Krieg

Der Dreißigjährige Krieg

German: Dreißigjähriger Krieg

1618–1648 ·

In einem Satz

Der Dreißigjährige Krieg (1618–1648) begann als Aufstand in Böhmen um Religion und Rechte und weitete sich zu einem europäischen Krieg aus, der vor allem auf deutschem Boden geführt wurde. Millionen Menschen starben durch Kämpfe, Hunger und Krankheiten. Der Westfälische Frieden beendete den Krieg und veränderte das Heilige Römische Reich und die Landkarte Europas.

Beginnen Sie oben mit einer einfachen Einführung. Weiter unten finden Sie mehr Details und Forschungsergebnisse.

  • Einfach
  • Mittel
  • Fortgeschritten

Für junge Leser

Vor etwa 400 Jahren bestand die Mitte Europas aus Hunderten kleinen Ländern und Städten. Dazu gehörten Königreiche, Herzogtümer, freie Städte und Gebiete, die Bischöfe regierten. Sie alle gehörten zum Heiligen Römischen Reich. Manche Herrscher waren katholische Christen, andere evangelische Christen. Sie misstrauten einander.

1618 warfen wütende evangelische Adlige in Prag zwei königliche Beamte und einen Schreiber aus einem hohen Fenster der Burg. Erstaunlicherweise überlebten alle drei. Dieser „Fenstersturz“ löste einen Aufstand aus. Daraus wurde ein Krieg.

Bald kämpften auch Heere aus Spanien, Dänemark, Schweden und Frankreich mit. Die meisten Kämpfe fanden in den deutschen Ländern statt. Soldaten bekamen ihren Lohn oft zu spät. Deshalb nahmen sie den Menschen in den Dörfern Essen, Geld und Tiere weg. Viele Dörfer brannten nieder. An Hunger und Krankheiten wie der Pest starben noch mehr Menschen als in den Schlachten.

Nach dreißig Jahren waren alle erschöpft. 1648 trafen sich Gesandte in den Städten Münster und Osnabrück. Sie schlossen den Westfälischen Frieden. Er regelte, wie katholische, lutherische und reformierte Herrscher nebeneinander leben konnten. Auch einige Grenzen änderten sich.

Der Krieg war so schrecklich, dass die Menschen in Deutschland ihn noch Jahrhunderte später als eine Zeit großen Leids in Erinnerung hatten. Schriftsteller erzählten davon in Büchern und Theaterstücken. In einem Roman zieht ein Junge namens Simplicius durch den Krieg.

Auf einen Blick

Zeitraum
23. Mai 1618 – 24. Oktober 1648
Hauptgebiet
Das Heilige Römische Reich, besonders Böhmen und die deutschen Länder; weitere Kämpfe in den Niederlanden, Norditalien und entlang der französischen Grenze
Wichtigste Kriegsparteien
Kaiser Ferdinand II. (später Ferdinand III.), die von Bayern angeführte Katholische Liga und das habsburgische Spanien; auf der Gegenseite böhmische Aufständische, die Pfalz, Dänemark, Schweden, Frankreich, die Niederländische Republik und verbündete protestantische Fürsten. Die Bündnisse änderten sich im Lauf der Zeit
Wichtige Personen
Ferdinand II., Friedrich V. von der Pfalz, Maximilian von Bayern, Albrecht von Wallenstein, Johann T’Serclaes von Tilly, Gustav II. Adolf von Schweden, Kardinal Richelieu
Bekannte Ereignisse
Prager Fenstersturz (1618), Schlacht am Weißen Berg (1620), Zerstörung Magdeburgs (1631), Schlacht bei Breitenfeld (1631), Schlacht bei Lützen (1632), Schlacht bei Nördlingen (1634)
Beendet durch
Den Westfälischen Frieden, der in Osnabrück und Münster ausgehandelt und am 24. Oktober 1648 unterzeichnet wurde
Todesopfer
Häufig auf etwa 4,5 bis 8 Millionen geschätzt (Soldaten und Zivilisten); die meisten starben an Krankheiten und Hunger. Die Schätzungen sind unsicher
Bevölkerungsverlust
Je nach Region sehr unterschiedlich; manche Gebiete verloren mehr als die Hälfte ihrer Bevölkerung, andere vergleichsweise wenige Menschen

Einfach

Was war der Dreißigjährige Krieg?

Der Dreißigjährige Krieg war eine Reihe miteinander verbundener Kriege zwischen 1618 und 1648. Sie wurden hauptsächlich im Heiligen Römischen Reich geführt. Dieser große, lose verbundene Herrschaftsverband umfasste das heutige Deutschland, Österreich, Tschechien und angrenzende Gebiete. An seiner Spitze stand ein gewählter Kaiser aus dem Haus Habsburg.

Der Krieg begann mit einem Aufstand protestantischer Adliger in Böhmen gegen ihren habsburgischen König. Im Lauf der Jahre griffen Spanien, Dänemark, Schweden, Frankreich und viele deutsche Fürsten ein. Die Religion – die Spaltung zwischen Katholiken und verschiedenen protestantischen Glaubensrichtungen – spielte eine große Rolle. Ebenso wichtig waren Streitfragen über die Macht des Kaisers, die Rechte der Fürsten und die Rivalität zwischen den Habsburgern und Frankreich.

Der Krieg gehörte zu den verheerendsten Kriegen der europäischen Geschichte vor dem 20. Jahrhundert. Er endete 1648 mit dem Westfälischen Frieden. Diese Verträge regelten die Religionsrechte im Reich, erkannten die Unabhängigkeit der Schweiz und der Niederlande an und sprachen Schweden und Frankreich Gebiete zu.

[1][2][9]

Einfach

Warum begann der Krieg?

Ein Jahrhundert zuvor hatte die von Martin Luther angestoßene Reformation das Reich religiös gespalten. Der Augsburger Religionsfrieden von 1555 erlaubte jedem lutherischen oder katholischen Fürsten, die Religion seines Gebiets zu bestimmen. Er bezog die Calvinisten jedoch nicht ein, deren Zahl wuchs. Auch Streitigkeiten um kirchlichen Besitz blieben ungelöst. Bis 1608/1609 hatten sich gegnerische Bündnisse gebildet: die Protestantische Union und die Katholische Liga.

In Böhmen hatten die Adligen 1609 Zusicherungen für ihre Religionsfreiheit erhalten. Als der streng katholische Ferdinand von Steiermark zu ihrem künftigen König bestimmt wurde, fürchteten sie um diese Rechte. Am 23. Mai 1618 warf eine Gruppe protestantischer Adliger zwei kaiserliche Statthalter und einen Schreiber aus einem Fenster der Prager Burg. Alle drei überlebten. Katholiken sagten, Engel hätten sie gerettet; Protestanten behaupteten, sie seien auf einem Misthaufen gelandet. Der Aufstand hatte jedoch begonnen.

Die böhmischen Stände setzten Ferdinand ab und wählten 1619 den calvinistischen Fürsten Friedrich V., Kurfürst von der Pfalz, zu ihrem König. Ferdinand war gerade als Ferdinand II. zum Kaiser gewählt worden und wollte Böhmen zurückgewinnen. Aus einem örtlichen Aufstand wurde bald ein Krieg, der das ganze Reich und seine Nachbarn erfasste.

[6][1][9]

Einfach

Wer kämpfte, und wie wurden die Heere versorgt?

Auf der einen Seite standen die österreichischen Kaiser aus dem Haus Habsburg, die Katholische Liga unter Herzog und später Kurfürst Maximilian von Bayern sowie die spanischen Habsburger, die auch gegen die Niederländische Republik kämpften. Auf der anderen Seite standen zu verschiedenen Zeiten böhmische und pfälzische Aufständische, König Christian IV. von Dänemark, König Gustav II. Adolf von Schweden und seine Nachfolger sowie das katholische Frankreich unter Kardinal Richelieu. Frankreich unterstützte protestantische Verbündete, weil es die Macht der Habsburger stärker fürchtete, als es den Protestantismus ablehnte.

Die Heere waren für ihre Zeit groß und bestanden überwiegend aus angeworbenen Soldaten aus ganz Europa. Den Herrschern fehlte oft das Geld, um sie zu bezahlen. Feldherren wie Albrecht von Wallenstein bauten ein System der „Kontributionen“ aus: Städte und Regionen mussten den Truppen Geld, Nahrung und Quartiere stellen. So konnten die Heere versorgt werden, doch die Lasten und die Gewalt breiteten sich über das Land aus.

Den Heeren folgten große Trosse mit Frauen, Kindern, Bediensteten und Händlern. Sie kochten, pflegten Kranke, verkauften Waren und suchten nach Brauchbarem. Gemeinsam mit den Soldaten trugen sie Krankheiten wie Pest und Fleckfieber von einer Region in die nächste.

[1][9][10]

Mittel

Von Böhmen bis zum Eingreifen Dänemarks (1618–1629)

Kaiserliche Truppen und Streitkräfte der Katholischen Liga schlugen die böhmischen Aufständischen am 8. November 1620 in der Schlacht am Weißen Berg bei Prag. Friedrich V. floh und wurde spöttisch „Winterkönig“ genannt. 1621 wurden Anführer des Aufstands in Prag öffentlich hingerichtet. Der protestantische Gottesdienst wurde in Böhmen nach und nach verboten, viele protestantische Adlige verloren ihre Güter, und Zehntausende Menschen wanderten aus. Unter ihnen war der Pädagoge Johann Amos Comenius.

Der Krieg verlagerte sich in Friedrichs Heimat, die Pfalz am Rhein. Spanische und bayerische Truppen besetzten sie. Die berühmte Heidelberger Bibliothek wurde als Geschenk für den Papst nach Rom gebracht. Friedrichs Kurwürde ging 1623 an Maximilian von Bayern über. Das beunruhigte die protestantischen Fürsten.

1625 griff Christian IV. von Dänemark ein, wurde aber 1626 bei Lutter von Tilly besiegt. Wallenstein stellte ein riesiges kaiserliches Heer auf und drang bis an die Ostseeküste vor. Auf dem Höhepunkt seines Erfolgs erließ Ferdinand II. 1629 das Restitutionsedikt. Es ordnete an, Kirchengüter, die Protestanten seit 1552 übernommen hatten, an die katholische Kirche zurückzugeben. Das erschreckte selbst lutherische Fürsten, die dem Kaiser treu geblieben waren, und trug dazu bei, den Krieg zu verlängern.

[1][9]

Mittel

Schweden, Frankreich und die letzten Kriegsjahre (1630–1648)

1630 landete Gustav II. Adolf von Schweden in Pommern. Er wollte damit zum Teil die Protestanten schützen, zum Teil aber auch Schwedens Macht im Ostseeraum sichern. Ab 1631 erhielt er französische Geldhilfen. Im Mai 1631 erstürmte Tillys Heer die protestantische Stadt Magdeburg. Feuer und Massaker zerstörten den größten Teil der Stadt und töteten einen großen Teil ihrer Bevölkerung; häufig wird die Zahl der Toten auf etwa 20.000 geschätzt. Flugschriften und Druckbilder verbreiteten die Nachricht von der Zerstörung in ganz Europa.

Gustav Adolf errang im September 1631 bei Breitenfeld einen großen Sieg und zog weit nach Süddeutschland. In der Schlacht bei Lützen im November 1632 fiel er, obwohl sein Heer siegte. Wallenstein, der heimlicher Verhandlungen verdächtigt wurde, wurde 1634 mit Billigung des Kaisers von seinen eigenen Offizieren ermordet. Nach einem kaiserlich-spanischen Sieg bei Nördlingen 1634 schlossen die meisten deutschen protestantischen Fürsten im Prager Frieden von 1635 Frieden mit dem Kaiser.

Der Krieg endete nicht, denn Frankreich griff nun unmittelbar ein. Es erklärte Spanien 1635 den Krieg und kämpfte an der Seite Schwedens. Weitere dreizehn Jahre zogen Heere durch ein verwüstetes Reich. Die Franzosen besiegten 1643 die Spanier bei Rocroi, und schwedische und französische Heere gewannen in den 1640er-Jahren weitere wichtige Schlachten. Während die Kämpfe weitergingen, begannen Mitte der 1640er-Jahre in Münster und Osnabrück Friedensverhandlungen. Als 1648 die Nachricht vom Frieden eintraf, belagerten schwedische Truppen Prag. Der Krieg zwischen Frankreich und Spanien dauerte bis 1659 an.

[7][1][10]

Mittel

Der Westfälische Frieden (1648)

Gesandtschaften aus ganz Europa verhandelten den Frieden in zwei westfälischen Städten: katholische Mächte vor allem in Münster, protestantische Mächte vor allem in Osnabrück. Schon früher im Jahr 1648 schloss Spanien einen eigenen Frieden mit der Niederländischen Republik und erkannte ihre Unabhängigkeit an. Die Verträge mit Schweden und Frankreich wurden am 24. Oktober 1648 unterzeichnet.

Im Reich wurde der Calvinismus neben dem Luthertum und dem Katholizismus anerkannt. Das Jahr 1624 wurde als „Normaljahr“ festgelegt: Die damaligen religiösen Verhältnisse sollten weitgehend bestimmen, wer welche Kirchen und Güter behielt. Den Fürsten wurden weitreichende Befugnisse in ihren Gebieten bestätigt. Dazu gehörte das Recht, Bündnisse zu schließen, solange diese sich nicht gegen den Kaiser oder das Reich richteten. Für den Sohn Friedrichs V. wurde eine neue, achte Kurwürde geschaffen; Bayern behielt die zuvor gewonnene Kurwürde.

Schweden erhielt Vorpommern und weitere Gebiete an der Nord- und Ostseeküste und wurde damit zu einer Großmacht. Frankreichs Herrschaft über Metz, Toul und Verdun wurde bestätigt; außerdem erhielt es Rechte im Elsass. Auch die Unabhängigkeit der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom Reich wurde anerkannt.

[3][5][4]

Mittel

Die menschlichen Opfer

Die Gesamtzahl der Todesopfer wird heute meist auf etwa 4,5 bis 8 Millionen Menschen geschätzt. Alle Zahlen sind jedoch unsicher, weil die Aufzeichnungen lückenhaft waren und viele Menschen vor der Gefahr flohen. Die meisten Opfer waren Zivilisten. Die meisten starben nicht im Kampf, sondern an Seuchen und Hunger. Krieg, Plünderungen, schlechte Ernten und Flüchtlinge, die sich in den Städten drängten, verschlimmerten diese Not.

Der Bevölkerungsverlust war von Ort zu Ort sehr unterschiedlich. Manche Regionen, darunter Teile Pommerns, Württembergs und der Pfalz, verloren möglicherweise mehr als die Hälfte ihrer Einwohner. Andere Gebiete, besonders im Nordwesten, litten wesentlich weniger. Historiker bevorzugen heute solche regionalen Darstellungen gegenüber einer einzigen dramatischen Zahl für „Deutschland“.

Zeitgenössische Berichte schildern Plünderungen, Folter, um verstecktes Geld zu finden, Vergewaltigungen, Entführungen und niedergebrannte Dörfer. Solche Schilderungen stammen zum Teil aus Propaganda und Literatur. Sie werden aber auch durch örtliche Akten, Tagebücher und Kirchenbücher bestätigt. Manche Menschen überlebten, indem sie flohen, mit Soldaten verhandelten oder sich selbst einem Heer anschlossen.

Der Krieg veränderte auch, wo die Menschen lebten. In befestigten Städten drängten sich Flüchtlinge vom Land, wodurch sich Seuchen leichter ausbreiteten. Später besiedelten Zuwanderer aus der Schweiz, Österreich und anderen weniger stark betroffenen Gebieten verlassene Bauernhöfe neu. Frauen waren durch Soldaten besonders gefährdet. Zugleich führten sie Höfe und Werkstätten weiter, verhandelten mit Besatzungstruppen und zogen als Ehefrauen, Köchinnen, Marketenderinnen und Pflegerinnen mit den Heeren. Religiöse Minderheiten wurden vertrieben, wenn Herrscher wechselten und ihre eigene Konfession durchsetzten. Jüdische Gemeinden erhielten zwar manchmal gegen Zahlungen Schutz, waren aber von allen Seiten Erpressung und Gewalt ausgesetzt.

[1][9][7]

Mittel

Kurz- und langfristige Folgen

Unmittelbar nach dem Krieg waren viele deutsche Gebiete verarmt, entvölkert und verschuldet. Der Wiederaufbau dauerte Jahrzehnte. Mancherorts erreichte die Bevölkerungszahl erst im 18. Jahrhundert wieder den Stand vor dem Krieg. Die Herrscher nutzten die Nachkriegszeit, um Verwaltung und Steuerwesen neu aufzubauen. In einigen Staaten, etwa Brandenburg-Preußen, schufen sie stehende Heere.

Politisch bestand das Reich fort. Das Verhältnis zwischen Kaiser und Fürsten, das der Frieden festigte, blieb bis 1806 bestehen. Die österreichischen Habsburger konzentrierten sich zunehmend auf ihre eigenen Erblande, darunter das wieder katholisch gewordene Böhmen. Frankreich und Schweden stiegen zu führenden Mächten in der Mitte des 17. Jahrhunderts auf, während Spaniens Niedergang anhielt.

Der Frieden beendete die Feindschaft zwischen den Konfessionen nicht. Er machte einen großen Religionskrieg innerhalb des Reiches jedoch viel unwahrscheinlicher, weil Streitigkeiten nun vor Gerichten und nach rechtlichen Regeln ausgetragen wurden. Oft heißt es, der Westfälische Frieden habe das moderne System souveräner Staaten begründet. Viele Historiker halten diese Behauptung inzwischen für übertrieben (siehe die Debatten weiter unten).

[3][9]

Mittel

Wie verschiedene Länder an den Krieg erinnern

In Deutschland wurde der Krieg zu einem Sinnbild nationaler Katastrophe. Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen erzählte in seinem Roman Simplicius Simplicissimus (1668) aus der Sicht eines unerfahrenen Jungen davon. Friedrich Schiller schrieb eine Geschichte des Krieges und in den 1790er-Jahren die Wallenstein-Trilogie. Bertolt Brecht wählte den Krieg 1939 als Schauplatz für Mutter Courage und ihre Kinder, ein Stück über die Folgen des Gewinnstrebens im Krieg. Nationalisten des 19. Jahrhunderts machten häufig ausländische Mächte für Deutschlands lange Schwäche verantwortlich. Manchmal wurde der Krieg auch mit den Zerstörungen der Weltkriege verglichen.

In Schweden gilt Gustav II. Adolf als großer König und Verteidiger des Protestantismus. Sein Todestag, der 6. November, wird in Schweden und Finnland begangen. In den böhmischen Ländern galt die Niederlage am Weißen Berg in national geprägten Darstellungen lange als Beginn eines „dunklen Zeitalters“ habsburgischer Herrschaft, der Rekatholisierung und der Vorherrschaft der deutschen Sprache. Heutige Historiker zeichnen jedoch ein vielschichtigeres Bild der Barockzeit.

In Frankreich wird der Krieg oft im Zusammenhang mit Richelieus Staatsräson betrachtet, die französische Interessen über die religiöse Verbundenheit stellte. In den Niederlanden erinnert man sich an 1648 als das Jahr, in dem nach dem Achtzigjährigen Krieg die niederländische Unabhängigkeit anerkannt wurde. Katholische und protestantische Historiker beschrieben den Krieg früher jeweils aus Sicht ihrer eigenen Seite als Kampf zwischen Gut und Böse. Heute versuchen Historiker, all diese Sichtweisen einzubeziehen, auch die einfacher Soldaten und der Dorfbewohner.

[8][1][2]

Fortgeschritten

Zeitgenössische Quellen

Der Dreißigjährige Krieg war der erste große europäische Krieg, über den Druckschriften weithin berichteten. Flugschriften, illustrierte Einblattdrucke und frühe Wochenzeitungen verbreiteten Nachrichten und Propaganda über Ereignisse wie den Prager Fenstersturz und die Zerstörung Magdeburgs. Umfangreiche Sammelwerke wie das Theatrum Europaeum trugen Berichte und Kupferstiche zusammen. Diese Quellen zeigen, wie Menschen vom Krieg erfuhren, sind aber oft parteiisch.

Persönliche Aufzeichnungen vermitteln Eindrücke vom Alltag. Das Tagebuch des Söldners Peter Hagendorf wurde im 20. Jahrhundert wiederentdeckt und in den 1990er-Jahren veröffentlicht. Es begleitet einen Soldaten und seine Familie durch jahrzehntelange Feldzüge. Der Schuhmacher Hans Heberle aus der Nähe von Ulm hielt fest, wie oft die Bewohner seines Dorfes in die Stadt flohen. Otto von Guericke, der später als Wissenschaftler bekannt wurde, hinterließ einen Bericht über die Zerstörung Magdeburgs.

Zu den amtlichen Quellen gehören Vertragstexte wie die des Westfälischen Friedens, der diplomatische Schriftwechsel des Friedenskongresses, Heeres- und Steuerakten sowie Kirchenbücher mit Einträgen über Geburten, Eheschließungen und Beerdigungen. Historiker nutzen solche Register zur Erforschung der Bevölkerungsentwicklung mit Vorsicht: Die Einträge wurden oft unterbrochen, wenn Geistliche flohen oder Kirchen niederbrannten.

[5][7][9]

Fortgeschritten

Debatten unter Historikern

War es ein Religionskrieg? Ältere Darstellungen beschrieben ihn oft als den letzten großen Religionskrieg. Peter H. Wilson argumentiert in seiner umfangreichen Studie Europe’s Tragedy (2009), Religion sei vor allem wichtig gewesen, weil sie politische Vorstellungen von Ordnung und rechtmäßiger Herrschaft prägte. Im Kern sei es um die Verfassung des Reiches gegangen. Andere betonen, wie wichtig religiöse Überzeugungen für viele Beteiligte waren. Die meisten Historiker verbinden heute religiöse, verfassungsrechtliche und internationale Erklärungen.

War es ein einziger Krieg oder waren es mehrere? Wissenschaftler wie S. H. Steinberg vertraten in den 1960er-Jahren die Ansicht, der „Dreißigjährige Krieg“ sei eine spätere Bezeichnung für mehrere getrennte Konflikte. Auch seien die Verwüstungen von späteren Autoren übertrieben worden. Spätere Forschungen zur Bevölkerungsentwicklung, darunter regionale Studien, bestätigten sehr hohe Verluste in vielen Gebieten, zeigten aber auch große Unterschiede zwischen den Regionen. Ältere Bevölkerungsschätzungen von Günther Franz wurden vielfach verwendet, jedoch auch kritisiert.

Was bewirkte der Westfälische Frieden? In der Theorie der internationalen Beziehungen bezeichnet „westfälische Souveränität“ ein System unabhängiger, gleichberechtigter Staaten, die sich nicht in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten einmischen. Historiker wie Andreas Osiander sehen darin einen „westfälischen Mythos“: Die Verträge stärkten tatsächlich die Rechtsordnung des Reiches, garantierten Religionsrechte innerhalb der Territorien und gaben ausländischen Mächten eine Rolle als Garantiemächte. Geoffrey Parker hat den Krieg zudem in eine umfassendere „allgemeine Krise“ des 17. Jahrhunderts eingeordnet, die mit einer Abkühlung des Klimas sowie mit Aufständen und Kriegen auf der ganzen Welt zusammenhing.

[9][3][1]

Schlachten (36)

  1. Belagerung von Pilsen1618
  2. Schlacht bei Sablat1619
  3. Schlacht bei Wisternitz1619
  4. Schlacht am Weißen Berg1620
  5. Palatinate campaign1620–1623
  6. Schlacht bei Wimpfen1622
  7. Schlacht bei Mingolsheim1622
  8. Schlacht bei Fleurus1622
  9. Schlacht bei Höchst1622
  10. Schlacht bei Stadtlohn1623
  11. Schlacht bei Lutter1626
  12. Schlacht bei Dessau1626
  13. Belagerung von Stralsund1628
  14. Schlacht bei Wolgast1628
  15. Schlacht bei Stuhm1629
  16. Schlacht bei Breitenfeld1631
  17. Magdeburger Hochzeit1631
  18. Schlacht bei Werben1631
  19. Schlacht von Frankfurt an der Oder1631
  20. Schlacht bei Lützen1632
  21. Schlacht bei Rain am Lech1632
  22. Schlacht an der Alten Veste1632
  23. Schlacht bei Hessisch-Oldendorf1633
  24. Schlacht bei Nördlingen1634
  25. Schlacht bei Wittstock1636
  26. Schlacht bei Rheinfelden1638
  27. Schlacht bei Chemnitz1639
  28. Schlacht bei Breitenfeld1642
  29. Schlacht bei Tuttlingen1643
  30. Schlacht bei Freiburg im Breisgau1644
  31. Schlacht im Königshafen1644
  32. Schlacht bei Jankau1645
  33. Schlacht von Alerheim1645
  34. Schlacht bei Lens1648
  35. Belagerung von Prag1648
  36. Schlacht bei Zusmarshausen1648

Kernideen

Konfessioneller Konflikt
Spannungen zwischen Katholiken, Lutheranern und Calvinisten mit ihren unterschiedlichen Glaubensbekenntnissen prägten während des gesamten Krieges Bündnisse und Ängste.
Reichsverfassung
Im Mittelpunkt des Konflikts stand der Streit darüber, wie viel Macht der Kaiser im Verhältnis zu den Fürsten und Ständen hatte.
Rivalität zwischen Habsburg und Bourbon
Das katholische Frankreich kämpfte gegen die katholischen Habsburger. Das zeigt, dass dynastische und staatliche Interessen schwerer wiegen konnten als die Religion.
Der Krieg ernährt den Krieg
Durch das Kontributionssystem versorgten sich die Heere aus besetzten Gebieten. Dadurch wurden Zivilisten zu den Hauptopfern des Krieges.
Normaljahr
Der Westfälische Frieden legte 1624 als Bezugspunkt für Religionsrechte und kirchlichen Besitz fest und regelte Streitfragen damit rechtlich statt durch Gewalt.
Westfälische Souveränität
Eine später mit 1648 verbundene Vorstellung von unabhängigen Staaten, die sich nicht in die Angelegenheiten anderer Staaten einmischen. Historiker diskutieren diese Vorstellung heute kritisch.
Krieg in den Medien
Gedruckte Nachrichten und Bilder verbreiteten Informationen und Propaganda. Sie prägten, wie die Menschen in Europa den Krieg erlebten und sich später an ihn erinnerten.

Einträge

  1. 1555 — Der Augsburger Religionsfrieden erlaubt lutherischen und katholischen Fürsten, die Religion ihres Gebiets zu bestimmen.
  2. 1618 — Der Prager Fenstersturz (23. Mai) löst den böhmischen Aufstand aus.
  3. 1620 — Schlacht am Weißen Berg (8. November): Die böhmischen Aufständischen werden besiegt.
  4. 1626 — Tilly besiegt Christian IV. von Dänemark bei Lutter.
  5. 1629 — Restitutionsedikt; der Frieden von Lübeck beendet die Beteiligung Dänemarks.
  6. 1630 — Gustav II. Adolf landet in Pommern.
  7. 1631 — Zerstörung Magdeburgs (Mai); schwedischer Sieg bei Breitenfeld (September).
  8. 1632 — Schlacht bei Lützen; Gustav II. Adolf fällt.
  9. 1634 — Wallenstein wird ermordet; kaiserlich-spanischer Sieg bei Nördlingen.
  10. 1635 — Prager Frieden; Frankreich erklärt Spanien den Krieg.
  11. 1643 — Französischer Sieg bei Rocroi; die Friedensverhandlungen in Westfalen beginnen.
  12. 1648 — Der Westfälische Frieden wird in Münster und Osnabrück unterzeichnet (24. Oktober).

Glossar

Heiliges Römisches Reich
Ein großer mitteleuropäischer Herrschaftsverband aus Hunderten Territorien unter einem gewählten Kaiser, der bis 1806 bestand.
Kurfürst
Einer der Fürsten, die den Kaiser wählen durften; vor dem Krieg gab es sieben, danach acht.
Fenstersturz
Das Hinauswerfen eines Menschen aus einem Fenster; in Prag wurde es zu einer Form politischen Protests.
Calvinismus
Eine auf Johannes Calvin zurückgehende reformierte Richtung des Protestantismus, die im Reich erst 1648 rechtlich anerkannt wurde.
Katholische Liga / Protestantische Union
Gegnerische Bündnisse deutscher Fürsten, gegründet 1609 beziehungsweise 1608.
Kontributionssystem
Die erzwungene Versorgung und Bezahlung von Heeren durch besetzte Gebiete; Wallenstein nutzte dieses System in besonders großem Umfang.
Restitutionsedikt
Ferdinands II. Anordnung von 1629, früheren kirchlichen Besitz wieder unter katholische Kontrolle zu bringen.
Normaljahr
Das im Westfälischen Frieden festgelegte Bezugsjahr 1624, nach dem Religionsrechte und Besitzverhältnisse geregelt wurden.
Söldner
Ein Soldat, der für Bezahlung kämpft und nicht aus Treue zu einem bestimmten Staat.

Fragen und Antworten

Überlebten die Männer den Sturz aus dem Fenster?

Ja, alle drei überlebten den Sturz aus mehr als 15 Metern Höhe. Katholiken sagten, Engel oder die Jungfrau Maria hätten sie beschützt. Protestanten spotteten, sie seien auf einem Haufen Abfall oder Mist gelandet. Das Ereignis löste jedenfalls einen Aufstand aus.

Wurde wirklich dreißig Jahre lang ohne Unterbrechung gekämpft?

Die Kämpfe dauerten fast ohne Unterbrechung an, fanden aber an wechselnden Orten und mit unterschiedlichen Beteiligten statt. Historiker unterteilen den Krieg oft in eine böhmische, eine dänische, eine schwedische und eine französische Phase.

Warum half das katholische Frankreich dem protestantischen Schweden?

Kardinal Richelieu fürchtete, dass die Habsburger, die Spanien und Österreich beherrschten, Frankreich einkreisen und beherrschen würden. Für ihn hatten die Interessen des französischen Staates Vorrang vor der religiösen Verbundenheit.

Wer war Wallenstein?

Albrecht von Wallenstein war ein böhmischer Adliger und wurde zum mächtigsten Feldherrn des Kaisers. Er stellte riesige Heere auf, die durch Kontributionen aus besetzten Gebieten bezahlt wurden, und wurde sehr reich. Wegen seiner Eigenständigkeit und seiner heimlichen Kontakte zum Feind misstraute ihm Ferdinand II. Im Jahr 1634 wurde er von seinen eigenen Offizieren ermordet. Später machte Schiller ihn zum tragischen Helden dreier Theaterstücke.

Wie viele Menschen starben?

Genau weiß das niemand. Heutige Schätzungen liegen meist zwischen etwa 4,5 und 8 Millionen Todesopfern. Die meisten Menschen starben an Krankheiten und Hunger statt im Kampf. Manche Regionen verloren mehr als die Hälfte ihrer Bevölkerung, andere viel weniger.

Schuf der Westfälische Frieden die modernen souveränen Staaten?

Nicht auf die einfache Weise, die oft behauptet wird. Die Verträge stärkten die Rechte der Fürsten, aber sie blieben Teil eines fortbestehenden Reiches mit eigenen Gesetzen und Gerichten. Außerdem erhielten ausländische Mächte eine Rolle bei der Sicherung des Friedens. Das „westfälische System“ ist weitgehend eine spätere Vorstellung.

Warum ist Magdeburg so bekannt?

Die Zerstörung der Stadt 1631, bei der ein großer Teil der Bevölkerung starb, erschütterte das protestantische Europa. Gedruckte Berichte verbreiteten die Nachricht überall. „Magdeburgisieren“ wurde zu einem Wort für die völlige Zerstörung einer Stadt.

Wie verlässlich sind die Tagebücher von Soldaten und Dorfbewohnern?

Sie sind wertvoll, weil sie vom Alltag berichten. Doch jeder Verfasser erlebte nur einen Teil des Krieges und schrieb aus eigenen Gründen. Historiker vergleichen solche Tagebücher deshalb miteinander und mit amtlichen Aufzeichnungen.

Quellen und weiterführende Literatur

  1. Thirty Years’ War. Wikipedia
  2. 30년 전쟁. 위키백과
  3. Peace of Westphalia. Wikipedia
  4. 베스트팔렌 조약. 위키백과
  5. Treaty of Westphalia: Peace Treaty between the Holy Roman Emperor and the King of France and their respective Allies (24 October 1648). The Avalon Project, Yale Law School
  6. Defenestrations of Prague. Wikipedia
  7. Sack of Magdeburg. Wikipedia
  8. Simplicius Simplicissimus. Wikipedia
  9. Peter H. Wilson, Europe’s Tragedy: A History of the Thirty Years War. Allen Lane, 2009
  10. C. V. Wedgwood, The Thirty Years War. Jonathan Cape, 1938

Verwandte Inhalte

Mit KI-Unterstützung auf Grundlage der oben aufgeführten veröffentlichten Quellen verfasst und bei neuen Forschungsergebnissen überarbeitet.

← Zurück zur Karte