Beginnen Sie oben mit einer einfachen Einführung. Weiter unten finden Sie mehr Details und Forschungsergebnisse.
- Einfach
- Mittel
- Fortgeschritten
Für junge Leser
Jeong Yak-yong wurde 1762 in einem Dorf am Han-Fluss geboren, nahe der heutigen Stadt Seoul in Korea. Schon als Kind liebte er Bücher und lernte sehr schnell. Viele Menschen kennen ihn unter dem Namen Dasan. Das bedeutet „Teeberg“.
Als Erwachsener bestand er eine sehr schwere Prüfung für Beamte und arbeitete für König Jeongjo. Der König mochte neue Ideen. Er bat Dasan, beim Bau einer Stadtmauer in Suwon zu helfen. Dasan entwarf eine Hebemaschine mit Rollen. Damit konnten die Arbeiter schwere Steine leichter hochheben.
Dann änderte sich sein Leben. Nach dem Tod des Königs im Jahr 1800 bestrafte die neue Regierung Menschen, die mit dem Christentum verbunden waren. Diese Religion war damals in Korea verboten. Einige Verwandte und Freunde von Dasan waren Christen. Einer seiner Brüder wurde hingerichtet. Dasan musste weit weg von zu Hause leben.
Dasan lebte achtzehn Jahre lang in der Verbannung, meist in Gangjin im Südwesten Koreas. Er gab nicht auf. Er las, unterrichtete junge Menschen und schrieb viele Bücher. Darin erklärte er, wie Beamte den Menschen helfen, Gerichte gerecht urteilen und das Land besser verwaltet werden könnten.
Sein bekanntestes Buch heißt Mongmin simseo. Darin fordert er Beamte auf, ehrlich zu sein, armen Menschen zu helfen und keine Bestechungsgelder anzunehmen. Heute erinnern sich viele Menschen in Korea an Dasan als einen großen Denker. Auch manche Beamte lesen sein Buch noch immer.
Auf einen Blick
- Geboren
- 1762 (am 16. Tag des 6. Mondmonats), im Dorf Majae, Kreis Gwangju, Provinz Gyeonggi (heute Joan-myeon, Namyangju)
- Gestorben
- 1836 (am 22. Tag des 2. Mondmonats), in seinem Haus in Majae
- Namen
- Gelehrtennamen Dasan (茶山), Sam (俟菴) und weitere; sein Haus und seine gesammelten Werke heißen Yeoyudang (與猶堂)
- Dynastie
- Joseon, Regierungszeiten von Jeongjo (1776–1800) und Sunjo (1800–1834)
- Laufbahn
- Bestand 1789 die Beamtenprüfung; diente König Jeongjo in der königlichen Bibliothek (Gyujanggak) und in verschiedenen Ämtern; half bei der Planung der Festung Hwaseong in Suwon
- Verbannung
- 1801–1818: zunächst kurz in Janggi, dann in Gangjin in der Provinz Süd-Jeolla, darunter etwa elf Jahre im strohgedeckten Haus Dasan Chodang
- Wichtige Werke
- Gyeongse yupyo (1817), Mongmin simseo (1818), Heumheum sinseo (1819/1822) und umfangreiche Kommentare zu den konfuzianischen Klassikern; insgesamt etwa 500 Bände
- Würdigung
- Die UNESCO nahm seinen 250. Geburtstag in die Liste der Gedenktage auf, die sie 2012 beging
Einfach
Wer war Jeong Yak-yong?
Jeong Yak-yong, häufig unter seinem Gelehrtennamen Dasan bekannt, lebte in der späten Joseon-Dynastie, die Korea von 1392 bis 1897 regierte. Er gilt weithin als bedeutendster Vertreter des Silhak. Diesen Namen erhielt später eine Gruppe koreanischer Gelehrter, die forderten, konfuzianisches Wissen auf praktische Fragen anzuwenden: Landbesitz, Steuern, Recht, Technik und das Wohlergehen der Bevölkerung.
In jungen Jahren war er ein begabter Beamter und Ingenieur. In seinen mittleren Jahren wurde er Opfer politischer und religiöser Verfolgung. Während seiner Verbannung schrieb er außerordentlich viel. Seine Werke reichen von Kommentaren zu den konfuzianischen Klassikern bis zu Untersuchungen über Geografie, Medizin, Sprache, Musik und Dichtung. Forschende schätzen ihren Umfang auf insgesamt etwa 500 Bände (gwon).
Dasan schrieb auf klassischem Chinesisch, der damaligen Gelehrtensprache Ostasiens. Sein heute in Korea bekanntestes Buch ist Mongmin simseo, ein Leitfaden für örtliche Verwaltungsbeamte, der weiterhin als Vorbild für die Ethik im öffentlichen Dienst gelesen wird.
Einfach
Familie und Jugend
Jeong wurde 1762 in Majae geboren, einem Dorf am Han-Fluss östlich von Seoul. Seine Familie, der Jeong-Clan aus Naju, gehörte den Namin („Südlichen“) an, einer politischen Fraktion, die während eines Großteils des 18. Jahrhunderts weitgehend von der Macht ausgeschlossen war. Sein Vater Jeong Jae-won war örtlicher Beamter. Seine Mutter stammte aus der Familie Yun aus Haenam, zu deren Vorfahren der Dichter Yun Seon-do und der Maler Yun Du-seo gehörten.
Er hatte drei ältere Brüder: Jeong Yak-hyeon, Jeong Yak-jeon und Jeong Yak-jong. Durch Familie und Freunde lernte er die Ideen von Yi Ik (1681–1763) kennen, dessen Schriften über praktische Reformen viele Gelehrte der Namin anregten. 1784 machte Yi Byeok, der Schwager seines ältesten Bruders, ihn mit katholischen Büchern aus China bekannt. Die „westliche Lehre“ (Seohak), zu der sowohl christliche Lehren als auch europäische Wissenschaft gehörten, faszinierte damals viele junge Gelehrte.
Er heiratete 1776, bestand 1783 die niedrigere Beamtenprüfung (jinsa) und 1789 die höhere Prüfung (mungwa). König Jeongjo wollte die königliche Macht stärken und begabte Männer außerhalb der vorherrschenden Fraktion in die Regierung holen. Er zeigte großes Interesse an Jeong.
Einfach
Im Dienst von König Jeongjo: Hwaseong und die Hebemaschine
König Jeongjo (Regierungszeit 1776–1800) gilt als einer der gebildetsten und reformfreudigsten Könige Joseons. Er gründete das Gyujanggak, eine königliche Bibliothek und Forschungseinrichtung, und versammelte junge Gelehrte um sich. Jeong gehörte zu seinen Günstlingen.
Als Jeongjo beschloss, bei Suwon nahe dem Grab seines Vaters, Kronprinz Sado, eine neue befestigte Stadt zu bauen, bat er Jeong um Hilfe bei der Planung. Jeong studierte chinesische und westliche Schriften über Festungsbau und Maschinen, darunter ein illustriertes chinesisches Buch über westliche mechanische Geräte aus der königlichen Bibliothek. Er entwarf einen Kran (geojunggi) mit Rollen und weitere Hebevorrichtungen, die den Arbeitern das Bewegen schwerer Steine erleichterten. Die Festung Hwaseong wurde zwischen 1794 und 1796 errichtet und 1997 in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen.
1794 war er außerdem als geheimer königlicher Inspektor (amhaeng eosa) unterwegs. Verkleidet überprüfte er örtliche Beamte. Ab 1797 war er Verwaltungsbeamter des Kreises Goksan in der Provinz Hwanghae. Dabei sah er, wie einfache Bauern unter korrupten Schreibern und ungerechten Steuern litten. Diese Erfahrungen prägten später seine Schriften über die örtliche Verwaltung.
Mittel
Katholizismus, politische Fraktionen und die Verfolgung von 1801
Jeongs Verbindung zum Katholizismus brachte ihn mit neuen Ideen in Berührung, trug aber auch zu seinem Sturz bei. In den 1780er-Jahren las er katholische Schriften und beteiligte sich an der frühen katholischen Gemeinschaft. Als der Katholizismus verboten wurde und Gegner der Namin seine Anhänger angriffen, wurde Jeong wiederholt beschuldigt. 1797 richtete er eine Denkschrift an den König, in der er erklärte, die neue Lehre habe ihn einst angezogen, er habe sich aber von ihr abgewandt. Ob er später zum katholischen Glauben zurückkehrte, ist umstritten: Einige katholische Berichte aus dem 19. Jahrhundert behaupten dies, viele Historiker halten es jedoch für unbewiesen.
Als Jeongjo 1800 unerwartet starb, bestieg der junge König Sunjo den Thron. Die Regentschaft übernahm die Königinwitwe Jeongsun, die mit den Namin feindlich gesinnten Fraktionen verbündet war. 1801 begann die Regierung eine große Verfolgung von Katholiken, die Sinyu-Verfolgung. Hunderte Menschen wurden getötet, darunter Jeongs Bruder Jeong Yak-jong und Yi Seung-hun, der erste getaufte koreanische Katholik und Jeongs Schwager. Die Verfolgung diente auch dazu, politische Gegner auszuschalten.
Jeong und sein Bruder Yak-jeon wurden verbannt, Jeong zunächst nach Janggi an der Ostküste. Später im selben Jahr wurde der Katholik Hwang Sa-yeong, der Ehemann von Jeongs Nichte, festgenommen. Er hatte einen Brief auf Seide geschrieben, in dem er den Bischof in Peking bat, für die Kirche westliche Militärhilfe zu suchen. Der Skandal führte zu weiteren Verhören. Jeong wurde nach Gangjin im äußersten Südwesten und Yak-jeon auf die Insel Heuksando geschickt.
Mittel
Achtzehn Jahre in Gangjin
Zunächst wohnte Jeong in einem kleinen Zimmer hinter einer Gastwirtschaft in Gangjin. Er nannte es Sauijae, „Zimmer der vier Regeln“: klar denken, würdevoll auftreten, wenig sprechen und überlegt handeln. Später lebte er in einer buddhistischen Einsiedelei und im Haus eines Schülers. 1808 zog er in ein strohgedecktes Haus auf einem Hügel über der Bucht von Gangjin. Der Ort hieß Dasan, „Teeberg“, und gab ihm seinen bekanntesten Gelehrtennamen. Dort lebte er bis zu seiner Freilassung 1818.
Im Dasan Chodang, dem strohgedeckten Haus von Dasan, richtete er eine Bibliothek ein, legte einen kleinen Garten mit Teich an, ritzte das Schriftzeichen jeong (丁) in einen Felsen und holte Wasser aus einer Quelle. Er unterrichtete junge Männer aus der Umgebung und organisierte ihre Forschungs- und Abschreibarbeiten. Das erklärt zum Teil, wie er so viel schreiben konnte. Er schloss Freundschaft mit buddhistischen Mönchen, darunter Hyejang und der Teemeister Choui. Außerdem wechselte er Briefe mit seinem Bruder Yak-jeon, der auf Heuksando die wegweisende Untersuchung Jasan eobo über Fische und Meerestiere verfasste, bevor er dort 1816 starb.
In Briefen aus der Verbannung ermahnte er seine Söhne, zu lernen, die Würde der Familie zu bewahren und trotz ihres Niedergangs niemals aufzugeben. Sie gehören zu den bewegendsten Schriften dieser Zeit. Das heutige Gebäude des Dasan Chodang ist eine 1958 errichtete Rekonstruktion mit Ziegeldach. Die Stätte wurde 1963 zu einer historischen Stätte Koreas erklärt.
Mittel
„Eine Denkschrift und zwei Bücher“: Pläne für einen besseren Staat
Jeongs drei bekannteste Werke über Staatsführung werden zusammen „il-pyo i-seo“ genannt: eine Denkschrift (pyo) und zwei Bücher (seo). Gyeongse yupyo (etwa „Hinterlassene Denkschrift zur Ordnung der Welt“, 1817) entwirft eine Neuordnung der gesamten Zentralregierung, des Landsystems, der Besteuerung und des Militärs. Als Vorbild diente der alte chinesische Klassiker Die Riten der Zhou. Das Werk blieb unvollendet. Jeong nannte es eine „hinterlassene Denkschrift“, weil er es dem König nicht vorlegen konnte.
Mongmin simseo („Ermahnungen zur Verwaltung des Volkes“, 1818) ist ein praktisches Handbuch für die Leiter der Kreisverwaltung in 48 Bänden. Seine zwölf Teile mit jeweils sechs Abschnitten begleiten den Beamten vom Amtsantritt über Selbstdisziplin, Dienst am Staat und Sorge für die Bevölkerung bis zur Verwaltung von Personal, Einnahmen, Riten, Militär, Justiz und öffentlichen Arbeiten, zur Hilfe bei Hungersnöten und zum Ausscheiden aus dem Amt. Das Werk enthält viele konkrete Fälle. Sie zeigen, wie Schreiber Bauern betrogen und wie ein ehrlicher Beamter dies verhindern konnte.
Heumheum sinseo (etwa „Neues Buch über sorgfältige Rechtsprechung“, um 1819 abgeschlossen und 1822 mit einem Vorwort versehen) behandelt Tötungsdelikte. Sein Titel geht auf eine Wendung zurück, die zu Sorgfalt und Ehrfurcht beim Urteilen mahnt. Das Buch sammelt chinesische und koreanische Fälle, erörtert die Untersuchung von Beweisen und warnt Verwaltungsbeamte vor leichtfertigen oder grausamen Urteilen. Gemeinsam zeigen diese Werke Jeongs Überzeugung, dass Reformen vom Königshof bis ins Dorf reichen mussten.
Mittel
Dichter, Mediziner und Geograf
Jeong hinterließ auch etwa 2.500 Gedichte, viele davon aus der Zeit seiner Verbannung. Einige schildern das Leben von Bauern und Fischern mit bitterem Realismus. Das bekannteste, Aejeoryang („Klage über eine Verstümmelung“, 1803), erzählt von einem armen Mann in Gangjin, der sich aus Verzweiflung selbst verstümmelte, nachdem Beamte Militärsteuer für seinen neugeborenen Sohn und seinen verstorbenen Vater verlangt hatten. Diese rechtswidrige Praxis war weit verbreitet. Jeong erklärte, ein Gedicht, das nicht um seine Zeit trauere und die Korruption anprangere, sei kein wahres Gedicht.
Seine Neugier galt auch der Medizin, Geografie und Sprache. Magwa hoetong (1798) trug chinesisches und koreanisches Wissen über Masern und verwandte Krankheiten zusammen. Das Thema betraf ihn persönlich, da mehrere seiner Kinder jung starben. Abang gangyeokgo (1811) untersuchte die historische Geografie früher koreanischer Staaten, und Aeon gakbi (1819) berichtigte verbreitete Fehler im Gebrauch von Wörtern und Schriftzeichen. Er befasste sich außerdem mit Musik, Riten und der Organisation des Militärs.
Diese Vielfalt war keine ziellose Neugier. Für Jeong dienten alle diese Gebiete einem Ziel: die Welt genau zu verstehen, damit die Regierung wirkliche Not lindern konnte. In seiner Forschung verband er immer wieder alte Texte mit den konkreten Einzelheiten des Alltags.
Mittel
Zentrale Ideen: Land, Herrschaft und menschliche Natur
Die Landfrage beschäftigte Jeong stark. In einer 1799 verfassten Abhandlung über Land (Jeollon) schlug er das Yeojeon-System vor. Dörfer mit etwa dreißig Haushalten sollten das Land gemeinsam bewirtschaften und die Ernte nach der von jeder Familie geleisteten Arbeit aufteilen. So sollten nur diejenigen, die das Land bearbeiteten, seine Erträge erhalten. Später entwickelte er in Gyeongse yupyo eine schrittweisere Reform auf Grundlage des alten Brunnenfeldsystems (jeongjeon).
In kurzen Aufsätzen wie Wonmok („Über den Ursprung der Herrscher“) und Tangnon („Über König Tang“) vertrat er die Ansicht, dass Herrscher ursprünglich aus dem Volk hervorgegangen seien: Die Menschen hätten Anführer gewählt, um Streitigkeiten zu schlichten. Ein Herrscher, der dem Volk nicht diene, könne rechtmäßig ersetzt werden. Diese Aufsätze wurden oft mit europäischen Vorstellungen von Volkssouveränität verglichen. Jeong argumentierte jedoch innerhalb eines konfuzianischen Rahmens und forderte nicht die Abschaffung der Monarchie.
Hinsichtlich der menschlichen Natur lehnte er die mit Zhu Xi verbundene neokonfuzianische Auffassung ab, sie sei mit einem kosmischen Prinzip (li) identisch. Stattdessen verstand er die menschliche Natur als eine Reihe von Neigungen oder Vorlieben (die als seonggiho-seol bekannte Lehre): Menschen hätten von Natur aus Freude am Guten und schämten sich des Bösen. Sie könnten sich jedoch frei entscheiden, und Tugend entstehe erst durch Übung. Er betonte außerdem einen persönlichen, wachsamen Sangje („Herrn in der Höhe“), vor dem ein Mensch in Gedanken und Taten achtsam sein solle.
Einfach
Heimkehr und letzte Jahre
1818 wurde Jeong freigelassen und kehrte nach Majae zurück. Ein öffentliches Amt bekleidete er nicht mehr. Er überarbeitete weiterhin seine Werke, verfasste 1822 eine selbst geschriebene Grabinschrift mit einem Rückblick auf sein Leben und seine Schriften und empfing Gelehrte, die ihn besuchten. Sein Haus nannte er Yeoyudang. Der Name stammt aus einer Stelle des Daodejing, die Vorsicht beschreibt: als überquere man im Winter einen zugefrorenen Bach und als fürchte man seine Nachbarn.
Er starb 1836 am sechzigsten Jahrestag seiner Hochzeit und wurde auf dem Hügel hinter seinem Haus in Majae begraben. Seine Werke verbreiteten sich zu seinen Lebzeiten und danach als Handschriften; die meisten wurden jedoch erst im 20. Jahrhundert gedruckt.
Heute stehen sein Haus, sein Grab und ein Museum an der Dasan-Gedenkstätte in Namyangju. Auch das Dasan Chodang in Gangjin wird jedes Jahr von vielen Menschen besucht. In Korea tragen Schulen, Straßen und Auszeichnungen seinen Namen, und Mongmin simseo wird Beamten häufig zur Lektüre empfohlen.
Fortgeschritten
Studien der Klassiker und Kritik am Neokonfuzianismus
Obwohl Jeong heute vor allem für seine Schriften über Staatsführung bekannt ist, besteht der größte Teil seines Werks aus Kommentaren zu den konfuzianischen Klassikern: den Gesprächen des Konfuzius, dem Menzius, Maß und Mitte, der Großen Lehre, dem Buch der Urkunden, dem Buch der Wandlungen, dem Buch der Lieder und den Ritualschriften. Er verglich die Deutungen von Gelehrten der Han-, Song-, Ming- und Qing-Zeit sowie japanischer Konfuzianer wie Itō Jinsai und Ogyū Sorai, deren Schriften aus Japan nach Korea gelangt waren. So wollte er die seiner Ansicht nach ursprüngliche Bedeutung der alten Weisen wiedergewinnen.
Dabei brach er mit der Lehre Zhu Xis, die das Bildungswesen Joseons beherrschte. Er kritisierte die metaphysische Deutung von li und qi und bestand darauf, dass Tugenden wie Menschlichkeit (ren) keine angeborenen Substanzen seien, sondern Bezeichnungen für Beziehungen, die durch Handeln entstehen. Er beteiligte sich auch an der Debatte der Qing-Zeit über die Echtheit der „alttextlichen“ Kapitel des Buchs der Urkunden. Wie chinesische Gelehrte der textkritischen Forschung hielt er sie für spätere Fälschungen.
Über die Quellen dieser Ideen sind sich Forschende uneinig. Einige betonen den Einfluss katholischer Werke wie Matteo Riccis The True Meaning of the Lord of Heaven, besonders auf Jeongs Vorstellung von Sangje und der freien moralischen Entscheidung. Andere heben die Kontinuität mit früherem konfuzianischem Denken, der Namin-Tradition Yi Iks und der breiteren ostasiatischen Bewegung der textkritischen Forschung hervor. Mark Settons Studie Chong Yagyong: Korea’s Challenge to Orthodox Neo-Confucianism (1997) ist eine maßgebliche englischsprachige Darstellung dieser Debatte.
Fortgeschritten
Quellen, Ausgaben und das moderne Bild Dasans
Unser Wissen über Jeongs Leben stammt vor allem aus seinen eigenen Schriften: seinen selbst verfassten Grabinschriften, Briefen, Gedichten und Vorworten. Hinzu kommen amtliche Quellen wie die Wahrheitsgetreuen Aufzeichnungen der Joseon-Dynastie und die Akten zur Verfolgung von 1801. Seine Selbstdarstellung ist eine wertvolle, aber interessengeleitete Quelle: Er schrieb als jemand, dem sein Ansehen und die Wiederherstellung des guten Namens seiner Familie wichtig waren.
Weil die meisten seiner Werke als Handschriften erhalten blieben, war ihre Veröffentlichung ein Ereignis der Neuzeit. Mongmin simseo wurde 1901 gedruckt. Die gesammelten Werke, Yeoyudang jeonseo, wurden von seinem Nachfahren Kim Seong-jin unter Mitwirkung von Jeong In-bo und An Jae-hong herausgegeben und zwischen 1934 und 1938 vom Verlag Sinjoseonsa in 154 Bänden und 76 Büchern veröffentlicht. Dies fiel mit seinem hundertsten Todestag 1936 und der „Bewegung für koreanische Studien“ (Joseonhak undong) unter japanischer Kolonialherrschaft zusammen. Damals suchten Gelehrte in Koreas Vergangenheit nach Grundlagen für eigenständiges modernes Denken. Neuere kritische Ausgaben berichtigen weiterhin die Texte und ermitteln, welche Werke von seinen Schülern verfasst wurden.
Auch die Kategorie Silhak entstand weitgehend erst im 20. Jahrhundert. Historiker in Süd- und Nordkorea stellten Jeong lange als Vordenker der Moderne dar, dessen Ideen zeigten, dass Korea sich aus eigener Kraft in Richtung Moderne entwickelte. Diese Sicht hing mit der Theorie einer „inneren Entwicklung“ zusammen, die kolonialen Behauptungen über einen Stillstand Koreas widersprach. Neuere Forschende stellen diesen Rahmen infrage. Sie betonen, dass Jeong als konfuzianischer Reformer innerhalb der Monarchie wirkte und Silhak keine einheitliche Schule war. Auch sein Verhältnis zum Katholizismus und zur westlichen Wissenschaft wird weiter diskutiert. Diese Debatten schmälern seine Leistungen nicht, sondern verorten sie genauer in seiner Zeit.
Kernideen
- Silhak (praktische Gelehrsamkeit)
- Eine moderne Bezeichnung für Gelehrte der späten Joseon-Zeit, die konfuzianisches Wissen für praktische Reformen bei Landbesitz, Steuern, Recht und Technik einsetzten. Jeong gilt als ihr bedeutendster Vertreter.
- Mongmin (für das Volk sorgen)
- Das Ideal, dass Beamte für die Menschen sorgen sollen wie ein Hirte für seine Herde; der Begriff steht im Titel seines Handbuchs für örtliche Verwaltungsbeamte.
- Yeojeon-System
- Sein Vorschlag, dass Dorfgemeinschaften das Land gemeinsam bewirtschaften und die Ernte entsprechend der geleisteten Arbeit aufteilen, damit diejenigen, die den Boden bestellen, seine Erträge erhalten.
- Herrscher aus dem Volk
- Das in Wonmok und Tangnon vorgebrachte Argument, dass Herrscher ursprünglich durch die Wahl des Volkes an die Macht kamen und ersetzt werden können, wenn sie ihre Aufgabe nicht erfüllen.
- Die menschliche Natur als Neigung
- Seine Lehre, dass Menschen zum Guten neigen und sich des Bösen schämen, Tugend aber erst durch frei gewähltes Handeln verwirklichen.
- Sangje
- Der persönliche „Herr in der Höhe“ der alten Klassiker, der nach Jeongs Auffassung das menschliche Verhalten beobachtet und zu moralischer Achtsamkeit anhält.
- Textkritische Forschung
- Die sorgfältige sprachliche und historische Untersuchung alter Texte, um ihre ursprüngliche Bedeutung zu erschließen; Jeong nutzte sie, um spätere neokonfuzianische Deutungen zu hinterfragen.
Einträge
- 1762 — Geburt in Majae, Kreis Gwangju, Provinz Gyeonggi.
- 1784 — Lernt durch Yi Byeok den Katholizismus kennen.
- 1789 — Besteht die höhere Beamtenprüfung und tritt in den Dienst von König Jeongjo.
- 1792 — Hilft bei der Planung der Festung Hwaseong und entwirft den Kran geojunggi; der Bau dauert von 1794 bis 1796.
- 1797 — Reicht eine Denkschrift ein, in der er sich vom Katholizismus lossagt; wird zum Verwaltungsbeamten von Goksan ernannt.
- 1800 — König Jeongjo stirbt.
- 1801 — Sinyu-Verfolgung: Sein Bruder Yak-jong wird hingerichtet; Jeong wird erst nach Janggi und dann nach Gangjin verbannt.
- 1808 — Zieht in das Dasan Chodang, wo er bis 1818 lebt.
- 1817 — Verfasst Gyeongse yupyo.
- 1818 — Vollendet Mongmin simseo; wird aus der Verbannung entlassen und kehrt nach Hause zurück.
- 1836 — Stirbt in Majae an seinem sechzigsten Hochzeitstag.
- 1934 — Die Veröffentlichung seiner gesammelten Werke, Yeoyudang jeonseo, beginnt (abgeschlossen 1938).
Glossar
- Joseon
- Die koreanische Dynastie, die von 1392 bis 1897 herrschte und den Neokonfuzianismus zu ihrer offiziellen Lehre machte.
- Namin (Südliche)
- Eine politische Fraktion von Beamten Joseons, der Jeongs Familie angehörte; viele frühe koreanische Katholiken stammten aus ihrem Umfeld.
- Gyujanggak
- Die königliche Bibliothek und Forschungseinrichtung, die König Jeongjo 1776 gründete.
- Hwaseong
- Die 1794–1796 unter Jeongjo erbaute Festungsanlage von Suwon; seit 1997 UNESCO-Welterbe.
- Geojunggi
- Ein von Jeong entworfener Kran mit Rollen, mit dem beim Bau von Hwaseong Steine gehoben wurden.
- Sinyu-Verfolgung
- Die Verfolgung von Katholiken im Jahr 1801 (dem Sinyu-Jahr), die zugleich politische Gegner der herrschenden Fraktionen ausschaltete.
- Seidenbrief des Hwang Sa-yeong
- Ein 1801 auf Seide geschriebener geheimer Brief mit der Bitte um westliche Hilfe für koreanische Katholiken; seine Entdeckung verschärfte die Verfolgung.
- Dasan Chodang
- Das strohgedeckte Haus in Gangjin, in dem Jeong von 1808 bis 1818 lebte und schrieb.
- Örtlicher Verwaltungsbeamter (suryeong)
- Ein vom König ernannter Beamter, der einen Kreis verwaltete; an ihn richtet sich vor allem Mongmin simseo.
- Yeoyudang jeonseo
- Jeongs gesammelte Werke, veröffentlicht von 1934 bis 1938.
Fragen und Antworten
Warum wird er Dasan genannt?
Dasan bedeutet „Teeberg“. So hieß der Hügel in Gangjin, auf dem er während seiner Verbannung lebte. Den Namen verwendete er als Gelehrtennamen.
Hat er wirklich einen Kran erfunden?
Er entwarf eine Hebemaschine mit Rollen, den geojunggi. Dabei stützte er sich auf chinesische und westliche Bücher über Maschinen. Die Vorrichtung half Arbeitern, beim Bau der Festung Hwaseong schwere Steine zu heben.
Warum wurde er verbannt?
Er und seine Familie hatten Verbindungen zum verbotenen Katholizismus. Außerdem kamen nach dem Tod von König Jeongjo seine politischen Gegner an die Macht. Seine Verbannung dauerte achtzehn Jahre.
Was lehrt Mongmin simseo?
Das Buch fordert örtliche Beamte auf, ehrlich und umsichtig zu regieren: sich selbst zu beherrschen, korrupte Schreiber zu stoppen, gerecht Steuern zu erheben und zu urteilen sowie für arme, kranke und hungernde Menschen zu sorgen.
War Jeong Yak-yong Katholik?
In seiner Jugend war er an der frühen katholischen Gemeinschaft beteiligt, sagte sich aber 1797 förmlich vom Katholizismus los. Ob er später zum Glauben zurückkehrte, ist umstritten und lässt sich anhand verlässlicher Quellen nicht bestätigen.
War er ein „moderner“ Denker?
Seine Ideen über Herrschaft, Land und menschliche Natur wurden oft mit modernem Denken verglichen. Viele Forschende betonen heute jedoch, dass er ein konfuzianischer Reformer seiner Zeit war und die Bezeichnung als Vordenker der Moderne Interessen des 20. Jahrhunderts widerspiegelt.
Wie beeinflusste ihn die westliche Lehre?
Er studierte chinesische Übersetzungen westlicher Werke über Mechanik, Astronomie und Religion. Forschende diskutieren, wie stark diese seine Philosophie im Vergleich zu den konfuzianischen Klassikern und der ostasiatischen textkritischen Forschung prägten.
Quellen und weiterführende Literatur
- 조광 (Cho Kwang), 정약용 (丁若鏞). Encyclopedia of Korean Culture, Academy of Korean Studies
- 목민심서 (牧民心書). Encyclopedia of Korean Culture, Academy of Korean Studies
- 강진 정약용 유적 (Historic Sites of Jeong Yak-yong in Gangjin). Encyclopedia of Korean Culture, Academy of Korean Studies
- Jeong Yak-yong. Wikipedia
- 정약용. 위키백과
- Catholic Persecution of 1801. Wikipedia
- Hwaseong Fortress. Wikipedia
- Silhak. Wikipedia
- Mark Setton, Chong Yagyong: Korea’s Challenge to Orthodox Neo-Confucianism. State University of New York Press, 1997
- Chŏng Yag-yong, translated by Choi Byonghyon, Admonitions on Governing the People: Manual for All Administrators. University of California Press, 2010
Verwandte Inhalte
- Zhu XiPhilosoph der Song-Zeit, der der neokonfuzianischen Lehre eine dauerhaft prägende Form gab.
- MengziEin konfuzianischer Denker, der vertrat, dass Menschen Anlagen zum moralisch Guten besitzen und Herrscher für ihre Untertanen sorgen müssen.
- KonfuziusEin Lehrer aus dem Staat Lu, dessen im „Lunyu“ gesammelte Aussprüche Ethik und Staatsführung in ganz Ostasien prägten.
- Wang ShourenPhilosoph und Beamter der Ming-Zeit, der lehrte, dass moralische Erkenntnis im Handeln verwirklicht werden muss.
Mit KI-Unterstützung auf Grundlage der oben aufgeführten veröffentlichten Quellen verfasst und bei neuen Forschungsergebnissen überarbeitet.
