Philosophie

Zhu Xi

朱熹 (Zhū Xī)

1150–1200 · Wuyi-Gebirge (China zur Zeit der Song-Dynastie)

In einem Satz

Zhu Xi war ein chinesischer Lehrer und Philosoph der Song-Dynastie. Vor etwa 850 Jahren erklärte er die Lehren des Konfuzius auf eine neue, systematische Weise. Schüler und Beamte in China, Korea, Japan und Vietnam folgten seiner Deutung rund siebenhundert Jahre lang.

Zhu Xi
Bild: 向史公哲曰 · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

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Für junge Leser

Zhu Xi wurde 1130 in den Bergen der südchinesischen Provinz Fujian geboren. Einer Geschichte zufolge zeigte sein Vater zum Himmel und sagte: „Das ist der Himmel.“ Der kleine Zhu Xi fragte: „Und was ist über dem Himmel?“ Solche großen Fragen stellte er sein ganzes Leben lang.

Mit nur achtzehn Jahren bestand er Chinas schwerste Prüfung für angehende Beamte. Doch er wollte nicht vor allem mächtig werden. Er verbrachte die meiste Zeit mit Lesen, Nachdenken und Unterrichten. Besonders gern lehrte er in ruhigen Schulen in den Bergen. Hunderte Schüler kamen zu ihm.

Zhu Xi glaubte, dass alles auf der Welt ein Muster hat, also eine Art, wie es sein soll. Dieses Muster nannte er li. Eine Bambuspflanze wächst wie Bambus, und ein guter Sohn verhält sich wie ein guter Sohn. Alles besteht außerdem aus etwas, das er qi nannte. Wenn man die Dinge genau betrachtet, versteht man ihre Muster nach und nach. So kann man klüger und freundlicher werden.

Er wählte vier kurze Bücher über die Lehren des Konfuzius aus und schrieb zu jeder Zeile Erklärungen. Diese „Vier Bücher“ mussten Schüler in China vom 14. Jahrhundert bis 1905 für die Beamtenprüfungen lernen. Auch in Koreas Joseon-Dynastie prägten seine Ideen Schulen, Familien und die Regierung.

Nicht alle stimmten ihm zu. Manche Denker meinten, man solle lieber in das eigene Herz schauen, als so viele Dinge zu untersuchen. Über seine Ideen wird bis heute gesprochen.

Auf einen Blick

Lebensdaten
Geboren 1130 in Youxi, Fujian; gestorben 1200 in Jianyang, Fujian
Weitere Namen
Höflichkeitsnamen Yuanhui und Zhonghui; Beiname Hui’an; als Zhuzi (Meister Zhu) verehrt; postumer Ehrentitel Wen (Zhu Wengong)
Epoche
Südliche Song-Dynastie (1127–1279)
Tätigkeiten
Philosoph, Lehrer, Kommentator der klassischen Schriften, örtlicher Beamter
Wichtige Werke
Gesammelte Kommentare zu den Vier Büchern; Betrachtungen über naheliegende Dinge (mit Lü Zuqian); Thematisch geordnete Gespräche des Meisters Zhu (nach seinem Tod zusammengestellt)
Denkschule
Neokonfuzianismus: die Cheng-Zhu-Schule des Prinzips (lixue)
Zentrale Ideen
Prinzip (li) und Lebenskraft (qi); Untersuchung der Dinge; ehrfürchtige Achtsamkeit; die Vier Bücher
Wirkung
Grundlage der chinesischen Beamtenprüfungen vom 14. Jahrhundert bis 1905; staatliche Lehre im Korea der Joseon-Dynastie; großer Einfluss in Japan und Vietnam

Einfach

Wer war Zhu Xi?

Zhu Xi (1130–1200) war nach Konfuzius und Mengzi einer der einflussreichsten konfuzianischen Denker. Er lebte zur Zeit der Südlichen Song-Dynastie und verband die Gedanken früherer Song-Philosophen zu einem umfassenden System. Damit erklärte er das Universum, die menschliche Natur, das Lernen und die Regierung. Im Deutschen heißt dieses Denken Neokonfuzianismus; chinesische Bezeichnungen sind oft lixue, „Lehre vom Prinzip“, oder daoxue, „Lehre vom Weg“.

Er war auch ein unermüdlicher Lehrer und Herausgeber. Er schrieb Kommentare zu den konfuzianischen Klassikern, stellte Textsammlungen zusammen, erneuerte Akademien und sprach mit Hunderten Schülern über Philosophie. Ihre Aufzeichnungen seiner Gespräche füllen 140 Kapitel. Nach Darstellung der Internet Encyclopedia of Philosophy beherrschte sein Denken das geistige Leben Chinas etwa acht Jahrhunderte lang.

Besonders folgenreich war seine Auswahl der Vier Bücher. Sie und seine Kommentare wurden von der Yuan-Dynastie bis 1905 zum offiziellen Lehrstoff der Beamtenprüfungen. Generationen von Schülern in Ostasien lernten den Konfuzianismus durch Zhu Xis Deutung kennen.

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Einfach

Sein Leben: Gelehrter, Lehrer und widerstrebender Beamter

Zhu Xi wurde 1130 in Youxi in der Provinz Fujian geboren. Kurz zuvor hatte die Dschurdschen-Dynastie Jin Nordchina erobert, und der Hof der Song war nach Süden geflohen. Sein Vater, ein Beamter niedrigen Ranges, verlor 1140 seine Stelle, weil er sich gegen einen Frieden mit den Jin aussprach. Er starb, als Zhu Xi dreizehn Jahre alt war. Danach unterrichteten Freunde seines Vaters den Jungen.

1148 bestand Zhu Xi mit achtzehn Jahren die höchste Beamtenprüfung und erlangte den Grad jinshi. Seine erste Stelle war die eines Registrators im Kreis Tong’an in Fujian. Ab 1153 lernte er bei Li Tong, einem Gelehrten aus der Tradition der Brüder Cheng Hao und Cheng Yi aus der Nördlichen Song-Zeit. Unter Li Tongs Einfluss wandte sich Zhu Xi von seinem frühen Interesse am Buddhismus und Daoismus ab und widmete sich der konfuzianischen Lehre.

Während des größten Teils seines Lebens hatte Zhu Xi nur niedrige Ämter oder Ehrenstellen inne, darunter oft Tempelämter mit wenig Arbeit, die ihm Zeit zum Studieren ließen. Tatsächlich als Beamter tätig war er nur etwa neun Jahre, dann aber mit großem Einsatz: Als Präfekt von Nankang (1179–1181) erneuerte er die Akademie der Weißen Hirschgrotte. Er organisierte Hilfe bei Hungersnöten und förderte gemeinschaftliche Getreidespeicher. Als Präfekt von Zhangzhou (1190) und Tanzhou (1194) reformierte er örtliche Bräuche und Schulen. 1194 lehrte er kurzzeitig den neuen Kaiser Ningzong, wurde aber nach etwa vierzig Tagen entlassen, weil er dessen Berater kritisiert hatte.

Seine letzten Jahre waren schwer. Der mächtige Minister Han Tuozhou ging gegen Zhu Xis Umfeld vor. Ab 1196 war seine Lehre als „falsche Lehre“ (weixue) verboten; seine Anhänger kamen auf eine schwarze Liste. Zhu Xi starb 1200, während das Verbot noch galt. Bald darauf wurde es aufgehoben. 1209 erhielt er postum den Ehrennamen Wen, „der Gebildete“. 1241 wurde seine Gedenktafel im Konfuziustempel aufgestellt.

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Einfach

Prinzip und Lebenskraft: li und qi

Zhu Xi erklärte die Welt mit zwei Begriffen. Qi ist die stoffliche Lebenskraft, aus der alles besteht: Steine, Pflanzen, Tiere, Menschen und sogar Gedanken und Gefühle. Sie ist ständig in Bewegung, sammelt und zerstreut sich und kann schwerer oder leichter, klarer oder trüber sein. Li wird meist mit „Prinzip“ oder „Muster“ übersetzt. Es bestimmt, was ein Ding ist und wie es sein soll: das Muster eines Baumes, eines Bootes oder eines liebevollen Elternteils.

Beides existiert niemals getrennt. Es gibt kein qi ohne li und kein li ohne qi. Dennoch sagte Zhu Xi, li sei in gewissem Sinn vorrangig, weil es der Grund dafür sei, dass die Dinge so sind, wie sie sind. Was dieser Vorrang genau bedeutet, ist unter Forschenden weiterhin umstritten.

Von Cheng Yi übernahm Zhu Xi eine bekannte Formel: „Das Prinzip ist eines, seine Erscheinungsformen sind viele“ (liyi fenshu). Für das ganze Universum gibt es ein einziges großes Prinzip. Zhu Xi setzte es mit dem Höchsten Letzten (taiji) gleich, das der frühere Denker Zhou Dunyi beschrieben hatte. Doch in jedem Ding und jeder Beziehung erscheint es anders: So gibt es nur einen Mond, der sich aber in zahllosen Flüssen spiegelt. Dieses Bild verwendete Zhu Xi selbst.

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Mittel

Menschliche Natur, Herzgeist und sittliche Bildung

Wie Mengzi vertrat Zhu Xi die Ansicht, dass die menschliche Natur gut ist. Unsere Natur ist das Prinzip, wie es in uns vorhanden ist: die Anlagen zu Menschlichkeit (ren), Rechtschaffenheit, angemessenem rituellem Verhalten und Weisheit. Warum handeln Menschen dann falsch? Weil jeder Mensch auch aus qi besteht und das qi, mit dem wir geboren werden, klar oder trüb sein kann. Zhu Xi unterschied die ursprüngliche Natur, die bei allen gleich ist, von der körperlich geprägten Natur, die durch die jeweilige Ausstattung mit qi geformt wird.

Im Herzgeist (xin) treffen beide zusammen. Zhu Xi übernahm eine Wendung von Zhang Zai und sagte, der Herzgeist „vereint Natur und Gefühle“ (xin tong xing qing). Gefühle sind nicht an sich schlecht, müssen aber vom Prinzip geleitet werden. Selbstsüchtige Wünsche, die über das Angemessene hinausgehen, verdecken unsere gute Natur. Zhu Xis bekannter Leitsatz, „das himmlische Prinzip bewahren und menschliche Begierden beseitigen“, meinte solche selbstsüchtigen Auswüchse, nicht jeden natürlichen Wunsch. Spätere Kritiker deuteten ihn allerdings strenger.

Die sittliche Bildung hat deshalb zwei Seiten. Die eine ist ehrfürchtige Achtsamkeit (jing): eine ruhige, gesammelte und aufmerksame Geisteshaltung, sowohl in der Stille als auch beim Handeln. Die andere ist die Untersuchung der Dinge (gewu), die zur Erweiterung des Wissens (zhizhi) führt. Zhu Xi fasste seine Methode so zusammen: den Geist durch ehrfürchtige Achtsamkeit bewahren und das Wissen durch die Untersuchung des Prinzips erweitern. Keines von beidem genügt allein.

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Mittel

Die Untersuchung der Dinge und die Kunst des Lesens

Die Wendung „die Dinge untersuchen und das Wissen erweitern“ stammt aus der Großen Lehre, einem kurzen klassischen Text. Zhu Xi glaubte, ein Teil des Textes sei verloren gegangen. Deshalb ordnete er ihn neu und ergänzte einen Abschnitt, der die Untersuchung erklärte: Wer das Prinzip aller Dinge, denen er begegnet, eines nach dem anderen erforscht und mit der Zeit Verständnis ansammelt, erreicht schließlich einen Punkt, an dem sich plötzlich alles verbindet und das gesamte Prinzip klar wird.

Zu den „Dingen“ gehören Gegenstände der Natur, vor allem aber menschliche Angelegenheiten: Beziehungen, geschichtliche Ereignisse und die klassischen Schriften. Für Zhu Xi war sorgfältiges Lesen die wichtigste Form der Untersuchung. Er gab genaue Ratschläge dafür: langsam und wiederholt lesen, dem Text nicht die eigenen Vorstellungen aufzwingen und weiterlesen, bis sein Sinn Teil des eigenen Denkens geworden ist. Seine Gespräche über das Lesen gehören zu den praktischsten Teilen seines Werks.

Auch die Natur weckte seine Neugier. Er sah versteinerte Muscheln hoch in den Bergen und schloss daraus, dass das Land einst unter Wasser gelegen hatte. Außerdem befasste er sich mit Astronomie, Kalendern und Geografie. Forschende sind sich uneinig, wie sehr seine Untersuchung der Dinge einer wissenschaftlichen Forschung ähnelt; ihr Hauptziel war sittliche Erkenntnis.

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Mittel

Die Vier Bücher und seine weiteren Schriften

Die ältere konfuzianische Bildung konzentrierte sich auf die Fünf Klassiker, umfangreiche und schwierige alte Werke. Auf den Arbeiten der Cheng-Brüder aufbauend machte Zhu Xi vier kürzere Texte zum Kern des Lehrstoffs: die Große Lehre und Maß und Mitte (zwei Kapitel aus dem Buch der Riten), die Gespräche des Konfuzius und das Buch Mengzi. Er empfahl, sie in dieser Reihenfolge zu lesen: Große Lehre, Gespräche des Konfuzius, Mengzi und zuletzt Maß und Mitte. 1190 ließ er als Präfekt von Zhangzhou alle vier zusammen drucken. Seine Gesammelten Kommentare dazu überarbeitete er bis zu seinem Tod.

Mit seinem Freund Lü Zuqian stellte er die Betrachtungen über naheliegende Dinge (Jinsi lu, 1175) zusammen. Diese Sammlung von Aussprüchen der Meister Zhou Dunyi, Zhang Zai, Cheng Hao und Cheng Yi aus der Nördlichen Song-Zeit wurde zu einer wichtigen Einführung in den Neokonfuzianismus. Zhu Xi schrieb außerdem Kommentare zum Buch der Wandlungen und zum Buch der Lieder, stellte die Elementarlehre (Xiaoxue) für junge Menschen zusammen und leitete die Bearbeitung des großen Geschichtswerks Umfassender Spiegel zur Unterstützung der Regierung in einer Fassung mit Überblicken und Einzelheiten.

Die Familienriten (Jiali), ein Leitfaden zu Volljährigkeitszeremonien, Hochzeiten, Beerdigungen und Ahnenriten für gewöhnliche Familien, werden ihm seit der Song-Zeit zugeschrieben. Einige Gelehrte der Qing-Zeit bezweifelten jedoch seine Autorschaft; viele heutige Historiker halten das Werk im Wesentlichen für seines. Seine Briefe, Aufsätze und Gedichte füllen eine umfangreiche Werkausgabe. Die Aufzeichnungen seiner Schüler über seine Gespräche wurden 1270 als Thematisch geordnete Gespräche des Meisters Zhu (Zhuzi yulei) zusammengestellt.

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Mittel

Akademien, Debatten und das Treffen am Gänsesee

Zhu Xi war überzeugt, dass Bildung der persönlichen sittlichen Entwicklung dienen sollte und nicht bloß dem Bestehen von Prüfungen. Er gründete oder erneuerte private Akademien (shuyuan), darunter die Hanquan-Lehrstätte nahe seinem Wohnort und die Wuyi-Lehrstätte im Wuyi-Gebirge (1183). 1179 erneuerte er die Akademie der Weißen Hirschgrotte nahe dem Berg Lu. Ihre kurzen Lehrregeln betonten die fünf menschlichen Beziehungen und die Arbeit an sich selbst. Damit wurde sie zum Vorbild für Akademien in ganz Ostasien.

1175 organisierte Lü Zuqian am Tempel des Gänsesees in Jiangxi ein Treffen zwischen Zhu Xi und den Brüdern Lu Jiuyuan und Lu Jiuling. Lu Jiuyuan vertrat die Auffassung, dass der Geist selbst das Prinzip sei und man zuerst den sittlichen Geist festigen müsse; umfangreiches Studium sei zweitrangig. Zhu Xi bestand auf geduldigem Lernen und Untersuchen. Die Debatte löste ihre Meinungsverschiedenheiten nicht. Später stand sie sinnbildlich für die Trennung zwischen Zhu Xis Schule des Prinzips und der Schule des Geistes, die Wang Yangming weiterentwickelte.

Zhu Xi führte auch lange Gespräche mit dem Gelehrten Zhang Shi aus Hunan und stritt mit dem am praktischen Nutzen orientierten Denker Chen Liang darüber, ob die großen Herrscher der Han- und Tang-Dynastien tatsächlich dem Weg gefolgt waren. Diese Debatten zeigen, dass sich seine Philosophie im Austausch mit begabten Zeitgenossen formte.

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Mittel

Einfluss in ganz Ostasien

In China bestimmte die Yuan-Dynastie 1313, dass die Prüfungen auf den Vier Büchern und Zhu Xis Kommentaren beruhen sollten. Die ersten Prüfungen nach diesem Muster fanden 1315 statt. Die Ming- und die Qing-Dynastie führten das System fort. Bis zur Abschaffung der Prüfungen 1905 waren Zhu Xis Auslegungen für Hunderttausende Bewerber die maßgebliche Lesart des Konfuzianismus.

Nach Korea gelangte Zhu Xis Lehre im späten 13. Jahrhundert. Der Überlieferung nach brachte An Hyang sie aus dem China der Yuan-Dynastie mit. Sie wurde zur herrschenden Lehre der Joseon-Dynastie (1392–1897) und prägte Regierung, Bildung, Familienriten und Ahnenverehrung. Koreanische Denker wie Yi Hwang (Toegye) und Yi I (Yulgok) entwickelten Zhu Xis Ideen eingehend weiter, besonders in der Vier-Sieben-Debatte über das Verhältnis zwischen sittlichen Gefühlen sowie li und qi. Auf Koreanisch heißt die Schule seongnihak, „Lehre von Natur und Prinzip“.

Im Japan der Tokugawa-Zeit (1603–1868) förderten Gelehrte wie Hayashi Razan Zhu Xis Lehre, die offizielle Unterstützung genoss. Yamazaki Ansai entwickelte eine strenge Zhu-Xi-Schule. Auch in Vietnam spielten Zhu Xis Kommentare unter späteren Dynastien eine zentrale Rolle in Bildung und Prüfungen. Die neokonfuzianische Ethik prägte in der ganzen Region das Familienleben, die Geschlechterrollen und die Vorstellungen von Loyalität – mit positiven wie negativen Folgen.

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Fortgeschritten

Quellen zu seinem Leben

Im Vergleich zu den meisten Denkern der Vormoderne ist Zhu Xis Leben ungewöhnlich gut dokumentiert. Tausende seiner Briefe, Eingaben an den Hof, Vorworte und Gedichte sind in seinen gesammelten Werken erhalten. Die Thematisch geordneten Gespräche überliefern seine Worte nach den Mitschriften zahlreicher Schüler, oft mit Datum und Namen. So können Forschende nachvollziehen, wie sich seine Ansichten veränderten. Die früheste ausführliche Biografie ist der Bericht über sein Leben und Wirken (xingzhuang) seines Schülers und Schwiegersohns Huang Gan. Die offizielle Geschichte der Song behandelt ihn in einem eigenen Kapitel über die „Lehre vom Weg“ (Daoxue zhuan).

Diese Quellen haben auch Grenzen. Der Bericht über sein Leben und Wirken und viele spätere chronologische Biografien (nianpu) stammen von Bewunderern, die ihn als vorbildlichen Weisen darstellten. Der Qing-Gelehrte Wang Maohong verfasste eine kritischere chronologische Biografie, in der er Daten ordnete und manche Überlieferungen hinterfragte. Auch die Zuverlässigkeit der Gesprächsaufzeichnungen ist unterschiedlich, denn die Schüler hörten und notierten seine Worte auf verschiedene Weise. Heutige Biografen messen daher den datierten Briefen besonderes Gewicht bei.

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Fortgeschritten

Kritik und konkurrierende Deutungen

Die Schule des Geistes. Wang Yangming (1472–1529), der bedeutendste Kritiker der Ming-Zeit, erzählte, er habe als junger Mann tagelang Bambus angestarrt, um dessen Prinzip zu untersuchen, bis er krank geworden sei. Daraus habe er geschlossen, dass das Prinzip nicht außerhalb des Geistes zu suchen sei. Er vertrat die Einheit von Wissen und Handeln und stellte späte Briefe Zhu Xis zusammen, um zu zeigen, dass dieser selbst schließlich eine auf den Geist ausgerichtete Sicht übernommen habe. Die meisten Forschenden halten diese Darstellung für einseitig.

Kritik aus der Qing-Zeit. Gelehrte der auf Belege gestützten Forschung (kaozheng) kritisierten die Neokonfuzianer der Song-Zeit dafür, buddhistische und daoistische Vorstellungen über die Grundstruktur der Welt in die klassischen Schriften hineinzulesen. Dai Zhen (1724–1777) argumentierte, Zhu Xis scharfe Trennung von Prinzip und Begierde ermögliche es den Mächtigen, „Menschen mit dem Prinzip zu töten“: Im Namen der Moral verurteilten sie die natürlichen Wünsche der Schwachen. Wang Fuzhi und Dai Zhen betonten den Vorrang von qi gegenüber li.

Moderne Kritik. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts griffen Reformer der Bewegung des Vierten Mai die konfuzianische Orthodoxie und besonders Zhu Xis Ethik an. Sie sahen darin eine Quelle unterdrückender Familien- und Geschlechternormen, etwa des Drucks auf Witwen, nicht erneut zu heiraten. Seine Verteidiger entgegnen, die spätere Orthodoxie habe seine Lehren weit über seine Absichten hinaus verschärft.

Buddhistischer Einfluss. Zhu Xi kritisierte den Buddhismus entschieden, weil dieser aus seiner Sicht die Wirklichkeit der Welt und der menschlichen Beziehungen verneinte. Viele Historiker weisen jedoch darauf hin, dass sich die umfassenden Vorstellungen des Neokonfuzianismus über die Welt und Praktiken wie das stille Sitzen im Austausch mit dem Chan- und dem Huayan-Buddhismus entwickelten. Wie tief dieser Einfluss reichte, ist umstritten.

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Fortgeschritten

Moderne Deutungen und offene Fragen

Was ist li? Feng Youlan verglich li in den 1930er-Jahren mit den platonischen Ideen und stellte Zhu Xi als Rationalisten dar, der an einen Bereich ewiger Prinzipien glaubte. Joseph Needham deutete Zhu Xi als Denker, der die Natur als zusammenhängendes Ganzes sah, und li als das ordnende Muster innerhalb der Dinge. A. C. Graham meinte, li sei eher als vom Zusammenhang abhängiges Muster denn als abstraktes Gesetz zu verstehen. Andere sprechen von li als „Zusammenhang“. Diese Deutungen spiegeln ebenso verschiedene Vergleichsweisen wie die Texte selbst wider.

Orthodoxie oder Nebenlinie? Der neukonfuzianische Philosoph Mou Zongsan argumentierte, Zhu Xi habe den Geist vom Prinzip getrennt und sich damit von der Hauptlinie konfuzianischer Moralphilosophie entfernt, die von Mengzi über Lu Jiuyuan zu Wang Yangming führe. Er nannte Zhu Xis System eine „Nebenlinie, die zur Orthodoxie wurde“. Qian Mu stellte Zhu Xi dagegen in einer umfangreichen Studie als großen Vermittler chinesischer Gelehrsamkeit dar. Wing-tsit Chans Übersetzungen und Studien machten Zhu Xi einem englischsprachigen Publikum zugänglich.

Politik und Gesellschaft. Historiker wie Yu Ying-shih haben die politische Seite von Zhu Xis Laufbahn hervorgehoben: den Kreis der daoxue-Gelehrten als reformorientierte Gruppe von Gelehrtenbeamten, die den Kaisern Orientierung geben wollte, und das Verbot der „falschen Lehre“ als politischen Machtkampf. Andere untersuchen seinen Einsatz vor Ort für gemeinschaftliche Getreidespeicher, Akademien und Familienriten. Er trug dazu bei, die Kultur der örtlichen Oberschicht im späteren kaiserlichen China zu formen.

Auch heute lesen Philosophen Zhu Xi im Zusammenhang mit Tugendethik, Moralpsychologie und Umweltdenken. Die Stanford Encyclopedia of Philosophy beschreibt die Forschung zu Zhu Xi als lebendig, vielfältig und umstritten.

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Kernideen

Prinzip (li)
Das Muster, das bestimmt, was jedes Ding ist und wie es sein soll; seinem Wesen nach eines, in seinen Erscheinungsformen vielfältig.
Lebenskraft (qi)
Die stoffliche Energie, aus der alle Dinge bestehen und die ihre Unterschiede erklärt.
Das Höchste Letzte (taiji)
Die Gesamtheit des Prinzips und der letzte Ursprung der Ordnung im Universum.
Untersuchung der Dinge (gewu)
Das Prinzip der Dinge einzeln erforschen, vor allem durch Lesen, bis ein umfassendes Verständnis entsteht.
Ehrfürchtige Achtsamkeit (jing)
Eine gesammelte, aufmerksame Geisteshaltung, die man in Ruhe und bei Tätigkeit bewahrt.
Die menschliche Natur ist gut
Unsere ursprüngliche Natur ist das Prinzip selbst; trübes qi und selbstsüchtige Wünsche verdecken sie.
Die Vier Bücher
Die Große Lehre, Maß und Mitte, die Gespräche des Konfuzius und das Buch Mengzi; sie wurden zum Kern der konfuzianischen Bildung.

Einträge

  1. 1127 — Die Jin erobern Nordchina; der Song-Hof richtet sich im Süden neu ein.
  2. 1130 — Zhu Xi wird in Youxi in der Provinz Fujian geboren.
  3. 1148 — Mit achtzehn Jahren besteht er die jinshi-Prüfung.
  4. 1153 — Er begegnet erstmals seinem Lehrer Li Tong und tritt seine Stelle als Registrator von Tong’an an.
  5. 1175 — Er stellt mit Lü Zuqian die Betrachtungen über naheliegende Dinge zusammen und trifft Lu Jiuyuan am Tempel des Gänsesees.
  6. 1179 — Als Präfekt von Nankang erneuert er die Akademie der Weißen Hirschgrotte.
  7. 1183 — Er errichtet die Wuyi-Lehrstätte im Wuyi-Gebirge.
  8. 1190 — Als Präfekt von Zhangzhou lässt er die Vier Bücher zusammen drucken.
  9. 1196 — Das Qingyuan-Verbot der „falschen Lehre“ trifft seine Schule.
  10. 1200 — Zhu Xi stirbt in Jianyang, während das Verbot noch gilt.
  11. 1313 — Die Yuan-Dynastie macht seine Kommentare zu den Vier Büchern zur Grundlage der Prüfungen, die erstmals 1315 nach diesem Muster stattfinden.
  12. 1905 — Die Qing-Dynastie schafft die Beamtenprüfungen ab. Damit endet Zhu Xis Rolle im offiziellen Lehrplan.

Glossar

Neokonfuzianismus
Die Erneuerung und Neudeutung des Konfuzianismus seit der Song-Dynastie.
Li (Prinzip, Muster)
Das Muster oder der Grund dafür, dass die Dinge so sind, wie sie sind.
Qi
Lebenskraft oder Stoff, aus dem alle Dinge bestehen.
Taiji
Das Höchste Letzte, der Ursprung aller Prinzipien.
Ren
Menschlichkeit oder Güte, die höchste konfuzianische Tugend.
Jinshi
Der höchste Grad, den man in den kaiserlichen Beamtenprüfungen erwerben konnte.
Shuyuan
Eine private oder teilweise private Akademie zum Lernen und Lehren.
Daoxue
„Lehre vom Weg“, eine Bezeichnung für Zhu Xis Bewegung, die auch ihre Kritiker verwendeten.
Seongnihak
Die koreanische Bezeichnung für Zhu Xis Lehre von Natur und Prinzip.
Kaozheng
Eine auf Belege gestützte Gelehrsamkeit der Qing-Zeit, die Sprachwissenschaft und Textkritik einsetzte.

Fragen und Antworten

Ist Zhu Xi so wichtig wie Konfuzius?

Er gründete den Konfuzianismus nicht, war für dessen spätere Geschichte aber sehr wichtig: Rund 600 Jahre lang lernten die meisten Schüler in Ostasien die Lehren des Konfuzius anhand von Zhu Xis Kommentaren.

Was bedeutet li?

Li wird meist mit „Prinzip“ oder „Muster“ übersetzt. Es beschreibt, was ein Ding ist und wie es sein soll. Über die beste Übersetzung wird diskutiert.

Wollte Zhu Xi, dass die Menschen alle ihre Gefühle unterdrücken?

Nein. Er hielt Gefühle für natürlich und meinte, sie sollten vom Prinzip geleitet werden. Er warnte vor selbstsüchtigen Wünschen, die über das Richtige hinausgehen. Spätere Kritiker sagten allerdings, seine Lehren seien zur Rechtfertigung von Unterdrückung benutzt worden.

Warum wurde seine Lehre verboten?

1196 verlor sein Kreis einen politischen Machtkampf gegen den Minister Han Tuozhou, der ihre Lehre als „falsche Lehre“ bezeichnete. Nach Zhu Xis Tod wurde das Verbot aufgehoben.

Wie beeinflusste Zhu Xi Korea?

Seine Lehre wurde zur herrschenden Lehre der Joseon-Dynastie und prägte Regierung, Schulen und Familienriten. Koreanische Gelehrte wie Yi Hwang und Yi I entwickelten sie weiter.

Worum ging es bei der Debatte am Gänsesee?

1175 waren sich Zhu Xi und Lu Jiuyuan uneinig, ob sittliches Lernen mit umfassendem Studium und Untersuchung oder mit der Festigung des eigenen sittlichen Geistes beginnen sollte.

Hat Zhu Xi die Familienriten geschrieben?

Das Werk wird ihm seit Langem zugeschrieben. Einige Gelehrte der Qing-Zeit bezweifelten dies, doch viele heutige Historiker halten es im Wesentlichen für sein Werk.

Quellen und weiterführende Literatur

  1. Zhu Xi. Stanford Encyclopedia of Philosophy
  2. Zhu Xi (Chu Hsi) (1130–1200). Internet Encyclopedia of Philosophy
  3. Zhu Xi. Wikipedia
  4. Neo-Confucianism. Wikipedia
  5. Four Books and Five Classics. Wikipedia
  6. White Deer Grotto Academy. Wikipedia
  7. 주희. 위키백과 (Korean Wikipedia)
  8. 성리학. 위키백과 (Korean Wikipedia)
  9. Wing-tsit Chan (trans.), Reflections on Things at Hand: The Neo-Confucian Anthology Compiled by Chu Hsi and Lü Tsu-ch'ien. Columbia University Press, 1967
  10. Patricia Buckley Ebrey (trans.), Chu Hsi's Family Rituals: A Twelfth-Century Chinese Manual for the Performance of Cappings, Weddings, Funerals, and Ancestral Rites. Princeton University Press, 1991

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Mit KI-Unterstützung auf Grundlage der oben aufgeführten veröffentlichten Quellen verfasst und bei neuen Forschungsergebnissen überarbeitet.

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