Beginnen Sie oben mit einer einfachen Einführung. Weiter unten finden Sie mehr Details und Forschungsergebnisse.
- Einfach
- Mittel
- Fortgeschritten
Für junge Leser
Viele Jahrhunderte lang schickten die Könige von Korea, das damals Joseon hieß, Geschenke und höfliche Briefe an die Kaiser von China. China war in Ostasien wie ein großer Bruder. Doch gegen Ende des 19. Jahrhunderts veränderte sich Japan schnell. Es baute moderne Fabriken, Schiffe und ein Heer auf und wollte selbst die wichtigste Macht sein.
1894 wehrten sich viele arme Bauern in Korea gegen ungerechte Steuern und habgierige Beamte. Sie gehörten zur Donghak-Bewegung. Donghak bedeutet „Östliche Lehre“. Der koreanische König bat China um Soldaten. Daraufhin schickte auch Japan Soldaten und erklärte, es dürfe das ebenfalls tun.
Bald kämpften die chinesischen und japanischen Heere gegeneinander. Die Kämpfe fanden aber in Korea statt und nicht in ihren eigenen Ländern. Japanische Soldaten besetzten sogar den Palast des koreanischen Königs. Es gab Seeschlachten vor Korea und Kämpfe an Land, etwa bei Pjöngjang. Später wurde auch im Nordosten Chinas gekämpft.
Japan gewann den Krieg. Im Friedensvertrag musste China sehr viel Silber zahlen und die Insel Taiwan an Japan abgeben. China musste auch anerkennen, dass Korea nicht mehr sein jüngerer Partner war.
Für die Menschen in Korea war der Krieg schrecklich. Ihr Land wurde zum Schlachtfeld, viele Bauern wurden getötet, und kurz darauf ermordeten japanische Täter die Königin. Der Krieg war ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur japanischen Herrschaft über Korea fünfzehn Jahre später.
Auf einen Blick
- Zeitraum
- 23.–25. Juli 1894 (erste Kämpfe) / 1. August 1894 (Kriegserklärungen) – 17. April 1895 (Vertrag von Shimonoseki)
- Schauplätze
- Korea (Joseon), das Gelbe Meer, die südliche Mandschurei (Halbinsel Liaodong), Shandong (Weihaiwei); später Taiwan und Penghu
- Kriegsparteien
- Japanisches Kaiserreich gegen das China der Qing-Dynastie. Joseon war offiziell neutral, aber besetzt; koreanische Regierungstruppen kämpften an Japans Seite gegen das Donghak-Bauernheer
- Wichtige Personen
- Japan: Kaiser Meiji, Itō Hirobumi, Mutsu Munemitsu, Yamagata Aritomo, Itō Sukeyuki. Qing-China: Kaiser Guangxu, Kaiserinwitwe Cixi, Li Hongzhang, Ding Ruchang. Korea: König Gojong, Heungseon Daewongun, Kim Hong-jip, Jeon Bong-jun (Donghak)
- Wichtige Schlachten
- Pungdo (Seeschlacht), Seonghwan, Pjöngjang, Yalu-Fluss / Gelbes Meer (Seeschlacht), Port Arthur, Weihaiwei; Ugeumchi (japanische und koreanische Regierungstruppen gegen das Donghak-Heer)
- Ergebnis
- Sieg Japans. China erkannte Koreas „Unabhängigkeit“ an, trat Taiwan und Penghu ab und zahlte 200 Millionen Tael; nach der Dreierintervention gab Japan Liaodong gegen weitere 30 Millionen Tael zurück
- Opfer
- Japan: etwa 1.100 Gefallene und mehr als 11.000 Tote durch Krankheiten. Qing-China: Zehntausende Tote oder Verwundete (Zahlen unsicher). Donghak-Bauern: Zehntausende oder mehr (umstritten)
Einfach
Was war der Erste Japanisch-Chinesische Krieg?
Der Erste Japanisch-Chinesische Krieg wurde vom Sommer 1894 bis zum Frühjahr 1895 zwischen der chinesischen Qing-Dynastie und dem Japanischen Kaiserreich geführt. Im Mittelpunkt stand die Frage, wer Korea kontrollieren würde, das damals von der Joseon-Dynastie regiert wurde. Ein großer Teil des Krieges fand in Korea und den umliegenden Gewässern statt. Korea hatte sich nicht für einen Krieg entschieden, litt aber schwer darunter.
Jedes Land erinnert sich unter einem anderen Namen an den Krieg. In Korea heißt er Cheong-il jeonjaeng (Qing-Japan-Krieg). Im Chinesischen heißt er Jiawu-Krieg, nach der Bezeichnung des Jahres 1894 im traditionellen Sechzigjahreszyklus. Im Japanischen heißt er Nisshin sensō (Japan-Qing-Krieg). Schon die Namen zeigen, dass dieselben Ereignisse je nach Blickwinkel unterschiedlich erscheinen.
Japan siegte schnell und eindeutig. Sein modernes Heer und seine Marine besiegten die größeren, aber schlecht koordinierten Qing-Streitkräfte an Land und auf See. Der Vertrag von Shimonoseki zwang China im April 1895, seine besondere Beziehung zu Korea aufzugeben, Taiwan abzutreten und eine enorme Kriegsentschädigung zu zahlen.
Der Krieg gilt als Wendepunkt in der Geschichte Ostasiens. Er beendete eine jahrhundertealte Ordnung mit China im Zentrum, machte Japan zu einer imperialen Macht, verstärkte in China den Druck zu Reformen und Revolution und leitete für Korea den Verlust seiner Unabhängigkeit ein.
Einfach
Hintergrund: Eine alte Ordnung unter Druck
Jahrhundertelang gehörte das Korea der Joseon-Dynastie zu einem Tributsystem mit China als Zentrum. Die koreanischen Könige erhielten vom chinesischen Kaiser die Bestätigung ihrer Herrschaft und entsandten regelmäßig Gesandtschaften, regelten ihre inneren Angelegenheiten jedoch selbst. Im 19. Jahrhundert geriet diese Ordnung in Konflikt mit westlichen Vorstellungen von Souveränität, nach denen ein Staat entweder unabhängig war oder nicht.
Nach der Meiji-Restauration von 1868 baute Japan rasch einen modernen Staat und ein modernes Militär auf. 1876 zwang es Korea zum Vertrag von Ganghwa. Darin wurde Korea nach westlichem Verständnis als „unabhängiger Staat“ bezeichnet, um es von China zu lösen. Die Qing-Regierung versuchte ihrerseits, ihren Einfluss zu festigen. Nach einem Soldatenaufstand in Seoul 1882, dem Imo-Zwischenfall, wurden Qing-Truppen in Korea stationiert. Später wurde Yuan Shikai zum mächtigen Vertreter der Qing-Regierung in Seoul.
Im Dezember 1884 versuchte eine Gruppe junger koreanischer Reformer unter Kim Ok-gyun mit japanischer Unterstützung einen Staatsstreich, den Gapsin-Putsch. Qing-Truppen schlugen ihn innerhalb weniger Tage nieder. 1885 unterzeichneten Li Hongzhang und Itō Hirobumi die Konvention von Tianjin. Beide Länder zogen ihre Truppen aus Korea ab und versprachen, einander vor einer erneuten Entsendung zu benachrichtigen. Diese Vereinbarung lieferte 1894 einen rechtlichen Vorwand für den Krieg.
Anfang der 1890er Jahre betrachteten japanische Politiker Korea als entscheidend für Japans Sicherheit. Ministerpräsident Yamagata Aritomo sprach 1890 davon, dass Korea innerhalb von Japans „Interessensphäre“ liege. Die Qing hatten inzwischen die Beiyang-Flotte aufgebaut, eine der größten Marinen Asiens. Ihre Finanzierung war jedoch ungleichmäßig und ihre Führung zersplittert. Im März 1894 wurde Kim Ok-gyun in Shanghai von einem koreanischen Attentäter ermordet. Sein Leichnam wurde in Korea verstümmelt, was die japanische Öffentlichkeit empörte.
Einfach
Die Donghak-Bauernrevolution: der Auslöser
Donghak, „Östliche Lehre“, war eine Religion, die Choe Je-u 1860 gründete. Sie lehrte, dass der Himmel in jedem Menschen wohne, und gab einfachen Menschen Hoffnung. Ihr Name grenzte sie von der „Westlichen Lehre“, dem Katholizismus, ab. Die Regierung ließ Choe 1864 hinrichten, doch die Bewegung verbreitete sich unter Bauern, besonders im Südwesten.
Anfang 1894 erhoben sich Bauern im Landkreis Gobu in der Provinz Jeolla gegen einen korrupten Bezirksvorsteher. Der Donghak-Anführer Jeon Bong-jun machte aus diesem örtlichen Aufstand eine größere Bewegung. Sein Bauernheer besiegte Regierungstruppen bei Hwangtohyeon und zog Ende Mai 1894 in die Provinzhauptstadt Jeonju ein. Die Bauern forderten ein Ende von Korruption, ungerechten Steuern und Machtmissbrauch durch Beamte und Grundbesitzer. Auch wandten sie sich gegen wirtschaftliche Eingriffe aus dem Ausland.
Die beunruhigte Joseon-Regierung bat die Qing um Truppen. Im Juni landeten etwa 2.800 chinesische Soldaten bei Asan. Japan berief sich auf die Konvention von Tianjin und schickte eine größere Streitmacht nach Incheon und Seoul. Unterdessen schlossen das Bauernheer und die Regierung in Jeonju einen Waffenstillstand. Die Bauern richteten örtliche Ämter namens Jipgangso ein, um Reformen durchzuführen. Der Anlass für die Anwesenheit ausländischer Truppen war damit weitgehend entfallen, doch weder Japan noch China zog seine Soldaten ab.
Japan schlug vor, dass beide Länder die koreanische Regierung gemeinsam „reformieren“ sollten. Als die Qing dies ablehnten, beschloss Japan, allein zu handeln. Der Bauernaufstand hatte als Protest gegen Ungerechtigkeit im eigenen Land begonnen und wurde nun zum Anlass für einen Krieg zwischen zwei ausländischen Mächten auf koreanischem Boden.
Mittel
Verlauf des Krieges
Besetzung des Palastes (23. Juli 1894). Noch vor einer Kriegserklärung griffen japanische Truppen den Königspalast Gyeongbokgung in Seoul an, besetzten ihn und brachten König Gojong unter ihre Kontrolle. Sie setzten den Vater des Königs, Heungseon Daewongun, als nominelles Regierungsoberhaupt ein. Bald unterstützten sie ein neues Kabinett unter Kim Hong-jip, das die Gabo-Reformen einleitete. Die neue Regierung „bat“ Japan daraufhin, die Qing-Truppen aus Korea zu vertreiben.
Erste Schlachten (Juli–September 1894). Am 25. Juli griff die japanische Marine Qing-Schiffe nahe der Insel Pungdo an. Das britische Transportschiff Kowshing mit Qing-Soldaten an Bord wurde versenkt; viele Hundert Soldaten ertranken. An Land besiegten japanische Streitkräfte am 29. Juli die Qing bei Seonghwan nahe Asan. Beide Länder erklärten am 1. August offiziell den Krieg. Am 15. und 16. September eroberten die Japaner Pjöngjang. Am 17. September besiegten sie die Beiyang-Flotte in der Schlacht am Yalu, die in China als Schlacht im Gelben Meer bekannt ist, und versenkten mehrere Schiffe. Der chinesische Kapitän Deng Shichang, der mit seinem Kreuzer Zhiyuan unterging, wurde in China zum Nationalhelden.
Vormarsch nach China (Oktober 1894–Februar 1895). Japanische Heere überquerten den Yalu in Richtung Mandschurei und landeten auf der Halbinsel Liaodong. Am 21. November nahmen sie Port Arthur (Lüshun) ein, einen wichtigen Marinestützpunkt der Qing. In den folgenden Tagen töteten japanische Soldaten in der Stadt zahlreiche chinesische Soldaten und Zivilisten. Ausländische Journalisten berichteten weltweit über das Massaker. Anfang 1895 griffen japanische Streitkräfte Weihaiwei in Shandong von Land und See aus an. Die verbliebene Beiyang-Flotte kapitulierte am 12. Februar; ihr Befehlshaber Ding Ruchang nahm sich das Leben.
Frieden (März–April 1895). Li Hongzhang reiste zu Verhandlungen nach Shimonoseki. Am 24. März schoss ein japanischer Attentäter auf ihn und verletzte ihn. Der Vorfall brachte Japan in Verlegenheit und trug zu einem Waffenstillstand bei. Am 17. April 1895 unterzeichneten Itō Hirobumi und Mutsu Munemitsu für Japan und Li Hongzhang für China den Vertrag von Shimonoseki.
Mittel
Korea im Krieg: Besatzung, Reformen und der zweite Donghak-Aufstand
Für die Menschen in Korea war der Krieg kein ferner Konflikt zwischen zwei Nachbarn. Japanische und chinesische Heere marschierten durch koreanische Städte, beschlagnahmten Lebensmittel und Tiere, verpflichteten Träger und lieferten sich große Schlachten bei Seonghwan und Pjöngjang. Pjöngjang wurde schwer beschädigt. Japan kontrollierte die Telegrafenleitungen und die Regierung in Seoul und drängte den koreanischen Staat zu Abkommen, die japanische militärische und wirtschaftliche Interessen begünstigten.
Die Gabo-Reformen (1894–1896), die das Kabinett Kim Hong-jip unter japanischem Druck durchführte, gehörten zu den tiefgreifendsten Veränderungen der koreanischen Geschichte. Sie hoben die rechtliche Unterscheidung zwischen Yangban-Adligen und einfachen Menschen auf, schafften die Sklaverei und die alten Beamtenprüfungen ab, erlaubten Witwen die Wiederheirat und ordneten Regierung und Finanzen neu. Historiker diskutieren, in welchem Maß diese Reformen den Zielen koreanischer Reformer entsprachen und in welchem Maß sie der japanischen Kontrolle dienten. Beides spielte eine Rolle.
Aus Wut über die Besetzung des Palastes und die japanische Einmischung erhoben sich Jeon Bong-jun und andere Donghak-Anführer im Herbst 1894 erneut, diesmal ausdrücklich gegen Japan. Nördliche und südliche Donghak-Gruppen schlossen sich zusammen und marschierten in Richtung Seoul. Im November und Dezember 1894 griffen sie am Ugeumchi-Pass nahe Gongju Stellungen japanischer Truppen und koreanischer Regierungstruppen an. Die Bauern waren vor allem mit alten Musketen, Speeren und landwirtschaftlichen Geräten bewaffnet. Bei wiederholten Angriffen erlitten sie durch moderne Gewehre und Artillerie schwere Verluste.
Japanische und koreanische Regierungstruppen verfolgten die Überlebenden anschließend durch den Südwesten und töteten viele Bauern und mutmaßliche Unterstützer. Forschungen anhand japanischer Armeeakten haben gezeigt, dass japanische Einheiten den Befehl erhielten, die Donghak-Streitkräfte zu vernichten. Jeon Bong-jun wurde Ende 1894 gefangen genommen und 1895 hingerichtet. Schätzungen der getöteten Bauern reichen von Zehntausenden bis zu mehreren Hunderttausend. Die tatsächliche Zahl lässt sich nicht feststellen, lag aber weit über Japans Verlusten im Kampf gegen China.
Mittel
Ergebnis: der Vertrag von Shimonoseki und die Dreierintervention
Im Vertrag von Shimonoseki erkannte China die „volle und vollständige Unabhängigkeit und Selbstständigkeit“ Koreas an und beendete die Tributzeremonien. Es trat Taiwan, die Penghu-Inseln (Pescadores) und die Halbinsel Liaodong an Japan ab, verpflichtete sich zur Zahlung einer Kriegsentschädigung von 200 Millionen Kuping-Tael Silber und öffnete weitere Häfen für den japanischen Handel. Japaner durften außerdem in den Vertragshäfen Fabriken errichten.
Sechs Tage später „rieten“ Russland, Frankreich und Deutschland Japan in der Dreierintervention, auf die Halbinsel Liaodong zu verzichten. Japan konnte es nicht mit drei Großmächten aufnehmen und stimmte gegen eine zusätzliche Zahlung von 30 Millionen Tael zu. Viele Japaner empfanden dies als Demütigung, und die Feindseligkeit gegenüber Russland wuchs. Drei Jahre später pachtete Russland selbst Port Arthur und Dalian.
In Taiwan riefen örtliche Beamte und Angehörige der Oberschicht im Mai 1895 die Republik Formosa aus, um sich der Übergabe zu widersetzen. Japanische Streitkräfte führten einen verlustreichen Feldzug gegen den taiwanischen Widerstand und besetzten die Insel bis Oktober 1895. Taiwan blieb bis 1945 eine japanische Kolonie. Die Eroberung kostete Tausende Taiwaner und Japaner das Leben; viele japanische Soldaten starben an Krankheiten.
Japan verlor etwa 1.100 im Kampf gefallene Männer, aber mehr als 11.000 starben an Krankheiten, besonders während des Feldzugs in Taiwan. Die chinesischen Verluste sind erheblich unsicherer; häufig genannte Schätzungen gehen von mindestens 35.000 Toten oder Verwundeten aus. Hinzu kommen die in Port Arthur getöteten Zivilisten, deren Zahl umstritten ist und auf etwa 2.000 bis deutlich mehr geschätzt wird, sowie koreanische Bauern und Menschen, die infolge von Beschlagnahmungen, Seuchen und Vertreibung starben.
Mittel
Folgen für Korea, China und Japan
Korea. Das Ende des Qing-Einflusses brachte keine wirkliche Unabhängigkeit. Als Königin Min (Kaiserin Myeongseong) und ihre Anhänger sich Russland zuwandten, um ein Gegengewicht zu Japan zu schaffen, drangen japanische Täter und Soldaten unter der Leitung des japanischen Gesandten Miura Gorō am 8. Oktober 1895 in Gyeongbokgung ein und ermordeten sie. Dieser Eulmi-Zwischenfall und eine Anordnung, nach der Männer ihren traditionellen Haarknoten abschneiden sollten, lösten die ersten Aufstände der „Gerechten Armeen“ (Uibyeong) aus. Im Februar 1896 floh König Gojong in die russische Gesandtschaft. 1897 rief er das Koreanische Kaiserreich aus. An der Stelle, an der einst chinesische Gesandte empfangen worden waren, wurde als Zeichen der Loslösung von China das Unabhängigkeitstor errichtet. Korea blieb jedoch in die Rivalität zwischen Japan und Russland verstrickt, die 1904 zum nächsten Krieg führte.
China. Die Niederlage gegen Japan, das chinesische Eliten lange als weniger bedeutenden Nachbarn angesehen hatten, war ein schwerer Schock. Sie zeigte die Grenzen der Selbststärkungsbewegung auf und löste einen „Wettlauf um Konzessionen“ aus: Deutschland, Russland, Großbritannien und Frankreich sicherten sich 1897–1898 Pachtgebiete. Reformer wie Kang Youwei richteten Eingaben an den Kaiserhof. Daraus ging 1898 die Hundert-Tage-Reform hervor, die Kaiserinwitwe Cixi niederschlug. Viele junge Chinesen gingen zum Studium nach Japan. Die Demütigung stärkte die revolutionäre Bewegung, die 1911–1912 die Qing-Dynastie stürzte.
Japan. Mit dem Erwerb Taiwans wurde Japan durch seinen Sieg zu einem Kolonialreich. Die Kriegsentschädigung, die ein Mehrfaches des jährlichen japanischen Staatshaushalts ausmachte, half bei der Finanzierung der militärischen Aufrüstung, des staatlichen Stahlwerks Yawata und der Einführung des Goldstandards 1897. Der Krieg stärkte auch den Nationalismus und das Ansehen des Militärs. Die Dreierintervention überzeugte viele führende Politiker, dass Japan mehr Macht und einen westlichen Verbündeten brauchte, um Russland begegnen zu können.
Die regionale Ordnung. Der Krieg beendete das Tributsystem als Grundlage der Beziehungen in Ostasien. An seine Stelle trat der Wettbewerb zwischen imperialen Mächten. Historiker sehen ihn häufig als ersten Krieg einer Konfliktfolge, zu der der Russisch-Japanische Krieg, die Annexion Koreas 1910 und Japans spätere Kriege in China gehören.
Fortgeschritten
Erinnerung und Deutungen in Korea, China und Japan
Japan. Zur damaligen Zeit wurde der Krieg in Japan weithin gefeiert. Zeitungen, farbige Holzschnitte und Lieder stellten tapfere japanische Soldaten einem rückständigen China gegenüber. Der Pädagoge Fukuzawa Yukichi beschrieb ihn als Krieg zwischen Zivilisation und Barbarei. Einige änderten später ihre Meinung: Der christliche Denker Uchimura Kanzō verteidigte den Krieg zunächst als gerecht, bereute dies später aber und wurde Pazifist. Japanische Historiker der Nachkriegszeit beurteilten den Krieg kritischer. Einige, darunter Nakatsuka Akira, zeigten, dass die offizielle Kriegsgeschichte die geplante Natur des Angriffs auf Gyeongbokgung verschwieg. In der öffentlichen Erinnerung Japans werden die Kriege der Meiji-Zeit jedoch oft positiver gesehen als die Kriege der 1930er und 1940er Jahre.
China. In China wird der Jiawu-Krieg als nationale Demütigung und als Lehre über die Gefahren von Schwäche und Korruption erinnert. Persönlichkeiten wie Deng Shichang werden als patriotische Märtyrer geehrt. Eine Gedenkstätte in Lüshun, das Wanzhongmu („Grab der Zehntausend“), erinnert an das Massaker von Port Arthur. Der Krieg wird in Filmen dargestellt, etwa in dem Film von 1962, der auf Englisch als The Naval Battle of 1894 bekannt ist, und spielt in der patriotischen Bildung eine Rolle. Li Hongzhang, der den Vertrag unterzeichnete, wurde oft als Sinnbild der Kapitulation scharf verurteilt. Manche Historiker beurteilen seine Lage heute differenzierter.
Korea. Koreanische Darstellungen betonen, dass der Krieg ohne Zustimmung Koreas auf koreanischem Boden geführt wurde und Japan die Worte „koreanische Unabhängigkeit“ und „Reform“ nutzte, um seine eigenen Ziele zu verdecken. Die Besetzung des Palastes und das Massaker an Donghak-Bauern stehen dabei im Mittelpunkt. Auch die Bezeichnung der Donghak-Bewegung hat sich verändert: Früher wurde sie offiziell „Aufstand“ (Donghak-ran) genannt; heute heißt sie in Südkorea meist Donghak-Bauernbewegung oder Donghak-Bauernrevolution. Ein Gesetz von 2004 sah vor, das Ansehen ihrer Teilnehmer wiederherzustellen. Seit 2019 ist der 11. Mai ein nationaler Gedenktag. In Nordkorea ist sie als Gabo-Bauernkrieg bekannt.
Taiwan. Für Taiwan markiert das Jahr 1895 den Beginn von fünfzig Jahren japanischer Herrschaft. Der bewaffnete Widerstand von 1895 wird unterschiedlich erinnert, je nachdem, wie Menschen in Taiwan die chinesische und die japanische Herrschaft beurteilen. So gehört der Krieg auch zu den anhaltenden Debatten über die taiwanische Identität.
Fortgeschritten
Primärquellen und Geschichtsschreibung
Japanische Quellen. Die 1895 verfassten Erinnerungen Kenkenroku des Außenministers Mutsu Munemitsu schildern die japanische Diplomatie offen und zeigen, wie sorgfältig Japan den Ausbruch des Krieges und die Meinung im Westen beeinflusste. Die mehrbändige offizielle Kriegsgeschichte des Generalstabs ist detailreich, wurde aber so bearbeitet, dass japanische Handlungen günstig erschienen. Ein Vergleich mit erhaltenen Entwürfen hat Auslassungen aufgedeckt, insbesondere zum Angriff auf den koreanischen Palast. Diplomatische Akten der japanischen Gesandtschaft in Seoul sind eine wichtige Quelle zur japanischen Politik in Korea.
Chinesische und koreanische Quellen. Dokumente des Qing-Hofes, Eingaben und Briefe Li Hongzhangs sowie Marineakten beschreiben die chinesische Seite. Zu den koreanischen Quellen gehören die Annalen und Regierungsdokumente aus Gojongs Regierungszeit, das Protokoll der Vernehmung Jeon Bong-juns nach seiner Gefangennahme, Donghak-Berichte wie Oh Ji-yeongs spätere Geschichte der Bewegung und die private Chronik Maecheon yarok des Gelehrten Hwang Hyeon, der Gerüchte und Ereignisse kritisch festhielt.
Westliche Quellen. Ausländische Militärbeobachter, Diplomaten und Journalisten berichteten über den Krieg. Berichte über das Massaker von Port Arthur, etwa die des Journalisten James Creelman von der New York World, lösten einen internationalen Skandal aus. Westliche Darstellungen lobten Japan oft als sich modernisierende, „zivilisierte“ Nation. Auch daran lässt sich erkennen, wie westliche Beobachter asiatische Gesellschaften einordneten.
Geschichtsschreibung. S. C. M. Paine ordnet den Krieg in The Sino-Japanese War of 1894–1895 (2003) in den Wandel der Machtvorstellungen und den Zerfall der sinozentrischen Ordnung ein. Koreanische Historiker haben die Verbindung des Krieges zur Donghak-Bewegung und zum japanischen Imperialismus hervorgehoben. Japanische Forscher wie Nakatsuka Akira und Inoue Katsuo haben anhand japanischer Militärarchive die Niederschlagung der Donghak-Bauern dokumentiert. Weiterhin wird darüber diskutiert, ob der Krieg unvermeidlich war, in welchem Maß japanische Politiker ihn im Voraus planten, warum die Qing-Streitkräfte so schlecht abschnitten und wie die Gabo-Reformen zu bewerten sind.
Schlachten (10)
Kernideen
- Tributordnung
- Das traditionelle ostasiatische System, in dem benachbarte Herrscher den rituellen Vorrang des chinesischen Kaisers anerkannten. Der Krieg zerstörte diese Ordnung.
- „Unabhängigkeit“ als Vorwand
- Japan rechtfertigte den Krieg damit, Korea von China zu befreien, nutzte den Sieg aber, um seine eigene Kontrolle über Korea auszuweiten.
- Krieg auf dem Boden eines dritten Landes
- China und Japan kämpften größtenteils in Korea. Die Menschen dort trugen einen großen Teil der Last, obwohl sie sich nicht für den Krieg entschieden hatten.
- Bauernrevolution
- Die Donghak-Bewegung verband religiösen Glauben mit Forderungen nach sozialer Gerechtigkeit und Widerstand gegen Eingriffe aus dem Ausland. Japanische und koreanische Regierungstruppen schlugen sie nieder.
- Modernisierung des Militärs
- Japans zentral geführtes modernes Heer und seine Marine waren den größeren, aber zersplitterten Qing-Streitkräften überlegen. Das zeigte die Grenzen der chinesischen Selbststärkungsbewegung.
- Folge von Kriegen
- Auf den Krieg folgten die Dreierintervention, die Rivalität zwischen Russland und Japan, der Russisch-Japanische Krieg und schließlich die Annexion Koreas.
- Unterschiedliche Erinnerung
- Je nach japanischer, chinesischer, koreanischer oder taiwanischer Sicht wird der Krieg als Triumph, Demütigung oder Tragödie erinnert.
Einträge
- 1876 — Der Vertrag von Ganghwa zwischen Japan und Joseon erklärt Korea zu einem „unabhängigen Staat“.
- 1882 — Imo-Zwischenfall in Seoul; Qing-Truppen werden in Korea stationiert.
- 1884 — Dezember: Der Gapsin-Putsch koreanischer Reformer scheitert nach einem Eingreifen der Qing.
- 1885 — Konvention von Tianjin: China und Japan ziehen ihre Truppen ab und vereinbaren, einander vor einer erneuten Entsendung nach Korea zu benachrichtigen.
- 1894 — Anfang 1894: Der Donghak-Bauernaufstand beginnt in Gobu; Ende Mai: Bauern ziehen in Jeonju ein; Juni: Qing- und japanische Truppen landen in Korea.
- 1894 — 23. Juli: Japan besetzt Gyeongbokgung; 25. Juli: Seeschlacht vor Pungdo; 1. August: Kriegserklärungen; Beginn der Gabo-Reformen.
- 1894 — September: japanische Siege bei Pjöngjang und am Yalu; November: Einnahme von Port Arthur und Massaker; November–Dezember: Das Donghak-Heer wird bei Ugeumchi besiegt.
- 1895 — Februar: Weihaiwei fällt und die Beiyang-Flotte kapituliert; 17. April: Vertrag von Shimonoseki; 23. April: Dreierintervention.
- 1895 — Japanische Eroberung Taiwans (Mai–Oktober); 8. Oktober: Ermordung von Königin Min (Eulmi-Zwischenfall).
- 1897 — Gojong ruft das Koreanische Kaiserreich aus; Japan führt den Goldstandard ein, teilweise finanziert durch die Kriegsentschädigung.
- 1898 — Hundert-Tage-Reform in China; Russland pachtet Port Arthur.
Glossar
- Joseon
- Die koreanische Dynastie, die von 1392 bis 1897 herrschte; danach entstand das Koreanische Kaiserreich.
- Qing
- Die letzte Kaiserdynastie Chinas (1644–1912).
- Donghak
- „Östliche Lehre“, eine 1860 von Choe Je-u gegründete koreanische Religion. Ihre Anhänger führten den Bauernaufstand von 1894 an.
- Jipgangso
- Örtliche Ämter, die das Donghak-Bauernheer nach dem Waffenstillstand von Jeonju in Jeolla einrichtete, um Reformen durchzuführen.
- Gabo-Reformen
- Tiefgreifende Reformen der koreanischen Regierung und Gesellschaft von 1894 bis 1896, die unter japanischem Druck durchgeführt wurden.
- Beiyang-Flotte
- Die wichtigste moderne Marine der Qing in Nordchina; sie wurde im Krieg vernichtet.
- Kriegsentschädigung
- Geld, das ein besiegtes Land an den Sieger zahlt; hier 200 Millionen Tael Silber und weitere 30 Millionen für Liaodong.
- Tael
- Eine chinesische Gewichtseinheit für Silber, die auch als Währungseinheit diente und etwas weniger als 40 Gramm entsprach.
- Dreierintervention
- Das diplomatische Eingreifen Russlands, Frankreichs und Deutschlands 1895, das Japan zur Rückgabe der Halbinsel Liaodong zwang.
- Uibyeong (Gerechte Armee)
- Koreanische Freiwilligenverbände, die gegen den wachsenden japanischen Einfluss kämpften und sich erstmals 1895–1896 erhoben.
Fragen und Antworten
Warum wurde der Krieg in Korea geführt, wenn China und Japan gegeneinander kämpften?
Weil es in dem Krieg um die Kontrolle über Korea ging. Beide Länder schickten 1894 Truppen dorthin. Die Kämpfe begannen auf koreanischem Boden und in koreanischen Gewässern und griffen später auf China über.
Wer waren die Donghak-Bauern?
Es waren Bauern und Anhänger der Donghak-Religion, die sich 1894 gegen Korruption und ungerechte Steuern erhoben. Wegen ihres Aufstands bat die koreanische Regierung China um Truppen. Später kämpften die Bauern gegen das japanische Heer.
Warum gewann Japan?
Japan hatte ein zentral geführtes, gut ausgebildetes modernes Heer und eine moderne Marine sowie klare Kriegsziele. Die Qing-Streitkräfte waren auf dem Papier größer, standen aber unter verschiedenen regionalen Befehlshabern, waren schlecht versorgt und unzureichend koordiniert.
Machte der Krieg Korea unabhängig?
Auf dem Papier erkannte China Koreas Unabhängigkeit an. Tatsächlich gewann Japan großen Einfluss. Bald geriet Korea in die Rivalität zwischen Japan und Russland, seine Königin wurde ermordet, und zwischen 1905 und 1910 verlor es seine staatliche Selbstständigkeit.
Was war das Massaker von Port Arthur?
Nach der Einnahme von Port Arthur im November 1894 töteten japanische Soldaten viele chinesische Soldaten und Zivilisten. Die Schätzungen reichen von einigen Tausend Opfern bis zu wesentlich höheren Zahlen. Ausländische Journalisten berichteten darüber, doch niemand wurde bestraft.
Wie zuverlässig sind die offiziellen Kriegsgeschichten?
Die offizielle Geschichte des japanischen Generalstabs ist detailreich, wurde aber bearbeitet. Untersuchungen erhaltener Entwürfe zeigen, dass sie verschwieg, dass der Angriff auf den koreanischen Palast geplant war. Historiker vergleichen offizielle Darstellungen deshalb mit Tagebüchern, diplomatischen Akten und ausländischen Berichten.
Warum nennen Chinesen ihn Jiawu-Krieg?
Jiawu ist die Bezeichnung des Jahres 1894 im traditionellen chinesischen Sechzigjahreszyklus. Ähnlich benennen Koreaner Ereignisse wie die Gabo-Reformen: Gabo ist die koreanische Lesung derselben Jahresbezeichnung.
Quellen und weiterführende Literatur
- First Sino-Japanese War. Wikipedia
- Donghak Peasant Revolution. Wikipedia
- Treaty of Shimonoseki. Wikipedia
- Port Arthur massacre (1894). Wikipedia
- Gabo Reform. Wikipedia
- Assassination of Empress Myeongseong. Wikipedia
- 청일전쟁 (First Sino-Japanese War). Encyclopedia of Korean Culture, Academy of Korean Studies
- 동학운동 (Donghak movement). Encyclopedia of Korean Culture, Academy of Korean Studies
- 청일 전쟁. 위키백과 (Korean Wikipedia)
- S. C. M. Paine, The Sino-Japanese War of 1894–1895: Perceptions, Power, and Primacy. Cambridge University Press, 2003
Verwandte Inhalte
Mit KI-Unterstützung auf Grundlage der oben aufgeführten veröffentlichten Quellen verfasst und bei neuen Forschungsergebnissen überarbeitet.