Philosophie

Tirukkuṟaḷ (Kural)

திருக்குறள் (Tirukkuṟaḷ)

um 450–500 n. Chr. · Mylapore (Chennai), traditionell mit Tiruvaḷḷuvar verbundener Ort

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In einem Satz

Der Tirukkuṟaḷ, kurz Kural, ist ein tamilisches Buch aus 1.330 Zweizeilern über Tugend, Reichtum und Staatskunst sowie Liebe; er wird einem Dichter namens Tiruvaḷḷuvar zugeschrieben und entstand wahrscheinlich um das 5. Jahrhundert n. Chr., doch seine Datierung ist bis heute umstritten.

Tirukkuṟaḷ (Kural)
Bild: பேரா. சுந்தரசண்முகனார் · CC0 · Wikimedia Commons

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Für junge Leser

Stell dir ein Buch vor, in dem jede Lehre in nur zwei kurze Zeilen passt. Eine davon könntest du auf dem Schulweg lernen und dich noch als Erwachsener daran erinnern. Der Tirukkuṟaḷ, oft einfach Kural genannt, ist so ein Buch. Er wurde auf Tamil geschrieben, einer Sprache, die Menschen in Südindien und Sri Lanka seit mehr als zweitausend Jahren sprechen und schreiben.

Der Kural hat 1.330 kleine Gedichte, die man Zweizeiler nennt. Sie sind in 133 Kapitel mit genau zehn Zweizeilern geordnet, wie 133 kleine Kästchen mit je zehn Schätzen darin. Die Kapitel erklären, warum man freundlich sein, die Wahrheit sagen, sich bedanken und lernen soll. Sie zeigen auch, wie man gute Freunde auswählt, wie ein König regieren soll und warum Bauern wichtig sind. Sogar das Gefühl, sich zu verlieben, kommt darin vor.

Ein berühmter Zweizeiler sagt: Die beste Art, jemanden zu „bestrafen“, der dir wehgetan hat, ist, ihm Gutes zu tun, sodass er sich schämt. Ein anderer sagt: Wer vergisst, dass jemand gut zu ihm war, tut damit etwas Schlimmeres als fast jedes andere Unrecht. Diese Gedanken lassen sich leicht aussprechen, aber es ist schwer, danach zu leben. Deshalb lesen die Menschen sie immer wieder.

Niemand weiß genau, wer den Kural geschrieben hat oder wann. Nach alten Überlieferungen hieß der Verfasser Tiruvaḷḷuvar. Es gibt viele Geschichten über ihn, aber die meisten wurden erst viele Jahrhunderte später aufgeschrieben. Fachleute streiten noch darüber, ob er vor etwa 2.300 Jahren lebte oder eher vor 1.500 Jahren. Sie wissen auch nicht sicher, welcher Religion er angehörte – oder ob er überhaupt einer Religion folgte.

Heute begegnet man dem Kural überall in Tamil Nadu, einem Bundesstaat in Südindien. Kinder lernen Zweizeiler in der Schule, und eine riesige Steinstatue des Tiruvaḷḷuvar, so hoch wie ein 13-stöckiges Haus, steht auf einem Felsen im Meer bei Kanyakumari, der Südspitze Indiens.

Auf einen Blick

Was
Eine Sammlung kurzer ethischer und praktischer Verse (Zweizeiler) in klassischem Tamil
Verfasser
Tiruvaḷḷuvar (Vaḷḷuvar) zugeschrieben; der Text selbst nennt keinen Verfasser, und über sein Leben ist nichts Verlässliches bekannt
Wann
Umstritten: Moderne Vorschläge reichen meist von etwa 300 v. Chr. bis ins 6. Jahrhundert n. Chr. (Pope schlug 1886 sogar 800–1000 n. Chr. vor); viele Forschende folgen Kamil Zvelebils 450–500 n. Chr.
Wo
Der tamilischsprachige Süden des indischen Subkontinents; die Überlieferung verbindet den Dichter mit Mylapore (heute Teil von Chennai) und mit Madurai
Aufbau
1.330 Zweizeiler in 133 Kapiteln zu je zehn; drei Bücher: aṟam (Tugend, 38 Kapitel), poruḷ (Reichtum und Staatswesen, 70) und iṉpam oder kāmam (Liebe, 25)
Versmaß
Kuṟaḷ veṇpā: zwei Zeilen, die erste mit vier Versfüßen, die zweite mit drei
Kommentare
Die Überlieferung nennt zehn mittelalterliche Kommentatoren; fünf Kommentare sind fast vollständig erhalten, von denen der des Parimēlaḻakar (spätes 13. Jahrhundert) maßgeblich wurde
Druck und Übersetzung
Erstmals 1812 in Madras gedruckt; lateinische Übersetzung der Bücher 1–2 von C. J. Beschi (1730); vollständige englische Fassungen von W. H. Drew und J. Lazarus (Prosa, 1840er-Jahre bis 1885) und G. U. Pope (Verse, 1886); heute in Dutzenden Sprachen

Einfach

Was ist der Tirukkuṟaḷ?

Der Tirukkuṟaḷ ist ein Buch der Weisheitsdichtung in klassischem Tamil. Sein Name verbindet das Ehrenpräfix tiru, „heilig“ oder „vortrefflich“, mit kuṟaḷ, dem Namen der sehr kurzen zweizeiligen Versform, in der jedes seiner Gedichte verfasst ist. Im Englischen wird das Werk meist Kural genannt; seine Gedichte heißen dort couplets (Zweizeiler) oder einfach kurals.

Das Buch erzählt keine Geschichte. Stattdessen bietet es 1.330 einzelne Sprüche, jeder in sich abgeschlossen, darüber, wie man gut lebt. Sie reichen von ganz persönlichen Fragen, etwa wie man den Zorn beherrscht oder warum man andere nicht beneiden soll, bis zu öffentlichen, etwa wie ein Herrscher Minister auswählen, Steuern erheben und ein Land verteidigen soll. Der letzte Teil wendet sich der Liebe zwischen Mann und Frau zu, geschildert durch die Gefühle der Liebenden selbst.

Der Kural gehört zu einer Gruppe von achtzehn kürzeren, überwiegend lehrhaften Werken der tamilischen Literatur, die spätere Tradition unter dem Namen Patiṉeṇkīḻkkaṇakku („die achtzehn kleineren Werke“) zusammenfasste. Er wurde rasch das berühmteste von ihnen. Ein tamilisches buddhistisches Epos aus der Zeit um das 6. Jahrhundert, das Maṇimēkalai, zitiert bereits einen seiner Zweizeiler, nur leicht verändert, und nennt seinen Verfasser „den Dichter, der nicht lügt“.

Weil der Kural über das Verhalten spricht, ohne dem Leser zu sagen, welchen Gott er verehren oder welches Ritual er vollziehen soll, haben Menschen vieler Glaubensrichtungen ihn als den ihren betrachtet und immer wieder übersetzt.

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Einfach

Wie das Buch aufgebaut ist: drei Bücher, 133 Kapitel, 1.330 Zweizeiler

Der Kural ist ungewöhnlich gleichmäßig aufgebaut. Er hat 133 Kapitel (atikāram), und jedes Kapitel enthält genau zehn Zweizeiler zu einem Thema, das sein Titel ankündigt. Die Kapitel sind in drei Bücher (pāl) gegliedert. Das erste, Aṟattuppāl, das Buch der Tugend, hat 38 Kapitel (380 Zweizeiler). Das zweite, Poruṭpāl, das Buch des Reichtums oder des Staatswesens, ist mit 70 Kapiteln (700 Zweizeilern) bei Weitem das längste. Das dritte, Kāmattuppāl oder Iṉpattuppāl, das Buch der Liebe, hat 25 Kapitel (250 Zweizeiler).

Innerhalb der Bücher kennzeichnen moderne Ausgaben auch kleinere Gruppen. Das Buch der Tugend beginnt mit vier einleitenden Kapiteln, angefangen mit „Lobpreis Gottes“ und „Die Vortrefflichkeit des Regens“, behandelt anschließend in weiteren Kapiteln die Tugenden des Hausvaters und die des Entsagenden und endet mit einem einzigen Kapitel über das Schicksal. Das Buch der Liebe folgt den beiden großen Phasen der klassischen tamilischen Liebesdichtung: der heimlichen, vorehelichen Liebe (kaḷavu) und der ehelichen Liebe (kaṟpu). Die älteren Kommentatoren waren sich über diese kleineren Gruppierungen nicht alle einig, wie spätere Abschnitte erklären.

Jeder Zweizeiler verwendet dasselbe Versmaß: kuṟaḷ veṇpā. Die erste Zeile hat vier Versfüße (cīr), die zweite drei, sodass jeder Vers sieben „Füße“ lang ist und mit einer kurzen, abschließend klingenden Zeile endet. Die Form erzwingt äußerste Verdichtung: Ein ganzes Argument, ein Vergleich und eine Schlussfolgerung müssen in einen Raum passen, der kleiner ist als eine heutige Textnachricht. Schon der allererste Zweizeiler zeigt den Stil: „Wie der Buchstabe A der erste aller Buchstaben ist, so ist der Urherr der Erste der Welt.“

Die drei Bücher entsprechen drei der vier „Lebensziele“ der Sanskrit-Gelehrsamkeit: dharma (Tugend), artha (Reichtum und Macht) und kāma (Genuss). Das vierte, mokṣa oder Erlösung, hat kein eigenes Buch; der Kommentator Parimēlaḻakar erklärte, die Erlösung lasse sich nicht in Worten beschreiben. Ob der Plan aus der Sanskrit-Tradition entlehnt wurde oder aus tamilischen Vorstellungen erwuchs, ist noch umstritten.

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Einfach

Was lehrt er? Tugend, Mitgefühl, Bildung, Staatskunst und Liebe

Das Buch der Tugend entwirft Schritt für Schritt das Bild eines guten Menschen. Es preist das häusliche Leben: eine liebevolle Familie, Fürsorge für Gäste, freundliche Rede und Dankbarkeit. Ein Zweizeiler sagt, wer irgendein anderes Gut zerstört hat, könne noch einen Ausweg finden, doch für den, der die Dankbarkeit zerstört, gebe es keinen Ausweg (Vers 110). Weitere Kapitel warnen vor Neid, Verleumdung, Gier und Zorn und setzen einen anspruchsvollen Maßstab für den Umgang mit Feinden: „Um die zu bestrafen, die dir Schaden zufügen, beschäme sie, indem du ihnen Gutes tust“ (Vers 314).

Mitgefühl mit allen Lebewesen ist eines der stärksten Themen des Buches. Ein Kapitel über „Verzicht auf Fleisch“ folgt unmittelbar auf das Kapitel über das Mitgefühl und fragt, wie jemand Güte besitzen könne, der sein eigenes Fleisch mästet, indem er das Fleisch anderer isst (Vers 251). Ein anderes Kapitel, „Nicht-Töten“, beginnt: „Was ist tugendhaftes Handeln? Nicht töten. Töten zieht jedes andere Unrecht nach sich“ (Vers 321). Viele Forschende verbinden diese strenge Gewaltlosigkeit und den Vegetarismus mit der jainistischen Ethik, auch wenn andere Traditionen Indiens sie ebenfalls teilen.

Das Buch des Reichtums ist ein praktischer Leitfaden für Könige, Minister und Bürger. Es beginnt mit einer Aufzählung dessen, was ein Herrscher braucht: ein Heer, ein Volk, Mittel, Minister, Verbündete und Befestigungen (Vers 381). Dann behandelt es Bildung („Lerne gründlich, was gelernt werden soll; dann lebe danach“, Vers 391), die Gefahr der Schmeichler, gerechte und ungerechte Herrschaft, den Einsatz von Spionen, Diplomatie, Freundschaft und Laster wie Trunk und Glücksspiel. Besondere Ehre erweist es dem Ackerbau: „Wie sich die Welt auch dreht, sie folgt dem Pflug; darum steht der Ackerbau, so mühsam er auch ist, an erster Stelle“ (Vers 1031).

Das Buch der Liebe ist etwas ganz anderes als ein Moraltraktat. Es ist Dichtung, gesprochen mit den Stimmen eines Liebenden, einer Geliebten und ihrer Freundin, nach den Konventionen der älteren tamilischen Liebesdichtung. Ein junger Mann begegnet einer Frau, deren Augen, wie er sagt, zwei Blicke bergen: „Der eine verursacht die Krankheit, der andere ist ihre Heilung“ (Vers 1091). Spätere Kapitel schildern die Sehnsucht in der Trennung, das Gerede im Dorf und die kleinen Streitigkeiten verheirateter Liebender; das allerletzte Kapitel feiert die Freude der Versöhnung nach dem Schmollen der Liebenden.

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Mittel

Wer war Tiruvaḷḷuvar? Was bekannt ist und was Legende ist

Genau genommen ist über den Verfasser fast nichts bekannt. Der Kural selbst nennt niemanden. Die früheste Erwähnung, im Maṇimēkalai, nennt ihn nur poyyil pulavaṉ, „der Dichter, der nicht lügt“. Der Name Tiruvaḷḷuvar, „der heilige Vaḷḷuvar“, erscheint in späterer Überlieferung, vor allem in der Tiruvaḷḷuvamālai, einem Kranz von Lobversen, die den Dichtern der legendären tamilischen Akademie (Caṅkam) in Madurai zugeschrieben werden; die meisten Forschenden datieren diese Sammlung ungefähr ins 10. oder 11. Jahrhundert. Selbst „Vaḷḷuvar“ könnte eher ein Titel als ein Personenname sein: Das Wort bezeichnet auch eine Gemeinschaft, deren Mitglieder in der alten tamilischen Gesellschaft königliche Trommler und Herolde waren.

Um diese Leerstelle wuchs eine reiche Hagiografie. In den bekanntesten Fassungen wird Vaḷḷuvar als Sohn eines brahmanischen Vaters und einer Mutter aus niedriger Kaste geboren, wobei der Vater oft Bhagavan und die Mutter Ādi heißt; das Gedicht, das diese Geschichte erzählt, das Kapilar Akaval, ist ein spätes Werk, das Zvelebil ins 15. Jahrhundert setzte. Andere Geschichten machen ihn zu einem Weber aus Mylapore, geben ihm eine treue Frau namens Vāsuki oder einen Freund unter den Seehändlern, einen Kaufmann und Schiffsführer, der oft Elelasingan genannt wird. In einer Geschichte weisen die Dichter der Akademie von Madurai den Verfasser aus niedriger Kaste zunächst zurück; als sein Buch auf die Bank der Akademie gelegt wird, schrumpft die Bank, bis nur noch der Kural darauf liegt.

Die meisten dieser Geschichten scheinen in der heute aufgezeichneten Form im 18. und 19. Jahrhundert Gestalt angenommen zu haben, als sowohl tamilische Gelehrte als auch europäische Missionare und Beamte eifrig Nachrichten über den Dichter sammelten. Der Literaturhistoriker Stuart Blackburn hat gezeigt, wie die Legende, besonders das Motiv des zunächst verkannten, schließlich anerkannten Genies aus niedriger Kaste, zum Träger von Debatten des 19. Jahrhunderts über Kaste, über Tamil und Sanskrit und über das Alter der tamilischen Zivilisation wurde.

Was sich mit einiger Sicherheit sagen lässt, stammt aus dem Text selbst. Sein Verfasser kannte die ältere tamilische Dichtung gut, darunter die Konventionen der Liebesdichtung, die das Buch der Liebe voraussetzt, und war mit Gedanken vertraut, die sich auch in Sanskrit-Werken über Recht, Regierung und Liebe finden. Die mittelalterlichen Kommentatoren behandelten das Werk alle als Schöpfung einer einzigen Person, doch einige wenige moderne Forschende vermuten, dass es eine Sammlung sein könnte, an der mehrere Hände mitwirkten.

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Mittel

Wann wurde er geschrieben? Ein noch immer umstrittenes Datum

Keine Inschrift, Handschrift oder datierbare Erwähnung legt fest, wann der Kural entstand, daher ist jedes Datum eine Schlussfolgerung. Die Vorschläge erstrecken sich über fast tausend Jahre. Tamilische Traditionalisten, die der Legende folgen, der Kural sei das letzte Werk gewesen, das der dritten tamilischen Akademie vorgelegt wurde, haben ihn bis auf etwa 300 v. Chr. zurückdatiert. Andere sprachen sich für das 1. Jahrhundert v. Chr. oder das 1. Jahrhundert n. Chr. aus.

Im frühen 20. Jahrhundert legten tamilische Erneuerer unter Führung des Gelehrten Maraimalai Adigal das Jahr 31 v. Chr. als Geburtsjahr des Vaḷḷuvar fest. Das war eine symbolische Wahl und kein Ergebnis neuer Belege, doch es wurde zum Ausgangspunkt des „Thiruvalluvar-Jahres“, einer tamilischen Zeitrechnung, die später in amtlichen Dokumenten Tamil Nadus neben dem gregorianischen Kalender verwendet wurde.

Die meisten akademischen Fachleute sprechen sich anhand der Sprache des Textes für ein späteres Datum aus. Der Kural enthält grammatische Formen und einen Anteil an Sanskrit-Lehnwörtern, die in der ältesten Schicht der tamilischen Dichtung nicht vorkommen, verwendet das Versmaß veṇpā, das erst nach der Entstehung dieser ältesten Schicht beliebt wurde, und scheint Sanskrit-Traktate zu kennen, die gewöhnlich in die ersten Jahrhunderte n. Chr. datiert werden. Aus solchen Gründen setzte der tamilische Gelehrte S. Vaiyapuri Pillai ihn ins 6. Jahrhundert oder später, während der tschechische Tamilist Kamil Zvelebil, nachdem er zunächst 450–550 n. Chr. vorgeschlagen hatte (1973), den Zeitraum auf 450–500 n. Chr. eingrenzte (1974) – eine Spanne, die heute vielfach zitiert wird. Blackburn bezeichnete ein Datum um 500 n. Chr. als derzeitigen Konsens der Forschung.

Die spätestmöglichen Daten werden durch das Maṇimēkalai begrenzt, das den Kural zitiert und selbst gewöhnlich um das 6. Jahrhundert datiert wird, wobei auch dieses Datum umstritten ist. G. U. Popes Vorschlag aus dem 19. Jahrhundert, 800–1000 n. Chr., der mit seiner Überzeugung verbunden war, der Dichter habe christliche Lehre aufgenommen, wird nicht mehr vertreten. Hier dient Zvelebils 450–500 n. Chr. als Arbeitshypothese, nicht als feststehende Tatsache.

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Mittel

Zehn mittelalterliche Kommentatoren und die Autorität des Parimēlaḻakar

Kurze, dichte Verse verlangen nach Erklärung, und der Kural zog mehr Kommentare auf sich als jedes andere tamilische literarische Werk des Mittelalters. Ein überlieferter „Einzelvers“ nennt zehn Kommentatoren: Tarumar, Maṇakkuṭavar, Tāmattar, Naccar, Paridhi (Paritiyār), Parimēlaḻakar, Tirumalaiyar, Mallar, Paripperumāḷ und Kāliṅkar. Die Kommentare von Maṇakkuṭavar, Paridhi, Kāliṅkar, Paripperumāḷ und Parimēlaḻakar sind fast vollständig erhalten; die von Tarumar, Tāmattar und Naccar nur in Bruchstücken, und die übrigen sind verloren.

Die Lebensdaten der Kommentatoren sind unsicher; die Forschung setzt sie zwischen das 10. und das 15. Jahrhundert. Maṇakkuṭavar gilt allgemein als der früheste Kommentator, dessen Kommentar erhalten ist; er schrieb gegen Ende des 10. Jahrhunderts, und seine Bemerkungen deuten darauf hin, dass andere den Text schon vor ihm erklärt hatten. Parimēlaḻakar schrieb im späten 13. Jahrhundert; er wird gewöhnlich als brahmanischer Gelehrter aus Kanchipuram beschrieben, der in der Sanskrit- wie in der tamilischen Gelehrsamkeit zu Hause war.

Die Kommentatoren taten mehr, als Wörter zu erklären. Sie ordneten auch den Text. Alle akzeptieren die drei Bücher, die 133 Kapitel und nahezu dieselben zehn Verse in jedem Kapitel, doch sie unterscheiden sich darin, wie sie die Bücher in Unterabschnitte gliedern, in der Reihenfolge der Verse innerhalb der Kapitel und, besonders im Buch der Tugend, in Reihenfolge und Gruppierung einiger Kapitel: Maṇakkuṭavar etwa ordnet mehrere Kapitel den Tugenden des Hausvaters zu, die spätere Ausgaben unter die des Entsagenden stellen, und umgekehrt. Mit anderen Worten: Die Reihenfolge der Zweizeiler, die Leser heute sehen, ist selbst eine Deutung.

Parimēlaḻakars Fassung setzte sich durch. Nur sein Kommentar erhielt Subkommentare, die erste gedruckte Ausgabe von 1812 folgte seiner Anordnung, und fast jede spätere Ausgabe und Übersetzung tat dasselbe. Seine Lesart war von einer bestimmten Sichtweise geprägt: Er bestimmte aṟam (Tugend) als das Tun dessen, was Texte wie das Gesetzbuch des Manu gebieten, und das Meiden dessen, was sie verbieten. Im 20. Jahrhundert schrieben tamilische Autoren wie Pulavar Kuḻantai neue Kommentare gegen ihn, um den Kural aus brahmanischen und Sanskrit-Bezugsrahmen zu lösen.

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Mittel

Unterdessen in der Welt: ethische Verse und die Wissenschaft der Könige in Südasien

Wenn der Kural um das 5. Jahrhundert entstand, gehört er in eine Zeit, in der überall in Südasien das Ideal des guten Lebens in kurzen, einprägsamen Versen und in systematischen Abhandlungen niedergelegt wurde. Die deutlichsten Verbindungen sind keine politischen Ereignisse, sondern gemeinsame Gedanken und Formen, und sie lassen sich in den Texten selbst verfolgen.

Die erste Verbindung besteht zu den Sanskrit-śāstras, den „Wissenschaften“ des Verhaltens. Die drei Bücher des Kural spiegeln die drei Sanskrit-Begriffe dharma, artha und kāma wider, zu denen es jeweils eine eigene Literatur gibt: Rechtsbücher wie die Manusmṛti, das Arthaśāstra über die Regierung und das Kāmasūtra über die Liebe. Manche Parallelen sind eng: Die sechs Dinge, die ein König besitzen muss, im Eröffnungszweizeiler des Buches des Reichtums, entsprechen zusammen mit dem König selbst den sieben Elementen des Staates, die zu Beginn von Buch VI des Arthaśāstra aufgezählt werden. Doch die Forschung weist auch auf Unterschiede hin: Der Kural räumt den Bauern einen Vorrang ein, den das Arthaśāstra nicht kennt, und seine Tugendlehre gilt, wie mehrere tamilische Gelehrte betonen, für alle, statt unterschiedliche Pflichten für verschiedene Kasten vorzusehen. Im Norden erlebte unterdessen die höfische Sanskrit-Literatur unter der Gupta-Dynastie (um 320–550) eine Blüte, darunter die Dichtung und die Dramen des Kālidāsa – eine Welt kunstvollen Schmucks, ganz anders als die schlichten Aphorismen des Kural.

Die zweite Verbindung besteht zur buddhistischen und jainistischen Verslehre. Das Pali-Dhammapada, eine Anthologie von 423 Versen in 26 thematischen Kapiteln, war im 5. Jahrhundert bereits ein alter Text, als der große Kommentar dazu entstand, den die Überlieferung dem in Sri Lanka wirkenden Gelehrten Buddhaghosa zuschreibt. Wie der Kural ordnet es kurze ethische Verse unter thematischen Kapitelüberschriften, und moderne Forschende haben vergleichende Studien zu beiden Büchern verfasst. Innerhalb der tamilischen Literatur wurde das jainistische Nālaṭiyār – vierhundert moralische Vierzeiler, ebenfalls nach Tugend, Reichtum und Liebe gegliedert – so eng mit dem Kural verbunden, dass ein tamilisches Sprichwort beide auf eine Stufe stellt.

Eine dritte Verbindung zeigt, dass der Kural fast von Anfang an religiöse Grenzen überschritt. Das buddhistische Maṇimēkalai zitiert einen Kural-Vers zur Stützung seiner eigenen Erzählung, und viel später, im 14. Jahrhundert, nannte ein jainistischer Kommentator den Kural „unsere Schrift“. Der Kural war damit Teil einer gemeinsamen südasiatischen Kultur moralischer Verse, in der Hindus, Jainas und Buddhisten aus demselben Vorrat an Gedanken über Gewaltlosigkeit, Selbstbeherrschung und gute Regierung schöpften und um ihn wetteiferten.

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Mittel

Der Kural im modernen Tamil Nadu: Denkmäler, Bildnisse und Politik

Im 20. Jahrhundert wurde der Kural zum Symbol tamilischer Identität. Führer der Dravidischen Bewegung, die sich gegen das stellte, was sie als brahmanische und sanskritische Vorherrschaft ansah, präsentierten ihn als Beweis einer eigenständigen, ethischen tamilischen Zivilisation; der Reformer Periyar E. V. Ramasamy, der ihn zunächst als zu nahe an brahmanischen Gesetzbüchern abgetan hatte, lobte ihn später als Grundlage der dravidischen Kultur. Tamil Nadu begeht jeden Januar den Thiruvalluvar-Tag, und Zweizeiler sind an öffentlichen Orten zu sehen, auch in Bussen.

Das Bild des Dichters wurde bewusst gestaltet. Ein Porträt des Malers K. R. Venugopal Sharma, das Vaḷḷuvar in weißen Gewändern mit langem Bart und ohne religiöse oder Kastenzeichen zeigt, erhielt in den 1960er-Jahren amtliche Anerkennung; es wurde 1964 von Zakir Husain, damals Vizepräsident Indiens, enthüllt und wurde zur Fassung, die in Behörden und amtlichen Veröffentlichungen reproduziert wird. Der Künstler erklärte, er habe konfessionelle Zeichen weggelassen, weil der Kural lehre, wie Menschen rechtschaffen leben sollen, und nicht ein bestimmtes Bekenntnis.

Denkmäler folgten. In Chennai hat das Valluvar Kottam, Mitte der 1970er-Jahre unter dem Regierungschef (Chief Minister) des Bundesstaates, M. Karunanidhi, errichtet und vom Architekten V. Ganapati Sthapati entworfen, eine steinerne Nachbildung eines Tempelwagens und Hallen, in denen alle 1.330 Zweizeiler in Granit gemeißelt sind; es wurde 1976 eröffnet und nach einer Renovierung 2025 wiedereröffnet. Am 1. Januar 2000 weihte Karunanidhi Ganapati Sthapatis 133 Fuß (etwa 41 Meter) hohe Steinstatue des Tiruvaḷḷuvar auf einem Felsen vor Kanyakumari ein: Ihr 38 Fuß hoher Sockel steht für die 38 Kapitel über die Tugend, die 95 Fuß hohe Figur für die Bücher über Reichtum und Liebe.

Weil das Bild des Dichters so viel Bedeutung trägt, führen Änderungen daran zu Konflikten. Im November 2019 veröffentlichte der Landesverband Tamil Nadu der Bharatiya Janata Party ein Bild des Vaḷḷuvar in safranfarbenen Gewändern mit heiliger Asche und Rudrākṣa-Perlen. Oppositionsparteien unter Führung der DMK warfen ihr vor, einen universalen Dichter für den Hindu-Nationalismus vereinnahmen zu wollen, während BJP-Politiker erwiderten, die dravidischen Parteien hätten ihm zuvor seine hinduistischen Symbole genommen. Kurz darauf wurde eine Vaḷḷuvar-Statue in Pillaiyarpatti bei Thanjavur durch Vandalismus beschädigt, was den Streit darüber verschärfte, wer das Bild des Dichters bestimmen darf.

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Fortgeschritten

Verschiedene Perspektiven

Datierungsschulen. Eine traditionelle und tamilisch-nationalistische Schule setzt Vaḷḷuvar in die letzten Jahrhunderte v. Chr., verbindet ihn mit der Caṅkam-Legende und, für manche, mit dem symbolischen Jahr 31 v. Chr. Eine philologische Schule, vertreten durch Vaiyapuri Pillai und Zvelebil, argumentiert anhand von Sprache, Versmaß, Lehnwörtern und Beziehungen zu anderen Texten für ungefähr das 5. oder 6. Jahrhundert n. Chr. Hinter den Zahlen steht eine tiefere Frage: ob der Kural als Erzeugnis der frühesten tamilischen Vergangenheit oder einer späteren, stärker gemischten Kultur gesehen wird. Keines der Extreme lässt sich beweisen; ein Datum im 5. oder frühen 6. Jahrhundert hat die breiteste akademische Unterstützung, doch Fachleute betrachten die Frage weiterhin als offen.

Religiöse Zugehörigkeit. Fast jede Religionsgemeinschaft Südindiens hat den Dichter für sich beansprucht. Viele Forschende, darunter Zvelebil und der jainistische Gelehrte A. Chakravarti, sehen einen jainistischen Hintergrund in der Betonung des Nicht-Tötens, des Vegetarismus und der Selbstbeherrschung sowie in Gottesbeinamen wie „der auf der Blume wandelte“ und „der mit den acht Eigenschaften“. Andere lesen das Werk als hinduistisch und verweisen auf den Plan dharma–artha–kāma, auf eine Erwähnung „des Lotosäugigen“ (meist Vishnu) und auf Parimēlaḻakars Kommentar; manche argumentieren speziell für den Śaiva Siddhānta. Der dalitische buddhistische Reformer Iyothee Thass beanspruchte den Kural als buddhistisches Werk, Pope sah christlichen Einfluss, und viele heutige Leser betonen seinen überkonfessionellen Charakter. Wie der Gelehrte François Gros bemerkte, wird selbst die Lotos-Bildsprache für Vishnu, Brahmā, die jainistischen Tīrthaṅkaras und den Buddha gleichermaßen verwendet.

Sanskrit oder Tamil? Eine verwandte Debatte fragt, wie viel der Kural der Sanskrit-Literatur verdankt. Am einen Ende des Spektrums hat R. Nagaswamy argumentiert, er sei im Wesentlichen eine Kurzfassung von Sanskrit-Traktaten; am anderen Ende haben Autoren der dravidischen Tradition ihn als bewusste Absage an sanskritische und brahmanische Werte gelesen. Zwischen diesen Polen akzeptieren viele Forschende, dass der Kural Sanskrit-Gedanken kennt und sie manchmal eng aufgreift, wie in der Liste der Elemente eines Königreichs, sind sich aber uneins darüber, wie weit er sie in tamilischen Dichtungsformen umgestaltet. Manche, etwa S. Maharajan, argumentieren, sein Begriff von aṟam sei universal, anders als die kastengebundenen Pflichten der Dharmaśāstras; andere lesen ihn innerhalb des brahmanischen Rahmens, wie Parimēlaḻakar es tat.

Übersetzungsentscheidungen. Übersetzungsentscheidungen können die Deutung prägen, und manche Übersetzungen spiegeln erkennbare Positionen. Beschi ließ das Buch der Liebe aus; Pope stellte den Dichter als vom Christentum berührten Eklektiker dar; Übersetzer müssen entscheiden, ob sie aṟam mit „Tugend“, „Rechtschaffenheit“ oder dem von der Sanskrit-Tradition geprägten Begriff „dharma“ wiedergeben und ob der Ādi Bhagavan des ersten Zweizeilers „Gott“, „der Urherr“ oder ein unübersetzter Name ist. Der Reihenfolge und den Unterabschnitten Parimēlaḻakars zu folgen, wie es fast alle Übersetzungen tun, überträgt ebenfalls eine mittelalterliche Lesart. Der Vergleich von Fassungen kann daher unterschiedliche Annahmen über die Religion des Kural und sein Verhältnis zur Sanskrit-Kultur offenlegen.

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Fortgeschritten

Belege und Methode: einen Text ohne Verfasser und ohne Datum lesen

Die Erforschung des Kural beruht auf ungewöhnlichen Belegen. Es gibt kein Autograf, keine frühe Handschrift und keine vom Werk unabhängige Biografie des Verfassers. Zwischen der wahrscheinlichen Entstehungszeit und den ältesten erhaltenen Handschriften liegt eine Lücke von vielleicht tausend Jahren. Die Forschung stützt sich daher auf drei Arten von Zeugnissen: Zitate in anderen Werken (das Zitat von Vers 55 im Maṇimēkalai und die Hunderte von Versen, die in grammatischen Kommentaren wie dem des Iḷampūraṇar zum Tolkāppiyam angeführt werden), die mittelalterlichen Kommentare mit ihren konkurrierenden Versfolgen und die inneren Hinweise aus Sprache und Inhalt.

Jede Art hat Grenzen. Zitate beweisen, dass ein Vers spätestens zu einem bestimmten Zeitpunkt existierte, aber nicht, dass damals schon das ganze Buch vorlag oder in welcher Reihenfolge. Kommentare zeigen, wie der Text gelesen wurde, aber sie formten ihn auch um, und der moderne Druck hat ihre Meinungsverschiedenheiten verdeckt, indem er allein Parimēlaḻakar folgte. Sprachliche Datierung hängt von den Daten anderer tamilischer Texte ab, die ihrerseits umstritten sind. Manche neuere Forschung, etwa die Studie von Jason W. Smith, stellt deshalb die Suche nach dem historischen Verfasser und seiner Religion zurück und fragt stattdessen, wie der Text in der Form, die Leser tatsächlich vor sich haben, auf sein Publikum wirkt. Nachzuzeichnen, wie Legenden, Bildnisse und Denkmäler im 19. und 20. Jahrhundert hervorgebracht wurden, wie Blackburn es für die Legende getan hat, ist zu einem eigenen Forschungsfeld geworden.

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Kernideen

Aṟam (Tugend)
Rechtes Verhalten, Thema des ersten Buches; es umfasst häusliche Pflichten wie Gastfreundschaft und Dankbarkeit und für Entsagende Selbstbeherrschung und Gewaltlosigkeit. Ob es mit dem Sanskrit-Begriff dharma gleichzusetzen ist, ist umstritten.
Poruḷ (Reichtum und Staatswesen)
Die praktische Welt der Herrscher, Minister, Verbündeten, Heere, des Geldes, der Freundschaft und der Arbeit, behandelt im längsten Buch mit siebzig Kapiteln.
Iṉpam oder kāmam (Liebe)
Liebe zwischen Mann und Frau, beim Werben umeinander und in der Ehe, dargestellt mit den Stimmen der Liebenden nach den Konventionen der klassischen tamilischen Liebesdichtung.
Nicht-Töten und Vegetarismus
Die Kapitel 26 (Verzicht auf Fleisch) und 33 (Nicht-Töten) machen das Mitgefühl mit allen Lebewesen zu einer zentralen Tugend, eine Haltung, die oft mit der jainistischen Ethik verbunden wird.
Dankbarkeit
Kapitel 11 behandelt das Erinnern an eine empfangene Wohltat als grundlegende Pflicht; ihr Vergessen erscheint als fast das einzige Unrecht ohne Ausweg.
Gutes für Böses
Das Ideal, auf zugefügten Schaden mit Güte zu antworten, sodass sich der Übeltäter schämt (Vers 314), auf das sich moderne Verfechter der Gewaltlosigkeit berufen.
Der Vorrang des Ackerbaus
Das Kapitel über die Landwirtschaft stellt den Ackerbau an die erste Stelle unter den Tätigkeiten, weil alle anderen von denen abhängen, die pflügen.

Einträge

  1. um 31 v. Chr. — 31 v. Chr.: das Geburtsjahr, das tamilische Erneuerer später Vaḷḷuvar zuwiesen; eine moderne Konvention, kein historischer Beleg, heute Grundlage des „Thiruvalluvar-Jahres“.
  2. um 450 n. Chr. — Wahrscheinliche Entstehungszeit nach Kamil Zvelebil (450–500 n. Chr.); andere moderne Vorschläge reichen meist von etwa 300 v. Chr. bis ins 6. Jahrhundert.
  3. um 550 n. Chr. — Das tamilische buddhistische Epos Maṇimēkalai, gewöhnlich um das 6. Jahrhundert datiert, zitiert einen Kural-Zweizeiler und nennt dessen Verfasser „den Dichter, der nicht lügt“.
  4. um 975 n. Chr. — Maṇakkuṭavar schreibt den Kommentar zum Kural, der allgemein als der früheste erhaltene gilt (spätes 10. Jahrhundert).
  5. um 1275 — Parimēlaḻakar schreibt seinen Kommentar (spätes 13. Jahrhundert), der später zur maßgeblichen Anordnung und Lesart des Textes wird.
  6. 1730 — Der jesuitische Missionar C. J. Beschi übersetzt die Bücher über Tugend und Reichtum ins Lateinische.
  7. 1812 — Der Kural wird erstmals gedruckt, in Madras, nach der Anordnung des Parimēlaḻakar.
  8. 1886 — G. U. Pope veröffentlicht in London die erste vollständige englische Versübersetzung durch einen einzigen Übersetzer und druckt Beschis lateinische und Ellis’ englische Fassung in den Anmerkungen nach.
  9. 1908 — Lew Tolstoi zitiert „den Hindu-Kural“ in seinem „Brief an einen Hindu“ (14. Dezember), den Gandhi später mit einer Einleitung versieht und ins Gujarati übersetzt.
  10. 1964 — K. R. Venugopal Sharmas Porträt des Vaḷḷuvar in weißem Gewand, ohne konfessionelle Zeichen, wird von Vizepräsident Zakir Husain enthüllt und wird zum amtlichen Bild.
  11. 1976 — Die Gedenkstätte Valluvar Kottam, in der alle 1.330 Zweizeiler in Granit gemeißelt sind, wird in Chennai eröffnet.
  12. 2000 — Am 1. Januar wird eine 133 Fuß hohe Steinstatue des Tiruvaḷḷuvar auf einem Felsen vor Kanyakumari eingeweiht.

Glossar

Kuṟaḷ veṇpā
Das zweizeilige tamilische Versmaß des Kural: vier Versfüße in der ersten Zeile, drei in der zweiten.
Atikāram
Ein Kapitel des Kural; es gibt 133, jedes mit zehn Zweizeilern zu einem Thema.
Pāl
Eines der drei Bücher des Kural: Aṟattuppāl (Tugend), Poruṭpāl (Reichtum) und Kāmattuppāl (Liebe).
Caṅkam
Die legendären Akademien tamilischer Dichter in Madurai; der Name wird auch für die älteste Schicht der tamilischen Dichtung verwendet.
Patiṉeṇkīḻkkaṇakku
„Die achtzehn kleineren Werke“, eine spätere Zusammenstellung überwiegend lehrhafter tamilischer Texte, zu der der Kural und das Nālaṭiyār gehören.
Urai
Ein Prosakommentar, der einen tamilischen Text Vers für Vers erklärt; die Überlieferung nennt zehn Kommentatoren des Kural.
Puruṣārtha (trivarga)
Die Sanskrit-„Lebensziele“: dharma, artha und kāma (die trivarga), dazu mokṣa, die Erlösung.
Akam und puṟam
„Innen“ und „außen“: die beiden großen Kategorien der klassischen tamilischen Dichtung, Liebe und öffentliches Leben, die in den Büchern des Kural über Liebe und Staatswesen nachklingen.

Fragen und Antworten

Warum hat jedes Kapitel genau zehn Zweizeiler?

Niemand weiß, ob der Verfasser das so plante oder spätere Bearbeiter den Text vereinheitlichten. Alle erhaltenen mittelalterlichen Kommentare haben bereits 133 Kapitel zu zehn Versen, die Anordnung ist also mindestens etwa tausend Jahre alt.

Hat Tiruvaḷḷuvar wirklich gelebt?

Jemand hat den Kural verfasst, und die mittelalterlichen Kommentatoren behandelten ihn alle als Werk eines einzigen Verfassers, doch sein wirklicher Name und sein Leben sind unbekannt. Die Geschichten über seine Eltern, seine Frau und Wunder wurden viel später aufgeschrieben und gelten in der Geschichtswissenschaft als Legende.

Wurde der Kural von einem Jaina, einem Hindu oder jemand anderem geschrieben?

Der Text sagt es nie. Es gibt starke Argumente für einen jainistischen Hintergrund, auch hinduistische Lesarten sind alt und weit verbreitet, während andere das Werk als bewusst überkonfessionell sehen. Die meisten Forschenden sind sich einig, dass die Belege die Frage nicht entscheiden können.

Ist der Kural älter als die Bibel oder die Gespräche des Konfuzius?

Wahrscheinlich nicht. Manche tamilischen Traditionen datieren ihn in die letzten Jahrhunderte v. Chr., doch die meisten Fachleute setzen ihn um das 5. oder 6. Jahrhundert n. Chr. an, also später als den größten Teil der Hebräischen Bibel und die Gespräche des Konfuzius.

Warum ließen frühe Übersetzer das Buch der Liebe weg?

Beschi übersetzte 1730 nur die ersten beiden Bücher, eine Entscheidung, die gewöhnlich mit seiner Ansicht erklärt wird, ein Missionar solle keine erotische Dichtung übersetzen. Spätere Übersetzer, darunter Pope, veröffentlichten alle drei Bücher.

Wie verlässlich ist der Text, den wir heute lesen?

Der Wortlaut der meisten Verse ist stabil, auch wenn Kommentatoren abweichende Lesarten verzeichnen. Stärker verändert hat sich die Anordnung: Die Reihenfolge der Verse innerhalb der Kapitel, die Unterabschnitte und, im Buch der Tugend, die Reihenfolge einiger Kapitel in modernen Ausgaben stammen von Parimēlaḻakar, und andere Kommentatoren ordneten sie anders.

Warum ist die Statue in Kanyakumari 133 Fuß hoch?

Ihre Höhe entspricht den 133 Kapiteln des Kural; der 38 Fuß hohe Sockel steht für die 38 Kapitel des Buches der Tugend, die 95 Fuß hohe Figur für die beiden anderen Bücher.

Quellen und weiterführende Literatur

  1. Jason William Smith, Tacit Tirukkuṟaḷ: Religion, Ethics, and Poetics in a Tamil Literary Tradition (Th.D. dissertation). Harvard Divinity School, Harvard University, 2020
  2. Stuart Blackburn, Corruption and Redemption: The Legend of Valluvar and Tamil Literary History. Modern Asian Studies 34(2): 449–482, 2000
  3. Norman Cutler, Interpreting Tirukkuṟaḷ: The Role of Commentary in the Creation of a Text. Journal of the American Oriental Society 112(4): 549–566, 1992
  4. Kamil Zvelebil, The Smile of Murugan: On Tamil Literature of South India. E. J. Brill, Leiden, 1973
  5. Kamil Zvelebil, Tamil Literature (A History of Indian Literature, vol. X, fasc. 1). Otto Harrassowitz, Wiesbaden, 1974
  6. Tirukkuṟaḷ of Tiruvaḷḷuvar (Tamil text). Project Madurai
  7. G. U. Pope, The ‘Sacred’ Kurral of Tiruvalluva-Nayanar, with Introduction, Grammar, Translation, Notes. W. H. Allen & Co., London (Internet Archive scan), 1886
  8. Kural. Wikipedia
  9. Valluvar. Wikipedia
  10. Dating the Tirukkural. Wikipedia
  11. Tirukkuṟaḷ translations into Latin. Wikipedia
  12. Tirukkural translations into English. Wikipedia
  13. Manakkudavar. Wikipedia
  14. Valluvar year. Wikipedia
  15. Nālaṭiyār. Wikipedia
  16. First page of the 1812 Madras edition of the Thirukkural (image and description). Wikimedia Commons
  17. Ramanathan S., Is Tamil New Year really ‘Tamil’? Politics of Thai vs Chitirai. The News Minute, 2017
  18. Leo Tolstoy, A Letter to a Hindu (with an introduction by M. K. Gandhi). Project Gutenberg, 1908
  19. ‘Thirukkural’ translation to be made available in 30 more languages by Jan 2026, says official. The Week (PTI), 2025
  20. Tamil Nadu observes birth anniversary of poet-saint Thiruvalluvar. All India Radio News (newsonair.gov.in), 2026
  21. How did Venugopal Sharma create the official portrait of Thiruvalluvar? (in Tamil). Vikatan, 2019
  22. Valluvar Kottam. Chennai District Administration, Government of Tamil Nadu
  23. Valluvar Kottam back to glory; CM Stalin unveils 2.0 on June 21. DT Next, 2025
  24. Thiruvalluvar Statue. Kanniyakumari District Administration, Government of Tamil Nadu
  25. Thiruvalluvar Statue. Wikipedia
  26. Thiruvalluvar in orange robes: DMK and CPI(M) slam BJP for ‘saffronising’ legendary poet. The News Minute, 2019
  27. Venerated Tamil poet dragged into ugly political row in Tamil Nadu. Deccan Chronicle, 2019
  28. Acharya Buddharakkhita (trans.), The Dhammapada: The Buddha’s Path of Wisdom (introduction by Bhikkhu Bodhi). Access to Insight
  29. Dhammapada. Wikipedia
  30. Gupta Empire. World History Encyclopedia, 2015

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Mit KI-Unterstützung auf Grundlage der oben aufgeführten veröffentlichten Quellen verfasst und bei neuen Forschungsergebnissen überarbeitet.

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