Geschichte

Erster Opiumkrieg

第一次鴉片戰爭 (Anglo-Chinese War, 1839–1842)

1839–1842 · Guangzhou, Qing-Reich

In einem Satz

Der Erste Opiumkrieg (1839–1842) war ein Krieg, in dem Großbritannien das China der Qing-Dynastie angriff, nachdem chinesische Beamte versucht hatten, britische Händler am Verkauf der süchtig machenden Droge Opium zu hindern; er endete mit einem Vertrag, der China zur Öffnung seiner Häfen und zur Abtretung der Insel Hongkong an Großbritannien zwang.

Erster Opiumkrieg
Bild: Edward Duncan · Public domain · Wikimedia Commons

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Für junge Leser

Vor etwa 200 Jahren tranken die Menschen in Großbritannien sehr gern Tee. Fast der ganze Tee kam aus China. Britische Händler bezahlten ihn mit Silber. Großbritannien wollte aber nicht immer mehr Silber nach China schicken. Deshalb verkauften manche Händler den Menschen in China Opium. Diese Droge macht schläfrig und benommen. Wer sie oft nimmt, kann nur schwer wieder damit aufhören.

Opium war in China verboten. Trotzdem brachten Händler es heimlich ins Land. Millionen Menschen nahmen die Droge. Der chinesische Kaiser machte sich Sorgen um sie und um das Silber, mit dem sie das Opium bezahlten. Im Jahr 1839 schickte er den strengen und ehrlichen Beamten Lin Zexu nach Guangzhou, eine Stadt im Süden Chinas. Lin sollte den Handel stoppen.

Lin zwang die ausländischen Händler, ihr Opium abzugeben: mehr als 20.000 Kisten. Dann ließ er am Meer große Gruben ausheben. Arbeiter vermischten das Opium dort mit Salz und Kalk, bis es zerstört war, und spülten es ins Meer. Die britischen Händler waren wütend. Die britische Regierung beschloss, Kriegsschiffe zu schicken.

Großbritannien hatte Kriegsschiffe mit Dampfantrieb und moderne Kanonen. Viele chinesische Soldaten kämpften mutig, konnten die Briten aber nicht aufhalten. Nach drei Jahren Krieg an Chinas Küste musste die Regierung der Qing-Dynastie 1842 den Vertrag von Nanjing unterschreiben. China musste viel Geld zahlen, fünf Häfen für britische Händler öffnen und die Insel Hongkong an Großbritannien abgeben.

Für China begann mit diesem Krieg eine lange, schwere Zeit, in der fremde Mächte dem Land ihren Willen aufzwangen. In Großbritannien erinnerten sich viele Menschen lange nur an einen kleinen Krieg um Handel in einem fernen Land. Heute betrachten Historiker in beiden Ländern den Krieg kritischer. Sie erinnern besonders an die Menschen in China, die darunter litten.

Auf einen Blick

Zeitraum
Kämpfe von September 1839 (Kowloon) bis August 1842; die britische Expedition traf im Juni 1840 ein
Schauplätze
Süd- und Ostküste Chinas: Guangzhou (Kanton) und der Perlfluss, Zhoushan (Chusan), Xiamen (Amoy), Ningbo, Shanghai und Zhenjiang bis nach Nanjing
Kriegsparteien
Vereinigtes Königreich (Royal Navy, britische Truppen und Truppen der Ostindien-Kompanie, darunter viele indische Soldaten) gegen das Qing-Reich
Wichtige Personen
Lin Zexu, der Daoguang-Kaiser, Qishan, Qiying (Qing-Reich); Charles Elliot, Lord Palmerston, Henry Pottinger (Großbritannien)
Ergebnis
Britischer Sieg; Vertrag von Nanjing (29. August 1842)
Vertragsbedingungen
21 Millionen Silberdollar Entschädigung, fünf Vertragshäfen, Abtretung der Insel Hongkong, Abschaffung des Monopols der Cohong-Händler, feste Zollsätze; 1843 folgten Exterritorialität und Meistbegünstigungsrechte
Opfer
Im Kampf starben auf britischer Seite nach den meisten Zählungen weniger als hundert Menschen; deutlich mehr starben an Krankheiten. Die Zahl der getöteten chinesischen Soldaten und Zivilisten wird auf mehrere Tausend geschätzt, eine genaue Zahl gibt es nicht
Bedeutung
Beginn des Systems der „ungleichen Verträge“; in der chinesischen Geschichtsschreibung Beginn der modernen Geschichte Chinas und des „Jahrhunderts der Demütigung“

Einfach

Was war der Erste Opiumkrieg?

Der Erste Opiumkrieg wurde von 1839 bis 1842 zwischen dem Vereinigten Königreich und dem chinesischen Qing-Reich geführt. Er begann, nachdem die Qing-Regierung versucht hatte, den illegalen Opiumhandel zu unterbinden, den überwiegend britische Händler betrieben. Großbritannien reagierte darauf mit militärischer Gewalt. Die Briten nannten ihn damals oft einfach den „Krieg mit China“ oder den Englisch-Chinesischen Krieg. Kritiker verwendeten schon damals die Bezeichnung „Opiumkrieg“, die sich später allgemein durchsetzte.

Der Krieg wurde hauptsächlich auf See sowie an Chinas Süd- und Ostküste und entlang seiner Flüsse geführt. Die moderne britische Flotte mit ihren Dampfschiffen ermöglichte es einer vergleichsweise kleinen Streitmacht, an selbst gewählten Orten anzugreifen. Das Heer und die Flotte der Qing waren groß, für diese Art von Krieg aber schlecht ausgerüstet. Die örtlichen Verteidiger erlitten oft schwere Verluste.

Der Krieg endete im August 1842 mit dem Vertrag von Nanjing (Nanking), dem ersten der Verträge, die Chinesen später „ungleiche Verträge“ nannten. Er zwang China, weitere Häfen für den Außenhandel zu öffnen, eine hohe Entschädigung zu zahlen und die Insel Hongkong abzutreten. Viele Historiker betrachten den Krieg als Wendepunkt in den Beziehungen zwischen China und den westlichen Mächten.

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Einfach

Tee, Silber und Opium

Im 18. Jahrhundert wurde Tee in Großbritannien zu einem beliebten Getränk, und China war die einzige bedeutende Bezugsquelle. Die Chinesen wollten nur wenige britische Waren kaufen. Deshalb bezahlten britische Händler ihren Tee überwiegend mit Silber. Britische Regierungsvertreter beunruhigte dieser Abfluss von Silber.

Die Britische Ostindien-Kompanie, die große Teile Indiens beherrschte, fand einen Ausweg. Sie ließ in Bengalen Schlafmohn anbauen, kontrollierte die Opiumherstellung und versteigerte das Opium in Kalkutta an private Händler, die es nach China brachten. Die Kompanie verkaufte selbst kein Opium in China, weil die Qing-Regierung es verboten hatte. Sie verdiente jedoch an jeder verkauften Kiste. Auch Opium aus Westindien (Malwa) gelangte in den Handel.

Die Einfuhren stiegen gewaltig: von einigen Tausend Kisten jährlich im späten 18. Jahrhundert auf Zehntausende Kisten jährlich gegen Ende der 1830er Jahre. Der Silberfluss kehrte sich um: Nun verließ Silber China, um das Opium zu bezahlen. Das Opiumrauchen verbreitete sich von wohlhabenden Menschen unter Soldaten, Beamten und Arbeitern. Die Sucht ruinierte viele Familien.

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Einfach

Sonderkommissar Lin und die Vernichtung des Opiums

Am Qing-Hof berieten Beamte über das weitere Vorgehen. Einige schlugen 1836 vor, Opium zu legalisieren und zu besteuern; andere forderten ein striktes Verbot. Der Daoguang-Kaiser entschied sich für das Verbot und ernannte Ende 1838 Lin Zexu zum kaiserlichen Sonderkommissar mit umfassenden Vollmachten, den Handel zu beenden. Lin war ein angesehener Beamter, der als ehrlich und tatkräftig galt.

Lin traf im März 1839 in Guangzhou ein. Er ließ chinesische Händler festnehmen, drängte Konsumenten, die Droge aufzugeben, und verlangte von ausländischen Händlern, ihr Opium abzuliefern und zu versprechen, keines mehr ins Land zu bringen. Als sie zögerten, ließ er ihre Lagerhäuser und Wohngebäude, die sogenannten Faktoreien, abriegeln und ihre chinesischen Bediensteten abziehen. Der britische Handelsbeauftragte, Kapitän Charles Elliot, wies die Händler an, ihm ihr Opium zu übergeben. Er versprach, dass die britische Regierung sie entschädigen werde. Mehr als 20.000 Kisten wurden abgegeben.

Im Juni 1839 ließ Lin das Opium bei Humen nahe der Mündung des Perlflusses in Gräben mit Salz und Kalk vermischen und ins Meer spülen. Diese Arbeit dauerte etwa drei Wochen. Er schrieb außerdem einen Brief an Königin Victoria. Darin fragte er, wie Großbritannien zulassen könne, dass ein im eigenen Land verbotenes Gift nach China verkauft werde. Ob der Brief die Königin je erreichte, ist unklar; in der britischen Presse wurde er jedoch abgedruckt.

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Mittel

Tiefere Ursachen: das Kanton-System und gegensätzliche Vorstellungen von der Weltordnung

Opium war der unmittelbare Anlass, doch der Krieg entstand auch aus einem langen Streit darüber, wie Handel und Diplomatie funktionieren sollten. Seit 1757 beschränkten die Qing den westlichen Seehandel auf Guangzhou. Historiker nennen diese Ordnung das Kanton-System. Ausländische Händler durften nur über eine Gruppe zugelassener chinesischer Handelshäuser, die Cohong, Geschäfte machen. Sie mussten in einem kleinen Gebiet außerhalb der Stadtmauern wohnen und durften ihre Familien nicht mitbringen. Direkter Kontakt zu Qing-Beamten war ihnen untersagt.

Großbritannien versuchte, diese Regeln auf diplomatischem Weg zu ändern. Sowohl die Macartney-Gesandtschaft von 1793 als auch die Amherst-Gesandtschaft von 1816 scheiterten. Die Qing betrachteten ihre Beziehungen zu fremden Staaten im Rahmen einer Tradition, nach der andere Herrscher dem Kaiser als einem Höhergestellten gegenübertraten. Großbritannien bestand dagegen darauf, China als einen gleichberechtigten souveränen Staat zu behandeln, mit offenem Handel und ständigen diplomatischen Vertretern. Beide Seiten hielten die Forderungen der anderen für anmaßend.

1834 verlor die Ostindien-Kompanie ihr Monopol auf den britischen Handel mit China. Private Händler, darunter Firmen wie Jardine, Matheson & Co., drängten auf den Markt und warben für eine härtere Politik. Der erste britische Handelsbeauftragte, Lord Napier, geriet noch im selben Jahr mit den Qing-Behörden in Konflikt. Gegen Ende der 1830er Jahre steuerten die Interessen der Händler, Vorstellungen von Freihandel und nationaler Ehre sowie das Vorgehen der Qing gegen Opium auf einen Zusammenstoß zu.

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Mittel

Von der Krise zum Krieg (1839–1840)

Im Juli 1839 töteten betrunkene britische Seeleute bei Kowloon den chinesischen Dorfbewohner Lin Weixi. Lin Zexu verlangte die Übergabe der Täter an die chinesische Justiz. Elliot weigerte sich und hielt stattdessen selbst eine Gerichtsverhandlung ab. Lin unterbrach die Versorgung der Briten, die Macau verließen und sich auf Schiffe im Hafen von Hongkong zurückzogen. Am 4. September 1839 lieferten sich britische Schiffe und chinesische Kriegsdschunken vor Kowloon ein Feuergefecht. Am 3. November kam es bei Chuenpi (Chuanbi) an der Mündung des Perlflusses zu einem größeren Zusammenstoß.

In London beschloss die Regierung unter Lord Melbourne, mit Lord Palmerston als Außenminister, eine Expedition zu entsenden. Sie sollte eine Entschädigung für das abgelieferte Opium, bessere Handelsbedingungen und diplomatische Gleichstellung erreichen. Die Entscheidung war umstritten. Im April 1840 beantragte die Opposition im Unterhaus eine Rüge der China-Politik der Regierung. Der junge William Gladstone verurteilte den Krieg als von Anfang an ungerecht und als dauerhafte Schande. Der Antrag scheiterte mit nur neun Stimmen Unterschied, 271 zu 262.

Das Expeditionskorps traf im Juni 1840 vor China ein. Zu ihm gehörten Kriegsschiffe der Royal Navy, Heeresregimenter und viele indische Soldaten aus den Armeen der Ostindien-Kompanie. Dazu kam die Nemesis, ein Dampfschiff der Ostindien-Kompanie mit Eisenrumpf. Es konnte auf flachen Flüssen gegen Wind und Strömung fahren und wurde zum Sinnbild des technischen Vorsprungs Großbritanniens.

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Mittel

Der Kriegsverlauf (1840–1842)

Die Briten blockierten den Perlfluss und besetzten im Juli 1840 die Insel Zhoushan (Chusan) bei Ningbo. Danach fuhr die Flotte nach Norden bis zur Mündung des Hai-Flusses (Peiho) bei Tianjin, nahe genug, um Peking zu beunruhigen. Der Kaiser enthob Lin Zexu seines Amtes und schickte Qishan zu Verhandlungen. Im Januar 1841 einigten sich Elliot und Qishan auf die Konvention von Chuenpi. Sie hätte Großbritannien Hongkong und sechs Millionen Dollar zugesprochen; britische Truppen besetzten die Insel Hongkong am 26. Januar 1841. Beide Regierungen lehnten die Vereinbarung jedoch ab: Der Kaiser bestrafte Qishan, und Palmerston entließ Elliot, weil er zu wenig gefordert hatte.

Um Guangzhou begannen die Kämpfe erneut. Britische Truppen zerstörten die Befestigungen an der Bogue-Meerenge und standen im Mai 1841 oberhalb der Stadt. Guangzhou zahlte sechs Millionen Dollar, um einen Sturmangriff abzuwenden. Bei Sanyuanli nördlich der Stadt versammelten sich örtliche Milizen und trafen in einem Regensturm auf britische und indische Truppen. Der Zusammenstoß war militärisch von geringer Bedeutung, wurde in der chinesischen Erinnerung aber später zu einem wichtigen Sinnbild des Widerstands der Bevölkerung.

Sir Henry Pottinger, der Elliot ablöste, traf im August 1841 ein und verlagerte den Krieg nach Norden. Britische Truppen nahmen Xiamen (Amoy), eroberten Zhoushan erneut und besetzten Zhenhai und Ningbo. Ein Gegenangriff der Qing auf Ningbo im März 1842 scheiterte unter schweren Verlusten. Im Frühjahr und Sommer 1842 nahmen die Briten Zhapu, Wusong und Shanghai ein und fuhren dann den Jangtsekiang hinauf.

In Zhenjiang kämpfte die mandschurische Garnison im Juli 1842 erbittert. Nach dem Fall der Stadt töteten sich viele Soldaten und ihre Angehörigen, statt sich zu ergeben; auch viele Zivilisten starben. Mit der Kontrolle über Zhenjiang schnitten die Briten den Kaiserkanal ab, über den Getreide nach Peking transportiert wurde. Als sich britische Schiffe Nanjing näherten, stimmten die Qing Verhandlungen zu.

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Mittel

Der Vertrag von Nanjing und seine Folgen

Der Vertrag von Nanjing wurde am 29. August 1842 an Bord der HMS Cornwallis unterzeichnet. Die Qing-Unterhändler unter Führung von Qiying und Yilibu akzeptierten unter anderem eine in Raten zu zahlende Entschädigung von 21 Millionen Silberdollar; die Öffnung von fünf Häfen für britischen Handel, britische Bewohner und Konsuln (Guangzhou, Xiamen, Fuzhou, Ningbo und Shanghai); die dauerhafte Abtretung der Insel Hongkong an Großbritannien; die Abschaffung des Handelsmonopols der Cohong; einen festen, veröffentlichten Zolltarif; sowie gleichrangige Formen des amtlichen Schriftverkehrs.

Opium wurde im Vertrag überhaupt nicht erwähnt. Die Droge blieb in China verboten. Der Handel ging nach dem Krieg jedoch weiter und nahm zu. Erst nach dem Zweiten Opiumkrieg (1856–1860) wurde die Einfuhr legalisiert.

Ein Ergänzungsvertrag von 1843, der Vertrag von Humen, führte die Exterritorialität ein: Britische Staatsangehörige, denen Straftaten vorgeworfen wurden, sollten von britischen Behörden vor Gericht gestellt werden. Außerdem enthielt er eine Meistbegünstigungsklausel, nach der jedes Vorrecht, das China einer anderen Macht gewährte, automatisch auch Großbritannien zustand. Die Vereinigten Staaten (Vertrag von Wangxia, 1844) und Frankreich (Vertrag von Whampoa, 1844) erhielten bald ähnliche Verträge. Zusammen schufen diese Abkommen das System der „ungleichen Verträge“, das Chinas Außenbeziehungen ein Jahrhundert lang prägte.

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Mittel

Folgen in China, Großbritannien und Ostasien

Kurzfristig veränderte der Krieg den Alltag der meisten der mehreren Hundert Millionen Menschen in China nicht. Viele Qing-Beamte betrachteten ihn als regionales Problem an der Küste. Er offenbarte jedoch die Schwäche des Qing-Militärs, brachte eine hohe finanzielle Belastung mit sich und verschärfte wirtschaftliche und soziale Spannungen im Süden. Die Unruhen in der Region trugen zu den Bedingungen bei, unter denen 1850 der Taiping-Aufstand ausbrach, einer der tödlichsten Bürgerkriege der Geschichte. Wie unmittelbar dieser Zusammenhang war, ist unter Historikern umstritten.

Der Krieg regte auch neues Denken an. Lin Zexu hatte übersetzte Informationen über fremde Länder gesammelt. Der Gelehrte Wei Yuan verwendete dieses Material in seiner „Illustrierten Abhandlung über die Reiche jenseits der Meere“ (Haiguo tuzhi, 1843). Darin forderte er China auf, die Techniken der Fremden zu erlernen, um ihnen widerstehen zu können. Das Buch wurde auch in Japan gelesen. Dort beunruhigte die Nachricht von Chinas Niederlage Beamte und Gelehrte und beeinflusste Debatten, die der Öffnung Japans in den 1850er Jahren vorausgingen. Korea unter der Joseon-Dynastie erfuhr durch seine Gesandten in Peking von dem Krieg; dadurch wuchs dort die Sorge vor westlichen Schiffen.

Für Großbritannien sicherte der Krieg Hongkong. Die Stadt entwickelte sich zu einem bedeutenden Hafen und blieb bis 1997 britische Kolonie. Zugleich wurde China weiter für den britischen Handel geöffnet. Der Opiumhandel blieb für Britisch-Indien sehr einträglich. In Großbritannien rief der Krieg aber auch anhaltende Kritik bei Menschen hervor, die ihn als Krieg zum Schutz des Drogenschmuggels betrachteten.

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Fortgeschritten

Erinnerung und Geschichtsschreibung: ein Krieg, viele Deutungen

In der Volksrepublik China setzt die offizielle Geschichtsschreibung den Beginn der modernen chinesischen Geschichte (jindaishi) auf 1840, das Jahr der britischen Expedition, an. Der Krieg steht am Anfang des „Jahrhunderts der Demütigung“, das mit der Gründung der Volksrepublik 1949 endet. Er wird als Geschichte ausländischer Aggression, der Schwäche der Qing und des heldenhaften Widerstands von Menschen wie Lin Zexu und der Bevölkerung von Sanyuanli gelehrt. Das Opiumkriegsmuseum in Humen sowie Statuen und Gedenkstätten für Lin spiegeln diese Erinnerung wider. Als Hongkong 1997 an China zurückgegeben wurde, erinnerten viele an den Krieg als Ursprung eines nun wiedergutgemachten Unrechts.

In Großbritannien wurde der Krieg lange Zeit, sofern man sich überhaupt an ihn erinnerte, als Konflikt um Freihandel, diplomatische Gleichstellung und die Überheblichkeit des Qing-Hofes dargestellt. Opium galt dabei als Nebensache. Diese Sicht stützte sich auf Argumente, die Palmerston und die Händlerlobby schon damals vorgebracht hatten. Kritiker widersprachen ihr sowohl damals als auch später. Die meisten heutigen Historiker in Großbritannien und anderswo erkennen an, dass der Schutz des Opiumhandels und der daraus erzielten Einnahmen für die britische Politik von zentraler Bedeutung war, auch wenn weitere Fragen eine Rolle spielten.

Neuere Forschungen versuchen, über beide nationalen Erzählungen hinauszugehen. Julia Lovells The Opium War: Drugs, Dreams and the Making of China (2011) untersucht sowohl den Krieg als auch die Art, wie die Erinnerung daran in China geformt und umgeformt wurde, einschließlich ihrer Bedeutung für den modernen chinesischen Nationalismus. Stephen R. Platts Imperial Twilight (2018) ordnet den Krieg in die lange Geschichte der britisch-chinesischen Beziehungen vor 1839 ein und betont den Einfluss einzelner Entscheidungen und Personen. Mao Haijian nutzte für The Collapse of the Heavenly Dynasty (chinesisch 1995; englische Übersetzung The Qing Empire and the Opium War, 2016) Qing-Archive, um die Entscheidungen der Qing-Führung kritisch zu untersuchen. Damit stellte er einfachere Heldenerzählungen innerhalb Chinas infrage.

Auch Wirtschaftshistoriker streiten über die Ursachen des Krieges. Nach der traditionellen Auffassung entzogen die Opiumimporte China Silber und lösten so eine Wirtschaftskrise aus. Lin Man-houng argumentierte in China Upside Down (2006), dass auch ein Rückgang des weltweiten Silberangebots erheblich zu Chinas Silbermangel beitrug; dieser hing teilweise mit den Unabhängigkeitskriegen in Lateinamerika zusammen. Solche Arbeiten bestreiten die Schäden durch Opium nicht, ordnen die Krise aber in einen weltwirtschaftlichen Zusammenhang ein.

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Fortgeschritten

Die Quellen: Archive, Eingaben und Augenzeugenberichte

Historiker stützen sich bei der Erforschung des Krieges auf reichhaltige, aber ungleichmäßig überlieferte Quellen. Auf der Seite der Qing sind vor allem die Eingaben und Berichte wichtig, die Beamte an den Kaiser schickten, sowie die Erlasse und Kommentare des Kaisers. Sie wurden in den kaiserlichen Archiven aufbewahrt und seit den 1930er Jahren in umfangreichen Quellensammlungen veröffentlicht. Auch Tagebücher, Briefe und Eingaben von Lin Zexu sind erhalten. Sie zeigen sowohl seine Entschlossenheit als auch seine begrenzten Kenntnisse über Großbritannien.

Auf britischer Seite gibt es Parlamentsunterlagen, Akten des Außenministeriums, die Korrespondenz von Palmerston, Elliot und Pottinger, Geschäftsunterlagen etwa von Jardine Matheson sowie zahlreiche Erinnerungen und Tagebücher von Offizieren und Soldaten. Diese Quellen beschreiben militärische Einsätze genau, nehmen chinesische Sichtweisen aber häufig nicht ernst. Zahlen zu getöteten chinesischen Soldaten und Zivilisten in britischen Berichten sind meist grobe Schätzungen.

Die Stimmen gewöhnlicher Menschen – etwa von Dorfbewohnern, Fischern und Opiumkonsumenten sowie der indischen Soldaten, die für Großbritannien kämpften – sind viel schwerer zu erschließen. Ortschroniken, Volkslieder, öffentliche Anschläge und spätere mündliche Überlieferungen aus Orten wie Sanyuanli liefern einige Hinweise. Sie wurden jedoch oft erst später festgehalten und waren von politischen Absichten geprägt. Historiker vergleichen deshalb chinesische und britische Darstellungen sorgfältig. Über die Zahl der Opfer und die Bedeutung von Ereignissen wie Sanyuanli wird weiter gestritten.

Auch Bildquellen sind wichtig. Britische Drucke und Gemälde feierten Siege auf See, während chinesische Bilder und spätere Museumsausstellungen den Widerstand hervorhoben. Projekte wie „Visualizing Cultures“ des MIT haben solche Bilder gesammelt, um zu zeigen, wie beide Seiten den Krieg darstellten.

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Kernideen

Kanton-System
Die Politik der Qing (1757–1842), den westlichen Seehandel unter strengen Regeln und über zugelassene Händler auf Guangzhou zu beschränken.
Opiumhandel und Silber
Der Verkauf von Opium aus Britisch-Indien nach China kehrte den Silberfluss um und finanzierte Großbritanniens Teekäufe – mit hohen gesellschaftlichen Kosten in China.
Kanonenbootdiplomatie
Der Einsatz von Seestreitkräften, um einen anderen Staat zur Annahme von Handelsbedingungen oder politischen Forderungen zu zwingen. Der Opiumkrieg ist ein klassisches Beispiel.
Ungleiche Verträge
China und anderen asiatischen Staaten mit Gewalt aufgezwungene Verträge, die fremden Mächten Häfen, Entschädigungen, Exterritorialität und weitere Vorrechte ohne Gegenseitigkeit verschafften.
Exterritorialität
Das Recht von Ausländern, nach den Gesetzen und vor den Gerichten ihres eigenen Landes statt nach örtlichem Recht beurteilt zu werden.
Jahrhundert der Demütigung
Eine chinesische Deutung der Zeit vom Opiumkrieg bis 1949, die für das moderne nationale Geschichtsbewusstsein Chinas eine zentrale Rolle spielt.
Gedanken zur Selbststärkung
Die nach dem Krieg von Wei Yuan vertretene Idee, fremde Techniken zu erlernen, um fremden Mächten widerstehen zu können.

Einträge

  1. 1757 — Die Qing beschränken den westlichen Seehandel auf Guangzhou (Kanton-System).
  2. 1793 — Die britische Macartney-Gesandtschaft scheitert mit dem Versuch, die Handelsbedingungen zu ändern.
  3. 1834 — Das Monopol der Ostindien-Kompanie auf den britischen Handel mit China endet; Lord Napier gerät mit den Qing-Behörden in Konflikt.
  4. 1839 — Lin Zexu trifft in Guangzhou ein (März); mehr als 20.000 Kisten Opium werden bei Humen vernichtet (Juni); Zusammenstöße bei Kowloon (September) und Chuenpi (November).
  5. 1840 — Das Parlament lehnt eine Rüge der Kriegspolitik knapp ab (April); die britische Expedition trifft ein (Juni) und besetzt Zhoushan (Juli).
  6. 1841 — Die Konvention von Chuenpi (Januar) wird von beiden Seiten abgelehnt; die Briten besetzen die Insel Hongkong (26. Januar); Guangzhou zahlt eine Abgabe zur Abwendung eines Angriffs, und bei Sanyuanli kommt es zum Kampf (Mai); Xiamen und Ningbo werden eingenommen.
  7. 1842 — Ein Gegenangriff der Qing bei Ningbo scheitert (März); die Briten nehmen Shanghai und Zhenjiang ein (Juni–Juli); der Vertrag von Nanjing wird unterzeichnet (29. August).
  8. 1843 — Der ergänzende Vertrag von Humen führt Exterritorialität und Meistbegünstigung ein; Wei Yuans Haiguo tuzhi erscheint.
  9. 1844 — Die Vereinigten Staaten (Wangxia) und Frankreich (Whampoa) schließen ähnliche Verträge mit China.
  10. 1856 — Der Zweite Opiumkrieg beginnt; er endet 1860 mit weiteren Zugeständnissen und der Legalisierung der Opiumeinfuhr.
  11. 1997 — Hongkong wird wieder chinesischer Hoheitsgewalt unterstellt.

Glossar

Qing-Reich
Die letzte kaiserliche Dynastie Chinas (1644–1912), gegründet von den Mandschu.
Opiumkiste
Die übliche Handelseinheit; eine Kiste enthielt ungefähr 60 kg Opium.
Cohong
Die Vereinigung zugelassener chinesischer Händler in Guangzhou, die als Einzige mit westlichen Händlern Geschäfte machen durften.
Faktoreien
Die Lagerhäuser und Wohngebäude ausländischer Händler außerhalb der Stadtmauern von Guangzhou, bekannt als die Dreizehn Faktoreien.
Kaiserlicher Sonderkommissar
Ein Beamter, dem der Kaiser für eine bestimmte Aufgabe besondere Vollmachten verlieh, wie Lin Zexu für die Bekämpfung des Opiums.
Kriegsentschädigung
Eine Zahlung, zu der ein Staat einen anderen meist nach dessen Niederlage in einem Krieg zwingt.
Vertragshafen
Ein Hafen, der durch einen Vertrag für den Handel und den Aufenthalt von Ausländern geöffnet wurde, oft mit ausländischen Konsuln und später mit von Ausländern kontrollierten Stadtvierteln.
Meistbegünstigungsklausel
Eine Vertragsbestimmung, nach der jedes Vorrecht, das ein Staat einem anderen ausländischen Staat gewährt, automatisch auch dem Vertragspartner zusteht.

Fragen und Antworten

Warum verkaufte Großbritannien Opium nach China?

In Großbritannien kauften die Menschen viel chinesischen Tee. Opium aus dem britisch beherrschten Indien war eine der wenigen Waren, die sich in China gut verkaufen ließen. Der Verkauf brachte Silber zurück und hohe Gewinne, obwohl Opium in China verboten war.

Wer gewann den Krieg?

Großbritannien gewann. Seine Schiffe und Kanonen waren moderner, und seine Streitkräfte konnten entlang der chinesischen Küste angreifen. Die Qing mussten 1842 den Vertrag von Nanjing unterzeichnen.

Warum bekam Großbritannien Hongkong?

Britische Händler wollten einen sicheren Stützpunkt unter eigener Kontrolle. Die Insel Hongkong hatte einen guten Hafen und wurde im Vertrag an Großbritannien abgetreten. 1997 kehrte sie unter chinesische Hoheitsgewalt zurück.

Ging es in dem Krieg wirklich um Opium?

Opium spielte eine zentrale Rolle, war aber nicht der einzige Streitpunkt. Großbritannien wollte auch mehr Handel und diplomatische Gleichstellung. Die meisten Historiker sind sich heute einig, dass der Schutz des Opiumhandels ein wichtiges Kriegsziel war.

Unterstützten alle Menschen in Großbritannien den Krieg?

Nein. Kritiker im Parlament, darunter der junge Gladstone, nannten ihn ungerecht. Die Regierung überstand einen Misstrauensantrag mit nur neun Stimmen Vorsprung.

Wie unterscheiden sich die Erinnerungen an den Krieg in China und Großbritannien?

In China gilt er als Beginn eines Jahrhunderts der Demütigung und ausländischen Aggression. In Großbritannien sah man ihn lange als kleinen Kolonialkrieg um Handel; heutige britische Historiker beurteilen ihn deutlich kritischer.

Wie verlässlich sind die Opferzahlen?

Die britischen Verluste im Kampf sind recht gut dokumentiert. Für die getöteten chinesischen Soldaten und Zivilisten gibt es dagegen nur Schätzungen. Auch Todesfälle durch Krankheiten und Gewalt gegen Zivilisten sind schwer zu zählen.

Quellen und weiterführende Literatur

  1. First Opium War. Wikipedia
  2. Treaty of Nanking. Wikipedia
  3. Lin Zexu. Wikipedia
  4. Canton System. Wikipedia
  5. Peter C. Perdue, The First Opium War: The Anglo-Chinese War of 1839–1842. MIT Visualizing Cultures
  6. Julia Lovell, The Opium War: Drugs, Dreams and the Making of China. Picador, 2011
  7. Stephen R. Platt, Imperial Twilight: The Opium War and the End of China’s Last Golden Age. Alfred A. Knopf, 2018
  8. Mao Haijian, The Qing Empire and the Opium War: The Collapse of the Heavenly Dynasty. Cambridge University Press, 2016
  9. Man-houng Lin, China Upside Down: Currency, Society, and Ideologies, 1808–1856. Harvard University Asia Center, 2006

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Mit KI-Unterstützung auf Grundlage der oben aufgeführten veröffentlichten Quellen verfasst und bei neuen Forschungsergebnissen überarbeitet.

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