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Für junge Leser
Vor etwa 1.700 Jahren gab es im Hochland des heutigen Nordäthiopiens ein reiches und mächtiges Königreich namens Aksum. Seine Könige handelten mit Elfenbein, Gold und Weihrauch. Ihre Handelspartner lebten bis nach Rom, Indien und Arabien. Die Menschen in Aksum stellten auch eigene Münzen her.
Wenn wichtige Menschen starben, stellten die Menschen in Aksum riesige Steinsäulen über ihren Gräbern auf. Diese Säulen heißen Stelen. Der Obelisk von Aksum ist eine der größten. Er besteht aus einem einzigen Stein, ist etwa 24 Meter hoch und wiegt ungefähr so viel wie 30 Elefanten.
Die Säule sieht aus wie ein sehr hohes Haus aus Stein. Unten ist eine Tür eingemeißelt, die sich nicht öffnen lässt. Darüber sieht man Reihen von Fenstern und die Enden von Holzbalken. Auch sie sind nur in den Stein gemeißelt. So sieht die Säule aus wie ein Palast mit vielen Stockwerken, der zum Himmel ragt.
Niemand weiß genau, wie die Steinmetze solche schweren Steine bewegt haben. Wahrscheinlich brachen sie die Steine aus einem Hügel außerhalb der Stadt und zogen sie auf Rollen oder Schlitten. Dabei halfen viele Menschen mit Seilen und vielleicht auch Elefanten. Anschließend richteten sie die Steine wohl mit Erdrampen und Hebeln auf.
Der Obelisk hat viel erlebt. Vor langer Zeit fiel er um und zerbrach. Im Jahr 1937 zersägten Soldaten aus Italien, das Äthiopien besetzt hatte, den Stein und brachten ihn als Beutestück nach Rom. Äthiopien forderte ihn viele Jahre lang zurück. 2005 kam er endlich zurück, und 2008 wurde er in Aksum wieder aufgerichtet.
Auf einen Blick
- Was
- Eine aus einem einzigen Stein gehauene Grabstele (hohes, verziertes Grabmal), oft Obelisk genannt; in der Archäologie als Stele 2 bekannt
- Wann
- Wahrscheinlich im 4. Jahrhundert n. Chr. behauen und aufgerichtet (einige Forschende halten auch das späte 3. Jahrhundert für möglich); das genaue Datum ist unbekannt
- Wo
- Nördliches Stelenfeld, Aksum, Region Tigray, Nordäthiopien
- Größe
- Etwa 24 m hoch und etwa 160 Tonnen schwer; aus einem einzigen Block harten Vulkangesteins gehauen (meist als Nephelinsyenit oder Phonolith bezeichnet)
- Geschaffen von
- Steinmetzen des Königreichs Aksum für ein unbekanntes Mitglied der herrschenden Oberschicht
- Gestaltung
- Ahmt ein mehrstöckiges Gebäude nach, mit einer Scheintür am Fuß, Scheinfenstern und vorspringenden Balkenenden auf allen Seiten
- Neuere Geschichte
- 1937 vom faschistischen Italien nach Rom gebracht; 2005 an Äthiopien zurückgegeben; 2008 in Aksum wieder aufgerichtet
- Status
- Teil der archäologischen Stätte von Aksum, die seit 1980 zum UNESCO-Welterbe gehört
Einfach
Was ist der Obelisk von Aksum?
Der Obelisk von Aksum ist eine hohe, verzierte Steinsäule in der Stadt Aksum (auch Axum geschrieben) im Norden Äthiopiens. Er wurde von den Menschen des Königreichs Aksum geschaffen, eines der bedeutenden Reiche der Antike, wahrscheinlich im 4. Jahrhundert n. Chr. Er ist etwa 24 Meter hoch, wiegt ungefähr 160 Tonnen und wurde aus einem einzigen Steinblock gehauen.
Obwohl er oft „Obelisk“ genannt wird, bevorzugen Archäologinnen und Archäologen meist das Wort Stele (Mehrzahl: Stelen). Damit ist eine aufrecht stehende Steinplatte oder Säule gemeint, die als Denkmal errichtet wurde. Ein ägyptischer Obelisk ist ein vierseitiger Pfeiler, der sich nach oben verjüngt und in einer kleinen Pyramide endet. Die Säulen von Aksum sind flacher, sehen durch ihre Verzierungen wie Gebäude aus und haben einen abgerundeten oberen Abschluss. Sie sind keine Nachbildungen ägyptischer Obelisken, sondern gehören zu einer eigenen Tradition von Grabmälern, die im Lauf der Jahrhunderte größer und aufwendiger wurden.
In Aksum gibt es mehr als hundert Stelen unterschiedlicher Größe: von groben, unbearbeiteten Steinen bis zu einigen riesigen, sorgfältig verzierten Exemplaren. Der Obelisk von Aksum, in wissenschaftlichen Texten Stele 2 genannt, ist die zweitgrößte der verzierten Riesenstelen. Er steht im Nördlichen Stelenfeld, einem Gräberfeld der aksumitischen Oberschicht am Rand der heutigen Stadt.
Heute ist der Obelisk ein Nationalsymbol Äthiopiens. Seine Geschichte führt von den antiken Handelswegen am Roten Meer über die italienische Invasion Äthiopiens in den 1930er-Jahren bis zu einem der bekanntesten Fälle, in denen ein Kulturgut in sein Herkunftsland zurückgebracht wurde.
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Die Stele „lesen“: ein Hochhaus aus Stein
Das Auffälligste am Obelisken von Aksum ist seine Gestaltung als hohes Gebäude. Unten sieht man eine Scheintür, in die ein Schloss oder Türklopfer eingemeißelt ist. Es wirkt, als könnte sie zum Grab oder zum Haus des Verstorbenen führen. Darüber teilen waagerechte Bänder die Säule in Stockwerke, die nur in der Darstellung existieren.
Jedes Stockwerk zeigt Merkmale echter aksumitischer Baukunst. Reihen von Scheinfenstern sind in den Stein gehauen. Zwischen den Stockwerken verlaufen waagerechte Balken, und kleine runde oder eckige Vorsprünge ragen aus der Oberfläche. Diese Vorsprünge stellen die Enden von Holzbalken dar, die aus den Mauern aksumitischer Gebäude herausragten. In der Archäologie heißen sie „Affenköpfe“. Echte aksumitische Paläste und Kirchen wurden mit Schichten aus Stein und Holz auf genau diese Weise gebaut. Einige spätere äthiopische Kirchen, etwa die Klosterkirche Debre Damo, zeigen diesen Baustil noch heute.
Oben endet die Stele in einem abgerundeten, halbkreisförmigen Kopf. Löcher und Spuren zeigen, dass dort einst Metallplatten oder Metallrahmen befestigt waren. Forschende vermuten, dass einige der großen Stelen Metallscheiben oder Symbole trugen. Was sie darstellten, ist ungewiss. Vor der Einführung des Christentums zeigten aksumitische Münzen und Inschriften häufig Mondsichel und Scheibe, Symbole für die Götter des Königreichs.
Von unten nach oben betrachtet, zeigt die Stele ein Haus für den Verstorbenen, das sich viele Stockwerke hoch zum Himmel erhebt. Welche religiöse Bedeutung sie genau hatte, ist unbekannt. Sie setzte aber ein weithin sichtbares Zeichen: Der hier bestattete Herrscher sollte einen steinernen Palast erhalten, den alle Menschen in der Stadt sehen konnten.
Einfach
Die Riesen des Stelenfeldes
Der Obelisk von Aksum ist eine von drei riesigen, vollständig verzierten Stelen im Nördlichen Stelenfeld. Die größte, Stele 1 oder Große Stele genannt, war etwa 33 Meter lang und wog nach Schätzungen mehr als 500 Tonnen. Wäre sie aufgerichtet worden, hätte sie zu den größten einzelnen Steinen gehört, die je von Menschen der Antike aufgestellt wurden. Doch sie liegt zerbrochen am Boden. Viele Archäologinnen und Archäologen vermuten, dass sie beim Aufrichten oder kurz danach umstürzte und zerbrach.
Die dritte Riesenstele, Stele 3, ist etwa 21 Meter hoch und wird oft „Stele König Ezanas“ genannt. Dieser Name geht auf eine jüngere Überlieferung zurück und nicht auf eine antike Inschrift: Auf der Stele steht nichts, was sie mit Ezana verbindet. Sie war die einzige der großen verzierten Stelen, die noch stand, als europäische Reisende und Forschende Aksum im 19. und frühen 20. Jahrhundert beschrieben. Im Lauf der Zeit hat sie sich geneigt.
Um die Riesenstelen herum stehen viele kleinere Stelen, einige verziert und andere grob behauen. Dazu kommen unterirdische Gräber. Das Feld diente der Oberschicht über mehrere Jahrhunderte als Friedhof. Die Größe einer Stele scheint den Rang der Person widerzuspiegeln, die unter oder nahe bei ihr bestattet wurde.
Mittel
Wie die Steine gebrochen, transportiert und aufgerichtet wurden
Die Stelen wurden aus einem harten, feinkörnigen Vulkangestein gehauen, das in den Hügeln westlich von Aksum vorkommt. Archäologinnen und Archäologen haben mehrere Kilometer von der Stadt entfernt antike Steinbruchgebiete entdeckt, darunter eine teilweise bearbeitete Stele, die noch dort liegt, wo die Arbeit an ihr aufgegeben wurde. Die Steinmetze spalteten das Gestein wahrscheinlich mit Keilen, die sie in Lochreihen trieben. Anschließend formten und glätteten sie den Block mit Eisenwerkzeugen und Schleifmitteln.
Einen Block von mehr als 100 Tonnen über mehrere Kilometer zu bewegen, war eine gewaltige Aufgabe. Schriftliche Berichte darüber sind nicht erhalten; alle Erklärungen sind daher Rekonstruktionen. Die meisten Forschenden vermuten, dass große Gruppen von Menschen die Steine mit Seilen auf Holzschlitten oder Rollen über einen vorbereiteten Weg zogen. Vielleicht halfen auch Elefanten, die die Aksumiten nachweislich fingen und einsetzten. Die feinen Verzierungen wurden möglicherweise erst fertiggestellt, nachdem der Stein das Gräberfeld erreicht hatte.
Das Aufrichten der Stele war der gefährlichste Schritt. Wahrscheinlich schob man ihren Fuß in eine vorbereitete Grube und hob das obere Ende mit Hebeln, Seilen und Erdrampen allmählich an, während Holzbalken den Stein stützten. Große Platten und Keilsteine wurden um den Fuß gelegt. Der Einsturz der Großen Stele zeigt, dass dieses Verfahren Grenzen hatte: Je größer der Stein, desto höher war das Risiko, dass er unter seinem eigenen Gewicht zerbrach.
Für diese Leistung brauchte es einen Staat, der Hunderte Arbeitskräfte organisieren und versorgen sowie Holz, Eisen und Seile bereitstellen konnte. Die Stelen sind deshalb nicht nur Kunstwerke, sondern auch Zeugnisse der wirtschaftlichen und politischen Macht der aksumitischen Herrscher.
Mittel
Das Königreich Aksum: ein Knotenpunkt der antiken Welt
Das Königreich Aksum entstand um das 1. Jahrhundert n. Chr. im Hochland des heutigen Nordäthiopiens und Eritreas. Der Periplus des Erythräischen Meeres, ein griechischer Handelsführer aus der Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr., erwähnt bereits Aksum und seinen Hafen Adulis am Roten Meer, von dem aus Elfenbein und andere Waren ausgeführt wurden.
In den folgenden Jahrhunderten wurde Aksum zu einer bedeutenden Handelsmacht zwischen dem römischen Mittelmeerraum, Arabien und Indien. Es exportierte Elfenbein, Gold, Weihrauch, Tierhäute und andere Waren und importierte Stoffe, Glas, Metallwaren, Wein und Öl. Im späten 3. Jahrhundert begann König Endubis, Münzen aus Gold, Silber und Bronze prägen zu lassen. Das war ein Zeichen von Stärke, das damals nur wenige Staaten setzen konnten. Aksumitische Münzen wurden bis zum östlichen Mittelmeer und nach Südindien gefunden.
Über den persischen Religionslehrer Mani ist aus dem 3. Jahrhundert überliefert, dass er Aksum neben Rom, Persien und China zu den vier großen Reichen der Welt zählte. Aksumitische Könige ließen Inschriften auf Ge'ez (der klassischen Sprache Äthiopiens mit eigener Schrift), Sabäisch (einer südarabischen Sprache) und Griechisch verfassen. Darin zeigt sich eine Gesellschaft mit Verbindungen innerhalb Afrikas und über das Rote Meer hinweg.
Auf dem Höhepunkt seiner Macht im 6. Jahrhundert kontrollierte Aksum unter König Kaleb zeitweise sogar Teile des Jemen. Die großen Stelen stammen allerdings aus einer früheren Zeit, bevor das Christentum zur Religion des Königshofes wurde.
Mittel
Religion und Tod: Wozu dienten die Stelen?
Die Stelen kennzeichneten die Gräber der aksumitischen Oberschicht. Unter und um das Nördliche Stelenfeld haben Archäologinnen und Archäologen unterirdische Gräber gefunden, die in den Fels gehauen oder aus Stein gebaut wurden. Einige haben mehrere Kammern. Neben der umgestürzten Großen Stele liegt ein großes Steingrab, das Mausoleum genannt wird; in der Nähe befindet sich das sogenannte Grab der Ziegelbögen. Viele Gräber wurden schon in der Antike geplündert. Funde von Keramik, Glas, Metallwaren und anderen Gegenständen zeigen jedoch, dass den Verstorbenen wertvolle Güter mitgegeben wurden.
Welche Glaubensvorstellungen hinter den Stelen standen, ist nicht genau bekannt, denn die vorchristliche Religion Aksums ist nur lückenhaft belegt. Inschriften und Münzen nennen Götter wie Astar, Beher und Mahrem, wobei Mahrem mit dem König verbunden war. Außerdem zeigen sie Scheibe und Mondsichel als Symbole. Viele Forschende vermuten, dass die Form mit mehreren Stockwerken das Grab als Haus oder Palast für den Verstorbenen darstellte und dass die Höhe der Stele Macht und Rang des Herrschers und seiner Familie verkündete.
Die Stelen dienten auch den Lebenden. Das Denkmal eines verstorbenen Herrschers war in der ganzen Stadt sichtbar, erinnerte an die Größe seiner Dynastie und half dem nächsten Herrscher, seinen Machtanspruch zu begründen. Das Errichten immer größerer Stelen könnte eine Art Wettbewerb zwischen Herrschern oder Familien gewesen sein.
In der Nähe der Stelen wurden auch Orte für Opfergaben gefunden, etwa Steinplattformen mit Rinnen. Das deutet darauf hin, dass an den Gräbern auch nach der Bestattung Rituale stattfanden.
Mittel
Das Christentum und das Ende der Stelentradition
Im 4. Jahrhundert nahm König Ezana das Christentum an. Einfluss hatte Frumentius, ein Christ aus der römischen Welt, der als junger Gefangener an den aksumitischen Hof gekommen war und später dessen erster Bischof wurde. Auf Ezanas Münzen ersetzte das Kreuz das frühere Symbol aus Scheibe und Mondsichel. Es war eines der frühesten Kreuze auf Münzen eines Staates. Seine Inschriften, darunter der dreisprachige Ezana-Stein, berichten von Kriegszügen und preisen in ihren späteren Fassungen den christlichen Gott.
Nach diesem Wandel wurden keine Riesenstelen mehr errichtet. Die meisten Forschenden datieren die großen verzierten Stelen, darunter den Obelisken von Aksum, daher in die Zeit kurz vor oder um Ezanas Übertritt zum Christentum, also ins 4. Jahrhundert oder etwas früher. Einige Historikerinnen und Historiker haben vermutet, dass der Einsturz der Großen Stele als spektakulärer Fehlschlag zum Ende der Tradition beigetragen haben könnte. Das ist jedoch Spekulation.
Das Christentum wurde zur dauerhaften Religion des äthiopischen Hochlands. Die Äthiopisch-Orthodoxe Tewahedo-Kirche, eine der ältesten christlichen Kirchen der Welt, betrachtet Aksum als ihre heiligste Stadt. Äthiopisch-orthodoxe Christinnen und Christen glauben, dass die Bundeslade in der Kirche Unserer Lieben Frau Maria von Zion in Aksum aufbewahrt und von einem einzigen Mönch bewacht wird. Diese Überlieferung ist für die religiöse Identität Äthiopiens von zentraler Bedeutung.
Nach islamischer Überlieferung flohen im 7. Jahrhundert frühe Anhänger des Propheten Mohammed vor Verfolgung in Mekka und fanden beim christlichen König von Aksum Schutz. Dieses Ereignis, oft Erste Hidschra genannt, verschaffte Aksum auch in der islamischen Erinnerung einen besonderen Platz.
Mittel
Umsturz, Verschleppung und Rückkehr
Ab dem 7. Jahrhundert verlor Aksum an Bedeutung: Die Handelswege über das Rote Meer veränderten sich, und das politische Zentrum des äthiopischen Hochlands verlagerte sich nach Süden. Um das frühe 8. Jahrhundert stellte das Königreich die Münzprägung ein. Die Stadt blieb ein heiliger Ort, an dem mitunter äthiopische Kaiser gekrönt wurden. Zu einem unbekannten Zeitpunkt stürzte der Obelisk von Aksum um und zerbrach in mehrere Teile, die jahrhundertelang am Boden lagen.
1935–36 marschierte das faschistische Italien in Äthiopien ein, eines der wenigen afrikanischen Länder, die ihre Unabhängigkeit bewahrt hatten. Der Krieg war vom Einsatz italienischen Giftgases gegen Soldaten und Zivilpersonen geprägt. Während der anschließenden Besatzung kam es zu Massenverbrechen, etwa den Tötungen in Addis Abeba im Februar 1937. Auf Mussolinis Befehl wurde die zerbrochene Stele 1937 aus Aksum abtransportiert, nach Italien verschifft und in Rom wieder aufgerichtet. Dort wurde sie am 28. Oktober 1937 enthüllt, dem 15. Jahrestag des faschistischen Marsches auf Rom. Sie stand auf der Piazza di Porta Capena vor dem Gebäude des Ministeriums für Italienisch-Afrika.
Im Friedensvertrag von 1947 nach dem Zweiten Weltkrieg verpflichtete sich Italien, aus Äthiopien weggebrachte Gegenstände zurückzugeben. Der Obelisk blieb jedoch jahrzehntelang in Rom. Gestritten wurde über Kosten, technische Risiken und Eigentumsfragen. Für Äthiopierinnen und Äthiopier wurde er zum Symbol der Demütigung durch die Besatzung. Forderungen nach seiner Rückgabe überdauerten mehrere Regierungswechsel. Im Mai 2002 wurde die Stele durch einen Blitzschlag beschädigt.
2003–04 wurde der Obelisk erneut in drei Teile zerlegt. Im April 2005 flog man ihn mit einem der größten Frachtflugzeuge der Welt in mehreren Flügen nach Äthiopien zurück. Weil der Boden nahe seinem ursprünglichen Standort empfindliche Gräber enthält, waren vor dem Wiederaufbau sorgfältige Untersuchungen nötig. Unter Aufsicht der UNESCO wurde die Stele im Nördlichen Stelenfeld wieder aufgerichtet und am 4. September 2008 enthüllt. Ihre Rückkehr wird häufig in internationalen Debatten über die Rückgabe von Kulturgütern angeführt, die im Krieg oder während kolonialer Besatzung entwendet wurden.
Fortgeschritten
Wissenschaftliche Debatten: Datierung, Reihenfolge und Bedeutung
Datierung. Keine der großen Stelen trägt eine Inschrift. Ihre Datierung beruht deshalb auf archäologischen Untersuchungen der zugehörigen Gräber, auf Vergleichen der dort gefundenen Gegenstände mit andernorts datierten Funden und auf der allgemeinen Annahme, dass nach der Annahme des Christentums keine Riesenstelen mehr errichtet wurden. Die meisten Fachleute ordnen Stele 2 dem 4. Jahrhundert n. Chr. zu; manche halten auch eine Datierung ins späte 3. Jahrhundert für möglich. Ebenso ist die Reihenfolge der drei Riesenstelen umstritten. Die gesamte aksumitische Stelentradition erstreckte sich nach Schätzungen über mehrere Jahrhunderte: von einfachen Grabzeichen zu Beginn des 1. Jahrtausends n. Chr. bis zu den großen verzierten Stelen an ihrem Ende.
Der Sturz der Großen Stele. Stele 1 liegt zerbrochen über dem Bereich des Mausoleums. Archäologen wie David Phillipson vertreten die Ansicht, dass sie während oder unmittelbar nach dem Aufrichten umfiel, möglicherweise weil ihr Fundament nicht ausreichte. Demnach könnte sie die letzte der Riesenstelen gewesen sein. Andere ziehen einen späteren Einsturz oder ein absichtliches Umstürzen in Betracht. Die Frage ist wichtig, weil sie die zeitliche Reihenfolge der Stelen und unser Verständnis vom Ende der Tradition beeinflusst.
Namen und Zuschreibungen. Geläufige Namen, die Stelen mit bestimmten Herrschern verbinden, etwa „Stele König Ezanas“, sind nicht durch Inschriften belegt. Örtliche Überlieferungen, die in späteren Ge'ez-Texten und mündlichen Erzählungen festgehalten wurden, verbinden Aksum mit der Königin von Saba und mit König Menelik, dem sagenhaften Begründer der salomonischen Dynastie. Diese Überlieferungen entstanden jedoch viel später als die Stelen und gehören zur äthiopischen Religions- und Nationalgeschichte, nicht zu archäologischen Belegen für die Stelen.
Bedeutung der Gestaltung. Die Forschung ist sich einig, dass die verzierten Stelen mehrstöckige Gebäude nachahmen. Uneinigkeit besteht darüber, wie wörtlich diese Darstellung zu verstehen ist. Manche sehen darin Abbilder wirklicher Paläste, andere symbolische „Häuser“ für die Verstorbenen oder eine Darstellung der Verbindung zwischen dem Grab unten und dem Himmel oben. Die heute verlorenen Metallverzierungen an der Spitze hätten einige Fragen vielleicht beantworten können.
Das Wort „Obelisk“. Der verbreitete Name „Obelisk von Aksum“ spiegelt die europäische Gewohnheit wider, afrikanische Denkmäler mit ägyptischen zu vergleichen. Viele Forschende bevorzugen „Stele“ oder „Stele 2“, weil diese Bezeichnungen genauer sind und hervorheben, dass sich die aksumitische Tradition eigenständig entwickelte.
Fortgeschritten
Belege und Methoden: Was wir über die Stelen wissen
Frühe Erkundungen. Europäische Reisende beschrieben die Stelen seit dem 16. Jahrhundert. Die erste systematische Untersuchung führte 1906 die Deutsche Aksum-Expedition unter Leitung des Orientalisten Enno Littmann durch. Sie dokumentierte Denkmäler, Inschriften und Bauwerke. Ihre Zeichnungen und Fotografien sind bis heute wertvoll, besonders für Merkmale, die später verändert wurden.
Neuere Ausgrabungen. In den 1970er-Jahren grub das British Institute in Eastern Africa unter Neville Chittick im Stelenfeld und entdeckte Gräber, die mit den großen Stelen in Verbindung stehen. Politische Umbrüche in Äthiopien unterbrachen die Arbeit. In den 1990er-Jahren wurde sie unter David Phillipson fortgesetzt. Er untersuchte Gräber wie das Mausoleum und das Grab der Ziegelbögen sowie die Steinbrüche. Seither haben äthiopische und internationale Teams, darunter italienische und deutsche Archäologinnen und Archäologen, die Feldforschung weitergeführt.
Schriftliche Quellen. Aksums eigene Inschriften auf Ge'ez, Sabäisch und Griechisch sowie seine Münzen liefern Namen und die zeitliche Reihenfolge einiger Könige. Keine dieser Quellen erwähnt jedoch die Stelen unmittelbar. Auswärtige Quellen wie der Periplus des Erythräischen Meeres, griechische und römische Autoren und der Kosmas Indikopleustes zugeschriebene Bericht aus dem 6. Jahrhundert beschreiben Aksums Handel und Königshöfe. Spätere äthiopische Texte wie das Kebra Nagast halten Überlieferungen über die heilige Vergangenheit der Stadt fest.
Denkmalpflege und Forschung. Für die Rückkehr und das erneute Aufrichten von Stele 2 mussten ihre Bruchstellen, der Baugrund und die darunterliegenden Gräber technisch untersucht werden. Beim Zusammenfügen im Jahr 2008 wurden die Teile mit modernen Verstärkungen verbunden. Die geneigte Stele 3 zu überwachen und die empfindlichen Gräber zu schützen, bleibt eine Herausforderung. Daran zeigt sich, wie eng Denkmalpflege, Archäologie und Politik in Aksum miteinander verbunden sind.
Kernideen
- Stele
- Ein aufrecht stehendes Steindenkmal. Die aksumitischen Stelen sind Grabzeichen aus einzelnen Steinblöcken; manche sind gewaltig groß.
- Monolith
- Ein Denkmal aus einem einzigen Stück Stein. Der Obelisk von Aksum wurde aus einem etwa 24 m langen Block gehauen.
- Baukunst in Stein
- Die verzierten Stelen ahmen mehrstöckige Gebäude nach. Ihre Scheintüren, Fenster und Balkenenden sind echten aksumitischen Bauten nachempfunden.
- Gedenken an die Oberschicht
- Größe und Verzierung einer Stele spiegelten den Rang der verstorbenen Person und die Macht ihrer Familie oder Dynastie wider.
- Handel am Roten Meer
- Aksums Reichtum stammte aus dem Handel zwischen Afrika, dem Mittelmeerraum, Arabien und Indien. Damit konnte das Königreich seine Denkmäler finanzieren.
- Christianisierung
- Nachdem König Ezana im 4. Jahrhundert das Christentum angenommen hatte, wurden keine Riesenstelen mehr errichtet.
- Rückgabe von Kulturgütern
- Die Rückkehr des Obelisken aus Rom im Jahr 2005 wurde zu einem wichtigen Beispiel in Debatten über die Rückgabe von Kulturgütern, die im Krieg entwendet wurden.
Einträge
- um 50 n. Chr. — Der Periplus des Erythräischen Meeres erwähnt Aksum und seinen Hafen Adulis am Roten Meer.
- um 270 n. Chr. — König Endubis beginnt, in Aksum eigene Münzen aus Gold, Silber und Bronze prägen zu lassen.
- um 300 n. Chr. — Wahrscheinliche Zeit der Herstellung und Errichtung der großen verzierten Stelen, darunter Stele 2 (4. Jahrhundert n. Chr.; das genaue Datum ist ungewiss).
- um 340 n. Chr. — König Ezana nimmt das Christentum an. Das Kreuz erscheint auf seinen Münzen, und Riesenstelen werden nicht mehr errichtet.
- um 520 n. Chr. — König Kaleb führt einen Feldzug im Jemen. Aksum erreicht seine größte Ausdehnung.
- um 615 n. Chr. — Nach islamischer Überlieferung finden frühe Muslime aus Mekka Zuflucht beim König von Aksum.
- 1906 — Die Deutsche Aksum-Expedition untersucht die Stelen erstmals systematisch.
- 1937 — Italienische Besatzungstruppen bringen die umgestürzte Stele nach Rom, wo sie am 28. Oktober enthüllt wird.
- 1947 — Italien verpflichtet sich im Friedensvertrag, aus Äthiopien weggebrachte Gegenstände zurückzugeben.
- 1980 — Die archäologische Stätte von Aksum wird in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen.
- 2005 — Der Obelisk wird im April in drei Teilen nach Äthiopien zurückgeflogen.
- 2008 — Die Stele wird in Aksum wieder aufgerichtet und am 4. September enthüllt.
Glossar
- Stele (Stelen)
- Eine aufrecht stehende Steinplatte oder Säule, die als Denkmal errichtet wird, häufig zur Kennzeichnung eines Grabes.
- Obelisk
- Ursprünglich ein vierseitiger ägyptischer Steinpfeiler mit einer kleinen Pyramide an der Spitze; das Wort wird auch für andere hohe Steindenkmäler verwendet.
- Monolith
- Ein Denkmal, das aus einem einzigen Steinblock gehauen wurde.
- Scheintür
- Eine eingemeißelte Tür, die sich nicht öffnen lässt und einen Eingang zum Grab oder zur Welt der Toten darstellt.
- „Affenköpfe“
- Bezeichnung der Archäologie für die vorspringenden Enden von Holzbalken in aksumitischen Mauern, die auf den Stelen in Stein nachgebildet sind.
- Ge'ez
- Die klassische Sprache Äthiopiens und ihre Schrift. Ge'ez wird bis heute als Liturgiesprache der äthiopisch-orthodoxen Kirche verwendet.
- Adulis
- Aksums wichtigster Hafen an der Küste des Roten Meeres im heutigen Eritrea.
- Periplus des Erythräischen Meeres
- Ein griechisches Handbuch für Kaufleute aus dem 1. Jahrhundert n. Chr., das Häfen und Handelswege von Ägypten bis Indien beschreibt.
- Mausoleum
- Ein großes Grabgebäude. In Aksum bezeichnet der Name ein Steingrab neben der Großen Stele.
- Rückgabe von Kulturgütern
- Die Rückführung kultureller Gegenstände in das Land oder die Gemeinschaft, aus der sie weggebracht wurden.
Fragen und Antworten
Ist der Obelisk von Aksum wirklich ein Obelisk?
Nicht im ägyptischen Sinn. Er ist eine aksumitische Stele: eine flache, wie ein Gebäude verzierte Säule mit abgerundeter Spitze. „Obelisk“ ist ihr geläufiger Name.
Wie konnten Menschen einen so schweren Stein ohne Maschinen aufrichten?
Ein Bericht darüber ist nicht erhalten. Wahrscheinlich zogen sie ihn mit Seilen und vielen Arbeitskräften auf Schlitten oder Rollen und richteten ihn dann mit Hebeln, Holzstützen und Erdrampen auf.
Wer liegt darunter begraben?
Das wissen wir nicht. Die Stele gehört zu einem Gräberfeld der Oberschicht, aber keine Inschrift nennt die Person, an die sie erinnert.
Warum stand er in Rom?
Während der italienischen Besatzung Äthiopiens wurde die umgestürzte Stele 1937 als Kriegsbeute des faschistischen Regimes nach Rom gebracht. 2005 wurde sie zurückgegeben.
Warum werden die Stelen in die vorchristliche Zeit datiert?
Nachdem König Ezana im 4. Jahrhundert das Christentum angenommen hatte, wurden keine Riesenstelen mehr errichtet. In den zugehörigen Gräbern wurden außerdem Gegenstände aus vorchristlicher Zeit gefunden.
Hat die Große Stele jemals aufrecht gestanden?
Möglicherweise nicht. Viele Archäologinnen und Archäologen vermuten, dass die 33 Meter lange Große Stele beim Aufrichten oder unmittelbar danach zerbrach. Darüber wird aber noch diskutiert.
Was bedeutet die Gestaltung als Gebäude?
Forschende sind sich einig, dass sie mehrstöckige aksumitische Gebäude nachahmt. Viele deuten sie als Haus oder Palast für den Verstorbenen, der auch die Macht seiner Familie zeigte. Die genauen Glaubensvorstellungen sind jedoch unbekannt.
Quellen und weiterführende Literatur
- Obelisk of Axum. Wikipedia
- Axum. Wikipedia
- Kingdom of Aksum. Wikipedia
- Ezana Stone. Wikipedia
- Aksum. UNESCO World Heritage Centre
- Stuart Munro-Hay, Aksum: An African Civilisation of Late Antiquity. Edinburgh University Press, 1991
- David W. Phillipson, Ancient Ethiopia: Aksum, Its Antecedents and Successors. British Museum Press, 1998
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Mit KI-Unterstützung auf Grundlage der oben aufgeführten veröffentlichten Quellen verfasst und bei neuen Forschungsergebnissen überarbeitet.
