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Für junge Leser
Vor langer Zeit war Rom eine Republik. Das bedeutete: Es durfte keinen König geben. Die wichtigsten Anführer wurden jeweils für ein Jahr gewählt. Ein Rat wichtiger Männer, der Senat, gab ihnen Ratschläge. Die Römer waren stolz darauf. Das Wort „König“ mochten sie nicht, denn ihre Vorfahren hatten den letzten König vertrieben.
Julius Caesar war ein erfolgreicher Feldherr. Er eroberte Gallien, das heute zum großen Teil zu Frankreich gehört. Danach gewann er einen Krieg gegen andere Römer. Nun wurde er zum Diktator ernannt. Ein Diktator hatte besondere Macht und sollte sein Amt normalerweise nur wenige Monate lang ausüben. Caesar durfte es aber für den Rest seines Lebens behalten. Manche Menschen mochten ihn, weil er armen Leuten und seinen Soldaten half. Andere hatten Angst, dass er König werden wollte.
Etwa sechzig Senatoren schmiedeten heimlich einen Plan. Am 15. März, den die Römer die Iden des März nannten, kam Caesar zu einer Senatssitzung. Die Männer drängten sich um ihn und taten so, als wollten sie ihn um etwas bitten. Dann zogen sie Dolche aus ihren Kleidern. Caesar wurde 23-mal verletzt und starb am Fuß einer Statue seines früheren Gegners Pompeius.
Einer der Männer war Brutus. Caesar hatte ihm vergeben und vertraute ihm. In einem berühmten Theaterstück von William Shakespeare sagt Caesar: „Et tu, Brute?“ Das bedeutet: „Auch du, Brutus?“ Wahrscheinlich hat Caesar das nicht gesagt. Ein antiker Schriftsteller berichtet, manche hätten griechische Worte gehört, die „Auch du, Kind?“ bedeuteten. Andere sagten, Caesar habe gar nichts gesagt.
Die Männer dachten, die Römer würden ihnen für die Befreiung Roms danken. Doch viele Menschen waren wütend. Neue Kriege begannen, und die Männer wurden besiegt. Caesars Adoptivsohn Octavian wurde später als Augustus der erste römische Kaiser. Der Plan, die Republik zu retten, führte zu ihrem Ende.
Auf einen Blick
- Datum
- 15. März 44 v. Chr., die Iden des März
- Ort
- Curia des Pompeius, ein Sitzungssaal im Theaterkomplex des Pompeius auf dem Marsfeld in Rom (nahe dem heutigen Largo di Torre Argentina)
- Opfer
- Gaius Julius Caesar, Diktator auf Lebenszeit (dictator perpetuo), 55 Jahre alt
- Verschwörer
- Mehr als sechzig Senatoren, angeführt von Marcus Junius Brutus, Gaius Cassius Longinus und Decimus Junius Brutus Albinus; etwa zwanzig sind namentlich bekannt
- Verletzungen
- 23 Stichwunden, von denen laut dem Arzt Antistius nur eine tödlich war
- Ziel
- Caesars beinahe königliche Macht beenden und die traditionelle Republik wiederherstellen
- Ergebnis
- Neue Bürgerkriege; Niederlage der Verschwörer bei Philippi (42 v. Chr.); Aufstieg Octavians (Augustus) und Entstehung des Römischen Kaiserreichs
- Wichtigste Quellen
- Nikolaos von Damaskus, Plutarch, Sueton, Appian und Cassius Dio; Briefe und Reden Ciceros
Einfach
Was geschah?
Am Morgen des 15. März 44 v. Chr. trat der römische Senat in einem Saal zusammen, der Curia des Pompeius genannt wurde. Das übliche Senatsgebäude Roms war 52 v. Chr. abgebrannt, und der Neubau, den Caesar errichten ließ, war noch nicht fertig. Deshalb fanden Sitzungen in diesem Saal statt. Er gehörte zu dem großen Theaterkomplex, den Caesars früherer Rivale Pompeius gebaut hatte.
Caesar kam spät. Seine Frau Calpurnia hatte in der Nacht einen beängstigenden Traum gehabt und ihn gebeten, zu Hause zu bleiben. Auch die Opferhandlungen der Priester hatten ungünstige Vorzeichen ergeben. Einer der Verschwörer, Decimus Brutus, dem Caesar vertraute, kam zu ihm nach Hause und überredete ihn, den Senat nicht zu enttäuschen. Unterwegs überreichte ihm laut Plutarch ein griechischer Lehrer namens Artemidoros eine Nachricht, die vor der Verschwörung warnte. Caesar las sie jedoch nicht.
Als Caesar sich setzte, drängte sich eine Gruppe von Senatoren um ihn. Lucius Tillius Cimber gab vor, um die Rückkehr seines verbannten Bruders zu bitten. Dann zog er Caesar die Toga von den Schultern: Das war das Zeichen. Publius Servilius Casca führte den ersten Stoß aus. Die anderen schlossen sich an und verletzten in dem Durcheinander sogar einander. Caesar erlitt 23 Wunden und brach am Sockel einer Pompeiusstatue zusammen.
Die Senatoren, die nicht an der Verschwörung beteiligt waren, flohen in Panik. Die Verschwörer marschierten hinaus, hielten ihre Dolche hoch und riefen nach Freiheit. Caesars Leichnam blieb im leeren Saal liegen, bis drei versklavte Diener ihn auf einer Trage nach Hause brachten. Dabei hing ein Arm herab.
Einfach
Hintergrund: Wie Caesar so mächtig wurde
Rom war jahrhundertelang eine Republik gewesen. Die Macht war zwischen gewählten Amtsträgern mit einjähriger Amtszeit, vor allem den beiden Konsuln, und dem Senat, einem Rat ehemaliger Amtsträger, verteilt. Die Römer erzählten, sie hätten um 509 v. Chr. ihren letzten König, Tarquinius Superbus, vertrieben. Seitdem war schon das Wort rex, „König“, verhasst.
Im 1. Jahrhundert v. Chr. geriet dieses System in eine Krise. Roms Herrschaftsgebiet war enorm gewachsen, und mächtige Feldherren mit treuen Heeren kämpften um die Kontrolle. Julius Caesar (geboren 100 v. Chr.) stieg als beliebter Politiker auf und eroberte von 58 bis 50 v. Chr. Gallien in einer Reihe brutaler Feldzüge. Als seine Gegner im Senat ihm das Kommando entziehen wollten, überschritt er 49 v. Chr. mit seinem Heer den Fluss Rubikon und zog nach Italien. Damit begann ein Bürgerkrieg gegen Pompeius und die Senatsregierung.
Caesar siegte. Pompeius wurde 48 v. Chr. in Ägypten ermordet. Bis 45 v. Chr. besiegte Caesar die verbliebenen Anhänger des Pompeius in Afrika und Spanien. Berühmt war er für seine clementia, seine Milde: Statt besiegte Gegner hinrichten zu lassen, begnadigte er viele von ihnen, darunter Marcus Brutus und Gaius Cassius, und übertrug ihnen Ämter.
Einfach
Warum töteten die Verschwörer ihn?
Nach dem Krieg besaß Caesar mehr Macht als jeder Römer vor ihm. 46 v. Chr. wurde er für zehn Jahre zum Diktator ernannt und Anfang 44 v. Chr. zum dictator perpetuo, zum Diktator auf Lebenszeit. Er bestimmte, wer Ämter bekleiden sollte. Der Senat bewilligte ihm außergewöhnliche Ehrungen: einen goldenen Stuhl, eine Statue zwischen denen der alten Könige und sein Bild auf Münzen, obwohl er noch lebte. Außerdem wurde sein Geburtsmonat Quintilis in Iulius (Juli) umbenannt.
Mehrere Vorfälle verstärkten die Angst, dass er König werden wollte. Als der Senat kam, um ihn zu ehren, empfing Caesar die Senatoren im Sitzen. Jemand setzte seiner Statue ein Diadem auf, ein Zeichen königlicher Würde. Beim Luperkalienfest am 15. Februar 44 v. Chr. bot ihm sein Mitkonsul Marcus Antonius öffentlich eine Krone an. Caesar lehnte sie ab, doch viele vermuteten, die Szene sei inszeniert worden, um die Meinung der Bevölkerung zu testen.
Caesar wollte Rom bald zu einem großen Krieg gegen das Partherreich im Osten verlassen. Der Aufbruch war für den 18. März geplant. Er wäre jahrelang fort gewesen, während seine Anhänger die Ämter kontrolliert hätten. Für die Verschwörer war dies die letzte Gelegenheit zum Handeln.
Ihre Beweggründe waren unterschiedlich. Manche, wie Brutus, fühlten sich der Republik und dem Andenken an seinen angeblichen Vorfahren Lucius Junius Brutus verpflichtet, der die Könige vertrieben hatte. Andere ärgerten sich darüber, dass Caesar ihre Laufbahnen bestimmte, hatten an Ansehen verloren oder hegten persönlichen Groll. Viele waren frühere Anhänger des Pompeius, die Caesar begnadigt hatte. Andere, etwa Decimus Brutus und Gaius Trebonius, waren seit Langem Offiziere Caesars gewesen.
Mittel
Die Verschwörer und ihr Plan
Laut Sueton beteiligten sich mehr als sechzig Männer an der Verschwörung; etwa zwanzig Namen sind überliefert. Zu den Anführern gehörten Marcus Junius Brutus, der Stadtprätor und ein wegen seiner Rechtschaffenheit geachteter Staatsmann und Philosoph; Gaius Cassius Longinus, ebenfalls Prätor und ein erfahrener Soldat, der oft als treibende Kraft gilt; Decimus Junius Brutus Albinus, einer von Caesars engsten Vertrauten unter den Feldherren und designierter Konsul für 42 v. Chr.; sowie Gaius Trebonius, ein ehemaliger Konsul. Weitere Beteiligte waren die Brüder Casca, Tillius Cimber, Minucius Basilus und Cassius von Parma.
Die Verschwörer besprachen verschiedene Orte für den Anschlag: die Via Sacra, die Wahlen oder eine Senatssitzung. Sie entschieden sich für die Senatssitzung, weil Caesar dort nur von Senatoren umgeben sein würde. Außerdem konnten sie seine Tötung im Senat als öffentliche Handlung des politischen Führungsgremiums darstellen statt als privaten Mord. Caesar hatte seine spanische Leibwache kurz zuvor entlassen.
Sie berieten auch, ob sie Marcus Antonius töten sollten. Brutus bestand darauf, nur der Tyrann solle sterben, damit die Tat wie ein Akt der Gerechtigkeit wirke und nicht wie die Beseitigung politischer Gegner. Am Tag des Anschlags hielt Trebonius (nach manchen Berichten Decimus) Antonius vor dem Saal in ein Gespräch verwickelt. Die Entscheidung, ihn am Leben zu lassen, wurde für die Verschwörer verhängnisvoll: Antonius führte später die Anhänger Caesars an.
Cicero, der berühmteste republikanische Staatsmann und Redner, wurde nicht in den Plan eingeweiht, vielleicht weil die Verschwörer an seinem Mut zweifelten. Danach lobte er die Tat in seinen Briefen und Reden nachdrücklich und bedauerte lediglich, dass Antonius verschont worden war.
Mittel
Die Iden des März: Vorzeichen, letzte Worte und die tödliche Wunde
Antike Autoren schilderten viele Vorzeichen für diesen Tag, wie sie es häufig beim Tod bedeutender Männer taten. Der Wahrsager Spurinna hatte Caesar gewarnt, die Gefahr werde spätestens an den Iden des März eintreten. Sueton und Plutarch zufolge scherzte Caesar an diesem Tag, die Iden seien gekommen. Spurinna erwiderte, sie seien zwar gekommen, aber noch nicht vorüber. Der berühmte Satz „Hüte dich vor den Iden des März“ stammt in dieser Form von Shakespeare.
Caesars letzte Worte sind unbekannt. Sueton berichtet, Caesar habe beim ersten Stoß aufgeschrien. Als er dann überall Dolche sah, sei er verstummt. Er habe sein Gesicht mit der Toga bedeckt und ihre Falten geordnet, um würdevoll zu fallen. Sueton fügt hinzu, einige Autoren berichteten, Caesar habe auf Brutus’ Angriff hin auf Griechisch kai su, teknon gesagt: „Auch du, Kind?“ Plutarch schreibt, Caesar habe seine Toga über den Kopf gezogen und keinen Widerstand mehr geleistet, als er Brutus mit gezogenem Dolch sah. Das lateinische „Et tu, Brute?“ stammt aus dem Theater der Renaissance und wurde durch Shakespeares Julius Caesar (1599) berühmt.
Sueton berichtet, der Arzt Antistius habe den Leichnam untersucht und festgestellt, dass von den 23 Wunden nur eine tödlich gewesen sei: die zweite, in der Brust. Dies wird manchmal als erster überlieferter Obduktionsbericht bezeichnet. Es handelte sich jedoch um eine Untersuchung, nicht um eine Leichenöffnung.
Mittel
Die Folgen: Amnestie, Begräbnis und Testament
Über die Verkündung der Freiheit hinaus hatten die Verschwörer keinen Plan für die Zeit nach der Tat. Sie suchten Zuflucht auf dem Kapitol. Die Stadt war erschüttert. Antonius verfügte als Konsul über Macht, ebenso Marcus Aemilius Lepidus, der Truppen in der Nähe der Stadt befehligte. Am 17. März trat der Senat zusammen und fand mit Ciceros Unterstützung einen Kompromiss: Die Mörder sollten eine Amnestie erhalten, aber alle Entscheidungen Caesars und seine Ämterbesetzungen sollten gültig bleiben. Viele Senatoren verdankten ihm ihre Stellung.
Dann änderte sich die Stimmung. Caesars Testament wurde geöffnet: Er vermachte jedem römischen Bürger 300 Sesterzen und überließ dem Volk seine Gärten jenseits des Tiber. Seinen 18-jährigen Großneffen Gaius Octavius adoptierte er als Sohn und setzte ihn als Haupterben ein. Bei der öffentlichen Trauerfeier auf dem Forum brachten Antonius’ Rede und Caesars blutbeflecktes Gewand die Menge in Wut. Die Menschen errichteten an Ort und Stelle einen Scheiterhaufen und verbrannten den Leichnam mitten auf dem Forum. Danach zogen sie mit Fackeln los, um die Häuser der Verschwörer anzugreifen. Brutus und Cassius verließen Rom bald darauf.
Im Juli 44 v. Chr. erschien während Spielen zu Caesars Ehren sieben Tage lang ein heller Komet. Die Römer sahen darin ein Zeichen, dass Caesars Seele zu den Göttern aufgestiegen sei. Der Komet wurde als sidus Iulium, der julische Stern, bekannt. Octavian, der sich nun Caesar nannte, nutzte dieses Zeichen geschickt.
Mittel
Ergebnisse: neue Bürgerkriege und das Ende der Republik
Das Attentat stellte die Republik nicht wieder her. Zunächst kämpften Octavian, Antonius und der Senat gegeneinander. Im November 43 v. Chr. bildeten Octavian, Antonius und Lepidus dann das Zweite Triumvirat, eine gesetzlich eingesetzte Herrschaft dreier Männer mit diktatorischer Macht. Sie veröffentlichten Proskriptionslisten und erklärten Hunderte Gegner für vogelfrei. Deren Besitz wurde eingezogen, und sie konnten jederzeit getötet werden. Zu den Opfern gehörte Cicero, der am 7. Dezember 43 v. Chr. ermordet wurde.
Ein 43 v. Chr. verabschiedetes Gesetz, die lex Pedia, verurteilte Caesars Mörder. Trebonius wurde noch im selben Jahr in Asia getötet. Decimus Brutus wurde ebenfalls 43 v. Chr. in Gallien gefangen genommen und hingerichtet. Brutus und Cassius stellten in den östlichen Provinzen Heere auf und prägten Münzen zur Feier ihrer Tat. Eine berühmte Silbermünze zeigt eine Freiheitsmütze zwischen zwei Dolchen und die Worte EID MAR, „Iden des März“. Im Oktober 42 v. Chr. besiegten Antonius und Octavian sie in zwei Schlachten bei Philippi in Makedonien. Beide nahmen sich das Leben. Sueton behauptet, kaum einer der Attentäter habe Caesar um mehr als drei Jahre überlebt oder sei eines natürlichen Todes gestorben.
Am 1. Januar 42 v. Chr. erklärte der Senat Caesar zum Gott Divus Iulius. Später wurde ihm an der Stelle auf dem Forum, an der sein Leichnam verbrannt worden war, ein Tempel errichtet. Die Curia des Pompeius wurde zugemauert, und die Iden des März erhielten den Namen „Tag des Vatermords“. An diesem Tag sollte der Senat nie wieder tagen.
Der letzte Machtkampf fand zwischen Octavian und Antonius statt. Nach seinem Sieg bei Actium 31 v. Chr. wurde Octavian zum alleinigen Herrscher der römischen Welt. 27 v. Chr. erhielt er den Namen Augustus. Den Titel König oder Diktator vermied er sorgfältig, doch er besaß dauerhaft die Macht. Das Römische Kaiserreich hatte begonnen, begründet durch den Erben jenes Mannes, den die Verschwörer getötet hatten, um eine Monarchie zu verhindern.
Mittel
Erinnerung: Tyrannenmord oder Mord?
Schon von Anfang an waren die Römer uneinig, was das Attentat bedeutete. Für die Verschwörer und Cicero war es ein Tyrannenmord: die rechtmäßige und ruhmreiche Tötung eines Tyrannen nach dem Vorbild des ersten Brutus. Für Caesars Soldaten, die ärmeren Stadtbewohner und seine Erben war es Vatermord: Männer, die Caesar begnadigt hatte, hatten den „Vater des Vaterlandes“ getötet. Unter Augustus und späteren Kaisern verurteilte die offizielle Darstellung die Mörder. Dennoch konnten Schriftsteller wie Lucan im 1. Jahrhundert n. Chr. weiterhin Bewunderung für die Sache der Republikaner ausdrücken.
Spätere Zeiten erzählten die Geschichte immer wieder neu. In Dantes Inferno werden Brutus und Cassius als Verräter an ihrem Herrn zusammen mit Judas für immer in Satans Mäulern zermalmt. Die Republikaner der Renaissance in Florenz bewunderten Brutus dagegen; Michelangelo schuf eine Büste von ihm. Shakespeares Julius Caesar (1599) machte Brutus zu einem tragischen Idealisten, zum „edelsten Römer von allen“, und verbreitete Sätze wie „Hüte dich vor den Iden des März“ und „Freunde, Römer, Mitbürger“.
In der Neuzeit wurde das Attentat zu einem Bezugspunkt in Debatten über politische Gewalt. Revolutionäre des 18. und 19. Jahrhunderts feierten Brutus als Helden der Freiheit. Andere verwiesen auf die Folgen als Beleg dafür, dass die Tötung eines Anführers ihre Ziele selten erreicht. Historiker weisen darauf hin, dass die „Freiheit“ der Verschwörer vor allem die Freiheit einer kleinen Elite von Senatoren meinte. Zugleich war Caesars Beliebtheit bei Soldaten und gewöhnlichen Bürgern real.
Der Ort des Attentats wurde am Largo di Torre Argentina im Zentrum Roms identifiziert. In diesem archäologischen Areal, das seit den späten 1920er-Jahren ausgegraben wurde, sind hinter den Überresten republikanischer Tempel die Fundamente eines Teils der Curia des Pompeius zu sehen. Heute ist der Ort auch als Zuflucht für streunende Katzen bekannt.
Fortgeschritten
Die Quellen und ihre Probleme
Es ist kein Augenzeugenbericht über die Tötung erhalten. Die ausführlichsten Darstellungen entstanden etwa ein halbes Jahrhundert bis mehr als zwei Jahrhunderte später. Die früheste stammt aus dem Leben des Augustus von Nikolaos von Damaskus, einem griechischen Gelehrten, der Herodes den Großen und Augustus kannte. Das Werk wurde wahrscheinlich im späten 1. Jahrhundert v. Chr. oder frühen 1. Jahrhundert n. Chr. verfasst. Es ist nur in Auszügen erhalten, enthält aber eine ausführliche Schilderung der Verschwörung und des Tattags. Es folgen Plutarchs Lebensbeschreibungen Caesars und Brutus’ (um 100 n. Chr.) sowie Suetons Leben des vergöttlichten Julius (um 120 n. Chr.). Appians Bürgerkriege (2. Jahrhundert n. Chr.) und Cassius Dios Römische Geschichte (frühes 3. Jahrhundert n. Chr.) bieten zusammenhängende Erzählungen.
Diese Autoren stützten sich auf ältere, heute verlorene Werke, darunter zeitgenössische Geschichtsdarstellungen von Asinius Pollio und die betreffenden Bücher des Livius. Außerdem teilten sie literarische Gewohnheiten: Sie erzählten von Vorzeichen, gestalteten dramatische Reden und stellten den edlen Brutus dem von Groll erfüllten Cassius gegenüber. Einzelheiten wie Calpurnias Traum, Artemidoros’ Nachricht und die genauen gesprochenen Worte gehören zu einer Geschichte, die beim wiederholten Erzählen ausgeschmückt wurde. Sie sind daher mit Vorsicht zu behandeln.
Wirklich zeitgenössische schriftliche Zeugnisse liefern nur Ciceros Briefe, besonders jene an seinen Freund Atticus aus den Wochen nach den Iden, und seine Philippischen Reden gegen Antonius aus den Jahren 44 und 43 v. Chr. Sie zeigen die Verwirrung, die Hoffnungen und die Enttäuschung in den Monaten nach dem Mord, vertreten aber eine bestimmte politische Sicht. Münzen wie der für Brutus geprägte EID-MAR-Denar und die archäologischen Überreste der Curia des Pompeius ergänzen die schriftlichen Quellen durch materielle Zeugnisse.
Fortgeschritten
Debatten unter Historikern
Wollte Caesar König werden? Manche Historiker meinen, er habe eine offen monarchische Herrschaft angestrebt, vielleicht nach hellenistischem Vorbild. Andere vermuten, er habe sich mit einer Diktatur begnügt, die ihm die tatsächliche Macht ohne den verhassten Königstitel gab. Die Vorfälle mit der Krone seien Versuche von Anhängern oder Gegnern gewesen, ihn bloßzustellen. Schon die antiken Quellen widersprechen einander. Die Frage könnte zum Teil anachronistisch sein, denn durch die dauerhafte Diktatur herrschte Caesar praktisch bereits wie ein Monarch.
War die Republik schon am Ende? Ronald Syme vertrat in The Roman Revolution (1939) die Auffassung, die Republik sei zu einem Kampf aristokratischer Gruppen geworden und eine Monarchie wahrscheinlich gewesen. Demnach änderte das Attentat nur, wer Herrscher werden würde. Andere Forscher betonen, dass der weitere Verlauf offen war: Hätten die Verschwörer auch Antonius getötet oder wäre Caesar nach Parthien gezogen und dort gestorben, hätten sich die Ereignisse anders entwickeln können.
Wer führte die Verschwörung an? In der verbreiteten Vorstellung steht Brutus im Mittelpunkt. Einige neuere Arbeiten, besonders Barry Strauss’ The Death of Caesar (2015), heben die Rolle des Decimus Brutus und früherer Offiziere Caesars hervor. Sie zeigen, dass die Verschwörung enttäuschte Anhänger Caesars ebenso vereinte wie frühere Anhänger des Pompeius. Über die Beweggründe der weniger bekannten Verschwörer ist meist nichts bekannt.
Rechnete Caesar mit dem Anschlag? Sueton überliefert die Ansicht, Caesar habe wegen seiner schlechten Gesundheit nicht länger leben wollen und Warnungen deshalb missachtet. Andere sahen in der Entlassung seiner Leibwache ein Zeichen seines Vertrauens, dass der Senat ihn brauche, um einen neuen Bürgerkrieg zu verhindern. Solche Deutungen bleiben Spekulation. Sie prägen jedoch, ob die Tat als mutige Verteidigung der Freiheit, als kurzsichtige Reaktion der Aristokratie oder als Tragödie verstanden wird, in der alle Seiten die Lage falsch einschätzten.
Kernideen
- Republik
- Roms politisches System mit jährlich gewählten Amtsträgern und einem Senat, das die Verschwörer gegen die Alleinherrschaft verteidigen wollten.
- Tyrannenmord
- Die Tötung eines Tyrannen, die im griechischen und römischen Denken als gerechtfertigt gelten konnte; die Verschwörer sahen sich selbst als Tyrannenmörder.
- Clementia
- Caesars Politik, besiegte Feinde zu begnadigen. Sie verschaffte ihm Unterstützung, ließ aber auch frühere Gegner im Senat, von denen einige ihn töteten.
- Dictator perpetuo
- Caesars beispielloser Titel „Diktator auf Lebenszeit“, durch den aus einem Amt für Notlagen eine dauerhafte Machtstellung wurde.
- Unbeabsichtigte Folgen
- Der Mord sollte die Republik wiederherstellen, löste aber Bürgerkriege aus, die in der dauerhaften Alleinherrschaft des Augustus endeten.
- Erinnerung und Mythos
- Von Dante über Shakespeare bis zu modernen Revolutionären wurde das Ereignis immer wieder erzählt und mit wechselnden Vorstellungen von Treue, Freiheit und Gewalt verbunden.
Einträge
- 49 v. Chr. — Caesar überschreitet den Rubikon und beginnt damit den Bürgerkrieg gegen Pompeius und den Senat (49 v. Chr.).
- 48 v. Chr. — Pompeius wird bei Pharsalos besiegt und in Ägypten ermordet (48 v. Chr.).
- 46 v. Chr. — Caesar wird für zehn Jahre zum Diktator ernannt (46 v. Chr.).
- 44 v. Chr. — Caesar wird zum Diktator auf Lebenszeit ernannt (Anfang 44 v. Chr.); Antonius bietet ihm bei den Luperkalien am 15. Februar eine Krone an.
- 44 v. Chr. — 15. März 44 v. Chr.: Caesar wird in der Curia des Pompeius ermordet; am 17. März gewährt der Senat den Tätern eine Amnestie.
- 44 v. Chr. — Juli 44 v. Chr.: Ein Komet erscheint während der Spiele zu Caesars Ehren und wird als Zeichen gedeutet, dass seine Seele zu den Göttern aufsteigt.
- 43 v. Chr. — Das Zweite Triumvirat wird gebildet und die Proskriptionen beginnen; Cicero wird getötet (43 v. Chr.).
- 42 v. Chr. — Caesar wird zum Gott Divus Iulius erklärt (1. Januar); Brutus und Cassius werden bei Philippi besiegt und sterben (Oktober 42 v. Chr.).
- 31 v. Chr. — Octavian besiegt Antonius und Kleopatra bei Actium (31 v. Chr.).
- 27 v. Chr. — Octavian erhält den Namen Augustus; das Prinzipat beginnt (27 v. Chr.).
- um 121 n. Chr. — Sueton schreibt sein Leben des vergöttlichten Julius, eine wichtige Darstellung des Attentats.
- 1599 — Shakespeares Julius Caesar wird erstmals in London aufgeführt.
Glossar
- Iden
- Im römischen Kalender die Mitte des Monats: der 15. März, Mai, Juli und Oktober sowie der 13. der übrigen Monate.
- Senat
- Roms Rat ehemaliger Amtsträger, der die Regierenden beriet und großen Einfluss besaß.
- Diktator
- Ursprünglich ein Amtsträger, der in einer Notlage für höchstens sechs Monate die höchste Macht erhielt.
- Curia
- Ein Gebäude, in dem der Senat tagte.
- Konsul
- Einer der beiden höchsten Amtsträger der Römischen Republik, die jährlich gewählt wurden.
- Prätor
- Ein hoher Amtsträger unterhalb der Konsuln, der vor allem für die Rechtsprechung zuständig war; Brutus und Cassius waren 44 v. Chr. Prätoren.
- Proskription
- Die öffentliche Bekanntgabe der Namen von Menschen, die für vogelfrei erklärt wurden. Ihr Besitz wurde eingezogen, und sie konnten getötet werden.
- Triumvirat
- Eine Gruppe von drei Männern, die sich die Macht teilen; das Zweite Triumvirat von Octavian, Antonius und Lepidus wurde 43 v. Chr. durch ein Gesetz eingerichtet.
- Vergöttlichung
- Die offizielle Erklärung, dass ein Mensch zu einem Gott geworden sei; Caesar war der erste römische Herrscher, den der Staat vergöttlichte.
- Liberatores
- „Befreier“, die Bezeichnung, die die Verschwörer für sich selbst verwendeten.
Fragen und Antworten
Warum heißt es „Iden des März“?
Die Römer nannten die Mitte bestimmter Monate die Iden. Im März fielen sie auf den 15., den Tag, an dem Caesar getötet wurde.
Sagte Caesar wirklich „Et tu, Brute?“
Keine antike Quelle überliefert diese Worte. Sueton berichtet, manche hätten gesagt, Caesar habe griechische Worte mit der Bedeutung „Auch du, Kind?“ gesprochen; andere sagten, er habe nichts gesagt. Der lateinische Satz wurde durch Shakespeare berühmt.
War Brutus Caesars Sohn?
Mit ziemlicher Sicherheit nicht. Caesar hatte eine lange Liebesbeziehung mit Brutus’ Mutter Servilia, woraus später Gerüchte entstanden. Bei Brutus’ Geburt war Caesar jedoch erst etwa fünfzehn Jahre alt.
Wie viele Menschen töteten Caesar?
Laut Sueton waren mehr als sechzig Senatoren an der Verschwörung beteiligt, und viele stachen auf Caesar ein. Er erlitt 23 Wunden.
Rettete das Attentat die Römische Republik?
Nein. Es führte zu weiteren Bürgerkriegen, zur Niederlage der Verschwörer und zur Herrschaft des Augustus, des ersten römischen Kaisers.
Wo genau wurde Caesar getötet?
In der Curia des Pompeius, die zu dessen Theaterkomplex gehörte, und nicht im Senatsgebäude am Forum. Ihre Überreste liegen am Largo di Torre Argentina in Rom.
Wie zuverlässig sind die Geschichten über Vorzeichen und Warnungen?
Sie stammen von Autoren des 1. bis 3. Jahrhunderts n. Chr., die dramatische Zeichen des Schicksals gern in ihre Erzählungen aufnahmen. Manche Geschichten könnten auf echte Gerüchte zurückgehen, doch Historiker betrachten sie eher als literarische Überlieferung denn als gesicherte Tatsachen.
War Cicero beteiligt?
Nein. Er war nicht in den Plan eingeweiht. Danach begrüßte er die Tat jedoch begeistert und führte später im Senat den Widerstand gegen Antonius an. Das kostete ihn das Leben.
Quellen und weiterführende Literatur
- Assassination of Julius Caesar. Wikipedia
- Julius Caesar. Wikipedia
- 율리우스 카이사르. 위키백과
- Liberatores. Wikipedia
- Marcus Junius Brutus. Wikipedia
- Curia of Pompey. Wikipedia
- Suetonius, The Lives of the Caesars: Julius (trans. Alexander Thomson). Perseus Digital Library, Tufts University
- Plutarch, Life of Caesar (Loeb translation by Bernadotte Perrin). LacusCurtius (Bill Thayer), University of Chicago
- Ronald Syme, The Roman Revolution. Oxford University Press, 1939
- Barry Strauss, The Death of Caesar: The Story of History’s Most Famous Assassination. Simon & Schuster, 2015
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Mit KI-Unterstützung auf Grundlage der oben aufgeführten veröffentlichten Quellen verfasst und bei neuen Forschungsergebnissen überarbeitet.
