Literatur

Machado de Assis

Joaquim Maria Machado de Assis

1839–1908 · Rio de Janeiro, Hauptstadt des Kaiserreichs Brasilien und ab 1889 der Republik

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In einem Satz

Machado de Assis (1839–1908) war ein brasilianischer Schriftsteller afrikanischer und portugiesischer Abstammung, der in Armut in Rio de Janeiro aufwuchs, sich weitgehend selbst bildete, erster Präsident der Brasilianischen Akademie der Literatur wurde und ironische, verspielte Romane wie Die nachträglichen Memoiren des Brás Cubas und Dom Casmurro schrieb, die heute in aller Welt gelesen werden.

Machado de Assis
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Für junge Leser

Stell dir ein Buch vor, dessen Erzähler schon tot ist und dir seine Lebensgeschichte aus dem Grab erzählt – und dabei die ganze Zeit Witze macht. Das ist einer der berühmtesten Romane Brasiliens, und als Buch veröffentlicht hat ihn 1881 ein Mann namens Machado de Assis.

Machado wurde 1839 auf einem Hügel in der Stadt Rio de Janeiro geboren. Seine Familie war arm. Die Eltern seines Vaters waren versklavt gewesen und später freigelassen worden, und seine Mutter stammte von den Azoren, portugiesischen Inseln im Atlantischen Ozean. Er ging nur sehr wenig zur Schule, aber er liebte Bücher und brachte sich vieles selbst bei.

Als Jugendlicher arbeitete er in einer Druckerei und setzte kleine Metallbuchstaben in Reihen, um Seiten zu drucken. Später schrieb er für Zeitungen und arbeitete mehr als dreißig Jahre lang für die Regierung. Er schrieb Gedichte, Theaterstücke, Erzählungen, kurze Texte für Zeitungen und neun Romane.

In einem seiner Romane, Dom Casmurro, erzählt ein eifersüchtiger Ehemann die Geschichte seiner Ehe. Er ist sicher, dass seine Frau Capitu ihn betrogen hat, aber er liefert nie einen echten Beweis. Die Leser streiten bis heute: Hat sie es getan, oder täuscht sich der Erzähler selbst – und führt auch uns in die Irre?

Machado lebte zu einer Zeit, als es in Brasilien noch Sklaverei gab; sie endete erst 1888. Er hatte afrikanische und portugiesische Vorfahren, und später wurde er auf vielen Bildern und in vielen Geschichten als weiß dargestellt. Heute bemühen sich Menschen darum, sich an ihn zu erinnern, wie er wirklich war.

Auf einen Blick

Lebensdaten
21. Juni 1839 – 29. September 1908, Rio de Janeiro, damals Hauptstadt des Kaiserreichs Brasilien und ab 1889 der Republik
Herkunft
Geboren auf dem Morro do Livramento; der Vater ein Anstreicher, dessen Eltern aus der Sklaverei freigelassen worden waren; die Mutter eine Wäscherin von den Azoren
Identität
Afrikanischer und portugiesischer Abstammung, nach brasilianischer Begrifflichkeit pardo; seine Sterbeurkunde verzeichnete ihn dennoch als „weiß“
Tätigkeiten
Setzerlehrling, Korrektor, Journalist und Kritiker; ab 1867 im Staatsdienst und ab 1873 im Ministerium für Landwirtschaft, Handel und öffentliche Arbeiten und dessen Nachfolgebehörden
Bekannteste Werke
Memórias Póstumas de Brás Cubas (1881), Quincas Borba (1891), Dom Casmurro (1899), Esaú e Jacó (1904); Erzählungen „O Alienista“, „Missa do Galo“, „Pai contra Mãe“
Institution
Bis zu seinem Tod Gründungspräsident der Academia Brasileira de Letras, die 1897 feierlich eröffnet wurde
Sprache
Portugiesisch (brasilianisch)
Bekannt für
Unzuverlässige Erzähler, Ironie, Abschweifungen und direkte Gespräche mit dem Leser

Einfach

Wer war Machado de Assis?

Joaquim Maria Machado de Assis war ein Schriftsteller aus Rio de Janeiro, der weithin als größte Gestalt der brasilianischen Literatur gilt. Er schrieb in fast jeder Form, die einem Autor des 19. Jahrhunderts zur Verfügung stand: Gedichte, Theaterstücke, Theater- und Literaturkritik, Übersetzungen, Hunderte von Erzählungen, Hunderte von Zeitungskolumnen, die man crônicas nennt, und neun Romane.

Seine Lebensgeschichte ist ungewöhnlich. In eine arme Familie afrikanischer und portugiesischer Abstammung geboren, als die Sklaverei noch legal war, hatte er sehr wenig Schulbildung und begann schon als Junge im Druckgewerbe zu arbeiten. Am Ende seines Lebens war er ein hoher Staatsbeamter und Gründungspräsident der Brasilianischen Akademie der Literatur.

Am bekanntesten ist er für die Romane, die er ab 1880 schrieb. Ihre Erzähler wenden sich direkt an den Leser, scherzen und unterbrechen sich selbst; man kann ihnen nicht immer trauen. Hinter dem Humor steht ein scharfes Bild der wohlhabenden Familien Rio de Janeiros, die bequem in einer Gesellschaft lebten, die auf Sklaverei und Gefälligkeiten beruhte.

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Einfach

Ein Junge vom Livramento-Hügel

Machado wurde am 21. Juni 1839 auf dem Morro do Livramento geboren, einem Hügel nahe dem Hafen von Rio de Janeiro, auf dem Landgut einer reichen Witwe, Maria José de Mendonça Barroso Pereira, die seine Patin wurde. Seine frühe Kindheit verbrachte er auf dem Gut.

Sein Vater, Francisco José de Assis, war Anstreicher und Vergolder, dessen eigene Eltern versklavt gewesen und später freigelassen worden waren. Seine Mutter, Maria Leopoldina Machado da Câmara, war eine Wäscherin von den Azoren. Machado verlor noch als Kind seine jüngere Schwester und dann seine Mutter; sein Vater heiratete später erneut.

Er hatte wenig formale Schulbildung. Biografen beschreiben ihn als entschlossenen, weitgehend autodidaktischen Leser; sie erzählen von informellem Unterricht in Latein und Französisch, doch die Einzelheiten dieser Geschichten sind unsicher. Mit fünfzehn veröffentlichte er seine ersten Gedichte. 1856, mit etwa siebzehn, wurde er Setzerlehrling bei der Imprensa Nacional, der staatlichen Druckerei, und verbrachte Zeit in der Buchhandlung und Druckerei von Francisco de Paula Brito, einem Treffpunkt von Schriftstellern.

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Einfach

Geschichten, die mit dem Leser spielen

Machados berühmtester Roman, Memórias Póstumas de Brás Cubas (Die nachträglichen Memoiren des Brás Cubas), beginnt mit einem Witz: Sein Erzähler ist kein verstorbener Autor, sondern ein Toter, der Autor geworden ist. Da er niemanden mehr beeindrucken muss, behauptet er, die ganze Wahrheit über sein selbstsüchtiges, bequemes Leben zu erzählen.

Dom Casmurro wird von Bento Santiago erzählt, einem älteren Mann, der auf seine Liebe zum Nachbarsmädchen Capitu seit Kindertagen und auf ihre spätere Ehe zurückblickt. Seiner Darstellung zufolge gelangt er zu der Überzeugung, dass ihr Sohn seinem besten Freund Escobar ähnelt. Aber wir haben nur Bentos Wort. Das Buch ist berühmt, weil es den Lesern überlässt zu entscheiden, ob Capitu ihn betrogen hat oder ob seine Eifersucht den Betrug erfunden hat.

Seine Erzählungen sind ebenso raffiniert: Man kann sie einmal zum Vergnügen lesen und noch einmal wegen ihrer Fragen nach Macht, Geld und Wahrheit.

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Mittel

Setzer, Journalist, Staatsbeamter

Von der Druckerei wechselte Machado in den Journalismus. 1858 arbeitete er als Korrektor für den Correio Mercantil, und 1860 trat er in die Redaktion des Diário do Rio de Janeiro ein, wo er Berichte, Theaterkritiken und Kolumnen schrieb. In den 1860er-Jahren veröffentlichte er auch Gedichte (Crisálidas, 1864) und Theaterstücke und übersetzte Victor Hugos Die Arbeiter des Meeres (1866).

Vom Schreiben allein konnte Machado nicht leben, und wie viele brasilianische Schriftsteller jener Zeit fand er Sicherheit im Staatsdienst. Nach einer ersten Stelle 1867 als Assistent des Direktors des Diário Oficial wurde er 1873 ins Ministerium für Landwirtschaft, Handel und öffentliche Arbeiten berufen. Er arbeitete unter dem Kaiserreich und anschließend unter der Republik mehr als dreißig Jahre in Ministerien und stieg in hohe Verwaltungsämter auf.

Am 12. November 1869 heiratete er Carolina Augusta Xavier de Novais, die in Portugal geborene Schwester seines Freundes, des Dichters Faustino Xavier de Novais. Die kinderlose Ehe dauerte fünfunddreißig Jahre, und Zeitgenossen beschrieben sie als sehr innig. Carolina starb am 20. Oktober 1904; Machado, tief getroffen, überlebte sie um vier Jahre.

Biografen und medizinische Autoren stimmen darin überein, dass Machado an Epilepsie litt, die sich im Alter verschlimmerte; außerdem soll er gestottert haben und schüchtern gewesen sein. Eine schwere Krankheit Ende der 1870er-Jahre zwang ihn zu langer Erholung, und viele Kritiker verbinden den darauf folgenden Wandel seines Schreibens mit dieser Krise, auch wenn solche Verbindungen Deutungen bleiben.

1896–97 gründete eine Gruppe von Schriftstellern unter Führung von Lúcio de Mendonça die Academia Brasileira de Letras. Machado wurde im Januar 1897 zu ihrem Präsidenten gewählt und leitete ihre feierliche Eröffnung am 20. Juli 1897. Er führte sie bis zu seinem Tod, nahm an fast jeder Sitzung teil und hielt mit Taktgefühl Monarchisten und Republikaner, Romantiker und Naturalisten zusammen.

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Mittel

Von romantischen Romanen zum „reifen“ Machado

Kritiker teilen Machados Romane gewöhnlich in zwei Gruppen. Die ersten vier, Ressurreição (1872), A Mão e a Luva (1874), Helena (1876) und Iaiá Garcia (1878), werden oft seine romantische Phase genannt: Liebeshandlungen, Erbschaften und junge Frauen, die um ihre Heiratsaussichten ringen, allerdings schon mit scharfem Blick für gesellschaftlichen Ehrgeiz und die Abhängigkeit von Gönnern.

Memórias Póstumas de Brás Cubas, 1880 als Fortsetzungsroman in der Revista Brasileira erschienen und 1881 als Buch veröffentlicht, markiert einen scharfen Bruch. Seine 160 kurzen Kapitel springen von Thema zu Thema; ein Kapitel ist ein „Dialog“ zwischen zwei Liebenden, der nur aus Punkten und Satzzeichen besteht; der Erzähler verspottet seinen Leser und sich selbst. Das Buch schließt mit einer berühmten bitteren Bilanz: „Não tive filhos, não transmiti a nenhuma criatura o legado da nossa miséria.“ („Ich hatte keine Kinder; ich habe keinem Geschöpf das Erbe unseres Elends vermacht.“)

Quincas Borba, ab 1886 als Fortsetzungsroman in der Zeitschrift A Estação erschienen und 1891 als Buch veröffentlicht, folgt Rubião, einem Lehrer aus der Provinz, der das Vermögen des exzentrischen Philosophen Quincas Borba erbt und von der Gesellschaft Rios ruiniert wird. Quincas Borbas Spottphilosophie, der „Humanitismus“, fasst ihre grausame Logik in der Parole „Ao vencedor, as batatas!“ („Dem Sieger die Kartoffeln!“) zusammen, einer Parodie auf den damals beliebten Sozialdarwinismus und Positivismus.

Dom Casmurro (1899) gehört zu den meistgelesenen brasilianischen Romanen und ist die Quelle der endlosen Debatte über Capitu. Esaú e Jacó (Esau und Jakob, 1904) erzählt von Zwillingsbrüdern, einem Monarchisten und einem Republikaner, deren Streit sich durch die Zeit des Sturzes der Monarchie zieht; erzählt wird er anhand der Notizbücher des pensionierten Diplomaten Rat Aires, der in Machados letztem Roman, Memorial de Aires (1908), als Tagebuchschreiber zurückkehrt.

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Mittel

Erzählungen und Zeitungskolumnen (crônicas)

Machado schrieb mehr als zweihundert Erzählungen, die meisten zuerst in Zeitungen und Zeitschriften veröffentlicht und später in Sammlungen wie Papéis Avulsos (1882), Histórias sem Data (1884), Várias Histórias (1896), Páginas Recolhidas (1899) und Relíquias de Casa Velha (1906) zusammengefasst. Kritiker sagen oft, dass Machado der Kurzgeschichte in Brasilien neue Möglichkeiten eröffnete.

„O Alienista“ (Der Irrenarzt, 1881–82 in Fortsetzungen erschienen) verspottet wissenschaftliche Autorität: Die Anstalt von Dr. Simão Bacamarte, die Casa Verde, verschlingt den größten Teil der Stadt Itaguaí, bis er zu dem Schluss kommt, dass der einzige wirklich Abnorme er selbst ist. „Missa do Galo“ (Mitternachtsmesse, 1894) ist fast handlungslos: Ein Mann erinnert sich an ein nächtliches Gespräch, das er mit siebzehn am Heiligabend mit einer dreißigjährigen Frau führte, und kann noch immer nicht sagen, was es bedeutete.

„Pai contra Mãe“ (Vater gegen Mutter) in Relíquias de Casa Velha (1906) ist eine seiner direktesten Darstellungen der Sklaverei. Die Erzählung beginnt mit der Feststellung, dass mit der Sklaverei auch bestimmte Gewerbe und Instrumente verschwanden, etwa die Blechmaske, die manchen Versklavten aufgezwungen wurde, und folgt dann Cândido Neves, einem armen Fänger entlaufener Sklaven. Als er kurz davor steht, seinen neugeborenen Sohn in ein Findelhaus zu geben, fängt er für die Belohnung eine schwangere Geflohene, Arminda, ein. Sie erleidet eine Fehlgeburt; er behält sein Kind. Die Erzählung endet mit einem Satz von eisiger Ironie: „Nem todas as crianças vingam.“ („Nicht alle Kinder kommen durch.“)

Machado war auch ein Meister der crônica, einer kurzen Zeitungskolumne, die Kommentar, Anekdote und Fiktion mischt. Seine Reihen „Bons Dias!“ (1888–89) und „A Semana“ (1892–97, eine wöchentliche Sonntagskolumne), beide in der Gazeta de Notícias, kommentierten die Abschaffung der Sklaverei, die Republik, Finanzspekulation und das Stadtleben. In der Kolumne vom 19. Mai 1888, sechs Tage nach der Abschaffung, prahlt ein Erzähler, er habe seinen Sklaven Pancrácio freigelassen, bevor das Gesetz es tat, stellt ihn dann für einen winzigen Lohn ein und misshandelt ihn weiterhin körperlich: eine Satire auf die Selbstbeweihräucherung ehemaliger Sklavenhalter.

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Mittel

Unzuverlässige Erzähler, Ironie und der Leser

Machados Erzähler sind gefeierte Beispiele unzuverlässigen Erzählens. Brás Cubas und Bento Santiago erzählen ihre eigenen Geschichten in der ersten Person, und was sie über sich verraten, unterscheidet sich oft von dem, was sie beabsichtigen. Der Leser wird eingeladen, Lücken, Widersprüche und eigennützige Ausreden zu bemerken, sodass das Lesen zu einer Art Detektivarbeit wird.

Ein zentrales Mittel ist die direkte Anrede. Die Erzähler sprechen ständig mit dem „Leser“, schmeicheln ihm oder beleidigen ihn, nehmen seine Einwände vorweg, sagen ihm, er solle Kapitel überspringen oder zurückblättern. Die Notiz an den Leser, die Brás Cubas eröffnet, endet mit dem Versprechen, dass der Leser, falls das Buch nicht gefällt, „com um piparote, e adeus“ („mit einem Nasenstüber, und adieu“) bezahlt werde. Diese Verspieltheit verbirgt einen ernsten Punkt: Den Lesern wird gezeigt, wie leicht sie eine charmante Stimme akzeptieren.

Machado nannte seine Vorbilder offen. In der Erstausgabe von Brás Cubas heißt es, der Erzähler habe „a forma livre de um Sterne, de um Lamb, ou de um de Maistre“ („die freie Form eines Sterne, eines Lamb oder eines de Maistre“) angenommen, gemeint sind Laurence Sternes Tristram Shandy, Charles Lamb und Xavier de Maistres Reise um mein Zimmer; spätere Ausgaben behalten Sterne und de Maistre bei. Ein späteres Vorwort fügt den portugiesischen Schriftsteller Almeida Garrett hinzu: „Xavier de Maistre à roda do quarto, Garrett na terra dele, Sterne na terra dos outros.“ („Xavier de Maistre reiste um sein Zimmer, Garrett in seinem eigenen Land, Sterne in den Ländern anderer.“) Forscher wie Sergio Paulo Rouanet verfolgen diese „shandyanische“ Form mit ihren Abschweifungen, ihrer nichtlinearen Zeitstruktur und ihrer Mischung aus Lachen und Melancholie durch Machados Werk.

Brás Cubas beschreibt sein eigenes Buch als geschrieben „com a pena da galhofa e a tinta da melancolia“ („mit der Feder des Spotts und der Tinte der Melancholie“). Dieser doppelte Ton, leicht an der Oberfläche und dunkel darunter, ist die beste kurze Beschreibung von Machados reifem Stil.

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Mittel

Sklaverei, Hautfarbe und „Aufhellung“

Machado lebte den größten Teil seines Lebens in einer Sklavenhaltergesellschaft: Die Sklaverei in Brasilien endete erst am 13. Mai 1888 mit der Lei Áurea, als er fast neunundvierzig war. Als Staatsbeamter leitete er in den 1870er- und 1880er-Jahren eine Abteilung des Landwirtschaftsministeriums, die für die Anwendung des Gesetzes des freien Mutterleibs von 1871 zuständig war, das die Kinder versklavter Frauen für frei erklärte. Der Historiker Sidney Chalhoub fand in den Archiven heraus, dass Machado in dieser Funktion nach Gesetzesauslegungen zugunsten versklavter Menschen suchte, die ihre Freiheit erlangen wollten.

In seinen fiktionalen Werken erscheint die Sklaverei weniger in Reden als im Hintergrund des Alltagslebens und in Momenten erschreckender Beiläufigkeit. In Brás Cubas erinnert sich der Erzähler daran, wie er als Kind auf einem Sklavenjungen, Prudêncio, ritt wie auf einem Pferd, und sieht später Prudêncio, den Brás’ Vater freigelassen hat, einen Mann auspeitschen, den er selbst gekauft hat, und dabei dieselben Worte schreien, die Brás einst ihm zugeschrien hatte. Brás bemerkt mit eisiger Distanz, dies sei Prudêncios Art gewesen, sich der empfangenen Schläge zu entledigen, indem er sie an einen anderen weitergab.

Machado schrieb fast nie öffentlich über seine eigene Hautfarbe, und wie er beschrieben wurde, hing davon ab, wer ihn beschrieb. Sein Freund, der Kritiker José Veríssimo, nannte ihn in einem Nachruf einen „Mulatten“; der Diplomat Joaquim Nabuco schrieb Veríssimo, er hätte das Wort, das er abwertend nannte, nicht verwendet, und bat darum, es zu streichen. Seine Sterbeurkunde verzeichnete ihn als weiß, und viele der bekanntesten Fotografien zeigen ihn mit Zügen, die nach Ansicht späterer Kritiker durch Beleuchtung und Reproduktion aufgehellt wurden.

Diese Geschichte der „Aufhellung“ wurde im 21. Jahrhundert zu einem öffentlichen Thema. Im September 2011 zog die staatliche Bank Caixa Econômica Federal einen Fernsehspot zu ihrem 150-jährigen Bestehen zurück, in dem ein weißer Schauspieler Machado spielte, nach Beschwerden des Sekretariats der Bundesregierung zur Förderung der Gleichstellung ethnischer Gruppen (SEPPIR) und der Öffentlichkeit; die Bank entschuldigte sich dafür, den Schriftsteller nicht als Afrobrasilianer dargestellt zu haben. 2019 startete die Faculdade Zumbi dos Palmares, eine Hochschule in São Paulo, die sich besonders an Schwarze Studierende richtet, die Kampagne „Machado de Assis Real“, die eine Fotografie von 1893 neu einfärbte, um seine afrikanischen Züge zu zeigen, und Verlage bat, sie zu verwenden.

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Mittel

Unterdessen in der Welt

Die letzten großen Abschaffungen. Brasilien war das letzte Land Amerikas, das die Sklaverei abschaffte. Das Russische Kaiserreich hatte die Leibeigenen privater Grundherren 1861 per kaiserlichem Erlass befreit, und die Vereinigten Staaten schafften nach der Emanzipationsproklamation von 1863 die Sklaverei 1865 mit dem Dreizehnten Zusatzartikel ab. Brasilien ging langsamer vor, über schrittweise Maßnahmen wie das Gesetz des freien Mutterleibs von 1871, bevor die Lei Áurea von 1888 mit ihren zwei Artikeln etwa 700.000 Menschen befreite, ohne Maßnahmen, die ihnen Land, Arbeit oder einen Platz in der Gesellschaft gegeben hätten. Machados Kolumnen vom Mai 1888 sind eine zeitgenössische Reaktion auf diesen Moment, und seine Satire auf Pancrácios „großzügigen“ Herrn verweist auf das Problem, das viele Historiker betonen: Freiheit auf dem Papier ohne Land, Arbeit oder wirksamen Schutz.

Vom Kaiserreich zur Republik. Achtzehn Monate später, am 15. November 1889, stürzten Armeeeinheiten unter Marschall Deodoro da Fonseca in Rio de Janeiro die Monarchie, und Kaiser Pedro II. ging zwei Tage später ins Exil nach Europa. Machado, ein vom Kaiser ausgezeichneter Staatsbeamter, behielt seinen Posten unter dem neuen Regime. Er näherte sich dem Umbruch mit Ironie statt mit Manifesten: Esaú e Jacó, dessen Handlung die Zeit vor und nach dem Sturz der Monarchie umfasst, wurde oft so gelesen, dass der laute politische Gegensatz der Zwillinge tiefere Ähnlichkeiten verdeckt.

Realismus über den Atlantik hinweg. Am 16. April 1878 veröffentlichte Machado unter dem Pseudonym „Eleazar“ in der Zeitung O Cruzeiro in Rio eine strenge Besprechung mit dem Titel „Realistische Literatur“ über O Primo Basílio (Vetter Basílio), einen Roman des portugiesischen Schriftstellers Eça de Queirós; ein zweiter Artikel folgte später im selben Monat. Er griff die unglaubwürdige Handlung des Buches und seine Fixierung auf Sinnlichkeit an, beurteilte seine Heldin Luísa als Flauberts Emma Bovary unterlegen und warnte, solche Bücher könnten den Realismus in portugiesischer Sprache „no berço“ („in der Wiege“) ersticken. Dies ist eine echte, belegte Verbindung: Machado maß sich am Realismus und Naturalismus, die aus Frankreich und Portugal kamen, und löste eine lebhafte Pressekontroverse aus. Drei Jahre später bot Brás Cubas seine eigene Alternative, einen Roman, der auf dem Bewusstsein eines Erzählers beruht und nicht auf detaillierten Inventaren der Welt.

Zwei lateinamerikanische Literaturwelten. 1888, im Jahr der Abschaffung der Sklaverei in Brasilien, veröffentlichte der nicaraguanische Dichter Rubén Darío Azul... in Valparaíso, Chile, und trug damit zur Begründung des hispanoamerikanischen Modernismo bei. Die beiden Literaturen entwickelten sich weitgehend getrennt: 1990 bemerkte Susan Sontag, dass Machado im spanischsprachigen Lateinamerika wenig gelesen werde und Borges ihn offenbar nie gelesen habe, auch wenn spätere Leser ihre Spiele mit der Fiktion oft vergleichen.

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Fortgeschritten

Verschiedene Perspektiven

Hat Capitu Bentinho betrogen? Etwa sechzig Jahre lang nach 1899 akzeptierten brasilianische und ausländische Kritiker weitgehend die Version Bento Santiagos: Capitu war schuldig. 1960 argumentierte die amerikanische Literaturwissenschaftlerin und Übersetzerin Helen Caldwell, die 1953 die erste englische Übersetzung von Dom Casmurro veröffentlicht hatte, in The Brazilian Othello of Machado de Assis, dass Bento ein unzuverlässiger Erzähler sei, dessen Eifersucht der des Othello gleiche, dass seine Beweise brüchig seien und Capitu unschuldig sei. Briefe, die Hélio de Seixas Guimarães untersucht hat, zeigen, dass Caldwell und ihr Lektor Cecil Hemley diese Lesart bereits 1952 diskutierten. Spätere Kritiker übernahmen nicht alle ihr Urteil der Unschuld; manche plädierten weiterhin für Schuld, und viele betonten stattdessen die Unentscheidbarkeit: Der Roman ist so gebaut, dass sich die Frage aus Bentos Aussage nicht klären lässt, und viele Leser sehen heute in der Frage selbst den Kern.

Abwesend oder verschlüsselt? Kurz nach Machados Tod warf ihm Hemetério José dos Santos in der Gazeta de Notícias (November 1908) vor, seine Herkunft verleugnet und sich vom Problem der Sklaverei ferngehalten zu haben, und das Bild eines Schriftstellers, der den großen nationalen Fragen „fernstand“, hielt sich lange. Kritiker wie Mário Casassanta in den 1930er- und R. Magalhães Júnior in den 1950er-Jahren wiesen dieses Bild zurück und stützten sich auf vergessene Schriften. In jüngerer Zeit las Sidney Chalhoub (Machado de Assis, historiador, 2003) seine fiktionalen Werke im Zusammenhang mit seiner Arbeit im Staatsdienst, und Eduardo de Assis Duarte versammelte in der Anthologie Machado de Assis afrodescendente (2007) Erzählungen, Gedichte und Kolumnen, um für eine bewusste „Poetik der Verstellung“ zu argumentieren: eine ironische, indirekte Kritik der weißen Sklavenhaltergesellschaft. Duarte liest sogar den Tod des Brás Cubas politisch: Machado „tötet den Sklavenhalter acht Jahre vor der Abschaffung“. Andere Kritiker bleiben vorsichtig und weisen darauf hin, dass Machado sein eigenes Schwarzsein selten ansprach und dass Etiketten wie „Schwarzer Schriftsteller“ oder „Mulatten-Schriftsteller“ ebenso sehr heutige Kategorien widerspiegeln wie sein eigenes Selbstverständnis.

Welchen Platz nimmt er im Kanon ein? 1990 nannte Susan Sontag Machado im New Yorker „den größten Autor, den Lateinamerika je hervorgebracht hat“, mit Borges an zweiter Stelle. Harold Bloom nannte ihn in Genius (2002) „den bislang größten Schwarzen Literaturkünstler“. Solches Lob brachte neue Leser, wurde aber auch kritisiert: Der Kritiker Ilan Stavans nannte Sontags Rangfolge „bombastisch“, wandte ein, Literatur sei kein Wettbewerb, und sagte, Bloom habe Machado falsch dargestellt, der sein eigenes Schwarzsein in seinem Werk kaum thematisiere. In Brasilien ist die Deutung von Roberto Schwarz besonders einflussreich: In Ein Meister an der Peripherie des Kapitalismus (1990; englisch 2001) argumentiert er, dass die launische „Wankelmütigkeit“ des Erzählers in literarischer Form das Verhalten einer brasilianischen Oberschicht nachbildet, die liberale europäische Ideen mit Sklaverei und Patronage verband. So gesehen ist Machado kein Schriftsteller europäischen Zuschnitts, der zufällig in Brasilien lebte, sondern ein Schriftsteller, dessen Form aus der brasilianischen Gesellschaft erwächst.

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Fortgeschritten

Rezeption, Übersetzung und die Belege

In Brasilien war Machado schon zu Lebzeiten berühmt und hat das Zentrum des Kanons nie verlassen. Im Ausland blieb er lange ein Geheimtipp unter Schriftstellern. William L. Grossmans Übersetzung von Brás Cubas erschien 1952 unter dem Titel Epitaph of a Small Winner, und Helen Caldwell übersetzte Dom Casmurro 1953 und später mehrere weitere Romane. 2018 übersetzten Margaret Jull Costa und Robin Patterson alle sieben zu seinen Lebzeiten veröffentlichten Erzählbände als The Collected Stories of Machado de Assis.

2020 erschienen zwei neue englische Übersetzungen von Brás Cubas. Die Ausgabe von Penguin Classics, übersetzt und kommentiert von Flora Thomson-DeVeaux, mit einem Vorwort von Dave Eggers, erschien am 2. Juni 2020 in den Vereinigten Staaten und ihre gedruckten Exemplare waren bei Amazon und Barnes & Noble innerhalb von etwa einem Tag ausverkauft, während der Proteste nach der Tötung von George Floyd. Brasilianische Medien berichteten ausführlich; Thomson-DeVeaux selbst vermutete, dass Eggers’ Vorwort und das wieder gewachsene Interesse an nicht-weißen Autoren geholfen haben könnten, betonte aber, dass die Gründe ungewiss seien.

Was wissen wir eigentlich über Machados Leben? Die Belege stammen vor allem aus seinen veröffentlichten Schriften, aus Zeitungen, Akten des Staatsdienstes und einem begrenzten Bestand an Briefen; über sein Privatleben, seine Krankheit oder seine Herkunft schrieb er sehr wenig. Manche frühen Biografien spielten seine afrikanische Abstammung herunter, und die Dokumente selbst widersprechen einander: eine Sterbeurkunde, die „weiß“ sagt, der Nachruf eines Freundes, der „Mulatte“ sagt, Fotografien, deren Erscheinung von Beleuchtung und Druck abhängt. Eine sorgfältige Darstellung stellt diese Quellen nebeneinander, statt eine davon als die einfache Wahrheit auszuwählen.

Auch die Daten weichen zwischen den Quellen leicht ab: Dom Casmurro trägt auf dem Titelblatt 1899, obwohl Exemplare die Leser Anfang 1900 erreichten; Brás Cubas und Quincas Borba erschienen zuerst als Fortsetzungsromane; und „Missa do Galo“ wird manchmal auf 1893 datiert statt auf seine erste Veröffentlichung in einer Zeitschrift 1894 (in eine Sammlung aufgenommen 1899). Hier beziehen sich Jahreszahlen bei Romanen auf die ersten Buchausgaben und bei Erzählungen auf die Erstveröffentlichung, sofern nicht anders angegeben.

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Kernideen

Unzuverlässiger Erzähler
Ein Erzähler, dessen Darstellung man nicht vollständig trauen kann. Machados Ich-Erzähler, besonders Brás Cubas und Bento Santiago, verraten mehr, als sie beabsichtigen, sodass die Leser die Darstellung des Erzählers kritisch hinterfragen müssen.
Ironie und die „Feder des Spotts“
Machado verbindet Humor mit Melancholie. Seine Witze entlarven Eitelkeit, Eigennutz und Grausamkeit, besonders unter der wohlhabenden Elite Rios, ohne zu predigen.
Anrede des Lesers
Seine Erzähler sprechen mit dem Leser, necken ihn und nehmen seine Reaktionen vorweg; so wird das Lesen zum Spiel und zeigt, wie sich Leser überzeugen lassen.
Die „freie Form“
Kurze Kapitel, Abschweifungen und eine nichtlineare Chronologie: Diese Mittel übernahm Machado von Sterne, Xavier de Maistre und Garrett und passte sie an einen brasilianischen Schauplatz an.
Humanitismus
Die Spottphilosophie des Quincas Borba, die den Sieg des Starken über den Schwachen rechtfertigt; eine Parodie auf Sozialdarwinismus und Positivismus.
Sklaverei im Hintergrund
Die Sklaverei erscheint weniger in Reden als in Alltagsszenen und beiläufiger Gewalt sowie in einigen Werken, die sie unmittelbar behandeln, etwa „Pai contra Mãe“ und den Kolumnen von 1888.
Mehrdeutigkeit
Schlüsselfragen wie Capitus Schuld oder die Bedeutung der Nacht in „Missa do Galo“ bleiben absichtlich offen.

Einträge

  1. 1839 — Geboren am 21. Juni auf dem Morro do Livramento, Rio de Janeiro.
  2. 1856 — Wird Setzerlehrling bei der Imprensa Nacional.
  3. 1869 — Heiratet am 12. November Carolina Augusta Xavier de Novais.
  4. 1873 — Ins Ministerium für Landwirtschaft, Handel und öffentliche Arbeiten berufen (in den Staatsdienst war er 1867 eingetreten); er arbeitet mehr als dreißig Jahre in Ministerien.
  5. 1881 — Memórias Póstumas de Brás Cubas erscheint als Buch, nach dem Fortsetzungsabdruck 1880.
  6. 1888 — Die Lei Áurea schafft am 13. Mai die Sklaverei ab; Machados Kolumnen „Bons Dias!“ verspotten die Reaktionen.
  7. 1897 — Leitet am 20. Juli die feierliche Eröffnung der Academia Brasileira de Letras, nachdem er im Januar zu ihrem Präsidenten gewählt worden war.
  8. 1899 — Dom Casmurro erscheint (Datum auf dem Titelblatt), ebenso Páginas Recolhidas mit „Missa do Galo“.
  9. 1904 — Esaú e Jacó erscheint; Carolina stirbt am 20. Oktober.
  10. 1908 — Memorial de Aires erscheint; Machado stirbt am 29. September in seinem Haus in Cosme Velho.
  11. 1960 — Helen Caldwells The Brazilian Othello of Machado de Assis rollt die Frage nach Capitus Schuld neu auf.
  12. 2020 — Neue englische Übersetzungen von Brás Cubas; die Ausgabe von Penguin Classics ist in den USA innerhalb von etwa einem Tag ausverkauft.

Glossar

Pardo
Ein brasilianischer Begriff für eine Person gemischter Abstammung, verwendet in Volkszählungen und Urkunden; Machado wird gewöhnlich so beschrieben.
Crônica
Eine kurze, für Brasilien typische Zeitungskolumne, die Kommentar, Anekdote und Fiktion über aktuelle Ereignisse mischt.
Folhetim (Fortsetzungsroman)
Ein Roman, der in Fortsetzungen in einer Zeitung oder Zeitschrift erschien, bevor er als Buch herauskam.
Lei Áurea
Das „Goldene Gesetz“ vom 13. Mai 1888, das in zwei kurzen Artikeln die Sklaverei in Brasilien abschaffte.
Gesetz des freien Mutterleibs
Das Gesetz vom 28. September 1871, das die von da an geborenen Kinder versklavter Frauen unter Bedingungen für frei erklärte.
Academia Brasileira de Letras
Die Brasilianische Akademie der Literatur, 1896–97 in Rio de Janeiro nach dem Vorbild der Académie française gegründet, mit vierzig Mitgliedern.
Unzuverlässiger Erzähler
Ein Erzähler, dessen Version der Ereignisse voreingenommen, irrig oder absichtlich irreführend sein kann.
Aufhellung (embranquecimento)
Der gesellschaftliche und bildliche Vorgang, durch den Menschen afrikanischer Abstammung in Urkunden, Bildern und Erinnerung als weiß oder hellhäutiger dargestellt wurden.
Shandyanische Form
Eine abschweifende, verspielte Art, Romane zu schreiben, benannt nach Sternes Tristram Shandy.

Fragen und Antworten

Warum ist ein Buch mit einem Toten als Erzähler so berühmt?

Weil Brás Cubas seinen Tod als Vorwand nutzt, um schockierend ehrlich – und komisch – über seine eigene Eitelkeit und die Gesellschaft um ihn herum zu sein. Der Kunstgriff erlaubt Machado außerdem, mit der Zeit und mit dem Leser auf eine Weise zu spielen, die späteren Schriftstellern sehr modern erschien.

Hat Capitu Bentinho betrogen?

Weder Capitus Schuld noch ihre Unschuld lässt sich beweisen. Die ganze Geschichte erzählt Bento, der eifersüchtige Ehemann, und seine Beweise bestehen aus mehrdeutigen Beobachtungen, etwa der Ähnlichkeit des Jungen mit seinem Freund Escobar und der Art, wie Capitu bei der Beerdigung auf Escobars Leichnam blickte. Seit Helen Caldwells Studie von 1960 meinen viele Leser, dass der Roman darauf angelegt ist, die Frage unentscheidbar zu machen.

War Machado de Assis Schwarz?

Er war afrikanischer und portugiesischer Abstammung: Seine Großeltern väterlicherseits waren aus der Sklaverei freigelassen worden, und seine Mutter stammte von den Azoren. Nach brasilianischer Begrifflichkeit war er pardo. Urkunden und Bilder ließen ihn weiß erscheinen, und heute wird er weithin als afrobrasilianischer Schriftsteller anerkannt, wenn auch die Forschung unterschiedliche Bezeichnungen verwendet.

War Machado gegen die Sklaverei?

Er hielt keine öffentlichen abolitionistischen Reden, was ihm manche Zeitgenossen vorwarfen. Doch seine Kolumnen und Erzählungen verspotten Sklavenhalter, und Archivforschung zeigt, dass er sich als Staatsbeamter für Gesetzesauslegungen einsetzte, die Versklavten halfen, frei zu werden.

Wer beeinflusste seinen Stil?

Er nannte Laurence Sterne, Xavier de Maistre und Almeida Garrett (und in der Erstausgabe von Brás Cubas auch Charles Lamb). Kritiker verweisen außerdem auf seine breite Lektüre der antiken, portugiesischen, französischen und englischen Literatur.

Warum ist er im Ausland weniger bekannt als europäische Romanciers seiner Zeit?

Er schrieb auf Portugiesisch, das weniger ausländische Leser beherrschen, und gute Übersetzungen kamen spät. Susan Sontag argumentierte außerdem, dass Herablassung gegenüber Brasilien und Lateinamerika eine Rolle gespielt habe, eine Ansicht, die andere bestreiten.

Mit welchem Buch fängt man am besten an?

Viele Leser beginnen mit Dom Casmurro oder mit Erzählungen wie „Missa do Galo“ und „O Alienista“ und gehen dann zu Brás Cubas über.

Quellen und weiterführende Literatur

  1. Machado de Assis – Biografia. Academia Brasileira de Letras
  2. A liderança de Machado de Assis. Academia Brasileira de Letras
  3. Cronologia da vida de Machado de Assis. Agência Senado, 2008
  4. Joaquim Maria Machado de Assis. Encyclopedia.com (Encyclopedia of World Biography)
  5. Machado de Assis. Wikipedia
  6. Robin Patterson and Margaret Jull Costa, On Joaquim Maria Machado de Assis’s Rise to the Top of Brazilian Literature. Literary Hub, 2020
  7. Machado de Assis. Brasiliana, Brown University Library
  8. Memorias Posthumas de Braz Cubas (Typographia Nacional, 1881). Wikisource
  9. Dom Casmurro. Wikipedia
  10. Esau and Jacob (novel). Wikipedia
  11. Missa do galo (text and publication record). MachadodeAssis.net
  12. Pai contra mãe (text). MachadodeAssis.net
  13. Marta Passos Pinheiro, Machado de Assis cronista: “Bons Dias!” no avesso da República. Revista de Letras (UNESP) 52, no. 2, 2012 (published 2014)
  14. Forma livre (Machado Hiperlivro). PUC-SP
  15. Sergio Paulo Rouanet, Tempo e espaço na forma shandiana: Sterne e Machado de Assis. Estudos Avançados (USP), 2004
  16. Sidney Chalhoub, Machado de Assis, historiador. Companhia das Letras, 2003
  17. Marisa Lajolo, Review of Eduardo de Assis Duarte, Machado de Assis afro-descendente. Estudos de Literatura Brasileira Contemporânea, no. 31, 2008
  18. Ivan Maciel de Andrade, O mulato Machado de Assis. Tribuna do Norte, 2011
  19. Machado de Assis e o embranquecimento da história. Fundação Perseu Abramo, 2024
  20. Debate acerca da negritude de Machado de Assis segue em pauta. O Tempo, 2019
  21. Depois de reclamações, Caixa tira do ar propaganda que retrata Machado de Assis como branco. Agência Brasil (EBC), 2011
  22. Machado de Assis Real. Universidade Zumbi dos Palmares
  23. 137 anos depois da Lei Áurea, continua a luta da população negra por direitos no país. Rádio Senado, 2025
  24. 13th Amendment to the U.S. Constitution: Abolition of Slavery (1865). U.S. National Archives
  25. Emancipation reform of 1861. Wikipedia
  26. 15 de novembro de 1889 – A Proclamação da República no Brasil. Assembleia Legislativa do Estado de São Paulo
  27. Paulo Franchetti, O Primo Basílio e a batalha do Realismo no Brasil. Convergência Lusíada (Real Gabinete Português de Leitura)
  28. Arnaldo Sampaio de Moraes Godoy, A crítica literária em Machado de Assis. Consultor Jurídico, 2022
  29. Cousin Bazilio. Wikipedia
  30. Azul de Rubén Darío. Memoria Chilena, Biblioteca Nacional de Chile
  31. Carlos Haag, The dilemmas of the Moor of Matacavalos. Revista Pesquisa FAPESP, 2012
  32. Hélio de Seixas Guimarães, Helen Caldwell, Cecil Hemley e os julgamentos de Dom Casmurro. Machado de Assis em Linha, 2019
  33. Helen Caldwell, The Brazilian Othello of Machado de Assis: A Study of Dom Casmurro. University of California Press, 1960
  34. Susan Sontag, Afterlives: The Case of Machado de Assis. The New Yorker, 1990
  35. Morten Høi Jensen, Mirth and Melancholy: The Collected Stories of Machado de Assis. Los Angeles Review of Books
  36. Ilan Stavans, Wrestling with Machado. The Yale Review
  37. Roberto Schwarz, trans. John Gledson, A Master on the Periphery of Capitalism: Machado de Assis. Duke University Press, 2001
  38. Livro de Machado de Assis em inglês esgota em um dia nos EUA. Exame, 2020
  39. Nova tradução de Memórias Póstumas de Brás Cubas tem edição esgotada nos EUA. CNN Brasil, 2020

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Mit KI-Unterstützung auf Grundlage der oben aufgeführten veröffentlichten Quellen verfasst und bei neuen Forschungsergebnissen überarbeitet.

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