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Für junge Leser
Schau dir den Himmel in diesem Gemälde an. Er ist nicht ruhig und flach wie ein echter Nachthimmel auf einem Foto. Er wirbelt und wogt wie Wellen im Meer. Die Sterne sind große leuchtende Kugeln mit Lichtringen darum, und der Mond ist eine helle gelbe Sichel.
Unten liegt ein kleines schlafendes Dorf mit einem nach oben zeigenden Kirchturm. Links steigt eine hohe, dunkle Zypresse wie eine Flamme auf und reicht vom Boden bis zu den Sternen.
Der Maler Vincent van Gogh kam aus den Niederlanden. Er war sehr krank gewesen, mit beängstigenden Anfällen, die seinen Geist verwirrten, deshalb entschied er sich 1889, in einer Klinik in einem kleinen Ort namens Saint-Rémy im Süden Frankreichs zu bleiben. Von seinem Schlafzimmerfenster aus konnte er Felder und Hügel sehen, und eines frühen Morgens beobachtete er vor Sonnenaufgang einen sehr hellen „Morgenstern“.
Er durfte in seinem Schlafzimmer nicht malen, deshalb malte er das Bild in einem Atelierraum im Erdgeschoss, wobei er sich an das erinnerte, was er gesehen hatte, und seine Skizzen benutzte. Er fügte sogar ein Dorf hinzu, das er von seinem Fenster aus gar nicht wirklich sehen konnte.
Van Gogh malte mit dicker Farbe und kurzen, kräftigen Pinselstrichen, die man fast fühlen kann. Er selbst war sich nicht sicher, ob das Gemälde gut war. Heute hängt es in einem Museum in New York, und Millionen Menschen kommen, um es zu sehen.
Auf einen Blick
- Künstler
- Vincent van Gogh (1853–1890), niederländischer Maler
- Datum
- Mitte Juni 1889; in einem Brief vom etwa 18. Juni 1889 als fertig erwähnt
- Entstehungsort
- Heilanstalt Saint-Paul-de-Mausole, nahe Saint-Rémy-de-Provence, Frankreich
- Technik und Größe
- Öl auf Leinwand, 73,7 × 92,1 cm
- Standort
- Museum of Modern Art (MoMA), New York, seit 1941 (Vermächtnis Lillie P. Bliss)
- Katalognummern
- F612 (de la Faille), JH1731 (Hulsker)
- Motiv
- Blick nach Osten aus Van Goghs Schlafzimmerfenster vor der Dämmerung, mit dem Morgenstern (Venus), einer Mondsichel, einer Zypresse und einem erdachten Dorf
- Stil
- Postimpressionismus; ausdrucksstarker Pinselstrich und Farbe
Einfach
Was ist Die Sternennacht?
Die Sternennacht ist ein Ölgemälde des niederländischen Künstlers Vincent van Gogh, entstanden im Juni 1889, während er Patient in der Heilanstalt Saint-Paul-de-Mausole nahe der Stadt Saint-Rémy-de-Provence in Südfrankreich war. Es ist recht klein, etwa 74 mal 92 Zentimeter, ungefähr so groß wie ein großes Plakat.
Es zeigt einen Nachthimmel voller wirbelnder Lichtströme, elf leuchtende Sterne, eine helle Mondsichel, sanfte Hügel, ein kleines Dorf mit Kirchturm und eine dunkle Zypresse, die im Vordergrund aufragt. Der Himmel nimmt den größten Teil des Bildes ein und scheint sich zu bewegen, während das Dorf darunter still daliegt.
Seit 1941 gehört das Gemälde dem Museum of Modern Art in New York, das es durch das Vermächtnis der Sammlerin Lillie P. Bliss erwarb. Heute ist es eines der bekanntesten Bilder der Kunstgeschichte, reproduziert auf Postern, Tassen, Kleidung und Bildschirmen auf der ganzen Welt.
Einfach
Wie man das Gemälde betrachtet
Beginnen wir mit dem Himmel. Van Gogh malte ihn mit kurzen, dicken Strichen in Blau, Weiß und Gelb, die nebeneinander gesetzt sind. In der Mitte scheinen sich zwei große, sich kräuselnde Formen ineinander zu wälzen wie eine Welle oder ein Wirbelsturm. Um jeden Stern und den Mond liegen Lichtringe, als würde das Licht pulsieren.
Nun schau dir die Zypresse links an. Sie ist in dunklen Grün- und Brauntönen mit flackernden, flammenartigen Strichen gemalt. Sie ist das Höchste im Bild und verbindet die Erde mit dem Himmel. Rechts, niedrig über den Hügeln, ist der hellste Stern der Planet Venus, den man den Morgenstern nennt.
Blicke dann hinunter auf das Dorf. Seine Häuser sind mit geraden Linien und kleinen gelben Lichtquadraten in den Fenstern gezeichnet. Der Kirchturm ist hoch und schmal, eher wie eine Kirche in den Niederlanden, wo Van Gogh aufwuchs, als wie die Kirchen der Provence. Die ruhigen, geraden Linien des Dorfes stehen im Gegensatz zur wirbelnden Energie des Himmels.
Achte schließlich auf die Farbe selbst. Sie ist oft so dick aufgetragen, dass sie von der Leinwand absteht, eine Technik, die Impasto genannt wird. Jeder Strich hat eine Richtung, und zusammen erzeugen die Striche über das ganze Bild hinweg ein Gefühl von Bewegung.
Einfach
Wer war Vincent van Gogh?
Vincent van Gogh wurde 1853 in Zundert im Süden der Niederlande als Sohn eines Pfarrers geboren. Bevor er Künstler wurde, arbeitete er für einen Kunsthändler, als Lehrer und als Laienprediger unter armen Bergarbeitern in Belgien. Erst mit etwa 27 Jahren entschied er sich, Maler zu werden, und war weitgehend Autodidakt.
Seine frühen Gemälde, etwa Die Kartoffelesser (1885), sind dunkel und erdig. 1886 zog er nach Paris, um bei seinem jüngeren Bruder Theo zu leben, einem Kunsthändler, der ihn sein ganzes Leben lang mit Geld und Ermutigung unterstützte. Dort entdeckte er die leuchtenden Farben der Impressionisten und die kühnen Kompositionen japanischer Holzschnitte, die er sammelte und kopierte.
1888 zog er nach Arles in Südfrankreich, in der Hoffnung, eine Künstlergemeinschaft zu gründen. Der Maler Paul Gauguin schloss sich ihm für zwei Monate an, doch im Dezember 1888 erlitt Van Gogh eine psychische Krise, während der er sich einen Teil des linken Ohrs abschnitt. Nach weiteren Anfällen trat er am 8. Mai 1889 freiwillig in die Heilanstalt von Saint-Rémy ein.
Während seines Jahres dort malte er rund 150 Werke. Im Mai 1890 zog er nach Auvers-sur-Oise bei Paris, wo er am 29. Juli 1890 starb, zwei Tage nach einer Schussverletzung, die allgemein als selbst zugefügt gilt. Zu Lebzeiten hatte er nur sehr wenig verkauft. Theo starb sechs Monate später, und Theos Witwe Jo van Gogh-Bonger arbeitete unermüdlich daran, Vincents Kunst und Briefe bekannt zu machen.
Mittel
Wie und wo es gemalt wurde
Saint-Paul-de-Mausole war ein ehemaliges Kloster, das als private Heilanstalt genutzt wurde. Sie war weniger als halb belegt, als Van Gogh ankam, sodass er ein Schlafzimmer im Obergeschoss und einen Raum im Erdgeschoss als Atelier erhielt. Sein mit Eisenstäben versehenes Schlafzimmerfenster blickte nach Osten über ein ummauertes Weizenfeld auf die niedrigen Alpilles-Hügel. Er malte diesen Blick etwa zwanzig Mal, in verschiedenen Jahreszeiten und bei unterschiedlichem Wetter, und Die Sternennacht ist die einzige Fassung, die nachts spielt.
Die Klinik erlaubte ihm nicht, in seinem Schlafzimmer zu malen, aber er durfte dort zeichnen. Die Sternennacht wurde daher tagsüber in seinem Atelier gemalt, ausgehend von dem, was er vom Fenster aus beobachtet hatte, von Zeichnungen und seiner Vorstellungskraft. Das Dorf stammt aus einer separaten Skizze von Saint-Rémy, die von einem Hang aus gemacht wurde, und die Zypressen könnten näher herangerückt oder vergrößert worden sein, um die Komposition zu verstärken.
Etwa Anfang Juni schrieb er Theo, er habe die Landschaft von seinem Fenster aus gesehen, „lange vor Sonnenaufgang, mit nichts als dem Morgenstern, der sehr groß aussah“. Astronomen haben bestätigt, dass die Venus zu jener Zeit am Morgenhimmel der Provence sehr hell war. In einem Brief vom etwa 18. Juni berichtete er: „Endlich habe ich eine Landschaft mit Olivenbäumen, und auch eine neue Studie eines Sternenhimmels.“
Die Analyse der Farbe durch Wissenschaftler des MoMA und des Rochester Institute of Technology hat Ultramarin und Kobaltblau im Himmel sowie das seltene Pigment Indischgelb zusammen mit Zinkgelb in den Sternen und im Mond nachgewiesen.
Mittel
Komposition und Farbe
Das Bild ist auf wenigen starken Linien aufgebaut. Die sanften Hügel der Alpilles ziehen sich diagonal von rechts herein, wie in fast allen von Van Goghs Ansichten aus seinem Fenster. Zwei hohe vertikale Formen, die Zypresse links und der Kirchturm in der Mitte, durchschneiden das horizontale Band des Dorfes und verbinden Erde und Himmel. Über ihnen verläuft der große Wirbel horizontal über die Mitte des Himmels und bildet ein Gegengewicht zur dunklen Masse der Zypresse.
Farbe leistet ebenso viel wie Linie. Van Gogh hatte Farbtheorie studiert, insbesondere die mit Eugène Delacroix und dem Kritiker Charles Blanc verbundenen Vorstellungen davon, wie Komplementärfarben wie Blau und Orange oder Violett und Gelb sich gegenseitig verstärken, wenn sie nebeneinander gesetzt werden. In Der Sternennacht lassen die tiefen Blautöne des Himmels die Gelbtöne der Sterne, des Mondes und der Fenster heller leuchten, und das hellere Blauband über den Hügeln mag das erste Licht der Dämmerung andeuten.
Auch seine Erfahrung mit japanischen Holzschnitten prägte seinen Ansatz. Von ihnen lernte er, kräftige Konturen, flächige Farbbereiche und dekorative Rhythmen statt realistischer Schattierung zu verwenden. In Der Sternennacht zeigen die konturierten Hügel, der gemusterte Himmel und die flammenartige Zypresse, wie er diese Lektionen mit seinem eigenen dicken, energiegeladenen Pinselstrich verband.
Kurz nach Fertigstellung des Gemäldes fertigte Van Gogh außerdem eine Rohrfederzeichnung danach an, Zypressen in der Sternennacht, die den wirbelnden Himmel in Linien und Punkte übersetzt. Die Zeichnung, früher in der Kunsthalle Bremen, ging am Ende des Zweiten Weltkriegs verloren und ist heute Teil der umstrittenen Baldin-Sammlung in Russland.
Mittel
Sterne vor der Sternennacht
Van Gogh hatte schon lange einen Sternenhimmel malen wollen. Kurz nach seiner Ankunft in Arles 1888 schrieb er, er brauche „eine Sternennacht mit Zypressen oder vielleicht über einem Feld reifen Weizens“. In jenem September malte er Caféterrasse am Abend mit Sternen über einer beleuchteten Straße sowie Sternennacht über der Rhône, mit dem Sternbild Großer Bär über dem Fluss bei Arles.
Der Nachthimmel trug für ihn auch eine tiefe persönliche Bedeutung. In einem Brief an Theo vom Juli 1888 schrieb er, der Anblick der Sterne lasse ihn immer träumen, und „so wie wir den Zug nehmen, um nach Tarascon oder Rouen zu fahren, nehmen wir den Tod, um zu einem Stern zu gelangen“. Er hatte die strenge Religion seiner Jugend aufgegeben, scheint aber eine Hoffnung auf eine Art Leben nach dem Tod bewahrt zu haben, die er mit den Sternen verband.
Nach dem Malen von Sternennacht über der Rhône schrieb er von einem „gewaltigen Bedürfnis nach, soll ich das Wort sagen, nach Religion – also gehe ich nachts hinaus, um die Sterne zu malen“. Doch 1889 bestand er auch darauf, dass sein Nachtgemälde „keine Rückkehr zu romantischen oder religiösen Vorstellungen“ sei. Die Sternennacht entsteht somit aus einer langen, vielschichtigen Beziehung zu Nachthimmel, Natur und Glauben.
Mittel
Was Van Gogh davon hielt
Van Gogh sagte überraschend wenig über Die Sternennacht. Im September 1889 zählte er es unter den Gemälden auf, die er Theo schicken wollte, nannte es schlicht eine „Nachtstudie“ und fügte hinzu, das meiste aus dieser Sendung sage ihm nichts. Als er beschloss, ein paar Gemälde zurückzuhalten, um Portokosten zu sparen, war es eines der zurückbehaltenen, doch er schickte es Ende September ab.
Theo, der es in Paris erhielt, schrieb im Oktober 1889, er könne spüren, was Vincent bei den neuen Leinwänden beschäftigte, etwa beim Dorf im Mondlicht, empfand aber, dass „die Suche nach Stil den echten Gehalt der Dinge wegnimmt“. Vincent antwortete, er fühle sich tatsächlich zur Suche nach Stil gedrängt, worunter er eine bewusstere Art des Zeichnens verstand.
In einem Brief an den Maler Émile Bernard Ende November 1889 äußerte er sich kritischer. Er erklärte, als Gauguin bei ihm in Arles gewesen sei, habe er sich zur „Abstraktion“ verleiten lassen, aus der Vorstellung statt nach der Natur zu malen, und das sei ein Fehler gewesen. „Wieder einmal erlaube ich mir, Sterne zu groß zu machen“, schrieb er und nannte es einen erneuten Rückschlag. Viele Gelehrte lesen dies als Verweis auf Die Sternennacht.
Das Gemälde steht daher im Zentrum einer Debatte, die Van Gogh mit sich selbst und seinen Freunden führte: Sollte ein Künstler malen, was vor ihm liegt, oder was er sich vorstellt? Die Sternennacht vermischt beides.
Mittel
Vom Haus eines Bruders zu Weltruhm
Nach Vincents Tod 1890 und Theos Tod 1891 ging das Gemälde an Theos Witwe Jo van Gogh-Bonger über. Sie verkaufte es 1900 an den Dichter Julien Leclercq, der es 1901 an den Maler Émile Schuffenecker, einen Freund Gauguins, weiterverkaufte. Jo kaufte es zurück und verkaufte es 1906 über eine Rotterdamer Galerie an Georgette P. van Stolk, die es bis 1938 besaß.
Der Pariser und New Yorker Kunsthändler Paul Rosenberg erwarb es daraufhin, und 1941 erhielt das Museum of Modern Art es durch einen Tausch, finanziert aus dem Vermächtnis von Lillie P. Bliss. Der Besitz durch das MoMA half zu einer Zeit, als New York zum Zentrum der modernen Kunstwelt wurde, das Gemälde zu einer Ikone zu machen.
Sein Ruhm wuchs mit der Legende des 20. Jahrhunderts von Van Gogh als dem gequälten, unverstandenen Genie, verbreitet durch Romane, Filme und Ausstellungen. Don McLeans Lied „Vincent“ von 1971 beginnt mit den Worten „Starry, starry night“, und der französische Komponist Henri Dutilleux schrieb ein vom Gemälde inspiriertes Orchesterwerk. Heute ist es eines der meistreproduzierten Bilder der Welt.
Fortgeschritten
Deutungen: Vision, Religion oder Beobachtung?
Religiöse und symbolische Deutungen. Der Kunsthistoriker Meyer Schapiro nannte das Gemälde ein visionäres Werk, entstanden unter dem „Druck des Gefühls“, und schlug einen verborgenen Bezug zur Offenbarung des Johannes mit ihrer sternengekrönten Frau vor. Sven Loevgren vermutete eine Verbindung zu den elf Sternen in Josephs Traum in der Genesis und betonte die Zypresse als mediterranen Baum des Todes. Lauren Soth argumentierte, das Bild sei ein verkleidetes religiöses Motiv, und verwies auf Van Goghs Bewunderung für Delacroix' Verwendung von Preußischblau und Zitronengelb in Christusgemälden. Diese Deutungen wurden dafür kritisiert, sich auf Symbole zu stützen, die Van Gogh nie erwähnte.
Astronomische Deutungen. Albert Boime argumentierte, das Gemälde halte den echten Himmel fest: die Venus in der korrekten Position und möglicherweise das Sternbild Widder. Er schlug vor, der zentrale Wirbel könnte von Abbildungen spiralförmiger Nebel (wie Galaxien damals genannt wurden) oder Kometen inspiriert sein, die von populären Astronomen wie Camille Flammarion veröffentlicht wurden. Der Astronom Charles Whitney, der unabhängig davon arbeitete, stimmte bei der Venus zu, war sich beim Widder aber weniger sicher; er verband den Wirbel mit Lord Rosses berühmter Zeichnung des Spiralnebels von 1845, der heute als Whirlpool-Galaxie bekannt ist, und schlug auch vor, er könnte den Mistral-Wind darstellen.
Formale Deutungen. Ronald Pickvance beschrieb das Bild als bewusste „Abstraktion“, eine willkürliche Collage einzelner Motive, und sah im Kirchturm eine Erinnerung an die Niederlande. Andere argumentieren, die Zypressen seien tatsächlich vom Fenster aus sichtbar gewesen und Van Gogh habe die Ansicht „zusammengezogen“, um sie zu verstärken.
Psychologische Deutungen. Viele populäre Darstellungen behandeln den wirbelnden Himmel als unmittelbares Abbild psychischer Krankheit. Die Biografen Steven Naifeh und Gregory White Smith diskutierten das Gemälde im Zusammenhang mit dem, was sie für eine Temporallappenepilepsie hielten. Die meisten Gelehrten warnen davor: Van Gogh malte Die Sternennacht während einer Phase der Klarheit, sorgfältig und bewusst, und seine Krankheit hinderte ihn während der Anfälle am Arbeiten.
Fortgeschritten
Wissenschaft, Materialien und Methoden
Die moderne Restaurierungswissenschaft untersucht Die Sternennacht mit zerstörungsfreier Bildgebung und Pigmentanalyse. Forschung mit multispektraler Bildgebung am MoMA hat kartiert, wo welche Pigmente verwendet wurden, und hilft zu verstehen, wie sich die Farben im Lauf der Zeit verändert haben. Manche von Van Gogh verwendete Pigmente, besonders bestimmte Rot- und Gelbtöne, verblassen oder verdunkeln sich bekanntermaßen, sodass das Gemälde heute vielleicht nicht mehr genau so aussieht wie 1889.
Auch Physiker haben die Wirbel des Gemäldes untersucht. Mehrere Studien haben Helligkeitsmuster in Der Sternennacht und anderen Spätwerken gemessen und mit der mathematischen Beschreibung der Turbulenz in Flüssigkeiten verglichen, die Andrei Kolmogorow entwickelt hat. Manche fanden eine auffällige Ähnlichkeit; andere argumentieren, solche Vergleiche sagten mehr über statistische Methoden aus als über Van Goghs Absichten. Die Frage bleibt offen und populär.
Für Historiker bleiben Van Goghs Briefe der wichtigste Beleg, heute vollständig ediert und online kommentiert vom Van-Gogh-Museum und dem Huygens-Institut. Sie erlauben es, das Gemälde fast auf den Tag genau zu datieren, es mit verwandten Werken wie Weizenfeld mit Zypressen und den Olivenbaumgemälden in Verbindung zu bringen und zu zeigen, wie Van Gogh selbst über Kunst, Natur und Vorstellungskraft sprach. Sorgfältiges Lesen der Briefe, zusammen mit dem Vergleich der Dutzenden Ansichten aus seinem Fenster, ist die Grundlage der meisten modernen Deutungen.
Fortgeschritten
Platz in der Kunstgeschichte
Van Gogh gehört zur Generation nach den Impressionisten, oft Postimpressionisten genannt, zusammen mit Cézanne, Gauguin und Seurat. Anders als die Impressionisten, die versuchten, flüchtige Lichteffekte so einzufangen, wie sie sie sahen, verwendeten diese Künstler Farbe, Linie und Komposition freier, um Struktur, Gefühl oder Ideen auszudrücken.
Die ausdrucksstarke Verzerrung, der sichtbare Pinselstrich und die intensive Farbe der Sternennacht beeinflussten die deutschen Expressionisten und die Fauves im frühen 20. Jahrhundert und nehmen spätere Maler vorweg, die den Akt des Malens selbst als Aufzeichnung von Energie behandelten. Kritiker nennen es oft einen „Prüfstein der modernen Kunst“.
Zugleich ist das Gemälde in der genauen Beobachtung eines bestimmten Ortes zu einer bestimmten Zeit verwurzelt: einem nach Osten gerichteten Fenster, einem vor der Dämmerung aufgehenden Planeten, den Hügeln der Alpilles, den Zypressen der Provence. Ein Großteil seiner Kraft entsteht aus dieser Begegnung von Wirklichkeit und Vorstellung sowie aus der Geschichte des Mannes, der es in einem der schwierigsten Momente seines Lebens malte.
Kernideen
- Postimpressionismus
- Kunst nach dem Impressionismus, die Farbe und Form freier einsetzte, um Gefühl und Struktur auszudrücken; Van Gogh ist ein führendes Beispiel.
- Ausdrucksstarker Pinselstrich
- Sichtbare, gerichtete Striche dicker Farbe, die Bewegung und Emotion vermitteln.
- Beobachtung und Vorstellung
- Das Gemälde verbindet einen echten Blick aus einem Fenster mit erfundenen Elementen wie dem Dorf und den Wirbeln.
- Der Nachthimmel als Bedeutungsträger
- Für Van Gogh waren die Sterne mit Träumen, Hoffnung und Leben nach dem Tod verbunden.
- Serienmalerei
- Er malte den Blick aus seinem Fenster viele Male; Die Sternennacht ist die einzige Nachtversion davon.
- Mythos des gequälten Genies
- Das populäre Bild von Van Gogh als wahnsinnigem, unverstandenem Künstler, das prägt, und manchmal verzerrt, wie das Gemälde gesehen wird.
- Komplementärfarben
- Paare wie Blau und Orange oder Violett und Gelb, die einander intensiver wirken lassen; Van Gogh nutzte sie, um seine Sterne leuchten zu lassen.
Einträge
- 1853 — Vincent van Gogh wird am 30. März in Zundert, Niederlande, geboren.
- 1886 — Van Gogh zieht nach Paris und entdeckt den Impressionismus und japanische Drucke.
- 1888 — In Arles malt er Caféterrasse am Abend und Sternennacht über der Rhône (September); im Dezember erleidet er eine Krise und verletzt sich am Ohr.
- 1889 — Tritt in die Heilanstalt Saint-Paul-de-Mausole ein (8. Mai); malt Die Sternennacht (Mitte Juni); schickt sie an Theo (28. September).
- 1890 — Van Gogh stirbt am 29. Juli in Auvers-sur-Oise.
- 1891 — Theo van Gogh stirbt; das Gemälde geht an Jo van Gogh-Bonger über.
- 1900 — Jo verkauft das Gemälde an den Dichter Julien Leclercq.
- 1906 — Das Gemälde gelangt in die Sammlung von Georgette P. van Stolk in Rotterdam (bis 1938).
- 1941 — Das Museum of Modern Art in New York erwirbt Die Sternennacht.
- 1971 — Don McLean veröffentlicht das Lied „Vincent“ („Starry, starry night“).
Glossar
- Impasto
- So dick aufgetragene Farbe, dass Pinsel- oder Spachtelspuren von der Oberfläche abstehen.
- Postimpressionismus
- Ein Begriff für Künstler wie Van Gogh, Gauguin, Cézanne und Seurat, die in den 1880er–1890er Jahren über den Impressionismus hinausgingen.
- Nocturne
- Ein Gemälde einer Nachtszene.
- Heilanstalt
- Im 19. Jahrhundert ein Krankenhaus für Menschen mit psychischer Erkrankung.
- Zypresse
- Ein hoher, schmaler immergrüner Baum, verbreitet im Mittelmeerraum, oft auf Friedhöfen gepflanzt.
- Morgenstern
- Der Planet Venus, wenn er vor Sonnenaufgang hell im Osten leuchtet.
- Provenienz
- Die Geschichte der Besitzer eines Kunstwerks.
- Pigment
- Ein farbiges Pulver, das mit Öl oder einem anderen Bindemittel zu Farbe vermischt wird.
- Japonismus
- Die Mode für japanische Kunst, besonders Holzschnitte, im Europa des 19. Jahrhunderts.
Fragen und Antworten
Wo kann ich Die Sternennacht sehen?
Im Museum of Modern Art (MoMA) in New York, das es seit 1941 besitzt.
Hat Van Gogh es nachts draußen gemalt?
Nein. Er malte es tagsüber in seinem Atelier in der Heilanstalt, ausgehend vom Blick aus seinem Schlafzimmerfenster, von Skizzen und seiner Vorstellungskraft.
Ist das Dorf echt?
Nicht so, wie es gezeigt wird. Es war von seinem Fenster aus nicht sichtbar; es beruht auf einer Skizze von Saint-Rémy, und sein hoher Turm sieht eher wie eine niederländische Kirche aus.
Welches ist der hellste Stern?
Der helle „Stern“ gleich rechts von der Zypresse ist der Planet Venus, der Morgenstern, der im Juni 1889 sehr hell war.
Mochte Van Gogh das Gemälde?
Nicht besonders. Er nannte es eine „Nachtstudie“ und schrieb später an Émile Bernard, „Sterne zu groß“ zu machen sei ein weiterer Rückschlag gewesen.
Zeigt der wirbelnde Himmel seine Krankheit?
Viele Menschen glauben das, doch die meisten Gelehrten widersprechen: Er malte es sorgfältig während einer ruhigen Phase, und während seiner Anfälle konnte er nicht arbeiten.
Ist der Wirbel eine Galaxie?
Manche Gelehrte denken, Van Gogh könnte von veröffentlichten Bildern spiralförmiger Nebel inspiriert gewesen sein, etwa Lord Rosses Zeichnung der Whirlpool-Galaxie; andere sehen darin Wind oder reine Vorstellung. Es gibt keinen direkten Beweis.
Quellen und weiterführende Literatur
- The Starry Night. Wikipedia
- Vincent van Gogh, The Starry Night, Saint Rémy, June 1889. The Museum of Modern Art
- Vincent van Gogh. Wikipedia
- Starry Night Over the Rhône. Wikipedia
- Letter 638: Vincent van Gogh to Theo van Gogh, Arles, 9 or 10 July 1888. Van Gogh Museum & Huygens ING, Vincent van Gogh – The Letters
- Letter 777: Vincent van Gogh to Theo van Gogh, Saint-Rémy, c. 31 May–6 June 1889. Van Gogh Museum & Huygens ING, Vincent van Gogh – The Letters
- Letter 782: Vincent van Gogh to Theo van Gogh, Saint-Rémy, c. 18 June 1889. Van Gogh Museum & Huygens ING, Vincent van Gogh – The Letters
- Letter 822: Vincent van Gogh to Émile Bernard, Saint-Rémy, c. 26 November 1889. Van Gogh Museum & Huygens ING, Vincent van Gogh – The Letters
- Steven Naifeh and Gregory White Smith, Van Gogh: The Life. Random House, 2011
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- EiffelturmEiserner Turm, der für die Pariser Weltausstellung von 1889 errichtet und später zu einem Wahrzeichen der Stadt wurde.
Mit KI-Unterstützung auf Grundlage der oben aufgeführten veröffentlichten Quellen verfasst und bei neuen Forschungsergebnissen überarbeitet.
