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Für junge Leser
Konstantinopel war eine der größten Städte der Welt. Es lag an einer schmalen Meerenge zwischen Europa und Asien. Mehr als tausend Jahre lang war es die Hauptstadt des Byzantinischen Reiches. Dieses Reich setzte das alte Römische Reich im Osten fort. Die hohen Stadtmauern hatten viele Heere aufgehalten.
Bis 1453 war von dem Reich fast nur noch die Stadt übrig. Ringsherum lag das wachsende Osmanische Reich. Sein neuer Herrscher, Sultan Mehmed II., war erst 21 Jahre alt. Er wollte Konstantinopel zu seiner Hauptstadt machen.
Mehmed brachte ein großes Heer, viele Schiffe und riesige Kanonen mit. Sie konnten Steinkugeln verschießen, die so schwer waren wie ein kleines Auto. Die Verteidiger unter Kaiser Konstantin XI. hatten nur wenige Tausend Soldaten. Auch Männer aus Genua und Venedig halfen ihnen. Eine große Eisenkette versperrte den Hafen für feindliche Schiffe.
Mehmed hatte eine überraschende Idee: Er ließ seine Schiffe auf eingefetteten Holzschienen über die Hügel ziehen. So gelangten sie hinter der Kette in den Hafen. Etwa sieben Wochen lang beschossen die Kanonen die Mauern. Am 29. Mai 1453 drangen osmanische Soldaten in die Stadt ein. Der Kaiser starb im Kampf.
Für die Menschen in der Stadt war es ein schlimmer Tag. Viele wurden getötet, und Tausende wurden gefangen genommen und weggebracht. Danach machte Mehmed die Stadt zu seiner Hauptstadt. Er ließ die große Kirche Hagia Sophia in eine Moschee umwandeln und holte neue Bewohner in die Stadt. Heute heißt sie Istanbul.
Auf einen Blick
- Datum
- Belagerung von Anfang April (2. oder 6. April) bis zum 29. Mai 1453
- Dauer
- Etwa sieben bis acht Wochen (ungefähr 53–57 Tage, je nach angenommenem Beginn)
- Ort
- Konstantinopel (heute Istanbul, Türkei)
- Kriegsparteien
- Osmanisches Reich unter Mehmed II. gegen Byzantinisches Reich unter Konstantin XI. Palaiologos, unterstützt von Genuesen, Venezianern und weiteren Verbündeten
- Truppenstärken
- Moderne Schätzungen: etwa 50.000–80.000 oder mehr Osmanen; etwa 7.000–10.000 Verteidiger. Georgios Sphrantzes zählte darunter 4.773 kampffähige Griechen und rund 200 kampffähige Ausländer.
- Ergebnis
- Osmanische Eroberung der Stadt; Tod des letzten byzantinischen Kaisers; Ende des Byzantinischen Reiches
- Verluste und Leid
- Tausende Verteidiger und Zivilisten getötet; Zehntausende Einwohner versklavt oder vertrieben
- Folgen
- Die Stadt wurde osmanische Hauptstadt; die Hagia Sophia wurde in eine Moschee umgewandelt
Einfach
Die Stadt an einem Knotenpunkt
Konstantinopel lag auf einer dreieckigen Halbinsel zwischen dem Marmarameer, der Meerenge Bosporus und einem langen natürlichen Hafen, dem Goldenen Horn. Der römische Kaiser Konstantin der Große gründete die alte griechische Stadt Byzantion im Jahr 330 als seine neue Hauptstadt neu. Nachdem das Weströmische Reich im fünften Jahrhundert zerfallen war, bestand das von Konstantinopel aus regierte Ostreich noch tausend Jahre weiter. Historiker nennen es das Byzantinische Reich, doch seine Bewohner bezeichneten sich selbst als Römer (Rhomaioi).
An der Landseite schützten die im fünften Jahrhundert errichteten Theodosianischen Mauern die Stadt: ein Graben, eine äußere Mauer und eine gewaltige innere Mauer mit Türmen. Die Anlage erstreckte sich etwa 6 km weit von Meer zu Meer. An den anderen Seiten standen Seemauern. Über viele Jahrhunderte hatten diese Befestigungen Awaren, Perser, Araber, Bulgaren und Rus abgewehrt.
Doch einmal war die Stadt bereits erobert worden. 1204 nahmen Ritter des Vierten Kreuzzugs, die ursprünglich zum Kampf im Heiligen Land aufgebrochen waren, Konstantinopel ein und plünderten es. Die Byzantiner gewannen die Stadt 1261 zurück, aber das Reich erreichte nie wieder seine frühere Stärke.
Einfach
Vorgeschichte: ein schrumpfendes Reich und eine aufsteigende Macht
Im 14. Jahrhundert breiteten sich die Osmanen, eine türkische muslimische Dynastie aus Nordwestanatolien, rasch in Anatolien und auf dem Balkan aus. Bis zum frühen 15. Jahrhundert war Byzanz auf Konstantinopel und seine Umgebung, einige Inseln und die Morea (den Peloponnes) in Südgriechenland geschrumpft. Die Kaiser zahlten dem osmanischen Sultan Tribut und suchten Hilfe in Westeuropa.
Die Osmanen hatten Konstantinopel schon früher belagert, besonders unter Bayezid I. in den 1390er-Jahren und unter Murad II. im Jahr 1422, es aber nicht erobert. Bayezids Belagerung endete, als Timur ihn 1402 in der Schlacht bei Ankara besiegte. Dadurch bestand Byzanz noch ein halbes Jahrhundert weiter.
Um militärische Hilfe aus dem Westen zu gewinnen, stimmte Kaiser Johannes VIII. auf dem Konzil von Florenz (1439) einer Wiedervereinigung der orthodoxen und der katholischen Kirche unter der Autorität des Papstes zu. Viele byzantinische Geistliche und gewöhnliche Einwohner lehnten diese Union ab; sie spaltete die Stadt tief. Am 12. Dezember 1452, nur wenige Monate vor der Belagerung, wurde die Union schließlich in der Hagia Sophia verkündet. Die Hilfe aus dem Westen blieb dennoch gering.
Einfach
Die beiden Herrscher: Mehmed II. und Konstantin XI.
Mehmed II. (1432–1481) wurde 1451 im Alter von 19 Jahren zum zweiten Mal Sultan. Er war gut ausgebildet, sprach mehrere Sprachen und interessierte sich sehr für die Geschichte Alexanders des Großen und Roms. Mit der Eroberung Konstantinopels würde er eine unvergleichliche Hauptstadt gewinnen, die Verbindung zwischen den osmanischen Gebieten in Europa und Asien sichern und eine alte islamische Hoffnung erfüllen. Diese fand Ausdruck in einem Hadith, der den künftigen Eroberer der Stadt pries.
Konstantin XI. Palaiologos (1404–1453) wurde 1449 Kaiser. Zuvor hatte er in der Morea regiert. Er wurde in Mystras zum Kaiser ausgerufen, statt in Konstantinopel gekrönt zu werden, teilweise wegen der Spannungen um die Kirchenunion. In der Hoffnung auf westliche Hilfe akzeptierte er die Union und blieb bis zuletzt in der Stadt, um sie zu verteidigen.
Die Beziehungen verschlechterten sich rasch. Als die Byzantiner andeuteten, sie könnten den in Konstantinopel lebenden osmanischen Thronanwärter Prinz Orhan freilassen, nahm Mehmed dies zum Anlass, einen Krieg vorzubereiten.
Mittel
Vorbereitungen: eine Festung, Kanonen und eine Flotte
1452 ließ Mehmed an der engsten Stelle des Bosporus auf dem europäischen Ufer die Festung Rumelihisarı errichten, gegenüber einer älteren osmanischen Festung auf der asiatischen Seite. Ihre Geschütze konnten Schiffe auf dem Weg vom Schwarzen Meer nach Konstantinopel aufhalten. Im November 1452 wurde ein venezianisches Schiff versenkt, das sich geweigert hatte anzuhalten; seine Besatzung wurde hingerichtet. Das war eine Warnung an alle anderen.
Mehmed investierte viel in Artillerie mit Schießpulver. Ein Kanonengießer aus Ungarn oder Siebenbürgen, meist Orban genannt, hatte seine Dienste zunächst den Byzantinern angeboten und goss dann für den Sultan riesige bronzene Geschütze. Das größte war über 8 m lang und konnte Steinkugeln von etwa 500 kg verschießen, ließ sich allerdings nur wenige Male am Tag abfeuern. Die Osmanen stellten außerdem eine große Flotte und ein starkes Heer zusammen, darunter die Elitetruppe der Janitscharen, Reiterei, irreguläre Truppen und christliche Kontingente aus Vasallenstaaten.
Auf byzantinischer Seite ließ Konstantin die Mauern ausbessern und Vorräte sammeln. Zu den Helfern gehörten der genuesische Befehlshaber Giovanni Giustiniani Longo, der im Januar 1453 mit etwa 700 Soldaten eintraf und die Verteidigung der Landmauern übernahm; venezianische Einwohner und Schiffe; der päpstliche Legat Kardinal Isidor von Kiew mit einer kleinen Truppe; sowie Freiwillige aus Katalonien, Kastilien und anderen Gebieten. Die genuesische Kolonie Galata (Pera) jenseits des Goldenen Horns blieb offiziell neutral. Eine große Sperrkette wurde quer über die Einfahrt zum Goldenen Horn gespannt.
Mittel
Wer kämpfte: mehr als Christen gegen Muslime
Es liegt nahe, die Belagerung als einfachen Zusammenstoß zwischen Christen und Muslimen oder zwischen Europa und Asien zu beschreiben. Tatsächlich waren beide Seiten gemischter. Zu Mehmeds Heer gehörten christliche Soldaten aus seinen Vasallenstaaten auf dem Balkan, darunter ein Kontingent des serbischen Herrschers, ebenso Überläufer und europäische Fachleute wie der Kanonengießer Orban. Viele Janitscharen waren selbst in christliche Familien hineingeboren und als Jungen eingezogen worden.
Auf der Seite der Verteidiger kämpfte der osmanische Prinz Orhan mit seinen türkischen Anhängern. Er lebte in Konstantinopel, erhob selbst Anspruch auf das Sultanat und starb beim Fall der Stadt. Unter den Verteidigern waren Griechen, Genuesen, Venezianer, Katalanen und andere. Sie vertrauten einander nicht immer: Venezianer und Genuesen waren erbitterte Handelsrivalen, und viele orthodoxe Griechen misstrauten den lateinischen Verbündeten wegen der Kirchenunion und der Erinnerung an 1204. Dem byzantinischen Beamten Loukas Notaras wird der Ausspruch zugeschrieben, er sähe in der Stadt lieber den türkischen Turban als die lateinische Mitra. Er drückte diese Verbitterung aus, ist aber nur vom Historiker Doukas überliefert und möglicherweise nicht Notaras’ genauer Wortlaut.
Die Genuesen in Galata jenseits des Goldenen Horns versuchten, mit beiden Seiten gute Beziehungen zu bewahren. Einige von ihnen kämpften auf den Mauern, während ihre Kolonie mit den Belagerern Handel trieb. Nach der Eroberung ergab sich Galata friedlich und erhielt von Mehmed eine Urkunde, die Eigentum und Religion seiner Einwohner garantierte. Die Mauern der Kolonie wurden allerdings teilweise abgetragen.
Mittel
Die Belagerung, April–Mai 1453
Das osmanische Heer traf Anfang April ein und begann einen wochenlangen Beschuss. Die Kanonen beschädigten Teile der Landmauern, besonders im Tal des Flusses Lykos nahe dem Tor des heiligen Romanos. Doch jede Nacht verschlossen die Verteidiger die Breschen mit Erde, Holz und Fässern. Erste osmanische Angriffe wurden zurückgeschlagen.
Am 20. April kämpften sich drei genuesische Schiffe und ein byzantinisches Versorgungsschiff durch die osmanische Flotte ins Goldene Horn. Das stärkte die Moral der Verteidiger sehr. Zwei Tage später, am 22. April, antwortete Mehmed mit seinem berühmtesten Manöver: Dutzende Schiffe – nach mehreren Berichten etwa 70 – wurden auf eingefetteten Rollen hinter Galata über Land gezogen und im oberen Goldenen Horn zu Wasser gelassen. Nun mussten die Verteidiger auch die Hafenmauern bewachen, wodurch sich ihre kleine Streitmacht noch weiter verteilte.
Im Mai versuchten osmanische Mineure, darunter viele serbische Bergleute aus Novo Brdo, Tunnel unter den Mauern zu graben. Unter Anleitung eines Ingenieurs namens Johannes Grant gruben die Verteidiger Gegentunnel und zerstörten die feindlichen Gänge. Es gab Verhandlungsversuche: Berichten zufolge bot Mehmed an, die Einwohner zu verschonen, falls sich die Stadt ergäbe. Konstantin weigerte sich, die Stadt aufzugeben. Vorzeichen wie eine Mondfinsternis und seltsame Lichter um die Hagia Sophia verstärkten die Angst der Verteidiger.
Der letzte Angriff begann in den frühen Morgenstunden des 29. Mai. Zuerst griffen irreguläre Truppen die Landmauern an, dann anatolische Soldaten und schließlich die Janitscharen. Giustiniani wurde schwer verwundet und von den Mauern weggetragen. Sein Weggang stiftete Verwirrung unter den Verteidigern. Nach dem Historiker Doukas stand ein kleines Tor namens Kerkoporta offen und ließ einige Angreifer hinein. Die Osmanen brachen durch; noch am selben Morgen fiel die Stadt.
Mittel
Die Plünderung und ihre Opfer
Konstantin XI. starb im Kampf; sein Leichnam wurde nie mit Sicherheit identifiziert. Viele Verteidiger wurden getötet, während einige venezianische und genuesische Schiffe mit Flüchtlingen entkamen. Nach den damaligen Kriegsbräuchen durften die Soldaten eine im Sturm eroberte Stadt plündern. Zeitgenössische griechische und italienische Zeugen berichten von Tötungen, Vergewaltigungen, der Entweihung von Kirchen und der Versklavung von Familien, die in der Hagia Sophia und anderen Gebäuden Zuflucht gesucht hatten.
Die Zahlen sind unsicher. Moderne Schätzungen auf Grundlage zeitgenössischer Berichte gehen davon aus, dass etwa 4.000 Menschen getötet und Zehntausende, vielleicht 50.000 oder mehr, gefangen genommen und als Sklaven verkauft wurden; einige wurden später freigekauft. Den meisten Quellen zufolge beendete Mehmed die Plünderung nach höchstens einem Tag, obwohl üblicherweise drei Tage zugestanden wurden. Anfang Juni war die Stadt weitgehend menschenleer.
Für die griechisch-orthodoxen Einwohner war der Fall eine Katastrophe, an die Klagelieder und Volkslieder noch jahrhundertelang erinnerten. Sie waren nicht nur Sinnbilder für das Ende eines Reiches, sondern einzelne Menschen, die ihr Leben, ihre Familien und ihre Freiheit verloren.
Mittel
Nach der Eroberung: eine osmanische Hauptstadt
Mehmed, nun Fatih („der Eroberer“) genannt, zog am 29. Mai in die Stadt ein und begab sich zur Hagia Sophia. Sie wurde in eine Moschee umgewandelt; das erste Freitagsgebet fand dort am 1. Juni statt. Er machte die Stadt zu seiner Hauptstadt. Ihr offizieller osmanischer Name lautete Kostantiniyye. Der Name İstanbul, abgeleitet von einer griechischen Wendung mit der Bedeutung „in die Stadt“, war ebenfalls weit verbreitet und wurde in der Türkischen Republik offiziell.
Um die entvölkerte Stadt wiederzubeleben, siedelte Mehmed Muslime, Christen und Juden aus seinem ganzen Reich dort an, teils mit Zwang, und lud andere zur Rückkehr ein. 1454 ernannte er den Gelehrten Gennadios Scholarios, einen Gegner der Kirchenunion, zum orthodoxen Patriarchen. Damit erhielt die Kirche eine anerkannte Rolle bei der Verwaltung der orthodoxen Christen. Mehmed ließ einen neuen Palast errichten (später Topkapı-Palast), außerdem den Fatih-Moscheekomplex und einen überdachten Markt. Innerhalb eines Jahrhunderts war Istanbul wieder eine der größten Städte der Welt.
Mehmed handelte pragmatisch. Er wollte eine reiche, bevölkerungsreiche Hauptstadt und keine Ruine. Christen und Juden durften ihre Religion behalten, wenn sie eine besondere Steuer zahlten und die muslimische Herrschaft anerkannten. In den folgenden Jahrzehnten wurden viele Kirchen in Moscheen umgewandelt; andere, darunter die Patriarchatskirche, blieben in Gebrauch. Auch griechischsprachige Gelehrte und Beamte dienten an seinem Hof. Er sammelte griechische und lateinische Handschriften und beauftragte 1480 den venezianischen Maler Gentile Bellini mit einem Porträt.
Bald fielen auch die übrigen byzantinischen Gebiete: die Morea 1460 und das Kaiserreich Trapezunt 1461. Der osmanische Staat erstreckte sich nun über Europa und Asien und wurde für Jahrhunderte zu einer Großmacht im Mittelmeerraum.
Mittel
Warum das Ereignis bedeutsam war
Der Fall beendete die politische Kontinuität des Römischen Reiches, das in der einen oder anderen Form seit dem ersten Jahrhundert v. Chr. bestanden hatte. Viele Schulbücher verwenden 1453 als Grenze zwischen Mittelalter und Früher Neuzeit, neben anderen Ereignissen wie der Erfindung des Buchdrucks in Europa. Die Gutenberg-Bibel wurde in denselben Jahren in Mainz gedruckt.
In der Militärgeschichte wird die Belagerung oft als Beispiel für die wachsende Wirkung der Artillerie mit Schießpulver gegen mittelalterliche Mauern angeführt. Historiker weisen jedoch darauf hin, dass der osmanische Sieg auch von der Truppenstärke, den Einsätzen der Flotte, der Versorgung und der Isolation der Verteidiger abhing – nicht allein von den Kanonen.
In Europa löste die Nachricht Bestürzung und Aufrufe zu einem Kreuzzug aus, aus denen wenig entstand. Russische Geistliche und Herrscher entwickelten später die Vorstellung, Moskau habe als führende orthodoxe Macht die Rolle von Byzanz geerbt. Dafür wurde gelegentlich die Bezeichnung „Drittes Rom“ verwendet.
Fortgeschritten
Erinnerung und nationale Geschichtsbilder
Das Ereignis wird sehr unterschiedlich erinnert. In der Türkei ist es als Eroberung (Fetih) Istanbuls bekannt und wird jedes Jahr am 29. Mai als Triumph gefeiert, der eine neue Epoche eröffnete. Mehmed gilt als Nationalheld. Die Eroberung wurde in populären Filmen dargestellt; in Istanbul gibt es dazu ein großes Panoramamuseum. In der islamischen Überlieferung wird sie auch mit dem Hadith verbunden, der den Eroberer der Stadt preist.
Im griechischen Gedächtnis ist es der Fall (Alosis) oder die Einnahme der Stadt, eine nationale Tragödie. Legenden erzählen vom „Marmorkaiser“, dem zu Stein gewordenen Konstantin XI., der auf seine Rückkehr wartet. Eine andere Legende handelt von einem Priester, der mit der Eucharistie in einer Wand der Hagia Sophia verschwand und wieder erscheinen soll, wenn die Stadt erneut christlich ist. Der Dienstag, der Wochentag des Falls, gilt vielen Griechen noch immer als Unglückstag.
Auch die Hagia Sophia zeigt, wie lebendig diese Erinnerung geblieben ist. Seit 1453 war sie eine Moschee, 1934 wurde sie in der Türkischen Republik zum Museum und 2020 wieder in eine Moschee umgewandelt. Viele Menschen in der Türkei begrüßten diese Entscheidung; Griechenland, die UNESCO und viele christliche Organisationen kritisierten sie. Historiker bemühen sich um eine Darstellung der Eroberung, die sowohl die Leistung des osmanischen Staates als auch das Leid der Stadtbewohner anerkennt.
Fortgeschritten
Quellen und wissenschaftliche Debatten
Die Belagerung ist ungewöhnlich gut dokumentiert. Zu den byzantinischen Quellen gehört Georgios Sphrantzes, ein enger Freund Konstantins XI., dessen kurze Chronik (Minus) ein Augenzeugenbericht ist. Doukas und Laonikos Chalkokondyles schrieben später im 15. Jahrhundert; Michael Kritoboulos, ein Grieche in Mehmeds Diensten, verfasste eine Geschichte zu dessen Ehren. Zu den westlichen Augenzeugen zählen der venezianische Arzt Nicolò Barbaro, dessen Tagebuch die Ereignisse Tag für Tag festhält, und Erzbischof Leonard von Chios, der einen Brief an den Papst schrieb. Osmanische Berichte umfassen die Chroniken des anwesenden Tursun Beg und des Aşıkpaşazade. Auch ein Nestor Iskander zugeschriebener russischer Bericht ist erhalten.
Jede Quelle hat eine eigene Sichtweise. Leonard gibt den Griechen und den Gegnern der Kirchenunion die Schuld; venezianische und genuesische Autoren beschuldigen sich gegenseitig. Kritoboulos stellt Mehmed als gerechten Herrscher dar, osmanische Chronisten deuten die Eroberung als heiligen Sieg. Die längere Fassung der Chronik von Sphrantzes (Maius), die früher als wichtige Quelle diente, gilt heute weithin als Erweiterung aus dem 16. Jahrhundert durch Makarios Melissenos. Historiker stützen sich daher nach Möglichkeit auf das Minus.
Umstritten sind unter anderem die Größe der Heere (zeitgenössische westliche Angaben von 160.000–300.000 Osmanen werden im Allgemeinen verworfen), der Wahrheitsgehalt der Kerkoporta-Erzählung, der Tod Konstantins XI. (im Kampf oder, nach einem venezianischen Bericht, durch Suizid), Dauer und Ausmaß der Plünderung sowie die Ursachen des Falls. Manche Historiker betonen osmanische Stärke und Planung, andere die Schwäche der Byzantiner, die Gleichgültigkeit des Westens oder die Rivalität der italienischen Mächte. Die ältere Vorstellung, geflohene griechische Gelehrte hätten die italienische Renaissance ausgelöst, gilt heute als zu vereinfachend, da byzantinische Gelehrte schon Jahrzehnte vor 1453 in Italien unterrichteten. Ebenso wird die Behauptung, die Eroberung habe die östlichen Handelswege „geschlossen“ und dadurch europäische Entdeckungsfahrten ausgelöst, seit dem frühen 20. Jahrhundert angezweifelt.
Zu den modernen Standarddarstellungen auf Englisch gehören Steven Runcimans The Fall of Constantinople 1453 (1965) und die quellenkritische Studie von Marios Philippides und Walter K. Hanak (2011).
Kernideen
- Ende von Byzanz
- Mit der Eroberung Konstantinopels endete der letzte Staat, der das Römische Reich ohne Unterbrechung fortgeführt hatte.
- Schießpulver und Mauern
- Große Kanonen halfen dabei, Mauern zu durchbrechen, die tausend Jahre lang standgehalten hatten – ein Zeichen für den Wandel der Kriegführung.
- Schiffe über Land
- Mehmed ließ Schiffe ins Goldene Horn ziehen. So umging er die Hafensperrkette und belastete die Verteidiger zusätzlich.
- Kirchenunion
- Der Versuch, die orthodoxe und die katholische Kirche für westliche Hilfe zu vereinen, spaltete die Stadt und brachte wenig Unterstützung.
- Hauptstadt eines Reiches
- Istanbul wurde zum Zentrum eines osmanischen Reiches mit mehreren Religionen, das sich über Europa und Asien erstreckte.
- Unterschiedliche Erinnerung
- In der Türkei gilt dasselbe Ereignis als gefeierte Eroberung, in Griechenland als betrauerter Fall.
- Menschliches Leid
- Bei der Plünderung wurden Tausende gewöhnliche Einwohner getötet oder versklavt. Ihr Leid gehört zur Geschichte des Ereignisses.
Einträge
- 330 n. Chr. — Konstantin der Große weiht Konstantinopel als seine neue Hauptstadt ein.
- 1204 — Kreuzfahrer des Vierten Kreuzzugs erobern und plündern die Stadt.
- 1261 — Die Byzantiner gewinnen Konstantinopel zurück.
- 1402 — Timur besiegt Bayezid I. bei Ankara; damit endet eine osmanische Blockade der Stadt.
- 1439 — Das Konzil von Florenz verkündet die Union der orthodoxen und der katholischen Kirche.
- 1449 — Konstantin XI. wird Kaiser.
- 1451 — Mehmed II. wird zum zweiten Mal Sultan.
- 1452 — Rumelihisarı wird errichtet; die Kirchenunion wird in der Hagia Sophia verkündet (12. Dezember).
- 1453 — Belagerung ab Anfang April; Schiffe werden über Land gezogen (22. April); die Stadt fällt am 29. Mai.
- 1454 — Gennadios Scholarios wird unter osmanischer Herrschaft orthodoxer Patriarch.
- 1461 — Trapezunt, der letzte byzantinische Nachfolgestaat, fällt an Mehmed II.
- 2020 — Die Hagia Sophia, seit 1934 ein Museum, wird wieder in eine Moschee umgewandelt.
Glossar
- Byzantinisches Reich
- Die heutige Bezeichnung für das Oströmische Reich, das bis 1453 von Konstantinopel aus regiert wurde.
- Osmanisches Reich
- Ein um 1300 gegründeter türkischer muslimischer Staat, der zu einem Großreich wurde und bis 1922 bestand.
- Sultan
- Der Herrschertitel im Osmanischen Reich.
- Janitscharen
- Eine osmanische Elitetruppe zu Fuß, deren Angehörige größtenteils als christliche Jungen durch das Devşirme-System eingezogen wurden.
- Goldenes Horn
- Der lange Hafen an der Nordseite Konstantinopels.
- Bombarde
- Eine große frühe Kanone, die Steinkugeln verschoss.
- Theodosianische Mauern
- Die im fünften Jahrhundert errichteten Landmauern Konstantinopels.
- Kirchenunion
- Die 1439 in Florenz vereinbarte Wiedervereinigung der orthodoxen und der katholischen Kirche, die viele orthodoxe Gläubige ablehnten.
- Plünderung
- Das Ausrauben einer eroberten Stadt durch Soldaten.
- Patriarch
- Das Oberhaupt der orthodoxen Kirche von Konstantinopel.
Fragen und Antworten
Warum war Konstantinopel so schwer zu erobern?
Die Stadt war an drei Seiten von Wasser umgeben und an der Landseite durch eine mächtige dreifache Maueranlage geschützt. Außerdem konnte sie über das Meer versorgt werden.
Wie kamen die Schiffe über Land?
Mehmeds Männer bauten hinter Galata eine Bahn aus eingefetteten Holzrollen über den Hügel und zogen die Schiffe darauf ins Goldene Horn.
Was geschah mit dem letzten Kaiser?
Konstantin XI. starb am 29. Mai 1453, wahrscheinlich im Kampf nahe den Mauern. Sein Leichnam wurde jedoch nie mit Sicherheit identifiziert.
Ist Istanbul dieselbe Stadt wie Konstantinopel?
Ja. Der Name Istanbul stammt von einer griechischen Wendung mit der Bedeutung „in die Stadt“ und wurde im 20. Jahrhundert zum offiziellen Namen.
Löste der Fall Konstantinopels die Renaissance aus?
Nicht allein. Griechische Gelehrte hatten schon lange vor 1453 in Italien unterrichtet. Nach dem Fall kamen allerdings mehr Flüchtlinge und Handschriften dorthin.
Wie zuverlässig sind die Zahlen zu Soldaten und Opfern?
Sie sind sehr unsicher. Zeitgenössische Autoren übertrieben häufig. Moderne Historiker vergleichen die Quellen und berücksichtigen, wie viele Menschen das Land und die vorhandenen Vorräte versorgen konnten.
Warum erinnern sich Menschen in der Türkei und in Griechenland so unterschiedlich an das Ereignis?
Für Türken steht es für die Entstehung des osmanischen Istanbuls und einen großen Sieg. Für Griechen steht es für den Verlust ihrer mittelalterlichen Hauptstadt und den Beginn einer jahrhundertelangen Fremdherrschaft.
Warum schickte Westeuropa so wenig Hilfe?
Die westlichen Herrscher waren zerstritten und mit eigenen Kriegen beschäftigt. Viele Katholiken misstrauten den orthodoxen Griechen. Die Kirchenunion von 1452 kam zu spät und war zu unbeliebt, um einen wirklichen Kreuzzug auszulösen. Venedig und Genua hatten zudem Handelsinteressen in den osmanischen Gebieten.
Quellen und weiterführende Literatur
- Fall of Constantinople. Wikipedia
- Constantine XI Palaiologos. Wikipedia
- Mehmed II. Wikipedia
- Walls of Constantinople (Theodosian Walls). Wikipedia
- Orban. Wikipedia
- Giovanni Giustiniani. Wikipedia
- Byzantine Empire. Wikipedia
- Mark Cartwright, The Fall of Constantinople in 1453. World History Encyclopedia, 2018
- Steven Runciman, The Fall of Constantinople 1453. Cambridge University Press, 1965
- Marios Philippides and Walter K. Hanak, The Siege and the Fall of Constantinople in 1453: Historiography, Topography, and Military Studies. Ashgate, 2011
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Mit KI-Unterstützung auf Grundlage der oben aufgeführten veröffentlichten Quellen verfasst und bei neuen Forschungsergebnissen überarbeitet.
