Beginnen Sie oben mit einer einfachen Einführung. Weiter unten finden Sie mehr Details und Forschungsergebnisse.
- Einfach
- Mittel
- Fortgeschritten
Für junge Leser
Vor etwas mehr als hundert Jahren wurde Mexiko seit über dreißig Jahren von demselben Mann regiert: Porfirio Díaz. Eisenbahnen und Fabriken wurden gebaut, und manche Menschen wurden sehr reich. Die meisten Menschen in Mexiko waren jedoch arme Bauern. Viele hatten ihr Land an große Güter verloren, die wenigen Familien gehörten. Arbeiter hatten kaum Rechte, und die Menschen konnten ihre Anführer nicht in fairen Wahlen bestimmen.
1910 trat ein wohlhabender Mann namens Francisco Madero bei der Präsidentenwahl gegen Díaz an. Díaz ließ ihn verhaften. Madero floh und rief die Menschen in Mexiko auf, sich am 20. November 1910 zu erheben. Im ganzen Land griffen Gruppen zu den Waffen. 1911 gab Díaz die Macht ab und fuhr nach Europa.
Doch das war erst der Anfang. Die Anführer wollten unterschiedliche Dinge. Im Süden wollten Emiliano Zapata und seine Bauern ihr Land zurück. Ihr Motto war „Land und Freiheit“. Im Norden führte Pancho Villa eine bekannte Armee aus Cowboys, Bergleuten und Bauern an. Andere Anführer wie Venustiano Carranza und Álvaro Obregón wollten eine starke neue Regierung. Madero wurde 1913 ermordet. Danach kämpften die Revolutionäre zuerst gegen den General, der ihn gestürzt hatte, und später gegeneinander.
Die Kämpfe dauerten ungefähr zehn Jahre. Züge brachten ganze Armeen durch das Land. Frauen und Familien reisten mit den Soldaten. Dörfer wurden niedergebrannt. Viele Menschen starben an Hunger und Krankheiten. Hunderttausende flohen, viele von ihnen in die Vereinigten Staaten.
1917 bekam Mexiko eine neue Verfassung. Sie versprach Land für Bauern, Rechte für Arbeiter und kostenlose öffentliche Schulen. Heute feiern die Menschen in Mexiko jedes Jahr am 20. November den Beginn der Revolution. Ihre bekannten Anführer kommen in Liedern, Filmen und riesigen Wandgemälden vor.
Auf einen Blick
- Zeitraum
- 20. November 1910 bis 1920 (das häufigste Enddatum); manche Historiker setzen das Ende erst 1917, 1924, 1929 oder 1940 an
- Schauplatz
- Ganz Mexiko, besonders der Norden (Chihuahua, Sonora, Coahuila), das Zentrum und Morelos; außerdem die Grenze zu den USA
- Wichtigste Gruppierungen
- Regime von Porfirio Díaz; Maderisten; Zapatisten; Villisten; Huertas Regime; Konstitutionalisten (Carranza, Obregón)
- Wichtige Persönlichkeiten
- Porfirio Díaz, Francisco I. Madero, Emiliano Zapata, Francisco „Pancho“ Villa, Victoriano Huerta, Venustiano Carranza, Álvaro Obregón
- Wichtiges Dokument
- Verfassung vom 5. Februar 1917 (Artikel 3, 27, 123 und 130)
- Todesopfer
- Sehr unsicher: Die Schätzungen reichen von mehreren Hunderttausend bis über eine Million zusätzlichen Todesfällen; die Bevölkerungszahl sank von etwa 15,2 Millionen (1910) auf etwa 14,3 Millionen (1921)
- Einmischung aus dem Ausland
- Besetzung von Veracruz durch die USA (1914), Strafexpedition unter Pershing (1916–1917), deutsche Einflussversuche (Zimmermann-Depesche, 1917)
- Vermächtnis
- Neue Verfassung, Landreform, weltlicher öffentlicher Unterricht, mexikanische Wandmalerei und eine Regierungspartei, die von 1929 bis 2000 regierte
Einfach
Was war die Mexikanische Revolution?
Die Mexikanische Revolution war eine lange Zeit von Aufständen, Bürgerkriegen und politischen Veränderungen in Mexiko, die 1910 begann. Anfangs wollte die Bewegung den Diktator Porfirio Díaz stürzen und freie Wahlen durchsetzen. Daraus wurde jedoch ein Kampf um Land, Arbeitnehmerrechte, die Macht der katholischen Kirche und ausländischer Unternehmen sowie um die Frage, wer Mexiko regieren sollte.
Es war kein einzelner Krieg zwischen zwei Seiten. Viele Armeen entstanden und zerfielen, und Verbündete wurden oft zu Gegnern. Manche wurden von Grundbesitzern und Politikern angeführt, andere von Bauern, Landarbeitern, Bergleuten und Lehrern. Deshalb sprechen Historiker oft von „Revolutionen“ im Plural: Regionale Bewegungen mit unterschiedlichen Zielen schlossen sich zeitweise zusammen und bekämpften sich zu anderen Zeiten.
Die Revolution war eine der ersten großen sozialen Revolutionen des 20. Jahrhunderts. Sie begann einige Jahre vor der Russischen Revolution von 1917. Sie veränderte Mexikos Gesetze, Kultur und Politik und wurde zur Gründungserzählung des modernen Mexiko.
Einfach
Warum begann sie? Das Porfiriato
Porfirio Díaz, ein General und Held des Krieges gegen die französische Intervention, kam 1876 an die Macht und regierte mit einer vierjährigen Unterbrechung bis 1911. Diese Zeit heißt Porfiriato. Seine Regierung sorgte für Ordnung und wirtschaftliches Wachstum: Eisenbahnen verbanden das Land, ausländische Investoren bauten Bergwerke, Ölquellen und Fabriken, und die Exporte nahmen stark zu. Ihr Motto lautete „Ordnung und Fortschritt“.
Die Vorteile waren sehr ungleich verteilt. Gesetze ermöglichten es Unternehmen und Grundbesitzern, gemeinschaftlich genutztes Dorfland und Felder indigener Gemeinschaften zu übernehmen. Bis 1910 besaß eine große Mehrheit der Familien auf dem Land kein eigenes Land. Viele arbeiteten auf Haciendas (großen Landgütern) und waren mitunter durch Schulden im Gutsladen an sie gebunden. In Yucatán wurden Maya, Yaqui und andere Arbeiter auf Henequén-Plantagen unter Bedingungen gehalten, die der Sklaverei nahekamen. Industriearbeiter hatten keinen gesetzlichen Schutz. Streiks in der Kupfermine von Cananea (1906) und in den Textilfabriken von Río Blanco (1907) wurden mit tödlicher Gewalt niedergeschlagen.
Politisch ließ Díaz Wahlen abhalten, doch die Ergebnisse wurden kontrolliert. 1908 sagte er dem amerikanischen Journalisten James Creelman, Mexiko sei bereit für die Demokratie und er würde eine Opposition begrüßen. Davon ermutigt, schrieb Francisco I. Madero, der Sohn einer reichen Grundbesitzerfamilie aus Coahuila, ein Buch, in dem er wirksames Wahlrecht und den Verzicht auf Wiederwahl forderte. 1910 kandidierte er für das Präsidentenamt. Díaz ließ ihn einsperren und erklärte sich selbst zum wiedergewählten Präsidenten. Ein Wirtschaftsabschwung nach 1907 und die Unzufriedenheit der Mittelschicht sowie regionaler Eliten verschärften die Krise.
Einfach
1910–1913: Maderos Revolution und seine Ermordung
Madero floh nach San Antonio in Texas und veröffentlichte den Plan von San Luis Potosí. Darin rief er die Menschen in Mexiko auf, am 20. November 1910 zu den Waffen zu greifen. Zunächst geschah wenig, doch im nördlichen Bundesstaat Chihuahua führten Pascual Orozco und Pancho Villa immer größere Rebellengruppen an. In Morelos, südlich von Mexiko-Stadt, mobilisierte Emiliano Zapata Dorfbewohner, die ihr Land zurückhaben wollten. Im Mai 1911 eroberten Rebellen Ciudad Juárez an der Grenze zu den USA. Díaz trat am 25. Mai 1911 zurück und ging nach Paris ins Exil.
Madero wurde zum Präsidenten gewählt und trat sein Amt im November 1911 an. Er behielt jedoch große Teile der alten Bundesarmee und Verwaltung bei und ging die Landreform nur langsam an. Zapata wandte sich von ihm ab und veröffentlichte im November 1911 den Plan von Ayala. Darin forderte er die Rückgabe des den Dörfern weggenommenen Landes und die Enteignung eines Teils der großen Landgüter. Auch Orozco erhob sich 1912 gegen Madero.
Im Februar 1913 wandte sich General Victoriano Huerta während zehntägiger Kämpfe in Mexiko-Stadt, der Decena Trágica („Zehn tragische Tage“), gegen Madero und übernahm die Macht. Der US-Botschafter Henry Lane Wilson half dabei, eine Vereinbarung zwischen den Verschwörern auszuhandeln. Madero und sein Vizepräsident José María Pino Suárez wurden am 22. Februar 1913 getötet, offiziell „bei einem Fluchtversuch“. Maderos Ermordung machte ihn zum Märtyrer und löste einen noch größeren Krieg aus.
Mittel
1913–1915: Krieg gegen Huerta und Krieg unter den Siegern
Venustiano Carranza, der Gouverneur von Coahuila, erkannte Huerta nicht an und veröffentlichte im März 1913 den Plan von Guadalupe. Er ernannte sich zum „Ersten Anführer“ der konstitutionalistischen Armee. Álvaro Obregón führte konstitutionalistische Truppen aus Sonora, und Pancho Villa stellte in Chihuahua die schlagkräftige División del Norte auf, die Soldaten und Pferde mit der Eisenbahn transportierte. Zapata führte im Süden seinen eigenen Krieg fort. US-Präsident Woodrow Wilson erkannte Huerta nicht an. Im April 1914 besetzten US-Truppen den Hafen von Veracruz, unter anderem um Waffenlieferungen an Huerta zu verhindern. Nach Villas Sieg bei Zacatecas im Juni 1914 floh Huerta ins Exil, und die alte Bundesarmee wurde aufgelöst.
Danach zerstritten sich die Sieger. Auf dem Konvent von Aguascalientes im Oktober und November 1914 versuchten Vertreter der verschiedenen Gruppen, sich auf eine Regierung zu einigen. Carranza weigerte sich jedoch, die Autorität des Konvents anzuerkennen. Villa und Zapata verbündeten sich gegen Carranza und zogen im Dezember 1914 gemeinsam in Mexiko-Stadt ein. Im Nationalpalast entstand ein berühmtes Foto von ihnen. Carranza und Obregón zogen sich nach Veracruz zurück, das die Vereinigten Staaten im November 1914 geräumt hatten.
Carranzas Seite machte nun wichtige Zusagen, um Unterstützung zu gewinnen: Ein Erlass vom Januar 1915 versprach, den Dörfern ihr Land zurückzugeben. Eine Vereinbarung mit der städtischen Arbeiterorganisation Casa del Obrero Mundial führte zur Bildung „Roter Bataillone“ aus Arbeitern. Bei den Schlachten von Celaya im April 1915 setzte Obregón Schützengräben, Stacheldraht und Maschinengewehre ein, um Villas Kavallerieangriffe zurückzuschlagen. Dabei nutzte er Erfahrungen aus dem Krieg in Europa. Im weiteren Verlauf des Feldzugs verlor Obregón seinen rechten Arm. Villas Armee wurde zerschlagen, und Ende 1915 erkannten die Vereinigten Staaten Carranzas Regierung an.
Mittel
Die Verfassung von 1917
Ende 1916 berief Carranza eine verfassunggebende Versammlung in Querétaro ein. Viele Delegierte waren radikaler als Carranza selbst. Sie schrieben eine Verfassung, die weit über die liberale Verfassung von 1857 hinausging, die sie ersetzte. Sie wurde am 5. Februar 1917 verkündet und ist mit vielen Änderungen bis heute Mexikos Verfassung.
Mehrere Artikel wurden besonders bekannt. Artikel 3 schrieb kostenlose, weltliche öffentliche Bildung vor. Artikel 27 erklärte, dass Land, Wasser und Bodenschätze wie Erdöl und Mineralien ursprünglich der Nation gehören. Das ermöglichte die Landreform und später die Verstaatlichung des Erdöls. Artikel 123 garantierte Arbeitern den Achtstundentag, das Recht, sich zu organisieren und zu streiken, sowie weitere Schutzrechte. Damals gehörten diese Bestimmungen zu den fortschrittlichsten Arbeitsgesetzen der Welt. Artikel 130 und weitere Bestimmungen schränkten die katholische Kirche stark ein.
Es dauerte Jahrzehnte, diese Versprechen umzusetzen. Carranza selbst verteilte vergleichsweise wenig Land. Die kirchenfeindlichen Artikel der Verfassung trugen später zum Ausbruch des Cristero-Krieges (1926–1929) bei, eines Aufstands katholischer Bauern im Westen Mexikos. Eine Landreform in großem Maßstab und die Enteignung der Erdölindustrie erfolgten erst unter Präsident Lázaro Cárdenas (1934–1940).
Mittel
1916–1920: Die Vereinigten Staaten, Zapatas Tod und das Ende der Kämpfe
Aus Wut darüber, dass die USA Carranza anerkannt hatten, griff Villa am 9. März 1916 die Stadt Columbus in New Mexico an. Daraufhin schickten die Vereinigten Staaten eine Strafexpedition unter General John J. Pershing weit in den Norden Mexikos. Sie nahm Villa nicht gefangen und zog sich Anfang 1917 zurück, als sich die Vereinigten Staaten auf ihren Eintritt in den Ersten Weltkrieg vorbereiteten. Im Januar 1917 schlug der deutsche Außenminister Arthur Zimmermann Mexiko in einem geheimen Telegramm vor, sich an der Seite Deutschlands gegen die Vereinigten Staaten zu stellen. Als Gegenleistung stellte er Mexiko verlorene Gebiete in Aussicht. Mexiko lehnte ab, doch die Veröffentlichung der Depesche trug zum Kriegseintritt der USA bei.
Im Süden führten Carranzas Truppen einen brutalen Feldzug gegen die Zapatisten, brannten Dörfer nieder und verschleppten Menschen. Am 10. April 1919 lockte ein Offizier Carranzas, Jesús Guajardo, Zapata auf der Hacienda von Chinameca in eine Falle. Zapata wurde dort erschossen. Als Carranza 1920 seinen Nachfolger selbst bestimmen wollte, erhoben sich Obregón und andere Generäle aus Sonora mit dem Plan von Agua Prieta gegen ihn. Carranza floh und wurde am 21. Mai 1920 getötet. Noch im selben Jahr wurde Obregón zum Präsidenten gewählt.
Villa schloss 1920 Frieden mit der neuen Regierung und zog sich auf eine Ranch in Canutillo im Bundesstaat Durango zurück. 1923 wurde er jedoch ermordet. Auch Obregón wurde 1928 nach seiner Wiederwahl ermordet. 1929 gründete sein Nachfolger Plutarco Elías Calles die Nationale Revolutionspartei (PNR). Unter späteren Namen – PRM und ab 1946 PRI – regierte sie Mexiko ohne Unterbrechung bis 2000. Deshalb setzen viele Historiker das Ende der bewaffneten Revolution auf 1920. Die Schaffung der Institutionen des revolutionären Staates dauerte ihrer Ansicht nach jedoch bis in die 1930er- und 1940er-Jahre an.
Mittel
Zivilbevölkerung, Soldaderas und die menschlichen Verluste
Die Revolution betraf fast jede Familie in Mexiko. Armeen beschlagnahmten Lebensmittel und Pferde und zwangen Menschen zum Dienst. Die Zwangsrekrutierung, leva genannt, erfasste viele Männer. Eisenbahnen und Bergwerke wurden zerstört, und zahlreiche Städte wechselten immer wieder den Besitzer. Zwischen 1915 und 1917 herrschte in mehreren Regionen Hungersnot. Die Grippepandemie von 1918 forderte weitere Todesopfer. Hunderttausende Menschen aus Mexiko flohen nach Norden in die Vereinigten Staaten. Diese Migration prägte mexikanisch-amerikanische Gemeinschaften in Texas, Kalifornien und anderen Regionen.
Die Zahl der Todesopfer ist sehr unsicher. Laut den mexikanischen Volkszählungen lebten 1910 etwa 15,2 Millionen und 1921 etwa 14,3 Millionen Menschen im Land. Aus diesem Rückgang und dem Bevölkerungswachstum, das ohne die Revolution zu erwarten gewesen wäre, schätzten Historiker die gesamten „demografischen Verluste“ auf eine bis zwei Millionen Menschen oder mehr. Darin sind jedoch auch ausgebliebene Geburten und Auswanderung enthalten, nicht nur Todesfälle. Demografen wie Robert McCaa haben versucht, diese Faktoren zu trennen. Schätzungen der zusätzlichen Todesfälle reichen häufig von mehreren Hunderttausend bis über eine Million. Die meisten Opfer waren Zivilisten, die an Krankheiten und Hunger starben, nicht im Kampf.
Frauen spielten in der Revolution eine zentrale Rolle. Soldaderas begleiteten die Armeen, kochten, pflegten Verletzte, transportierten Vorräte und kämpften manchmal selbst. Einige wenige, darunter Petra Herrera und Amelia Robles, befehligten Truppen. Frauen arbeiteten auch als Spioninnen und Journalistinnen und organisierten politische Bewegungen. Das bekannte Lied „La Adelita“ machte die Soldadera zu einem nationalen Symbol. Dieses Bild verdeckte jedoch oft die Entbehrungen und die Gewalt, auch sexuelle Gewalt, die Frauen erlitten.
Der Krieg traf auch andere Gemeinschaften. Chinesische Einwanderer im Norden Mexikos wurden Opfer rassistischer Gewalt. Im Mai 1911 töteten revolutionäre Truppen und Menschen aus der Umgebung in Torreón mehr als 300 chinesische Einwohner. Auch koreanische Arbeiter, die 1905 nach Yucatán gekommen waren, um auf Henequén-Plantagen zu arbeiten, erlebten dort die Revolution.
Mittel
Die Erinnerung in Mexiko und darüber hinaus
Nach 1920 machten die neuen Regierungen die Revolution zu einer nationalen Erzählung, in der einst verfeindete Anführer gemeinsam verehrt wurden: Madero als Vorkämpfer der Demokratie, Zapata als Verteidiger der Bauern, Villa als Kämpfer für die Armen und Carranza als Gesetzgeber. Im Revolutionsdenkmal in Mexiko-Stadt liegen die sterblichen Überreste von Madero, Carranza, Villa, Calles und Cárdenas – Männern, die zu Lebzeiten oft Feinde waren. Der Revolutionstag am 20. November ist ein nationaler Feiertag. Die Regierungspartei beanspruchte, diese eine fortdauernde Revolution zu verkörpern.
Die Kultur trug diese Erinnerung weiter. Unter Bildungsminister José Vasconcelos gab der Staat in den 1920er-Jahren Wandgemälde von Diego Rivera, José Clemente Orozco und David Alfaro Siqueiros in Auftrag. Sie zeigten die Revolution, die Geschichte der indigenen Bevölkerung sowie die Kämpfe von Arbeitern und Bauern. Romane wie Mariano Azuelas Los de abajo (The Underdogs, 1915), Martín Luis Guzmáns El águila y la serpiente (1928), Nellie Campobellos Cartucho (1931), Juan Rulfos Pedro Páramo (1955) und Carlos Fuentes’ La muerte de Artemio Cruz (1962) zeichneten ernüchterndere Bilder. Corridos (erzählerische Lieder) und Fotografien, besonders die im Casasola-Archiv erhaltenen, verbreiteten Bilder der Revolution im ganzen Land.
Auch die Erinnerung war umstritten. Spätere Bauernbewegungen beriefen sich auf Zapata. 1994 benannte sich die Zapatistische Armee der Nationalen Befreiung (EZLN) in Chiapas nach ihm, um gegen den Verrat an den Versprechen der Revolution zu protestieren. Villa war lange von offiziellen Ehrungen ausgeschlossen; seine sterblichen Überreste wurden erst 1976 ins Revolutionsdenkmal überführt. In den Vereinigten Staaten feierten Wochenschauen Villa zunächst, stellten ihn nach dem Angriff auf Columbus aber als Banditen dar. An die Strafexpedition erinnert man sich auf beiden Seiten der Grenze sehr unterschiedlich. Für viele Menschen in Lateinamerika und anderswo wurde die Revolution zum Vorbild für nationale Selbstbestimmung und Landreformen.
Fortgeschritten
Primärquellen
Zu den wichtigsten Dokumenten gehören die revolutionären Pläne, die die Ziele der einzelnen Gruppierungen festlegten: der Plan von San Luis Potosí (1910), der Plan von Ayala (1911), der Plan von Guadalupe (1913) und der Plan von Agua Prieta (1920). Hinzu kommen die Debatten der verfassunggebenden Versammlung von Querétaro und die Verfassung von 1917 selbst. Regierungsarchive in Mexiko, Unterlagen des US-Außenministeriums und des US-Militärs sowie britische, deutsche und französische Diplomatenakten sind wichtig, um die Politik der Regierungen und die Einmischung aus dem Ausland zu erforschen. Friedrich Katz zeigte in seinen Arbeiten, wie viel europäische Archive über die Beteiligung der Großmächte verraten.
Persönliche und lokale Quellen sind ebenso wichtig. Dazu zählen Erinnerungen von Revolutionären und Generälen, der Schriftverkehr der zapatistischen Führung, örtliche Gerichts- und Gemeindeakten sowie Projekte zur mündlichen Geschichtsüberlieferung, in denen seit den 1960er-Jahren ehemalige Beteiligte befragt wurden. Journalisten hinterließen anschauliche, aber parteiische Berichte. Zu ihnen gehörte der Amerikaner John Reed, dessen Buch Insurgent Mexico (1914) Villas Armee beschrieb. Fotografien und frühe Filme machten die Revolution zu einer der ersten, die umfassend im Bild festgehalten wurden. Villa schloss 1914 sogar einen Vertrag mit einer amerikanischen Filmgesellschaft.
All diese Quellen müssen kritisch gelesen werden. Revolutionäre Pläne formulierten Ideale, an die sich die Anführer nicht immer hielten. Erinnerungen wurden oft erst Jahrzehnte später verfasst, um das Handeln ihrer Autoren zu rechtfertigen. US-amerikanische Berichte spiegelten amerikanische Interessen wider. Die während der Kämpfe erhobenen Statistiken waren lückenhaft. Deshalb unterscheiden sich die Schätzungen zu den Bevölkerungsverlusten so stark.
Fortgeschritten
Geschichtsschreibung: War es wirklich eine Revolution?
Mehrere Jahrzehnte lang stellte die vorherrschende „offizielle“ Deutung die Revolution als Bewegung des Volkes, der Bauern und für nationale Selbstbestimmung dar, die in der Verfassung von 1917 und dem Staat nach der Revolution ihren Höhepunkt fand. John Womack Jr.s Zapata and the Mexican Revolution (1968) wurde zu einer klassischen Darstellung einer Bauernbewegung, die „sich nicht verändern wollte und deshalb eine Revolution machte“. Das Werk betonte die eigenen Ziele der Dorfbewohner von Morelos.
Nach dem Massaker an Studenten in Tlatelolco 1968 wurden viele Wissenschaftler skeptisch gegenüber den Behauptungen der Regierungspartei. „Revisionistische“ Historiker betonten Kontinuitäten zum Porfiriato, die Rolle der Mittelschicht und der Eliten im Norden sowie den Aufbau eines mächtigen, autoritären Staates. Manche meinten, das Ergebnis sei weniger eine soziale Revolution als eine „große Rebellion“ gewesen, wie Ramón Eduardo Ruiz es in The Great Rebellion (1980) formulierte. Adolfo Gilly bot in La revolución interrumpida (1971) eine marxistische Deutung einer vorzeitig beendeten Revolution. Regionalstudien wie Luis González’ mikrohistorisches Werk Pueblo en vilo (1968) zeigten, wie unterschiedlich die Revolution von Ort zu Ort erlebt wurde.
Alan Knight widersprach den Revisionisten in seinem zweibändigen Werk The Mexican Revolution (1986). Er argumentierte, es habe sich um eine echte Revolution des Volkes gehandelt, die vor allem aus Konflikten um Land entstanden sei, auch wenn ihr Ergebnis neue Eliten begünstigte. Friedrich Katz untersuchte in The Secret War in Mexico (1981) den internationalen Zusammenhang der Revolution und verfasste 1998 eine bedeutende Villa-Biografie. John Mason Hart hob die Rolle ausländischen, besonders amerikanischen Kapitals hervor. Spätere „postrevisionistische“ und kulturgeschichtliche Forschungen untersuchten den Staatsaufbau aus der Perspektive der Bevölkerung, die Aushandlungsprozesse zwischen Gemeinschaften und dem neuen Staat, Geschlechterrollen, indigene Völker, Religion und den Cristero-Krieg sowie die Entstehung der Erinnerung an die Revolution.
Weiterhin umstritten ist, wann die Revolution endete (1917, 1920 oder 1940), wie viele Menschen starben und ob ihre Versprechen von Land, Arbeitnehmerrechten und Demokratie erfüllt oder verraten wurden. Diese Fragen beschäftigen nicht nur die Wissenschaft: Auch in der mexikanischen Politik wird noch immer über das Erbe der Revolution gestritten.
Schlachten (11)
Kernideen
- Wirksames Wahlrecht, keine Wiederwahl
- Maderos Losung gegen die lange Herrschaft von Díaz; sie ist bis heute ein Grundsatz der mexikanischen Politik.
- Land und Freiheit
- Die Forderung der Zapatisten, den Dörfern ihr Land zurückzugeben und die großen Landgüter aufzuteilen.
- Viele Revolutionen
- Regionale Bewegungen mit unterschiedlichen Anführern, gesellschaftlichen Grundlagen und Zielen bekämpften sowohl das alte Regime als auch einander.
- Konstitutionalismus
- Carranzas Gruppierung berief sich auf das Recht, um ihren Machtanspruch zu begründen; daraus ging schließlich die Verfassung von 1917 hervor.
- Soziale Rechte
- Die Verfassung von 1917 verankerte Landreform, nationales Eigentum an Rohstoffen, Arbeitnehmerrechte und weltliche Bildung im Gesetz.
- Institutionalisierte Revolution
- Die Sieger schufen einen Staat und eine Partei, die den größten Teil des 20. Jahrhunderts beanspruchte, die Revolution zu verkörpern.
- Umstrittenes Erbe
- Historiker und politische Bewegungen streiten darüber, ob die Revolution Mexiko grundlegend veränderte oder hauptsächlich eine Elite durch eine andere ersetzte.
Einträge
- 1876 — Porfirio Díaz kommt an die Macht; das Porfiriato beginnt.
- 1908 — Díaz gibt James Creelman ein Interview; Madero veröffentlicht sein Buch über die Präsidentennachfolge.
- 1910 — Díaz wird zum wiedergewählten Präsidenten erklärt; Maderos Plan von San Luis Potosí ruft zum Aufstand am 20. November auf.
- 1911 — Rebellen erobern Ciudad Juárez; Díaz tritt zurück (Mai); Madero wird Präsident; Zapata veröffentlicht den Plan von Ayala (November).
- 1913 — Decena Trágica; Madero wird ermordet; Huerta übernimmt die Macht; Carranza veröffentlicht den Plan von Guadalupe.
- 1914 — Die USA besetzen Veracruz; Villa siegt bei Zacatecas; Huerta flieht; der Konvent von Aguascalientes spaltet die Revolutionäre.
- 1915 — Obregón besiegt Villa bei Celaya; die Vereinigten Staaten erkennen Carranza an.
- 1916 — Villa greift Columbus in New Mexico an; Pershings Strafexpedition beginnt.
- 1917 — Die Verfassung wird am 5. Februar verkündet; die Zimmermann-Depesche wird bekannt.
- 1919 — Zapata wird bei Chinameca getötet (10. April).
- 1920 — Plan von Agua Prieta; Carranza wird getötet; Obregón wird zum Präsidenten gewählt.
- 1929 — Die Nationale Revolutionspartei wird gegründet; der Cristero-Krieg endet.
Glossar
- Porfiriato
- Die Zeit der Herrschaft von Porfirio Díaz (1876–1911).
- Hacienda
- Ein großes Landgut, dessen dort lebende Arbeiter häufig durch Schulden gebunden waren.
- Ejido
- Land im gemeinschaftlichen Besitz einer ländlichen Gemeinde; nach der Revolution die wichtigste Form der Landreform.
- Plan
- Ein politisches Manifest, das einen Aufstand und seine Ziele verkündet, etwa der Plan von Ayala.
- Konstitutionalisten
- Die von Carranza angeführte Gruppierung, die nach Huertas Staatsstreich die verfassungsmäßige Ordnung wiederherstellen wollte.
- Soldadera
- Eine Frau, die revolutionäre Armeen begleitete und unterstützte, manchmal auch als Kämpferin.
- Corrido
- Ein mexikanisches erzählerisches Lied, mit dem häufig Geschichten über die Revolution erzählt wurden.
- Muralismus
- Eine mexikanische Kunstrichtung mit großen öffentlichen Wandgemälden zu historischen und gesellschaftlichen Themen.
- Antiklerikalismus
- Politische Maßnahmen, die Macht und Vorrechte der Kirche einschränken.
Fragen und Antworten
Wer war in der Mexikanischen Revolution „der Gute“?
Darauf gibt es keine einfache Antwort. Die Anführer kämpften für unterschiedliche Ziele, und alle Armeen übten Gewalt aus. Mexiko ehrt heute viele von ihnen gemeinsam, obwohl sie gegeneinander kämpften.
Was wollte Zapata?
Vor allem wollte er, dass die Dörfer in Morelos und anderen Regionen ihr Land zurückbekamen und die großen Landgüter aufgeteilt wurden. Diese Forderungen standen im Plan von Ayala.
Warum mischten sich die Vereinigten Staaten ein?
Sie wollten amerikanische Bürger und Investitionen schützen und Einfluss darauf nehmen, wer Mexiko regierte. Villas Angriff auf Columbus war ein weiterer Anlass. In Mexiko gelten die Interventionen als Verletzungen der staatlichen Souveränität.
Wann endete die Revolution?
Viele Historiker nennen 1920, als Obregón an die Macht kam. Andere nennen 1917, 1924, 1929 oder 1940. Es hängt davon ab, ob sie die Kämpfe, die Verfassung oder den Aufbau des neuen Staates in den Mittelpunkt stellen.
Wie viele Menschen starben?
Das weiß niemand genau. Die Schätzungen der zusätzlichen Todesfälle reichen von mehreren Hunderttausend bis über eine Million. Der gesamte Bevölkerungsverlust einschließlich Auswanderung und ausgebliebener Geburten könnte zwei Millionen erreicht haben.
War es eine echte soziale Revolution oder nur ein Wechsel der Herrschenden?
Darüber sind sich Historiker uneinig. Revisionisten betonen, was gleich blieb, und die Macht der Eliten. Andere, darunter Alan Knight, sehen darin eine echte Revolution, die von breiten Teilen der Bevölkerung und besonders von Bauern getragen wurde, auch wenn viele Versprechen erst spät oder gar nicht erfüllt wurden.
Quellen und weiterführende Literatur
- Mexican Revolution. Wikipedia
- Plan of Ayala. Wikipedia
- Constitution of Mexico. Wikipedia
- Emiliano Zapata. Wikipedia
- Pancho Villa. Wikipedia
- Soldaderas. Wikipedia
- Alan Knight, The Mexican Revolution (2 vols.). Cambridge University Press, 1986
- John Womack Jr., Zapata and the Mexican Revolution. Alfred A. Knopf, 1968
- Friedrich Katz, The Secret War in Mexico: Europe, the United States, and the Mexican Revolution. University of Chicago Press, 1981
- Friedrich Katz, The Life and Times of Pancho Villa. Stanford University Press, 1998
Mit KI-Unterstützung auf Grundlage der oben aufgeführten veröffentlichten Quellen verfasst und bei neuen Forschungsergebnissen überarbeitet.