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Für junge Leser
Vor langer Zeit mussten in Europa alle Bücher von Hand abgeschrieben werden. Ein Schreiber konnte ein Jahr oder länger brauchen, um eine einzige Bibel mit einer Federkiel-Feder abzuschreiben. Dadurch waren Bücher selten und sehr teuer.
Johannes Gutenberg, ein Metallhandwerker aus der Stadt Mainz in Deutschland, hatte eine große Idee. Er stellte Tausende winziger Metallbuchstaben her, jeder ein einzelnes Stück, das man bewegen konnte. Arbeiter reihten sie zu Wörtern und Seiten auf, strichen klebrige Druckfarbe darauf und pressten Papier mit einer Maschine, der Druckerpresse, darüber. Danach konnten sie die Buchstaben wieder auseinandernehmen und für die nächste Seite erneut verwenden.
Um 1454–55 beendete seine Werkstatt den Druck einer lateinischen Bibel. Sie war riesig: etwa 1.280 Seiten, meist in zwei schweren Bänden gebunden. Jede Seite hat zwei Spalten mit 42 Zeilen, deshalb nennt man sie auch die 42-zeilige Bibel. Es wurden etwa 180 Exemplare gedruckt, einige auf Papier und einige auf glattem Tierfell, sogenanntem Pergament.
Die gedruckten Seiten sehen fast wie Handschrift aus, denn Gutenberg wollte, dass sein Buch so schön ist wie die besten handgeschriebenen Bücher. Nach dem Druck malten Künstler von Hand rote und blaue Buchstaben sowie bunte Blumen an die Ränder, sodass jedes Exemplar ein wenig anders aussieht.
Etwa 49 Exemplare sind bis heute erhalten, manche vollständig und manche in Teilen. Sie werden in großen Bibliotheken und Museen auf der ganzen Welt aufbewahrt. Die Gutenberg-Bibel zeigte, dass Bücher viel schneller hergestellt werden konnten, und der Buchdruck verbreitete sich bald über ganz Europa.
Auf einen Blick
- Gedruckt
- Mainz, ca. 1452–1455; spätestens 1455 fertiggestellt
- Drucker
- Werkstatt Johannes Gutenbergs, finanziert von Johann Fust; Peter Schöffer arbeitete vermutlich dort
- Text
- Die lateinische Vulgata-Bibel, in einer Fassung nahe der mittelalterlichen „Pariser Bibel“
- Format
- Großer Folioband, etwa 1.280 Seiten (641–643 Blätter), meist in zwei Bänden gebunden; zwei Spalten mit 42 Zeilen
- Exemplare
- Etwa 160–185 gedruckt (rund 135 auf Papier, 45 auf Pergament); etwa 49 erhalten, rund 21 vollständig
- Schrift
- Gotische Textura-Schrift mit etwa 290 verschiedenen Zeichen, einschließlich Ligaturen und Abkürzungen
- Anerkennung
- Göttinger Pergamentexemplar in UNESCOs Register „Memory of the World“ eingetragen (2001)
- Weitere Namen
- 42-zeilige Bibel (B42), Mazarin-Bibel
Einfach
Was ist die Gutenberg-Bibel?
Die Gutenberg-Bibel ist eine Ausgabe der lateinischen Bibel, die Mitte der 1450er Jahre in der deutschen Stadt Mainz gedruckt wurde. Sie ist das früheste bedeutende Buch, das in Europa mit beweglichen Metalllettern gedruckt wurde – einer Technik, die es erlaubte, dieselben Buchstaben anzuordnen, zu drucken, auseinanderzunehmen und wiederzuverwenden. Sie entstand in der Werkstatt Johannes Gutenbergs mit Geld, das ihm der Mainzer Kaufmann Johann Fust geliehen hatte.
Weil jede Spalte 42 Zeilen hat, nennen Bibliografen sie die 42-zeilige Bibel oder kurz B42. Sie wird auch Mazarin-Bibel genannt, weil das erste Exemplar, das im 18. Jahrhundert wissenschaftliche Aufmerksamkeit erregte, in der Bibliothek des Kardinals Mazarin in Paris stand.
Der Buchdruck wurde nicht in Mainz erfunden: Der Holzschnittdruck war in China, Korea und Japan viele Jahrhunderte lang gebräuchlich, und bewegliche Lettern gab es in China seit dem 11. Jahrhundert und aus Metall in Korea bereits im 13. Jahrhundert. Was Gutenberg schuf, war ein vollständiges System, um Metalllettern in großen Mengen herzustellen und damit effizient zu drucken, und dieses System verbreitete sich rasch über ganz Europa.
Einfach
Wer war Johannes Gutenberg?
Johannes Gensfleisch zur Laden zum Gutenberg wurde um 1400 in Mainz geboren; das genaue Jahr ist unbekannt. Er stammte aus einer Patrizierfamilie und übernahm seinen üblichen Namen vom Familienhaus, dem Hof zum Gutenberg. Er scheint eine Ausbildung im Metallhandwerk erhalten zu haben und könnte mit der städtischen Münze zusammengearbeitet haben.
Wegen politischer Konflikte in Mainz lebte er viele Jahre in Straßburg. Aufzeichnungen eines dortigen Gerichtsverfahrens von 1439 zeigen, dass er mit Partnern ein geheimes Geschäft betrieb, bei dem polierte Metallspiegel für Aachen-Pilger hergestellt wurden, und dass dabei eine Presse, Blei und „Formen“ verwendet wurden. Viele Historiker glauben, dass er zu dieser Zeit bereits mit dem Drucken experimentierte.
Bis 1448 war er wieder in Mainz. Dort lieh er sich Geld, zunächst von Verwandten und dann, um 1450, 800 Gulden von Johann Fust, gefolgt von weiteren 800 Gulden einige Jahre später für das Bibelprojekt. Diese Schulden sollten ihn später die Kontrolle über seine eigene Werkstatt kosten.
Einfach
Wie wurde sie gedruckt?
Die entscheidende Erfindung war ein Verfahren, um schnell viele identische Buchstaben zu gießen. Ein Handwerker schnitt zunächst einen Buchstaben seitenverkehrt in das Ende eines harten Stahlstabs, Patrize genannt. Die Patrize wurde in einen Block aus weicherem Kupfer geschlagen, um eine Gussform des Buchstabens herzustellen, die Matrize. Die Matrize wurde in eine verstellbare Handgießform eingesetzt, und geschmolzenes Metall wurde eingegossen. In wenigen Sekunden war ein kleiner Metallbuchstabe, eine Type, fertig. Das Metall war eine Legierung aus Blei, Zinn und Antimon, die leicht schmilzt, schnell abkühlt und hart genug ist, um dem Druckvorgang standzuhalten.
Setzer nahmen die Typen aus Setzkästen und ordneten sie zeilenweise an, um eine Seite zu bilden. Die gesetzte Seite wurde in einen Rahmen eingespannt, mit einer ölbasierten Druckfarbe eingefärbt, die besser an Metall haftete als die wasserbasierten Tinten der Schreiber, und mit einer Schraubpresse, vermutlich abgeleitet von Pressen für Wein, Papier oder Leinen, auf angefeuchtetes Papier oder Pergament gepresst.
Damit die Seiten wie feine Handschrift aussahen, goss Gutenbergs Werkstatt etwa 290 verschiedene Zeichen: Großbuchstaben, Kleinbuchstaben, viele Ligaturen (verbundene Buchstaben) und Abkürzungen sowie Buchstaben unterschiedlicher Breite. Das erlaubte es, die Zeilen perfekt auszurichten, mit geraden linken und rechten Rändern, wie in den besten Handschriften.
Die Arbeit war gewaltig. Wissenschaftler schätzen, dass mehrere Pressen und vielleicht ein paar Dutzend Arbeiter zwei bis drei Jahre lang beschäftigt waren. Die ersten Seiten wurden mit 40 Zeilen pro Spalte gesetzt, dann mit 41, dann mit 42, vermutlich um Papier zu sparen. Einige frühe Bögen wurden mit roten Überschriften in einem zweiten Druckgang gedruckt, doch dies wurde bald aufgegeben und Rot stattdessen von Hand hinzugefügt.
Einfach
Papier und Pergament, Rubrizierung und Ausschmückung
Es wurden etwa 180 Exemplare gedruckt, die meisten auf hochwertigem, aus Italien importiertem Papier, und etwa ein Viertel auf Pergament (Kalbshaut), das deutlich teurer war. Für jedes Pergamentexemplar wurden die Häute vieler Kälber benötigt.
Die gedruckten Bögen wurden ungebunden verkauft. Die Käufer bezahlten dann örtliche Handwerker, um sie fertigzustellen. Ein Rubrikator fügte rote und blaue Initialen, Kapitel- und Seitenüberschriften hinzu; ein Buchmaler konnte Gold, gemalte Initialen und verzierte Ränder hinzufügen; und ein Buchbinder band die Bände. Dadurch sieht kein Exemplar dem anderen gleich. Manche sind reich bemalt, während das Exemplar der Library of Congress zum Beispiel einfachere, mit der Feder gezeichnete Initialen hat.
Ein Exemplar in Paris enthält einen Vermerk des Rubrikators Heinrich Cremer, wonach er seine Arbeit im August 1456 abgeschlossen habe. Dieser Vermerk ist einer der Belege dafür, dass der Druck zu diesem Zeitpunkt abgeschlossen war.
Mittel
Warum Mainz, und warum die 1450er Jahre?
Mehrere Bedingungen kamen Mitte des 15. Jahrhunderts im Rheinland zusammen. Papier, einst ein Import aus der islamischen Welt, wurde nun in Italien und zunehmend nördlich der Alpen hergestellt und war daher weit billiger als Pergament. Deutsche Städte hatten geschickte Goldschmiede, Münzmacher und Metallgießer, die es verstanden, präzise Patrizen und Matrizen zu bearbeiten. Wein- und Papierpressen waren vertraute Maschinen. Und es gab einen wachsenden Markt an Lesern: Universitäten, Schulen, Klöster, Geistliche und wohlhabende Stadtbürger.
Auch die Kirche hatte Gründe, verlässliche, einheitliche Texte zu wollen. Reformbewegungen der Zeit beklagten, dass handgeschriebene liturgische Bücher und Bibeln viele Fehler und Abweichungen enthielten. Der päpstliche Legat Nikolaus von Kues, der 1451–52 durch Deutschland reiste und Kirchenreformen förderte, forderte korrekte und einheitliche liturgische Bücher. Manche Historiker vermuten, dass solche Forderungen Gutenberg dazu ermutigten, eine Bibel als sein großes Projekt zu wählen, wenngleich es keinen direkten Beleg für eine Verbindung zwischen Nikolaus von Kues und der Werkstatt gibt.
Schließlich war der Buchdruck ein Geschäft. Gutenberg brauchte große Kredite, um Metall, Papier und Pergament zu kaufen und Arbeiter zu bezahlen, lange bevor Exemplare verkauft werden konnten. Eine Bibel war eine riskante, aber potenziell einträgliche Wahl: Jede Kirche und jedes Kloster brauchte eine, und der Text änderte sich nicht. Kleinere Aufträge, etwa Ablassbriefe, Kalender und Schulgrammatiken (die lateinische Grammatik des Donatus wurde in Mainz viele Male gedruckt), brachten schnelleres Einkommen, während die Bibel in Arbeit war.
Mittel
Die Bibel datieren: ein Brief eines künftigen Papstes
Die Bibel trägt kein gedrucktes Datum und kein Kolophon, sodass ihre Entstehungszeit aus anderen Belegen erschlossen werden muss. Der wichtigste ist ein im März 1455 verfasster Brief von Enea Silvio Piccolomini, dem späteren Papst Pius II., an Kardinal Juan de Carvajal. Piccolomini berichtete, dass er auf der Frankfurter Messe im Oktober 1454 einen „wunderbaren Mann“ gesehen habe, der Lagen (Bogenbündel) einer Bibel zeigte, die so klar geschrieben seien, dass man sie ohne Brille lesen könne. Er fügte hinzu, alle Exemplare seien angeblich bereits verkauft.
Ein zweites wichtiges Dokument ist das Helmasperger Notariatsinstrument vom 6. November 1455, eine juristische Urkunde zu Fusts Klage gegen Gutenberg. Sie zeigt, dass Fust die Rückzahlung seiner Darlehen samt Zinsen verlangte und dass das Gericht ihm weitgehend recht gab. Nach dem Prozess übernahm Fust einen Großteil der Ausrüstung und wurde zusammen mit Peter Schöffer, einem ehemaligen Schreiber, der mit Gutenberg zusammengearbeitet hatte und später Fusts Tochter heiratete, ein erfolgreicher Drucker.
Zusammengenommen datieren die meisten Wissenschaftler den Beginn der Arbeit auf etwa 1452 und den Abschluss des Drucks auf 1454 oder Anfang 1455. Dieselbe Werkstatt druckte in dieser Zeit auch andere Stücke, darunter Ablassbriefe (1454–55) und ein kleines Flugblatt, das nach dem Fall Konstantinopels zu einem Kreuzzug gegen die Türken aufrief und als Türkenkalender bekannt ist.
Mittel
Text und Gestaltung
Der Text ist die lateinische Vulgata, die mit dem heiligen Hieronymus verbundene Übersetzung, die die Standardbibel der westlichen Kirche war. Gutenbergs Ausgabe folgt der Tradition der „Pariser Bibel“ des 13. Jahrhunderts, die die Reihenfolge der Bücher und die noch heute gebräuchliche Kapiteleinteilung festlegte, und enthält Hieronymus’ Vorreden zu den biblischen Büchern.
Die Schrift ist eine Textura, die formelle gotische Schrift, die in liturgischen Handschriften verwendet wurde. Ihre dichten, dunklen Buchstaben mit eckigen Strichen verliehen der Seite das Aussehen eines prächtigen handgeschriebenen Buches. Die großzügigen Ränder, das zweispaltige Layout und der sorgfältige Zeilenabstand spiegeln die Ästhetik der besten Handschriften jener Zeit wider.
Das Buch war vor allem für Kirchen und Klöster bestimmt, die große, gut lesbare Bibeln für den Vortrag im Gottesdienst und bei den Mahlzeiten benötigten. Mit etwa 30 Florin für ein Papierexemplar, einer Schätzung zufolge, war es teuer, aber billiger und weit schneller zu beschaffen als eine vergleichbare Handschrift.
Mittel
Die Verbreitung des Buchdrucks
Nachdem Gutenberg die Kontrolle über die Bibel-Werkstatt verloren hatte, scheint er in kleinerem Umfang weiter gedruckt zu haben. Fust und Schöffer druckten 1457 den Mainzer Psalter, das erste europäische gedruckte Buch mit gedrucktem Datum und Druckernamen, berühmt für seine farbig gedruckten Initialen. Eine 36-zeilige Bibel, mit einer früheren Fassung von Gutenbergs Schrift gedruckt, vermutlich in Bamberg, folgte um 1458–61.
1462 wurde Mainz während eines Konflikts zwischen rivalisierenden Erzbischöfen geplündert, und viele Drucker verließen die Stadt. Sie trugen das neue Handwerk in andere deutsche Städte und dann nach Italien, Frankreich, in die Niederlande und darüber hinaus. 1465 verlieh der siegreiche Erzbischof Adolf II. von Nassau Gutenberg einen Hoftitel mit einer jährlichen Zuwendung an Tuch, Getreide und Wein. Er starb am 3. Februar 1468 in Mainz.
Bis 1500 waren Druckerpressen in mehr als 250 europäischen Städten tätig und hatten Zehntausende Ausgaben hergestellt. Bücher, die vor 1501 gedruckt wurden, nennt man Inkunabeln, nach einem lateinischen Wort für „Wiege“, weil sie aus der Kindheit des Buchdrucks stammen.
Mittel
Erhaltene Exemplare
Etwa 49 Exemplare sind in wesentlichem Umfang erhalten, wenngleich manche unvollständig sind; rund 21 sind vollständig. Sie befinden sich in Bibliotheken in Deutschland, den Vereinigten Staaten, dem Vereinigten Königreich, Frankreich, Spanien, Polen, Russland, Japan und anderswo. Die Morgan Library & Museum in New York besitzt drei, und einzelne Exemplare befinden sich unter anderem in der Library of Congress, der British Library, der Bibliothèque nationale de France und der Keio-Universität in Tokio. Das Harry Ransom Center der University of Texas at Austin erwarb sein vollständiges Papierexemplar 1978 und zeigt es dauerhaft in einer Ausstellung.
Das Pergamentexemplar der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen ist besonders, weil es zusammen mit zwei zugehörigen Dokumenten aufbewahrt wird: dem Göttinger Musterbuch, einer Anleitung für Buchmaler, die zu den Verzierungen des Exemplars passt, und dem Helmasperger Notariatsinstrument. Zusammen wurden sie 2001 in UNESCOs Register „Memory of the World“ eingetragen. Göttingen hat sein Exemplar zudem kostenlos digital online zugänglich gemacht.
Das letzte vollständige Exemplar, das verkauft wurde, erzielte 1978 etwa 2,4 Millionen US-Dollar. Einzelne Blätter, die in der Vergangenheit aus beschädigten Exemplaren herausgetrennt wurden, tauchen gelegentlich auf dem Markt auf; moderne Bibliothekare betrachten das Zerlegen alter Bücher zum Verkauf als einen Verlust für die Wissenschaft.
Mittel
Ostasiatischer Buchdruck und die Frage der Priorität
Lange vor Gutenberg blühte der Druck in Ostasien. Das älteste erhaltene gedruckte Buch mit einem Datum ist das Diamant-Sutra von 868, gefunden in Dunhuang in China. Der chinesische Handwerker Bi Sheng stellte in den 1040er Jahren bewegliche Lettern aus gebranntem Ton her, laut dem Gelehrten Shen Kuo. In Korea wurden während der Goryeo-Dynastie bewegliche Metalllettern verwendet, und der Jikji, ein buddhistischer Text, der 1377 im Tempel Heungdeoksa gedruckt wurde, ist das älteste erhaltene Buch, das mit beweglichen Metalllettern gedruckt wurde. Der gewaltige Holzschnitt-Tripitaka Koreana wurde im 13. Jahrhundert geschnitzt.
Ob Kenntnis vom asiatischen Buchdruck Gutenberg erreichte, ist unbekannt. Es gibt keine urkundlichen Belege für eine Übertragung, und seine Methoden, insbesondere die Handgießform, die Legierung, die ölbasierte Druckfarbe und die Presse, unterscheiden sich von ostasiatischen Techniken. Die meisten Historiker betrachten den europäischen Buchdruck daher als eigenständige Entwicklung, während sie die weit früheren asiatischen Leistungen anerkennen. Manche Autoren haben für eine indirekte Übertragung entlang von Handelswegen argumentiert, doch dies bleibt spekulativ.
Ein Grund, warum bewegliche Lettern in Ostasien und Europa unterschiedliche Wirkungen hatten, ist das Schriftsystem. Das Chinesische benötigt Tausende unterschiedlicher Zeichen, sodass Holzschnitte oft praktischer waren, während ein Alphabet mit einigen Dutzend Buchstaben gut für wiederverwendbare Lettern geeignet ist. Interessant ist, dass in Korea das Hangeul-Alphabet 1443–46 geschaffen wurde, genau als Gutenberg seine Presse entwickelte.
Fortgeschritten
Debatte: Wie revolutionär war der Buchdruck?
Der Buchdruck wird oft als Revolution bezeichnet. Die Historikerin Elizabeth Eisenstein argumentierte in The Printing Press as an Agent of Change (1979), der Druck habe die europäische Kultur verwandelt, indem er Texte standardisierte, weithin verfügbar machte und dauerhaft bewahrte. Ihrer Ansicht nach trugen diese Veränderungen dazu bei, die Wiederentdeckung klassischer Texte in der Renaissance, die protestantische Reformation und die wissenschaftliche Revolution zu ermöglichen.
Andere Wissenschaftler haben diese Sichtweise kritisiert. Adrian Johns argumentierte in The Nature of the Book (1998), frühe gedruckte Bücher seien nicht automatisch verlässlich oder einheitlich gewesen: Raubdrucke, Fehler und lokale Praktiken waren verbreitet, und Vertrauen in den Druck musste von Menschen und Institutionen erst über die Zeit aufgebaut werden. Andere weisen darauf hin, dass das Abschreiben von Handschriften noch Jahrhunderte fortdauerte und dass die Wirkungen des Buchdrucks von Alphabetisierung, Religion, Handel und Politik abhingen.
Die Gutenberg-Bibel selbst zeigt beide Seiten dieser Geschichte. Sie ist ein technologischer Durchbruch, wurde aber bewusst so gestaltet, dass sie Handschriften nachahmt, wurde in kleiner Zahl an Kirchen verkauft und von Hand fertiggestellt. Ihr unmittelbares Publikum war die mittelalterliche Kirche, nicht eine breite Leserschaft. Die dramatischeren Veränderungen kamen in den folgenden Jahrzehnten, als billigere Bücher, Flugschriften und volkssprachliche Texte sich vervielfachten.
Fortgeschritten
Belege und Methoden
Fast alles, was wir über Gutenberg wissen, stammt aus einer kleinen Zahl juristischer und finanzieller Dokumente, etwa dem Straßburger Prozess von 1439, Kreditunterlagen und dem Helmasperger Instrument. Keines seiner erhaltenen gedruckten Werke trägt seinen Namen. Seine Rolle wird rekonstruiert, indem diese Dokumente mit der physischen Untersuchung der Bücher kombiniert werden.
Bibliografen vergleichen die erhaltenen Exemplare im Detail. Unterschiede in der Schrift, der Wechsel von 40 auf 42 Zeilen, Unterschiede zwischen Papier- und Pergamentexemplaren, Wasserzeichen im Papier und Stellen, an denen Seiten neu gesetzt wurden, verraten, wie die Arbeit organisiert war und wie viele Setzer und Pressen eingesetzt wurden. Vermerke der Rubrikatoren und Einbände helfen, Daten und frühe Besitzer zu bestimmen.
Neue Techniken werfen weiterhin Licht auf die Frage, wie die Lettern hergestellt wurden. Im Jahr 2001 nutzten die Gelehrten Paul Needham und Blaise Agüera y Arcas eine digitale Analyse der Buchstabenformen im frühen Mainzer Buchdruck, um zu argumentieren, dass die frühesten Lettern möglicherweise nicht, wie traditionell angenommen, aus einer einzigen dauerhaften Matrize pro Buchstabe gegossen wurden, sondern nach einem improvisierteren Verfahren. Ihre Schlussfolgerungen werden noch diskutiert. Wissenschaftliche Analysen der Druckfarbe haben zudem gezeigt, dass Gutenbergs Tinte metallische Bestandteile wie Kupfer und Blei enthielt, was ihr dauerhaft glänzendes Schwarz miterklärt.
Kernideen
- Bewegliche Metalllettern
- Einzelne gegossene Metallbuchstaben, die angeordnet, gedruckt und wiederverwendet werden können.
- Handgießform
- Eine verstellbare Gussform, mit der ein Gießer rasch große Mengen identischer Buchstaben herstellen konnte.
- Nachahmung von Handschriften
- Schrift, Layout und handgemalte Verzierung der Bibel wurden so gestaltet, dass sie mit den besten handgeschriebenen Büchern konkurrieren konnten.
- Handfertigstellung
- Rubrizierung, Buchmalerei und Einband wurden von Hand hinzugefügt, sodass jedes Exemplar einzigartig ist.
- Buchdruck als System
- Gutenberg verband Letterngießen, Druckfarbe, Papier und Presse zu einem effizienten Produktionssystem.
- Unabhängige Erfindung
- Ostasien kannte Buchdruck und bewegliche Lettern viel früher; der europäische Buchdruck entwickelte sich offenbar unabhängig davon.
- Druckkultur
- Historiker diskutieren, wie stark der Buchdruck veränderte, wie Wissen bewahrt, geglaubt und verbreitet wurde.
- Datierung ohne Datum
- Da die Bibel kein gedrucktes Datum trägt, datieren Wissenschaftler sie anhand von Briefen, juristischen Dokumenten, Rubrikatorenvermerken und physischen Belegen aus den erhaltenen Exemplaren.
Einträge
- 1377 — Der Jikji wird im koreanischen Goryeo mit beweglichen Metalllettern gedruckt.
- um 1400 — Johannes Gutenberg wird in Mainz geboren.
- 1439 — Ein Prozess in Straßburg enthüllt Gutenbergs geheimes Geschäft mit einer Presse.
- 1448 — Gutenberg ist wieder in Mainz und leiht sich Geld.
- um 1450 — Gutenberg leiht sich 800 Gulden von Johann Fust.
- um 1452 — Die Arbeit an der 42-zeiligen Bibel beginnt.
- 1454 — Piccolomini sieht im Oktober auf der Frankfurter Messe Lagen der Bibel.
- 1455 — Piccolominis Brief (März); das Helmasperger Notariatsinstrument dokumentiert Fusts Klage (6. November).
- 1456 — Rubrikator Heinrich Cremer beendet die Ausschmückung eines heute in Paris befindlichen Exemplars (August).
- 1457 — Fust und Schöffer drucken den Mainzer Psalter, das erste datierte gedruckte Buch Europas.
- 1468 — Gutenberg stirbt am 3. Februar in Mainz.
- 2001 — Das Göttinger Exemplar wird in UNESCOs Register „Memory of the World“ eingetragen.
Glossar
- Bewegliche Lettern
- Einzelne Buchstaben oder Zeichen, die neu angeordnet werden können, um unterschiedliche Texte zu drucken.
- Patrize
- Ein Stahlstab mit einem in Relief geschnittenen Buchstaben an seinem Ende, verwendet, um eine Matrize herzustellen.
- Matrize
- Ein Kupferblock mit dem Abdruck eines Buchstabens, verwendet als Gussform zum Gießen von Lettern.
- Type
- Ein einzelnes Stück Metallletter.
- Setzer
- Ein Arbeiter, der Lettern zu Zeilen und Seiten anordnet.
- Pergament
- Feines Pergament aus Kalbshaut, verwendet für Luxusbücher.
- Rubrizierung
- Das handschriftliche Hinzufügen roter (und oft blauer) Überschriften und Initialen in einem Buch.
- Buchmalerei
- Gemalte Verzierung in einem Buch, oft mit Gold.
- Vulgata
- Die mit dem heiligen Hieronymus verbundene lateinische Bibelübersetzung, verwendet in der westlichen Kirche.
- Inkunabeln
- Bücher, die vor 1501 in Europa gedruckt wurden.
- Lage
- Eine Gruppe gefalteter Bögen, die einen Abschnitt eines Buches bildet.
- Kolophon
- Ein Vermerk am Ende eines Buches mit Angaben wie Drucker, Ort und Datum; die Gutenberg-Bibel hat keinen, während der Mainzer Psalter von 1457 einen besitzt.
Fragen und Antworten
War die Gutenberg-Bibel das erste gedruckte Buch?
Nein. Gedruckte Bücher gab es in Ostasien viel früher, und auch in Europa wurden vor ihr schon kleinere Stücke gedruckt. Sie ist das erste bedeutende Buch, das in Europa mit beweglichen Metalllettern gedruckt wurde.
Wie viele Exemplare sind erhalten?
Etwa 49, von denen rund 21 vollständig sind. Der Rest sind unvollständige Exemplare oder Fragmente.
Warum sieht jedes Exemplar anders aus?
Die farbigen Initialen, Verzierungen und Einbände wurden nach dem Druck von Hand hinzugefügt, von unterschiedlichen Künstlern, die von jedem Käufer selbst ausgewählt wurden.
In welcher Sprache ist sie verfasst?
Latein. Sie druckt die Vulgata, die im Mittelalter von der westlichen Kirche verwendete lateinische Bibel.
Wurde Gutenberg durch seine Erfindung reich?
Nein. Er verlor einen Großteil seiner Werkstatt an seinen Geldgeber Johann Fust nach einem Prozess im Jahr 1455, erhielt später jedoch eine Pension vom Erzbischof von Mainz.
Wusste Gutenberg von koreanischen Metalllettern?
Es gibt keinen Beleg dafür. Die meisten Historiker glauben, dass sich der europäische Buchdruck unabhängig entwickelte, obwohl Korea Metalllettern früher verwendete.
Woher wissen wir, wann sie gedruckt wurde, wenn sie kein Datum trägt?
Aus Piccolominis Brief vom März 1455, der juristischen Urkunde zu Fusts Klage vom November 1455 und einem Rubrikatorenvermerk vom August 1456 in einem Pariser Exemplar.
Warum wird sie auch Mazarin-Bibel genannt?
Weil das Exemplar, das im 18. Jahrhundert zuerst die Aufmerksamkeit von Gelehrten auf sich zog, der Bibliothek des Kardinals Mazarin in Paris gehörte.
Quellen und weiterführende Literatur
- Gutenberg Bible. Wikipedia
- Johannes Gutenberg. Wikipedia
- Movable type. Wikipedia
- Incunable. Wikipedia
- Memory of the World Register – Europe and North America (entry: 42-line Gutenberg Bible, printed on vellum, and its contemporary documentary background). Wikipedia
- The Gutenberg Bible. Harry Ransom Center, University of Texas at Austin
- The Gutenberg Bible at the Library of Congress: A Resource Guide. Library of Congress
- 구텐베르크 성서. 위키백과 (Korean Wikipedia)
- Elizabeth L. Eisenstein, The Printing Press as an Agent of Change. Cambridge University Press, 1979
- Albert Kapr (translated by Douglas Martin), Johann Gutenberg: The Man and His Invention. Scolar Press, 1996
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Mit KI-Unterstützung auf Grundlage der oben aufgeführten veröffentlichten Quellen verfasst und bei neuen Forschungsergebnissen überarbeitet.
