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Für junge Leser
Wang Yangming lebte vor etwa 500 Jahren in China. Als Junge wollte er ein Weiser werden: ein besonders kluger und guter Mensch. Der berühmte Lehrer Zhu Xi hatte gesagt, man werde weise, wenn man alles um sich herum genau untersuche. Deshalb setzten sich Wang und ein Freund vor einige Bambuspflanzen. Tagelang sahen sie sie an und wollten herausfinden, was Bambus ausmacht. Der Freund gab nach drei Tagen auf. Am siebten Tag wurde Wang krank. Über Bambus hatten sie nichts gelernt!
Später wurde Wang Beamter. Er stellte sich mutig gegen einen mächtigen und grausamen Mann am Kaiserhof. Zur Strafe wurde er geschlagen und weit weg in ein armes Bergdorf im Südwesten Chinas geschickt. Dort war er einsam und weit von zu Hause entfernt. Eines Tages verstand er plötzlich: Das Gute, das er suchte, war nicht in Bambus oder Büchern versteckt. Es war schon in seinem eigenen Herzen und Denken.
Wang lehrte, dass jeder Mensch von Geburt an weiß, was richtig und falsch ist. Er nannte das „angeborenes Wissen“ (liangzhi). Es ist wie ein Kompass im Inneren. Eigennützige Wünsche können dieses Wissen verdecken. Wir müssen sie entfernen, so wie man Staub von einem Spiegel wischt.
Wang sagte auch: Wissen und Handeln gehören zusammen. Wenn du sagst, dass du gut zu deinen Eltern sein sollst, es aber nie bist, dann hast du es noch nicht wirklich verstanden. Echtes Wissen zeigt sich in dem, was du tust.
Wang war nicht nur ein Denker. Er war auch Gouverneur und Feldherr und beendete einen großen Aufstand sehr schnell. Seine Ideen verbreiteten sich bis nach Korea und Japan. Noch heute sprechen Menschen darüber.
Auf einen Blick
- Lebensdaten
- 1472–1529 (geboren am 26. Oktober 1472 in Yuyao, Zhejiang; gestorben am 9. Januar 1529 in Nan’an, Jiangxi)
- Namen
- Persönlicher Name Wang Shouren 王守仁; Höflichkeitsname Bo’an 伯安; nach der Yangming-Grotte bei Shaoxing als Yangming bekannt; postumer Name Wencheng 文成
- Epoche
- Mittlere Ming-Dynastie (Regierungszeiten der Kaiser Hongzhi, Zhengde und Jiajing)
- Tätigkeiten
- Philosoph, Lehrer, Gelehrtenbeamter, Provinzgouverneur und Heerführer
- Wichtige Werke
- Chuanxi lu 傳習錄 (Anweisungen für das praktische Leben, aufgezeichnete Gespräche und Briefe); Untersuchung über das Große Lernen 大學問 (1527)
- Grundgedanken
- Der Geist ist das Prinzip (心即理), Einheit von Wissen und Handeln (知行合一), Entfaltung des angeborenen Wissens (致良知)
- Schule
- Schule des Geistes (心學), oft Lu-Wang-Schule genannt; Yangming-Lehre (陽明學)
- Wirkung
- Denken der Ming-Zeit; Korea der Joseon-Dynastie (Ganghwa-Schule von Jeong Je-du); Japan der Tokugawa- und Meiji-Zeit (Yōmeigaku); moderne chinesische Philosophie
Einfach
Wer war Wang Yangming?
Wang Yangming war einer der bedeutendsten Denker in der Geschichte des Konfuzianismus, einer Tradition ethischer und politischer Lehren, die auf Konfuzius zurückgeht. Er lebte während der Ming-Dynastie (1368–1644). Damals herrschten Kaiser von Peking aus über China. Beamte, die durch schwierige Prüfungen zu den konfuzianischen Klassikern ausgewählt wurden, verwalteten das Reich.
Sein eigentlicher Name war Wang Shouren. „Yangming“ leitet sich von der Yangming-Grotte ab, einer Höhle auf dem Kuaiji-Berg bei Shaoxing, wo er sich einen Ort zum Studieren einrichtete. Seine Schüler nannten ihn Meister Yangming. Er ist auch für eine seltene Verbindung von Fähigkeiten bekannt: Er war Philosoph, tüchtiger Verwalter und einer der erfolgreichsten Heerführer seiner Zeit.
Wang stellte die offizielle Auslegung des Konfuzianismus infrage, die Zhu Xi im zwölften Jahrhundert entwickelt hatte. Zhu Xis Lehren bildeten die Grundlage der Beamtenprüfungen. Wang lehnte den Konfuzianismus nicht ab. Er vertrat jedoch die Ansicht, dass der Weg zum Guten im eigenen Herz und Geist beginnt, nicht bei der Untersuchung äußerer Dinge. Seine Ideen begründeten eine Bewegung, die Schule des Geistes, die das Denken Ostasiens über Jahrhunderte prägte.
Einfach
Frühe Jahre und die Suche nach dem Weg zum Weisen
Wang wurde 1472 in Yuyao in der Provinz Zhejiang in eine Familie von Beamten und Gelehrten geboren. Sein Vater Wang Hua belegte 1481 bei der höchsten kaiserlichen Prüfung den ersten Platz, eine große Ehre. Später lebte die Familie in Peking und Shaoxing.
Traditionellen Lebensbeschreibungen zufolge war Wang als junger Mensch lebhaft und rastlos. Neben konfuzianischen Studien interessierte er sich für Kriegsstrategie, Bogenschießen, daoistische Methoden für ein langes Leben und den Buddhismus. Einer bekannten Geschichte nach verirrte er sich an seinem Hochzeitstag im Jahr 1488 in einen daoistischen Tempel, kam mit einem Priester ins Gespräch und vergaß, bis zum nächsten Morgen nach Hause zu gehen.
Wang versuchte, Zhu Xis Methode der „Untersuchung der Dinge“ (gewu) zu befolgen. Sie besagte, dass ein Mensch schließlich das Prinzip aller Dinge verstehen könne, wenn er das Prinzip (li) jedes einzelnen Dings untersuche. Bei der Begebenheit mit dem Bambus, die Wang später selbst schilderte, saßen er und ein Freund vor Bambus in einem Hof und versuchten, dessen Prinzip zu erfassen. Sein Freund wurde nach drei Tagen krank, Wang am siebten Tag. Das Scheitern überzeugte ihn, dass mit diesem Ansatz etwas nicht stimmte. Bis er seine eigene Antwort fand, sollten allerdings noch viele Jahre vergehen.
1499 bestand Wang die höchste Prüfung und erwarb den Grad eines Jinshi. Er arbeitete in mehreren Ministerien in Peking. Er litt unter Krankheiten und erwog zeitweise, sich aus der Welt zurückzuziehen. Zugleich begann er zu unterrichten und vertrat die Auffassung, dass Lernen darauf zielen solle, ein Weiser zu werden, statt nur Prüfungen zu bestehen.
Einfach
Verbannung und Erleuchtung in Longchang
1506, während der Herrschaft des Kaisers Zhengde, beherrschte der mächtige Eunuch Liu Jin den Hof und verfolgte seine Kritiker. Als Beamte verhaftet wurden, die gegen ihn protestiert hatten, verteidigte Wang sie in einer Eingabe an den Kaiser. Er wurde öffentlich mit vierzig Schlägen eines schweren Stocks bestraft und nach Longchang verbannt. Diese abgelegene Poststation lag in den Bergen von Guizhou im Südwesten Chinas; dort sollte Wang einen niedrigen Posten übernehmen.
Für einen Gelehrten aus dem wohlhabenden Osten war Longchang ein schwieriger Ort. Die meisten Menschen dort gehörten nicht zur Han-Bevölkerung und sprachen Sprachen, die Wang nicht verstand. Das Klima war rau, und seine Diener wurden krank. Wang baute eine einfache Unterkunft und ließ seiner Lebensbeschreibung zufolge sogar einen steinernen Sarg vorbereiten. Er rechnete mit seinem Tod und versuchte zugleich, innerlich ruhig zu bleiben.
Eines Nachts im Jahr 1508 erlebte er in Longchang eine plötzliche Einsicht. Er erkannte, dass seine eigene Natur ausreichte, um ein Weiser zu werden, und dass es ein Fehler gewesen war, das Prinzip in äußeren Dingen zu suchen. Das Prinzip, so glaubte er nun, wartete nicht irgendwo in Bambus und Büchern darauf, entdeckt zu werden; es war im Geist selbst gegenwärtig. Dieser Augenblick, als Erleuchtung von Longchang (龍場悟道) bekannt, gilt traditionell als Geburtsstunde seiner Philosophie.
Im folgenden Jahr wurde er eingeladen, an einer Akademie in Guiyang zu unterrichten. Dort begann er, Vorträge über die Einheit von Wissen und Handeln zu halten. Menschen aus der Umgebung und Beamte kamen, um ihm zuzuhören. Er schrieb auch darüber, dass man den örtlichen Bevölkerungsgruppen mit Respekt und Verständnis begegnen solle.
Mittel
Beamter, Gouverneur und Feldherr
Nachdem Liu Jin 1510 seine Macht verloren hatte, kehrte Wang in den Staatsdienst zurück. Zunächst wurde er Kreisvorsteher von Luling in Jiangxi, danach übernahm er verschiedene Ämter in Nanjing und Peking. 1516 erhielt er den Auftrag, die zerklüftete Grenzregion im Süden von Jiangxi und in benachbarten Provinzen zu verwalten. Dort hatten sich Räuberbanden und aufständische Gemeinschaften der Regierung seit Jahren widersetzt. Zwischen 1517 und 1518 schlug er sie in mehreren Feldzügen nieder. Anschließend führte er Maßnahmen ein, um die örtliche Ordnung wiederherzustellen. Dazu gehörten eine Dorfgemeinschaftsvereinbarung (xiangyue), in der die Bewohner versprachen, gutes Verhalten zu fördern und Streitigkeiten beizulegen, sowie örtliche Schulen.
1519 erhob sich Zhu Chenhao, der Prinz von Ning, gegen den Kaiser. Er gehörte zur kaiserlichen Familie, hatte seinen Sitz in Nanchang und hoffte, den Thron an sich zu reißen. Wang hielt sich zufällig in der Nähe auf. Er stellte rasch örtliche Truppen zusammen, verbreitete irreführende Nachrichten, um den Prinzen aufzuhalten, nahm dessen Stützpunkt Nanchang ein und besiegte ihn in einer Schlacht auf dem Poyang-See. All dies geschah innerhalb von etwa sechs Wochen. Es war einer der berühmtesten militärischen Erfolge der Ming-Zeit.
Der Erfolg brachte auch Schwierigkeiten. Kaiser Zhengde hatte selbst einen Feldzug anführen wollen, und Höflinge beschuldigten Wang, mit dem Prinzen verbündet gewesen zu sein. Seine Ehrungen verzögerten sich, bis ihn der neue Kaiser Jiajing 1521 zum Grafen von Xinjian ernannte. Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1522 verbrachte Wang mehrere Jahre trauernd und lehrend in Shaoxing, umgeben von vielen Schülern.
Wangs Feldzüge forderten auch Opfer. Viele der Menschen, gegen die er im Süden kämpfte, waren arme Siedler, vertriebene Bauern und Angehörige nicht zur Han-Bevölkerung gehörender Gemeinschaften wie der She und Yao. Bei seinen Feldzügen starben viele Menschen. Wang glaubte, die Wiederherstellung der Ordnung werde die einfache Bevölkerung schützen, und betonte nach den Kämpfen Bildung und Versöhnung. Moderne Historiker untersuchen seine Feldzüge aber auch als Teil der gewaltsamen Ausdehnung des Ming-Staates in die südlichen Grenzgebiete.
Mittel
Die Einheit von Wissen und Handeln
Wangs bekannteste Lehre ist die Einheit von Wissen und Handeln (知行合一, zhixing heyi). Viele Menschen betrachten Wissen und Handeln als zwei Schritte: Zuerst lernt man, was richtig ist, dann handelt man danach. Wang hielt diese Trennung für einen Irrtum. Wirkliches moralisches Wissen schließt bereits den Antrieb zum Handeln und das Handeln selbst ein. Seiner Formulierung nach ist Wissen der Anfang des Handelns und Handeln die Vollendung des Wissens.
Als Beispiel nannte er die Achtung und Fürsorge gegenüber den Eltern. Wer behauptet, darüber Bescheid zu wissen, sich aber nicht um seine Eltern kümmert, weiß es nicht wirklich; der Person fehlen nicht Worte, sondern Taten. Wang führte auch das Gefallen an einer schönen Farbe und den Widerwillen gegen einen üblen Geruch an: Sobald man die Farbe sieht, gefällt sie einem; sobald man den Geruch wahrnimmt, lehnt man ihn ab. Es gibt keinen eigenen Schritt, in dem man sich erst dafür entscheidet. Wirkliches moralisches Wissen, so meinte er, funktioniert ebenso.
Wang verstand dies als praktische Lehre. Er kritisierte Gelehrte, die ihr Leben damit verbrachten, über Moral zu lesen und zu sprechen, und erst „später“ handeln wollten, wenn sie genug gelernt hätten. Für Wang findet moralisches Lernen mitten im Leben statt: im Umgang mit der Familie, bei der Amtsführung und in schwierigen Situationen. „Übung mitten in den Angelegenheiten“ (事上磨練) war einer seiner Leitsätze.
Mittel
Der Geist ist das Prinzip und das angeborene Wissen
Zhu Xi hatte gelehrt, dass das Prinzip (li) – das Muster, nach dem jedes Ding so ist, wie es sein soll – sowohl in allen Dingen als auch im Geist vorhanden sei. Um es vollständig zu verstehen, müsse man Dinge außerhalb des eigenen Geistes untersuchen. Wang erklärte im Anschluss an den früheren Denker Lu Xiangshan (Lu Jiuyuan) aus der Song-Zeit: „Der Geist ist das Prinzip“ (心即理). Das Prinzip der Fürsorge für die Eltern befinde sich nicht im Körper der Eltern, argumentierte er, sondern im Geist des Kindes, das sie liebt. Moralische Prinzipien werden nicht außerhalb des Menschen gefunden und dann in ihn hineingetragen; sie entstehen, wenn der Geist auf Situationen antwortet.
Um 1520–1521 fasste Wang seine Lehre in der Wendung „Entfaltung des angeborenen Wissens“ (致良知, zhi liangzhi) zusammen. Der Ausdruck liangzhi, „gutes Wissen“ oder „angeborenes Wissen um das Gute“, stammt von Menzius. Dieser hatte gesagt, dass Menschen ohne Unterricht wissen, wie sie ihre Eltern lieben. Für Wang ist liangzhi die natürliche Fähigkeit des Geistes, in jeder Situation Recht und Unrecht zu erkennen. Alle Menschen besitzen sie in vollem Umfang, Weise ebenso wie gewöhnliche Menschen. Eigennützige Wünsche verdecken sie jedoch. Lernen bedeutet, diese Hindernisse zu beseitigen und bei jeder Handlung dem liangzhi zu folgen.
Entsprechend deutete Wang den Klassiker Das Große Lernen neu. Zhu Xi hatte dessen Text umgestellt und einen Abschnitt über die Untersuchung der Dinge ergänzt. Wang bestand auf dem „alten Text“ ohne Zhu Xis Änderungen. Er verstand gewu nicht als Untersuchung äußerer Dinge, sondern als „Berichtigung“ der eigenen Absichten und Angelegenheiten: Man soll korrigieren, was im eigenen Geist nicht richtig ist. In seiner Untersuchung über das Große Lernen (1527) erläuterte er auch die Vorstellung, dass der menschlich Handelnde mit Himmel, Erde und allen Dingen „einen Körper“ bildet und ihr Leid wie sein eigenes empfindet.
In seinen letzten Jahren fasste Wang seine Lehre in der Vier-Sätze-Lehre (1527) zusammen: Die Grundbeschaffenheit des Geistes ist ohne Gut und Böse; wenn sich Absichten regen, gibt es Gut und Böse; Gut und Böse zu erkennen ist angeborenes Wissen; Gutes zu tun und Böses zu beseitigen heißt, die Dinge zu berichtigen. Seine wichtigsten Schüler legten diese Sätze unterschiedlich aus. Die Auseinandersetzung prägte die spätere Schule.
Mittel
Werke und ihre Überlieferung
Wang schrieb keine systematische Abhandlung. Seine Lehre ist vor allem im Chuanxi lu (傳習錄), den „Aufzeichnungen über Unterweisungen zur Praxis“, überliefert: einer Sammlung von Gesprächen, die seine Schüler aufzeichneten, und Briefen. Den ersten Teil stellte sein früher Schüler Xu Ai zusammen, der 1517 starb. Xue Kan veröffentlichte ihn 1518. Spätere Ausgaben enthielten weiteres Material. Die übliche dreiteilige Fassung entstand in den Jahrzehnten nach Wangs Tod durch die Arbeit seines Schülers Qian Dehong und anderer. Wing-tsit Chans englische Übersetzung (1963) trägt den Titel Instructions for Practical Living.
Zu den weiteren wichtigen Texten gehören die Untersuchung über das Große Lernen, seine Ausgabe des alten Textes des Großen Lernens samt Vorwort sowie eine umstrittene Zusammenstellung mit dem Titel Zhu Xis abschließende Erkenntnisse aus seinen späten Lebensjahren (1518). Darin behauptete Wang, Zhu Xi habe sich gegen Ende seines Lebens seiner Auffassung angenähert. Kritiker, darunter der Gelehrte Luo Qinshun, wiesen darauf hin, dass manche der angeführten Briefe keineswegs aus Zhu Xis späten Jahren stammten.
Seine gesammelten Werke (Wang Wencheng gong quanshu), darunter Eingaben an den Kaiser, amtliche Dokumente, Gedichte und Briefe, wurden nach seinem Tod zusammengestellt. Die amtlichen Dokumente sind eine wichtige Quelle für seine Tätigkeit in Verwaltung und Militär.
Mittel
Anhänger, Kritiker und Wirkung in Ostasien
Wang starb am 9. Januar 1529 auf der Heimreise von einem Feldzug in Guangxi. Als seine letzten Worte sind überliefert: „Dieser Geist ist hell und klar. Was gäbe es noch zu sagen?“ Bald darauf verurteilte der Kaiserhof seine Lehre als falsch und entzog ihm seinen Titel. 1567 wurde sein Ansehen wiederhergestellt, und er erhielt den postumen Namen Wencheng. 1584 wurde seine Gedenktafel im Konfuziustempel aufgestellt, der höchsten Ehrung für einen konfuzianischen Gelehrten.
Seine Anhänger teilten sich in mehrere Richtungen. Der Historiker Huang Zongxi ordnete sie im 17. Jahrhundert in seinen Aufzeichnungen über Gelehrte der Ming-Zeit (Mingru xue’an) nach Regionen. Manche, wie Wang Ji, betonten das spontane Wirken des angeborenen Wissens. Andere, wie Qian Dehong und Nie Bao, hoben sorgfältige Selbstkultivierung hervor. Die Taizhou-Schule wurde von Wang Gen, einem ehemaligen Salzarbeiter, gegründet und verbreitete unter gewöhnlichen Menschen die Botschaft, dass jeder ein Weiser werden könne. Spätere radikale Denker wie Li Zhi stellten herkömmliche Moralvorstellungen infrage. Nach dem Ende der Ming-Dynastie 1644 machten Kritiker wie Gu Yanwu die Betonung des inneren Geistes durch Wangs Schule für leeres Gerede und nachlässiges moralisches Verhalten verantwortlich. Die Gelehrten der Qing-Zeit wandten sich verstärkt der Textforschung zu.
Im Korea der Joseon-Dynastie war Zhu Xis Lehre Staatsdoktrin. Der bedeutende Gelehrte Yi Hwang (Toegye) verfasste eine Kritik des Chuanxi lu und verurteilte Wangs Ideen als Abweichung von der rechten Lehre. Das begrenzte ihre Verbreitung. Dennoch entwickelte Jeong Je-du (1649–1736) die erste systematische koreanische Yangming-Philosophie. Nachdem er 1709 auf die Insel Ganghwa gezogen war, gründete er die später so genannte Ganghwa-Schule. Im frühen 20. Jahrhundert wandten sich koreanische nationalistische Gelehrte wie Park Eun-sik und Jeong In-bo der Yangming-Lehre als einer Philosophie der Tat für die nationale Erneuerung zu.
In Japan wurde die Yangming-Lehre (Yōmeigaku) im 17. Jahrhundert von Nakae Tōju und Kumazawa Banzan aufgegriffen. Sie inspirierte Ōshio Heihachirō, der 1837 in Osaka einen Aufstand zugunsten der hungernden Armen anführte. Häufig wird ihr auch Einfluss auf Aktivisten der Meiji-Restauration zugeschrieben. Im modernen China entwickelten Denker wie Mou Zongsan Wangs Ideen im Rahmen des Neuen Konfuzianismus weiter. In jüngerer Zeit wurde Wang im öffentlichen Leben als Vorbild für die Verbindung von Denken und Handeln hervorgehoben.
Fortgeschritten
Philosophische Debatten
Willensschwäche. Wenn das Gute zu kennen bereits bedeutet, danach zu handeln, wie können Menschen dann wissentlich Unrecht tun? Wangs Antwort lautet, dass ihr Wissen in solchen Fällen nicht echt sei: Eigennützige Wünsche hätten es verdeckt. Philosophen, darunter Autoren der Stanford Encyclopedia of Philosophy, diskutieren, ob Wang damit Willensschwäche (Akrasia) grundsätzlich bestreitet, wie dies oft auch Sokrates zugeschrieben wird, oder ob er Wissen in einem besonderen praktischen Sinn neu bestimmt. Philip J. Ivanhoe und andere haben Wangs Auffassung mit der des Menzius und mit der westlichen Moralpsychologie verglichen.
Buddhismus und Chan. Seit Wangs Lebzeiten warfen ihm Kritiker vor, den Chan-Buddhismus (Zen) in konfuzianischem Gewand zu lehren. Sie verwiesen auf seine Betonung der plötzlichen Erleuchtung und des Geistes sowie auf die Wendung „ohne Gut und Böse“ in der Vier-Sätze-Lehre. Seine Verteidiger halten dagegen, dass Wangs Ausrichtung auf Familie, Gesellschaft und moralisches Handeln durch und durch konfuzianisch sei und dass seine an den Buddhismus erinnernde Sprache konfuzianischen Zielen diene. Wie viel er aus buddhistischen und daoistischen Übungen übernahm, mit denen er sich in seiner Jugend intensiv beschäftigt hatte, wird weiterhin erforscht.
Die Vier-Sätze-Lehre. In der berühmten Diskussion an der Tianquan-Brücke im Jahr 1527 vertrat Wang Ji die Ansicht, dass auch Absichten, Wissen und Dinge jenseits von Gut und Böse stehen müssten, wenn die Grundbeschaffenheit des Geistes jenseits von Gut und Böse liege (die „vier Nicht-Seienden“). Qian Dehong dagegen meinte, der erste Satz beschreibe den ursprünglichen Zustand, während die übrigen Sätze die für gewöhnliche Menschen notwendige Übung erläuterten (die „vier Seienden“). Wang soll gesagt haben, beide Auffassungen seien für unterschiedliche Arten von Schülern nützlich. Die Debatte wurde zu einer zentralen Frage des Denkens in der späten Ming-Zeit.
Idealismus? Moderne Interpreten haben Wang bisweilen als subjektiven Idealisten bezeichnet und dabei auf seine Bemerkung verwiesen, dass Blumen auf einem Berg nicht außerhalb des Geistes seien. Viele Fachleute halten diese Bezeichnung für irreführend: Wang habe die Existenz einer Außenwelt nicht bestritten, sondern behauptet, dass Wert und Bedeutung in der Beziehung zwischen Geist und Dingen entstehen. Wie seine Metaphysik mit modernen Begriffen zu beschreiben ist, bleibt offen.
Fortgeschritten
Quellen und Zuverlässigkeit der Lebensbeschreibungen
Die wichtigste Quelle für Wangs Leben ist die chronologische Lebensbeschreibung (nianpu), die seine Schüler, insbesondere Qian Dehong, nach seinem Tod zusammenstellten. Sie ist ausführlich und stützt sich auf Dokumente und persönliche Erinnerungen. Sie sollte Wang jedoch als Weisen und Vorbild darstellen. Geschichten wie das Gespräch mit einem daoistischen Priester in seiner Hochzeitsnacht, der steinerne Sarg in Longchang und manche Begebenheiten aus seiner Jugend könnten ausgeschmückt oder entsprechend gestaltet worden sein. Historiker vergleichen die Lebensbeschreibung mit Wangs eigenen Briefen, amtlichen Eingaben und Quellen wie den Wahrheitsgetreuen Aufzeichnungen der Ming (Ming shilu) und der Geschichte der Ming.
Auch die Datierung seiner Lehren wirft Fragen auf. Das nianpu stellt eine klare Abfolge dar: die Erleuchtung in Longchang 1508, die Einheit von Wissen und Handeln 1509, das angeborene Wissen 1521 und die Vier-Sätze-Lehre 1527. Gelehrte wie Tu Weiming in seiner Untersuchung von Wangs Jugend (1976) und Julia Ching (1976) haben anhand von Briefen und Gedichten dieses Bild überprüft und differenziert. Sie zeigten, dass sich Wangs Ideen allmählich und im Austausch mit Freunden und Kritikern entwickelten.
Schließlich ist das Chuanxi lu eine Aufzeichnung seiner Schüler und kein von Wang selbst verfasstes Werk. Verschiedene Schüler hielten seine Worte fest und bearbeiteten sie nach ihrem eigenen Verständnis. Spätere Herausgeber wählten Material aus und ordneten es. Bei einer sorgfältigen Untersuchung werden Ausgaben und Aufzeichnungen verglichen, um Wangs Ansichten von denen seiner Anhänger zu unterscheiden.
Kernideen
- Der Geist ist das Prinzip (xin ji li)
- Moralische Prinzipien sind keine äußeren Gegenstände, die man entdecken muss. Sie entstehen im Herz und Geist, wenn dieser auf Situationen antwortet.
- Einheit von Wissen und Handeln (zhixing heyi)
- Wirkliches moralisches Wissen schließt das Handeln bereits ein; Wissen ohne Handeln ist kein echtes Wissen.
- Angeborenes Wissen (liangzhi)
- Die allen Menschen angeborene Fähigkeit, in jeder Situation Recht und Unrecht zu erkennen.
- Entfaltung des angeborenen Wissens (zhi liangzhi)
- Eigennützige Wünsche beseitigen, damit das liangzhi jede Handlung leitet; Wangs spätere Zusammenfassung seiner Lehre.
- Berichtigung der Dinge (gewu)
- Wangs Deutung des Großen Lernens: die eigenen Absichten und Angelegenheiten berichtigen, statt äußere Gegenstände zu untersuchen.
- Mit allen Dingen einen Körper bilden
- Ein menschlich Handelnder fühlt sich mit allen Lebewesen verbunden und empfindet ihr Leid wie sein eigenes.
- Übung mitten in den Angelegenheiten
- Moralische Selbstkultivierung findet im Alltag und bei der Arbeit statt, nicht nur beim stillen Studium.
Einträge
- 1472 — Wang Shouren wird am 26. Oktober in Yuyao, Zhejiang, geboren.
- 1499 — Wang besteht die Hauptstadtprüfung und wird Jinshi.
- 1506 — Wang verteidigt Beamte, die der Eunuch Liu Jin verfolgt; er wird geschlagen und nach Longchang in Guizhou verbannt.
- 1508 — Wang erlebt in Longchang seine Erleuchtung.
- 1509 — Während er in Guiyang unterrichtet, beginnt er über die Einheit von Wissen und Handeln zu sprechen.
- 1517 — Als Gouverneur im Süden von Jiangxi führt er Feldzüge gegen Räuber und Aufständische (bis 1518).
- 1518 — Der erste Teil des Chuanxi lu erscheint.
- 1519 — Wang schlägt den Aufstand von Zhu Chenhao, dem Prinzen von Ning, innerhalb von etwa sechs Wochen nieder.
- 1521 — Wang lehrt die „Entfaltung des angeborenen Wissens“ und wird zum Grafen von Xinjian ernannt.
- 1527 — Wang verfasst die Untersuchung über das Große Lernen und trägt vor seiner Abreise nach Guangxi die Vier-Sätze-Lehre vor.
- 1529 — Wang stirbt am 9. Januar in Nan’an, Jiangxi.
- 1584 — Wang erhält einen Ehrenplatz im Konfuziustempel.
Glossar
- Neokonfuzianismus
- Die Wiederbelebung und Neudeutung des Konfuzianismus seit der Song-Dynastie; dazu gehören sowohl Zhu Xis Schule als auch die Wangs.
- Prinzip (li 理)
- Das Muster oder der Grund, der bestimmt, was Dinge sind und wie sie sein sollen.
- Herz und Geist (xin 心)
- In der chinesischen Philosophie der Ort sowohl des Denkens als auch des Fühlens; oft mit „Geist“ oder „Herz“ übersetzt.
- Liangzhi 良知
- „Gutes Wissen“ oder angeborenes Wissen um das Gute; ein Begriff von Menzius, der für Wangs Lehre zentral ist.
- Gewu 格物
- Eine Wendung aus dem Großen Lernen, die Zhu Xi als „Untersuchung der Dinge“ und Wang als „Berichtigung der Dinge“ verstand.
- Jinshi 進士
- Der höchste Grad der kaiserlichen Beamtenprüfungen, der für hohe Ämter qualifizierte.
- Eunuch
- Ein kastrierter männlicher Diener im kaiserlichen Palast; manche Eunuchen der Ming-Zeit besaßen große politische Macht.
- Chuanxi lu 傳習錄
- Die gesammelten Gespräche und Briefe Wang Yangmings, die wichtigste Quelle für sein Denken.
- Schule des Geistes (xinxue 心學)
- Die Tradition von Lu Xiangshan und Wang Yangming, die den Geist als Quelle moralischer Prinzipien betont.
- Yōmeigaku
- Die japanische Bezeichnung für die Beschäftigung mit Wang Yangmings Denken.
Fragen und Antworten
Hat Wang Yangming wirklich sieben Tage lang Bambus angestarrt?
So erzählte er die Geschichte viele Jahre später selbst. Ob jedes Detail genau stimmt oder nicht: Er nutzte sie, um zu zeigen, warum Zhu Xis Methode der Untersuchung der Dinge für ihn nicht funktionierte.
Was bedeutet „Wissen und Handeln sind eins“?
Es bedeutet: Wenn du wirklich weißt, dass etwas gut ist, wirst du danach handeln. Wenn du nicht handelst, ist dein Wissen noch nicht echt.
War Wang Yangming gegen das Studium von Büchern?
Nein. Er las viel und hielt Vorträge über die klassischen Schriften. Er wandte sich gegen ein Studium, das zum Selbstzweck wurde und nicht dazu beitrug, ein besserer Mensch zu werden.
Warum wird er sowohl Philosoph als auch Feldherr genannt?
Neben seiner Lehrtätigkeit war er Beamter und Befehlshaber. Berühmt wurde er auch, weil er 1519 den Aufstand des Prinzen von Ning innerhalb von etwa sechs Wochen niederschlug.
Wie gelangten seine Ideen nach Korea und Japan?
Gelehrte und Gesandte brachten seine Bücher dorthin. In Korea kritisierte Yi Hwang seine Ideen, während Jeong Je-du sie weiterentwickelte. In Japan griffen Nakae Tōju und später Reformer sie auf.
Ist Wangs Philosophie eine Form des Zen-Buddhismus?
Seine Kritiker behaupteten das und verwiesen auf seine Aussagen über plötzliche Erleuchtung und einen Geist „ohne Gut und Böse“. Die meisten Gelehrten sehen ihn als Konfuzianer, der vom Buddhismus lernte, aber Familie, Gesellschaft und moralisches Handeln in den Mittelpunkt stellte.
Bestreitet die Einheit von Wissen und Handeln, dass Menschen willensschwach sein können?
Das ist umstritten. Wang sagte, dass Menschen, die wissentlich Unrecht tun, es nicht wirklich wissen. Philosophen sind sich uneinig, ob er damit Willensschwäche bestreitet oder neu bestimmt, was als Wissen gilt.
Quellen und weiterführende Literatur
- Wang Yangming. Stanford Encyclopedia of Philosophy
- Wang Yangming (1472–1529). Internet Encyclopedia of Philosophy
- Wang Yangming. Wikipedia
- Yangmingism. Wikipedia
- 전습록. 위키백과 (Korean Wikipedia)
- 정제두 (Jeong Je-du). Encyclopedia of Korean Culture, Academy of Korean Studies
- 전습록논변 (Jeonseuprok nonbyeon). Encyclopedia of Korean Culture, Academy of Korean Studies
- Wing-tsit Chan (trans.), Instructions for Practical Living and Other Neo-Confucian Writings by Wang Yang-ming. Columbia University Press, 1963
- Philip J. Ivanhoe, Readings from the Lu-Wang School of Neo-Confucianism. Hackett, 2009
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Mit KI-Unterstützung auf Grundlage der oben aufgeführten veröffentlichten Quellen verfasst und bei neuen Forschungsergebnissen überarbeitet.
