Familie und Träume. Eines seiner bekanntesten Gedichte fragt, was mit einem Traum geschieht, auf den man zu lange warten muss.
Hughes schrieb Gedichte, Geschichten, Theaterstücke, Kinderbücher und Texte für Zeitungen. Außerdem bereiste er viele Länder. Er wird als „Dichter Harlems“ in Erinnerung behalten.
Auf einen Blick
- Lebensdaten
- 1. Februar 1901 (Joplin, Missouri; später gab er 1902 an) – 22. Mai 1967 (New York City)
- Wohnort
- Ab den 1920er-Jahren Harlem, New York City; sein Haus in der East 127th Street 20 ist ein städtisches Denkmal
- Literarische Bewegung
- Eine führende Stimme der Harlem Renaissance der 1920er-Jahre und eine bedeutende Persönlichkeit der amerikanischen Literatur des 20. Jahrhunderts
- Lyrik
- The Weary Blues (1926), Fine Clothes to the Jew (1927), The Dream Keeper (1932), Shakespeare in Harlem (1942), Montage of a Dream Deferred (1951), Ask Your Mama (1961)
- Prosa und Theater
- Roman Not Without Laughter (1930), Erzählungen The Ways of White Folks (1934), Theaterstück Mulatto (Broadway, 1935), die Simple-Geschichten sowie die Autobiografien The Big Sea (1940) und I Wonder as I Wander (1956)
- Stil
- Jazz- und Blueslyrik; die Stimmen und die Alltagssprache gewöhnlicher Schwarzer Amerikaner
- Themen
- Stolz auf Schwarze Identität und Geschichte, Rassismus und Rassentrennung, das Leben der Arbeiterklasse, Musik, aufgeschobene Träume, Demokratie
- Auszeichnungen
- Harmon-Goldmedaille für Not Without Laughter; Spingarn-Medaille der NAACP (1960)
Einfach
Wer war Langston Hughes?
Langston Hughes war einer der bedeutendsten amerikanischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts und der bekannteste Dichter der Harlem Renaissance. So nennt man die Blüte afroamerikanischer Kunst, Musik und Literatur, deren Mittelpunkt in den 1920er-Jahren der New Yorker Stadtteil Harlem war. Im Lauf seiner mehr als vierzigjährigen Karriere veröffentlichte er Gedichte, Romane, Kurzgeschichten, Theaterstücke, Liedtexte, Kinderbücher, historische Werke, Übersetzungen, Autobiografien und eine langjährige Zeitungskolumne.
Hughes gehörte zu den ersten Dichtern, die die Rhythmen von Blues und Jazz in geschriebene Gedichte übertrugen. Er schrieb in der Alltagssprache arbeitender Menschen. Das Leben gewöhnlicher Schwarzer Amerikaner – etwa einer Hausangestellten, eines Gepäckträgers, eines Pianisten oder einer jungen Studentin – war für ihn ein würdiges Thema der Kunst. Seine Gedichte sollten laut gelesen werden, und er trug sie in den gesamten USA und im Ausland vor.
Sein Werk verbindet Stolz auf Schwarze Kultur und Geschichte mit scharfer Kritik an Rassismus und Ungleichheit. Zugleich ist es voller Humor, Zärtlichkeit und Hoffnung. Zeilen aus seinen Gedichten sind Teil der amerikanischen Kultur und der Bürgerrechtsbewegung geworden.
Einfach
Eine einsame Kindheit und ein berühmtes Gedicht
James Mercer Langston Hughes wurde am 1. Februar 1901 in Joplin, Missouri, geboren. In seiner Autobiografie gab er 1902 als Geburtsjahr an, doch spätere Forschungen sprechen für 1901. Seine Eltern trennten sich kurz nach seiner Geburt. Sein Vater James Hughes war vom Rassismus in den USA enttäuscht und zog zunächst nach Kuba, dann nach Mexiko. Seine Mutter Carrie Langston wechselte auf der Suche nach Arbeit häufig den Wohnort.
Langston verbrachte den größten Teil seiner Kindheit bei seiner Großmutter Mary Patterson Langston in Lawrence, Kansas. Ihr erster Ehemann, Lewis Sheridan Leary, war 1859 gestorben, nachdem er sich John Browns Überfall auf Harpers Ferry angeschlossen hatte. Mit diesem Überfall sollte ein Aufstand gegen die Sklaverei ausgelöst werden. Die Erzählungen seiner Großmutter über Kampf und Würde prägten Hughes’ Geschichtsbewusstsein. Später erinnerte er sich an diese Zeit als einsam und sagte, Bücher seien sein Zufluchtsort geworden.
Als Jugendlicher lebte er mit seiner Mutter zunächst in Lincoln, Illinois, und dann in Cleveland, Ohio. Dort besuchte er die Central High School. Er schrieb für die Schülerzeitschrift und entdeckte Dichter wie Carl Sandburg und Walt Whitman, deren freie Verse und Wertschätzung gewöhnlicher Menschen ihn stark beeinflussten.
1920 reiste er mit dem Zug zu seinem Vater nach Mexiko. Als er nahe St. Louis den Mississippi überquerte, schrieb er innerhalb weniger Minuten „The Negro Speaks of Rivers“ auf die Rückseite eines Briefumschlags. Das Gedicht verbindet die sprechende Person mit Euphrat, Kongo, Nil und Mississippi und verknüpft so die alte afrikanische Geschichte mit der afroamerikanischen Gegenwart. Im Juni 1921 erschien es in The Crisis, der Zeitschrift der National Association for the Advancement of Colored People (NAACP), und begründete seine schriftstellerische Laufbahn.
Einfach
Harlem und die Harlem Renaissance
1921 begann Hughes ein Studium an der Columbia University in New York. Damit wollte er auch seinem Vater gefallen, der sich für ihn ein Ingenieurstudium wünschte. Hughes erlebte auf dem Campus Rassismus und verließ die Universität nach einem Jahr. In Harlem, dem Stadtteil nördlich der Universität, fühlte er sich jedoch sofort zu Hause.
Im frühen 20. Jahrhundert verließen Hunderttausende Schwarze Amerikaner den ländlichen Süden und zogen in Städte des Nordens. Diese Wanderungsbewegung wird als Great Migration bezeichnet. Harlem wurde zum kulturellen Zentrum des Schwarzen Amerika – mit Kirchen, Clubs, Theatern, Zeitungen und politischen Bewegungen. Schriftsteller wie Claude McKay, Countee Cullen, Zora Neale Hurston, Jean Toomer und Jessie Fauset, Denker wie W. E. B. Du Bois und Alain Locke sowie Musiker wie Duke Ellington und Bessie Smith lösten eine Welle künstlerischer Kreativität aus. Heute heißt sie Harlem Renaissance oder New-Negro-Bewegung.
Bevor Hughes sich dauerhaft in Harlem niederließ, reiste er viel. 1923 arbeitete er als Seemann auf einem Schiff nach Westafrika. 1924 lebte er in Paris und spülte Geschirr in einem Nachtclub, in dem er Schwarze amerikanische Jazzmusiker hörte. Später arbeitete er in Washington, D.C., als Hilfskellner in einem Hotel. Dort legte er einige seiner Gedichte neben den Teller des Dichters Vachel Lindsay, der sie anschließend öffentlich lobte. 1925 gewann sein Gedicht „The Weary Blues“ den ersten Preis bei einem Wettbewerb von Opportunity, der Zeitschrift der National Urban League.
Hughes wurde zu einem der jungen Stars der Bewegung. Gemeinsam mit Wallace Thurman, Zora Neale Hurston und anderen jüngeren Kunstschaffenden gründete er die kurzlebige Zeitschrift Fire!! (1926). Sie wollten freier schreiben, als ältere Schwarze Führungspersönlichkeiten es für schicklich hielten.
Mittel
The Weary Blues und die Blueslyrik
Hughes’ erstes Buch, The Weary Blues, erschien 1926 bei Alfred A. Knopf, unterstützt von dem weißen Schriftsteller und Fotografen Carl Van Vechten. Das titelgebende Gedicht schildert einen Pianisten, der spätabends in einem Club an der Lenox Avenue Blues spielt. Dabei sind Zeilen eines Bluesliedes in das Gedicht eingewoben. Es gehörte zu den ersten literarischen Gedichten, die Form und Ausdruck des Blues ernst nahmen.
Der Blues entstand unter Schwarzen Menschen im Süden der USA. Häufig verwendet er eine Strophe aus drei Zeilen: Die zweite wiederholt die erste, und die dritte antwortet darauf. Seine Stimmung verbindet Leid mit Humor und Durchhaltevermögen – „lachen, um nicht zu weinen“, wie Hughes es später in einem Buchtitel ausdrückte. Er übertrug solche Muster auf die Buchseite und hielt dabei den Klang Schwarzer Alltagssprache und Musik fest.
Sein zweites Buch, Fine Clothes to the Jew (1927), ging noch weiter. Der Titel bezieht sich auf eine Redewendung aus Harlem: Wenn das Geld knapp wurde, brachte man seine gute Kleidung ins Pfandhaus. Viele Pfandhäuser hatten jüdische Besitzer. Das Buch ließ Prostituierte, Arbeiter, Glücksspieler und Hausangestellte mit eigenen Stimmen zu Wort kommen. Große Teile der Schwarzen Presse griffen es als vulgär und schädlich für das Ansehen Schwarzer Menschen an. Der Biograf Arnold Rampersad bezeichnete es später als Hughes’ brillantesten Gedichtband.
Zu den weiteren berühmten Gedichten dieser Zeit gehört „I, Too“. Darin erklärt ein Schwarzer Hausangestellter, der zum Essen in die Küche geschickt wird, dass er eines Tages am Tisch sitzen werde und ebenfalls zu Amerika gehöre. In „Mother to Son“ erzählt eine Mutter ihrem Sohn, ihr Leben sei keine Treppe aus Kristall gewesen, doch sie steige weiter hinauf.
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„The Negro Artist and the Racial Mountain“
Im Juni 1926 veröffentlichte Hughes in The Nation einen Essay, der zu einem Manifest jüngerer Schwarzer Schriftsteller wurde. Er kritisierte den Wunsch einiger Schwarzer Amerikaner aus der Mittelschicht, die weiße Kultur nachzuahmen und gewissermaßen „so wenig Schwarze und so sehr Amerikaner wie möglich“ zu sein. Dieser Drang sei der „Berg der Rassenzugehörigkeit“, der einer eigenständigen Schwarzen Kunst im Weg stehe.
Dem stellte Hughes die Kultur gewöhnlicher Schwarzer Menschen gegenüber. Besonders Jazz, Blues und Spirituals hielt er für reiche Quellen künstlerischer Arbeit. Am Schluss erklärte er, jüngere Schwarze Kunstschaffende wollten ihr „eigenes Selbst als Menschen mit dunkler Hautfarbe ohne Angst oder Scham“ ausdrücken. Wenn das weißen Menschen gefalle, sei es gut; wenn nicht, spiele es keine Rolle. Dasselbe gelte für das Schwarze Publikum.
Der Essay war zum Teil eine Antwort auf George Schuyler. Dieser hatte in derselben Zeitschrift argumentiert, afroamerikanische Kunst unterscheide sich im Grunde nicht von weißer amerikanischer Kunst. Die Debatte darüber, ob Schwarze Kunst eigenständig, politisch, anständig oder frei sein sollte, begleitete die Harlem Renaissance und setzte sich in späteren Bewegungen wie der Black-Arts-Bewegung der 1960er-Jahre fort.
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Weltwirtschaftskrise, radikale Politik und Reisen
1929 schloss Hughes sein Studium an der Lincoln University in Pennsylvania ab, einer historisch Schwarzen Universität. Einige Jahre lang wurde er von der wohlhabenden weißen Mäzenin Charlotte Osgood Mason unterstützt, die auch Zora Neale Hurston förderte. Mason wollte, dass er über einen aus ihrer Sicht „ursprünglichen“ Schwarzen Geist schrieb. Die Beziehung endete 1930 schmerzhaft. Etwa zur selben Zeit zerstritten sich Hughes und Hurston über die Rechte an ihrer gemeinsam verfassten Komödie Mule Bone. Damit endete ihre Freundschaft.
Sein Roman Not Without Laughter (1930) handelt von einem Jungen namens Sandy, der in einer Kleinstadt in Kansas aufwächst. Hughes griff darin auf seine eigene Kindheit zurück und erhielt für das Buch die Harmon-Goldmedaille für Literatur. Während der Weltwirtschaftskrise rückten seine politischen Ansichten nach links. Er reiste für Lesungen zu Schwarzen Colleges im Süden, setzte sich schriftlich für die Scottsboro Boys ein – neun Schwarze Jugendliche, die in Alabama zu Unrecht der Vergewaltigung beschuldigt wurden – und veröffentlichte radikale Gedichte.
1932 und 1933 reiste er mit einer Gruppe Afroamerikaner in die Sowjetunion. Die Gruppe war eingeladen worden, einen Film über Rassismus in Amerika zu drehen. Der Film kam nie zustande, aber Hughes blieb und bereiste sowjetisches Zentralasien. Er besuchte außerdem Haiti, Kuba, Japan, China und 1937 Spanien, wo er für Schwarze Zeitungen über den Bürgerkrieg berichtete. Ihn interessierten die Verbindungen zwischen Schwarzen Amerikanern und Menschen afrikanischer Herkunft in der Karibik, Lateinamerika und Afrika. Er übersetzte auch Dichter wie Nicolás Guillén, Federico García Lorca und Gabriela Mistral.
Sein Erzählband The Ways of White Folks (1934) betrachtet die Beziehungen zwischen Schwarzen und weißen Amerikanern mit Ironie und Bitterkeit. Sein Theaterstück Mulatto wurde 1935 am Broadway uraufgeführt und etwa ein Jahr lang gespielt. Vor den 1950er-Jahren hatte kaum ein Stück eines Schwarzen Autors dort eine so lange Laufzeit. 1936 schrieb Hughes „Let America Be America Again“. Das Gedicht betont, dass der amerikanische Traum für Arme, Schwarze Menschen, Indigene und Eingewanderte noch nie Wirklichkeit gewesen sei, und fordert, ihn endlich zu verwirklichen.
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Simple, Montage of a Dream Deferred und die späteren Jahre
1942 begann Hughes eine wöchentliche Kolumne für den Chicago Defender, eine der wichtigsten Schwarzen Zeitungen. Dafür schuf er Jesse B. Semple, genannt „Simple“, eine Figur aus Harlem, die sich in einer Bar mit dem Erzähler über Krieg, Rassentrennung, Frauen, Vermieterinnen und Politik unterhält. Simples komische und kluge Bemerkungen wurden äußerst beliebt. Die Kolumnen erschienen in mehreren Büchern, beginnend mit Simple Speaks His Mind (1950).
Ende der 1940er-Jahre schrieb Hughes gemeinsam mit dem Komponisten Kurt Weill und dem Dramatiker Elmer Rice die Liedtexte für die Broadway-Oper Street Scene. Mit den Einnahmen konnte er ein Haus in der East 127th Street 20 in Harlem kaufen. Dort wohnte er bis zu seinem Tod.
Montage of a Dream Deferred (1951) ist eine Folge kurzer Gedichte von Buchlänge. Ihr Vorbild ist Bebop, ein schneller, von Brüchen geprägter Jazzstil der 1940er-Jahre. Das Buch führt durch einen Tag und eine Nacht in Harlem und fängt Stimmen und Augenblicke wie eine Filmmontage ein. Immer wieder kehrt es zum „aufgeschobenen Traum“ zurück: dem Versprechen auf Gleichberechtigung, dessen Erfüllung ständig vertagt wird. Das bekannteste Gedicht daraus, „Harlem“, beginnt mit der Frage: „Was geschieht mit einem aufgeschobenen Traum?“ Es deutet an, dass der Traum „wie eine Rosine in der Sonne“ austrocknen oder explodieren könnte. Lorraine Hansberry übernahm aus dieser Zeile den Titel ihres Theaterstücks A Raisin in the Sun von 1959.
Hughes blieb äußerst produktiv. Er schrieb historische Werke und Kinderbücher wie The First Book of Jazz (1955), gab Anthologien Schwarzer und afrikanischer Lyrik heraus, verfasste Theaterstücke mit Gospelmusik und verband in Ask Your Mama (1961) Gedichte mit musikalischen Anweisungen. Er förderte jüngere Schriftstellerinnen und Schriftsteller, darunter Gwendolyn Brooks und Alice Walker. Nach einer Operation starb er am 22. Mai 1967 in New York. Seine Asche wurde unter dem Boden des Schomburg Center for Research in Black Culture in Harlem beigesetzt, unter einem als „Rivers“ bezeichneten Kosmogramm.
Mittel
Einfluss und Nachwirkung
Hughes trug dazu bei, die Schwarze Alltagssprache und Musik als Grundlage ernstzunehmender Literatur zu etablieren. Spätere Dichter der Black-Arts-Bewegung, Künstler der Vortragslyrik und des Spoken Word sowie Hip-Hop-Künstler gelten als Erben seiner vom Jazz und Blues geprägten Dichtung. Seine Gedichte gehören zu den am häufigsten im amerikanischen Schulunterricht behandelten Werken.
Sein Einfluss reichte über Ländergrenzen hinweg. Autoren der Négritude-Bewegung im französischsprachigen Raum, darunter Léopold Sédar Senghor und Aimé Césaire, sahen in ihm ein Vorbild für die selbstbewusste Bejahung Schwarzer Kultur. Auch in Lateinamerika, Afrika und der Karibik wurde er viel übersetzt und gelesen. Mit seinen Anthologien afrikanischer Literatur machte er in den 1960er-Jahren amerikanische Leser mit einer neuen Generation afrikanischer Autoren bekannt.
Wendungen aus seinen Gedichten wie „ein aufgeschobener Traum“ und „Auch ich bin Amerika“ werden seitdem in der Bürgerrechtsbewegung und im öffentlichen Leben zitiert. Das Langston Hughes House in Harlem wurde 1981 zum Denkmal der Stadt New York erklärt. Der entsprechende Abschnitt der East 127th Street erhielt den Namen Langston Hughes Place.
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Debatten: Politik, Ansehen und Privatleben
Politik und die McCarthy-Ära. In den 1930er-Jahren schrieb Hughes offen radikale Gedichte wie „Goodbye Christ“ (1932) und unterstützte viele linke Anliegen. Er sagte jedoch, er sei nie der Kommunistischen Partei beigetreten. 1953 musste er vor einem Senatsunterausschuss von Senator Joseph McCarthy aussagen. Er erklärte, seine Ansichten hätten sich geändert, und distanzierte sich von einigen früheren Texten. Kritiker und Biografen diskutieren, ob das eine notwendige Überlebensstrategie, ein echter Sinneswandel oder ein schmerzhafter Kompromiss war. Dadurch entfremdete er sich teilweise von jüngeren Radikalen, während Konservative ihn weiterhin angriffen.
Darstellung und Ansehen. Seit Fine Clothes to the Jew argumentierten einige Schwarze Kritiker, Hughes’ Darstellungen von Armut, Alkoholkonsum und Sexualität verstärkten weiße Klischees. Hughes und seine Unterstützer entgegneten, eine ehrliche Darstellung des gewöhnlichen Lebens verleihe diesem gerade Würde. Spätere Forschende sehen in diesem Streit ein zentrales Thema der Harlem Renaissance: Sie war teilweise von weißen Mäzenen und Verlegern abhängig und versuchte zugleich, eine eigenständige Schwarze Kunst zu definieren.
Sexualität. Hughes heiratete nie und hinterließ nur wenige direkte Hinweise auf sein Liebesleben. Einige Forschende und Kunstschaffende, besonders im Zusammenhang mit Isaac Juliens Film Looking for Langston (1989), deuten ihn als schwulen oder bisexuellen Schriftsteller und erkennen verschlüsselte Bedeutungen in manchen Gedichten. Arnold Rampersad kam zu dem Schluss, die Belege seien nicht eindeutig und Hughes könnte weitgehend asexuell gewesen sein. Die Frage bleibt offen. Forschende sind sich auch uneinig, welche Bedeutung sie für die Interpretation seines Werks hat.
Einfachheit und Kunstfertigkeit. Weil Hughes eine klare Sprache verwendete, betrachteten ihn manche Kritiker früher eher als volkstümlichen oder populären Dichter denn als Vertreter der Moderne. Neuere Forschungen betonen seine formalen Experimente, den Einsatz von Montage und musikalischen Strukturen sowie seinen Platz in der internationalen literarischen Moderne neben Autoren, deren Texte offensichtlich schwerer zugänglich sind.
Fortgeschritten
Quellen und Biografie
Hughes schrieb zwei Autobiografien: The Big Sea (1940) behandelt sein Leben bis 1930, I Wonder as I Wander (1956) die 1930er-Jahre. Beide sind lebendig geschriebene und wichtige Quellen, aber auch bewusst gestaltete literarische Werke. Hughes ließ vieles über sein Privatleben und seine Politik aus und vereinfachte manche Ereignisse – angefangen bei seinem eigenen Geburtsjahr.
Sein Nachlass umfasst Manuskripte, Tausende Briefe und Sammelalben. Er wird vor allem in der James Weldon Johnson Collection der Beinecke Library an der Yale University aufbewahrt. So können Forschende die Autobiografien überprüfen und ergänzen. Auch sein umfangreicher Briefwechsel mit Arna Bontemps und Carl Van Vechten wurde veröffentlicht.
Als maßgebliche Biografie gilt Arnold Rampersads zweibändiges Werk The Life of Langston Hughes (1986 und 1988), das auf diesen Archiven beruht. Forschende nutzen zudem die Zeitungen und Zeitschriften, in denen Hughes zuerst veröffentlichte, etwa The Crisis, Opportunity und den Chicago Defender. Zwischen dem ersten Abdruck und späteren Sammelbänden wurden seine Gedichte häufig überarbeitet. The Collected Poems (1994) und eine mehrbändige Werkausgabe machen die ganze Bandbreite und Entwicklung seines Schreibens sichtbar.
Kernideen
- Blueslyrik
- Gedichte, die Form, Wiederholungen und Ausdruck des Blues übernehmen und Trauer mit Humor und Durchhaltevermögen verbinden.
- Jazzlyrik
- Lyrik, die Rhythmen, Improvisationen und plötzliche Brüche des Jazz nachahmt, wie in Montage of a Dream Deferred.
- Der „Berg der Rassenzugehörigkeit“
- Hughes’ Bild für den Druck auf Schwarze Kunstschaffende, die weiße Kultur nachzuahmen, statt sich auf eigene Weise auszudrücken.
- Ein aufgeschobener Traum
- Das Versprechen auf Gleichberechtigung und Chancen für Schwarze Amerikaner, dessen Erfüllung immer wieder vertagt wird.
- Die Stimme gewöhnlicher Menschen
- Hughes schrieb in der Alltagssprache von Arbeitern, Hausangestellten, Musikern und Studierenden und betrachtete ihr Leben als würdiges Thema der Kunst.
- Verbindungen in der Diaspora
- Sein Werk verbindet Afroamerikaner mit Afrika, der Karibik und Lateinamerika, etwa in „The Negro Speaks of Rivers“.
- Demokratische Vision
- Gedichte wie „I, Too“ und „Let America Be America Again“ fordern die Verwirklichung amerikanischer Ideale für Menschen, die von ihnen ausgeschlossen wurden.
Einträge
- 1901 — Wird am 1. Februar in Joplin, Missouri, geboren.
- 1920 — Schreibt „The Negro Speaks of Rivers“ in einem Zug, der den Mississippi überquert.
- 1921 — Das Gedicht erscheint in The Crisis; er beginnt sein Studium an der Columbia University.
- 1923 — Fährt als Besatzungsmitglied nach Westafrika; im folgenden Jahr lebt er in Paris.
- 1926 — Veröffentlicht The Weary Blues und den Essay „The Negro Artist and the Racial Mountain“.
- 1927 — Veröffentlicht Fine Clothes to the Jew, das von großen Teilen der Schwarzen Presse angegriffen wird.
- 1929 — Schließt sein Studium an der Lincoln University in Pennsylvania ab.
- 1930 — Veröffentlicht den Roman Not Without Laughter.
- 1932 — Reist in die Sowjetunion und nach Zentralasien.
- 1935 — Sein Theaterstück Mulatto wird am Broadway uraufgeführt.
- 1942 — Beginnt seine Kolumne im Chicago Defender, in der bald die Figur Simple erscheint.
- 1951 — Veröffentlicht Montage of a Dream Deferred.
- 1953 — Sagt vor dem Senatsunterausschuss von Senator McCarthy aus.
- 1967 — Stirbt am 22. Mai in New York City.
Glossar
- Harlem Renaissance
- Blüte afroamerikanischer Literatur, Kunst, Musik und Gedankenwelt, deren Mittelpunkt in den 1920er- und frühen 1930er-Jahren Harlem war.
- Great Migration
- Wanderung von Millionen Schwarzen Amerikanern aus dem ländlichen Süden in Städte des Nordens und Westens, etwa von 1910 bis 1970.
- Blues
- Eine von Afroamerikanern im tiefen Süden der USA entwickelte Musikform, die oft auf einer wiederholten dreizeiligen Strophe beruht.
- Bebop
- Ein schneller, komplexer Jazzstil, der in den 1940er-Jahren von Musikern wie Charlie Parker und Dizzy Gillespie entwickelt wurde.
- Rassentrennung
- Die erzwungene Trennung von Menschen nach zugeschriebener „Rasse“ in Schulen, Verkehrsmitteln, Wohngebieten und öffentlichen Einrichtungen.
- Alltagssprache
- Die gewöhnlich gesprochene Sprache der Menschen im Unterschied zur formellen oder literarischen Sprache.
- Mäzen
- Ein wohlhabender Förderer, der Kunstschaffenden Geld gibt und dabei manchmal Erwartungen an ihre Arbeit hat.
- NAACP
- Die National Association for the Advancement of Colored People, eine 1909 gegründete Bürgerrechtsorganisation; ihre Zeitschrift hieß The Crisis.
- Négritude
- Eine literarische und politische Bewegung französischsprachiger Schwarzer Schriftsteller ab den 1930er-Jahren, die afrikanische Identität und Kultur bejahte.
Fragen und Antworten
Warum wird Langston Hughes der Dichter Harlems genannt?
Er lebte einen großen Teil seines Lebens in Harlem und schrieb mehr als andere Dichter seiner Zeit über die Menschen, Straßen, Musik und Träume dieses Stadtteils.
Worum geht es in „The Negro Speaks of Rivers“?
Die sprechende Person sagt, sie kenne die großen Flüsse der Geschichte: Euphrat, Kongo, Nil und Mississippi. So verbindet das Gedicht Schwarze Amerikaner mit Jahrtausenden Menschheitsgeschichte. Hughes schrieb es als Jugendlicher.
Was ist ein „aufgeschobener Traum“?
Ein Traum, dessen Erfüllung immer wieder vertagt wird. Hughes verwendete die Wendung für das Versprechen auf Gleichberechtigung, das Amerika Schwarzen Menschen immer wieder vorenthielt.
Inwiefern ähnelt Hughes’ Lyrik der Musik?
Er übernahm die wiederholten Zeilen des Blues sowie die Rhythmen und plötzlichen Brüche von Jazz und Bebop. Manchmal trug er seine Gedichte gemeinsam mit Jazzmusikern vor.
War Hughes Kommunist?
In den 1930er-Jahren unterstützte er viele linke Anliegen und schrieb radikale Gedichte. Er sagte jedoch, er sei nie der Kommunistischen Partei beigetreten. 1953 sagte er vor einem Senatsunterausschuss von Senator McCarthy aus und distanzierte sich von einigen seiner früheren Texte.
Warum war Fine Clothes to the Jew umstritten?
Viele Schwarze Kritiker fanden, die offenen Darstellungen des Lebens armer Menschen und der Arbeiterklasse ließen Schwarze Amerikaner in einem schlechten Licht erscheinen. Hughes verteidigte seine ehrlichen Schilderungen gewöhnlicher Menschen. Spätere Kritiker haben das Buch hoch gelobt.
Wie verlässlich sind Hughes’ Autobiografien?
Sie sind wertvoll, aber lückenhaft. Hughes ließ vieles über sein Privatleben und seine Politik aus. Deshalb vergleichen Forschende sie mit Briefen und Archivmaterial, wie Arnold Rampersad es für seine Biografie tat.
Quellen und weiterführende Literatur
- Langston Hughes. Wikipedia
- 랭스턴 휴스. 위키백과 (Korean Wikipedia)
- The Negro Speaks of Rivers. Wikipedia
- The Weary Blues. Wikipedia
- Fine Clothes to the Jew. Wikipedia
- Not Without Laughter. Wikipedia
- Montage of a Dream Deferred. Wikipedia
- Harlem Renaissance. Wikipedia
- Arnold Rampersad, The Life of Langston Hughes (2 vols.). Oxford University Press, 1986–1988
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