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Für junge Leser
Vor mehr als 2.000 Jahren lebten in dem Gebiet, in dem heute Frankreich, Belgien, die Schweiz und ein Teil Deutschlands liegen, viele Völker. Die Römer nannten sie Gallier. Jedes Volk hatte eigene Anführer. Viele Menschen lebten in großen Städten auf Hügeln, die von Mauern geschützt waren. Sie betrieben Landwirtschaft, verarbeiteten Metall und handelten. Ihre Priester hießen Druiden.
Im Jahr 58 v. Chr. wurde ein römischer Politiker und Feldherr namens Julius Caesar Statthalter der römischen Gebiete neben Gallien. Er wollte berühmt und mächtig werden und Geld gewinnen. Streit zwischen gallischen Völkern und der Umzug eines dieser Völker, der Helvetier, waren für ihn Gründe, mit seinem Heer nach Gallien zu ziehen.
Acht Jahre lang kämpfte Caesar gegen verschiedene gallische Völker. Er baute auch in nur zehn Tagen eine Brücke über den Rhein und fuhr zweimal mit Schiffen nach Britannien. Viele gallische Städte wurden zerstört. Viele Menschen wurden getötet oder als Sklaven verkauft.
Im Jahr 52 v. Chr. schlossen sich viele Gallier unter dem jungen Anführer Vercingetorix zusammen. Er gewann eine Schlacht bei Gergovia. Später schloss Caesar ihn in der Stadt Alesia auf einem Hügel ein. Die Römer bauten zwei lange Befestigungsringe: Einer hielt die Gallier in der Stadt fest, der andere sollte ein gallisches Entsatzheer draußen halten. Als die Hilfe scheiterte, ergab sich Vercingetorix.
Gallien wurde Teil der römischen Welt. Mit der Zeit begannen viele Menschen dort Latein zu sprechen. Aus dieser Sprache entwickelte sich später das Französische. Wir kennen die Geschichte vor allem aus Caesars eigenem Buch über den Krieg. Deshalb lesen Historiker es genau: Caesar wollte darin gut dastehen.
Auf einen Blick
- Zeitraum
- 58–50 v. Chr. (die größeren Kämpfe endeten 51 v. Chr.)
- Schauplatz
- Gallien (das heutige Frankreich, Belgien, Luxemburg, die Schweiz und Teile der Niederlande und Deutschlands), mit Feldzügen über den Rhein und nach Britannien
- Kriegsparteien
- Die Römische Republik unter dem Prokonsul Gaius Julius Caesar, mit gallischen und germanischen Verbündeten, gegen viele gallische, belgische, germanische und britannische Völker, die bisweilen auch gegeneinander kämpften
- Wichtige Personen
- Julius Caesar, Titus Labienus (Rom); Ariovist (Sueben); Ambiorix (Eburonen); Vercingetorix (Arverner); Commius (Atrebaten)
- Wichtige Ereignisse
- Feldzug gegen die Helvetier (58), Schlacht am Sabis (57), Krieg gegen die Veneter (56), Rheinbrücke und Britannienfeldzüge (55–54), Aufstand des Ambiorix (54–53), Avaricum, Gergovia und Alesia (52), Uxellodunum (51)
- Ergebnis
- Römische Eroberung Galliens; Caesar gewann gewaltigen Reichtum, ein treues Heer und Ansehen, die er im Bürgerkrieg ab 49 v. Chr. nutzte
- Hauptquelle
- Caesars Commentarii de Bello Gallico (Bücher 1–7), mit Buch 8 von seinem Offizier Aulus Hirtius
Einfach
Was war der Gallische Krieg?
Der Gallische Krieg bestand aus einer Reihe von Feldzügen, die der römische Prokonsul Julius Caesar zwischen 58 und 50 v. Chr. gegen die Völker Galliens und einige ihrer Nachbarn führte. Zu Beginn beherrschte Rom bereits die Mittelmeerküste Südfrankreichs (die Provinz Gallia Narbonensis) und Norditalien (Gallia Cisalpina). Am Ende stand ganz Gallien zwischen Pyrenäen, Alpen, Atlantik und Rhein unter römischer Herrschaft.
Es war kein einzelner Krieg gegen einen einzigen Gegner. Gallien war in Dutzende unabhängige Völker aufgeteilt, und Caesar kämpfte häufig mit einigen von ihnen als Verbündeten gegen andere. Erst 52 v. Chr. versuchte ein breites Bündnis unter Vercingetorix, die Römer zu vertreiben.
Der Gallische Krieg veränderte Westeuropa, machte Caesar zum mächtigsten Mann Roms und führte unmittelbar zu dem Bürgerkrieg, der die Römische Republik beendete. Aus ihm ging auch eines der bekanntesten Werke der lateinischen Literatur hervor: Caesars eigener Bericht, der mit dem Satz beginnt: „Ganz Gallien ist in drei Teile geteilt.“
Einfach
Gallien vor Caesar
Caesar beschrieb Gallien als dreigeteilt: Im Norden lebten die Belger, im Südwesten die Aquitanier und in der Mitte die Menschen, die sich selbst Kelten nannten und von den Römern Gallier genannt wurden. Das war eine Vereinfachung. Es gab vielleicht sechzig oder mehr Völker (civitates), darunter die Häduer, Arverner, Sequaner und Helvetier. Jedes hatte ein eigenes Gebiet, führende Adelsfamilien und Versammlungen. Die Rivalität zwischen ihnen war stark, besonders zwischen den Häduern auf der einen und den Arvernern und Sequanern auf der anderen Seite.
Archäologische Funde zeigen, dass Gallien im 2. und 1. Jahrhundert v. Chr. keineswegs das wilde Land war, das Klischees über „Barbaren“ zeichnen. Viele Menschen lebten in großen befestigten Siedlungen, sogenannten Oppida, etwa Bibracte (Mont Beuvray) und Gergovia. Dort gab es Straßen, Werkstätten, Münzen und Fernhandel. Gallier importierten große Mengen italienischen Weins; manche schrieben ihre eigene Sprache mit griechischen Buchstaben.
Eine wichtige Rolle in der gallischen Religion spielten die Druiden. Nach Caesar waren sie eine gebildete Gruppe, die als Priester, Richter und Lehrer tätig war. Vieles, was über sie berichtet wird, stammt aus Caesars sechstem Buch sowie von späteren griechischen und römischen Autoren. Unser Bild von ihnen ist daher lückenhaft.
Mittel
Ursachen: Caesars Ehrgeiz und die Politik Roms
Als Konsul erhielt Caesar 59 v. Chr. im Bündnis mit Pompeius und Crassus (dem sogenannten Ersten Triumvirat) einen ungewöhnlich langen, fünfjährigen Oberbefehl über Gallia Cisalpina und Illyricum; der Senat fügte anschließend Gallia Transalpina hinzu. Durch seine politische Laufbahn war Caesar hoch verschuldet. Ein großer Krieg versprach ihm Beute, mit der er seine Schulden begleichen und seine Anhänger belohnen konnte, außerdem ein treues Heer und den Ruhm, den er brauchte, um mit Pompeius zu konkurrieren.
Der unmittelbare Anlass ergab sich 58 v. Chr., als die Helvetier, ein Volk aus dem Gebiet der heutigen Schweiz, nach Westen ziehen und dabei römisches Gebiet durchqueren wollten. Caesar verweigerte ihnen den Durchzug, folgte ihnen dann in das Gebiet der mit Rom verbündeten Häduer und besiegte sie bei Bibracte. Anschließend wandte er sich auf Bitten gallischer Anführer gegen Ariovist, einen germanischen König der Sueben, der sich westlich des Rheins niedergelassen hatte. Noch im Jahr zuvor, während Caesars eigenem Konsulat, hatte der Senat Ariovist allerdings als „Freund des römischen Volkes“ anerkannt.
In seinen Commentarii stellt Caesar jeden Feldzug als Abwehr einer Bedrohung Roms oder seiner Verbündeten dar. Die meisten heutigen Historiker halten diese Begründungen teils für berechtigt, teils für vorgeschoben. Sie sind sich einig, dass die Eroberung ganz Galliens Caesars persönlichen politischen Zielen ebenso diente wie der Sicherheit Roms.
Mittel
Die Kriegsparteien: Caesars Heer und die Völker Galliens
Caesar begann 58 v. Chr. mit vier Legionen, stellte rasch zwei weitere auf und befehligte 52 v. Chr. zehn oder mehr. Einige hatte er eigenmächtig in Gallia Cisalpina ausgehoben. Eine Legion umfasste auf dem Papier etwa 5.000 schwer bewaffnete Fußsoldaten, doch im Feld waren die Einheiten oft kleiner. Daneben kämpften Hilfstruppen: numidische und kretische Bogenschützen, balearische Schleuderer und vor allem Reiter gallischer Verbündeter sowie ab 52 v. Chr. angeworbene germanische Reiter. Caesars wichtigster Stellvertreter war Titus Labienus, der sich im Bürgerkrieg später Pompeius anschloss.
Auf der Gegenseite gab es keinen einheitlichen Feind. Adlige mit Gefolgschaften führten die gallischen Völker an; ihre Reiterei galt als besonders stark. Ihre Fußsoldaten kämpften tapfer, waren in langen Feldzügen aber schwerer zusammenzuhalten. Manche Völker, etwa die Remer im Norden und während des größten Teils des Krieges die Häduer, waren Verbündete Roms und profitierten von Caesars Siegen über ihre Rivalen. Auch innerhalb vieler Völker stritten Gruppen darüber, ob sie mit Rom zusammenarbeiten sollten. Caesar setzte häufig romfreundliche Anführer ein oder unterstützte sie.
Diese Verhältnisse sind wichtig, um den Krieg zu verstehen. Die Spaltungen zwischen den gallischen Völkern und die gallischen Soldaten in Caesars Heer trugen zu seiner Eroberung bei. Der große Aufstand von 52 v. Chr. war gerade deshalb außergewöhnlich, weil er diese Spaltungen für kurze Zeit überwand.
Mittel
Der Kriegsverlauf, 58–53 v. Chr.
58 v. Chr.: Caesar besiegte die Helvetier und drängte Ariovist über den Rhein zurück. Laut Caesar kehrten von 368.000 Helvetiern nur etwa 110.000 in ihre Heimat zurück; heutige Forscher halten seine Zahlen für stark übertrieben. 57 v. Chr.: Er führte Krieg gegen die belgischen Völker im Norden. Am Fluss Sabis (wahrscheinlich der Sambre) überraschten die Nervier sein Heer und hätten es beinahe vernichtet, bevor Caesar seine Truppen wieder sammelte. Nach der Belagerung der Aduatuker verkaufte Caesar nach eigener Aussage 53.000 Menschen in die Sklaverei.
56 v. Chr.: Die Veneter in der Bretagne, ein seefahrendes Volk, hielten römische Offiziere fest. Caesar baute eine Flotte, besiegte sie auf See, ließ ihren Rat hinrichten und verkaufte die übrige Bevölkerung in die Sklaverei. Im selben Jahr vereinbarten Caesars Verbündete bei einem Treffen in Luca die Verlängerung seines Oberbefehls um fünf Jahre. 55 v. Chr.: Als die germanischen Usipeter und Tenkterer den Rhein überquerten, ließ Caesar ihre Gesandten während der Verhandlungen festsetzen und griff ihr Lager an. Dabei wurden Männer, Frauen und Kinder getötet. Caesar nennt die unglaubhaft hohe Zahl von 430.000 Angehörigen dieser Völker. In Rom schlug Cato vor, Caesar wegen Wortbruchs an die Germanen auszuliefern. Danach ließ Caesar als Machtdemonstration in zehn Tagen eine Brücke über den Rhein bauen und unternahm einen kurzen Feldzug nach Britannien.
54 v. Chr.: Ein größerer Feldzug nach Britannien zwang den britannischen Anführer Cassivellaunus, Geiseln zu stellen und Tributzahlungen zu versprechen. Im folgenden Winter brachte Ambiorix von den Eburonen eine römische Besatzung mit einer List dazu, ihr Lager zu verlassen, und vernichtete sie. Etwa fünfzehn Kohorten kamen dabei ums Leben. Andere Gallier belagerten das Lager des Quintus Cicero, bis Caesar es entsetzte. 53 v. Chr.: Als Vergeltung verwüstete Caesar das Land der Eburonen und lud benachbarte Völker ein, es zu plündern. Nach seinen eigenen Worten wollte er ihren Namen auslöschen. Ambiorix entkam und wurde nie gefasst.
Mittel
Der große Aufstand von 52 v. Chr.: Avaricum, Gergovia und Alesia
Anfang 52 v. Chr., während Caesar in Italien war, töteten gallische Aufständische römische Händler in Cenabum (Orléans). Anhänger des jungen arvernischen Adligen Vercingetorix riefen ihn zum König aus, und er schmiedete ein Bündnis vieler gallischer Völker. Seine Strategie war, offene Feldschlachten zu vermeiden, Höfe und Städte niederzubrennen, damit die Römer keine Nahrung fanden, und ihre Nachschubwege anzugreifen.
Die Bituriger brachten es nicht über sich, Avaricum (Bourges), ihre schönste Stadt, niederzubrennen, und verteidigten sie stattdessen. Caesar belagerte und erstürmte die Stadt. Nach seiner Darstellung entkamen von etwa 40.000 Menschen darin kaum 800. Danach griff Caesar Gergovia an, das wichtigste Oppidum der Arverner. Sein Angriff scheiterte unter schweren Verlusten – es war seine schwerste persönlich erlittene Niederlage in Gallien. Nun schlossen sich sogar die Häduer, Roms älteste Verbündete in Gallien, dem Aufstand an.
Vercingetorix zog sich mit seinem Heer nach Alesia zurück, einem Oppidum der Mandubier auf einem Hügel. Caesar umgab es mit einem etwa 15 km langen inneren Befestigungsring und einem etwa 20 km langen äußeren Ring, der gegen ein Entsatzheer gerichtet war. Um Nahrung zu sparen, schickten die Mandubier ihre Frauen, Kinder und alten Menschen aus der Stadt. Caesar ließ sie nicht durch seine Linien; sie blieben zwischen den Befestigungen zurück, wo sie vermutlich starben. Ein großes gallisches Entsatzheer, dessen Stärke Caesar mit 250.000 Fußsoldaten und 8.000 Reitern angibt (Zahlen, die heutige Historiker bezweifeln), griff von außen an, während Vercingetorix von innen angriff. Nach mehreren Tagen schlugen die Römer beide Angriffe zurück. Vercingetorix ergab sich.
Caesar verteilte Gefangene als Sklaven an seine Soldaten, einen pro Mann. Die Häduer und Arverner ließ er ausnehmen und frei, um ihre Treue zurückzugewinnen. Vercingetorix blieb sechs Jahre in Gefangenschaft, wurde 46 v. Chr. bei Caesars Triumphzug in Rom vorgeführt und anschließend hingerichtet.
Mittel
Das Ende des Krieges und seine Folgen
51 v. Chr. hielt der Widerstand an. Bei Uxellodunum im Südwesten Galliens schnitt Caesar die Verteidiger von der Wasserversorgung ab. Nachdem sie sich ergeben hatten, ließ er laut Buch 8 allen, die Waffen getragen hatten, als Warnung für andere die Hände abschlagen. Um 50 v. Chr. war Gallien weitgehend unterworfen. Im Januar 49 v. Chr. überschritt Caesar mit seinem Heer den Rubikon und begann den Bürgerkrieg gegen Pompeius und den Senat.
Für Gallien waren die unmittelbaren Folgen verheerend. Antike Autoren nennen gewaltige Zahlen: Plutarch zufolge kämpfte Caesar gegen drei Millionen Menschen, tötete eine Million und versklavte eine weitere Million. Plinius der Ältere beziffert die Zahl der Toten in Caesars Kriegen, ohne die Bürgerkriege, auf 1.192.000. Diese Zahlen lassen sich nicht überprüfen und sind wahrscheinlich überhöht. Doch die Zerstörung von Städten, die Massaker an ganzen Gemeinschaften und die massenhafte Versklavung, die Caesar selbst beschreibt, zeigen, dass das menschliche Leid ungeheuer war. Caesar erhob einen Tribut, den Sueton mit vierzig Millionen Sesterzen im Jahr beziffert.
Auf lange Sicht wurde Gallien zu einem der wichtigsten Teile des Römischen Reiches. Unter Augustus wurde es in Provinzen gegliedert. Städte wie Lugdunum (Lyon) wurden Zentren der römischen Verwaltung. Gallische Adlige erhielten das römische Bürgerrecht, und unter Kaiser Claudius zogen einige in den römischen Senat ein. Latein verdrängte allmählich die gallische Sprache; daraus entwickelten sich das Französische und andere romanische Sprachen. Für Rom verlagerte die Eroberung den Schwerpunkt des Reiches nach West- und Nordeuropa.
Mittel
Erinnerung an Caesar, Vercingetorix und „unsere Vorfahren, die Gallier“
Für die Römer und später über Jahrhunderte für europäische Bildungsschichten galt der Gallische Krieg als Caesars Leistung und als Beispiel für militärische Führung und klare lateinische Prosa. Generationen von Schulkindern lernten anhand der Commentarii Latein, oft ohne die gallische Seite der Geschichte zu bedenken.
Im Frankreich des 19. Jahrhunderts erklärten Historiker wie Amédée Thierry die Gallier zu nationalen Vorfahren; Vercingetorix wurde zum Symbol des Widerstands gegen fremde Eroberer. Kaiser Napoleon III. förderte in den 1860er Jahren Ausgrabungen bei Alise-Sainte-Reine, schrieb eine Geschichte Julius Caesars und ließ dort 1865 eine riesige Statue des Vercingetorix errichten. Nach der Niederlage gegen Preußen 1870/71 stand Vercingetorix für eine heldenhafte Niederlage und künftige Vergeltung. Schulbücher der Dritten Republik sprachen von „nos ancêtres les Gaulois“ („unsere Vorfahren, die Gallier“) – eine Wendung, die später sogar Kindern in kolonisierten Gebieten Afrikas und Asiens beigebracht wurde. Die 1959 begonnene Comicreihe Asterix machte daraus ein humorvolles Thema.
Auch andere Länder haben ihre eigenen Erinnerungen. In Belgien wurden Caesars Bemerkung, die Belger seien die tapfersten Gallier, und die Gestalt des Ambiorix, dessen Statue seit 1866 in Tongern steht, Teil der nationalen Identität. In Britannien gelten Caesars Feldzüge häufig als Beginn der schriftlich überlieferten Geschichte der Insel. Heutige Forscher und Museen, etwa der MuséoParc Alésia und das archäologische Zentrum in Bibracte, zeigen den Krieg zunehmend auch aus gallischer Sicht. Viele Historiker bezeichnen ihn inzwischen ausdrücklich als Eroberungskrieg, der von massiver Gewalt geprägt war.
Fortgeschritten
Quellen: Caesars Commentarii und ihre Grenzen
Die wichtigste Quelle sind Caesars Commentarii de Bello Gallico: sieben Bücher, die jeweils ein Jahr von 58 bis 52 v. Chr. behandeln und in einem schlichten, scheinbar sachlichen Stil in der dritten Person geschrieben sind. Cicero lobte sie als „schlicht, geradlinig und anmutig“. Buch 8 über die Jahre 51–50 v. Chr. ergänzte Caesars Offizier Aulus Hirtius nach dessen Tod. Forscher diskutieren, ob Caesar jedes Jahr Berichte nach Rom schickte, die später gesammelt wurden, oder ob er das ganze Werk 52–51 v. Chr. rasch niederschrieb. In jedem Fall sollte es die öffentliche Meinung in Rom beeinflussen, während Caesar abwesend war.
Caesars Bericht ist unverzichtbar, dient aber auch seinen eigenen Interessen. Er rechtfertigt jeden Feldzug, hebt Gefahren sowie seine eigene Schnelligkeit und Milde hervor, gibt Untergebenen die Schuld an Niederlagen und nennt oft unglaubhaft hohe Zahlen für die Gegner. Schon in der Antike hielt Asinius Pollio die Commentarii laut Sueton für wenig sorgfältig im Umgang mit der Wahrheit. Die Beschreibungen der Völker Galliens, Germaniens und Britanniens, besonders in den Büchern 5 und 6, sind wertvoll, aber von griechischen Traditionen der Völkerbeschreibung und von Caesars Absichten geprägt.
Andere Quellen sind später entstanden und stützen sich vielfach auf ältere Berichte: Plutarchs Caesarbiografie, Sueton, Appian (nur bruchstückhaft erhalten), Cassius Dio und einige Bemerkungen in Ciceros Briefen. Manche dieser Briefe stammen von seinem Bruder Quintus, der in Gallien diente. Ein Bericht aus gallischer Feder ist nicht erhalten. Um die gallische Sicht zu erschließen, nutzen Historiker archäologische Funde und Münzen gallischer Anführer, darunter Vercingetorix, und lesen Caesars Text kritisch.
Fortgeschritten
Archäologie und Debatten der Geschichtsforschung
Die Schauplätze der Schlachten zu bestimmen, beschäftigt die Forschung seit Langem. Bei Napoleon III. veranlassten Ausgrabungen in Alise-Sainte-Reine wurden Gräben, Waffen und Münzen gefunden. Dennoch war die Gleichsetzung des Ortes mit Alesia mehr als ein Jahrhundert lang umstritten; als Alternative wurde etwa Chaux-des-Crotenay im Jura vorgeschlagen. Deutsch-französische Ausgrabungen von 1991 bis 1997 bestätigten zur Zufriedenheit der meisten Fachleute die römischen Belagerungsanlagen bei Alise-Sainte-Reine. Zugleich zeigten sie, dass Caesar sie vereinfacht beschrieben hatte. Gergovia wurde auf einer Hochebene nahe Clermont-Ferrand verortet. Uxellodunum wird meist mit dem Puy d’Issolud gleichgesetzt, wo zahlreiche römische Pfeilspitzen und Spuren der Tunnel gefunden wurden, mit denen eine Quelle unterbrochen werden sollte.
Über das Ausmaß der Gewalt wird besonders intensiv diskutiert. Einige Historiker bezeichnen Caesars Vorgehen gegen die Usipeter und Tenkterer oder die Eburonen als völkermörderisch; bei den Eburonen erklärte Caesar selbst, er wolle ein ganzes Volk vernichten. Andere warnen davor, heutige Rechtsbegriffe auf antike Kriege anzuwenden oder Caesars überhöhten Zahlen zu vertrauen. Neue archäologische Funde haben die Diskussion erweitert, darunter 2015 gemeldete menschliche Überreste in großer Zahl bei Kessel in den Niederlanden. Die Ausgräber brachten sie mit dem Massaker von 55 v. Chr. in Verbindung, doch solche Zuordnungen bleiben umstritten.
Eine weitere Debatte betrifft die gallische Gesellschaft und die Folgen der Eroberung. Ältere Darstellungen sahen darin die „Zivilisierung“ von „Barbaren“. Die Archäologie der Oppida zeigt dagegen eine Gesellschaft, in der bereits Städte und staatliche Strukturen entstanden und die eng mit der Wirtschaft des Mittelmeerraums verbunden war. Historiker fragen heute, wie gallische Eliten mit der römischen Herrschaft umgingen, wie viel gallische Kultur unter Rom erhalten blieb und in welchem Maß das Bild eines geeinten „Gallien“ erst durch Caesars Erzählung entstand.
Schlachten (21)
- Schlacht bei Magetobriga63 v. Chr.
- Schlacht bei Bibracte58 v. Chr.
- Schlacht am Arar58 v. Chr.
- Schlacht im Elsass58 v. Chr.
- Battle of Cavillonum58 v. Chr.
- Schlacht an der Sambre57 v. Chr.
- Schlacht von Axona57 v. Chr.
- Schlacht von Octodurum57–56 v. Chr.
- Siege of the Atuatuci57 v. Chr.
- Caesars Britannienfeldzüge56 v. Chr.
- Battle of Morbihan56 v. Chr.
- Battle of Vernix56 v. Chr.
- Ambiorix's Revolt54 v. Chr.
- Siege of Namur54 v. Chr.
- Schlacht um Alesia52 v. Chr.
- Schlacht von Gergovia52 v. Chr.
- Schlacht um Avaricum52 v. Chr.
- Schlacht von Lutetia52 v. Chr.
- Schlacht um Avaricum52 v. Chr.
- Schlacht am Armançon52 v. Chr.
- Siege of Uxellodunum51 v. Chr.
Kernideen
- Eroberung für persönliche Macht
- Caesars Feldzüge dienten seiner politischen Laufbahn in Rom ebenso wie der Abwehr möglicher Bedrohungen. Sie verschafften ihm Reichtum, Soldaten und Ruhm.
- Teile und herrsche
- Caesar nutzte Rivalitäten zwischen gallischen Völkern und kämpfte mit einigen als Verbündeten gegen andere.
- Oppida
- Große befestigte gallische Siedlungen, die zeigen, dass in Gallien schon vor der römischen Eroberung Städte entstanden.
- Belagerungskrieg
- Die römische Ingenieurskunst war entscheidend – vom Bau der Rheinbrücke bis zu den beiden Befestigungsringen bei Alesia.
- Taktik der verbrannten Erde
- Vercingetorix ließ Nahrungsvorräte vernichten, um das römische Heer auszuhungern, statt ihm in offener Feldschlacht zu begegnen.
- Massengewalt und Versklavung
- Wie Caesars eigener Text zeigt, gehörten Massaker und der Verkauf ganzer Bevölkerungsgruppen zu seinen Methoden.
- Selbstdarstellung
- Die Commentarii sind ein politischer Text, der das Bild der Römer von Caesar prägen sollte und kritisch gelesen werden muss.
Einträge
- 59 v. Chr. — Caesar ist Konsul und erhält einen fünfjährigen Oberbefehl in den gallischen Provinzen (59 v. Chr.).
- 58 v. Chr. — Caesar besiegt die Helvetier bei Bibracte und drängt Ariovist über den Rhein zurück (58 v. Chr.).
- 57 v. Chr. — Feldzug gegen die Belger; am Sabis entgeht Caesar knapp einer Niederlage und siegt schließlich (57 v. Chr.).
- 56 v. Chr. — Krieg gegen die Veneter; die Konferenz von Luca verlängert Caesars Oberbefehl (56 v. Chr.).
- 55 v. Chr. — Massaker an den Usipetern und Tenkterern; Rheinbrücke; erster Feldzug nach Britannien (55 v. Chr.).
- 54 v. Chr. — Zweiter Feldzug nach Britannien; Ambiorix vernichtet eine römische Besatzung (54 v. Chr.).
- 53 v. Chr. — Caesar verwüstet das Land der Eburonen (53 v. Chr.).
- 52 v. Chr. — Aufstand des Vercingetorix: Avaricum, Gergovia und die Belagerung von Alesia (52 v. Chr.).
- 51 v. Chr. — Belagerung von Uxellodunum; letzter größerer Widerstand (51 v. Chr.).
- 49 v. Chr. — Caesar überschreitet den Rubikon und beginnt den Bürgerkrieg (49 v. Chr.).
- 46 v. Chr. — Vercingetorix wird bei Caesars Triumphzug vorgeführt und hingerichtet (46 v. Chr.).
- 1865 — Napoleon III. lässt in Alise-Sainte-Reine die Statue des Vercingetorix errichten.
Glossar
- Gallien (Gallia)
- Die römische Bezeichnung für die von Galliern bewohnten Gebiete, vor allem im heutigen Frankreich, Belgien und den angrenzenden Regionen sowie in Norditalien (Gallia Cisalpina).
- Prokonsul
- Ein ehemaliger Konsul, der eine Provinz verwaltete und ihr Heer befehligte.
- Civitas
- Die römische Bezeichnung für ein gallisches Volk oder Gemeinwesen, etwa die Häduer oder Arverner.
- Oppidum
- Eine große befestigte Siedlung der späten Eisenzeit in Gallien und Mitteleuropa.
- Druiden
- Die gebildete Gruppe der gallischen Gesellschaft, deren Mitglieder als Priester, Richter und Lehrer tätig waren.
- Legion
- Die wichtigste Einheit des römischen Heeres, die auf dem Papier etwa 4.800–5.000 schwer bewaffnete Fußsoldaten in zehn Kohorten umfasste.
- Zirkumvallation
- Ein Ring aus Befestigungen um einen belagerten Ort; bei Alesia kam eine nach außen gerichtete Linie, die Kontravallation, hinzu.
- Commentarii
- „Aufzeichnungen“ oder „Erinnerungen“; Caesars in der dritten Person verfasste Berichte über seine Kriege.
- Triumphzug
- Ein römischer Siegeszug durch die Stadt, bei dem Gefangene und Beute vorgeführt wurden.
- Erstes Triumvirat
- Das informelle politische Bündnis zwischen Caesar, Pompeius und Crassus, das um 60–59 v. Chr. entstand.
Fragen und Antworten
Warum fiel Caesar in Gallien ein?
Er sagte, er schütze Rom und seine Verbündeten vor gefährlichen Wanderbewegungen und Angriffen. Historiker sind sich einig, dass er auch Geld für seine Schulden, ein treues Heer und Ruhm im Wettbewerb mit Pompeius brauchte.
Wer war Vercingetorix?
Er war ein junger Adliger der Arverner, der 52 v. Chr. viele gallische Völker im Kampf gegen Rom vereinte. Er siegte bei Gergovia, wurde aber in Alesia eingeschlossen und ergab sich. Sechs Jahre später wurde er in Rom hingerichtet.
Wie viele Menschen starben im Gallischen Krieg?
Antike Autoren behaupten, etwa eine Million Menschen seien getötet und eine weitere Million versklavt worden. Diese Zahlen lassen sich nicht überprüfen und sind wahrscheinlich überhöht. Historiker sind sich jedoch einig, dass die Verluste gewaltig waren.
Fuhr Caesar wirklich nach Britannien?
Ja, zweimal, 55 und 54 v. Chr. Er gewann einige Schlachten, erhielt Geiseln und Tributzusagen, eroberte Britannien aber nicht. Dessen Eroberung begann unter Kaiser Claudius im Jahr 43 n. Chr.
Können wir Caesars eigenem Buch vertrauen?
Es ist unsere ausführlichste Quelle und stammt von einem Augenzeugen, dient aber auch Caesars politischer Selbstdarstellung. Historiker vergleichen es mit archäologischen Funden und anderen Autoren und achten darauf, was Caesar verschweigt.
Wo lag Alesia?
Die meisten Fachleute verorten es auf dem Mont Auxois bei Alise-Sainte-Reine in Burgund. Dort wurden bei Ausgrabungen in den 1860er und 1990er Jahren römische Belagerungsanlagen gefunden. Einige vertreten weiterhin andere Standorte.
Warum nennen Franzosen die Gallier ihre Vorfahren?
Im 19. Jahrhundert machten französische Historiker und Schulbücher die Gallier und Vercingetorix zu Symbolen der Nation. Heutige Historiker sehen darin einen nationalen Mythos, denn die Bevölkerung Frankreichs hat viele verschiedene Ursprünge.
Quellen und weiterführende Literatur
- Caesar, The Gallic War (trans. W. A. McDevitte and W. S. Bohn, 1869). Perseus Digital Library, Tufts University
- Gallic Wars. Wikipedia
- Guerre des Gaules. Wikipédia
- Commentarii de Bello Gallico. Wikipedia
- Vercingetorix. Wikipedia
- Battle of Alesia. Wikipedia
- Gauls. Wikipedia
- Bibracte. Wikipedia
- Adrian Goldsworthy, Caesar: Life of a Colossus. Yale University Press, 2006
- Kurt A. Raaflaub (ed.), The Landmark Julius Caesar. Pantheon Books, 2017
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Mit KI-Unterstützung auf Grundlage der oben aufgeführten veröffentlichten Quellen verfasst und bei neuen Forschungsergebnissen überarbeitet.