Philosophie

Selbstbetrachtungen

Τὰ εἰς ἑαυτόν (Ta eis heauton, „An sich selbst“)

um 170–180 n. Chr. · Carnuntum, an der Donaugrenze (römische Provinz Pannonien)

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Von Claude verfasst und von Codex (gpt-6.1-sol) unabhängig anhand öffentlicher Quellen geprüft: Fakten, Daten, Zitate sowie die englische und koreanische Fassung. Nicht von menschlichen Fachleuten begutachtet. Letzte KI-Prüfung: 2026-10-03. Gefundene und behobene Probleme: 10.

In einem Satz

Die Selbstbetrachtungen sind ein privates Notizbuch, in dem sich der römische Kaiser Marc Aurel während der Kriege und einer tödlichen Seuche in den 170er-Jahren n. Chr. auf Griechisch selbst daran erinnerte, wie ein guter Mensch denken und handeln soll.

Selbstbetrachtungen
Bild: Marcus Aurelius · Public domain · Wikimedia Commons

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Für junge Leser

Stell dir einen sehr mächtigen Mann vor, der über ein riesiges Reich herrschte – von Britannien bis Ägypten. Mitten in Kriegen und an Tagen, an denen er viel für die Regierung zu tun hatte, schrieb er sich selbst kurze Nachrichten in ein Notizbuch: Erinnerungen daran, geduldig zu sein, seine Arbeit gut zu machen und sich nicht über Menschen zu ärgern, die ihn nervten. Dieser Mann war der römische Kaiser Marc Aurel, und sein Notizbuch ist das Buch, das wir die Selbstbetrachtungen nennen.

Marc Aurel hat es nicht für uns geschrieben. Er schrieb es für sich selbst, ein bisschen wie ein geheimes Tagebuch voller Ratschläge. Er schrieb auf Griechisch, denn in dieser Sprache lernten gebildete Römer meistens Philosophie. Heute sind die Notizen in zwölf Teile eingeteilt, die man „Bücher“ nennt, aber niemand weiß, wer diese Einteilung gemacht hat.

Als er schrieb, waren die Zeiten schwer. Heere von jenseits der Donau griffen das Reich an, und eine schreckliche Krankheit breitete sich in Städten und Heerlagern aus. Marc Aurel lebte jahrelang in Soldatenlagern, weit weg von Rom. Bei manchen seiner Notizen steht sogar, wo er sie geschrieben hat, zum Beispiel „in Carnuntum“, einer römischen Festungsstadt an der Donau.

Marc Aurel folgte einer Denkweise, die man Stoizismus nennt. Die Stoiker sagten: Manche Dinge hängen von dir ab, zum Beispiel deine Entscheidungen und wie du andere behandelst. Viele Dinge hängen nicht von dir ab, etwa das Wetter oder was andere tun. Verschwende deine Kraft also nicht damit, dich über Dinge aufzuregen, die du nicht ändern kannst. Nutze deine Kraft lieber dafür, ehrlich, gerecht, mutig und freundlich zu sein.

Noch mehrere hundert Jahre nach Marc Aurels Tod wird das Notizbuch in kaum einem erhaltenen Text erwähnt. Man kennt nur wenige handgeschriebene Abschriften, und eine der beiden wichtigsten ist heute verloren. Heute wird es auf der ganzen Welt gelesen: Ein einziger Verlag hat in nur einem Jahr mehr als 100.000 Exemplare davon verkauft.

Auf einen Blick

Was
Eine private Sammlung philosophischer Notizen und Selbstermahnungen, nicht zur Veröffentlichung geschrieben
Verfasser
Marc Aurel, römischer Kaiser 161–180 n. Chr.
Wann
In den 170er-Jahren n. Chr. (genaue Datierung umstritten; oft um 170–180 angesetzt, manche Forscher sagen um 171–175)
Wo
Zumindest teilweise in Heerlagern an der Donaugrenze; Vermerke im Text nennen „bei den Quaden am Granua“ und „in Carnuntum“
Sprache
Griechisch (Koine), mit vielen Zitaten älterer griechischer Autoren
Form
Zwölf Bücher mit kurzen Einträgen, von einzeiligen Leitsätzen bis zu seitenlangen Überlegungen
Philosophie
Stoizismus der römischen Kaiserzeit, stark von Epiktet geprägt
Überlieferung
Zwei Hauptzeugen: der Codex Vaticanus Graecus 1950 (14. Jahrhundert) und eine verlorene Palatina-Handschrift, nach der die Erstausgabe gedruckt wurde (Zürich, 1558/59)

Einfach

Was sind die Selbstbetrachtungen?

Die Selbstbetrachtungen sind Notizen, die Marc Aurel, Kaiser von Rom von 161 bis 180 n. Chr., für sich selbst schrieb. Sie sind keine Abhandlung mit planvoller Argumentation, keine Rede und keine Gesetzessammlung. Sie gleichen eher einem Arbeitsheft: Marc Aurel wiederholt dieselben Gedanken immer wieder mit neuen Worten, streitet mit sich selbst und schreibt Verse von Dichtern und Sätze von Philosophen ab, die ihm geholfen haben. Fast jeder Eintrag richtet sich an ein „Du“ – und dieses „Du“ ist Marc Aurel selbst.

Er schrieb Griechisch, nicht Latein. Für einen gebildeten Römer des 2. Jahrhunderts war das naheliegend: Zwar hatten Cicero und Seneca Philosophie auf Latein geschrieben, doch Griechisch blieb die Hauptsprache des philosophischen Unterrichts, und Marc Aurel hatte seit seiner Kindheit bei griechischsprachigen Lehrern gelernt. Der Text ist in zwölf „Büchern“ überliefert, doch wissen wir nicht, ob Marc Aurel selbst diese Einteilung vornahm; die erste bekannte Quelle, die zwölf Bücher erwähnt, ist das byzantinische Lexikon Suda aus dem späten 10. Jahrhundert.

Nichts spricht dafür, dass Marc Aurel diese Notizen für andere Leser bestimmt hatte. Die meisten Forscher meinen, dass er sie schrieb, um seinen eigenen Geist zu schulen – deshalb wirkt das Buch so ungewöhnlich persönlich. Selbst der Titel ist unsicher. „Meditations“ ist ein moderner englischer Titel, der deutsche Titel „Selbstbetrachtungen“ ebenfalls eine moderne Prägung, und die griechische Überschrift Ta eis heauton, „an sich selbst“ oder „das an sich selbst Gerichtete“, ist erstmals um 900 n. Chr. belegt und geht vielleicht gar nicht auf Marc Aurel zurück.

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Einfach

Was darin steht: zwölf Bücher voller Ermahnungen

Buch 1 unterscheidet sich von den übrigen. Es ist eine Dankesliste: Marc Aurel geht seine Familie, seine Lehrer und Freunde durch und notiert, welche gute Eigenschaft er von jedem gelernt hat – Bescheidenheit von dem einen, Selbstbeherrschung von dem anderen. Von seinem Lehrer Junius Rusticus, so sagt er, habe er gelernt, dass sein Charakter der Besserung bedürfe, und durch ihn habe er die Lehrgespräche des stoischen Lehrers Epiktet kennengelernt. Das Buch endet mit einem Dank an die Götter.

Die Bücher 2 bis 12 bestehen aus Hunderten von Einträgen. Manche sind kurze Befehle („Lösche die Vorstellung aus!“), andere kleine Essays. Ein berühmter Eintrag eröffnet Buch 2: Bei Tagesanbruch, sagt er sich, rechne damit, heute zudringlichen, undankbaren, überheblichen und unehrlichen Menschen zu begegnen – und denke daran, dass sie deine Verwandten sind und dass wir zur Zusammenarbeit geschaffen sind wie Hände, Füße und Augenlider. Ein anderer, zu Beginn von Buch 5, fängt so an: „Bei Tagesanbruch, wenn du ungern aufstehst, halte diesen Gedanken bereit: Ich stehe auf, um das Werk eines Menschen zu tun.“

Leser bemerken oft, wie häufig dieselben wenigen Gedanken wiederkehren: Der Tod kommt bald für alle; Ruhm ist leer; die Fehler anderer können deinem Charakter nicht schaden; erledige die Aufgabe vor dir gut. Forscher haben darüber gestritten, ob den Büchern eine verborgene Ordnung zugrunde liegt, doch die Wiederholungen ergeben Sinn, wenn der Zweck Übung und nicht Darstellung war. Marc Aurel schreibt in Buch 4, nirgends könne sich ein Mensch in größere Ruhe zurückziehen als in die eigene Seele – und das Notizbuch war einer der Wege, auf denen er diesen Rückzug vollzog.

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Mittel

Im Krieg geschrieben: die Donaugrenze und die Antoninische Pest

Marc Aurel bestieg 161 den Thron gemeinsam mit seinem Adoptivbruder Lucius Verus. Fast sofort führte Rom im Osten Krieg gegen die Parther (161–166). Antike Autoren berichten, dass die von diesem Feldzug heimkehrenden Soldaten eine Seuche mitbrachten, die heute Antoninische Pest genannt wird und sich ab etwa 165 im ganzen Reich ausbreitete. Der Arzt Galen beschrieb Fieber, Durchfall und einen Hautausschlag; lange galten die Pocken als wahrscheinlichste Diagnose, doch neuere genetische Untersuchungen haben die Forschung vorsichtiger gemacht, und auch die Masern kommen in Frage. Die Schätzungen der Todeszahlen gehen weit auseinander. Marc Aurel selbst starb 180, möglicherweise an derselben Krankheit.

Zur gleichen Zeit wuchs der Druck an der Donaugrenze. In den Kriegen, die Historiker Markomannenkriege nennen (166–180), drangen germanische Völker wie die Markomannen und Quaden sowie die sarmatischen Jazygen in römisches Gebiet ein; um 170 belagerten Plünderer sogar Aquileia in Norditalien. Marc Aurel verbrachte den größten Teil der 170er-Jahre beim Heer. Ab den frühen 170er-Jahren hatte er sein Hauptquartier in Carnuntum, einem Legionslager mit Stadt an der Donau östlich des heutigen Wien, und später führte er jenseits des Flusses Krieg gegen die Quaden.

Zwei kurze Vermerke in den Handschriften verbinden den Text mit diesen Feldzügen. Nach Buch 1 steht „Bei den Quaden am Granua“ (wahrscheinlich der Fluss Hron, ein Nebenfluss der Donau), nach Buch 2 „In Carnuntum“. Die Herausgeber sind uneins, ob jeder Vermerk das vorangehende Buch abschließt oder das folgende einleitet, doch so oder so zeigen sie, dass zumindest ein Teil des Werks in oder bei Heerlagern entstand. Das Notizbuch beschreibt nie Schlachten, und doch liegt der Schatten von Krieg und Krankheit überall darauf – in der beharrlichen Mahnung, dass das Leben kurz ist und man seinen Posten bis zum Ende halten muss.

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Mittel

Stoische Gedanken in Marc Aurels eigener Stimme

Logos und Natur. Die Stoiker lehrten, dass das Universum von einer göttlichen Vernunft, dem Logos, geordnet wird, die alles durchdringt, und dass das Ziel des Lebens darin besteht, im Einklang mit der Natur zu leben. Marc Aurel kommt ständig darauf zurück, oft aber in einer auffälligen Form: „entweder Vorsehung oder Atome“. Entweder wird die Welt von Vernunft gelenkt, oder sie ist ein zufälliger Wirbel von Teilchen, wie die Epikureer lehrten. Er zieht die erste Antwort deutlich vor, argumentiert aber, dass in beiden Fällen die richtige Antwort dieselbe ist: gerecht handeln und nicht klagen.

Was in unserer Macht steht. Von Epiktet übernahm Marc Aurel die scharfe Trennung zwischen dem, was von uns abhängt – unseren Urteilen, Entscheidungen und Handlungen –, und dem, was nicht von uns abhängt: Körper, Besitz, Ansehen und Ereignisse. Nicht die Dinge beunruhigen uns, sagt er immer wieder, sondern unsere Meinungen über sie; also ändere die Meinung. Pierre Hadot gliederte Marc Aurels Denken anhand dreier Übungen, die auf Epiktet zurückgehen: der Disziplin des Urteils (der Zustimmung), des Begehrens (der Annahme dessen, was geschieht) und des Handelns (des gerechten Handelns für andere).

Vergänglichkeit. Marc Aurel übt sich darin, alles aus großer Höhe und über lange Zeiträume zu betrachten. „Asien und Europa sind Winkel des Kosmos; jedes Meer ist ein Tropfen im Kosmos“, schreibt er in Buch 6. Die Kaiser und Philosophen der Vergangenheit sind alle zu Staub geworden, und so wird es auch den Schmeichlern und Kritikern am heutigen Hof ergehen. Dieser „Blick von oben“ soll das Leben nicht sinnlos machen, sondern die Aufmerksamkeit für das Wesentliche frei machen: die Tugend, die die Stoiker für das einzige wahre Gut hielten.

Pflicht und Weltstadt. Für Marc Aurel ist jedes vernunftbegabte Wesen Mitbürger einer einzigen Weltstadt, der Kosmopolis, und schuldet den anderen Gerechtigkeit und Hilfe. Seine doppelte Zugehörigkeit benennt er unverblümt: „Als Antoninus ist meine Stadt und mein Vaterland Rom, als Mensch der Kosmos.“ Zugleich warnt er sich: „Sieh zu, dass du nicht zum Caesar wirst, dich nicht mit Purpur färbst“ – eine Erinnerung daran, dass seine kaiserliche Rolle eine zu erfüllende Pflicht war und keine Identität, die er annehmen sollte.

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Mittel

Vom verlorenen Notizbuch zum gedruckten Buch

Wie Marc Aurels private Notizen seinen Tod überdauerten, ist unbekannt. Jahrhundertelang schweigen die Quellen fast völlig. Herodian lobte im 3. Jahrhundert Marc Aurels Schriften in allgemeinen Worten; der Redner Themistios sprach um 364 n. Chr. von Marc Aurels „Vorschriften“, womit dieses Buch gemeint sein kann oder auch nicht; die Historia Augusta, eine Sammlung von Kaiserbiographien, die wahrscheinlich im 4. Jahrhundert entstand, berichtet in ihrer Lebensbeschreibung des Avidius Cassius, Marc Aurel habe vor dem Aufbruch zum Markomannenkrieg drei Tage lang die Bücher seiner „Ermahnungen“ erläutert. Keine dieser Stellen bezieht sich eindeutig auf die Selbstbetrachtungen.

Die erste sichere Erwähnung stammt von Arethas, byzantinischem Bischof von Caesarea und großem Handschriftensammler. Vor 907 schrieb er, er besitze eine alte Abschrift des „überaus nützlichen Buches“ des Kaisers, so alt, dass sie zerfalle, und habe sie abschreiben lassen. In seinen Randbemerkungen zu anderen Autoren nennt er das Werk ta eis heauton ēthika, „ethische Schriften an sich selbst“. Wenig später zitiert die Suda etwa dreißig Stellen und nennt das Werk eine „Anleitung seines eigenen Lebens“ in zwölf Büchern. Die Abschrift des Arethas ist verloren, könnte aber der Vorfahr aller erhaltenen Handschriften sein.

Moderne Textausgaben stützen sich vor allem auf zwei Zeugen. Der erste ist ein Codex des 14. Jahrhunderts in der Vatikanischen Bibliothek, der Vaticanus Graecus 1950, in dem die Selbstbetrachtungen neben Werken Xenophons und Epiktets Handbüchlein stehen; sein Schreiber machte viele Fehler und ließ rund vierzig Zeilen aus. Der zweite stammte aus der Palatina, der kurfürstlichen Bibliothek in Heidelberg: Der Dichter Michael Toxites gab ihn an Conrad Gessner in Zürich weiter, wo Wilhelm Xylander den Text mit einer gegenüberstehenden lateinischen Übersetzung herausgab und Andreas Gessner ihn druckte. Das Titelblatt trägt die Jahreszahl 1558, und die Ausgabe wird gewöhnlich auf 1558 oder 1559 datiert. Als Xylander seine Arbeit 1568 überarbeitete, konnte er diese Handschrift nicht mehr einsehen, und seitdem hat sie niemand mehr gesehen.

Der Titel ist daher ein Rätsel. Das griechische Ta eis heauton stammt aus dieser Handschriftenüberlieferung und von Arethas, nicht aus einer antiken Quelle in Marc Aurels Nähe. Meric Casaubons englische Übersetzung von 1634 trug dazu bei, im Englischen den Titel „Meditations“ durchzusetzen; andere Fassungen verwendeten „Thoughts“ („Gedanken“), „Communings with Himself“ („Zwiegespräche mit sich selbst“) oder einfach „To Himself“ („An sich selbst“).

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Mittel

Unterdessen in der Welt: Rom, der Indische Ozean und das China der Han

Marc Aurels Notizbuch fordert ihn auf, sich als Bürger der ganzen Welt zu verstehen, und zu seiner Zeit verbanden Fernhandelsnetze den Mittelmeerraum, den Indischen Ozean und das China der Han. Die offizielle Geschichte der Östlichen Han-Dynastie, das Hou Hanshu, berichtet, dass im neunten Jahr der Ära Yanxi des Kaisers Huan – 166 n. Chr. – Gesandte „Anduns, des Königs von Da Qin“ von jenseits der Grenze von Rinan, einem Verwaltungsbezirk (Kommanderie) an der Küste Zentralvietnams, eintrafen und Elfenbein, Nashornhorn und Schildpatt brachten. Da Qin ist die chinesische Bezeichnung für die römische Welt, und Andun wird meist als „Antoninus“ gedeutet, ein Name, den sowohl Antoninus Pius (gest. 161) als auch Marc Aurel trugen.

Die chinesischen Geschichtsschreiber selbst waren misstrauisch: Die Geschenke, vermerkten sie, seien weder kostbar noch selten gewesen, und sie fragten sich, ob die Berichte übertrieben seien. Viele heutige Historiker halten die Besucher für Kaufleute aus dem römischen Osten, die sich als Gesandte ausgaben, und nicht für eine von Marc Aurel entsandte Gesandtschaft. Was die Quelle aber zeigt, ist, dass Nachrichten über „römische“ Besucher den Han-Hof über Rinan erreichten, also aus dem maritimen Süden. Der Handel auf der römischen Seite des Ozeans ist gesondert belegt. Kaufleute aus dem römischen Ägypten segelten mit den Monsunwinden nach Indien, und ein Papyrus aus der Mitte des 2. Jahrhunderts, der heute in Wien liegt, der „Muziris-Papyrus“, betrifft eine Ladung, die vom indischen Hafen Muziris auf dem Schiff Hermapollon verschifft wurde: 167 Elefantenstoßzähne, eine riesige Menge einer Ware, die gewöhnlich als Pfeffer gedeutet wird (etwa 139 Tonnen), und weitere Güter; die Frachtabrechnung auf der Rückseite des Papyrus (die Vorderseite enthält einen Darlehensvertrag), wahrscheinlich eine private Aufzeichnung von Zollberechnungen, beziffert den Wert der nach dem Zollabzug verbleibenden Waren auf fast sieben Millionen Drachmen. Solche Waren wanderten über Ketten von Häfen und Zwischenhändlern, nicht auf einzelnen Reisen zwischen Rom und China.

Das Jahr 166 war auch innerhalb Chinas ein Wendepunkt. Am Han-Hof überredeten Eunuchenfraktionen Kaiser Huan, eine Gruppe konfuzianischer Beamter und Studenten zu verbannen, die sie kritisiert hatten – der Beginn der „Parteiverbote“; 168–169 folgte eine noch härtere Säuberung. Chinesische Quellen verzeichnen wiederholte Seuchen in den 160er- bis 180er-Jahren, und 184 führte der Glaubensheiler Zhang Jue den Aufstand der Gelben Turbane in ganz Nordchina an. Der Aufstand wurde noch im selben Jahr niedergeschlagen, doch die gegen ihn aufgestellten Heere, eine erneute Hofkrise nach dem Tod Kaiser Lings im Jahr 189 und die anschließenden Kämpfe der Kriegsherren zerbrachen gemeinsam die Dynastie und führten zur Zeit der Drei Reiche.

Traf dieselbe Krankheit beide Reiche? Der Historiker William McNeill vertrat 1976 die These, Seuchen hätten sowohl das China der Han als auch Rom geschwächt, und manche Forscher weisen darauf hin, dass sich die chinesischen Epidemien in denselben Jahrzehnten häufen wie die Antoninische Pest. Doch wir wissen nicht, um welche Krankheit es sich in China handelte, und der Zusammenhang bleibt eine Hypothese. Mit Sicherheit lässt sich nur sagen, dass zwei große Reiche an den beiden Enden Eurasiens zur selben Zeit mit Seuchen, Druck an den Grenzen und politischen Spannungen zu kämpfen hatten – während einer ihrer Herrscher in sein Notizbuch schrieb, Asien und Europa seien bloße Winkel des Kosmos.

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Mittel

Rezeption: von Gelehrten der Renaissance bis zur modernen Selbsthilfe

In Byzanz lasen Gelehrte das Buch und machten Auszüge daraus, und Zitate finden sich in griechischen Anthologien des 14. bis 16. Jahrhunderts. Sein Weg im Westen begann mit Xylanders griechisch-lateinischer Ausgabe, die es den europäischen Humanisten zugänglich machte. Übersetzungen in die Volkssprachen folgten; im Englischen folgten auf Meric Casaubons Fassung von 1634 viele weitere, darunter George Longs einflussreiche Übersetzung von 1862.

Für Europäer des 19. Jahrhunderts wurde Marc Aurel zum Prüfstein für die Frage, ob ein Nichtchrist ein moralisches Vorbild sein könne. In „Über die Freiheit“ (On Liberty, 1859) beschrieb John Stuart Mill Marc Aurel als den vielleicht besten und weisesten Herrscher seiner Zeit, dessen Schriften der christlichen Ethik nahestanden – und der dennoch aus Pflichtgefühl das Christentum verfolgte. Mill nannte dies eine der tragischsten Tatsachen der Geschichte und begründete damit, dass selbst die weiseste Obrigkeit Meinungen nicht unterdrücken sollte. Matthew Arnold antwortete 1863 mit einem eigenen Essay über Marc Aurel, und die Debatte prägte das viktorianische Bild des Philosophenkaisers.

Im 20. Jahrhundert erreichte das Buch die Psychologie. Die Begründer der kognitiven Therapie schrieben 1979, ihr Ansatz lasse sich auf die stoischen Philosophen zurückführen, und nannten Marc Aurel unter ihnen; der stoische Gedanke, dass unsere Urteile unsere Gefühle formen, wurde zentral für die kognitive Verhaltenstherapie.

Im 21. Jahrhundert wurden die Selbstbetrachtungen zum Bestseller. Penguin berichtete, dass sich der Absatz seiner Ausgabe in den 2010er-Jahren vervielfachte und 2019 die Marke von 100.000 Exemplaren überschritt. Autoren wie Ryan Holiday bauten online ein großes Publikum für einen „modernen Stoizismus“ auf, und Politiker von Bill Clinton bis zum früheren chinesischen Ministerpräsidenten Wen Jiabao haben das Buch gelobt. Kritiker – darunter Philosophen, die die Wiederbelebung begrüßen – warnen, dass aus dem Zusammenhang gerissene Parolen Marc Aurel zu einem Guru der Produktivität oder der Gefühlsunterdrückung machen können; das ist weit entfernt von einem Text, der seinen Verfasser immer wieder auffordert, anderen zu dienen.

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Fortgeschritten

Unterschiedliche Perspektiven

Philosophie oder geistige Übung? Leser haben die Selbstbetrachtungen lange entweder als Zusammenfassung der stoischen Lehre oder als Fenster zu Marc Aurels Persönlichkeit und Stimmungen behandelt. Pierre Hadot vertrat dagegen in La Citadelle intérieure (1992; englisch The Inner Citadel, 1998) die Auffassung, der Text sei eine Reihe „geistiger Übungen“: Marc Aurel folgte Epiktets Rat, die Grundsätze des Stoizismus täglich niederzuschreiben, um sie sich lebendig vor Augen zu führen und nach ihnen zu leben. Aus dieser Sicht sind die Wiederholungen, die rhetorische Wucht und die düsteren Bilder Werkzeuge, keine Bekenntnisse, und Hadot warnte davor, sie als Hinweise auf die Psyche des Kaisers zu lesen. Rezensenten lobten Hadots Deutung, stellten aber Teile davon in Frage: Rachana Kamtekar etwa merkte an, dass das Bedürfnis nach überzeugenden literarischen Mitteln schlecht zur orthodoxen stoischen Psychologie passe und dass seine Darstellung der stoischen Lehre von den „gleichgültigen“ Dingen die Stoiker verworrener erscheinen lasse, als sie waren.

Orthodoxer Stoiker oder Eklektiker? Marc Aurel zitiert Heraklit, Platon und Demokrit und stimmt sogar Epikur in Bezug auf den Schmerz zu. Neunmal stellt er die Alternative „Vorsehung oder Atome“ auf. Manche Forscher, etwa John Rist und Julia Annas, sahen darin ein Zeichen dafür, dass er die stoische Physik nur locker im Griff hatte; andere, darunter Hadot, lesen es als Argument dafür, dass die stoische Lebensweise gilt, welche Physik auch immer wahr ist. Die Stanford Encyclopedia of Philosophy fügt eine methodische Warnung hinzu: Weil Marc Aurel schreibt, um in sich selbst Haltungen hervorzurufen, können widersprüchlich wirkende Aussagen bewusste Übertreibungen sein, und wer sie als Lehrsätze liest, lässt ihn eklektischer und ungenauer erscheinen, als er war.

Die Ideale und die Herrschaft. Das Lob von Gerechtigkeit und Geduld in dem Buch steht neben einer harten Bilanz. Unter Marc Aurel wurden Christen hingerichtet: Der Apologet Justin wurde um 165 in Rom auf Befehl des Stadtpräfekten Junius Rusticus enthauptet – desselben stoischen Lehrers, dem Marc Aurel in Buch 1 dankt –, und 177 wurden Christen aus Lyon und Vienne in Lyon gefoltert und getötet, nachdem der Statthalter den Kaiser um Weisung gebeten hatte; laut dem von Eusebius überlieferten Brief der Überlebenden ordnete der Kaiser an, die Bekennenden hinzurichten und die Leugnenden freizulassen. Historiker sind sich über Marc Aurels persönliche Rolle uneins: Die Verfolgungen waren örtlich begrenzt und gingen von Volksmengen und Statthaltern aus, christliche Autoren jener Zeit machten ihn nicht direkt verantwortlich, und Tertullian stellte ihn sogar als Beschützer dar, gestützt auf einen Brief, der heute als Fälschung gilt. Die Selbstbetrachtungen selbst erwähnen Christen nur ein einziges Mal (11,3), in einer abschätzigen Bemerkung über ein Sterben „aus bloßem Starrsinn“; viele Herausgeber halten die Worte für die Randnotiz eines späteren Lesers, die in den Text geraten ist.

Die Wahl des Commodus. Die „guten Kaiser“ vor Marc Aurel hatten ihre Erben meist adoptiert; Marc Aurel machte 177 seinen leiblichen Sohn Commodus zum Mitkaiser, und Commodus regierte ab 180 allein, bis er 192 ermordet wurde. Der Senator Cassius Dio, der diese Zeit miterlebte, schrieb, mit Marc Aurels Tod sei die Geschichte „von einem goldenen Königtum zu einem eisernen und rostigen“ herabgesunken. Verteidiger Marc Aurels wie der Historiker Michael Grant argumentieren, dass das Übergehen eines erwachsenen Sohnes zugunsten eines anderen fast sicher zum Bürgerkrieg geführt hätte; schon antike Autoren behandelten die Wahl als das große Unglück seines Lebens – die Historia Augusta bemerkt, wäre Marc Aurel wirklich glücklich gewesen, hätte er keinen Sohn hinterlassen. Selbst die Vorstellung von Marc Aurel als Platons „Philosophenkönig“ ist zum Teil eine Konstruktion: Die Historia Augusta sagt, er habe oft Platons Wort zitiert, dass Staaten gedeihen, wenn Philosophen herrschen, und christliche Apologeten schmeichelten ihm als Philosophen, doch in seinem eigenen Notizbuch ermahnt er sich, nicht auf Platons idealen Staat zu hoffen und zufrieden zu sein, wenn auch nur das Geringste vorankommt.

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Fortgeschritten

Quellen und Methode: einen beschädigten privaten Text lesen

Jede moderne Ausgabe ist eine Rekonstruktion. Da die Palatina-Handschrift verschwunden ist, sind ihre Lesarten nur durch Xylanders Druck erhalten, den die Herausgeber dem vatikanischen Codex gegenüberstellen. Anthologien byzantinischer Leser steuern noch etwas bei: Eine Darmstädter Handschrift (Nr. 2773) bewahrt über hundert Auszüge aus den ersten neun Büchern, eine Pariser Handschrift (gr. 319) einige Dutzend aus den ersten vier. Viele Stellen bleiben verderbt, und die Ausgaben teilen und nummerieren die Einträge mitunter unterschiedlich, sodass derselbe Satz leicht abweichende Stellenangaben tragen kann.

Die Datierung beruht auf dünnen Indizien. Die beiden Ortsvermerke, die Hinweise im Text auf Alter und Tod und das, was wir über Marc Aurels Aufenthaltsorte wissen, deuten auf die 170er-Jahre, doch die Forscher nennen unterschiedliche Zeiträume – von etwa 170–180 bis enger um 171–175 –, und umstritten ist, ob die Einträge in der Reihenfolge geschrieben wurden, in der sie heute stehen.

Das größte methodische Problem ist die Gattung. Wenn die Selbstbetrachtungen eine private Übung sind, dann lassen sich ihre Aussagen nicht einfach als Marc Aurels Autobiographie oder als Zeugnis seiner Politik lesen; die Kluft zwischen dem Notizbuch und der Herrschaft ist vielleicht genau das, was das Notizbuch zu schließen versuchte. Historiker verbinden es deshalb mit anderen Quellen – Cassius Dios Geschichtswerk (in byzantinischen Auszügen erhalten), der unzuverlässigen Historia Augusta, Inschriften, Münzen, der Marc-Aurel-Säule in Rom, Galens medizinischen Schriften und den Briefen seines Lehrers Fronto –, während Philosophen es zusammen mit Epiktet lesen. Jede Disziplin sieht einen anderen Marc Aurel, und das Notizbuch entscheidet ihre Streitfragen nur selten.

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Kernideen

Logos
Die göttliche Vernunft, die nach stoischer Lehre den gesamten Kosmos ordnet. Die menschliche Vernunft hat an ihr teil; vernünftig zu leben heißt daher, im Einklang mit der Natur zu leben.
Was in unserer Macht steht
Die von Epiktet übernommene Unterscheidung zwischen unseren eigenen Urteilen und Entscheidungen, die in unserer Macht stehen, und äußeren Dingen wie Gesundheit, Reichtum und Ansehen, die es nicht tun.
Vorsehung oder Atome
Marc Aurels wiederkehrendes Entweder-oder: Die Welt wird von Vernunft regiert, oder sie ist ein zufälliges Zusammenstoßen von Atomen. Er argumentiert, dass man in beiden Fällen gerecht und gelassen handeln soll.
Vergänglichkeit und der Blick von oben
Sich die ganze Geschichte und die ganze Erde auf einmal vorzustellen, um zu sehen, wie kurz Ruhm, Schmerz und Streit sind, und die Aufmerksamkeit für die Tugend frei zu machen.
Kosmopolis
Die stoische Vorstellung, dass alle vernunftbegabten Wesen Bürger einer einzigen Weltstadt sind und einander Gerechtigkeit schulden.
Pflicht und der eigene Posten
Marc Aurel betrachtet seine Rolle als Kaiser als einen von der Natur zugewiesenen Posten, den man gut und ohne Eitelkeit ausfüllen muss – „nicht mit Purpur gefärbt“.
Schreiben als Übung
Pierre Hadots Auffassung, das Notizbuch sei ein Werkzeug gewesen, um den Geist durch das erneute Niederschreiben von Grundsätzen zu schulen, und kein Buch für Leser.

Einträge

  1. 121 n. Chr. — Marc Aurel wird in Rom geboren (26. April).
  2. 161 n. Chr. — Marc Aurel wird gemeinsam mit Lucius Verus Kaiser; der Krieg gegen die Parther beginnt.
  3. um 165 n. Chr. — Die Antoninische Pest beginnt sich im Römischen Reich auszubreiten.
  4. um 165 n. Chr. — Der christliche Lehrer Justin wird in Rom unter dem Stadtpräfekten Junius Rusticus hingerichtet, Marc Aurels stoischem Lehrer.
  5. 166 n. Chr. — Das Hou Hanshu verzeichnet Gesandte „Anduns, des Königs von Da Qin“, die auf dem Seeweg im China der Han eintreffen; am Han-Hof beginnt das erste Parteiverbot.
  6. um 170 n. Chr. — Völker aus dem Norden fallen in Italien ein und belagern Aquileia; in den frühen 170er-Jahren leitet Marc Aurel den Krieg von Carnuntum aus. Zumindest ein Teil der Selbstbetrachtungen entsteht während dieser Feldzüge, wobei unbekannt ist, wann er damit begann.
  7. 177 n. Chr. — Commodus wird Mitkaiser; Christen aus Lyon und Vienne erleiden in Lyon das Martyrium.
  8. 180 n. Chr. — Marc Aurel stirbt auf einem Feldzug (17. März); Commodus regiert allein und schließt an der Donau Frieden.
  9. 184 n. Chr. — Im China der Han bricht der Aufstand der Gelben Turbane aus.
  10. um 907 n. Chr. — Vor diesem Datum lässt Arethas von Caesarea eine alte Abschrift des Buches neu kopieren – die erste sichere Erwähnung des Werks.
  11. 1558 — Wilhelm Xylanders Erstausgabe mit lateinischer Übersetzung erscheint in Zürich (datiert 1558; oft mit 1558/59 angegeben).
  12. 1634 — Meric Casaubon veröffentlicht die erste englische Übersetzung.
  13. 1859 — John Stuart Mills „Über die Freiheit“ nutzt die Christenverfolgung unter Marc Aurel als Warnung vor der Macht der Obrigkeit.
  14. 1992 — Pierre Hadots La Citadelle intérieure liest die Selbstbetrachtungen als geistige Übungen.

Glossar

Stoizismus
Eine griechische Philosophenschule, um 300 v. Chr. von Zenon von Kition gegründet; sie lehrte, dass die Tugend das einzige Gut ist und man im Einklang mit der Natur leben soll.
Epiktet
Stoischer Lehrer (um 50 – um 135 n. Chr.), als Sklave geboren; seine von seinem Schüler Arrian aufgezeichneten Lehrgespräche waren Marc Aurels wichtigstes philosophisches Vorbild.
Koine-Griechisch
Das gemeinsame Griechisch, das in römischer Zeit im östlichen Mittelmeerraum verbreitet war und auch von gebildeten Römern für die Philosophie verwendet wurde.
Markomannenkriege
Kriege von 166–180 n. Chr. zwischen Rom und Völkern nördlich der Donau, darunter Markomannen, Quaden und Jazygen.
Antoninische Pest
Eine Seuche, die sich ab etwa 165 n. Chr. im Römischen Reich ausbreitete; um welche Krankheit es sich genau handelte, ist ungewiss.
Carnuntum
Ein römisches Legionslager mit Stadt an der Donau in der Provinz Pannonien, östlich des heutigen Wien; Marc Aurel nutzte es als Hauptquartier.
Codex
Ein handgeschriebenes Buch mit Seiten, die übliche Form mittelalterlicher Handschriften.
Editio princeps
Die erste gedruckte Ausgabe eines antiken Textes; bei den Selbstbetrachtungen Xylanders Zürcher Ausgabe von 1558/59.
Da Qin
Die Bezeichnung für die römische Welt in chinesischen Quellen der Han-Zeit; die Han kannten sie größtenteils nur vom Hörensagen.
Geistige Übungen
Pierre Hadots Begriff für antike Praktiken des Denkens, Schreibens und Vorstellens, die die Lebensweise eines Menschen verwandeln sollten.

Fragen und Antworten

Wollte Marc Aurel, dass man sein Notizbuch liest?

Wahrscheinlich nicht. Nichts im Text richtet sich an einen anderen Leser als ihn selbst, und die meisten Forscher sehen darin ein privates Selbsttraining. Wie es erhalten blieb und öffentlich wurde, ist unbekannt.

Warum schrieb ein römischer Kaiser auf Griechisch?

Griechisch war die Hauptsprache der philosophischen Bildung in der römischen Welt, auch wenn Römer wie Cicero und Seneca ebenfalls auf Latein über Philosophie schrieben. Marc Aurel lernte Griechisch von Kindheit an und hatte griechischsprachige Lehrer; daher war es für ihn natürlich, auf Griechisch über Philosophie nachzudenken.

Ist „Selbstbetrachtungen“ der echte Titel?

Von Marc Aurel selbst ist kein Titel überliefert. Die griechische Überschrift Ta eis heauton („An sich selbst“) ist erstmals um 900 n. Chr. belegt; „Selbstbetrachtungen“ ist wie das englische „Meditations“ ein moderner Titel.

Wo wurde es geschrieben?

Zumindest ein Teil entstand während der Feldzüge an der Donaugrenze. Vermerke im Text lauten „bei den Quaden am Granua“ und „in Carnuntum“, einer römischen Festungsstadt östlich des heutigen Wien.

Hat Marc Aurel die Christen verfolgt?

In seiner Regierungszeit wurden Christen hingerichtet, besonders Justin in Rom (um 165) und die Märtyrer von Lyon (177), wo die Weisung des Kaisers Berichten zufolge den Tod der Bekennenden anordnete. Wie weit er die Verfolgung persönlich lenkte, ist umstritten.

Schickte Rom in seiner Regierungszeit eine Gesandtschaft nach China?

Chinesische Quellen beschreiben für 166 Gesandte „Anduns, des Königs von Da Qin“. Viele Historiker halten sie für Kaufleute, die vorgaben, Rom zu vertreten, und nicht für offizielle Gesandte Marc Aurels.

Wie zuverlässig ist der Text, den wir heute lesen?

Insgesamt recht zuverlässig, doch er beruht auf sehr wenigen Handschriften, von denen eine verloren ist; daher sind viele Einzelstellen unsicher, und die Herausgeber sind sich über Lesarten weiterhin uneins.

Sind die Selbstbetrachtungen gute Philosophie oder bloß Selbsthilfe?

Beide Lesarten gibt es. Manche schätzen sie als Zeugnis stoischer Ethik, andere im Anschluss an Hadot als praktische Übung; Kritiker warnen, dass moderne Selbsthilfe oft die Forderung des Textes ausblendet, anderen zu dienen.

Quellen und weiterführende Literatur

  1. Rachana Kamtekar, Marcus Aurelius. Stanford Encyclopedia of Philosophy
  2. John Sellars, Marcus Aurelius. Internet Encyclopedia of Philosophy
  3. Stoicism. Stanford Encyclopedia of Philosophy
  4. Epictetus. Stanford Encyclopedia of Philosophy
  5. Meditations. Wikipedia
  6. C. R. Haines, Introduction, in The Communings with Himself of Marcus Aurelius Antoninus (Loeb Classical Library). William Heinemann / Wikisource, 1916
  7. George Long (trans.), The Thoughts of the Emperor Marcus Aurelius Antoninus (trans. George Long). Project Gutenberg, 1862
  8. Vat.gr.1950, pt. 2 (Xenophon, Marcus Aurelius, Epictetus and others). Biblioteca Apostolica Vaticana, DigiVatLib
  9. Jona Lendering, Marcus Aurelius. Livius.org
  10. Commodus. Livius.org
  11. Marcus Aurelius in Carnuntum: an Emperor between War and Philosophy. Römerstadt Carnuntum
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  20. Historia Augusta: The Life of Marcus Aurelius. LacusCurtius (Loeb translation)
  21. John Stuart Mill, On Liberty. Project Gutenberg, 1859
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  23. Rachana Kamtekar, Review of Pierre Hadot, The Inner Citadel. Bryn Mawr Classical Review 1998.11.35, 1998
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  34. The 2,300-year-old philosophy of Stoicism finds a foothold in modern times. USC Dornsife College of Letters, Arts and Sciences
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Mit KI-Unterstützung auf Grundlage der oben aufgeführten veröffentlichten Quellen verfasst und bei neuen Forschungsergebnissen überarbeitet.

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