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Für junge Leser
Du Fu lebte vor etwa 1.300 Jahren in China, zur Zeit der Tang-Dynastie. Viele Menschen in China nennen ihn den „Weisen der Dichtkunst“. Damit meinen sie, dass er ein besonders kluger und großer Dichter war. Er war mit einem anderen berühmten Dichter befreundet: Li Bai.
Als Du Fu über vierzig war, begann ein General namens An Lushan einen großen Aufstand. Soldaten zogen durch das Land und eroberten Städte. Millionen Familien mussten von zu Hause fliehen. Auch Du Fu und seine Familie flohen. Einmal starb sein kleiner Sohn, weil es nicht genug zu essen gab.
Du Fu schrieb darüber Gedichte. Er schrieb über Soldaten, die ihre Familien verlassen mussten, über einsame alte Menschen und über seinen eigenen Hunger. Wenn er von seiner Frau und seinen Kindern getrennt war, schrieb er, wie sehr er sie vermisste. Seine Gedichte erzählen viel über diese Zeit. Deshalb nennt man ihn auch den „Dichter-Historiker“.
Er schrieb auch über kleine, schöne Dinge: über sanften Frühlingsregen in der Nacht, Schwalben an seinem Haus, spielende Kinder und den Besuch eines Freundes. Einige Jahre lang wohnte er in einer Strohhütte in der Stadt Chengdu. In einem stürmischen Herbst riss der Wind das Dach ab! Da schrieb Du Fu, er wünsche sich ein riesiges Haus, in dem alle armen Menschen Schutz finden könnten.
Zu Lebzeiten war Du Fu nicht berühmt. Er starb arm auf einem Boot. Später entdeckten viele Menschen seine Gedichte und liebten sie. An der Stelle seiner Hütte in Chengdu stehen heute ein Museum und ein Park. Kinder in China, Korea und Japan lesen seine Gedichte noch immer.
Auf einen Blick
- Lebenszeit
- 712–770; wichtigste Schaffenszeit ca. 735–770
- Geburtsort
- Kreis Gong bei Luoyang (heute Gongyi, Henan)
- Dynastie
- Tang-Dynastie, unter den Kaisern Xuanzong, Suzong und Daizong
- Weitere Namen
- Höflichkeitsname Zimei (子美); auch Du Shaoling (杜少陵) und Du Gongbu (杜工部, nach einem Ehrentitel) genannt
- Ehrentitel
- „Weiser der Dichtkunst“ (詩聖) und „Dichter-Historiker“ (詩史)
- Überlieferte Gedichte
- Fast 1.500
- Berühmte Werke
- „Frühlingsblick“, „Lied von den Kriegswagen“, die „Drei Beamten“ und „Drei Abschiede“, „Meine Strohhütte wird vom Herbstwind zerstört“, „Herbstgedanken“, „Aufstieg zur Höhe“
- Tod
- Winter 770, auf einem Boot auf dem Xiang-Fluss bei Tanzhou (heute Changsha, Hunan)
Einfach
Wer war Du Fu?
Du Fu (in älteren Büchern auch Tu Fu) war ein Dichter der chinesischen Tang-Dynastie (618–907). Er gilt neben Li Bai gewöhnlich als einer der beiden größten chinesischen Dichter. Viele Kritiker seit der Song-Dynastie haben ihm sogar den ersten Platz zuerkannt. Auf Chinesisch heißt er Shisheng, der „Weise der Dichtkunst“.
Der An-Lushan-Aufstand (755–763), ein Bürgerkrieg, der das Tang-Reich auf dem Höhepunkt seiner Macht erschütterte, teilte sein Leben in zwei Hälften. Davor war Du Fu ein Gelehrter, der vergeblich auf eine Beamtenlaufbahn hoffte. Während des Aufstands und danach war er ein Flüchtling, kurzzeitig ein niedriger Hofbeamter und schließlich ein Wanderer im Südwesten Chinas.
Fast 1.500 seiner Gedichte sind überliefert. In ihnen verbinden sich tiefe Sorge um den Staat und die gewöhnlichen Menschen mit außergewöhnlichem dichterischem Können, besonders in der strengen Form des Regelgedichts. Weil sie so viele Ereignisse seiner Zeit festhalten, werden sie auch als „Geschichte in Versen“ bezeichnet.
Einfach
Frühe Jahre: eine Gelehrtenfamilie und enttäuschte Hoffnungen
Du Fu wurde 712 im Kreis Gong nahe der östlichen Hauptstadt Luoyang geboren. Seine Familie war stolz auf ihre Vorfahren, die Gelehrte und Beamte gewesen waren. Sie führte ihre Abstammung auf Du Yu zurück, einen berühmten General und Kommentator der klassischen Schriften im dritten Jahrhundert. Du Fus Großvater Du Shenyan war ein bekannter Dichter am Hof der Kaiserin Wu Zetian. Seine Mutter starb, als er noch klein war, und eine Tante zog ihn teilweise auf.
Wie andere junge Männer seines Standes erwartete Du Fu, dem Kaiser als Beamter zu dienen. Er studierte die klassischen Schriften und begann früh, Gedichte zu schreiben. In seinen Zwanzigern reiste er durch Ost- und Südchina. Um 735–736 legte er in Luoyang die kaiserliche Beamtenprüfung ab und bestand sie nicht. 747 versuchte er es bei einer besonderen Prüfung, die der Kaiser angesetzt hatte. Der mächtige Oberste Minister Li Linfu ließ jedoch alle Bewerber durchfallen und behauptete, es sei kein Talent übersehen worden.
744 begegnete er Li Bai, der damals schon ein berühmter Dichter war und gerade den Hof verlassen hatte. Sie reisten zusammen. Du Fu bewunderte ihn sein Leben lang und schrieb viele Gedichte an ihn und über ihn. Die Begegnung der beiden großen Dichter wurde zu einer der beliebtesten Geschichten der chinesischen Literaturgeschichte.
Einfach
Jahre in Chang’an: warten und beobachten
Etwa zehn Jahre lang lebte Du Fu in und um die Hauptstadt Chang’an und bemühte sich um ein Amt. 751 überreichte er Kaiser Xuanzong drei Rhapsodien, lange und kunstvoll ausgestaltete Prosagedichte über kaiserliche Zeremonien. Der Kaiser war beeindruckt, doch Du Fu erhielt weiterhin keine Stelle. Um 752 heiratete er und bekam mehrere Kinder. Die Familie lebte oft in Armut.
In diesen Jahren wurde sein Blick für Ungerechtigkeit schärfer. Im um 750 entstandenen „Lied von den Kriegswagen“ (兵車行) ziehen Soldaten an die Grenze, während ihre Familien am Straßenrand weinen. Ein alter Mann erklärt, dass die Dörfer leer seien, weil für ferne Kriege immer wieder Männer eingezogen würden. In der „Ballade von den schönen Frauen“ (麗人行) beschreibt Du Fu mit leiser Ironie einen prunkvollen Ausflug der Verwandten von Yang Guifei, der Favoritin des Kaisers.
Ende 755 erhielt er schließlich ein niedriges Amt. Auf dem Weg zu seiner Familie in Fengxian kam er am Lustschloss des Kaisers vorbei. Zu Hause erfuhr er, dass sein jüngster Sohn verhungert war. Das lange Gedicht über diese Reise enthält ein berühmtes Verspaar, das Reichtum und Armut gegenüberstellt: Hinter roten Toren verderben Wein und Fleisch; am Straßenrand liegen die Gebeine erfrorener Toter. Wenige Wochen später begann der Aufstand.
Mittel
Der Aufstand: Gefangenschaft, Flucht und ein Hofamt
Im Dezember 755 erhob sich An Lushan, ein mächtiger General an der Reichsgrenze, gegen den Kaiser. Die Aufständischen eroberten Luoyang, und 756 fiel Chang’an. Kaiser Xuanzong floh in Richtung Sichuan, während sein Sohn im nordwestlichen Lingwu zum Kaiser Suzong ausgerufen wurde. Du Fu brachte seine Familie im nördlichen Fuzhou in Sicherheit und machte sich auf den Weg zum neuen Kaiser. Doch Aufständische nahmen ihn gefangen und brachten ihn in das besetzte Chang’an zurück.
Während seiner Monate in der eroberten Hauptstadt schrieb er einige seiner berühmtesten Gedichte. „Frühlingsblick“ (春望), entstanden im Frühjahr 757, beginnt: 國破山河在,城春草木深 — „Der Staat ist zerstört, doch Berge und Flüsse bestehen fort; / in der Stadt ist Frühling, Gras und Bäume wuchern dicht.“ In „Mondnacht“ stellt er sich vor, wie seine Frau im fernen Fuzhou allein denselben Mond betrachtet.
757 entkam er und erreichte Suzongs Hof. Dort wurde er zum „Mahner zur Linken“ (zuo shiyi) ernannt, einem niedrigen Beamten, der den Kaiser auf Fehler hinweisen sollte. Bald geriet er in Schwierigkeiten, weil er den entlassenen Minister Fang Guan verteidigte. Als er seine Familie besuchen durfte, schrieb er das lange Gedicht „Reise nach Norden“ (北征) über das verwüstete Land. Nach der Rückkehr des Hofes nach Chang’an wurde er 758 auf einen niedrigen Posten in der Provinz Huazhou versetzt.
Mittel
Gedichte als Zeugnis: die „Drei Beamten“ und „Drei Abschiede“
759 schrieb Du Fu auf der Reise zwischen Luoyang und Huazhou zwei Gruppen von je drei Gedichten, die als „Drei Beamten“ (三吏) und „Drei Abschiede“ (三別) bekannt sind. Sie schildern, wie die Regierung nach einer schweren Niederlage bei Xiangzhou verzweifelt Soldaten suchte und Jungen, alte Männer und sogar alte Frauen zum Dienst zwang.
In „Der Beamte von Shihao“ übernachtet der Dichter in einem Dorf und hört, wie ein Beamter Männer holen will. Ein alter Mann klettert über die Mauer und flieht. Seine Frau sagt dem Beamten, dass zwei ihrer drei Söhne gerade im Kampf gefallen seien. Schließlich bietet sie an, selbst mitzugehen und für das Heer zu kochen. Im Morgengrauen verabschiedet sich der Dichter nur von dem alten Mann. In „Abschied der Neuvermählten“ spricht eine Braut zu ihrem Mann, der am Morgen nach der Hochzeit fortgebracht wird.
Diese Gedichte stehen in der Tradition der alten Yuefu-Balladen, die die Regierung durch die Stimmen gewöhnlicher Menschen kritisierten. Auffällig ist, dass Du Fu den Krieg nicht einfach verurteilt: Er glaubte, dass er gewonnen werden müsse. Er zeigt sowohl die Notwendigkeit, den Staat zu verteidigen, als auch den schrecklichen Preis für die Menschen. Dabei lässt er die Betroffenen selbst sprechen.
Mittel
Chengdu und die Strohhütte
759 gab Du Fu sein Amt auf und zog mit seiner Familie nach Westen. Sie reisten zuerst nach Qinzhou und dann auf schwierigen Bergwegen über Tonggu nach Chengdu in Sichuan, wo sie Ende des Jahres ankamen. Mit Hilfe von Freunden und Verwandten errichtete er 760 außerhalb der Stadt am Huanhua-Bach eine Strohhütte.
Die Jahre in Chengdu gehörten zu den friedlichsten seines Lebens. Sein Freund Yan Wu, der die Region verwaltete, unterstützte ihn. 764 nahm er Du Fu in seinen Mitarbeiterstab auf und verschaffte ihm den Ehrentitel eines stellvertretenden Direktors im Ministerium für öffentliche Arbeiten. Deshalb wurde Du Fu später „Du Gongbu“ genannt. Er schrieb Gedichte über seinen Garten, den Fluss, die Nachbarn und die Freuden des einfachen Lebens. Dazu gehört „Willkommener Regen in einer Frühlingsnacht“: Darin kommt der Regen nachts mit dem Wind und nährt alles lautlos.
Die Not verschwand jedoch nicht. In „Meine Strohhütte wird vom Herbstwind zerstört“ (茅屋為秋風所破歌) reißt ein Sturm das Dach ab, Jungen aus dem Dorf laufen mit dem Stroh davon, und seine Familie liegt unter dem undichten Dach wach. Das Gedicht endet mit dem Wunsch nach einem Haus mit zehntausend Zimmern, das allen armen Gelehrten der Welt Schutz bietet – selbst wenn seine eigene Hütte zerstört wird. An der Stelle der Hütte befinden sich heute das Museum und der Park „Du Fus Strohhütte“.
Mittel
Kuizhou und die letzte Reise
Nach Yan Wus Tod im Jahr 765 verließ Du Fu Chengdu und fuhr den Jangtsekiang hinab. Ab 766 verbrachte er fast zwei Jahre in Kuizhou nahe den Drei Schluchten, wo er einen kleinen Bauernhof bewirtschaftete. Trotz seiner Krankheit schrieb er dort etwa 400 Gedichte, viele davon in einem dichten, schwierigen Spätstil.
Zu den Gedichten aus Kuizhou gehören die „Herbstgedanken“ (秋興八首), eine Folge von acht Regelgedichten. Die herbstlichen Schluchten lassen seine Gedanken nach Chang’an und zum verlorenen Glanz des Tang-Hofes zurückkehren. Die Folge gilt oft als Höhepunkt des chinesischen Regelgedichts. „Aufstieg zur Höhe“ (登高) ist ein Gedicht aus acht Verszeilen, die alle parallel gebaut sind. Es zeigt fallende Blätter und den endlosen Jangtsekiang. Am Schluss stellt der Dichter, alt, krank und fern der Heimat, seinen Weinbecher ab.
768 verließ er Kuizhou und zog durch Hubei und Hunan, wobei er überwiegend auf einem Boot lebte. Er starb im Winter 770, vermutlich an einer Krankheit, irgendwo auf dem Xiang-Fluss bei Tanzhou. Er war 58 Jahre alt. Seine Familie konnte es sich nicht leisten, seinen Leichnam in die Heimat zu bringen. Erst Jahrzehnte später wurde er auf dem Familienfriedhof beigesetzt; der Dichter Yuan Zhen verfasste 813 seine Grabinschrift.
Mittel
Familie, Freunde und Alltag
Du Fu war einer der ersten chinesischen Dichter, die häufig und liebevoll über ihre eigene Frau und ihre Kinder schrieben. In „Mondnacht“, das er als Gefangener in Chang’an verfasste, stellt er sich seine Frau allein in Fuzhou vor, das Haar feucht vom Nebel. Er denkt auch an die kleinen Kinder, die noch zu jung sind, um ihre Traurigkeit zu verstehen. Eine solche Aufmerksamkeit für die Gefühle der Ehefrau war in der Dichtung seiner Zeit ungewöhnlich.
Als er 757 endlich zu seiner Familie zurückkehren konnte, schrieb er die drei Gedichte über das „Dorf Qiang“. Seine Frau und seine Kinder starren ihn an, als wäre er ein Geist. Nachbarn drängen sich an der Mauer, um ihn zu sehen. Nachts sitzt das Paar einander im Kerzenlicht gegenüber, als wäre alles ein Traum. In anderen Gedichten beschreibt er seine weinenden, hungrigen Kinder, die Spiele seines Sohnes und seine Sorge um die durch den Krieg verstreuten Brüder, etwa in „Gedanken an meine Brüder in einer Mondnacht“.
Ebenso wichtig sind seine Gedichte über Freundschaften. Neben den berühmten Gedichten über Li Bai schrieb er für Beamte, Mönche, Maler, Musiker und Bauern. In „Ein Gast kommt“, das in Chengdu entstand, entschuldigt er sich für das einfache Essen und den alten Wein, die er anbieten kann, und ruft den betagten Nachbarn zu einem gemeinsamen Becher herbei. Diese Gedichte zeigen menschliche Beziehungen, durch die auch seine großen Gedichte über die Geschichte persönlich und anschaulich wirken.
Mittel
Du Fus Dichtkunst: Form, Vielfalt und moralische Stimme
Du Fu war ein großer Meister des Regelgedichts (lüshi): einer Form mit acht Verszeilen und strengen Regeln für Tonmuster, Reim und parallele Verspaare. Er nutzte diese Form, die oft als elegante Hofdichtung galt, für alle möglichen Themen, vom Krieg und der Politik bis zu seiner eigenen Krankheit. Er schrieb auch lange Gedichte und Balladen in älteren Formen und schuf „neue Yuefu“ über aktuelle Ereignisse, statt alte Liedtitel wiederzuverwenden.
Kritiker heben seit Langem seine Vielseitigkeit hervor. Er konnte großartige Landschaftsbilder von Bergen und Flüssen schreiben, humorvolle Skizzen über Freunde, vertraute Verse über Frau und Kinder und dichte Betrachtungen über die Geschichte. Er kannte die Literatur gründlich und verwob Anspielungen auf klassische Schriften und frühere Dichter mit seinen Versen. Der Song-Dichter Huang Tingjian behauptete bekanntlich, bei Du Fu gebe es kein einziges Wort ohne Quelle.
Hinter seiner Dichtung steht ein konfuzianisches Pflichtgefühl: Treue zum Kaiser, Sorge um eine gute Regierung und Mitgefühl mit dem Volk. Er bezeichnete sich oft selbst als gescheitert und sprach offen über seine Armut und Krankheit. Diese Verbindung von Verantwortung für die Gesellschaft und persönlicher Ehrlichkeit bewunderten spätere Leser besonders. Deshalb sahen sie in ihm neben dem Dichter auch ein moralisches Vorbild.
Mittel
Ansehen und Nachwirkung in Ostasien und darüber hinaus
Zu Lebzeiten wurde Du Fu kaum anerkannt; nur wenige Gedichtsammlungen seiner Zeit nahmen seine Werke auf. Anfang des neunten Jahrhunderts lobten Yuan Zhen in seiner Grabinschrift und Han Yu in seinen Gedichten Du Fu neben Li Bai oder sogar über ihn. Gegen Ende der Tang-Dynastie hielt der Kritiker Meng Qi fest, dass die Menschen Du Fus Dichtung eine „Geschichte in Versen“ nannten.
In der Song-Dynastie (960–1279) wurde er zum bedeutendsten chinesischen Dichter erhoben. Gelehrte sammelten und kommentierten seine Werke ausführlich, und Dichter wie Wang Anshi, Su Shi und Huang Tingjian nahmen ihn sich zum Vorbild. Die Qing-Anthologie „Dreihundert Tang-Gedichte“ (ca. 1763) enthält 39 seiner Gedichte – mehr als von jedem anderen Dichter.
In Korea förderte der Hof der Joseon-Dynastie eine kommentierte Übersetzung sämtlicher Gedichte Du Fus in die koreanische Volkssprache: das „Dusi eonhae“ (杜詩諺解). Es wurde 1481 erstmals gedruckt und ist auch eine wichtige Quelle für die Geschichte der koreanischen Sprache. In Japan zitierte Matsuo Bashō am Ort der Ruinen von Hiraizumi den Anfang des „Frühlingsblicks“ in seinem Reisetagebuch „Oku no Hosomichi“. Im englischsprachigen Raum machten Übersetzer und Forscher wie William Hung, David Hawkes und Stephen Owen ihn vielen Menschen zugänglich. Owens vollständige kommentierte Übersetzung erschien 2016.
Fortgeschritten
Debatten: Dichter-Historiker, Weiser und die Deutung Du Fus
Die Bezeichnung „Dichter-Historiker“ (shishi) hat das Verständnis seiner Gedichte gefördert, aber auch eingeschränkt. Sie veranlasste Generationen von Kommentatoren, jedes Gedicht als verschlüsselten Bericht über datierbare Ereignisse und politische Ansichten zu lesen und die Gedichte streng chronologisch anzuordnen. Traditionelle Kommentare, besonders aus der Song- und Qing-Zeit, entwickelten ausführliche biografische und allegorische Deutungen. Einige davon halten heutige Forscher für überinterpretiert.
Auch das Bild Du Fus als konfuzianischer „Weiser“, der dem Kaiser unerschütterlich treu war, wurde durch die Werte des Neokonfuzianismus der Song-Zeit geprägt. Neuere Kritiker lenken den Blick auf andere Seiten seines Werks: Humor, Spielfreude, Interesse an Buddhismus und Daoismus, Versuche mit schwieriger Wortwahl und Gedichte über scheinbar belanglose Themen. Stephen Owen und andere betonen seine ständige Suche nach neuen Formen und seine Vielseitigkeit statt einer einzigen moralischen Botschaft.
Auch die Politik des 20. Jahrhunderts prägte seine Rezeption. In der Volksrepublik China wurde er meist als „Dichter des Volkes“ gefeiert. Während der Kulturrevolution verherrlichte Guo Moruos Buch „Li Bai und Du Fu“ (1971) dagegen Li Bai und kritisierte Du Fu als Dichter der Grundbesitzerklasse. Dieses Urteil gilt weithin als Ausdruck des damaligen politischen Klimas.
Fortgeschritten
Quellen, Textüberlieferung und Chronologie
Anders als von Li Bai ist von Du Fu keine zeitgenössische, von einem Verwandten herausgegebene Sammlung erhalten. Seine Werke wurden zunächst in Handschriften verbreitet und dann von Gelehrten der Nördlichen Song-Dynastie zusammengetragen. Besonders wichtig war Wang Zhu: Seine 1039 zusammengestellte und 1059 veröffentlichte Ausgabe bildet die Grundlage aller späteren Textfassungen. Hunderte Kommentare folgten; in der Song-Zeit sprach man von „tausend Kommentatoren Du Fus“. Zu den bedeutenden Ausgaben der Qing-Zeit gehören jene von Qiu Zhao’ao und Qian Qianyi.
Biografische Angaben stammen hauptsächlich aus seinen eigenen Gedichten, Yuan Zhens Grabinschrift und den offiziellen Lebensbeschreibungen im Alten und Neuen Buch der Tang. Diese enthalten einige Fehler, etwa die Geschichte, er sei nach langem Fasten gestorben, weil er zu viel gegessen habe. Heutige Forscher weisen diese Erzählung zurück. Weil seine Gedichte ungewöhnlich viele Daten, Orte und Namen nennen, konnten Gelehrte sein Leben sehr viel genauer rekonstruieren als das Li Bais. Über die Datierung vieler einzelner Gedichte wird jedoch weiterhin gestritten.
Owens „The Poetry of Du Fu“ (2016), eine vollständige zweisprachige und frei zugängliche Übersetzung, sowie frühere Studien wie William Hungs „Tu Fu: China’s Greatest Poet“ (1952) und David Hawkes’ „A Little Primer of Tu Fu“ (1967) sind für Leser außerhalb Chinas weiterhin bewährte Einstiege.
Kernideen
- Dichter-Historiker (shishi)
- Die Vorstellung, dass Du Fus Gedichte den An-Lushan-Aufstand und seine Zeit dokumentieren.
- Weiser der Dichtkunst (shisheng)
- Du Fus überlieferter Ehrentitel, der sowohl seine dichterische Meisterschaft als auch sein Ansehen als moralischer, konfuzianischer Dichter ausdrückt.
- Regelgedicht
- Du Fu vervollkommnete das achtzeilige lüshi und nutzte es für Themen aller Art, vom Hofleben bis zu Krieg und Krankheit.
- Mitgefühl mit dem Volk
- Seine Gedichte geben eingezogenen Soldaten, alten Menschen, Flüchtlingen und Armen eine Stimme.
- Neue Yuefu
- Balladen über aktuelle Ereignisse statt über alte Themen; Bai Juyi und Yuan Zhen entwickelten diese Praxis später weiter.
- Persönliche Ehrlichkeit
- Er schrieb offen über sein Scheitern, seine Armut, seine Krankheit und seine Liebe zu seiner Familie.
- Jedes Wort hat eine Quelle
- Huang Tingjians Aussage über Du Fus gelehrte Anspielungen, die die Poetik der Song-Zeit prägte.
Einträge
- 712 n. Chr. — Du Fu wird im Kreis Gong bei Luoyang geboren.
- um 735 n. Chr. — Er besteht die kaiserliche Beamtenprüfung nicht.
- 744 n. Chr. — Er begegnet Li Bai; die beiden reisen zusammen.
- 747 n. Chr. — Bei einer besonderen Prüfung lässt der Oberste Minister Li Linfu alle Bewerber durchfallen.
- 751 n. Chr. — Er überreicht Kaiser Xuanzong drei Rhapsodien.
- 755 n. Chr. — Er erhält ein niedriges Amt; sein kleiner Sohn verhungert; der An-Lushan-Aufstand beginnt.
- 756 n. Chr. — Aufständische nehmen ihn gefangen und halten ihn in Chang’an fest.
- 757 n. Chr. — Er schreibt „Frühlingsblick“, entkommt zu Kaiser Suzong und wird Mahner zur Linken.
- 759 n. Chr. — Er schreibt die „Drei Beamten“ und die „Drei Abschiede“; Ende des Jahres zieht er nach Chengdu.
- 766 n. Chr. — Er lässt sich in Kuizhou nieder und schreibt dort in zwei Jahren etwa 400 Gedichte.
- 770 n. Chr. — Er stirbt auf einem Boot auf dem Xiang-Fluss bei Tanzhou.
- 1481 — In Joseon wird die koreanische Übersetzung „Dusi eonhae“ gedruckt.
Glossar
- An-Lushan-Aufstand
- Der von General An Lushan begonnene Bürgerkrieg von 755 bis 763, der das Tang-Reich verwüstete.
- Lüshi (Regelgedicht)
- Ein Gedicht aus acht Verszeilen mit strengen Regeln für Tonmuster, Reim und parallele mittlere Verspaare.
- Yuefu
- Balladenartige Dichtung, die traditionell mit Volksliedern und Gesellschaftskritik verbunden ist.
- Rhapsodie (fu)
- Eine lange, kunstvoll ausgestaltete Form zwischen Dichtung und Prosa, die häufig Herrschern vorgetragen wurde.
- Mahner zur Linken
- Ein niedrigeres Hofamt, dessen Inhaber den Kaiser auf seine Fehler hinweisen sollte.
- Kaiserliche Beamtenprüfung
- Eine staatliche Prüfung zur Auswahl von Beamten, bei der Kenntnisse der klassischen Schriften und schriftstellerisches Können geprüft wurden.
- Anspielung
- Ein kurzer Verweis auf einen älteren Text, ein Ereignis oder eine Person, der zusätzliche Bedeutung vermittelt.
- Parallelismus
- Die Entsprechung von Wörtern und Satzbau in zwei Verszeilen, ein wichtiges Merkmal des Regelgedichts.
- Dusi eonhae
- Eine Übersetzung von Du Fus Gedichten aus dem 15. Jahrhundert, die im koreanischen Alphabet geschrieben wurde.
Fragen und Antworten
Warum wird Du Fu „Dichter-Historiker“ genannt?
Seine Gedichte beschreiben die Ereignisse des An-Lushan-Aufstands und ihre Folgen für gewöhnliche Menschen so genau, dass Leser sie fast wie eine Geschichte dieser Zeit genutzt haben.
Waren Du Fu und Li Bai wirklich Freunde?
Ja. Sie begegneten sich 744 und reisten eine Zeit lang zusammen. Danach schrieb Du Fu viele Gedichte über Li Bai, obwohl sie sich nur noch einmal trafen.
War Du Fu zu Lebzeiten berühmt?
Nicht besonders. Er hatte Bewunderer, doch erst nach seinem Tod wurde er zum meistgefeierten chinesischen Dichter, vor allem während der Song-Dynastie.
Was geschah mit seiner Strohhütte?
Das ursprüngliche Gebäude ist nicht erhalten. Die Anlage in Chengdu wurde jedoch mehrfach wiederaufgebaut und ist heute das Museum und der Park „Du Fus Strohhütte“.
Starb Du Fu, weil er zu viel gegessen hatte?
Die offiziellen Geschichtswerke der Tang erzählen, er sei nach einer langen Fastenzeit gestorben, weil er zu viel Rindfleisch gegessen und Wein getrunken habe. Heutige Forscher halten das für eine Legende. Wahrscheinlich starb er an einer Krankheit.
Warum streiten Forscher darüber, wie seine Gedichte zu lesen sind?
Traditionelle Kommentatoren deuteten oft jede Zeile als politische Botschaft oder Hinweis auf ein datierbares Ereignis. Neuere Forscher warnen, dass dabei der Humor, die Vielfalt und die formalen Experimente seiner Gedichte übersehen werden können.
Wie wurden Du Fus Gedichte in Korea und Japan bekannt?
Durch die Beschäftigung mit der klassischen chinesischen Literatur. Im Korea der Joseon-Zeit wurde 1481 eine koreanische Übersetzung seiner Gedichte gedruckt. Japanische Schriftsteller wie Bashō zitierten ihn.
Quellen und weiterführende Literatur
- Du Fu. Wikipedia
- 두보. 위키백과
- An Lushan rebellion. Wikipedia
- Du Fu Thatched Cottage. Wikipedia
- Three Hundred Tang Poems. Wikipedia
- Stephen Owen (translator and editor), The Poetry of Du Fu. De Gruyter, 2016
- William Hung, Tu Fu: China’s Greatest Poet. Harvard University Press, 1952
- David Hawkes, A Little Primer of Tu Fu. Clarendon Press, Oxford, 1967
Verwandte Inhalte
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- KonfuziusEin Lehrer aus dem Staat Lu, dessen im „Lunyu“ gesammelte Aussprüche Ethik und Staatsführung in ganz Ostasien prägten.
- Oku no HosomichiMatsuo Bashōs Bericht in Prosa und Versen über eine Reise durch Nordjapan, den er nach der Reise über Jahre hinweg überarbeitete.
- Buch der LiederChinas älteste Gedichtsammlung: Volkslieder, höfische Oden und Tempelhymnen, die später zu den konfuzianischen Klassikern gezählt wurden.
- HunminjeongeumDas koreanische Alphabet, das König Sejong 1446 verkünden ließ, und der Titel des Textes, der es erklärt.
Mit KI-Unterstützung auf Grundlage der oben aufgeführten veröffentlichten Quellen verfasst und bei neuen Forschungsergebnissen überarbeitet.
