Krieg

Osmanische Kriege in Europa

Osmanlı–Avrupa savaşları

1354–1683 ·

In einem Satz

Von der Mitte des 14. bis zum Ende des 17. Jahrhunderts führte das Osmanische Reich zahlreiche Kriege. Dabei dehnte es seine Herrschaft von Anatolien über den Balkan bis vor Wien aus; nach 1683 wurde es allmählich zurückgedrängt.

Beginnen Sie oben mit einer einfachen Einführung. Weiter unten finden Sie mehr Details und Forschungsergebnisse.

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Für junge Leser

Vor etwa 700 Jahren begann ein kleiner türkischer Staat im Gebiet der heutigen Türkei zu wachsen. Er wurde nach seinem ersten Herrscher Osman benannt und hieß deshalb Osmanischer Staat. Seine Herrscher nannte man Sultane.

In den 1350er-Jahren überquerten osmanische Soldaten eine schmale Meerenge und gelangten nach Europa. In den nächsten 200 Jahren gewannen sie viele Schlachten. Sie eroberten Gebiete, die heute zu Griechenland, Bulgarien, Serbien, Bosnien, Albanien und Ungarn gehören. 1453 eroberten sie Konstantinopel. Die Stadt war über tausend Jahre lang die Hauptstadt des Byzantinischen Reiches gewesen und wurde später Istanbul genannt.

Die Osmanen hatten ein starkes, gut organisiertes Heer mit großen Kanonen. Dazu gehörten auch berühmte Fußsoldaten, die Janitscharen. Einige von ihnen waren christliche Jungen, die als Kinder von ihren Familien fortgenommen wurden. Das war für die Familien sehr schmerzhaft.

Zweimal versuchten die Osmanen, Wien in Österreich zu erobern: 1529 und 1683. Beide Male gelang es ihnen nicht. Nach dem zweiten Versuch drängten Heere aus Österreich, Polen und anderen Ländern sie zurück. Die Osmanen verloren Ungarn.

Für die Menschen waren die Kriege schwer. Dörfer wurden niedergebrannt, Menschen wurden gefangen genommen und verkauft, und viele Familien flohen. Zugleich herrschte das Osmanische Reich jahrhundertelang über den Balkan. Dort lebten Muslime, Christen und Juden unter demselben Sultan. Heute erinnern sich Menschen in der Türkei, Griechenland, Serbien, Ungarn, Österreich und Polen sehr unterschiedlich an diese Kriege.

Auf einen Blick

Zeitraum
Vom osmanischen Stützpunkt in Gallipoli (1354) bis zum Frieden von Karlowitz (1699); auf dem Balkan dauerten die Konflikte bis ins frühe 20. Jahrhundert an
Schauplätze
Der Balkan, Ungarn, Mitteleuropa, das Mittelmeer und die Schwarzmeerregion
Kriegsparteien
Das Osmanische Reich (mit Vasallen wie dem Khanat der Krim) gegen das Byzantinische Reich, Serbien, Bulgarien, Ungarn, die Habsburgermonarchie, Venedig, Polen-Litauen, Russland, das Papsttum und andere
Wichtige Schlachten und Belagerungen
Kosovo 1389, Nikopolis 1396, Warna 1444, Konstantinopel 1453, Mohács 1526, Wien 1529, Lepanto 1571, Wien 1683
Wichtige Persönlichkeiten
Murad I., Bayezid I., Mehmed II., Süleyman der Prächtige; Johann Hunyadi, Skanderbeg, Karl V., Johann III. Sobieski
Ergebnis
Vier bis fünf Jahrhunderte osmanischer Herrschaft über den Balkan; nach 1683 ein allmählicher Rückzug, beginnend mit dem Verlust Ungarns 1699
Wichtigste Quellen
Osmanische Chroniken und Steuerregister, byzantinische Geschichtswerke, venezianische Berichte, habsburgische Diplomatenbriefe und Erinnerungen von Gefangenen

Einfach

Was waren die Osmanischen Kriege in Europa?

„Osmanische Kriege in Europa“ ist ein Sammelbegriff für die vielen Kriege, die das Osmanische Reich gegen europäische Staaten führte. Es handelte sich um Dutzende Feldzüge über mehr als drei Jahrhunderte, zwischen denen es auch lange Friedenszeiten gab. Grob lassen sich zwei Phasen unterscheiden: eine Phase der Ausdehnung von den 1350er- bis zu den 1560er-Jahren, in der die Osmanen den Balkan und den größten Teil Ungarns eroberten, und eine Phase des Stillstands und späteren Rückzugs ab dem späten 16. Jahrhundert. Der Rückzug beschleunigte sich nach der gescheiterten Belagerung Wiens 1683.

Der osmanische Staat entstand um 1300 als kleines Fürstentum im Nordwesten Anatoliens und wurde nach seinem Gründer Osman benannt. Er war eines von mehreren türkisch-muslimischen Fürstentümern, die aufkamen, als die seldschukischen und byzantinischen Staaten schwächer wurden. Innerhalb von 150 Jahren entwickelte er sich zu einem Reich in Asien und Europa. Im 16. Jahrhundert gehörte es zu den mächtigsten Staaten der Welt.

Für die Menschen in Europa, besonders auf dem Balkan und in Mitteleuropa, war das osmanische Vordringen eine prägende Erfahrung des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit. Für die Osmanen war der Krieg in Europa Teil eines umfassenderen imperialen Vorhabens, zu dem auch Kriege gegen das safawidische Iran, die Mamluken Ägyptens und Staaten im Mittelmeerraum gehörten.

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Einfach

Hintergrund und Ursachen

Mitte des 14. Jahrhunderts war der Balkan politisch zersplittert. Das Byzantinische Reich, einst eine Großmacht, war auf wenige Gebiete um Konstantinopel geschrumpft und wurde von Bürgerkriegen erschüttert. Das serbische Reich Stefan Dušans zerfiel nach seinem Tod 1355, und Bulgarien war geteilt. Rivalisierende byzantinische Thronanwärter warben sogar osmanische Truppen an. So sammelten die Osmanen Erfahrungen in Europa. 1354 besetzten sie die Festung Gallipoli am europäischen Ufer der Dardanellen, nachdem ein Erdbeben ihre Mauern beschädigt hatte.

Warum dehnten die Osmanen ihre Herrschaft immer weiter aus? Historiker nennen mehrere Gründe. Die osmanischen Herrscher gewannen Ansehen durch das islamische Ideal der Ghaza, des Krieges gegen Nichtmuslime. Zugleich bauten sie ihren Staat zielbewusst aus und wollten Land, Einnahmen und loyale Soldaten gewinnen. Erobertes Land wurde in Timare aufgeteilt: Zuweisungen von Steuereinnahmen, die Reiter finanzierten. Weitere Anreize waren ertragreiche Handelswege, Silberminen in Serbien und Bosnien sowie das Ansehen, das mit Konstantinopel verbunden war.

Die Rivalität zwischen europäischen Mächten schwächte den Widerstand. Katholische und orthodoxe Christen misstrauten einander, besonders seit der Vierte Kreuzzug 1204 Konstantinopel geplündert hatte. Venedig und Genua konkurrierten um den Handel und schlossen bisweilen Abkommen mit den Osmanen. Später verbündete sich Frankreich gegen die Habsburger mit den Osmanen, und die Reformation spaltete das christliche Europa weiter.

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Einfach

Wer kämpfte?

Das osmanische Heer verband Reiter aus den Provinzen, die Sipahis, deren Unterhalt durch Timare gesichert war, mit einem besoldeten stehenden Heer am Hof des Sultans. Dessen bekanntester Teil waren die Janitscharen. Sie wurden unter anderem durch die Knabenlese (Devşirme) rekrutiert: Christliche Jungen aus Dörfern des Balkans wurden eingezogen, zum Islam bekehrt und als Soldaten oder Verwaltungsbeamte ausgebildet. Die Osmanen setzten früh und wirkungsvoll Artillerie und Feuerwaffen ein. Außerdem sorgten sie für Nachschub, indem sie Straßen, Brücken und Versorgungslager bauten. Leichte Reiter, die Akıncı, und später die Tataren des Khanats der Krim unternahmen Raubzüge tief in feindliches Gebiet.

Ihre Gegner wechselten im Lauf der Zeit. Im 14. Jahrhundert waren es Byzanz, Serbien, Bulgarien und regionale Herrscher auf dem Balkan. Im 15. Jahrhundert wurde das Königreich Ungarn mit Heerführern wie Johann Hunyadi zum wichtigsten Hindernis. Hinzu kamen Venedig zur See und Aufständische wie der albanische Anführer Skanderbeg. Ab den 1520er-Jahren wurde die Dynastie der Habsburger zum Hauptgegner der Osmanen. Sie herrschte über Österreich, Böhmen und Teile Ungarns, unter Karl V. auch über Spanien. Polen-Litauen, Russland und mehrere vom Papst unterstützte „Heilige Ligen“ kämpften ebenfalls gegen die Osmanen.

Viele Menschen überschritten die religiösen Grenzen. Christliche Herrscher auf dem Balkan dienten als osmanische Vasallen und kämpften in osmanischen Heeren. So kämpften 1402 serbische Ritter bei Ankara für Sultan Bayezid I. Überläufer aus verschiedenen Teilen Europas dienten dem Sultan, und ungarische Adlige suchten bisweilen osmanischen Schutz gegen die Habsburger.

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Einfach

Der Verlauf der Expansion (1354–1453)

Nach der Einnahme Gallipolis rückten die Osmanen nach Thrakien vor und machten Edirne (Adrianopel) zu ihrer europäischen Hauptstadt. 1371 besiegten sie serbische Herrscher in der Schlacht an der Mariza. In der Schlacht auf dem Amselfeld 1389 traf ein osmanisches Heer auf ein von Fürst Lazar geführtes serbisches Bündnis. Sowohl Lazar als auch Sultan Murad I. starben. Militärisch brachte die Schlacht keine eindeutige Entscheidung, doch Serbien wurde bald darauf ein osmanischer Vasallenstaat. Bulgarien wurde in den 1390er-Jahren eingegliedert.

Beunruhigt organisierte Westeuropa einen Kreuzzug. 1396 vernichtete Sultan Bayezid I. bei Nikopolis an der Donau ein ungarisches, französisches und burgundisches Heer unter König Sigismund von Ungarn. Der osmanische Vormarsch wurde jedoch durch den zentralasiatischen Eroberer Timur (Tamerlan) unterbrochen. Er besiegte Bayezid 1402 bei Ankara und nahm ihn gefangen. Danach folgte ein etwa zehnjähriger Bürgerkrieg zwischen Bayezids Söhnen, von dem sich der Staat wieder erholte.

1444 wurde ein weiterer Kreuzzug unter König Władysław von Polen und Ungarn und Johann Hunyadi bei Warna an der Schwarzmeerküste geschlagen; der junge König fiel. Am 29. Mai 1453 eroberte Sultan Mehmed II. Konstantinopel nach einer etwa siebenwöchigen Belagerung. Der letzte byzantinische Kaiser, Konstantin XI., starb bei den Kämpfen. Mehmeds Heer beschoss die alten Landmauern mit riesigen Bronzekanonen und brachte Schiffe über Land ins Goldene Horn. Die Stadt, die bald Istanbul genannt wurde, wurde zur osmanischen Hauptstadt. Mehmed erhielt den Beinamen Fatih, „der Eroberer“.

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Mittel

Mohács, Wien und das Mittelmeer (1453–1571)

Mehmed II. vollendete die Eroberung Serbiens (1459), Bosniens (1463) und, nach Skanderbegs Tod 1468, des größten Teils Albaniens. Belgrad konnte er jedoch nicht einnehmen: Johann Hunyadi verteidigte die Stadt 1456. Im frühen 16. Jahrhundert wandte sich Sultan Selim I. nach Osten. Er eroberte 1516–1517 das Mamlukensultanat in Ägypten und Syrien, wodurch sich Größe und Reichtum seines Reiches verdoppelten. Sein Sohn Süleyman I., in Europa „der Prächtige“ und in der Türkei Kanuni, „der Gesetzgeber“, genannt, wandte sich wieder Europa zu. Er nahm 1521 Belgrad und 1522 Rhodos von den Johannitern ein.

Am 29. August 1526 vernichtete Süleymans Heer bei Mohács in Südungarn das königliche ungarische Heer innerhalb weniger Stunden. König Ludwig II. ertrank auf der Flucht. Das Königreich Ungarn zerfiel unter rivalisierenden Thronanwärtern: Die einen wurden von den Habsburgern, die anderen von den Osmanen unterstützt. 1529 belagerte Süleyman Wien, die Hauptstadt der Habsburger. Wegen des Wetters im Spätherbst, der langen Versorgungswege und der entschlossenen Verteidigung musste er sich zurückziehen. 1541 gliederten die Osmanen Mittelungarn um Buda in ihr Reich ein. Für 150 Jahre war Ungarn in drei Teile geteilt: das habsburgische „Königliche Ungarn“ im Westen und Norden, das osmanische Ungarn in der Mitte und das halb unabhängige Fürstentum Siebenbürgen unter osmanischer Oberherrschaft.

Zur See wurden die Osmanen mit Unterstützung von Korsaren wie Hayreddin Barbarossa zu einer bedeutenden Seemacht. 1538 errangen sie bei Preveza einen großen Sieg. Die Einnahme Maltas misslang ihnen jedoch 1565. In den Jahren 1570–1571 eroberten sie das venezianische Zypern. Im Oktober 1571 vernichtete eine Flotte der Heiligen Liga aus Spanien, Venedig und dem Kirchenstaat die osmanische Flotte bei Lepanto. In ganz katholischen Europa wurde dieser Sieg gefeiert. Die Osmanen bauten ihre Flotte jedoch innerhalb eines Jahres wieder auf und behielten Zypern. Deshalb ist unter Historikern umstritten, wie entscheidend Lepanto tatsächlich war.

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Mittel

Stillstand, 1683 und Rückzug

Ab dem späten 16. Jahrhundert wurde die Grenze in Ungarn zu einer Zone aus Festungen und ständigen kleineren Überfällen. Der „Lange Türkenkrieg“ von 1593 bis 1606 endete mit dem Frieden von Zsitvatorok. Darin behandelte der Sultan den habsburgischen Kaiser erstmals als gleichrangig. Im 17. Jahrhundert erzielten die Osmanen weiterhin Gebietsgewinne. Sie nahmen Kreta von Venedig ein, nachdem die über zwanzigjährige Belagerung von Candia (Heraklion) 1669 geendet hatte, und rückten gegen Polen in die Ukraine vor.

1683 führte Großwesir Kara Mustafa Pascha ein großes Heer zu einer zweiten Belagerung Wiens. Nach zwei Monaten stand die Stadt kurz vor dem Zusammenbruch. Am 12. September schlug jedoch ein Entsatzheer aus kaiserlichen, polnischen und deutschen Truppen die Osmanen in der Schlacht am Kahlenberg. König Johann III. Sobieski von Polen führte den entscheidenden Reiterangriff an. Kara Mustafa wurde auf Befehl des Sultans hingerichtet.

Eine neue Heilige Liga der Habsburger, Polens, Venedigs und später Russlands ging im Großen Türkenkrieg (1683–1699) zum Angriff über. Die Habsburger eroberten 1686 Buda zurück und errangen 1697 unter Prinz Eugen von Savoyen bei Zenta einen großen Sieg. Im Frieden von Karlowitz (1699) traten die Osmanen den größten Teil Ungarns und Siebenbürgen an die Habsburger sowie weitere Gebiete an Venedig und Polen ab. Dieser Frieden gilt meist als Ende der klassischen Osmanischen Kriege in Europa. Kriege gegen Österreich und besonders Russland dauerten jedoch bis ins 18. und 19. Jahrhundert an. Die Balkanstaaten erlangten zwischen 1804 und 1913 ihre Unabhängigkeit.

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Mittel

Die Folgen für die Menschen

Verlässliche Gesamtzahlen der Todesopfer gibt es nicht. Zeitgenössische Quellen übertreiben häufig die Größe von Heeren und die Zahl der Gefallenen, besonders europäische Flugschriften und osmanische Siegesberichte. Die meisten Historiker verzichten daher auf eine Gesamtzahl und betonen stattdessen die langfristigen Folgen des Krieges für die Bevölkerung in den Grenzgebieten.

Für die einfachen Menschen brachten Überfälle oft mehr Leid als große Schlachten. Osmanische Akıncı-Reiter und Krimtatarische Angreifer verschleppten sehr viele Menschen aus Ungarn, Kroatien, Österreich, Polen-Litauen und Russland, um sie auf Sklavenmärkten zu verkaufen. Auch christliche Truppen versklavten Muslime, darunter habsburgische Grenztruppen, venezianische Flotten und die Malteserritter. Schätzungen allein für den Sklavenhandel der Tataren reichen über mehrere Jahrhunderte in die Hunderttausende oder noch höher, sind aber unsicher. Die Plünderung Konstantinopels 1453 dauerte drei Tage; viele Einwohner wurden getötet, beraubt oder versklavt.

Der Krieg verursachte auch große Wanderungsbewegungen. Viele Christen vom Balkan flohen nach Norden. Während des Großen Türkenkriegs zogen bei der „Großen Wanderung“ von 1690 Zehntausende Serben in das habsburgische Ungarn. Umgekehrt verließen Muslime nach 1699 Ungarn und in späteren Jahrhunderten den Balkan. Durch die Knabenlese (Devşirme) wurden Jungen aus christlichen Familien fortgenommen. Diese schmerzhafte Erfahrung blieb in der Volksüberlieferung des Balkans lebendig, obwohl manche Familien darin auch einen Weg zu hohen Ämtern sahen. Teile der ungarischen Tiefebene entvölkerten sich während der anderthalb Jahrhunderte dauernden Grenzkriege.

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Mittel

Folgen

Die dauerhafteste Folge waren Jahrhunderte osmanischer Herrschaft in Südosteuropa. Die osmanische Gesellschaft war zum Teil nach Religion organisiert: Orthodoxe Christen, Armenier und Juden hatten eigene religiöse Oberhäupter und Gerichte. Historiker bezeichneten diese Ordnung später als Millet-System. Viele Bosnier, Albaner und Angehörige anderer Bevölkerungsgruppen traten im Lauf mehrerer Generationen zum Islam über. So entstanden muslimische Gemeinschaften in Europa, die bis heute bestehen. Sephardische Juden, die 1492 aus Spanien vertrieben wurden, fanden Zuflucht in osmanischen Städten wie Thessaloniki und Istanbul.

In Mitteleuropa trug die osmanische Bedrohung zur Entwicklung der Habsburgermonarchie bei. Um die Grenze zu verteidigen, schufen die Habsburger die Militärgrenze, eine befestigte Grenzzone, in der Wehrbauern angesiedelt wurden, darunter viele Serben und Kroaten. Nach dem Fall Konstantinopels gelangten außerdem griechische Gelehrte und Handschriften nach Italien. Dies förderte, neben früheren Kontakten, die Beschäftigung mit der griechischen Sprache in der Renaissance.

Die Kriege veränderten auch die Diplomatie. Das Bündnis Frankreichs mit den Osmanen in den 1530er-Jahren zeigte, dass eine gemeinsame Religion die europäische Politik nicht mehr allein bestimmte. Handels- und Rechtsprivilegien, sogenannte Kapitulationen, die europäischen Staaten gewährt wurden, waren zunächst ein Zeichen osmanischer Stärke. In späteren Jahrhunderten wurden sie zu Mitteln europäischen Einflusses. Nach 1699 wurde die „Orientalische Frage“ – was mit den osmanischen Gebieten geschehen würde, wenn das Reich schwächer wurde – bis zum Ersten Weltkrieg zu einem wichtigen Thema der europäischen Politik.

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Mittel

Wie verschiedene Länder an die Kriege erinnern

In der Türkei wird die Eroberung Istanbuls 1453 als glorreicher Wendepunkt gefeiert. Der Jahrestag am 29. Mai wird jährlich begangen, und Mehmed II. und Süleyman gelten als Nationalhelden. Die osmanische Expansion wird oft als Geschichte gerechter und toleranter Herrschaft dargestellt. Historiker halten dieses Bild teilweise für zutreffend, aber auch für idealisiert. In den Balkanländern beschrieben nationale Geschichtsdarstellungen des 19. und 20. Jahrhunderts, die während der Unabhängigkeitskämpfe entstanden, die osmanische Herrschaft dagegen oft als „Türkenjoch“: eine lange Zeit der Unterdrückung und des Stillstands.

In der serbischen Erinnerung steht die Schlacht auf dem Amselfeld (1389) im Mittelpunkt. Heldenlieder machten sie zu einer Geschichte heldenhafter Opferbereitschaft. Sie wurde zu einem mächtigen und bisweilen gefährlichen politischen Symbol, auf das man sich besonders in den 1980er- und 1990er-Jahren berief. In Albanien ist Skanderbeg der Nationalheld. Griechen erinnern den Fall Konstantinopels und die Zeit der Tourkokratia („Türkenherrschaft“) als nationale Tragödie. Bosnische Muslime und Albaner, von denen viele Vorfahren zum Islam übertraten, haben unterschiedlichere Erinnerungen.

In Ungarn gilt Mohács als nationale Katastrophe. Die ungarische Redensart „Bei Mohács ging mehr verloren“ wird noch heute verwendet, um jemanden nach einem Rückschlag zu trösten. In Österreich wurde die Verteidigung Wiens 1529 und besonders 1683 zum Sinnbild für die Rettung des „christlichen Europas“. Polen erinnern sich mit Stolz an Sobieskis Angriff als Beleg für Polens Rolle als „Bollwerk der Christenheit“ (antemurale christianitatis). Volkstümliche Legenden, etwa dass das Croissant oder die Wiener Kaffeehäuser aus der Belagerung von 1683 hervorgingen, sind nicht belegt. In den vergangenen Jahrzehnten wurden diese Erinnerungen erneut in politischen Debatten über den Islam und Europa verwendet. Historiker betonen zugleich den Austausch, das Zusammenleben und die Vielschichtigkeit der osmanischen Herrschaft.

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Fortgeschritten

Primärquellen

Zu den osmanischen Quellen gehören Chroniken wie die des Aşıkpaşazade aus dem 15. Jahrhundert und spätere offizielle Geschichtswerke, Feldzugstagebücher, kaiserliche Erlasse und besonders Steuerregister (tahrir defterleri). Diese führen Dörfer, Haushalte und Einnahmen in eroberten Provinzen auf. Anhand der Register können Historiker die Bevölkerung, die Besiedlung und die Übertritte zum Islam auf dem Balkan genauer untersuchen. Sie erfassen allerdings Steuerpflichtige und nicht alle Menschen und müssen deshalb sorgfältig ausgewertet werden. Der Reisende Evliya Çelebi hinterließ im 17. Jahrhundert einen umfangreichen Reisebericht, der auch den Balkan und die habsburgische Grenze behandelt.

Byzantinische Historiker des 15. Jahrhunderts, darunter Dukas, Georgios Sphrantzes, Laonikos Chalkokondyles und Kritobulos von Imbros, der für Mehmed II. schrieb, schildern den Fall Konstantinopels aus verschiedenen Blickwinkeln. Zu den westlichen Quellen gehören venezianische Diplomatenberichte (relazioni), Briefe des habsburgischen Gesandten Ogier Ghiselin de Busbecq vom Hof Süleymans und Erinnerungen von Gefangenen. Ein Beispiel ist der Bericht des Serben Konstantin Mihailović, der bei den Janitscharen diente. In Deutschland gedruckte Flugschriften über die „Türkengefahr“ (Türkenschriften) prägten die öffentliche Meinung, waren aber Propaganda und keine neutralen Berichte.

Alle diese Quellengruppen haben ihre eigenen Verzerrungen: Osmanische Chroniken feiern die Dynastie, christliche Texte stellen die Osmanen oft als göttliche Strafe dar, und Zahlen werden überall übertrieben. Moderne Historiker vergleichen sie mit Archivmaterial aus Istanbul, Wien und Venedig sowie mit archäologischen Funden aus Festungen und von Schlachtfeldern.

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Fortgeschritten

Geschichtsschreibung und Forschungsdebatten

Warum dehnten die frühen Osmanen ihre Herrschaft so erfolgreich aus? 1938 stellte Paul Wittek die „Ghazi-These“ auf: Der osmanische Staat sei als Gemeinschaft heiliger Krieger entstanden, die dem Kampf gegen Christen verpflichtet gewesen seien. Spätere Historiker stellten diese These infrage. Cemal Kafadar argumentierte in Between Two Worlds (1995), dass die Identität an der Grenze wandelbar war, die Ghaza mit Bündnissen mit Christen vereinbar blieb und die frühen Osmanen pragmatisch handelten. Heath Lowry und andere betonten die Zusammenarbeit mit byzantinischen und balkanischen Eliten. Die meisten Historiker sehen heute religiöse Vorstellungen, günstige Gelegenheiten und Staatsbildung als zusammenwirkende Faktoren.

Eine zweite Debatte betrifft die „Niedergangsthese“: die ältere Ansicht, dass nach Süleymans Tod 1566 ein langer Niedergang des Osmanischen Reiches begonnen habe, der seine militärischen Niederlagen erkläre. Viele Historiker halten dies heute für zu einfach. Stattdessen beschreiben sie einen Wandel im 17. Jahrhundert, bei dem sich Heeresorganisation, Steuersystem und Politik veränderten. Sie weisen darauf hin, dass das Reich weiterhin Kriege gewinnen konnte, etwa um Candia. Die Niederlagen von 1683 bis 1699 erklären sie daher mit konkreten Faktoren: Militärreformen in habsburgischen und russischen Heeren, dem Krieg gegen ein Bündnis mehrerer Gegner und der Überdehnung osmanischer Kräfte, statt mit einem allgemeinen Verfall.

Historiker hinterfragen auch das Bild eines dauernden „Kampfes der Kulturen“ zwischen dem Osmanischen Reich und Europa. Gábor Ágoston und andere zeigen, dass die Osmanen Teil des europäischen Staatensystems waren, ähnliche Militärtechnik nutzten, Bündnisse mit christlichen Mächten schlossen und um dieselben Ressourcen konkurrierten. Zugleich betonen Balkanhistoriker, dass Eroberung, Sklaverei, Knabenlese und die rechtliche Benachteiligung von Nichtmuslimen nicht verharmlost werden dürfen. Ausgewogene Darstellungen berücksichtigen beide Seiten.

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Schlachten (14)

  1. Schlacht an der Mariza1371
  2. Schlacht bei Pločnik1385
  3. Battle of Savra1385
  4. Schlacht bei Bileća1388
  5. Schlacht auf dem Amselfeld1389
  6. Siege of Berat1455
  7. Schlacht von Albulena1457
  8. Siege of Krujë1467
  9. Belagerung von Rhodos1480
  10. Schlacht auf dem Krbava-Feld1493
  11. Belagerung von Rhodos1522–1523
  12. 1552 Siege of Eger1552
  13. Siege of Temesvár1552
  14. Schlacht von Peterwardein1716

Kernideen

Grenzreich
Der osmanische Staat erwuchs aus einem Fürstentum an der Grenze und verband die Vorstellung vom Heiligen Krieg mit pragmatischen Bündnissen und Belohnungen für seine Krieger.
Schießpulver und Organisation
Ein stehendes Heer, wirksame Artillerie und eine gute Versorgung verschafften den Osmanen zwei Jahrhunderte lang Vorteile.
Knabenlese und Janitscharen
Durch die Einziehung christlicher Jungen entstanden ein loyales Eliteheer und eine Verwaltungselite – zum Leid vieler Familien auf dem Balkan.
Gespaltenes Europa
Rivalitäten zwischen Katholiken und Orthodoxen, zwischen christlichen Staaten und später zwischen Katholiken und Protestanten schwächten den Widerstand.
Das Leben an der Grenze
Festungen, Überfälle, Gefangennahmen und Freikäufe prägten über Generationen das Leben in Ungarn und auf dem Balkan.
1683 als Wendepunkt
Nach der gescheiterten zweiten Belagerung Wiens begann ein langer osmanischer Rückzug aus Mitteleuropa.
Unterschiedliche nationale Erinnerungen
Dieselben Ereignisse gelten in der Türkei als Ruhmestaten, auf dem Balkan und in Mitteleuropa dagegen als Katastrophen oder Beispiele heldenhaften Widerstands.

Einträge

  1. 1354 — Die Osmanen besetzen Gallipoli, ihren ersten dauerhaften Stützpunkt in Europa.
  2. 1389 — Schlacht auf dem Amselfeld; Sultan Murad I. und Fürst Lazar kommen beide ums Leben.
  3. 1396 — Bayezid I. besiegt bei Nikopolis ein Kreuzfahrerheer.
  4. 1402 — Timur besiegt Bayezid I. bei Ankara und nimmt ihn gefangen; ein osmanischer Bürgerkrieg folgt.
  5. 1444 — Der Kreuzzug von Warna wird geschlagen; König Władysław fällt.
  6. 1453 — Mehmed II. erobert Konstantinopel am 29. Mai; das Byzantinische Reich endet.
  7. 1526 — Süleyman I. vernichtet bei Mohács das ungarische Heer.
  8. 1529 — Die erste osmanische Belagerung Wiens scheitert.
  9. 1541 — Die Osmanen gliedern Mittelungarn in ihr Reich ein; Ungarn ist nun in drei Teile geteilt.
  10. 1571 — Die Osmanen vollenden die Eroberung Zyperns; die Heilige Liga siegt bei Lepanto.
  11. 1683 — Ein Entsatzheer unter Johann III. Sobieski beendet die zweite Belagerung Wiens (12. September).
  12. 1699 — Frieden von Karlowitz: Die Osmanen treten den größten Teil Ungarns ab.

Glossar

Sultan
Titel des osmanischen Herrschers.
Janitscharen
Elitesoldaten des osmanischen stehenden Heeres, die ursprünglich durch die Knabenlese rekrutiert wurden.
Knabenlese (Devşirme)
Die regelmäßige Einziehung christlicher Jungen, die zum Islam bekehrt und für den Dienst am osmanischen Staat ausgebildet wurden.
Timar
Zuweisung von Steuereinnahmen aus Landbesitz, die den Unterhalt eines osmanischen Reiters (Sipahi) sicherte.
Ghaza
Heiliger Krieg gegen Nichtmuslime; ein daran beteiligter Krieger wurde Ghazi genannt.
Vasall
Ein Herrscher, der sein Land behält, einem mächtigeren Oberherrn aber Tribut und Kriegsdienst schuldet.
Heilige Liga
Ein mit päpstlicher Unterstützung gebildetes Bündnis katholischer Staaten gegen die Osmanen.
Großwesir
Der oberste Minister des Osmanischen Reiches, der häufig auch das Heer befehligte.
Kapitulationen
Handels- und Rechtsprivilegien, die der Sultan ausländischen Kaufleuten und Staaten gewährte.
Militärgrenze
Eine habsburgische Grenzzone gegen die Osmanen, in der Wehrbauern angesiedelt wurden.

Fragen und Antworten

Wer waren die Osmanen?

Eine türkisch-muslimische Dynastie, benannt nach ihrem Gründer Osman. Sie errichtete ab etwa 1300 ein Reich, das bis 1922 bestand und über Teile Asiens, Europas und Afrikas herrschte.

Warum war der Fall Konstantinopels so wichtig?

Er beendete das Byzantinische Reich, das seit der Römerzeit bestanden hatte. Die Osmanen gewannen eine bedeutende Hauptstadt zwischen Europa und Asien, und das christliche Europa war erschüttert.

Warum konnten die Osmanen Wien nicht einnehmen?

1529 zwangen lange Versorgungswege, schlechtes Wetter und eine starke Verteidigung sie zum Rückzug. 1683 hielt die Stadt lange genug durch, bis ein großes Entsatzheer eintraf und die Belagerer besiegte.

Waren die Janitscharen Christen?

Viele stammten aus christlichen Familien und wurden als Jungen durch die Knabenlese eingezogen. Sie wurden jedoch zum Islam bekehrt und als Muslime erzogen, die dem Sultan treu dienen sollten.

Wie viele Menschen starben in diesen Kriegen?

Eine verlässliche Gesamtzahl gibt es nicht. Die Quellen übertreiben häufig, und Todesfälle durch Überfälle, Versklavung, Hunger und Krankheiten wurden nie systematisch gezählt.

Verfiel das Osmanische Reich nach Süleyman?

Ältere Historiker vertraten diese Ansicht. Viele beschreiben heute jedoch einen Wandel statt eines Niedergangs. Das Reich blieb im 17. Jahrhundert mächtig, und seine Niederlagen nach 1683 hatten konkrete Ursachen.

Waren diese Kriege ein Kampf des Islam gegen das Christentum?

Religion spielte eine Rolle. Bündnisse überschritten aber oft religiöse Grenzen: Frankreich verbündete sich mit den Osmanen, und christliche Vasallen kämpften für den Sultan. Historiker sehen ein Zusammenspiel von Religion, Macht und wirtschaftlichen Interessen.

Quellen und weiterführende Literatur

  1. Ottoman wars in Europe. Wikipedia
  2. Battle of Kosovo. Wikipedia
  3. Fall of Constantinople. Wikipedia
  4. Battle of Mohács. Wikipedia
  5. Battle of Vienna. Wikipedia
  6. Treaty of Karlowitz. Wikipedia
  7. Devshirme. Wikipedia
  8. Caroline Finkel, Osman's Dream: The Story of the Ottoman Empire, 1300–1923. John Murray, 2005
  9. Cemal Kafadar, Between Two Worlds: The Construction of the Ottoman State. University of California Press, 1995
  10. Gábor Ágoston, The Last Muslim Conquest: The Ottoman Empire and Its Wars in Europe. Princeton University Press, 2021

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